TV-Tipp für den 8. März: Das Tribunal

März 8, 2017

Kabel 1, 20.15

Das Tribunal (USA 2002, Regie: Gregory Hoblit)

Drehbuch: Billy Ray, Terry George

LV: John Katzenbach: Hart’s Wwar, 1999 (Das Tribunal)

Film über eine Gerichtsverhandlung 1944 in einem deutschen Kriegsgefangenenlager. Die Amis wollen den Deutschen beweisen, dass bei ihnen alle Menschen gleich sind.

Beim Publikum und der Kritik kam der langatmige Gerichtsthriller schlecht an: „lauen Kriegs- und Gerichtsdramas“ (tip), „müden und mitunter wirren Mix aus Stalag-Studie, Gerichtsfilm und Rassenkonfliktdrama“ (Rheinische Post).

John Katzenbach arbeitete, wie Carl Hiaasen, beim Miami Herald und schrieb einige erfolgreiche Kriminalromane. Zwei von ihnen wurden, durchaus erfolgreich, verfilmt: sein Debüt „In the Heat of the Summer“ (1982) als „Das mörderische Paradies“ mit Kurt Russell und „Just Cause“ (1992) als „Im Sumpf des Verbrechens“ mit Sean Connery.

Mit Bruce Willis, Colin Farrell, Rory Cochrane, Terrence Howard, Cole Hauser, Sam Worthington

Wiederholung: Donnerstag, 9. März, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Tribunal“

Wikipedia über „Das Tribunal“ (deutsch, englisch)

Homepage von John Katzenbach

Mein Hinweis auf John Katzenbachs „Das Tribunal“ (Hart’s War, 1999)

Meine Besprechung von John Katzenbachs „Der Professor“ (What comes next, 2012)

Meine Besprechung von John Katzenbachs „Der Wolf“ (Red 123, 2013)


Empfehlenswerte Kriminal- und Science-Fiction-Romane – wieder aufgelegt, meist in neuen Übersetzungen

Februar 11, 2015

Jetzt, wo Don Winslows neuer Roman auf meinem Schreibtisch liegt, will ich schnell auf einige empfehlenswerte Kriminal- und Science-Fiction-Romane hinweisen, die ältere Semester vielleicht schon in ihrem Bücherregal stehen haben. Trotzdem lohnt sich auch für sie ein Blick in die Neuausgaben. Denn oft wurde vom Verlag nicht nur ein neues Cover, sondern fast immer auch eine neue Übersetzung spendiert.

Winslow - London Undercover

Zum Beispiel bei Don Winslows neuem Roman, der eine Neuausgabe von seinem ersten Roman ist. Damals erschien „A Cool Breeze on the Underground“ (1991) als „Ein kalter Hauch im Untergrund“ bei Piper, der auch die nächsten beiden Neal-Carey-Romane veröffentlichte, aber beim vierten und fünften Carey-Roman ausstieg.
Don Winslow begann, was natürlich alles Winslowianer wissen, seine Schriftstellerkarriere mit einer Privatdetektiv-Serie. Neal Carey ist ein Waise, der sich in New York als Taschendieb durchschlug, bis er von Joe Graham erwischt, adoptiert und ein Teil der „Freunde der Familie“, einer geheimen Abteilung einer kleinen Privatbank, die ihren Kunden unauffällig aus der Klemme hilft, wurde.
Zwischen 1991 und 1996 erschienen fünf Carey-Krimis, in den Carey den halben Globus bereist. Danach ließ Don Winslow Weltreisen und Neal Carey links liegen. Schriftstellerisch versteifte er sich auf Kalifornien und er wurde zuerst in den USA und, mit jahrelanger Verspätung, auch in Deutschland, nachdem Winslow bei Piper und Goldmann kein Glück hatte, bei Suhrkamp zu einem abgefeierten Krimi-Autor. Inzwischen erscheinen Winslows neue Thriller bei Knaur, aber Suhrkamp hat noch die Rechte an seiner Backlist, die jetzt mit „London Undercover“ (so der neue deutsche Titel von „A Cool Breeze on the Underground“) bei uns veröffentlicht wird. Sogar mit einer neuen Übersetzung von Conny Lösch.
In seinem ersten Fall soll der 23-jährige Student, Bücherwurm und Manchmal-Privatdetektiv Neal Carey in London die spurlos verschwundene Tochter eines US-Senators finden – und wir dürfen eine Reise in die Vergangenheit, in die Zeit, als Männer noch täglich mehrere Tageszeitungen lasen, unternehmen. Oh, und Punk noch nicht tot war, sondern gerade gegen den bombastischen Prog-Rock und alles andere rebellierte.
Die nächsten Neal-Carey-Neuübersetzungen sind schon angekündigt. Im April erscheint bei Suhrkamp „China Girl“, im Juni „Holy Nevada“ und im August „Lady Las Vegas“ (der bislang noch nicht auf Deutsch erschienene vierte Neal-Carey-Roman). Die deutsche Publikation von seinem letzten Auftritt „While Drowning in the Desert“ ist noch nicht angekündigt. Aber ich tippe auf Oktober.

Don Winslow: London Undercover – Neal Careys erster Fall
(übersetzt von Conny Lösch)
Suhrkamp, 2015
384 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
A Cool Breeze on the Underground
St. Martin’s Press, 1991

Deutsche Erstausgabe (übersetzt von Ulrich Anders)
Ein kalter Hauch im Untergrund
Piper, 1997

Hinweise

Thrilling Detective über Neal Carey

Hollywood & Fine: Interview mit Don Winslow (11. Juli 2012)

Homepage von Don Winslow (etwas veraltet, weil eigentlich eine Verlagsseite)

Deutsche Homepage von Don Winslow (von Suhrkamp)

Don Winslow twittert ziemlich oft

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Missing. New York“ (Missing. New York, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte

Trevanian - Der Experte - 2

Bleiben wir gerade in England, in London, in den Siebzigern, als in den Pubs noch ungehemmt geraucht wurde. Jonathan Hemlock hat sich in „Der Experte“ (The Loo Sanction“, 1973) nach London zurückgezogen. Hier will er ein ruhiges Leben ohne Straftaten und Geheimdienstkomplotte leben.
Als in der Kathedrale St.-Martin’s-In-The-Fields ein wichtiges Mitglied der Oberschicht ermordet wird, bittet eine Geheimorganisation Jonathan Hemlock um Hilfe. Hemlock kann das Angebot nicht ablehnen. Seine Ermittlungen führen ihn zu Maximilian Strange, einem Clubbesitzer, der heimlich seine hochstehenden Gäste belauscht und filmt. Strange will sein Wissen versilbern.
Als Teenager hat mir der zweite Hemlock-Thriller gefallen.
Es ist schön, dass die drei Hemlock-Thriller „Im Auftrag des Drachen“, „Der Experte“ und „Shibumi“ wieder erhältlich sind. Ergänzend kann man Don Winslows Hemlock-Thriller „Satori“ lesen, der in die abenteuerliche Vergangenheit von Hemlock führt.
Nach Angaben des Heyne-Verlages handelt es sich um eine „vollständig überarbeitete Neuausgabe“ von „Der Experte“.

Trevanian: Der Experte
(übersetzt von Werner Peterich)
Heyne, 2014
448 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
The Loo Sanction
Crown Publishers, 1973

Zahlreiche frühere deutschsprachige Ausgaben.

Hinweise

Homepage von Trevanian

Wikipedia über Trevanian

L. A. Times: Nachruf auf Rod Whitaker (19. Dezember 2005)

Meine Besprechung von Trevanians „Im Auftrag des Drachen“ (The Eiger Sanction, 1972)

Meine Besprechung von Trevanians “Shibumi” (Shibumi, 1979)

McIlvanney - Laidlaw
Bleiben wir weiterhin in den Siebzigern, gehen aber etwas weiter in den Norden. Nach Glasgow, wo Detective Inspector Jack Laidlaw arbeitet.
Er wurde von William McIlvanney erfunden, der nicht sonderlich produktiv, aber einflußreich ist. Er gilt als Begründer des Tartan Noir, Rebus-Erfinder Ian Rankin bekennt, dass er ohne die Laidlaw-Romane kein Krimischriftsteller geworden wäre, und Martin Compart schreibt im Nachwort zur DuMont-Ausgabe von „Laidlaw“ über William McIlvanney: „Seine stilistische Brillanz, sein Gespür für Charaktere und Atmosphäre und die moralische Dimension seiner Kriminalromane, die weit über den Standards des Genres liegen, haben ihm nicht nur Vergleich mit Chandler und Ross Macdonald eingebracht, sondern ihn auch zum Geheimtip als einem der besten lebenden Kriminalliteraten werden lassen. Allein seine geringe Produktivität im Genre hat ihn nach Ansicht der Spezialisten daran gehindert, als führender britischer Autor des Genres weltweit Anerkennung und Bestsellererfolg einzuheimsen. Es gibt wenige zeitgenössische Noir-Autoren, die ihr Material so vielschichtig anlegen und so souverän handhaben.“
Im ersten Laidlaw-Roman, der auch einfach „Laidlaw“ heißt, jagt Detective Inspector Jack Laidlaw von dr Glasgower Polizei den Zwanzigjährigen Tommy Bryson, der ein junges Mädchen ermordetete, weil er beweisen wolle, dass er nicht homosexuell ist. Jetzt ist Tommy nicht nur vor der Polizei auf der Flucht.
Als ich damals, als „Laidlaw“ in der kurzlebigen DuMont-Noir-Reihe erschien und ich den Roman begeistert verschlungen hatte, freute ich mich schon auf die nächsten Laidlaw-Romane, die dann doch nicht übersetzt wurden und irgendwie kam ich nicht dazu, mir die Originale (Waren die damals überhaupt erhältlich?) zu besorgen.
Jedenfalls, nachdem Laidlaws erster Fall bereits in zwei verschiedenen Verlagen in der Übersetzung von Ute Tanner erschien, gibt es dieses Mal eine sehr erfreuliche Meldung. Der Kunstmann-Verlag hat die Tage „Die Suche nach Tony Veitch“ veröffentlicht und will im Herbst „Falsche Treue“, den dritten und bislang letzten Laidlaw-Roman, veröffentlichen.

William McIlvanney: Laidlaw
(übersetzt von Conny Lösch)
Kunstmann, 2014
304 Seiten
19,95 Euro

Originalausgabe
Laidlaw
Hodder and Stoughton Limited, 1977

Deutsche Erstausgabe (übersetzt von Ute Tanner)
Im Grunde ein ganz armer Hund
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1979

Neuveröffentlichung
Laidlaw
(mit einem Nachwort von Martin Compart; DuMont Noir 15)
DuMont, 1999

Hinweise

Homepage von William McIlvanney

Wikipedia über William McIlvanney (deutsch, englisch)

Katzenbach - Das Tribunal

Verlassen wir die Siebziger, bleiben aber in Europa.
Mit „Das Tribunal“ schrieb John Katzenbach seinen historischen Roman, seinen Weltkrieg-II-Roman und seinen Gerichtsthriller, der auch erfolgreich von Gregory Hoblit mit Bruce Willis und Colin Farrell verfilmt wurde. Weil die Verfilmung öfter im Fernsehen läuft, dürfte die Geschichte bekannt sein: 1943 wird in Deutschland in einem Kriegsgefangenenlager ein Häftling ermordet. Als Täter wird Lincoln Scott angeklagt und weil alles nach Recht und Gesetz vonstatten gehen soll (inclusive einer Selbstinszenierung der Lagerleitung), wird der junge, ebenfalls gefangene Jurastudent Thomas Hart als Verteidiger des angeklagten Afroamerikaners bestellt.
Natürlich ist „Das Tribunal“ ein Planspiel, das wichtige Themen anspricht, und mit siebenhundert Seiten nichts für die schnelle Lektüre in der U-Bahn. Eher schon für die lange Zugfahrt quer durch Deutschland. Oder ein Wochenende ohne Binge-Watching.
Auch hier gibt es eine vollständige Neuübersetzung.

John Katzenbach: Das Tribunal
(übersetzt von Anke und Eberhard Kreutzer)
Knaur, 2015
704 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
Hart’s War
Ballantine Books, 1999

Deutsche Erstausgabe (übersetzt von Bernhard Liesen)
Das Tribunal
Heyne, 2002

Verfilmung
Das Tribunal (Hart’s War, USA 2002, Regie: Gregory Hoblit)
Drehbuch: Billy Ray, Terry George
LV: John Katzenbach: Hart´s war, 1999 (Das Tribunal)
Mit Bruce Willis, Colin Farrell, Rory Cochrane, Terrence Howard, Cole Hauser

Hinweise

Homepage von John Katzenbach

Deutsche Homepage von John Katzenbach

Wikipedia über John Katzenbach (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Katzenbachs „Der Professor“ (What comes next, 2012)

Meine Besprechung von John Katzenbachs „Der Wolf“ (Red 123, 2013)

In der Abteilung „Science-Fiction“ gibt es auch einige erwähnenswerte Neuveröffentlichungen. „Captain Future“ erobert weiter das Weltall und zwei Klassiker von Robert A. Heinlein gibt es erstmals in ungekürzten Übersetzungen, was vor allem bei „Mondspuren“ gut ist.

Heinlein - Mondspuren - 2Heinlein - Raumjäger - 2

„Mondspuren“ ist der aktuelle deutsche Titel von „The Moon is a harsh Mistress“, einem 1967 mit dem Hugo Award ausgezeichneter Roman, der auch – immerhin schrieb Heinlein „Starship Troopers“ – bei der Gegenkultur beliebt war.
In dem Roman ist der Mond besiedelt und er fungiert als Kornkammer für die Erde. Die Farmer sind Sträflinge und ihre Kinder, die noch nie den Mond verlassen haben und deren Körper sich der Schwerkraft auf dem Mond unwiderruflich angepasst haben. Da ergeben Berechnungen, dass der Mondbevölkerung eine Hungersnot droht, wenn sie weiterhin die Erde versorgen. Einige Menschen beginnen eine Revolution gegen ein Erdregime, das man mit der USA verwechseln könnte.
Kein Wunder, dass damals die Hippies und Studenten davon begeistert waren.
Acht Jahre früher schrieb Heinlein mit „Raumjäger“ seinen letzten Jugendroman. In ihm gewinnt Kip Russell bei einem Wettbewerb den zweiten Preis: einen ausrangierten Raumanzug, den er repariert, einmal zur Probe anzieht und ihn ins Weltall katapultiert, wo er fantastische Abenteuer erlebt.
Der Roman war für den Hugo nominiert.

Robert A. Heinlein: Mondspuren
(übersetzt von Wulf H. Bergner und Jürgen Langowski)
Heyne, 2014
464 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
The Moon is a harsh Mistress
G. P. Putnam’s Sons, 1966

Frühere deutsche Veröffentlichungen als „Revolte auf Luna“ und „Der Mond ist eine herbe Geliebte“.

Robert A. Heinlein: Raumjäger
(übersetzt von Heinz Nagel)
Heyne, 2014
336 Seiten
8,99 Euro

Originalausgabe
Have Space Suit – Will Travel
Charles Scribner’s Sons, 1958

Frühere deutsche Veröffentlichungen als „Piraten im Weltraum“, „Kip überlebt auf Pluto“ und „Die Invasion der Wurmgesichter“. Und diese Titel, hintereinander gelesen, verraten doch einiges von der Handlung.

Hinweise

Homepage der Heinlein Society (also eigentlich die Homepage von Robert A. Heinlein)

Wikipedia über Robert A. Heinlein (deutsch, englisch)

Hamilton - Captain Future - Der Triumph - 2

Bei Golkonda darf Captain Future weitere Abenteuer erleben, die in den USA erstmals, mit einigen Nachfolgern, zwischen 1940 und 1944 erschienen. In Deutschland erschienen bei Bastei-Lübbe zwischen 1981 und 1984, im Zusammenhang mit der Ausstrahlung der inzwischen legendären TV-Zeichentrickserie (jedenfalls für uns Jungs, die sie damals im TV sahen), fünfzehn „Captain Future“-Romanen. „Der Triumph“, das vierte Abenteuer von Captain Future, war auch dabei.
Aber bei Golkonda gibt es immer eine Neuübersetzung, die dem Text des Originals folgt, ergänzt um die Zeichnungen und dem Bonusmaterial, das damals im Pulpmagazin „Captain Future – Wizard of Science“ erschien und der Leserbindung diente. Allein schon für diese liebevolle Ausstattung kann der Verlag nicht genug gelobt werden.
Ach ja; die Story. Ein selbsternannter „Lebensherr“ hat ein Mittel gegen das Altern entwickelt, für das Reiche Unsummen bezahlen. Aber sein Versprechen ewiger Jugend ist nur von kurzer Dauer. Captain Future und sein tapferes Team wollen hinter sein Geheimnis kommen.
Reisen wir also in die Vergangenheit, um die Zukunft zu erkunden.

Edmond Hamilton: Captain Future – Der Triumph
(übersetzt von Markus Mäurer)
Golkonda, 2014
208 Seiten
14,90 Euro

Originalausgabe
The Triumph of Captain Future
Captain Future Magazine, Herbst 1940

Deutsche Erstveröffentlichung
Captain Future greift ein
Utopia Großband # 142

Zweite deutsche Veröffentlichung (übersetzt von Marcel Bieger)
Captain Future: Der Lebenslord
Bastei-Lübbe, 1982

Hinweise

Tangent: Interview mit Edmond Hamilton und seiner Frau Leigh Brackett (vom April 1976)

PulpGen über Edmond Hamilton

Fiction Fantasy über Edmond Hamilton

Deutsche “Captain Future”-Fanseite

Wikipedia über Edmond Hamilton (deutsch, englisch) und Captain Future (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edmond Hamiltons „Captain Future: Die Herausforderung“ (Captain Future’s Challenge, 1940)


Ist „Der Professor“ John Katzenbach auch „Der Wolf“? Oder umgekehrt?

März 20, 2013

Im Gespräch gibt der zweimal für den Edgar nominierte Bestsellerautor John Katzenbach freimütig zu, dass er keinen Überblick darüber habe, welche seiner Romane gerade wo erhältlich sind und dass er auch nicht verstehe, nach welchen Kriterien die Verlage seine neuen Bücher veröffentlichten. Denn als wir uns unterhielten, waren – zu seiner Verwunderung – seine ersten Romane in den USA nicht erhältlich und sein neues Buch „Der Wolf“ in den USA noch gar nicht erschienen.

Sein deutscher Verlag Droemer (der durch die einheitliche Covergestaltung, die Titelwahl und sicher auch einen ordentlich Griff in die Werbekasse John Katzenbach beim deutschen Publikum etablierte) war von den ersten Kapiteln von „Der Wolf“ so begeistert, dass er es gleich übersetzen ließ.

Die Story ist auch nicht schlecht und knüpft an Grimms Märchen an.

Ein älterer Krimischriftsteller mit einer Mega-Schreibblockade beschließt, sich mit seinem letzten Werk in die Geschichte einzuschreiben: er will an einem Tag drei rothaarige Frauen, die außer ihrer Haarfarbe keine Gemeinsamkeiten haben, umbringen. Er schreibt ihnen als „Böser Wolf“ einen Brief, in dem er ihren baldigen Tod ankündigt.

Die drei Frauen reagieren zunächst verschieden, aber alle sind sie ziemlich verstört von der Botschaft und panisch. Als sie sich aber zusammentun (was durch geschickte Nutzung des Internets gelingt) und beschließen, gegen den „Bösen Wolf“ zu kämpfen, gerät sein minutiös ausgedachter Plan in Gefahr.

Die eine Inspiration für die Geschichte ist natürlich das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf und die Frage, wie verschiedene Frauen auf eine anonyme Bedrohung reagieren. Katzenbach nimmt an – und hier musste ich einen großen „Suspension of Disbelief“ machen -, dass die drei Rothaarigen den Brief sofort ernst nehmen.

Später, wenn er ihnen Links zu YouTube-Videos mit heimlichen Aufnahmen von ihnen zusendet, wird die Bedrohung glaubhafter und natürlich ist der „Böse Wolf“ ein herrlicher Bösewicht: ein Schriftsteller, der in einer Kleinstadt lebt, verheiratet mit einer ihm treu ergebenen Frau ist und seit Ewigkeiten kein Buch mehr veröffentlichte. Seit fünfzehn Jahren hat er nichts Druckreifes mehr geschrieben, weil ihm die mörderische Inspiration fehlte und der jetzt zum Serienmörder werden will, um wieder schreiben zu können. Das hat was.

Außerdem hat der Böse Wolf einen guten Geschmack. Wenig überraschend nutzte John Katzenbach die Gelegenheit, einige seiner Lieblingsautoren (wie James W. Hall [den könnte ein Verlag mal wieder übersetzen]) zu nennen.

In seinem vorherigen Roman „Der Professor“ beobachtet ein pensionierter Psychologieprofessor, der Demenz im Anfangsstadium hat, wie auf offener Straße ein sechzehnjähriges Mädchen entführt wird. Er will sie finden. Gleichzeitig fragt er sich, ob er wirklich eine Entführung beobachtet hat.

Er hat. Denn das Mädchen wird in einem Keller gefangen gehalten und dort von einem Ehepaar gequält, das ihre Folter via Internet an ein weltweites, zahlungswilliges Publikum überträgt.

Interessant an dem Thriller ist, wie Katzenbach die zunehmende Demenz des Professor literarisch verarbeitet. Für ihn erscheinen seine Erinnerungen und Fantasien zunehmend real, während ihm gleichzeitig die Realität entgleitet. Die Geisel, die während ihrer Gefangenschaft eine undurchsichtige Kapuze auf hat, ist mit einem ähnlichen Problem konfrontiert und die Geschichte benutzt das Internet nicht als einen Gimmick oder eine Bedrohung, sondern als eine Technik, die die Taten der Entführer ermöglicht.

Davon abgesehen sind „Der Wolf“ und „Der Professor“ ziemlich geradlinige Thriller die, souverän zwischen mehreren Handlungssträngen wechselnd, auf die finale Konfrontation zwischen Held und Bösewicht zusteuern,

In dem Gespräch sagte Katzenbach auch, dass er beim Schreiben keine detaillierte Outline habe und intuitiv zwischen den verschiedenen Handlungssträngen wechsle. Allerdings kennt er von Anfang an das Ende seiner Geschichte und was seine Charaktere erleben und erleiden.

Vielleicht sind deshalb beide Romane für meinen Geschmack einen Tick zu lang. Immerhin kennt John Katzenbach das Ziel der Reise sehr genau und er hat deshalb auch keine besondere Eile, dorthin zu gelangen, aber es gibt bei ihm auch nicht, wie bei Harlan Coben oder Jeffery Deaver, am Ende die große Überraschung, die den halben Roman auf den Kopf stellt.

Katzenbach - Der Wolf

John Katzenbach: Der Wolf

(übersetzt von Anke und Eberhard Kreutzer)

Droemer, 2012

512 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Red 123

Mysterious Press, New York, noch nicht erschienen (angekündigt für Frühling 2013)

Katzenbach - Der Professor - TB

John Katzenbach: Der Professor

(übersetzt von Anke und Eberhard Kreutzer)

Knaur, 2011

560 Seiten

10,99 Euro

Originalausgabe

What Comes Next

Mysterious Press, 2012

(Yeah, die undurchsichtige Verlagsplanung, die auch John Katzenbach in einem globalen Markt nicht versteht.)

Deutsche Erstausgabe

Droemer, 2010

(nicht mehr erhältlich)

Hinweise

Homepage von John Katzenbach

Deutsche Homepage von John Katzenbach

Wikipedia über John Katzenbach (deutsch, englisch)


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