TV-Tipp für den 5. April (+ Buchkritik): Der Schnüffler

April 4, 2021

Arte, 21.40

Der Schnüffler (Tony Rome, USA 1967)

Regie. Gordon Douglas

Drehbuch: Richard Breen

LV: Marvin H. Albert: Miami Mayhem, 1960 (später wegen der Verfilmung „Tony Rome“, Der Schnüffler)

Der auf einem Boot in Florida lebende Privatdetektiv Tony Rome (Frank Sinatra) soll eine wertvolle Diamantbrosche finden, die Diana Pines auf einer nächtlichen Sauftour verloren hat. Sie ist die Tochter des vermögenden Bauunternehmers Kosterman. Der hat ihn mit der Suche beauftragt. Bei seinen Ermittlungen, hey, wir sind in einem PI-Krimi!, findet Rome einiges über die Kostermans heraus, die Leichen stapeln sich, er wird mehrmals zusammengeschlagen (der unerfreuliche Teil der PI-Arbeit) und er erhält reihenweise eindeutige Angebote von gutaussehenden Frauen (der erfreuliche Teil der PI-Arbeit).

Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigter durchwachsener Privatdetektiv-Krimi; kein Klassiker, aber ein Film, der irgendwie immer da ist und erfolgreich genug für eine Fortsetzung (Die Lady im Zement, USA 1968, Regie: Gordon Douglas) war. Aus heutiger Sicht gibt es wohl wohlige Erinnerungen an die Sixties und Bilder von Miami, bevor „Miami Vice“ Verbrecher jagte.

mit Frank Sinatra, Jill St. John, Richard Conte, Gena Rowlands, Simon Oakland, Jeffrey Lynn, Sue Lyon

auch bekannt als „Tony Rome – Der Schnüffler“

Die Vorlage

Wer schon alle Abenteuer von Sam Spade, Philip Marlowe, Lew Archer und Travis McGee kennt, sie jetzt nicht noch einmal lesen will und auf Entzug ist, für den ist „Der Schnüffler“ geschrieben. Marvin H. Albert erfand 1960 mit Tony Rome einen typischen Hardboiled-PI, schlecht verdienend, illusionslos, spielsüchtig, auf einem Boot lebend (Hey, wir sind in Florida!) und der Schwarm aller Frauen (die natürlich alle verdammt gut aussehend sind). Das ist in jeder Beziehung typisch für die damalige Zeit, flott geschrieben und ein nostalgisches Lesevergnügen. Wenn ihr den Roman also in irgendeiner Ramschkiste entdeckt und diese Art von Krimis mögt, solltet ihr unbedingt zuschlagen.

Albert schrieb drei Tony-Rome-Krimis.

Marvin H. Albert: Der Schnüffler

(übersetzt von Wolfgang Crass)

Heyne, 1984

224 Seiten

5,80 DM

(nur noch antiquarisch erhältlich – und, ja, nach dem Cover ist das die Deutsche Erstausgabe)

Originalausgabe

Miami Mayhem

Fawcett Gold Medal, 1960

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schnüffler“

Wikipedia über „Der Schnüffler“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detectives über Tony Rome

Meine Besprechung von Gordon Douglas‘ „Derek Flint – Hart wie Feuerstein“ (In like Flint, USA 1966)


TV-Tipp für den 20. Juli: Botschafter der Angst

Juli 20, 2016

Arte, 20.15

Botschafter der Angst (USA 1962, Regie: John Frankenheimer)

Drehbuch: George Axelrod

LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)

Sergeant Raymond Shaw erhielt von den Sowjets im Korea-Krieg eine Gehirnwäsche. Jetzt ist er eine gefühllose Killermaschine, die einen Präsidentenkandidaten umbringen soll. Major Bennett Marco versucht den Anschlag zu verhindern.

2004 kam Jonathan Demmes durchaus gelungenes Remake “Der Manchurian Kandidat” (seltsamerweise fand ich im Kino die Prämisse – trotz der besseren technischen Möglichkeiten – unglaubwürdiger als in den alten Agentenfilmen. Liegt vielleicht auch daran, dass die Industrie die Politik nicht mit einer komplizierten Gedankenwäsche überzeugen muss. Etwas Kleingeld tut’s auch.) in die Kinos.

Frankenheimers Semi-Klassiker, der damals einen erfolgreichen Kinostart hinlegte, in den USA von der Kritik gelobt wurde und von Frank Sinatra nach der Ermordung Kennedys aus dem Verleih genommen wurde – bis 1987. Für das deutsche Kinopublikum wurde die Gehirnwäsche an den amerikanischen Soldaten, mehr oder weniger das Herz des gesamten Films, fast vollkommen herausgeschnitten. Arte zeigt natürlich die ungekürzte Fassung des mehr als sehenswerten Thrillers.

Der Filmdienst hielt beim Filmstart in Deutschland nichts von dem Werk: „Der Film ist so durch und durch amerikanisch im schlechten Sinne, dass einem förmlich übel werden kann. (…) das alles wird zu einer mysteriösen Kolportagegeschichte vermengt, die Glaubwürdigkeit und Sachlichkeit zugunsten faustdicker Polemik über Bord wirft. Dabei bedient man sich einer Typologie, die bestenfalls für Groschenheft-Niveau reicht.“

Ganz anders liest es sich in Gerald Pratleys schönem Buch „The Films of John Frankenheimer“: „The impact of this film war enormous…It established him as the most important film-maker at work in America or elsewhere. …’The Manchurian Candidate’, based on Condon’s book which Axelrod follows faithfully in his screenplay, provoked its expected share of criticism and cries for censorship. Fortunately, the film was too great an achievement, both commercially and artistically, to go down before it.”

Mit Frank Sinatra, Laurence Harvey, Janet Leigh, Angela Lansbury, Henry Silva

Wiederholung: Freitag, 22. Juli, 15.10 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Botschafter der Angst“

TCM über „Botschafter der Angst“

Wikipedia über „Botschafter der Angst“ (deutsch, englisch) und Richard Condon (deutsch/englisch)

Kirjasto über Richard Condon

Wired for Books: Don Swain redet mit Richard Condon (1982, 1986, 1990 – jeweils eine knappe halbe Stunde)

Meine Besprechung von John Frankenheimers „Die jungen Wilden“ (The Young Savages, USA 1960)


TV-Tipp für den 23. Dezember: Frank Sintra – All or Nothing at All

Dezember 22, 2015

Arte, 20.15
Frank Sinatra – All or Nothing at All (USA 2015, Regie: Alex Gibney)
Drehbuch: Alex Gibney
Das ist jetzt Heiligabend für Frank-Sinatra-Fans: Arte zeigt die zweiteilige, Emmy-nominierte Sinatra-Doku von Alex Gibney in einem Rutsch. Vier Stunden Sinatra mit ihm, mit Weggefährten und seltenem Archivmaterial.
Mit Frank Sinatra, Nancy Barbato, Harry Belafonte, Mia Farrow, Nancy Sintra, Tina Sinatra, Lauren Bacall, Tony Bennett, Seymour Hersh
Hinweise

Arte über die Doku

AllMusic über Frank Sinatra

Wikipedia über Frank Sinatra (deutsch, englisch)

Besprechungen der Doku in Hollywood Reporter, Variety, New York Times, LA Times, AV Club und Washington Post

Meine Besprechung von Alex Gibneys „We steal Secrets: Die Wikileaks-Geschichte“ (We steal Secrets: The Story of Wikileaks, USA 2013)


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