Neu im Kino/Filmkritik: Ein Titel, der alles sagt: „Mortal Kombat II“

Mai 7, 2026

Mortal Kombat II“ ist der Mittelteil einer Trilogie, der nicht mit den üblichen Mittelteilen einer Trilogie zu kämpfen hat. Das liegt daran, dass es in dem Videospiel „Mortal Kombat“ und auch in dem vorherigen „Mortal Kombat“-Film (davor gab es schon zwei Kinofilme und mehrere Animationsfilme) nicht um ein „Herr der Ringe“-würdiges Worldbuilding geht. Es geht, wenn wir die ‚Mortal Kombat‘-Mythologie um die Outworld, Earthrealm (aka die Erde), Zauberer und auserwählten Kämpfern auf ihren Kern herunterbrechen, geht es um einen in zehn Turnieren ausgetragenen Kampf um die Zukunft des Universums. Bestritten werden diese Turniere von auserwählten Kämpfern mit besonderen Fähigkeiten in verschiedenen Kampfarenen.

Die Dramaturgie unterscheidet sich nicht von einer Abfolge von Boxkämpfen um den Weltmeistertitel. Da muss man auch nicht wissen, was vor oder nach dem Kampf geschieht. Man muss auch nichts über die Kämpfer wissen; außer, vielleicht, ihren Fähigkeiten im Ring. Eine Dramaturgie, abseits von einem ‚Der Gewinner kommt in die nächste Runde‘ gibt es nicht. Man muss also nicht alle vorherigen; – eigentlich muss man keinen vorherigen Kampf gesehen haben, um den letzten Kampf zu verstehen. Das ist in Zeiten, in denen in anderen Filmuniversen, wie dem MCU, das Wissen um alle vorherigen Filme und TV-Serien vorausgesetzt wird, erholsam und angenehm altmodisch.

Ging es Simon McQuoid in „Mortal Kombat“ (2021), zwischen vielen, langen Kämpfen, noch um die Aufnahme von Cole Young in das Team Erde, geht es ihm jetzt um die Aufnahme von Johnny Cage (Karl Urban) in die Gruppe der Champions von Earthrealm. Sie müssen die Schreckensherrschaft von Shao Khan, dem Herrscher über die Outworld, beenden. Cage ist ein abgehalfterter, stramm auf die Pensionsgrenze zugehender Actionstar, dessen Karriere-Höhepunkt in in Achtzigern und frühen Neunzigern in B-Pictures war. Aber irgendeine besondere Fähigkeit muss er haben; neben dem ikonischen Aufsetzen seiner Sonnenbrille und pseudocoolen One-Linern, die direkt aus einem dummen 80er-Jahre-Actionfilm stammen könnten.

Bis auf diesen prominenten und einige weniger prominente Neuzugänge und einigen mehr oder weniger überraschenden Auftritten von Kämpfern aus „Mortal Kombat“ (2021), die dort möglicherweise starben, unterscheidet sich „Mortal Kombat II“ kaum von seinem Vorgänger. Die Minimal-Story dient nur dazu, die fast die gesamte Filmzeit in Anspruch nehmenden Kämpfe mit vielen, vielen, sehr vielen Kämpfern zu verbinden. Laut Produzent E. Bennett Walsh gibt es in dem Fantasy-Actionfilm 18 Hauptcharaktere. Damit auch Zuschauer, die sich nicht für das dem Film zugrunde liegenden Computerspiele interessieren, die Figuren unterscheiden können, verfügen sie über weniger Eigenschaften und ein oft erinnerungswürdiges Aussehen.

Erzählerisch bewegt sich die Geschichte auf der Stufe eines Kinderfilms mit klar gezeichneten eindimensionalen Figuren, deren Existenzberechtigung in der Teilnahme an den Kämpfen besteht. Diese sind dann so brutal, dass „Mortal Kombat II“, im Geist der Spielvorlage, beileibe kein Kinderfilm ist. Er ist eher das filmische Äquivalent zu einem Wrestling-Kampf mit spritzendem Blut und anderen Dingen.

Die Fantasy-Welt, in der die Geschichte spielt, stammt selbstverständlich aus dem Computer. Die bewusst amateurhaft gestalteten Kulissen und Effekte sehen durchgehend wie die Kulisse für ein vor Jahrzehnten gedrehtes Fantasy-B-Picture aus. Das sind Bilder, die bereits ab 1936 in den „Flash Gordon“-Serials kultiviert wurden. Damals wurden die Kulissen gemalt. Es gab Lichteffekte und Blitze. Halt alles, was gut aussieht und mit einem Minibudget hergestellt werden kann. Darum finden die Kämpfe in „Mortal Kombat II“ fast immer ohne Publikum, aber dafür mit Donner und Blitzen, an absolut austauschbaren, dunklen Orten statt.

Weil in „Mortal Kombat II“ die Bilder und die Art, wie die Geschichte erzählt wird, durchgehend aus der Vergangenheit kommen, gehört Simon McQuoids Fantasy-Film, wie die letzte Woche gestartete Komödie „Der Teufel trägt Prada 2“, zu den Filmen, die vor allem nostalgische Gefühle bedienen. „Mortal Kombat II“ wirkt durchgehend wie ein 80er-Jahre-Actionfilm. Die Fans von „Mortal Kombat“ (2021) werden sich freuen, dass sie viele, auch aus den Computerspielen bekannte Figuren ohne störende Überraschungen auf der Kinoleinwand sehen können.

Sie dürfen sich auch auf den dritten und abschließenden Film der Trilogie freuen. Wieder mit Simon McQuoid als Regisseur, Jeremy Slater als Drehbuchautor und, nun, den überlebenden Kämpfern dieses Turniers.

Mortal Kombat II (Mortal Kombat II, USA 2026)

Regie: Simon McQuoid

Drehbuch: Jeremy Slater (basierend auf dem Videospiel „Mortal Kombat“ von Ed Boon und John Tobias)

mit Karl Urban, Adeline Rudolph, Jessica McNamee, Josh Lawson, Ludi Lin, Mehcad Brooks, Tati Gabrielle, Lewis Tan, Damon Herriman, Martyn Ford, Max Huang, Chin Han, Tadanobu Asano, Joe Taslim, Hiroyuki Sanada

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Mortal Kombat II“

Metacritic über „Mortal Kombat II“

Rotten Tomatoes über „Mortal Kombat II“

Wikipedia über „Mortal Kombat II“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Die „Power Rangers“ retten die Welt vor Rita Repulsa

März 23, 2017

Jason, Kimberly, Billy, Trini und Zack sind fünf Jugendliche in der verschlafenen All-American-Kleinstadt Angel Grove. Teils waren sie schon immer die Außenseiter. Teils haben sie es sich dank unüberlegter Aktionen so in der Schule verscherzt, dass sie jetzt zu den Außenseitern gehören und gemeinsam Nachsitzen müssen.

In einem stillgelegten Bergwerk entdecken sie fünf leuchtende Münzen, die ihnen übermenschliche Kräfte verleihen. Kräfte die sie, wie ihnen Zordon (Bryan Cranston als körperloses Bewusstsein in der Matrix des Raumschiffes) und der Cyborg Alpha 5 (der Sidekick des Films) erklären, zum Wohl der Menschheit einsetzen müssen.

Als erstes müssen sie gegen Rita Repulsa (Elizabeth Banks) kämpfen, die die Erde vernichten will.

Bevor die Power Rangers sich mit ihr kloppen und dabei Angel Grove einer Grundsanierung unterziehen, müssen sie unter der Führung des weißen Jason zu einer schlagkräftigen Truppe werden.

Powers Rangers“ ist der neue Kinofilm mit den bekannten Seriencharakteren, die 1993 bei Fox Kids ihren ersten Auftritt hatten und seitdem, bei verschiedenen Sendern, im Kino, als Game und als Spielzeug, eine wahre Geldquelle für ihren Erfinder Haim Saban sind. Die Kinderserie läuft immer noch im TV. In Deutschland lief die Serie zuerst bei RTL und Super RTL und inzwischen bei Nickelodeon.

Der Kinofilm, der ebenfalls ein jüngeres, eher vorpubertäres Publikum anvisiert, soll jetzt der Auftakt zu einer von der TV-Serie unabhängigen Serie von Kinofilmen sein.

Regisseur Dean Israelite („Project Almanac“) erzählt in seinem zweiten Spielfilm die Origin-Geschichte der Power Rangers recht flott, ohne spürbaren Längen und Überraschungen, aber mit einem humoristischen Unterton, der einem verrät, dass niemand den SF-Trashfilm hundertprozentig ernst nimmt. Besonders Elizabeth Banks hatte erkennbar ihren Spaß als Rita Repulsa. Sie ist eine egomanische Over-the-Top-Bösewichtin, die aus irgendeiner fernen Sagenwelt (oder dem letzten „Flash Gordon“-Film) stammt und die vor allem kleine Kinder als spärlich bekleidete böse Hexe etwas erschrecken will.

Die Power Rangers selbst sind eine bunte Truppe, die keine gesellschaftliche Gruppe vernachlässigt und die sogar – das muss gesagt werden, weil die Macher die Szene in Interviews schon betonen, Malaysia sich (wie schon bei „Die Schöne und das Biest“ [läuft jetzt ungekürzt]) überlegt, wie sie mit dieser Szene umgehen können und man sie leicht überhören kann – eine lesbische Superheldin haben. Das ist für einen Major-Superheldenfilm eine Sensation, die sich darin äußert, dass bei einem Lagerfeuergespräch Yellow Ranger Trini gefragt wird, ob sie nicht „boyfriend problems“ sondern „girlfriend problems“ habe.

So lobenswert es ist, Jugendlichen zu erklären, dass sie sich nicht für ihre Gefühle während der Pubertät schämen müssen, so klein ist dann der Halbsatz, dem man schnell überhören und nicht in seiner ganzen Bedeutung erfassen kann. Die anderen Power Ranger fragen akzeptieren ihre Antwort ohne Nachfragen oder Irritationen. Für den restlichen Film ist Trinis Antwort ebenfalls unwichtig.

Abgesehen von dieser Bemerkung bleibt im Superheldenkosmos dann doch alles beim alten. Immer noch wird die Gruppe von einem weißen Jungen, dem Star des Football Teams, angeführt. Seine Befehle werden von den anderen ohne Diskussion befolgt. Es gibt den Nerd, die Schulschönheit, den Draufgänger und die Beobachterin. Das unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung und Gruppendynamik dann kaum von der ebenso bunt zusammengesetzte Besatzung der Original-“Raumschiff Enterprise“-Serie aus den sechziger Jahren.

Fünfzig Jahre später könnte sich auch im Superheldengenre endlich einmal eine Superheldengruppe unter der Führung eines Nicht-Weißen, vielleicht sogar einer Frau, vielleicht sogar einer Lesbe, zusammenfinden. Das wäre dann einmal etwas wirklich Neues.

Das große Finale, bei dem Angel Grove zerstört wird, Blech auf Blech prallt, das wolkenkratzergroße Goldmonster Goldar und seine Herrin Rita Repulsa dazwischen stehen und die Power Rangers und ihre Zords (Mischwesen aus prähistorischen Tieren und Maschine) sie angreifen, sieht dann wie ein herzhaftes Verwenden der Reste und Storyboards aus dem letzten „Transformers“-Film aus.

Produzent Haim Saban hat mit „Power Rangers“ ähnlich langlebige Pläne. Im „Variety“ hat er schon fünf Fortsetzungen angekündigt, die dann bis ungefähr 2030 im Kino gezeigt werden. Es gäbe nämlich einen sechs Filme umspannenden Handlungsbogen.

Ob es dazu kommt, wird sich demnächst an der Kinokasse entscheiden.

Power Rangers (Power Rangers; Saban’s Power Rangers, USA 2017)

Regie: Dean Israelite

Drehbuch: John Gatins (nach einer Geschichte von Matt Sazama, Burk Sharpless, Michele Mulroney und Kieran Mulroney)

mit Dacre Montgomery, Naomi Scott, RJ Cyler, Becky G, Ludi Lin, Bill Hader, Bryan Cranston, Elizabeth Banks

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Power Rangers“

Metacritic über „Power Rangers“

Rotten Tomatoes über „Power Rangers“

Wikipedia über „Power Rangers“ (deutsch, englisch)