TV-Tipp für den 15. November: Die lange Filmnacht: Wim Wenders

November 15, 2008

Bei Arte gibt’s Themenabende. Beim RBB eine lange Filmnacht:

RBB, 23.05

Shooting Palermo (D 2008, R.: Hella Wenders)

Die Doku wird wohl in einigen Monaten auf der DVD des neuen Wim-Wenders-Films „Palermo Shooting“ als „Making of“ zu finden sein. Davor, und das ist der Anlass für die Filmnacht, startet der Spielfilm, mit dem Sänger der „Toten Hosen“ in der Hauptrolle, am 20. November im Kino.

Mit Wim Wenders, Campino, Lou Reed, Dennis Hopper, Milla Jovovich

–

RBB, 23.50

Der amerikanische Freund (D/F 1976, R.: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders

LV: Patricia Highsmith: Ripley´s Game, 1974 (Ripley´s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley´s Game oder Ein amerikanischer Freund)

Restaurator Jonathan hat Leukämie. Ripley bietet ihm einen gut bezahlten Mordauftrag an. Jonathan nimmt an und sein Leben gerät aus den Fugen.

Die freie Verfilmung des dritten Ripley-Romans ist eine der besten Highsmith-Verfilmungen. Wenders zu den Veränderungen: „Ich möchte, dass meine Filme von der Zeit handeln, in der sie entstehen, von den Städten, den Landschaften, den Gegenständen, von allen, die mitarbeiten, von mir. Diesen Spielraum hat mir Ripley´s Game gelassen. Weil er in der Arbeitsweise der Highsmith auch schon enthalten ist. Deshalb glaube ich, dass ich dem Buch doch nahe geblieben bin, so sehr ich mich auch davon entfernt habe. Es gibt nicht ´die Verfilmung´. Es gibt zwei grundverschiedene Sachen: Bücher und Filme. In ihnen kann eine gleiche ´Einstellung´ zu den Dingen vorhanden sein, aber nicht die gleichen Dinge.“

Stellvertretend für die vielen euphorischen Kritiken Hans C. Blumenberg: „Wenders zeigt den urbanen Alptraum, wie man ihn noch nie in einem europäischen Film gesehen hat: halb als uraltes, verkommenes Abbruchviertel, halb als futuristische Schreckenslandschaft…Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewußtseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen.“ Außerdem entwarf er eine Gleichung: „Hitchcock + Ray + Scorsese = Wenders“ (die Gültigkeit dieser Gleichung für andere Wenders-Filme darf bezweifelt werden.)

Mit Bruno Ganz, Dennis Hopper, Lisa Kreuzer, Gérard Blain, Nicholas Ray, Samuel Fuller, Peter Lilienthal, Daniel Schmid, Lou Castel

–

RBB, 01.50

Hammett (USA 1982, R.: Wim Wenders)

Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope

LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)

Dashiell Hammett will sein Geld als Schriftsteller verdienen. Da wird er von seinem Ex-Kollegen Jimmy um Hilfe bei der Suche nach einer chinesischen Prostituierten gebeten. Kurz darauf befindet sich Hammett in einem mörderischen Komplott, bei dem sein Leben keinen Cent mehr wert ist.

Joe Gores mischte in seinem sehr gelungen Buch Hammetts Biographie mit historischen Gegebenheiten und Fiktion.

Die Produktion des Filmes für Francis Ford Coppolas Zoetrope Studios war für Wenders eine ernüchternde Erfahrung: mehrere verschiedene Drehbücher (u. a. schrieb Joe Gores die erste Fassung), ein exzessiver Nachdreh anderthalb Jahre nach dem ersten Dreh, in Farbe statt in Schwarzweiß, mit einem fremden Team und Auseinandersetzungen mit dem Produzenten über die Konzeption des Films. So hatte sich der in Deutschland hochgelobte Regisseur seine Ankunft in Hollywood nicht vorgestellt.

„Hammett ist vor allem ein Film der Zitate, der ironischen Verweise. Er ist eine Erinnerung an den Film Noir, dessen Atmosphäre er evoziert, aber auch ironisiert. Die Kulissen sehen immer ein wenig wie Kulissen aus, das Tempo ist enorm gedrosselt, fast ritualisiert. Alle ästhetischen Mittel der Vorgänger aus den 40er Jahren sind benutzt: die extreme Dunkelheit, die scharfen Kontraste, die Lichtstreifen, die Kameraposition aus der Vogelperspektive.“ (Stefan Kolditz in Wim Wenders, Hanser Verlag Reihe Film Band 44).

Hammett ist – so ein heute immer noch gültiges Urteil der damaligen Kritik – Wenders bester und unpersönlichster Film.

Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer)

Hinweis

Meine Besprechung von Joe Gores „Hammett“ (Hammett, 1975)

–

RBB, 03.20

In weiter Ferne, so nah (D 1993, R.: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders, Richard Reitinger, Ulrich Zieger

Die natürlich in Berlin gedrehte Fortsetzung von „Der Himmel über Berlin“. „Entstanden ist ein filmisches Wolkengebilde, das aus weiter Ferne fasziniert und sich in Nichts auflöst, wenn man zu nah rangeht.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Mit Otto Sander, Peter Falk, Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Horst Buchholz, Nastassja Kinski, Heinz Rühmann, Rüdiger Vogler, Lou Reed, Willem Dafoe, Michael Gorbatschow, Hanns Zischler, Yella Rottländer (die Alice aus „Alice in den Städten“); Udo Samel

Hinweis

Homepage von Wim Wenders


Zitat des Tages: David Mamet über die perfekte Szene

November 14, 2008

Der perfekte Film braucht keine Sprache, wie auch die perfekte Szene immer stumm ist. Dialoge sind beim Erzählen einer filmischen Geschichte den Bildern unterlegen. Wie wir wissen, ist ein Bild soviel Wert, wie tausend Worte; die Nebeneinanderstellung von Bildern ist geometrisch effektiver. Wenn ein Regisseur oder ein Drehbuchautor herausfinden will, ob eine Szene funktioniert, dann muss er einfach den Dialog weglassen und sehen, ob er dem Publikum die Idee auch so vermitteln kann.

David Mamet; Bambi vs. Godzilla

Alexander Verlag, 2008, S. 181


TV-Tipp für den 14. November: Eine Leiche zum Dessert

November 14, 2008

Das Vierte, 20.15

Eine Leiche zum Dessert (USA 1976, R.: Robert Moore)

Drehbuch: Neil Simon

Ein Millionär lädt die berühmtesten Detektive der Welt ein. Er behauptet, sie könnten einen Mord nicht aufklären, der um Mitternacht stattfinden wird. Die Detektive sehen das anders.

Neil Simon zieht in seiner Krimikomödie die Images der bekanntesten, literarischen Detektive der Welt (hier: Miss Marple, Hercule Poirot, Sam Spade, Nick Charles aka Der dünne Mann mit Gattin Nora, Charlie Chan) und die Prinzipien des Whodunits durch den Kakao. Ein köstlicher Spaß – nicht nur für Genre-Fans.

Verkörpert werden die Meisterdetektive und Tatverdächtige u. a. von Truman Capote, Peter Falk, Alec Guiness, David Niven, Peter Sellers

Wiederholung: Samstag, 15. November, 16.05 Uhr

Hinweise

Thrilling Detective über „Murder by Death“ (Eine Leiche zum Dessert)

Turner Classic Movies über „Murder by Death“

Wikipedia über Neil Simon


Kleinkram: Ken Bruen, Louise Ure, Alexandra Sokoloff (alle Murderati), Craig Holden, Noir of the Week, Dr. Who (aka Russell T. Davis)

November 13, 2008

Ken Bruen schreibt bei Murderati:

One of the highlights of 2008 was being part of Murderati.

It is quite unique to have such a disparate crew of writers in nigh perfect synch on one site and the outstanding aspect is the huge affection they have for each other.

You only had to see the crew in Baltimore to see how like family they are.

And between them, they cover just about every aspect of mystery.

Und bei „Moments in Crime“ gibt es mehr von Ken Bruen:

I’ve been asked why the blog entries are short.
Like my novels, I actually write much lengthier entries and then root out all that sounds off.
I read it aloud and if it doesn’t have that jagged tone of real speech, bin it.

–

Ebenfalls bei Murderati: Louise Ure über den „Dreaded Query Letter“ (dürfte eher die Autoren interessieren) und Alexandra Sokoloff ist langsam mit ihrem exemplarischen Gang durch eine Geschichte durch: „What makes a great climax?„:

I think: above all, in an ending, the reader/audience has to CARE. A good ending has an emotional payoff, and it has to be proportionate to what the character AND the reader/audience has experienced.

–

Bei Things I’d rather be doing beantwortet Craig Holden (dessen „Die Unangreifbaren“ [The Jazz Bird, 2002] breit abgefeiert wurde) einige Fragen:

To stay with a story long enough to make a successful novel of it, you have to love where it’s going. At least I do. If not, I couldn’t stay with it. And that means not being bored, not contriving something just to sell books. As for capturing a place and time, it depends on the project really. For The Jazz Bird obviously I had to do loads of research not only into the story itself, but into the period as well. I remember thinking, „How did you turn a light on in 1927? How did a woman dress? What did you eat in a restaurant?“ So I had to go out and find out all those things, either through interviews or book research or something else. I was visiting the Ford Museum in Dearborn, Mich., and found in the gift shop a reprint of a woman’s clothing catalogue from 1924, so I bought it and went shopping.

–

Der Noir of the Week ist „Tödliche Grenze“ (Border Incident, USA 1949, Regie: Anthony Mann, Drehbuch: John C. Higgins, mit Ricardo Montalban, George Murphy, Howard da Silva). In dem Film infiltrieren zwei Agenten eine Bande von Menschenschmugglern im Grenzland zwischen Mexiko und USA. Ein kleiner und wahrscheinlich nur bei eingefleischten Filmfans bekannter Film. Zu Unrecht, wie Bill Hare bei Noir of the Week zeigt:

Border Incident provides gripping drama, never letting up, never disappointing. It is a film that should not be missed, especially by those who lust for travels by night in the world of film noir.

Als ich den Film vor Ewigkeiten sah, hat er mir auch gefallen.

–

Fans von „Dr. Who“ (es soll in Deutschland ja einige geben) sollten die Seite „The Writers Tale“ von „Dr. Who“-Drehbuchautor Russell T. Davis (der auch für „Quer as Folk“ verantwortlich ist) und Benjamin Cook ansteuern. Fans von Drehbüchern können direkt auf diese Unterseite steuern. Dort finden sie die Drehbücher zu sechs Episoden aus der vierten Staffel (gerechnet seit dem Relaunch; also ziemlich brandaktuell).

–

Uups, wir haben etwas verloren.


TV-Tipp für den 13. November: Sag niemals nie

November 13, 2008

HR, 20.15

Sag niemals nie (USA 1983, R.: Irvin Kershner)

Drehbuch: Lorenzo Semple jr.

LV: Ian Fleming: Thunderball, 1961 (Feuerball)

James Bond bei seiner Lieblinsbeschäftigung: Welt retten. Aktuelle Einsatzorte: Bahamas, Südfrankreich und Nordafrika.

Nach einer langen Pause (und bei einer anderen Produktionsfirma) spielte Sean Connery wieder Bond; Klaus Maria Brandauer den Bösewicht, Kim Basinger das ´love interest´ der beiden Männer. Außerdem sind Barbara Carrera, Max von Sydow, Edward Fox, Bernie Casey und Rowan Atkinson dabei.

„Sag niemals nie“ konnte entstehen, weil Ian Fleming zusammen mit Kevin McClory und Jack Whittingham für einen Film die Geschichte „Longitude 78 West“ entwarf. Fleming verarbeitete sie später in dem Bond-Roman „Feuerball“. McClory, der bei „Feuerball“ Co-Produzent war, hatte die Rechte für weitere Verfilmungen dieser Geschichte. Die Auflage war, dass er sich möglichst eng an das gemeinsam entworfene Story-Gerüst halten müsse. Die juristischen Streitigkeiten und der Konkurrenzkampf zwischen dem Ur-Bond Connery und dessen Nachfolger Roger Moore waren ein gefundenes Fressen für die damalige Presse. Denn „Octopussy“ (mit Moore) startete fast zeitgleich in den Kinos. An der Kinokasse war der Moore-Bond etwas erfolgreicher, bei der Kritik war es – zu Recht – umgekehrt.


Straßenfeger, die Zweite

November 12, 2008

strassenfeger-2

Für uns Jüngere ist es unvorstellbar. Aber im Januar 1962 stand an sechs Abenden das gesellschaftliche Leben still, weil im Fernsehen eine Kriminalserie lief, die sich nur um die Frage drehte, wer das Fotomodell Fay Collins mit einem Halstuch erwürgte. Nach der Tatwaffe hieß die dritte Francis-Durbridge-Verfilmung dann auch „Das Halstuch“ und, wie die beiden vorherigen Durbridge-Verfilmungen „Der Andere“ und „Es ist soweit“, spielten die Deutschen einfach ein bereits im britischen Fernsehen ausgestrahltes Programm nach. Doch während in England die Durbridge-Verfilmungen nur beliebt waren, wurden sie hier zu Straßenfegern. Die letzte Folge von „Das Halstuch“ hatte eine Sehbeteilung von neunzig Prozent. Davon kann die deutsche Mannschaft sogar beim Spiel um den dritten WM-Platz nur träumen.

Im Gegensatz zu seinem legendären Ruf ist „Das Halstuch“ allerdings sehr schlecht gealtert. Denn es ist, wie „Der Andere“, ein abgefilmtes Theaterstück und die wenigen Außenaufnahmen könnten überall gedreht worden sein. Die Bildqualität ist, wahrscheinlich aufgrund einer falschen Lagerung, trotz der Restaurierung bescheiden und hat eher den Standard eines Stummfilms oder frühen Tonfilms. Die Story ist Durbridge-typisch mit einem Cliffhanger am Ende jeder Folge, vielen Verdächtigen, auf eine altmodische Art spannend (wenig Thrill, eher entspannend und nett anzusehen) und letztendlich nicht sehr logisch.

Sehr interessant ist die auf der DVD verewigte Abendschau-Diskussion über „Das Halstuch“. Nach der Ausstrahlung wurden zwei Morde mit einem Halstuch begangen. Die Deutsche Kriminologische Gesellschaft wandte sich gegen die Ausstrahlung von solchen Krimis und Dr. Gustav Nass, Vizepräsident der Deutschen Kriminologischen Gesellschaft, nahm an der Diskussion teil. Dort wurden Argumente ausgetauscht, die heute bei Diskussionen über den schädlichen Einfluss von Computerspielen vorgetragen werden. Außerdem konnten Zuschauer direkt in der Sendung anrufen und die Diskutanten mehrmals mitten im Satz unterbrechen werden. Heute unvorstellbar.

Nach „Das Halstuch“, in dem die Morde niemals gezeigt wurden (jeder Edgar-Wallace-Film ist expliziter; amerikanische Serien sowieso), kamen die TV-Verantwortlichen mit den beiden nächsten Durbridge-Filmen „Tim Frazer“ und „Tim Frazer: Der Fall Salinger“ den Sittenwächtern entgegen.

Erst in der sechsten Durbridge-Verfilmung „Die Schlüssel“ gab es wieder mehrere Morde (natürlich nicht vor laufender Kamera) und mit Benno Hoffmann auch einen vierschrötigen Ganoven unter gesitteten Gentlemen. Weil sich inzwischen die Sehgewohnheiten geändert hatten, wurde „Die Schlüssel“ nicht mehr als Sechs-, sondern als Dreiteiler ausgestrahlt. An der kammerspielartigen Inszenierung änderte sich dagegen nichts. Aber immerhin wurde die Erzählung von Norman Stansdale über die Entstehung einer für die Geschichte wichtigen Fotografie mit einer Rückblende illustriert.

In dem Dreiteiler erschießt der Ex-Soldat Philip Martin sich nach seinem Wehrdienst in einem Hotelzimmer. In den Tagen vor seinem Tod soll er pausenlos in einem Gedichtband gelesen haben. Philips Bruder Eric Martin glaubt nicht an den Selbstmord. Er will herausfinden, warum Philip ermordet wurde. Dabei hat er zuerst nur drei Spuren: den Gedichtband, einen Schlüssel, den jeder haben will, und ein Porträtbild von einem angeblich in Deutschland verstorbenen Kameraden mit seiner Frau.

Wie auch die vorherigen Durbridge-Verfilmungen bietet „Die Schlüssel“ ein Wiedersehen mit vielen altbekannten Stars und Albert Lieven darf in einem Durbridge endlich einmal auf der Seite der Guten mitspielen. Das extra für die DVD produzierte vierzigminütige Interview mit Reinhard Glemnitz bietet einen hübschen Rückblick auf die damalige Zeit, seine Rolle als Stammschauspieler in der von Herbert Reinecker erfundenen Krimiserie „Der Kommissar“ (1969 – 1976) und seine Arbeit als Synchronsprecher.

strassenfeger-das-halstuch-die-schlussel

Straßenfeger 02: Das Halstuch/Die Schlüssel

Studio Hamburg

Sprache/Ton: Deutsch (2.0 Mono)

Bild: 4:3, SW

Bonusmaterial: Kurzdokumentation Straßenfeger – Das Phänomen, Abendschau-Diskussion „Das Halstuch“

TV Juwelen – Die Straßenfeger im neuen Glanz, Interview mit Darsteller Reinhard Glemnitz

Freigegeben ab 12 Jahre

–

Enthält

Das Halstuch (Deutschland 1961, 224 Minuten)

Regie: Hans Quest

Drehbuch: Francis Durbridge (Übersetzung: Marianne de Barde)

Mit Heinz Drache, Albert Lieven, Margot Trooger, Dieter Borsche, Horst Tappert, Hellmut Lange, Eva Pflug

–

Die Schlüssel (Deutschland 1964, 234 Minuten)

Regie: Paul May

Drehbuch: Francis Durbridge (Übersetzung: Marianne de Barde)

Mit Harald Leipnitz, Albert Lieven, Peter Thom, Hans Quest, Dagmar Altrichter, Benno Hoffmann, Reinhard Glemnitz

–

Hinweise

Meine Besprechung von „Straßenfeger 01: Der Andere/Es ist soweit“

Meine Besprechung von „Die Kette“ (die letzte offizielle Durbridge-Verfilmung)


TV-Tipp für den 12. November: Casino

November 12, 2008

SWR, 23.00

Casino (USA 1995, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi

LV: Nicholas Pileggi: Casino: Love and Honor in Las Vegas, 1995 (Casino)

Biopic über die Mafia in Las Vegas in den Siebzigern

Kurz gesagt: ein Meisterwerk und Pflichttermin für Krimifans.

„Die einander ergänzenden Elemente von ‚Casino’, die genaue, materialistische Dokumentation, das Shakespeare-Drama von Macht und Fall, der Genrefilm und die Strindbergsche Seelenpein von Mann und Frau, zwischen denen eine unsichtbare Mauer steht, laufen alle auf die Feststellung hinaus, die Robert De Niro schon am Anfang getroffen hat: dass niemand gegen die Bank gewinnen kann. Das ist nicht nur konkrete Beschreibung einer ökonomisch-kriminellen Situation und soziale Metapher auf das Wesen des Kapitalismus, sondern auch ein philosophisches Gleichnis.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)

Mit Robert De Niro, Sharon Stone, Joe Pesci, James Woods, Kevin Pollak, L. Q. Jones

Hinweise

You Tube: Casino after filmung

You Tube: Charlie Rose redet mit Martin Scorsese und Produzentin Barbara de Fina über „Casino“

You Tube: Charlie Rose redet mit Nicholas Pileggi über „Casino“

„Casino“ in der Kriminalakte


Cover der Woche

November 11, 2008

keene-haltet-die-clowns


TV-Tipp für den 11. November: Mathilde – Eine große Liebe

November 11, 2008

ZDF, 00.20

Mathilde – Eine große Liebe (F/USA 2004, R.: Jean-Pierre Jeunet)

Drehbuch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant, Guillaume Laurant

LV: Sébastien Japrisot: Un long dimanche de fiancailles, 1991 (Die Mimosen von Hosssegor, Mathilde – Eine große Liebe)

Erster Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahre: Mathilde Donnay glaubt nicht, dass ihr Geliebter im Krieg gestorben ist. Obwohl alle ihr davon abraten, sucht sie ihn.

„Mathilde – Eine große Liebe“ ist, wie der Titel verrät, eine Liebesgeschichte, inszeniert von dem Macher von „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Aber die Vorlage stammt von einem renommierten Krimiautor und der Sendetermin für diese TV-Premiere eines hochgelobten Kinofilms ist eine Frechheit.

Der Film, erhielt neben anderen Preisen, zahlreiche Cesars und, für das Drehbuch, den Edgar-Allan-Poe-Preis.

Mit Audrey Tautou, Gaspar Ulliel, Jean-Pierre Becker, Tchéky Karyo, André Dussollier, Denis Lavant, Jodie Foster (Nebenrolle)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mathilde – Eine große Liebe“

Wikipedia über Sébastien Japrisot (deutsch (wenig), englisch (mehr), französisch (viel))

The Independent: Nachruf auf Sébastien Japrisot


Erste Eindrücke vom James-Sallis-Berlinbesuch

November 10, 2008

Am Ende seiner ersten Lesereise durch Deutschland besuchte James Sallis Berlin und ich nutzte die Gelegenheit für ein längeres Gespräch mit dem Erfinder von Lew Griffin und Turner. Die ersten beiden Griffin-Romane erschienen vor Ewigkeiten in der kurzlebigen Dumont-Noir-Reihe. Jetzt wagte der Liebeskind-Verlag mit „Driver“ und „Deine Augen hat der Tod“ einen zweiten und sehr erfolgreichen Versuch den in den USA unter Fans und Kollegen angesehenen Autor (2007 erhielt er auf der Bouchercon den Lifetime Achievement Award) auch in Deutschland zu etablieren. „Driver“ erhielt den Deutschen Krimipreis und war der Jahressieger der KrimiWelt-Bestenliste. Hugh Jackman sicherte sich die Filmrechte an „Driver“. Während des Gesprächs am Nachmittag verriet James Sallis mir, dass es inzwischen ein überarbeitetes Drehbuch gibt und der Drehbeginn für Frühjahr 2010 geplant ist. Außerdem hat Heyne die Rechte an seinen drei Turner-Romanen „Cypress Grove“, „Cripple Creek“ und „Salt River“ gekauft. Wir sprachen über Philip K. Dick, Lawrence Block (später auch über James Crumley und Joe R. Lansdale), warum seine Bücher so kurz sind (bei der Turner-Serie nimmt die Seitenzahl mit jedem Band ab), was für ein Gefühl es sei, in Deutschland ein zehn Jahre altes Buch zu promoten, und über New Orleans.

Nach dem Gespräch ging’s dann von seinem Hotel durch die Bergmannstraße (die etwas von New Orleans hat) zu „Hammett“. Die Buchhandlung erinnerte Sallis an den „Poisoned Pen Bookstore“ und wahrscheinlich nur zwei Gründe (Sprache, zulässiges Gewicht für den Flug) hinderten Sallis an einer kostspieligen Tour durch den Laden.

Am Abend las James Sallis im vollen Valentin Gasthaus am Südstern (eine schönes Lokal mit viel zu aufmerksamen Bedienungen) aus „Driver“ (weniger) und „Deine Augen hat der Tod“ (mehr), beantwortete Fragen (so erzählte er von seiner Band), signierte Bücher und dann ging’s zum gemütlichen Teil (mit den schon erwähnten aufmerksamen Bedienungen). Ich beichtete ihm, dass ich ihm am Nachmittag nur die Hälfte der geplanten Fragen gestellt hatte. Aber dafür hätte er ein gutes Dutzend anderer Fragen beantwortet. Das passiert halt, wenn man nicht blind seinen Fragenkatalog abarbeitet.

Am Freitag machte James Sallis sich auf den Heimweg nach Phoenix, Arizona – und ich sitze hier in Berlin über meinen Notizen, die die Grundlage für einen längeren Text über James Sallis sind.


TV-Tipp für den 10. November: A History of Violence

November 10, 2008

ZDF, 22.15

A History of Violence (USA/Can 2005, R.: David Cronenberg)

Drehbuch: Josh Olson

LV: John Wagner/Vince Locke: A History of Violence, 1997 (Graphic Novel)

Tom Stall ist ein gewöhnlicher Schnellrestaurantbesitzer irgendwo in Indiana, bis er eines Tages zwei Killer, die sein Restaurant ausrauben wollen, im Affekt tötet. Danach ist er der Held des Tages und zwei Mafiosi aus Philadelphia tauchen auf. Sie behaupten, Tom von früher zu kennen. Damals war er ein Mafiakiller und der Philly-Mob hat noch eine Rechnung mit ihm offen.

Ein neues Meisterwerk von Cronenberg, das im TV wahrscheinlich in einer leicht gekürzten Fassung läuft.

Das Drehbuch von Josh Olson war für den Edgar-Allan-Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert. „Syriana“ erhielt die Trophäe.

Mit Viggor Mortensen, Maria Bello, Ed Harris, William Hurt

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film (nur noch DVD-Werbung)

Amerikanische Homepage zum Film (ist die Originalversion der deutschen Seite, aber nur noch über einen kleinen Umweg zu erreichen)

Deutsche Homepage zum Film (umfangreicher, unter anderem beantwortet Cronenberg Fragen)

Film-Zeit über “A History of Violence”

Wikipedia über John Wagner

Nachtrag: Schnittberichte zeigt die vom ZDF geschnittenen 17 Sekunden


TV-Tipp für den 9. November: John le Carré – Ein Meister des Verrats

November 9, 2008

Pünktlich zur Veröffentlichung von John le Carrés neuestem Roman „Marionetten“ (A most wanted man) präsentiert Arte den Themenabend „John le Carré – Ein Meister des Verrats“:

Arte, 20.40

Der Spion, der aus der Kälte kam (GB 1965, R.: Martin Ritt)

Drehbuch: Paul Dehn, Guy Trosper

LV: John le Carré: The spy who came in from the cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)

Der britische Geheimdienstler Leamas wechselt zum Schein die Seiten – und gerät in Teufels Küche.

Realistischer, kritischer, kalter Agententhriller über die Suche nach Doppelagenten und Überläufern. Mit le Carrés Buch (ein Welterfolg) und der gelungenen Verfilmung wandelte sich das heroische Bild des Spions zu eines sehr gewöhnlichem. Denn überall sind Spione „eine schmutzige Prozession von hohlen Narren und Verrätern. Ja, auch von Schwulen, Sadisten und Trinkern, von Leuten, die Räuber und Gendarm spielen, im ihrem erbärmlichen Leben etwas Reiz zu geben.“ (John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam).

Mit Richard Burton, Oskar Werner, Claire Bloom, Peter van Eyck, Rupert Davies, Sam Wanamaker, Cyril Cusack, Bernard Lee

Wiederholung: Montag, 10. November, 15.00 Uhr

–

Arte, 22.35 (VPS 22.30)

König der Spione – John le Carré (D 2008, R.: André Schäfer, Werner Köhne)

Drehbuch: André Schäfer, Werner Köhne

Spielfilmlanges Dokuporträt über John le Carré.

Wiederholungen

Mittwoch, 12. November, 00.50 Uhr (VPS 00.45, Taggenau!)

Montag, 17. November, 09.55 Uhr

Hinweise

Homepage von John le Carré

John le Carré über „A most wanted man“ (Marionetten)

New York Times: Alan Furst feiert „A most wanted man“ (Marionetten) ab (11. Oktober 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)


TV-Tipp für den 8. November: Heißer Verdacht I

November 8, 2008

Tele 5, 20.15 (Teil 1)

Tele 5, 22.30 (Teil 2)

Heißer Verdacht I (GB 1991, R.: Christopher Menaul)

Drehbuch: Lynda La Plante

DCI Jane Tennison soll in Soho den Mörder einer Prostituierten finden. Erschwert wird ihre erste Leitung bei einem Mordfall durch chauvinistische Kollegen und Vorgesetzte.

Ursprünglich war „Heißer Verdacht“ nur als Zweiteiler von jeweils 100 Minuten geplant. Aber der große Erfolg bei Publikum und Kritik führte zu sechs weiteren, ebenso erfolgreichen Folgen. Denn die Filme zeichnen ein realistisches Bild der Polizeiarbeit, sind spannende Thriller mit exzellenten Drehbüchern und außergewöhnlichen Leistungen der Schauspieler (wobei natürlich Helen Mirren im Zentrum der Aufmerksamkeit steht) und sie sind treffende Beschreibungen der englischen Gesellschaft und ihrer Probleme in den Neunzigern. Halt alles das, was deutschen Krimis oft fehlt.

„Heißer Verdacht“ wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt unter anderem den Edgar-Allan-Poe-Preis für das beste Drehbuch.

Tele 5 zeigt an den kommenden Samstagen die ersten sechs „Heißer Verdacht“-Folgen.

Mit Helen Mirren, Tom Bell, John Benfield, John Bowe, Zoë Wanamaker, Bryan Pringle, Tom Wilkinson

Wiederholung des 1. Teils: Sonntag, 9. November, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Wiederholung des 2. Teils: Montag, 10. November, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Lynda La Plante

BBC-Interview mit Lynda La Plante (2002)

Guardian: Harriet Lane porträtiert Lynda La Plante (26. September 2004)

The Independent: Danuta Kean porträtiert Landa La Plante (23. September 2007)

Telegraph: Judith Woods porträtiert Lynda La Plante (Oktober 2008)

LA Times: Lynn Smith über Lynda La Plante und den Einfluss von „Prime Suspect“ (Heißer Verdacht) auf Polizeiserien (20. September 2008)


TV-Krimi-Buch-Tipps online

November 7, 2008

Wow, sieht das gut aus! Deshalb gibt es in der Kriminalakte (gemäß den Grundsätzen einer ordentlichen Aktenführung) nur die wichtigen Schlagworte:

Während Daniel Craig im Kino 007 spielt, treten die anderen Bonds im heimatlichen Wohnzimmer auf. Auch Bienzle, Brunetti, Jack Ryan, Van Veeteren und Wallander dürfen böse Jungs jagen. DCI Tennison in den ersten beiden „Heißer Verdacht“-Folgen tut’s ebenfalls. Außerdem sehenswert sind Oliver Hirschbiegels Mario-Giordano-Verfilmung „Das Experiment“, Michael Hodges Ted-Lewis-Verfilmung „Get Carter“, Elio Petris Leonardo-Sciascia-Verfilmung „Zwei Sarge auf Bestellung“, Martin Ritts John-le-Carré-Verfilmung „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (und anschließend die Doku „König der Spione – John le Carré“), David Cronenbergs John-Wagner/Vince-Locke-Verfilmung „A History of Violence“, die Orson-Welles-Filme „Citizen Kane“ und „Im Zeichen des Bösen“ (nach einem Roman von Whit Masterson), Jean-Pierre Jeunets Sébastien-Japrisot-Verfilmung „Mathilde – Eine große Liebe“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmung „Casino“, die RBB-Wim-Wenders-Nacht mit „Der amerikanische Freund“ (nach Patricia Highsmith), „Hammett“ (nach Joe Gores) und einem hier nicht erwähntem Überraschungsfilm und Dominik Grafs Kai-Meyer-Verfilmung „Das Gelübde“ (jaja, der zweite Nicht-Krimi in diesen Tipps).


TV-Tipp für den 7. November: Die Welt ist nicht genug

November 7, 2008

Falls das Kino Ihres Vertrauens ausverkauft ist, bietet dieses Werk ein Quantum Trost:

Pro 7, 20.15

JAMES BOND: Die Welt ist nicht genug (USA/GB 1999, R.: Michael Apted)

Drehbuch: Bruce Feirstein, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Figur von Ian Fleming

Buch zum Film: Raymond Benson: The World is not enough, 1999 (Die Welt ist nicht genug)

Nachdem Öl-Mogul King im Hauptquartier von MI-6 in die Luft gesprengt wurde, wird Bond als Bodyguard für dessen schöne Tochter Elektra abgestellt.

Mit Michael Apted engagierten die Bond-Macher einen renomierten Regisseur (u. a. Gorky Park, Gorillas im Nebel, Halbblut, Nell), der bis dahin nicht durch Action-Filme aufgefallen war. Im Rahmen dieser Produktion wurde er zum willigen Erfüllungsgehilfen einer wie üblich haarsträubenden Geschichte.

Mit Pierce Brosnan, Sophie Marceau, Robert Carlyle, Denise Richards (trotz eines Razzie die beste Werbung für den unbeliebten Job eines Atomphysikers), Robbie Coltrane, Claude Oliver Rudolph, John Cleese, Serena Scott Thomas, Goldie

Wiederholung: Pro 7, Sonntag, 9. November, 23.00 Uhr


R. i. P. Michael Crichton

November 6, 2008

R. i. P. Michael Crichton (23. Oktober 1942 – 4. November 2008)

Der Autor, Regisseur und auch Arzt starb am Dienstag in Los Angeles als 66-jähriger an Krebs. Sein Studium verdiente er sich mit Krimis, die er unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte. Eines davon war John Lange. Hard Case Crime veröffentlichte von acht Lange-Werken jüngst das Edgar-nominierte „Grave Descend“ und „Zero Cool“. Bekannt wurde er mit dem S-F-Werk „The Andromeda Strain“ (Andromeda). Kurz darauf drehte er nach seinem Drehbuch den S-F-Thriller „Westworld“. 1978 nach seinem auf Tatsachen basierendem Roman „The great train robbery“ (Der große Eisenbahnraub) den gleichnamigen Film.

In den folgenden Jahren stand sein Name für die kommerziell erfolgreiche Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, ethnischen Fragen nach den Grenzen der Wissenschaft und einer spannenden Geschichte, die öfters auch einen S-F-Touch hatte. „Sphere“ (Die Gedanken des Bösen), „Congo“, Jurassic Park“, „Rising Sun“ (Nippon connection), „Disclosure“ (Enthüllung) und „State of Fear“ (Welt in Angst) waren Bestseller und, öfters die Vorlage, für Kinohits.

Daneben ist er auch für die langlebige Krankenhausserie „Emergency Room“ verantwortlich.

Nachrufe gibt es bei The Rap Sheet, Sarah Weinman (mit einem Statement von HCC-Herausgeber Charles Ardai), Huffington Post (AP-Journalistin Colleen Long), New York Times (derzeit nur Meldungen und ein Statement von Steven Spielberg, aber ein Nachruf folgt noch). SpiegelOnline (AFP), NZZ (dpa), Tagesspiegel (Gisela Ostwald), Frankfurter Allgemeine Zeitung (Hannes Hintermeier) und Süddeutsche Zeitung (Thomas Steinfeld).


Neu im Kino: The Chaser, James Bond 007 – Ein Quantum Trost

November 6, 2008

The Chaser (Südkorea 2008, R.: Hong-jin Na)

Drehbuch: Won-Chan Hong, Shinho Lee, Hong-jin Na

In Seoul hält ein Prostituiertenmörder eine weitere Frau gefangen. Ein Ex-Cop, der inzwischen ein Zuhälter ist, sucht sie.

In Korea war der Neo-Noir-Thriller ein Kinohit. Die meisten Kritiker sind ebenfalls begeistert von dem Werk und Hollywood hat sich selbstverständlich bereits die Remake-Rechte gesichert. In Deutschland ist der Kinostart sehr limitiert. In Berlin läuft er in einem Kino.

Hinweis

Film-Zeit über “The Chaser”

–

James Bond 007 – Ein Quantum Trost (GB 2008, R.: Marc Forster)

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Quantum of Solace, 1960 (Das Minimum an Trost, Ein Minimum an Trost [Kurzgeschichte])

Nun ist es soweit. Die Zeit der Vorberichte und Kritiken hat ein Ende. Der zweite Einsatz von Daniel Craig als 007 läuft heute an.

Der Konsens der Kritiker ist: Action gut, aber nicht so gut wie „Casino Royale“ und ganz weit weg von den uns Älteren vertrauten Bond-Modellen.

Die Story, aka Der Vorwand für ganz viele, ganz tolle Verfolgungsjagden und Actionszenen: James Bond will den Tod von seiner Geliebten Vesper Lynd rächen und legt sich mit der geheimnisvollen Organisation Quantum (ist wahrscheinlich ein Nachfolger von Spectre) an.

Mit Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Judi Dench, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, Jesper Christensen, Rory Kinnear

Hinweise

Englische Homepage zum Film (üppig)

Deutsche Version davon

Film-Zeit über “James Bond 007 – Ein Quantum Trost”

Meine Besprechung des James-Bond-Romans „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care) von Sebastian Faulks mit weiterführenden Links


TV-Tipp für den 6. November: Don Mariano weiß von nichts

November 6, 2008

ARD, 01.20

Don Mariano weiß von nichts (I/F 1967, R.: Damiano Damiani)

Drehbuch: Ugo Pirro, Daminano Damiani

LV: Leonardo Sciascia: Il giorno della civetta, 1961 (Der Tag der Eule)

In Sizilien wird ein Bauunternehmer ermordet. Hauptmann Bellodi will den Fall aufklären und legt sich mit den Mächtigen der Insel an.

„Der Tag der Eule“ ist der erste der sizilianischen Romane von Sciascia, in denen er gegen die Mafia und deren Verflechtungen mit der Politik anschrieb. Seine Bücher waren die Vorlage für einige der besten italienischen Polit-Thriller.

Damianis Verfilmung ist einer der frühen, stilbildenden Polit-Thriller in der Tradition von Costa-Gavras, Petri und Rosi. Damiani begründete unter anderem mit diesem Film seinen Ruhm.

„Sciascias extrem knappem Erzählstil entspricht in den Filmen eine vergleichsweise hastige Montage, die ein wenig von jener unerbittlichen Zwangsläufigkeit an sich hat, die sich in rasch und ohne Schnörkel inszenierten Szenenwechsel präsentiert. Sicher, die zynisch-spitzfindigen Dialoge Sciascias sind, verkürzt, doch die Filme gewinnen (…) gegenüber den Romanen an Anschaulichkeit.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)

Mit Franco Nero, Claudia Cardinale, Lee J. Cobb, Serge Reggiani

Auch bekannt als „Der Tag der Eule“


Vier Volltreffer für die Hardboiled-Fans

November 5, 2008

Die zweite deutschsprachige Lieferung von Hard Case Crime enthält zwei bekannten Namen, zwei Debüts (eines wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, eines ist von einer Frau), drei neue Krimis und eine Wiederveröffentlichung. Damit ist auch die zweite Auswahl aus den inzwischen fast fünfzig originalen Hard-Case-Crime-Büchern überzeugend ausgefallen. Christa Fausts „Hardcore Angel“, Richard Aleas’ „Tod einer Stripperin“, Mickey Spillanes „Das Ende der Straße“ und, als einzige Wiederveröffentlichung, Donald E. Westlakes Frühwerk „Mafiatod“ sind alle höchst unterhaltsame Hardboiled-Geschichten, die sich nicht sonderlich um politische Korrektheit bemühen und, salopp gesagt, der Gegenentwurf zum skandinavischen Krimi und dem biederen Regiokrimi sind.

Die Großmeister: Mickey Spillane und Donald Westlake

spillane-das-ende-der-strasewestlake-mafiatod

Als Erfinder des knallharte Privatdetektivs Mike Hammer wurde Mickey Spillane weltweit bekannt. Sein anderer Seriencharakter Tiger Mann und Einzelwerke, wozu auch prämierte Kinderbücher gehören, standen immer im Schatten dieses Erfolges. Die Leser liebten seine Geschichten voller Gewalt und Sex. Die Tugendwächter schlugen auf ihn ein, als ob er der Teufel persönlich wäre. Und in Deutschland erschienen seine Bücher immer wieder gekürzt und wanderten öfters auf den Index.

In den letzten Jahren veröffentlichte Spillane, der noch nie ein besonders produktiver Schreiber war, fast nichts mehr. Nach seinem Tod 2006 begann Max Allan Collins, ein glühender Spillane-Fan und sehr produktiver Autor, auf Spillanes Wunsch, deren unvollendete Manuskripte, wozu auch mehrere Mike-Hammer-Geschichten gehören, fertig zu stellen.

Als erstes erschien vor einem Jahr bei Hard Case Crime „Dead Street“, das jetzt als „Das Ende der Straße“ auf Deutsch veröffentlicht wurde. Es erzählt vom New Yorker Ex-Cop Jack Stang, einem typischen harten Dirty-Harry-Cop, der weiß, dass er ein Dinosaurier ist und der nie über den Tod seiner vor zwanzig Jahren ermordeten Freundin hinweggekommen ist. Doch jetzt, nach seiner Pensionierung, erfährt er, dass sie noch lebt und die Personen, die sie damals umbringen wollten, es heute immer noch tun wollen. Stang versucht seine alte Liebe wieder für sich zu gewinnen und sie vor den Bösewichtern zu beschützen. Dafür muss er zuerst herausfinden, warum die Mafia eine gewöhnliche Sekretärin umbringen will.

Im Gegensatz zu den früheren Spillane-Werken geht der Grandmaster der Mystery Writers of America hier wesentlich ruhiger zu Werk. Der gesamte Mittelteil widmet sich hauptsächlich dem Werben von Stang um seine totgeglaubte Liebe. Erst am Ende, in dem von Max Allan Collins geschriebenen Teil, wird geschossen.

Als Donald E. Westlake „Mafiatod“ schrieb, stand er ganz am Anfang seiner langen und erfolgreichen Karriere. Unter seinem Namen ist er heute vor allem als Autor der komischen Dortmunder-Serie bekannt; als Richard Stark schreibt er seit 1962 die düsteren Parker-Serie und einige Grofield-Romane. Daneben hat er, neben zahlreichen Einzelwerken, die meistens unter seinem richtigen Namen erschienen, unter verschiedenen Pseudonymen, wie Tucker Coe, mehrere kürzere Serien veröffentlicht. Außerdem schrieb Westlake zahlreiche Drehbücher. 1993 ernannte ihn die Mystery Writers of America zum Grandmaster und 1997 erhielt er für sein Lebenswerk den Anthony.

Davon ahnte er 1962, als er „Mafiatod“ veröffentlichte, noch nichts. Der Krimi beginnt mit der Rückkehr des dreiundzwanzigjährigen Ray Kelly von seinem dreijährigen Dienst bei der Air Force in Deutschland. Als er mit seinem Vater, dem Anwalt Willard Kelly, auf dem Highway von Manhattan unterwegs zum in einer Vorstadt von New York gelegenen elterlichen Haus ist, wird auf sie ein Anschlag verübt. Ray Kelly überlebt schwer verwundet. Er verliert sein rechtes Auge. Sein Vater das Leben. Als Kelly aus dem Krankenhaus entlassen wird, fordert ihn ein Mann auf, sofort die Stadt zu verlassen und ganz weit weg ein neues Leben zu beginnen. Aber Kelly möchte herausfinden, warum sein Vater sterben musste.

Als erstes findet er heraus, dass sein Vater in den Dreißigern in New York für den Schnapsschmuggler und Gangsterboss Eddie Kapp arbeitete. Und es kommt noch schlimmer für Ray Kelly.

Auf knapp zweihundert Seiten packt Donald E. Westlake, wie in den Parker-Romanen, mehr Twists, als ein heutiger Thriller auf der zwei- bis dreifachen Länge hat, und das Ende der Hardboiled-Geschichte ist immer noch schockierend-überraschend. Denn, soviel kann verraten werden, Familie ist die Hölle.

Junges Blut: Richard Aleas und Christa Faust

aleas-tod-einer-stripperinfaust-hardcore-angel

Richard Aleas heißt im wirklichen Leben Charles Ardai und er gibt die Hard-Case-Crime-Reihe heraus. In seinem Romandebüt „Tod einer Stripperin“ überzeugt er, nach einigen Kurzgeschichten, auch als Romanautor.

Sein Debüt war für den Edgar- und den Shamus-Award nominiert. Der zweite Krimi mit Privatdetektiv John Blake „Songs of Innocence“ wurde in den Staaten ebenfalls abgefeiert und nur wegen einer Änderung der Zulassungskriterien wurde er, zum Bedauern vieler Autoren und Kritiker, nicht für den Shamus-Award nominiert.

In „Tod einer Stripperin“ will Privatdetektiv John Blake herausfinden, warum seine Schulfreundin Miranda Sugarmann keine geachtete Ärztin, sondern eine Stripperin in dem noch nicht einmal zweitklassigen New-Yorker-Nachtclub „The Sin Factory“ wurde und ermordet wurde. Dass John Blakes Chef Leo Hauser (der Name erinnert sicher nicht zufällig an Leo Haig, einem von Lawrence Block erfundenem Privatdetektiv. Ardai ist ein bekennender Block-Fan.) ihm rät, die Sache nicht zu verfolgen, kann Blake in seinem jugendlichen Leichtsinn nicht von diesem Fehler abhalten. Blake ermittelt einige unschöne Dinge über seine Highschoolliebe. Er beschäftigt sich mit seinen in den vergangenen zehn Jahren verlorenen Träumen. Denn als er die Schule verließ, wollte er nicht Privatdetektiv werden. Und er muss sich mit einigen wirklich üblen Gangstern auseinandersetzen.

Als erste und bislang einzige Frau bei Hard Case Crime wurde Christa Faust mit ihrem „Hardcore Angel“ von den Hardboiled-Fans begeistert aufgenommen. In den USA wurde der Roman bereits Monate vor dem offiziellen Erscheinen in den einschlägigen Blogs gelobt, nächstes Jahr wird er mit Sicherheit auf einigen Nominierungslisten stehen und Christa Faust schließt weitere Angel-Dare-Geschichten nicht aus.

In „Hardcore Angel“ gerät Angel Dare, ein ehemaliger Pornostar und Geschäftsführerin einer Sexmodelagentur, zufällig in eine leichenhaltige Geschichte um einen Koffer voller Geld und einen schwunghaften Sexsklavinnenhandel. Nach 250 Seiten hat Los Angeles einige Einwohner weniger und Angel Dare ist um einige Erfahrungen, wozu auch verschiedene Arten des Tötens gehören, reicher.

„Hardcore Angel“ ist ein wilder 250-seitiger Ritt durch die Schattenseiten Hollywoods mit einer glaubwürdigen Heldin und etlichen, sarkastisch geschilderten, Einblicken in das Sexfilmgeschäft.

–

Mickey Spillane: Das Ende der Straße

(übersetzt von Lisa Kuppler)

Rotbuch, 2008

224 Seiten

9,90 Euro

–

Originalausgabe

Dead Street

Hard Case Crime, 2007

224 Seiten

–

Hinweise

Meine Besprechung von Mickey Spillanes “Dead Street”

Weitere Informationen über Mickey Spillane

–

Donald E. Westlake: Mafiatod

(übersetzt von Ursula von Wiese – Ungekürzte, überarbeitete und nach dem Original ergänzte Fassung von Almuth Heuner)

Rotbuch, 2008

208 Seiten

9,90 Euro

–

Originalausgabe

361

Random House, 1962

–

Neuausgabe

Hard Case Crime, 2005

208 Seiten

–

Deutsche Erstausgabe

Höllenfahrt

Kurt Desch Verlag (Mitternachtsbücher), 1963

–

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Meine Besprechung des Dortmunder-Romans „What’s so funny?“

Meine Besprechung des Dortmunder-Romans „Watch your back!“

Meine Besprechung des Dortmunder-Kurzromans „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Vorstellung der Parker-Serie, die Westlake als Richard Stark schreibt

Meine Besprechung des Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung der Parker-Romane „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

–

Richard Aleas: Tod einer Stripperin

(übersetzt von Conny Lösch)

Rotbuch, 2008

256 Seiten

9,90 Seiten

–

Originalausgabe

Little Girl Lost

Hard Case Crime, 2004

224 Seiten

–

Hinweise

Richard Aleas stellt bei “My Book, the Movie” seinen Traumcast vor

Richard Aleas testet die Seite 69 von „Little Girl Lost“

–

Christa Faust: Hardcore Angel

(übersetzt von Almuth Heuner)

Rotbuch, 2008

256 Seiten

9,90 Euro

–

Originalausgabe

Money Shot

Hard Case Crime, 2008

256 Seiten

–

Hinweise

Homepage von Christa Faust

Meine Besprechung von „Hardcore Angel“ (Money Shot, 2008)

Kriminalakte über Christa Faust

–

Bonushinweise

Meine Besprechung der ersten drei deutschen Hard-Case-Crime-Bücher

Amerikanische Hard-Case-Crime-Seite

Deutsche Hard-Case-Crime-Seite


TV-Tipp für den 5. November: Der Körper meines Feindes

November 5, 2008

Das Vierte, 22.20

Der Körper meines Feindes (F 1976, R.: Henri Verneuil)

Drehbuch: Michel Audiard, Félicien Marceau, Henri Verneuil

LV: Félicien Marceau: Le Corps de mon ennemi, 1975

Leclerq saß sieben Jahre unschuldig im Knast. Jetzt kehrt er in sein stinkkorruptes Heimatstädtchen zurück und will sich rächen.

Ein Belmondo ohne Action und einer rückblendenlastigen Erzählstruktur. Das war damals eine Ausnahme im Belmondoschen Ouevre. Daher ist „Der Körper meines Feindes“ vor allem etwas für die Freunde des gut abgehangenen französischen Polit-Thrillers.

Mit Jean-Paul Belmondo, Bernard Blier, Marie-France Pisier