TV-Tipp für den 8. Juni: Der Bauch des Architekten

Juni 8, 2010

RBB, 22.45

Der Bauch des Architekten (GB/I 1987, R.: Peter Greenaway)

Drehbuch: Peter Greenaway

Ein Architekt erlebt während der Vorbereitungen für eine Ausstellung in Rom eine ausgewachsene Sinnkrise.

„Ein schrecklich deprimierender Film – und ein Lehrstück über das Sehen und Bilden, unter anderem, ein Film von ausgesuchter optischer Raffinesse, voller dunkelleuchtender Farben.“ (Fischer Film Almanach 1988)

Aber: „Die Filme funktionieren freilich auch auf der schlichten narrativen Ebene, sind unterhaltsam und komisch.“ (ebenda)

Damals war der Avantgarde-Künstler Peter Greenaway nach seinem Spielfilmdebüt „Der Kontrakt des Zeichners“ (The Draughtsman’s Contract) und dem unbekannteren „Eine Z und zwei Nullen“ (A Zed & two Noughts) und vor „Verschwörung der Frauen“ (Drowning by Numbers), „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ (The Cook, the Thief, his Wife and her Lover) und „Prosperos Bücher“ (Prospero’s Books) auf dem Höhepunkt seiner Bekanntheit als Filmregisseur.

Heute ist eine der seltenen Gelegenheiten den „Bauch des Architekten“ zu bewundern.

mit Brian Dennehy, Chloe Webb, Lambert Wilson, Sergio Fantoni

Hinweise

Wikipedia über Peter Greenaway (deutsch, englisch)

Homepage von Peter Greenaway

Homepage über Peter Greenaway

Noch eine Seite über Peter Greenaway


Kleinkram

Juni 7, 2010

Anlässlich des Starts von „Luther“ lieferte Gerard Gilbert im Independent einen Überblick über die aktuellen britischen Krimiserien und welche demnächst kommen. Unter anderem Verfilmungen der Aurelio-Zen-Bücher von Michael Dibdin und der Inspektor-Banks-Romane von Peter Robinson.

„Luther“ wurde von Neil Cross, der neben den Drehbüchern für die Agentenserie „Spooks – Im Visier des MI 5″ auch einige noch nicht übersetzte Krimis schrieb, erfunden.

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Die Verfilmungen der Thorne-Romane von Mark Billingham erwähnte er nicht.

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In den USA startet am 9. Juli im SyFy Channel die Serie „Haven“. Sie basiert sehr lose (Ich meine seeeehr loooose) auf Stephen Kings Hard-Case-Crime-Roman „The Colorado Kid“.

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Bei Collider gibt es Interviews mit den Hauptdarstellern der Krimiserie „Lie to me“: Tim Roth, Kelli Williams, Monica Raymund und Brendan Hines.

Bei uns läuft am Mittwoch um 21.15 Uhr auf Vox die letzte Folge vor der Sommerpause.

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In der New York Times bespricht Charles McGrath die neue Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“, vergleicht sie mit den bisherigen Thompson-Verfilmungen und porträtiert den Regisseur Michael Winterbottom.

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In Deutschland denkt man über die Zukunft des Fernsehens nach.

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Claus Hant, der Erfinder der Sat.1-Krimiserie „Der Bulle von Tölz“, schreibt von seinem Prozess gegen Sat.1:

Am 13. Januar 2010 hat das Kammergericht Berlin im Fall „Bulle von Tölz“ ein Urteil gefällt, das für Drehbuchautoren in dieser Hinsicht von großer Bedeutung ist. Da die Gegenpartei (SAT1) darauf verzichtet hat, Revisionsbeschwerde einzulegen, ist das Urteil inzwischen rechtskräftig.

In dem Verfahren ging es zunächst darum, ob mir als dem alleinigen Schöpfer der „Fabel“ der Serie, d.h. dem Urheber der Elemente, die den „Bullen von Tölz“ prägen, auch für diejenigen Episoden Urheberrechte zustehen, die ich selbst nicht geschrieben habe. Diese Frage hat das Gericht bejaht. Das heißt, TV-Sender müssen dem Schöpfer/Creator, der das Serienkonzept geschaffen bzw. die erste(n) Folge(n) geschrieben hat, auch für die Episoden, die er selbst nicht schreibt, ein Creator/Schöpfer-Honorar bezahlen.

Die zweite Frage, die das Gericht zu entscheiden hatte, betraf die Angemessenheit der Vergütung. SAT1 hatte mit mir einen Buyout-Vertrag geschlossen, d.h. ich habe ein einmaliges Pauschalhonorar erhalten und musste im Voraus auf eine Beteiligung an allen Erträgen verzichten, die aus der Verwertung meiner Urheberrechte in der Zukunft entstehen würden. Buyout-Verträge dieser Art sind in der Branche seit Jahren üblich. Das heißt jedoch nicht, dass sie redlich sind. Diese Verträge stehen nämlich in klarem Widerspruch zum Urheberrecht welches festlegt, dass der Urheber an sämtlichen Erträgen und Vorteilen, die aus der Verwertung seiner Rechte erwachsen, angemessen zu beteiligen ist. Das Urheberrecht gibt dem Urheber die Möglichkeit, Buyout-Verträge im Nachhinein anzufechten, sollte es Anhaltspunkte dafür geben, dass die Erträge des Verwerters in einem „groben“ oder „auffälligen“ Missverhältnis zum Honorar des Urhebers stehen. Im Fall „Bulle von Tölz“ hat das Kammergericht Berlin Anhaltspunkte sowohl für ein „grobes“ als auch für ein „auffälliges“ Missverhältnis festgestellt.


TV-Tipp für den 7. Juni: Der Schrei der Eule

Juni 7, 2010

Arte, 20.15

Der Schrei der Eule (F 1987, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Chabrol, Odile Barski

LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)

Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Juliette. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Patrick. Als er nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt. Aber Patrick ist noch quicklebendig.

Highsmith sezierte in ihren Büchern die Abgründe des Bürgertums. Chabrol in seinen Filmen. „Der Schrei der Eule“ markiert das langerwartete Treffen. Ein feiner Film.

Mit Christophe Malavoy, Mathilda May, Jacques Penot

Wiederholungen

Freitag, 18. Juni, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Dienstag, 22. Juni, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Arte über den Programmschwerpunkt


Hammett und Lambda vergeben

Juni 6, 2010

Zweimal Chronistenpflicht:

Nummer 1: Die North American Branch der International Association of Crime Writers (IACW/NA) hat den diesjährigen Hammett-Preis vergeben:

The Manual of Detection: A Novel, von Jedediah Berry (Penguin Press)

nominiert

Bury Me Deep: A Novel, von Megan E. Abbott (Simon & Schuster)

Devil’s Garden, von Ace Atkins (Putnam)

The Long Fall, von Walter Mosley (Riverhead)

The Way Home (Kein Weg zurück), von George Pelecanos (Little, Brown)

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Nummer 2: Die Lambdas wurde ebenfalls vergeben. Die Gewinner im Krimibereich:

Best Lesbian Mystery

Death of a Dying Man von J.M. Redmann (Bold Strokes Books)

nominiert

Command of Silence, von Paulette Callen (Spinsters Ink)

From Hell to Breakfast, von Joan Opyr (Blue Feather Books)

The Mirror and the Mask, von Ellen Hart (St. Martin’s/Minotaur)

Toasted, von Josie Gordon (Bella Books)

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Best Gay Mystery

What We Remember, von Michael Thomas Ford (Kensington Books)

nominiert

All Lost Things, von Josh Aterovis (P.D. Publishing)

Killer of Orchids, von Ralph Ashworth (State Street Press)

Murder in the Garden District, von Greg Herren (Alyson Books)

Straight Lies, von Rob Byrnes (Kensington Books)

Alle Preisträger (denn neben den Krimis wurden viele weitere Bücher ausgezeichnet) gibt es hier.


TV-Tipp für den 6. Juni: Killer stellen sich nicht vor

Juni 5, 2010

3sat, 01.15

Killer stellen sich nicht vor (F 1980, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Christopher Frank

LV: Jean-Patrick Manchette: Trois hommes à abattre, 1976 (Killer stellen sich nicht vor/Westküstenblues)

Monsieur Emmerich läßt einige seiner Angestellten, die mit seiner Geschäftspolitik nicht einverstanden sind, aus dem Weg räumen. Als Spieler Gerfaut einen der schwer verletzten Angestellten an einer Straße entdeckt, bringt er ihn in ein Krankenhaus und setzt sich selbst – ohne sein Wissen – auf Emmerichs Todesliste. Gerfaut nimmt den Kampf auf.

Der Film mit hat nichts mit dem Buch zu tun. Naja, bis auf den Autounfall am Anfang.

Davon abgesehen: französischer Politthriller, der die Genreerwartungen gut bedient.

Mit Alain Delon, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Distel Literaturverlag über Jean-Patrick Manchette

Französische Seite über Jean-Patrick Manchette


Die Anthony-Nominierungen 2010

Juni 5, 2010

Spinetingler hat die Nominierungen für den diesjährigen Anthony-Award veröffentlicht:

BEST NOVEL

THE LAST CHILD (Das letzte Kind) – John Hart [Minotaur Books]

THE MYSTIC ARTS OF ERASING ALL SIGNS OF DEATH (Das Clean-Tam)– Charlie Huston [Ballantine Books]

THE GIRL WHO PLAYED WITH FIRE (Verdammnis) – Stieg Larsson, translated by Reg Keeland [Quercus/Knopf]

THE BRUTAL TELLING – Louise Penny [Minotaur Books]

THE SHANGHAI MOON – S.J. Rozan [Minotaur Books]

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BEST FIRST NOVEL

THE SWEETNESS AT THE BOTTOM OF THE PIE – Alan Bradley [Delacorte Press]

STARVATION LAKE – Bryan Gruley [Touchstone]

A BAD DAY FOR SORRY – Sophie Littlefield [Minotaur Books]

THE TWELVE/THE GHOSTS OF BELFAST – Stuart Neville [Harvill Secker/Soho Press]

IN THE SHADOW OF GOTHAM – Stefanie Pintoff [Minotaur Books]

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BEST PAPERBACK ORIGINAL

BURY ME DEEP – Megan Abbott [Simon & Schuster]

TOWER – Ken Bruen and Reed Farrel Coleman [Busted Flush Press]

QUARRY IN THE MIDDLE – Max Allan Collins [Hard Case Crime]

STARVATION LAKE – Bryan Gruley [Touchstone]

DEATH AND THE LIT CHICK – G.M. Malliet [Midnight Ink]

AIR TIME – Hank Phillippi Ryan [Mira]

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BEST SHORT STORY

“Last Fair Deal Gone Down” – Ace Atkins, CROSSROAD BLUES [Busted Flush Press]

“Femme Sole” – Dana Cameron, BOSTON NOIR [Akashic Books]

“Animal Rescue” – Dennis Lehane, BOSTON NOIR [Akashic Books]

“On the House” – Hank Phillippi Ryan, QUARRY: Crime Stories by New England Writers [Level Best Books]

“Amapola” – Luis Alberto Urrea, PHOENIX NOIR [Akashic Books]

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BEST CRITICAL NONFICTION WORK

TALKING ABOUT DETECTIVE FICTION – P.D. James [Bodleian Library/Knopf]

THE LINE UP: The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives – Otto Penzler, ed. [Little, Brown and Co]

HAUNTED HEART: The Life and Times of Stephen King – Lisa Rogak [Thomas Dunne Books]

DAME AGATHA’S SHORTS: An Agatha Christie Short Story Companion – Elena Santangelo [Bella Rosa Books]

THE TALENTED MISS HIGHSMITH: The Secret Life and Serious Art of Patricia Highsmith – Joan Schenkar [St. Martin’s Press]


Kleinkram

Juni 5, 2010

In den vergangenen Tagen hat sich einiges ansammelt. Daher ohne weitere Kommentare:

Die Juni-Ausgabe von The Big Thrill ist online mit Porträts (oft mit Interviews) von Janet Evanovich, Karin Slaughter, Tess Gerritsen, R. J. Ellory,  Eric Van Lustbader (mit einem weiteren Jason-Bourne-Roman), Jon Land (Yep, der schreibt immer noch.), Scott Sigler, Alexandra Sokoloff, Cindy Gerard und James O. Born (über Joseph Wambaughs „Die Chorknaben“; Born ist noch nicht übersetzt. Aber er hatte hier schon einen denkwürdigen Auftritt als Buchkritiker.)

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Nach den vielen thrillenden Mädels wurden Brett Battles und Dennis Lehane (über „Shutter Island“ und „Im Aufruhr jener Tage“)  in andere Verhörzimmer geführt.

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Declan Burke (Crime always pays) schreibt über Jim Thompson und die neue Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“:

Be warned that this is not one for the faint-hearted, as the violence has a perversely intimate quality to it that makes it utterly shocking. That said, as a crime thriller and a forensically telling psychological exploration of psychosis, The Killer Inside Me is a viscerally engaging experience. ****

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Spielt James Bond, äh Daniel Craig in David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“  die männliche Hauptrolle?

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Das könnte wirklich etwas werden. Die ersten Bilder für die auf der Comicserie „The Walking Dead“ basierende TV-Serie sind online und sie sehen wirklich zombiemäßig aus.

„Walking Dead“-Drehbuchautor Robert Kirkman erzählt einiges über die Serie.

(Ich werd demnächst die Vorlage von Robert Kirkman ausführliche vorstellen.)

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Wenn wir vom „Walking Dead“ reden, dürfen wir von Zombies nicht schweigen und zum Glück gibt es den auskunftwilligen Experten George A. Romero.

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Das Wolfe Pack hat die Nominierungen für den diesjährigen Nero Award veröffentlicht:

The Fleet Street Murders, von Charles Finch
The Crack in the Lens, von Steve Hockensmith
Faces of the Gone, von Brad Parks

Der Gewinner wird Anfang Dezember bekannt gegeben.


TV-Tipp für den 5. Juni: Tatort – Tod eines Mädchens

Juni 5, 2010

NDR, 20.15

TATORT: Tod eines Mädchens (D 1991, R.: Jürgen Roland)

Drehbuch: Horst Bieber

Hat Bading ein Mädchen umgebracht? Stoever und Brockmöller meinen ja, bis sie ihren Hauptverdächtigen ermordet finden.

Guter Einsatz der damals noch nicht singenden Kommissare.

Mit Manfred Krug, Charles Brauer, Helmut Zierl, Monica Bleibtreu

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Horst Bieber

Meine Besprechung von Horst Biebers „Sein letzter Tresor“

Meine Besprechung von Horst Biebers „Anna verschwindet“


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juni 4, 2010

Trotz Feier- und Brückentagen hat der sonnenbadende Alligator-Alfred meine neuen TV-Krimi-Buch-Tipps hübsch bebildert und online gestellt. Welche Krimiverfilmungen laufen demnächst im TV?

Viel skandinavisches Holz wird die kommenden Tage im Fernsehen gezeigt. Wer auch andere Wälder erkunden will, sollte sich Sidney Lumets Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“, Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung „Misery“ (nach einem Drehbuch von William Goldman), Claude Chabrols Patricia-Highsmith-Verfilmung „Der Schrei der Eule“ und seine Nicholas-Blake-Verfilmung „Das Biest muß sterben“, René Clements Day-Keene-Verfilmung „Wie Raubkatzen“, Alfred Hitchcocks „Der Mann, der zuviel wusste“, Jonathan Demmes Richard-Condon-Verfilmung „Der Manchurian Kandidat“, Barry Sonnenfelds Elmore-Leonard-Verfilmung „Schnappt Shorty“, Jack Smights Ross-MacDonald-Verfilmung „Ein Fall für Harper“ (Uups, noch ein Drehbuch von William Goldman) und Damiano Damianis Leonardo-Sciascia-Verfilmung „Don Mariano weiß von nichts“ ansehen.


PI Spenser stochert in der Vergangenheit

Juni 4, 2010

„Alte Wunden“, der dreißigste Fall für den in Boston ermittelnden Privatdetektiv Spenser, beginnt mit dem Besuch von einem alten Bekannten in Spenser Büro. Sein Ziehsohn Paul Giacomin besucht ihn mit seiner Freundin Daryl Gordon. Sie möchte wissen, wer 1974 ihre Mutter bei einem Banküberfall erschoss. Die Dread-Scott-Brigade bekannte sich zu dem Überfall, aber die Täter wurden nie geschnappt. Als Spenser den Polizeibericht lesen will, erfährt er, dass er weder bei der Polizei noch beim FBI zu finden ist. Und nachdem einige Gangster von ihm verlangen, dass er nicht weiter herumschnüffeln soll, ist natürlich Spensers Jagdinstinkt geweckt. Mit seinem Kumpel Hawk (Typ: böser, großer, schwarzer Mann) begibt er sich auf die Jagd und begegnet dabei auch Jesse Stone, dem hilfsbereiten Polizeichef der Kleinstadt Paradise.

Nach „Hugger Mugger“, „Potshot“ und „Widow’s Walk“ (Die blonde Witwe) ist „Alte Wunden“ ein besserer Spenser-Fall. Denn spätestens seit den Neunzigern und einigen sehr schwachen Büchern in den Achtzigern schrieb Robert B. Parker die Spenser-Romane quasi im Autopilot-Modus, der dazu führt, dass die Plots oft erschreckend dünn und verworren sind, aber die Dialoge und natürlich die Kürze der Krimis sorgen immer noch für einen vergnüglichen Abend mit einigen herzlichen Lachern.

Die besseren Bücher von Robert B. Parker erschienen damals in der Jesse-Stone-Reihe, die nach einem guten Anfang dann allerdings auch erschreckend schnell schlechter wurde.

Dennoch ist „Alte Wunden“ wie ein Besuch in der Stammkneipe. Man kennt alles, man ärgert sich immer wieder über die gleichen Dinge und kommt doch immer wieder zurück. Denn Schreiben kann Robert B. Parker. Oder sollte ich „konnte“ sagen? Denn Parker starb am 18. Januar an seinem Schreibtisch. Aber andererseits ist für Oktober der neununddreißigste Spenser-Roman „Painted Ladies“ angekündigt und es sind immer noch nicht alle Spenser-, Jesse-Stone-, Sunny-Randall- (muss nicht sein) und Virgil-Cole/Everett-Hitch-Romane (hm, die Western werden wahrscheinlich nie übersetzt) übersetzt.

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Robert B. Parker: Alte Wunden – Ein Auftrag für Spenser

(übersetzt von Emanuel Bergmann)

Pendragon, 2010

224 Seiten

9,95 Euro

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Originalausgabe

Back Story

G. P. Putnam’s Sons, 2003

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Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 4. Juni: Für alle Fälle Fitz – Nine Eleven

Juni 4, 2010

ZDFneo, 23.15

Für alle Fälle Fitz: Nine Eleven (GB 2006, R.: Antonia Bird)

Drehbuch: Jimmy McGovern

„Nine Eleven“ ist der okaye Nachklapp zur legendären Serie „Für alle Fälle Fitz“ (Cracker): der Psychologe Eddie „Fitz“ Fitzgerald besucht wegen der Hochzeit seiner Tochter wieder das inzwischen gründlich durchsanierte Manchester. Fitz, der sich in den vergangenen Jahren kein Jota änderte, torpediert zuerst die Hochzeit und mischt sich anschließend in einen Mordfall ein: zwei Amerikaner wurden ermordet.

„Nine Eleven“ verbindet gelungen den Antiterrorkrieg der USA mit dem Nordirlandkonflikt und, wenn es die vorherigen „Cracker“-Filme nicht gäbe, hätte mir der bislang letzte Auftritt von Robbie Coltrane als Fitz noch besser gefallen.

Jimmy McGoverns Drehbuch war vollkommen zu Recht für den Edgar nominiert.

ZDFneo zeigt an den kommenden Freitagen die ersten „Cracker“-Episoden. Allerdings scheint es sich um leicht gekürzte Fassungen zu handeln. Auf DVD sind die ungekürzten Folgen erschienen.

mit Robbie Coltrane, Barbara Flynn, Kieran O’Brien, Anthony Flanagan

Hinweis

Meine Besprechung der Komplettbox „Für alle Fälle Fitz“ (Cracker)


Buch-/Filmkritik: Stieg Larssons „Vergebung“

Juni 3, 2010

Wer die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson verschlungen hat, wird natürlich auch in den dritten Teil gehen und sich an einer romannahen Verfilmung erfreuen können. Auch wenn ein gesamter Subplot entfernt wurde. Aber wie schon in „Verblendung“ und „Verdamnis“ bleibt das Gerüst der Geschichte intakt.

Für die anderen Menschen – nun, sieht das Ganze etwas anders aus.

„Vergebung“ schließt nahtlos an den zweiten Teil „Verdammnis“ an. Lisbeth Salander liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Ihr Vater Alexander Zalachenko (im Buch Zalatschenko) im Zimmer nebenan und ihr Bruder Ronald Niedermann ist auf der Flucht. Der Staat bereitet die Anklage gegen Lisbeth vor. Immerhin hat sie versucht ihren Vater zu töten. Ihr Freund, der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist, versucht ihr zu helfen.

Gleichzeitig versuchen die Beamten, die den russischen Überläufer Zalachenko die letzten Jahrzehnte schützten, ihn und damit auch sich weiterhin zu schützen.

Diese Aufräumaktion und wie sie schiefgeht wird im Film und im Buch in epischer und quälend-langatmiger Breite erzählt. Denn anstatt die Karten neu zu verteilen und damit alle Gewissheiten aus „Verdammnis“ wieder zumindest in Frage oder sogar komplett auf den Kopf zu stellen, erzählt Larsson einfach chronologisch weiter, was passiert. Deshalb ist die Hauptstory (Mikael versucht Lisbeth zu rehabilitieren) nur ein dröger Nachklapp zu der vorherigen Geschichte. Es ist, weil eigentlich in „Verdammnis“ bereits alles gesagt wurde und in „Vergebung“ keine neuen Erkenntnisse die alten Gewissheiten in Frage stellen, ein elend langer Epilog, bei dem viel, aber immer mit klarer Rollenverteilung, intrigiert wird. Denn Zalachenkos Freunde von der Sicherheitspolizei (SiPo) wollen Lisbeth Salander jetzt endgültig in die Psychiatrie einweisen lassen.

Auf der Leinwand ist dieses Pläneschmieden von einer Armada sprechender Köpfe oft ziemlich langweilig anzusehen. Denn Kino ist Bewegung und in „Vergebung“ gibt es das nur homöopathische Dosen.

Wenn Larssons Charaktere nicht gerade reden, schreiben und lesen sie. Das ist in einem Roman kein Problem, aber auf der Leinwand, wenn notgedrungen mit Voice-Over und Selbstgesprächen gearbeitet wird, langweilig.

Dagegen fällt immer stärker auf, dass die Bücher von Stieg Larsson Märchen für Erwachsene sind. Es gibt die edlen Guten und die fiesen, teilweise erstaunlich dilettantisch agierenden Bösen. Dazwischen gibt es nichts und am Ende geht die Geschichte gut aus. Denn der edle Ritter (aka Mikael Blomkvist, der nicht Kalle Blomkvist genannt werden möchte) hat die Jungfrau (aka Lisbeth Salander, die zeitgemäße Version von Pippi Langstrumpf mit starken Verhaltensstörungen) gerettet. Dass Salander am Ende noch einmal ihrem untergetauchten Bruder begegnet, ist nur ein Tribut an die gewandelten Zeiten. Immerhin gibt es inzwischen in Buch, Film und Computerspiel genug Frauen, die lustvoll ganze Horden von Männern verprügeln und töten.

So vereint „Vergebung“ das Beste und das Schlechteste von Stieg Larsson jetzt auch im Film. Obwohl wieder viel überflüssiger Ballast gestrichen wurde, ist der Film viel zu lang. Genaugenommen ist „Vergebung“ nur ein Epilog zu „Verdammnis“, der anstatt 5 Minuten fast 150 Minuten dauert und überraschungsfrei und ziemlich humorlos die Stationen eines Strafverfahrens abhakt. Nur die superdoofen Gegner von unserem tapferen Journalisten Blomkvist erstaunen immer wieder.

Für Larsson-Fans ist „Vergebung“ sicher eine probate Illustration des Buches. Wer aber den zweiten Teil der Millenium-Trilogie „Verdammnis“ nicht gelesen oder gesehen hat, wird sich beim Sehen von „Vergebung“, weil die meisten Charaktere und Hintergründe nicht mehr eingeführt werden, öfters sehr verloren fühlen.

In Schweden ist bereits die deutlich TV-Version von „Verblendung“ (dem besten Film der Trilogie), „Verdammnis“ und „Vergebung“ gelaufen. Larsson-Fans sollten sich also überlegen, ob sie sich jetzt die Einzel-DVDs kaufen oder auf den Extended-Cut warten.

Vergebung (Luftslottet som sprängdes, Schweden/Dänemark/Deutschland 2009)

Regie: Daniel Alfredson

Drehbuch: Ulf Rydberg (nach dem Roman von Stieg Larsson)

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Jacob Ericksson, Sofia Ledarp, Mikael Spreitz, Niklas Hjulström, Lena Endre, Michalis Koutsogiannakis, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Anders Ahlborn Rosendahl

Vorlage

Stieg Larsson: Vergebung

(übersetzt von Wibke Kuhn)

Heyne 2008

864 Seiten

9,95 Euro (Taschenbuch)

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Originalausgabe

Luftslottet som sprängdes

Norstedts Förlag, Stockholm 2007

–

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Vergebung“

Meine Besprechung von „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von „Verdammnis“ (Buch und Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Juni: Masken

Juni 3, 2010

Arte, 20.15

Masken (F 1987, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Odile Baski, Claude Chabrol

Der Pariser Journalist Roland Wolf will den berühmten, für seine Wohltätigkeit bekannten Showmaster Christian Legagneur auf dessen Landsitz interviewen. Dabei blickt er hinter Legagneurs Fassade. Außerdem will Wolf herausfinden, was dort mit seiner Schwester geschah.

„Die Deformation beim Tanz um das goldene Kalb, die behaglich rosa getönte Fassade von Habgier und rücksichtsloser Menschenverachtung, die Verlogenheit in den Unterhaltungsmedien. Typische Themen in Chabrols Oeuvre, das mit diesem Film um ein unterhaltsames Meisterwerk reicher geworden ist.“ (Fischer Film Almanach 1988)

Arte nimmt den 80. Geburtstag von Claude Chabrol am 24. Juni zum Anlass, einige seiner Filme wieder zu zeigen. Nach „Masken“ stehen „Der Schrei der Eule“ (Montag, 7. Juni), „Das Biest muss sterben“ (Montag, 14. Juni), „Der Frauenmörder von Paris“ (Montag, 21. Juni) und „Betty“ (Donnerstag, 24. Juni) auf dem Programm.

Mit Philippe Noiret, Robin Renucci, Bernadette Lafont, Monique Chaumette

Wiederholungen

Dienstag, 15. Juni, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Sonntag, 20. Juni, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Arte über den Programmschwerpunkt


DVD-Kritik: John Wayne ist „Der letzte Scharfschütze“

Juni 2, 2010

Wenn man heute den Roman „The Shootist“ von Glendon Swarthout liest, hat man immer John Wayne vor Augen. Denn wer außer dem ikonischen Westerndarsteller sollte einen alternden Revolverhelden spielen?

In der gleichnamigen, sich sehr genau an den Roman haltenden Verfilmung spielte John Wayne dann den gefürchteten Revolverhelden John Bernard Books. Am 22. Januar 1901 nimmt er in Carson City ein Zimmer bei der Witwe Bond Rogers (Lauren Bacall). Sein Arzt (James Stewart) hatte ihm gesagt, dass er Krebs habe (das war damals die Todesursache Nr. 1 für Revolverhelden) und in wenigen Wochen qualvoll sterben werde.

Glendon Swarthout entwarf in seinem Roman ein pessimistisches Bild der Gesellschaft und Don Siegel hatte, obwohl der Film etwas positiver endet, keine Probleme, dem zu folgen. In „Der Shootist – Der letzte Scharfschütze“ (doofer denglischer Titel) ist der Revolverheld Books von einer Horde Geschäftemacher, die alle seinen Tod als eine Möglichkeit zum Geldverdienen sehen und sich dafür nicht schämen, und einem Ortspolizisten, der seine Freude über Books baldiges Sterben auch vor Books nicht verbirgt, umgeben. Books wenigen „Freunde“ sind seine Vermieterin und sein Arzt, den er seit fünfzehn Jahren (also seit „Der Mann, der Liberty Valence erschoss“) nicht mehr gesehen hat. In einem solchen Umfeld wird der mehrfache Mörder Books zu einem ehrlichen Mann, der seinem Kodex folgt und Gewalt immer nur zur Selbstverteidigung benutzt.

Books, der sich über die menschliche Natur keine Illusionen macht, treibt in seinen letzten Tagen den Preis für sein Eigentum und seinen Leichnam in die Höhe. Nicht weil er das Geld für sich oder seine Nachkommen (die es nicht gibt) benötigt, sondern aus Prinzip. Aus Prinzip wirft er auch einen Journalisten, der Books Geschichte leicht ausgeschmückt verkaufen möchte, aus dem Gästehaus der Witwe Rogers.

Gleichzeitig freundet Books sich, soweit das ein Mann, der immer auf sich allein gestellt war, mit seiner Vermieterin Bond Rogers an und er versucht für ihren Sohn Gillom (der spätere Regisseur Ron Howard [zuletzt „Frost/Nixon“ und „Illuminati“]) ein Vater zu sein. Denn Gillom bewundert den Revolverhelden maßlos.

In diesen Tagen fragt Books sich, wie er sterben möchte und welches Bild von sich er der Welt überlassen will. Dafür bereitet er seinen Tod, in einem abschließendem Duell, präzise vor.

Am Ende macht er der Stadt sogar, wie im Buch ein Bewohner von Carson City sagt, noch ein Geschenk: „He killed every hard case around!“

Gleichzeitig hat er sich einen würdigen Abgang verschafft.

Jedenfalls im Film.

Dass „Der Shootist“ John Waynes letzter Film wurde, ahnte 1976 niemand. Damals war es nur ein weiterer John-Wayne-Film. Aber jeder wusste, dass der am 26. Mai 1907 geborene John Wayne langsam zu alt wurde, um den Cowboy zu spielen. Viele bekannte Schauspieler, die von dem Projekt hörten, wollten eine der letzten Gelegenheiten wahrnehmen, mit der Legende zu spielen – und verzichteten dafür auch auf ihre üblichen Gagen. So kostete der Film trotz seiner namhaften Besetzung nur 4,5 Millionen Dollar.

Als John Wayne am 11. Juni 1979, wie Books, an Krebs starb, erhielt der Film eine bittere Pointe. Denn während des Drehs glaubte John Wayne, den Krebs besiegt zu haben.

Inzwischen ist „Der Shootist“, wie Swarthouts Roman, ein Western-Klassiker. Die Western Writers of America verliehen Swarthouts Buch den Spur-Award als bester Western-Roman des Jahres 1975. Später nahmen sie „The Shootist“ in die Liste der 21 besten Western, Swarthout in die Liste der besten Western-Autoren und die Verfilmung in die Liste der zehn besten Western des zwanzigsten Jahrhunderts auf.

Außerdem ist der von Don Siegels inszenierte melancholische Spätwestern unbestritten einer von John Waynes besten Filme – und in jedem Fall, nach einigen schwachen und durchschnittlichen Filmen, ein würdiger Abschied aus dem Filmgeschäft.

Der Shootist – Der letzte Scharfschütze (The Shootist, USA 1976)

Regie: Don Siegel

Drehbuch: Miles Hood Swarthout, Scott Hale

LV: Glendon Swarthout: The Shootist, 1975 (Der Superschütze)

mit John Wayne, Lauren Bacall, Ron Howard, James Stewart, Richard Boone, Hugh O’Brian, Bill McKinney, Harry Morgan, John Carradine, Richard Lenz, Scatman Crothers

–

DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Booklet, Trailer (deutsch, englisch), zwei Teaser mit Behind-the-Scenes-Aufnahmen, Bildergalerie, Wendecover

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Wikipedia über „Der Shootist – Der letzte Scharfschütze“ (deutsch, englisch)

New York Times: Richard Eder bespricht „The Shootist“ (12. August 1976 – eher negativ)

Homepage von Glendon Swarthout


TV-Tipp für den 2. Juni: Tatort: Schönes Wochenende

Juni 2, 2010

WDR, 23.00

Tatort: Schönes Wochenende (D 1980, R.: Wolfgang Staudte)

Drehbuch: Uwe Erichsen, Martin Gies

In seinem letzten Fall verlässt Kommissar Haferkamp sein vertrautes Revier: Zusammen mit seiner Ex will er ein Wochenende im Bergischen Land verbringen. Aber statt gemeinsamen Wanderungen klärt er, ohne das Hotel zu verlassen, einen Mord an einem Ganoven und einen Überfall auf einen Großmarkt auf. Seine Ex erträgt die Ermittlungen ihres Ex mit Fassung.

Mit einem ungewöhnlichen Fall endete die Ära des bekannt-beliebten Kommissars. Denn bislang ermittelte er nicht in seiner Freizeit.

mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Karin Eickelbaum, Bernd Schäfer, Dieter Prochnow, Peter Millowitsch, Uwe Ochsenknecht

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Haferkamp

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Uwe Erichsen


Cover der Woche

Juni 1, 2010


TV-Tipp für den 1. Juni: Coogans großer Bluff

Juni 1, 2010

BR, 21.45

Coogans großer Bluff (USA 1968, R.: Don Siegel)

Drehbuch: Herman Miller, Dean Reisner, Howard Rodman (nach einer Story von Herman Miller)

Ein Sheriff aus Arizona verfolgt in New York einen flüchtigen Mörder.

Die erste Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood ist eine Vorstudie für „Dirty Harry“ und war der beginn einer jahrelangen Freundschaft. Der Film kam beim Publikum gut an, aber ich stimme Richard Schickel zu: „Dennoch bleibt der Eindruck bestehen, (…) dass es sich um einen verworrenen und im Ton vergriffenen Film handelt, der nie sein eigentliches Ziel findet, sondern von Schlüsselszene zu Schlüsselszene wandert – beziehungsweise kriecht.“ (Clint Eastwood – Eine Biographie)

„Coogans großer Bluff“ war auch das Vorbild für die TV-Serie „Ein Sheriff in New York“ (McCloud, mit Dennis Weaver).

mit Clint Eastwood, Lee J. Cobb, Susan Clark, Tisha Sterling, Don Stroud, Seymour Cassel

Wiederholung: Donnerstag, 3. Juni, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Coogans großer Bluff“ (deutsch, englisch)

ClintEastwood.net über „Coogan’s Bluff“

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Happy Birthday, Clint Eastwood

Mai 31, 2010

1955 begann es mit einem kleinen Auftritt in Jack Arnolds „Die Rache des Ungeheuers“ (Revenge of the Creature)

Von 1959 bis 1966 spielte er in der TV-Serie „Rawhide“ (Cowboys, Tausend Meilen Staub) Rowdy Yates:

1964 bestieg er den Flieger nach Italien und spielte in Sergio Leones „Für eine Handvoll Dollar“ (Per un Pugno di Dollari) Joe, besser bekannt als ‚Fremder ohne Namen‘:

Sein Debüt als Regisseur gab  er 1971  mit „Sadistico – Wunschkonzert für einen Toten“ (Play Misty for Me):

Ebenfalls 1971 spielte er „Dirty Harry“ in Don Siegels Copthriller:

1976 war er „Der Texaner“ (The Outlaw Josey Wales):

1979 endete seine langjährige Zusammenarbeit mit Don Siegel mit dem Knastthriller „Flucht von Alcatraz“ (Escape from Alcatraz).

1982 entdeckte ich Clint Eastwood in „Firefox“:

1988 überließ er, aus nachvollziebaren Gründen, Forest Whitaker die Hauptrolle in „Bird“:

1992 erhielt er für „Erbarmungslos“ (Unforgiven) seinen ersten Oscar als bester Regisseur. Außerdem erhielt er den Oscar für den besten Film:

2004 wiederholte sich bei „Million Dollar Baby“ das Spiel: Clint Eastwood erhielt die Trophäe in den Kategorien „bester Film“ und „beste Regie“:

Seine bislang letzte Hauptrolle hatte er 2008  in „Gran Torino“:

Danach drehte er „Invictus“ (bereits im Kino) und „Hereafter“ (Postproduktion) und als nächstes will er ein Biopic über den FBI-Chef J. Edgar Hoover inszenieren.

Alles Gute zum achtzigsten Geburtstag, Clint Eastwood!

Mehr Infos über Clint Eastwood.


TV-Tipp für den 31. Mai: Mord unter Zeugen – Shooting Dogs

Mai 31, 2010

ZDF, 22.15

Mord unter Zeugen – Shooting Dogs (GB/D 2005, R.: Michael Caton-Jones)

Drehbuch: David Wolstencroft

Gleiches Thema wie “Hotel Ruanda”, aber dieses Mal nimmt ein Pater in seiner Missionsschule die vor dem Bürgerkrieg Flüchtenden auf. Weil „Shooting Dogs“ nach dem vorzüglichen „Hotel Ruanda“ in die Kinos kam, wurde er kaum beachtet.

Mit John Hurt, Hugh Dancy, Dominique Horwitz, Louis Mahony

Auch bekannt als “Shooting Dogs” (Kinotitel)

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Shooting Dogs“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Shooting Dogs“

ZDF über „Shooting Dogs“

Arte über „Shooting Dogs“

BBC über „Shooting Dogs“ : The Making of Shooting Dogs

Meine Besprechung von David Wolstencrofts „Die Spezialisten“ (Good News, Bad News, 2004)

Meine Besprechung der von David Wolstencroft erfundenen Serie “Spooks – Im Visier des MI5 – Staffel 1”


R. i. P. Dennis Hopper

Mai 30, 2010

R. i. P. Dennis Hopper (17. Mai 1936 – 29. Mai 2010)

Diese Todesnachricht ist keine Überraschung: Dennis Hopper starb am Samstag in seinem Haus im kalifornischen Venice. Er hatte Prostatakrebs.

Sein letzter großer öffentlicher Auftritt als todkranker Mann war am 26. März als er seinen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood erhielt. Gleichzeitig gab es sehr unschöne Meldungen über seine Erben, die sich an seinem Todesbett über das Geld stritten.

Dieser kleinliche Streit überschattet aber nicht sein immenses Werk als Schauspieler und Regisseur. Nach der IMDB spielte Dennis Hopper er zwischen 1954 und 2010 in über zweihundert Filmen und TV-Serien mit. Vieles davon, vor allem in den letzten Jahren, ist nur Müll, den er zum Geldverdienen mit seiner Anwesenheit beehrte. Aber er spielte auch in vielen Klassikern mit. Dazu gehören, zwischen Hollywood-Mainstream, Blockbustern und Independent pendelnd, „…denn sie wissen nicht was sie tun“ (Rebel without a cause, USA 1955), „Giganten“ (Giant, USA 1955, wieder mit James Dean), „Zwei rechnen ab (Gunfight at the O.K. Corral, USA 1957), „Die vier Söhne der Katie Elder“ (The four Sons of Katie Elder, USA 1965), „Der Trip“ (The Trip, USA 1967), „Der Unbeugsame“ (Cool Hand Luke, USA 1967), „Hängt ihn höher“ (Hang ‚em high, USA 1968), „Der Marshall“ (True Grit, USA 1969), „Der amerikanische Freund“ (D 1977), „Apocalypse Now“ (USA 1979), „Rumble Fish“ (USA 1983), „Das Osterman-Weekend“ (USA 1983), „White Star“ (D 1983; wahrscheinlich kennt niemand diesen Roland-Klick-Film), „Blue Velvet“ (USA 1986), „Indian Runner“ (USA 1991), „Red Rock West“ (USA 1993), „True Romance“ (USA 1993), „Speed“ (USA 1994), „Waterworld“ (USA 1995), „The Blackout“ (USA 1997), „Land of the Dead“ (USA 2005), „Palermo Shooting“ (D 2008) und dann war er noch der Bösewicht in der ersten Staffel von „24“. Er spielte wahrscheinlich mit jedem bekannte Schauspieler der letzten fünfzig Jahre und wahrscheinlich jeder renommierte Regisseur gab oder versuchte ihm Anweisungen zu geben.

Er inszenierte „Easy Rider“ (USA 1969), „The last Movie“ (USA 1971), „Explodierende Träume“ (Out of the Blue, USA 1980), „Colors – Farben der Gewalt“ (USA 1988) und „The hot Spot – Spiel mit dem Feuer“ (The hot Spot, USA 1990). Das ist zwar ein schmales, aber letztendlich beeindruckendes Werk mit einer hohen Klassikerdichte.

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online, Die Zeit, Focus, Süddeutsche Zeitung – und bei The Hollywood Interview ein Interview vom November 2008 mit Dennis Hopper.

Weitere werden kommen.