Gute Remakes

August 2, 2007

Es gibt aber auch gute Remakes. Teilweise, weil die erste Verfilmung des Stoffes grottenschlecht war (Denken Sie an „Der Satan und die Lady“ [Satan met a lady], die Verfilmung von „Der Malteser-Falke“) oder weil die Macher dem Stoff neue Facetten abgewonnen haben.

Deshalb – ohne eine bestimmte Ordnung – Remakes, die neben dem Original bestehen können oder besser sind:

Der Mann, der zuviel wusste (USA 1956, R.: Alfred Hitchcock – das Original ist auch von ihm)

Scarface – Das Narbengesicht (USA 1982, R.: Brian de Palma)

Departed – Unter Feinden (USA 2006, R.: Martin Scorsese)

52-Pick-Up (USA 1986, R.: John Frankenheimer – er hält sich an Leonards Roman. Die erste Verfilmung „Der Ambassador“ spielte in Israel.)

Der Manchurian Kandidat (USA 2004, R.: Jonathan Demme)

Der stille Amerikaner (USA 2002, R.: Phillip Noyce)

Thomas Crown Affäre (USA 1999, R.: John McTiernan)

The Italian Job (USA 2003, R.: F. Gary Gray – halte ich für viel besser als das ziemlich angestaubte Original)

Diebe wie wir (USA 1973, R.: Robert Altman)

Atemlos vor Angst (USA 1976/1977, R.: William Friedkin – gefiel mir vor Jahren als unterhaltsamer Actioner. Ist unterschätzt.)

The Deep End – Trügerische Stille (USA 2000, R.: Scott McGehee, David Siegel – obwohl ich das Original von Max Ophüls nicht kenne)

Kiss of Death (USA 1995, R.: Barbet Schroeder)

Kopfgeld (USA 1996, R.: Ron Howard)

Kuss vor dem Tode (USA 1991, R.: James Dearden)

No way out – Es gibt kein zurück (USA 1987, R.: Roger Donaldson)

Ocean’s Eleven (USA 2001, R.: Steven Soderbergh)

Das Versprechen (USA 2000, R.: Sean Penn – das Original „Es geschah am helllichten Tag“ ist auch gut)

Wenn der Postmann zweimal klingelt (USA 1981, R.: Bob Rafelson – bislang letzte Verfilmung von James M. Cains Klassiker)

Im Netz der Leidenschaften/Die Rechnung ohne den Wirt (USA 1946, R.: Tay Garnett – eine frühere Verfilmung des Buches)

Ossessione – Bessenheit (I 1942, R.: Luchino Visconti – noch eine frühere Verfilmung des Buches; nur die erste Verfilmung von 1939 ist fast unbekannt)

Body Snatcher (USA 1992, R.: Abel Ferrara)

Die Körperfresser kommen (USA 1978, R.: Philip Kaufman – zwei Remakes von Don Siegels „Die Dämonischen“ und beide gelungen)

Die Fliege (USA 1985, R.: David Cronenberg – obwohl das Orginal als Fifties-Schund auch gut ist.)

Katzenmenschen (USA 1982, R.: Paul Schrader)

 

Und:

Remakes, bei denen die Erstverfilmung unglaublich schlecht oder so alt ist, dass sie vollkommen vergessen ist oder das Original, wenn es synchronisiert wurde, so selten gezeigt wird, dass niemand es kennt:

Die Spur des Falken/Der Malteser-Falke (USA 1941, R.: John Huston – Yep, ein Remake. Genaugenommen die dritte Verfilmung von Hammetts Roman. Doch die erste schaffte es nie nach Deutschland und die zweite ist grottig.)

Fahr zur Hölle, Liebling (USA/GB 1975, R.: Dick Richards – dritte Verfilmung von Chandlers „Farewell, my lovely“)

Mord, mein Liebling (USA 1944, R.: Edward Dmytryk – zweite Verfilmung des eben genannten Buches von Chandler)

Das Haus der Lady Alquist (USA 1943, R.: George Cukor)

Infam (USA 1962, R.: William Wyler – das ebenfalls von Wyler inszenierte Original von 1936 ist heute fast unbekannt.)

Nachts unterwegs (USA 1940, R.: Raoul Walsh)

1984 (GB 1984, R.: Michael Radford – das Original ist aus dem Verkehr gezogen)

Sleepy Hollow (USA 1999, R.: Tim Burton – da gibt es einen ziemlich unbekannten Trickfilm von 1949)

Der gläserne Schlüssel (USA 1942, R.: Stuart Heisler – Jonathan Latimer schrieb das Drehbuch. Der Roman ist von Dashiell Hammett)

 

Wahrscheinlich habe ich ein halbes Dutzend guter Remakes vergessen.


TV-Tipp für den 3. August

August 2, 2007

 Der Grund für die heutige Empfehlung ist Brian Garfield. Er war in den Siebzigern einer der bekanntesten Thriller-Autoren.

Das Vierte, 22.15

Der letzte der harten Männer (USA 1976, R.: Andrew V. McLaglen)

Drehbuch: Guerdon Trueblood

LV: Brian Garfield: Gun Down, 1971 (später auch “Last hard men”)

Arizona, 1909: Halbblut Zach Provo flieht aus dem Gefängnis. Er will den Tod seiner Frau durch den pensionierten Sheriff Sam Burgade rächen. Er entführt dessen Frau und flieht in das Navajo-Reservat.

Im Original heißt der Spätwestern „The last hard men“. Damit ist klar, dass Provo und Burgade Geistesverwandte und, als Westerner im zwanzigsten Jahrhundert, eine aussterbende Gattung. Sam Peckinpah hat über diesen Menschenschlag einige grandiose Filme gedreht. „McLaglen gelingt es nur, die Ermattung seiner Helden auf die Zuschauer zu übertragen.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)

Brian Garfield ist vor allem für seinen Roman „Ein Mann sieht rot“ (Death Wish, 1972) bekannt. Er schrieb, teils unter verschiedenen Pseudonymen, aber auch zahlreiche weitere Western und Thriller. Weil ihm, besonders nach der Verfilmung, die Perzeption von „Ein Mann sieht rot“ und die Aussage, dass gegen Gewalt nur Gewalt hilft, nicht zufrieden war, schrieb er eine Fortsetzung von „Ein Mann sieht rot“ und mehrere Romane, in denen die Helden sich mit nicht gewalttätigen Mitteln gegen Gewalt wehren.

Mit Charlton Heston, James Coburn, Barbara Hershey, Christopher Mitchum, Michael Parks

Homepage von Brian Garfield: http://www.briangarfield.net/


Schlechte Remakes

August 2, 2007

Wenn viel Geld und Talent für ein schlechtes Ergebnis verpulvert werden und der Stoff bereits früher besser verfilmt wurde, dürfen Filmfans wieder einmal über ein schlechtes Remake lästern. Hier, ohne eine bestimmte Ordnung, meine Liste der schlechtesten gesehenen Remakes (bei einigen Remakes verzichtete ich dankend):

Psycho (USA 1998, R.: Gus Van Sant – Van Sant drehte Hitchcocks Klassiker bildgetreu nach. Nur viel schlechter)

Getaway (USA 1993, R.: Roger Donaldson – Gähnend langweilig. An dem Drehbuch kann’s nicht gelegen haben, denn Donaldson verfilmte wieder das Originaldrehbuch von Walter Hill. Nur viel schlechter)

Get Carter – Die Wahrheit tut weh (USA 2000, R.: Stephen T. Kay – Tja, ein Kritiker meinte, man müsse das Original nicht kennen, um zu wissen, dass das ein schlechter Film ist.)

Der Schakal (USA 1997, R.: Michael Caton-Jones – dito)

Shaft – Noch Fragen? (USA 2000, R.: John Singleton – hat eigentlich nichts mit dem Original-Shaft zu tun)

Payback (USA 1998, R.: Brian Helgeland – Als Mel Gibson den Film sah, meinte er,  sein Charakter sei zu düster und als Produzent verordnete er einen Nachdreh. Lee Marvin hatte im Original „Point Blank“ damit keine Probleme. Aber Marvin war auch ein echter Mann. Am 29. August jährt sich sein Todestag zum zwanzigsten Mal. Dann dürfen die TV-Sender einige seiner Filme bringen.)

Tote schlafen besser (GB 1978, R.: Michael Winner – grottiges Remake von „Tote schlafen fest“)

Gegen jede Chance – Against all Odds (USA 1984, R.: Taylor Hackford – modisch-aufgestyltes Remake von „Out of the Past“)

Kap der Angst (USA 1991, R.: Martin Scorsese)

Der talentierte Mr. Ripley (USA 1999, R.: Anthony Minghella – ich fand’s langweiliges Ausstattungskino)

Roter Drache (USA 2002, R.: Brett Ratner – starbestückte Langeweile. Kein Vergleich mit dem Michael Mann-Film.)

Planet der Affen (USA 2001, R.: Tim Burton – ein Sixties-Kassenknüller auf der Schlachtbank)

Die Frauen von Stepford (USA 2004, R.: Frank Oz  – dito)

Rollerball (USA 2002, R.: John McTiernan – dito)

DNA – Die Insel des Dr. Moreau (USA 1996, R.: John Frankenheimer – Schrott, wie die Verfilmung von 1977. Man sollte sich doch mal wieder das Original von 1932 ansehen.)

King Kong (USA 1976, R.: John Guillermin – gruselig)

Lolita (USA 1996, R.: Adrian Lyne – langweilig)

Atemlos (USA 1982, R.: Jim McBride – Oder: Wie wir Amis dazu bringen, französische Filme zu sehen.)

Das Auge (GB/Can/USA 1999, R.: Stephen Elliott – dito)

Under Suspicion – Mörderisches Spiel (F/USA 2000, R.: Stephen Hopkins – dito)

Codename: Nina (USA 1992, R.: John Badham – dito)

Diabolisch (USA 1996, R.: Jeremiah Chechik – dito – als nächstes verhunzte er „Mit Schirm, Charme und Melone“)

 


TV-Tipp für den 2. August

August 2, 2007

Arte, 20.40

Der Saustall (F 1981, R.: Bertrand Tavernier)

Drehbuch: Jean Aurenche, Bertrand Tavernier

LV: Jim Thompson: Pop. 1280, 1964 (Zwölfhundertachtzig schwarze Seelen, 1280 schwarze Seelen)

Wirklich gelungene Verfilmung eines der besten Thompson-Bücher: ein Haufen Menschen geht ihren niederen Trieben (Sex, Ehebruch, Mord) nach und fühlt sich dabei von moralischen Gesetzen nicht gebunden.

Tavernier verlegte die Handlung von einem Südstaaten-Kaff nach Französisch-Westafrika, blieb aber der Seele des Buches treu.

Mit Philippe Noiret, Isabelle Huppert, Stéphane Audran, Guy Marchand

Arte über den Film

Wiederholungen:

Montag, 13. August, 00.00 Uhr

Dienstag, 21. August, 14.45 Uhr


TV-Tipp für den 1. August

August 1, 2007

R. i. P.: Ingmar Bergman, 14. Juli 1918 – 30. Juli 2007

ARD, 00.35

Fanny und Alexander (S/D/F 1982, R.: Ingmar Bergman)

Drehbuch: Ingmar Bergmann

Um die Jahrhundertwende spielendes, in der Kinofassung dreistündiges Drama (es gibt auch eine fünfstündige Fernsehfassung) über die Kindheit von Fanny und Alexander. Sie wachsen in einer wohlhabenden Familie auf, die ein Provinztheater besitzt.

„Ein Alterswerk, ein Meisterwerk.“ (Fischer Film Almanach 1984)

mit Kristina Adolphson, Pernilla Allwin, Kristian Almgren, Carl Billquist


IAMTW verleiht ersten Scribe Award

Juli 31, 2007

Die „International Association of Media Tie-in Writers“ (IAMTW) hat in San Diego auf der Comic Con am 29. Juli erstmals den Scribe Award verliehen. Die IAMTW will den Autoren von Filmromanen ein besseres Renommee verschaffen. Denn obwohl ihre Bücher oft auf den Bestsellerlisten stehen und sich gut verkaufen, werden sie oft für schlechte Lohnschreiber gehalten, die einfach die Ideen eines anderen Autors von einem Drehbuch in einen schlecht geschriebenen Roman umformulieren. Dabei wird oft vergessen, dass es bereits eine Leistung ist, Bilder von einem nicht existierenden Film (schließlich soll das Buch ja gleichzeitig mit dem Film veröffentlicht werden) in Worte zu übersetzten.

Neben den Adaptionen schreiben die Tie-in-Autoren auch Originalromane. In ihnen erfinden sie mit den aus Film und Fernsehen bekannten Charakteren neue Geschichten. Hier haben in den vergangenen Jahren Max Allan Collins, Lee Goldberg und Stuart Kaminsky spannende Kriminalromane geschrieben.

 

Hier die Liste der Nominierungen und der Preisträger:

 

SPECULATIVE FICTION

BEST NOVEL – ADAPTED

SLAINE: THE EXILE by Steven Savile

SUPERMAN RETURNS by Marv Wolfman

TOXIC AVENGER: THE NOVEL by Lloyd Kaufman & Adam Jahnke

ULTRAVIOLET by Yvonne Navarro

UNDERWORLD: EVOLUTION by Greg Cox

 

BEST NOVEL – ORIGINAL 

STAR TREK CRUCIBLE: McCOY – PROVENANCE OF SHADOWS by David R. George III

STARGATE ATLANTIS: EXOGENESIS by Elizabeth Christensen & Sonny Whitelaw

THIRTY DAYS OF NIGHT: RUMORS OF THE UNDEAD by Jeff Mariotte & Steve Niles

WARHAMMER: FAITH AND FIRE by James Swallow

WARHAMMER: ORC SLAYER by Nathan Long

 

GENERAL FICTION

BEST NOVEL – ADAPTED 

SNAKES ON A PLANE by Christa Faust

THE PINK PANTHER by Max Allan Collins

 

BEST NOVEL – ORIGINAL

CSI NEW YORK: BLOOD ON THE SUN by Stuart Kaminsky (CSI New York: Blutige Spur)

LAS VEGAS: HIGH STAKES by Jeff Mariotte

MR. MONK GOES TO HAWAII by Lee Goldberg (Mr. Monk besucht Hawaii)

OAKDALE CONFIDENTIAL: SECRETS REVEALED by Alina Adams

 

YOUNG ADULT – ALL GENRES

BEST NOVEL

ALIAS APO: STRATEGIC RESERVE by Christina York

BUFFY THE VAMPIRE SLAYER: PORTAL THROUGH TIME by Alice Henderson

DRAGONLANCE: WARRIOR’S HEART by Stephen Sullivan

KNIGHTS OF THE SILVER DRAGON: PROPHECY OF THE DRAGONS by Matt Forbeck

 

GRANDMASTER: Donald Bain

 

Weitere Informationen:

Homepage der IAMTW

Blog der IAMTW


TV-Tipp für den 31. Juli

Juli 30, 2007

Aus der Reihe „Wir sehen Filme, die die Welt nicht braucht“:

Arte, 00.10 (VPS 23.55)

Candy (USA/I 1968, R.: Christian Marquand)

Drehbuch: Buck Henry

LV: Terry Southern, Mason Hoffenberg: Candy, 1958

Alle Männer sind verrückt nach Candy.

Ein Desaster, aber mit vielen Stars und daher aus heutiger Sicht für die Freunde des schlechten Films durchaus mit gewissen Qualitäten ausgestattet. Außerdem scheint „Candy“ heute Nacht seine TV-Premiere zu erleben.

Stellvertretend für die vielen schlechten Kritiken hier eine neuere Meinung: „Als Film ist Candy eine einzige Katastrophe. Er ist monströs, vulgär, ohne jeden Humor, ohne Erotik. Er bestürmt das Publikum zwei Stunden lang mit einer formlosen Reihe von Episoden, unlogisch aneinandergereiht, in denen das junge Mädchen, das die Titelrolle spielt (Eva Aulin) von einer Reihe unheimlicher und wahnsinniger Männer verführt wird. (…) Um das wahnsinnige Bild abzurunden, gibt es noch eine Handvoll brutaler Polizisten, Lesbierinnen, karikierte Homosexuelle und laszive Zuschauer.“ (Tony Thomas: Marlon Brando und seine Filme)

Für die deutsche Kinoauswertung wurde der Film von 123 Minuten auf 101 Minuten gekürzt. Arte zeigt selbstverständlich die Originalfassung.

Mit Eva Aulin, Charles Aznavour, Marlon Brando, Richard Burton, James Coburn, John Huston, Walter Matthau, Ringo Starr, Anita Pallenberg

Auch bekannt als “Sexy-Ladies”

Wiederholung: Arte, Donnerstag, 9. August, 00.30 Uhr

Arte über „Candy“:

http://www.arte.tv/de/kunst-musik/summer-of-love/Die-Programme/1592464.html

Homepage über Terry Southern:

http://www.terrysouthern.com/


Ein bisschen Luxus – Kapitel 11 online

Juli 30, 2007

Der Krimi geht hier weiter.

Berlin Kriminell-Barbara und ich wollen die Tage auch etwas am Bonusmaterial arbeiten. Wenn der Tag doch mehr als 24 Stunden hätte…


„Verschwunden“: Erste Gedanken zur Überarbeitung

Juli 29, 2007

Vor einigen Tagen schrieb ich, dass ich ein altes Manuskript herausgekramt habe und überarbeiten will. Das Ende gefällt mir immer noch. Redigiert habe ich in der zweiten Hälfte wenig. Aber die erste Hälfte gefällt mir nicht.

Derzeit denke ich, dass der Anfang gut ist. Immerhin erhält der Detektiv auf den ersten Seiten den Auftrag. In der zweiten Hälfte gibt es dann genug Überraschungen, um die Geschichte alle paar Seiten in eine andere Richtung zu bewegen. Und, wie gesagt, das Ende ist gut, denn hier erfahren wir in wenigen Zeilen, dass der Detektiv und Ich-Erzähler sich geirrt hat.

Also einfach in der ersten Hälfte etwas kürzen?

Nein. Denn hier wird natürlich einiges vorbereitet. Außerdem, denke ich, ist das nicht das größte Problem der Geschichte.

Größere Probleme liegen für mich in der Motivation von einigen Charakteren. Warum sollen sie so und nicht anders handeln? Warum konnten sie bestimmte Aktionen vorausplanen? Woher wussten sie, dass ihre Pläne funktionieren? Halt genau das, was mir bei einem schlechten Verschwörungsthrillern nicht gefällt. Da wird dann ein unglaublich komplizierter Plan entworfen, der nur funktionieren kann, wenn der Held zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort ist und irgendetwas tut. Das haben die Bösen geplant, weil sie wussten, dass der Held, wenn seine Frau umgebracht wird, er fünf Tage um 9.10 Uhr später seinen besten Freund besuchen wird. Pfui.

Blöderweise muss bei mir am Ende ein Charakter genau so etwas tun.

Das nächste Problem ist, dass ich im Prinzip eine Variante von „Laura“ geschrieben habe. Sie kennen den Film? Ein Polizist verliebt sich in das Bild einer Toten. Nun, auch bei mir ist eine Frau verschwunden. Sie wird gesucht. Die Menschen reden über sie und wir bekommen über ihre Aussagen ein Bild von ihr. Als Idee fand ich das toll. Aber jetzt ist mir zu wenig Spannung drin. Denn im Wesentlichen ist „Verschwunden“ (Arbeitstitel!!!) eine Charakterstudie ohne Konflikte.

Und hier kommen wir zum nächsten Problem. Mein Erzähler tut einfach seine Arbeit. Er kriegt den Auftrag. Er ermittelt. Er löst den Fall. Aber er wird als Charakter nicht wirklich fassbar. Denn für ihn steht nichts auf dem Spiel. Wenn er den Fall löst, ist es okay. Wenn nicht, dann ist es auch okay. Er hat auch keine Konflikte. Er löst ganz einfach den Fall. Interessanter wäre, wenn er die verschwundene Studentin bereits früher findet und vor der Frage steht, ob er sie zu ihrem Vater bringen soll oder nicht.

Und hier liegt, denke ich, auch die Möglichkeit, meinen Text besser zu machen. Ich streiche viel von den ersten Seiten, verlagere im zweiten Teil die Schwerpunkte und lasse den Helden aktiver in die Familiengeheimnisse vorstoßen; und zwar so, dass er eine Tragödie verhindern will.

Dann steht mein Erzähler vor Entscheidungen und er hat mindestens einen Gegner.

Es gibt mehr Konflikte und damit mehr Spannung und letztendlich ein besseres Buch.

Das klingt jetzt nach viel Arbeit? Ich denke nicht. Denn das Grundgerüst der Geschichte steht. Viele Szenen und Dialoge gefallen mir immer noch (Wobei ich dran denke, den Erzähler US-PI-witziger zu machen.). Ich kenne die Charaktere (und sie haben Namen, mit denen ich zufrieden bin). Ich kenne die falschen Fährten. Ich weiß, was geschieht. Ich muss es nur noch Schreiben. Fünf Seiten pro Tag. In einem Monat sind das 150 Seiten, in zwei Monaten 300 Seiten und das ist dann schon ein ganz ordentliches Buch.

 


TV-Tipp für den 30. Juli

Juli 29, 2007

RBB, 23.00

Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen (F/I/D 1974/1975, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Chabrol

LV: Richard Neely: The damned innocents, 1971

Julie will mit ihrem Geliebten ihren Mann umbringen.

Chabrol ging es nicht um den Kriminalfall, sondern um die Stellung einer Frau in einer Männerwelt. „Als ich das Drehbuch schrieb, das sich von dem Roman in vielem unterscheidet, begann mich die Rolle der Frau in dieser Geschichte mehr und mehr zu interessieren. So entstand das Porträt einer sehr femininen Frau in einer Welt von Männern – ich eliminierte alle anderen Frauen aus der Handlung…Mein Thema erschien mir so noch offensichtlicher: ein Film über die Frau und die Männer. So konnte ich von der dem roman noir innewohnenden Misogynie zu einem Feminismus übergehen, der mir, halten Sie sich fest, teuer ist.“ (Claude Chabrol)

Mit Romy Schneider, Rod Steiger, Jean Rochefort, Hans-Christian Blech


Die August-Liste der KrimiWelt

Juli 29, 2007

Die August-Ausgabe der KrimiWelt-Bestenliste ist draußen:

1          (2)       Matti Rönkä: Der Grenzgänger

Aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara

Grafit, geb., 224 S. 17,90 €

2          (3)       Astrid Paprotta: Feuertod

Piper, TB, 320 S., 12,00 €

3          (-)        Andrea Maria Schenkel: Kalteis

Edition Nautilus, TB, 160 S., 12,90 €

4          (-)        Juan Damonte: Ciao Papá

Aus dem argentinischen Spanisch von Peter Tremp

Lateinamerika Verlag, TB, 190 S., 14,80 €

5          (-)        Robert B. Parker: Der stille Schüler

Aus dem Amerikanischen von Frank Böhmert

Pendragon, TB, 214 S., 9,90 €

6          (6)       Christine Lehmann: Allmachtsdackel

Ariadne im Argumentverlag,TB, 320 S., 9,90 €

7          (4)       Gisbert Haefs: Caesar

Heyne, geb., 512 S., 21,95 €

8          (-)        Jan Costin Wagner: Das Schweigen

Eichborn Berlin, geb., 288 S., 19,95 €

9          (-)        Horst Eckert: Königsallee

Grafit, geb., 412 S., 18,90 €

10       (-)        Walter Mosley: Little Scarlet

Aus dem Amerikanischen von Uda Strätling

Fischer, TB, 304 S., 9,95 €

 

In den Klammern sind die Positionen des Vormonats. Danach ist diese Liste mit sechs Neuensteigern vor allem vom Wandel geprägt.

Sensationell finde ich den Neueinstieg von Andrea Maria Schenkels „Kalteis“ auf Platz drei. Denn das Buch erscheint erst am 8. August. Ich wird’s dann besprechen. Bis dahin können Sie bei Hammett einige Ausschnitte lesen.


Die Nominierungen für den Anthony Preis

Juli 29, 2007

Für den diesjährigen Anthony wurden diese Werke nominiert:

 

Bester Roman:

Julia Spencer-Fleming: All Mortal Flesh, St. Martins

Denise Mina: The Dead Hour, Little Brown

Jan Burke: Kidnapped, Simon & Schuster

Laura Lippman: No good Deeds, Harper

Nancy Pickard: The Virgin of small Plains, Ballantine

 

Bestes Debüt

Cornelia Read: A Field of Darkness, Mysterious Press

Alexandra Sokoloff: The Harrowing, St. Martin

Steve Hockensmith: Holmes on the Range, St. Martins

John Hart: The King of Lies, St. Martin

Louise Penny: Still Life, St. Martin

 

Bestes Taschenbuch:

Dana Cameron: Ashes and Bones, Avon

Robert Fate: Baby Shark, Capital Crime Press

Sean Doolittle: The Cleanup, Dell

Charlie Huston: A dangerous Man, Ballantine

Troy Cook: 47 Rules of highly effective Bank Robbers, Capital Crime Press

Victor Gischler: Shotgun Opera, Dell

Naomi Hirahara: Snakeskin Shamisen, Bantam Dell – Delta

 

Beste Kurzgeschichte:

Elaine Viets: After the Fall, Alfred Hitchcock Magazin

Bill Crider: Cranked, in “Damn near Dead”, Busted Flush Press

Dana Cameron: The Lords of Misrule, in “Sugarplums and Scandal”, Avon

Simon Wood: My Father’s Secret, in Crime Spree Magazine

Megan Abbot: Policy, in “Damn near Dead”, Busted Flush Press

Toni Kelner: Sleeping with the Plush, Alfred Hitchcock Magazin

 

Bestes Sachbuch:

Daniel Stashower: The beautiful Cigar Girl, Dutton

Chris Roerden: Don’t murder your Mystery, Bella Rosa Books

Jim Huang/Austin Lugar (Hrsg.): Mystery Muses, Crum Creek Press

Gary Warren Niebuhr: Read ‘em their Writes, Libraries Unlimited

E.J. Wagoner: The Science of Sherlock Holmes, John Wiley & Sons

                  

Besondere Verdienste:

Charles Ardai, Hard Case Crime

George Easter, Deadly Pleasures

Barbara Franchi & Sharon Wheeler, reviewingtheevidence.com

Jim Huang, Crum Creek Press and The Mystery Company

Jon & Ruth Jordan, CrimeSpree Magazine

Ali Karim, Shots Magazine

 Lynn Kaczmarek & Chris Aldrich, Mystery News

 Maddy Van Hertbruggen, 4 Mystery Addicts

 

Die Gewinner werden Ende September auf dem Bouchercon in Anchorage bekannt gegeben.

Der Anthony ist nach Anthony Boucher benannt, und wird seit 1986 auf der World Mystery Convention (tja, die Amis haben immer die Welt im Blick), auch bekannt als Bouchercon, von den Bouchercon-Mitgliedern vergeben.  

 

Dank an Sarah Weinman.  


TV-Tipp für den 29. Juli

Juli 29, 2007

Das Vierte, 17.50

Familiengrab (USA 1976, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Ernest Lehman

LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”)

Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.

Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.

Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.

Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt


TV-Tipp für den 28. Juli

Juli 27, 2007

leonard-touch.jpg

Das Vierte, 16.10

Touch – Der Typ mit den magischen Händen (USA 1997, R.: Paul Schrader)

Drehbuch: Paul Schrader

LV: Elmore Leonard: Touch, 1987 (Blutsmale)

Seelsorger Juvenal kann Kranke heilen. Windige Geschäftemacher und religiöse Fanatiker wollen die übersinnlichen Kräfte Juvenals für ihre eigenen Interessen ausbeuten.

„Touch“ ist wahrscheinlich Leonards untypischstes Buch: eine Story über einen jungen Wunderheiler, der kein Scharlatan ist. Lange wusste kein Verleger, wie er „Touch“ auf den Mark bringen sollte. Erst zehn Jahre nachdem Leonard „Touch“ geschrieben hatte, wurde es veröffentlicht. 

Paul Schrader (u. a. Drehbuch zu „Taxi Driver“) hielt sich bei seiner Verfilmung eng an das Buch. Mit zahlreichen bekannten Schauspielern drehte er eine sehenswerte, unterhaltsame Satire auf den religiösen Wahn in den USA. Ein sträflich unterschätzter Film.

„Ein zutiefst humaner Film über Nächstenliebe und Aufrichtigkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen, der nicht als theologischer Diskurs, sondern als Reflex auf die Defizite der modernen Gesellschaft angelegt ist. Durch den unaufdringlichen Charme des Hauptdarstellers und eine Inszenierung ohne aufgesetzte Dramatik ist ein feiner kleiner Film entstanden, der seinem großen Thema auf unprätentiöse Art und Weise gerecht wird.“ (Lexikon des internationalen Films)

Von Elmore Leonards Homepage: „“Touch“ had the Elmore Leonard sound as Schrader pretty much “shot the book.” The resulting film was somewhat subdued and low-key, but the film, like the book, takes a whimsical, black-comedy look at the exploitation of faith. The film had a tiny theatrical release and was overlooked by other Elmore Leonard films that came out the same year. The strong cast and Schrader’s feel for Elmore’s material make „Touch“ worth seeing.“

Auch in den deutschen Kinos lief die Groteske nur in wenigen Häusern und wird im Fernsehen selten und dann bevorzugt zu Videorekorderfreundlichen Zeiten gezeigt.

Mit Bridget Fonda, Christopher Walken, Skeet Ulrich, Tom Arnold, Gina Gershon, Lolita Davidovich, Paul Mazursky

 

Wiederholung: Das Vierte, Sonntag, 29. Juli, 14.15 Uhr

 

Hinweise:

Homepage von Elmore Leonard:

http://www.elmoreleonard.com/    

Meine Besprechung von „Up in Honey’s Room“ (2007) in der Spurensuche:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-vierzig.html  

Meine Besprechung von „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004) in der Spurensuche:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-sechs.html    

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“:

http://www.nordpark-verlag.de/krimikritiksieben-jahrbuch-2006.html

 


Unverzichtbar für Autoren

Juli 27, 2007

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Der wirkliche Wert des von Gerhild Tieger und Manfred Plinker herausgegebenen  „Deutsches Jahrbuch für Autoren Autorinnen 2007/2008“ liegt nicht den zahlreichen Artikeln, sondern in den Adressen. Die beiden Herausgeber und sicher eine große Zahl helfender Hände im Hintergrund haben umfangreiche Adresslisten zusammengestellt. Verlage, Zeitungen, Literaturhäuser, Aus- und Weiterbildungsinstitutionen, die verschiedensten Förderungen und Literaturpreise; das alles und noch mehr ist übersichtlich unter verschiedenen Rubriken alphabetisch sortiert mit Ansprechpartnern und kurzen Profilen der Institutionen aufgeführt. Diese Seiten ersparen Autoren die stundenlange Suche im Internet.

Dagegen wirken die 52 Artikel etwas eklektisch zusammengestellt. Auch hier wird die gesamte Buchbranche abgesteckt, es werden Schwerpunkte gebildet, aber oft hat man auch den Eindruck, dass hier einfach genommen wurde, was gerade im zwischen informativ und unterhaltend im Angebot war. Von Daniel Kehlmann und Arno Geiger gibt es Reden, von Sibylle Berg Betrachtungen über die Menschen, die Briefe an Autoren schreiben, Klaus Modick erzählt unterhaltsam-selbstironisch von seinem Werdegang als Schriftsteller, es gibt ein eigenes Kapitel zur Lyrik, Lektoren erzählen von ihrer Arbeit, Franz Josef Görtz erzählt, wie es dazu kam, dass die FAZ 1984 „Das Parfüm“ abdruckte, Tilmann P. Gangloff berichtet von dem Kampf deutscher Drehbuchautoren gegen „Knebelverträge“, Julie Myerson schreibt über Kritiker und Autoren, ein Essay von John Updike über den „Untergang des Buchhandels – und des Schriftstellers“ und dann gibt es im umfangreichen Kapitel „Genres“ mehrere Texte über Kriminalromane.

Diese fünfzig Seiten verdienen in der „Kriminalakte“ natürlich einen genaueren Blick. Tobias Gohlis schreibt über deutsche Krimis. Stephan Harbort über den Modus operandi von Serienmördern. Reinhard Jahn gibt Tipps zum Schreiben von Krimis. Anna Taube schreibt über Krimi im Kinderbuch. 

Kriminalhauptkommissar Harborts Text ist eine kurze quasi-wissenschaftliche Abhandlung, in denen er Serienmörder typisiert. Darüber hat er bereits erfolgreich mehrere Sachbücher geschrieben. Entsprechend informativ sind die vierzehn Seiten, die aber als Hintergrundinformation eigentlich nichts in einem „Jahrbuch für Autoren“ zu suchen haben.

Reinhard Jahn beantwortet in „Kriminalromane schreiben“ häufig gestellte Fragen. Der Titel ist letztendlich falsch. Denn im Zentrum stehen nicht Kriminalromane, sondern Kriminalgeschichten für Zeitungen und Zeitschriften. Jahns Antworten treffen natürlich auf alle Manuskripte, die Zeitungen angeboten werden, zu.

In die Tiefen und Untiefen des Kinderbuches dringt Kinderbuchlektorin Anna Taube mit ihrem sehr informativen „Krimi im Kinderbuch“ vor. Sie erklärt die Unterschiede zwischen Krimis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und stellt einige erfolgreiche Reihen, wie die „Fünf Freunde“, „Die drei???“ und „TKKG“, pointiert vor.

Tobias Gohlis beginnt „Deutsche Krimis“ gleich mit der zutreffenden Bemerkung (er sagt Polemik) „Der durchschnittliche deutsche Krimiautor ist als Schriftsteller Amateur und fest davon überzeugt, das Krimischreiben sei so einfach wie für Japaner das Verfassen von Haikus.“ ehe er auf die guten deutschen Krimiautoren hinweist. Es sind, wenig überraschend, Merle Kröger, Oliver Bottini, Thomas Kastura, Friedrich Ani und die Altmeister Frank Göhre, D. B. Blettenberg, Robert Brack (seine als Virginia Doyle geschriebenen Romane) und Robert Hültner. Damit wendet sich „Deutsche Krimis“ vor allem an Menschen, die in den vergangenen Jahren krimiabstinent waren.

Aber, wer kauft das „Deutsche Jahrbuch für Autoren Autorinnen 2007/2008“ schon wegen der Texte? Es wird wegen der Adressen gekauft.

 

Gerhild Tieger/Manfred Plinke (Hrsg.): Deutsches Jahrbuch für Autoren Autorinnen 2007/2008

Autorenhaus Verlag, 2007

1056 Seiten

29,90 Euro

 

Homepage des Verlages (mit Inhaltsverzeichnis):

http://www.autorenhaus-verlag.de/das-branchenhandbuch.phtml

 


TV-Tipp für den 27. Juli

Juli 27, 2007

R. i. P.: Ulrich Mühe, 20. Juni 1953 – 22. Juli 2007

ZDF, 20.15

Der letzte Zeuge: Die sich nach Liebe sehnen (D 2003, R.: Bernhard Stephan, Buch: Gregor Edelmann)

ZDF, 21.00

Der letzte Zeuge: Das weiße Rauschen (D 2003, R.: Bernhard Stephan, Buch: Gregor Edelmann)

Anlässlich des Todes von Ulrich Mühe zeigt das ZDF zwei Folgen der Krimiserie „Der letzte Zeuge“. Mühe war als Dr. Robert Kolmaar der Hauptdarsteller der erfolgreichen Gerichtsmediziner-Serie. Sein letzter großer Erfolg war „Das Leben der anderen“.

Arte zeigt, immer im Doppelpack, die ersten Folgen von „Der letzte Zeuge“: Montag ab 20.40 Uhr und als Wiederholung nach Mitternacht in der Samstagnacht.

Link zum ZDF:

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,1872,2018063,00.html

Link zu Arte:

http://www.arte.tv/de/film/Der-letzte-Zeuge/1573634.html


Florida-Crime à la Hiaasen

Juli 26, 2007

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Im Rückblick ist die vor acht Jahren erschienene Satire „Krumme Hunde“ (Sick Puppy) der letzte wirklich gnadenlose satirische Kriminalroman von Carl Hiaasen. Danach schrieb er, neben zwei erfolgreichen Jugendbüchern, einen in der ersten Person erzählten Thriller („Letztes Vermächtnis“), garnierte die Satire mit einem Schuss Altersmilde („Der Reinfall“) oder brachte niemanden mehr um („Sumpfblüten“).

„Krumme Hunde“ beginnt harmlos, bevor die Geschichte ihren brüllend komischen Hiaasen-typischen fatal-destruktiven Verlauf nimmt. Der beste Lobbyist Floridas Palmer Stoat wirft aus seinem Range Rover in die Wildnis Floridas die Verpackungen seines Fastfood-Essens. Keine große Sache. Macht schließlich jeder. Dummerweise wird er dieses Mal von Twilly Spree beobachtet. Twilly ist ein Weltverbesserer, der seine Mitmenschen mit handfesten Demonstrationen überzeugen will. So sprengte er die Bank seines Onkels, weil die Bank einer Baufirma vierzehn Millionen Dollar für Bauarbeiten im Amazonasbecken lieh, in die Luft und musste – erfolglos – an einem Kursus zur Aggressionsbewältigung teilnehmen. Denn Twilly kann seine Wut immer noch nicht beherrschen. Er befördert eine Ladung Müll in Stoats BMW Cabrio. Damit könnte die Sache beendet sein, wenn Stoat nicht wenige Tage später wieder Müll aus seinem Wagenfenster werfen würde. Denn Stoat hat erstens keine Ahnung, wer warum seinen BMW zerstörte, und ist zweitens damit beschäftigt, die Umwidmung der idyllischen Insel Toad Island in ein luxuriöses Golfressort voranzubringen. Für das Shearwater-Island-Projekt (natürlich wird Toad Island [Kröteninsel] zuerst umbenannt) müssen seltene Tierarten verschwinden, Politiker geschmiert und Investoren beruhigt werden.

Auch als Twillys Demonstrationen immer persönlicher werden, hat Stoat keine Ahnung, wer ihn warum bedroht. Ihm fällt nur ein, dass es mit seinem neuesten Projekt zusammenhängen könnte.

Stoats von der Ehe und ihrem arroganten Ehemann gelangweilte Frau Desie verliebt sich natürlich prompt in den sympathischen Twilly, der zuerst ihren Hund Boodle und später sie entführt, und erzählt ihm, dass Stoat letztendlich die treibende Kraft bei der geplanten Zerstörung des Paradieses Toad Island ist. Twilly fordert Stoat auf, das Projekt zu stoppen. Sonst werde er seinen Hund und seine Frau nie wieder sehen.

Stoat kann diese Forderung, die letztendlich das Ende seiner Karriere als Lobbyist bedeuten könnte, unter keinen Umständen akzeptieren. Twilly soll, wie die anderen Probleme bei der Erschließung der Insel, aus dem Weg geschafft werden. Weil Geld bei dem vermögenden Überzeugungstäter Twilly Spree nicht fruchten wird, erpressen Stoat und der Gouverneur von Florida den früheren, in den Sümpfen untergetauchten Gouverneur Clinton ‚Skink’ Tyree. Er soll ihnen helfen, den Irren Twilly Spree aus dem Weg zu schaffen.

Hiaasen-Fans kennen Skink und wissen, dass spätestens jetzt für die Bösen die Straße ins Verderben ein mehrspuriger Highway ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen ist.

„Krumme Hunde“ ist Carl Hiaasens gnadenlose Abrechnung mit korrupten Politikern und, wieder einmal, eine furiose Anklage gegen die Zerstörung der traumhaften Landschafts Floridas für kommerzielle Interessen. Alle Probleme können mit der richtigen Menge Geld, – mal legal, mal illegal verbucht -, gerichtet werden, bis mit Twilly Spree ein Idealist auf der Bildfläche erscheint und den korrupten Frieden stört. Das erschreckende bei „Krumme Hunde“, wie auch bei den anderen in Florida spielenden witzig-grotesken Kriminalromanen von Hiaasen, ist, dass die auf den ersten Blick unglaublichsten Ereignisse wahr sind.

Doch was kann man schon von einem Bundesstaat erwarten, in dem Präsidentschaften gekauft werden und Journalisten als Haustiere Alligatore haben?

 

Carl Hiaasen: Krumme Hunde

(übersetzt von Michael Kubiak)

Goldmann, 2007 (2. Auflage)

512 Seiten

8,95 Euro

 

Deutsche Erstausgabe: Goldmann, 2002

 

Originalausgabe

Sick Puppy

Alfred A. Knopf, New York, 1999

Homepage von Carl Hiaasen: http://www.carlhiaasen.com/

 

Bücher von Carl Hiaasen

Romane

Powder Burn, 1981 (mit William D. Montalbano)

Trap Line, 1982 (mit William D. Montalbano)

A Death In China, 1984 (mit William D. Montalbano) (Der Tod in China)

Tourist Season, 1986 (Miami Terror)

Double Whammy, 1987 (Dicke Fische, Miami Morde)

Skin Tight, 1989 (Unter die Haut)

Native Tongue, 1991 (Große Tiere)

Strip Tease, 1993 (Striptease, Nachtclub)

Stormy Weather, 1995 (Stürmische Zeiten)

Naked Came the Manatee, 1996 (mit Brian Antoni, Dave Barry, Edna Buchanan, Tananarive Due, James W Hall, Vicki Hendricks, Elmore Leonard, Paul Levine, Evelyn W Mayerson and Edna Standiford – Serial Novel for The Miami Herald’s Tropic Magazine)

Lucky You, 1997 (Die Glücksfee)

Sick Puppy, 1999 (Krumme Hunde)

Basket Case, 2002 (Letztes Vermächtnis)

Skinny Dip, 2004 (Der Reinfall, Dagger-Nominierung für bester Roman)

Nature Girl, 2006 (Sumpfblüten)

 

Kinderbücher

Hoot, 2002 (Eulen)

Flush, 2005 (Fette Fische)

 

Sachbücher

Team Rodent: How Disney Devours the World, 1998

Kick Ass: Selected Columns of Carl Hiaasen, 1999

Paradise Screwed: Selected Columns of Carl Hiaasen, 2001

 

Verfilmungen

Striptease (Striptease, USA 1996, Regie/Drehbuch: Andrew Bergman)

Eulen – Kleine Freunde in großer Gefahr! (Hoot, USA 2006, Regie/Drehbuch: Wil Shriner)


TV-Tipp für den 26. Juli

Juli 26, 2007

Filmhistorisch ist „Firefox“ kein wichtiger Film. Aber er war einer meiner ersten Eastwood-Filme (vielleicht sogar der erste), einer der ersten Filme, die ich im Kino sah (Wow, war ich beeindruckt. Aber damals fand ich auch „Das Imperium schlägt zurück“ supertoll.) und der Beginn einer jahrelangen Lesefreundschaft zu Craig Thomas. Von Eastwood sehe ich mir immer noch jeden Film an. Von Thomas lese ich schon lange nichts mehr.

Deshalb geht’s heute zurück in den Kalten Krieg:

Vox, 22.15

Firefox (USA 1982, R.: Clint Eastwood)

Drehbuch: Alex Lasker, Wendell Wellman

LV: Craig Thomas: Firefox, 1977 (Firefox)

So sind die Amis. Da erfinden die Russen ein superschnelles Flugzeug (sechsfache Schallgeschwindigkeit, unsichtbar auf dem Radar, Steuerung durch Gedanken) und die Amis schicken einen von seinen Vietnam-Erfahrungen traumatisierten Piloten (er ist trotzdem der Beste) hinter den Eisernen Vorhang. Sein Auftrag: den Flieger zu klauen.

Einer dieser Agententhriller, die unterhaltsamen Unfug erzählen.

Der Brite Craig Thomas schrieb mit „Firefox“ einen der ersten Techno-Thriller. Bei ihm haben natürlich die Briten eine wichtige Rolle bei dem Diebstahl des Supervogels. Für den Film wurde es dann zu einer rein amerikanischen Angelegenheit. Thomas veröffentlichte 1983 unter dem Eindruck des erfolgreichen Films die Fortsetzung von „Firefox“: „Firefox Down“ schließt unmittelbar an „Firefox“ an und ist eine spannende, keineswegs tiefgründige Lektüre. Jedenfalls hatte ich das Buch als Teenager innerhalb weniger Tage gelesen (auf Englisch, weil ich nicht auf die Übersetzung warten wollte).

Mit Clint Eastwood, David Huffman, Ronald Lacey, Klaus Löwitsch, Nigel Hawthorne

Wiederholung um 02.35 Uhr


Spenser in der Schule

Juli 24, 2007

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Mit „Der stille Schüler“ von Robert B. Parker legt der Pendragon-Verlag seinen zweiten Spenser-Roman vor. Das klingt jetzt etwas umständlich, aber Robert B. Parker ist ein enorm produktiver Autor. Neben den jährlich erscheinenden Spenser-Romanen (2005 waren es sogar zwei) schreibt er fast ähnlich regelmäßig neue Jesse-Stone- und Sunny-Randall-Kriminalromane und zuletzt auch mehrere Einzelwerke. Die Plots sind oft locker gestrickt, aber immer gut geschrieben. Denn mit wenigen Sätzen charakterisiert er Personen und Orte. In „Der stille Schüler“ fragt sich Spenser, warum ein Schüler Amok läuft.

„Ich betrat den ersten Klassenraum. Die Wände waren aus Gipskarton und wie der Flur gestrichen. Es gab eine Tafel, Fenster, Stühle mit Schreiblehne. Einen Lehrertisch vorn mit einem Stehpult darauf. Kreide auf der Ablage unten an der Tafel. Eine große, runde elektrische Uhr an der Wand über der Tür. Es hatte die Atmosphäre einer Verwahrzelle.

Ich konnte das Erstickende spüren, die Eingeschränktheit, die tödliche Langeweile, das schwerfällige Ticken der Uhr, während sie sich durch den Tag mahlte. Ich konnte mich daran erinnern, wie ich durch Fenster wie dieses zur Welt der Lebenden hinausgeschaut hatte. Zu Leuten, die sich tatsächlich frei bewegen durften.“

Dass Schule die Hölle ist, ist nach diesen Worten klar. Aber der 17-jährige Jared Clark wird von allen als stiller, unauffälliger und zurückhaltender Schüler beschrieben. Er soll zusammen mit Wendell Grant fünf Schüler und zwei Lehrer erschossen haben. Grant ergab sich und verpfiff Jared Clark an die Polizei. Clark gestand später die Tat. Damit ist der Fall offiziell geschlossen.

Doch nicht für Lily Ellsworth. Sie glaubt nicht, dass ihr Enkel Jared Clark die Morde begangen hat. Sie beauftragt Spenser, Clarks Unschuld zu beweisen. Spenser hält Clark, wie alle anderen, für schuldig. Doch ihm fällt bei seinen Ermittlungen sofort auf, dass alle, sogar Clarks Eltern, die beiden Amokläufer möglichst schnell und für immer wegsperren wollen. In der Dowling Privatschule befiehlt der Schulpräsident seinen Lehrern und den Schülern nicht mit Spenser zu reden. Der Polizeichef will ihn möglichst sofort aus der Stadt werfen und Clark hat einen vollkommen unerfahrenen Verteidiger.

Spensers Neugier ist jetzt geweckt. Im Gegensatz zu allen anderen will er herausfinden, warum ein stiller Schüler Amok läuft. Seine Suche nach der Wahrheit führt ihn durch alle Facetten des Lebens und der Teenage-Angst von Jugendlichen in den Vorstädten. Seit Spensers Schultagen ist allerdings der Druck sich anzupassen und gute Noten zu haben enorm gestiegen. Denn sie entscheiden heute über die Aufnahme am richtigen College und damit über das weitere Leben. Harlan Coben hat in seinem letzten Myron Bolitar-Roman „Ein verhängnisvolles Versprechen“ (Promise Me, 2006) ebenfalls diesen Leistungsdruck thematisiert. In US-amerikanischen Städten ist – im Gegensatz zu Deutschland mit der zentralen Studienplatzvergabe und der freien Wahl des Studienortes – die Frage, welche Universität einen annimmt, das den Sommer beherrschende Gespräch. Dies und zahlreiche andere Probleme des Erwachsenwerdens, wie Drogen, Sex und Zugehörigkeit zu Gruppen, thematisiert Robert B. Parker mit leichter Hand und ohne jemals zu moralisieren in witzigen Dialogen.

„Wie lautet unser Grundsatz für Klugscheißer hier?“

„Null Toleranz. Außer für mich.“

Mit „Der stille Schüler“ setzt Robert B. Parker seine Serie um den schlagfertigen und selbstironischen Bostoner Privatdetektiv Spenser gelungen fort, – auch wenn von Spensers Freunden nur Rita Fiore mitspielt. Susan Silverman ist auf einem Kongress und Hawk verdient Geld. Pearl versucht sich erfolglos als Wachhund und die vollbusigen Frauen geizen nicht mit eindeutigen Angeboten an Spenser.

„Das gleiche wie immer. Susan ist unterwegs, und ich dachte, ich könnte für sie einspringen.“

„Du solltest dringend an deinen Hemmungen arbeiten.“

„Und sie in den Griff kriegen?“

„Nein. Überhaupt erst mal welche entwickeln.“

 

Robert B. Parker: Der stille Schüler – Ein Auftrag für Spenser

(übersetzt von Frank Böhmert)

Pendragon, 2007

216 Seiten

9,90 Euro

 

Originalausgabe:

School Days

G. P. Putnam’s Sons, New York, 2005

 

Homepage von Robert B. Parker

Pendragon-Homepage zu Robert B. Parker

Mein Porträt von Robert B. Parker und der Spenser-Serie in der Spurensuche

Mein Porträt von Harlan Coben und der Myron-Bolitar-Serie in der Spurensuche


TV-Tipp für den 25. Juli

Juli 24, 2007

NDR, 23.45

Der amerikanische Freund (D/F 1976, R.: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders

LV: Patricia Highsmith: Ripley´s Game, 1974 (Ripley´s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley´s Game oder Ein amerikanischer Freund)

Restaurator Jonathan hat Leukämie. Ripley bietet ihm einen gut bezahlten Mordauftrag an. Jonathan nimmt an und sein Leben gerät aus den Fugen.

Die freie Verfilmung des dritten Ripley-Romans ist eine der besten Highsmith-Verfilmungen. Wenders zu den Veränderungen: „Ich möchte, dass meine Filme von der Zeit handeln, in der sie entstehen, von den Städten, den Landschaften, den Gegenständen, von allen, die mitarbeiten, von mir. Diesen Spielraum hat mir Ripley´s Game gelassen. Weil er in der Arbeitsweise der Highsmith auch schon enthalten ist. Deshalb glaube ich, dass ich dem Buch doch nahe geblieben bin, so sehr ich mich auch davon entfernt habe. Es gibt nicht ´die Verfilmung´. Es gibt zwei grundverschiedene Sachen: Bücher und Filme. In ihnen kann eine gleiche ´Einstellung´ zu den Dingen vorhanden sein, aber nicht die gleichen Dinge.“

Stellvertretend für die vielen euphorischen Kritiken Hans C. Blumenberg: „Wenders zeigt den urbanen Alptraum, wie man ihn noch nie in einem europäischen Film gesehen hat: halb als uraltes, verkommenes Abbruchviertel, halb als futuristische Schreckenslandschaft…Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewußtseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen.“ Außerdem entwarf er eine Gleichung: „Hitchcock + Ray + Scorsese = Wenders“ (die Gültigkeit dieser Gleichung für andere Wenders-Filme darf bezweifelt werden.)

Mit Bruno Ganz, Dennis Hopper, Lisa Kreuzer, Gérard Blain, Nicholas Ray, Samuel Fuller, Peter Lilienthal, Daniel Schmid, Lou Castel