Neu im Kino/Filmkritik: „Kokuho – Meister des Kabuki“, der Kassenhit aus Japan

März 28, 2026

Fast drei Stunden lässt Sang-Il Lee sich Zeit, um strikt chronologisch die Geschichte von Kikuo und Shunsuke zu erzählen. Sie beginnt 1962 mit dem gewaltsamen Tod von Kikuos Vater und endet 2014.

Nach einer Amateur-Kabuki-Aufführung wird 1964 in Nagasaki der Vater des vierzehnjährigen Kikuo, der vorher auf der Bühne stand, von anderen Yakuzas getötet. Der berühmte Kabuki-Schauspieler Hanjiro, der von Kikuos Können fasziniert war, nimmt den Waisenjungen bei sich auf. Er lehrt ihn und seinen Sohn Shunsuke die Feinheiten dieser traditionellen Form des Theaters. Das Kabuki-Thater ist eine Form des japanischen Theaters, in der immer noch auch die Frauenrollen von Männern gespielt werden. Sie entstand im 17. Jahrhundert, verbindet Musik, Tanz, Pantomime, Spiel (wozu auch die Kostüme und die Schminke gehören) und das Bühnenbild zu einem Gesamterlebnis. Seit 2005 gehört Kabuki zur UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immaterilelen Erbes der Menschheit.

Die gleichaltrigen Jungen Kikuo und Shunsuke werden schnell Freunde. Sie werden zu Quasi-Brüdern. Und sie werden zu ausgezeichneten Kabuki-Schauspielern, die nach ihrer Ausbildung und Erfolgen auf der Bühne um die höchste Ehre die es gibt, die Ernennung zum Kokuho (Lebender Nationalschatz), kämpfen.

Sang-Il Lee erzählt diese Geschichte mit großem epischen Atem. Dabei ist die erste, zehn Jahre umfassende Hälfte, in der Kikuo und Shunsuke von Hanjiro ausgebildet werden und sie ihre erste Schritte als Schauspieler unternehmen stärker als die zweite, episodisch von einem Jahr zum nächsten Jahr durch die Jahrzehnte hüpfende Hälfte.

Weil beide ‚Brüder‘ Künstler sind, die um die Nachfolge von Hanjiro kämpfen, präsentiert Sang-Il Lee auch ausführlich Ausschnitte aus mehreren Theaterstücken. Sie zeigen eine fremde Kultur und eine, jedenfalls in dem Drama „Kokuho“, ungute Tendenz der Kabuki-Schauspieler, auf offener Bühne zu sterben.

In Japan ist „Kokuho – Meister des Kabuki“ der umsatzträchtigste japanische Spielfilm. Nur einige wenige Animes setzten mehr Geld an der Kinokasse um. Er war für dreizehn Japanese Academy Awards nominiert und erhielt den Preis unter anderem in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Hauptrolle, Beste Kamera und Besten Schnitt.

Weil „Kokuho – Meister des Kabuki“ wenige Tage vor der Kino-Wiederaufführung von Quentin Tarantinos „Kill Bill“ (am 16. April; Besprechung der minimalst geänderten neuen Fassung folgt), startet, ist „Kokuhu – Meister des Kabuki“ jetzt nicht der japanische Film, den man sich im Kino ansehen kann, wenn man nach „Kill Bill“ neugierig auf die japanische Kultur wurde. Jetzt kann man ihn als Vorbereitung für „Kill Bill“ ansehen. Danach fallen einem einige weitere Anspielungen Tarantinos auf die japanische Kultur auf und man kann sie in einen Kontext setzen.

Und wer sich „Kill Bill“ nicht ansehen will, hat immerhin einen guten Spielfilm gesehen.

Kokuho – Meister des Kabuki (Kokuhō, Japan 2025)

Regie: Sang-Il Lee

Drehbuch: Satoko Okudera

LV: Shūichi Yoshida: Kokuho, 2018

mit Ryō Yoshizawa, Ryusei Yokohama, Soya Kurokawa, Keitatsu Koshiyama, Mitsuki Takahata, Nana Mori, Ken Watanabe

Länge: 175 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Kokuho – Meister des Kabuki“

Metacritic über „Kokuho – Meister des Kabuki“

Rotten Tomatoes über „Kokuho – Meister des Kabuki“

Wikipedia über „Kokuho – Meister des Kabuki“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lee Sang-Ils „The Unforgiven“ (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)


TV-Tipp für den 27. Januar: The Unforgiven

Januar 27, 2019

Pro7, 23.25

The Unforgiven (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)

Regie: Lee Sang-Il

Drehbuch: Lee Sang-Il (nach dem Drehbuch „Unforgiven“ von David Webb Peoples)

Ein inzwischen als Bauer lebender Samurai wird von einem alten Kampfgefährten überredet, noch einmal in den Kampf zu ziehen. Einige Huren haben nämlich ein Kopfgeld auf zwei Freier, die eine Hure verunstalteten, ausgesetzt.

Grandioses Samurai-Remake von Clint Eastwoods Westernklassiker „Erbarmungslos“ (Unforgiven, USA 1992), das der bekannten Geschichte fast schon sklavisch folgt und ihr trotzdem neue Facetten abgewinnt. Sehr, sehr sehenswert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ken Watanabe, Jun Kunimura, Shiori Kutsuna, Yuya Yagira, Akira Emoto, Eiko Koike, Yoshimasa Kondo

Hinweise
Japanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Unforgiven“
Moviepilot über „The Unforgiven“
Rotten Tomatoes über „The Unforgiven“
Wikipedia über „The Unforgiven“
Kriminalakte über „Erbarmungslos“

Meine Besprechung von Lee Sang-Ils „The Unforgiven“ (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)


TV-Tipp für den 29. April: The Unforgiven

April 28, 2018

Pro7, 23.40

The Unforgiven (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)

Regie: Lee Sang-Il

Drehbuch: Lee Sang-Il (nach dem Drehbuch „Unforgiven“ von David Webb Peoples)

Ein inzwischen als Bauer lebender Samurai wird von einem alten Kampfgefährten überredet, noch einmal in den Kampf zu ziehen. Einige Huren haben nämlich ein Kopfgeld auf zwei Freier, die eine Hure verunstalteten, ausgesetzt.

Grandioses Samurai-Remake von Clint Eastwoods Westernklassiker „Erbarmungslos“ (Unforgiven, USA 1992), das der bekannten Geschichte fast schon sklavisch folgt und ihr trotzdem neue Facetten abgewinnt. Sehr, sehr sehenswert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ken Watanabe, Jun Kunimura, Shiori Kutsuna, Yuya Yagira, Akira Emoto, Eiko Koike, Yoshimasa Kondo

Wiederholung: Montag, 30. April, 03.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Japanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Unforgiven“
Moviepilot über „The Unforgiven“
Rotten Tomatoes über „The Unforgiven“
Wikipedia über „The Unforgiven“
Kriminalakte über „Erbarmungslos“

Meine Besprechung von Lee Sang-Ils „The Unforgiven“ (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Unforgiven“, Japan Style

Dezember 5, 2014

Wer die Originaltitel von Filmen kennt, denkt bei „The Unforgiven“ ziemlich schnell an „Unforgiven“, den Western-Klassiker von und mit Clint Eastwood, der auch den Oscar als bester Film des Jahres erhielt und bei uns als „Erbarmungslos“ in den Kinos lief. Über zwanzig Jahre später inszenierte Lee Sang-Il ein Remake, in dem er die Geschichte vom Wilden Westen nach Japan verlegte und die Revolver oft durch Schwerter ersetzte, aber ansonsten der vertrauten Geschichte fast schon sklavisch, inclusive der legendären Mann-besteigt-Pferd-Szene, aber mit mehr Schnee, folgt: wieder macht sich ein im Ruhestand lebender Kämpfer (im Original ein Revolverheld, im Remake ein Samurai, der auf der falschen Seite kämpfte) auf Bitten eines alten Kampfgefährten und weil Jubei Kamata (Ken Watanabe in der Clint-Eastwood-Rolle) das Geld für seinen kleinen Bauernhof und seine Kinder braucht, auf den Weg zu einer Kleinstadt, in der einige Huren ihr Geld zusammenlegten, um zwei Kunden zu bestrafen, der eine Kollegin von ihnen verunstaltete. Sie setzten das Kopfgeld aus, weil der brutale und selbstherrlich seine Version des Rechts ausübende Ortssheriff nicht daran denkt, die Freier zu bestrafen. Jubei macht sich mit seinem alten Kampfgefährten und einem Möchtegern-Kämpfer auf den Weg und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.
Lee Sang-Ils Remake ist ein grandioser Samurai-Western, der dem Original treulich folgt und ihm einige neue Facetten hinzufügt. Es ist deshalb auch kein besonders dringendes, aber ein optisch überaus prächtiges Remake, bei dem, wie in einem Sam-Peckinpah-Film, der durchgehend melancholische und resignative Ton auffällt. Die Geschichte spielt 1880, während der die japanische Gesellschaft radikal verändernden Meiji-Zeit, und die müden Kämpfer ziehen fast schon gelangweilt in den Kampf. Denn sie wissen, dass ihre Zeit um ist, dass sie nur noch ein letztes Gefecht austragen, bei dem es nicht mehr um das Gewinnen, sondern nur noch um einen halbwegs ehrenvollen Abgang geht. So sagt Jubei zu seinem sterbendem Freund „Wir sehen uns in der Hölle.“.
Letztes Jahr lief Lee Sang-Il „The Unforgiven“ in Venedig, die Kritiker waren begeistert und jetzt läuft der Samurai-Western mit seinen wunderschönen Breitwand-Bildern in einigen deutschen Kinos. Hier in Berlin läuft er in zwei Kinos: das eine Kino liegt am Stadtrand, das andere zeigt ihn nur um 23.15 Uhr. Und wenn nächste Woche „Der Hobbit“ anläuft, dürfte die Zahl der Spielstätten sich auf Null reduzieren.

The Unforgiven - Plakat

The Unforgiven (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)
Regie: Lee Sang-Il
Drehbuch: Lee Sang-Il (nach dem Drehbuch „Unforgiven“ von David Webb Peoples)
mit Ken Watanabe, Jun Kunimura, Shiori Kutsuna, Yuya Yagira, Akira Emoto, Eiko Koike, Yoshimasa Kondo
Länge: 135 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Japanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Unforgiven“
Moviepilot über „The Unforgiven“
Rotten Tomatoes über „The Unforgiven“
Wikipedia über „The Unforgiven“
Kriminalakte über „Erbarmungslos“