Neu im Kino/Filmkritik: Der Fall „Coyote vs. ACME“

September 20, 2026

Das ist eine Hollywood-Geschichte! „Coyote vs. ACME“ wurde zum größten Teil von März bis Mai 2022 in Albuquerque, New Mexico, gedreht. Animationen wurden hinzugefügt. Im Juli 2023 sollte der Film dann ins Kino kommen. Der Start wurde verschoben. Das passiert öfter. Einige Monate später entschloss Warner Bros. sich, den Film abzuschreiben und ins Archiv zu verbannen. Niemand würde ihn sehen.

Es gab Proteste von Fans und einen langwierigen Bieterwettstreit. Letztendlich kaufte Ketchup Entertainment die globalen Rechte. In Deutschland verleiht capelight pictures Dave Greens Komödie. Die Kritiken sind ziemlich euphorisch. Bei Rotten Tomateos kommt er auf 96 Prozent Frischegrad, bei dem weniger zu Übertreibungen neigendem Metacritic auf 77 Prozent. Auch beim Publikum kommt er ähnlich gut an. Und seine Kosten von ungefähr 70 Millionen US-Dollar hat er bereits eingespielt.

Das ist die Geschichte von dem glücklichen Ende eines Nobodys gegen einen riesigen Konzern. Und auch, irgendwie, die Geschichte des Films.

„Coyote vs. ACME“ erzählt eine Geschichte aus der Welt der Looney Tunes. Das sind Cartoonfiguren, die 1930 von Warner Bros. erfunden wurden und seitdem erfolgreich im Kino und Fernsehen laufen. Zu den Figuren gehören Schweinchen Dick, Daffy Duck, Bugs Bunny, Speedy Gonzales, Road Runner und Willi Kojote (bzw. im Original Wile E. Coyote).

1990 schrieb Ian Frazier im The New Yorker einen satirischen Text über einen Rechtsstreit zwischen Willi Kojote und der ACME Corporation. Kojote verklagt das Unternehmen, weil deren Produkte auf seiner Jagd nach Road Runner regelmäßig versagen und ihn tödlich verletzten.

Diese Satire war die Grundlage für Dave Greens Film „Coyote vs. ACME“. Er verbindet Cartoon-Szenen mit Realszenen und fast durchgängig interagieren Menschen mit Cartoon-Figuren. Wie in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (1988) leben Menschen und Cartoon-Figuren einträchtig nebeneinander.

Willi Kojote jagt Road Runner. Weil die von ihm benutzten ACME-Produkte versagen, endet jede seiner Aktionen in einem für ihn kurzweilig tödlichem Desaster..

Eines Tages sieht Willi Kojote im Fernsehen eine Werbung von Winkeladvokat Kevin Avery (Will Forte), der Menschen helft, die durch ACME-Produkte verletzt werden. Willi Kojote beauftragt ihn mit der Klage. Der Fall ist eindeutig, gut dokumentiert – und vollkommen aussichtslos. Denn der Lebensinhalt bestimmter Cartoon-Fiugren ist es, in katastrophale Situation zu geraden, zu sterben und kurz darauf in eine ähnlich katastrophale Situation zu geraten. Außerdem wird ACME von dem skrupellosen Anwalt Buddy Crane (John Cena) vertreten.

Das ganze ist saukomisch, wenn Coyote und Road Runner in der Wüste aneinander geraten. Aber diese Slapstick-Momente, von denen es zu wenig gibt, können die Probleme der Komödie nicht verdecken. Die Story ist nicht plausibel und auch nie glaubwürdig. Das Zusammenspiel zwischen den gezeichneten Cartoon-Figuren und realen Menschen ist nicht stimmig. Sie scheinen immer in verschiedenen Räumen zu sein. Und das Spiel der beiden Hauptdarsteller – Will Forte als Kojotes Anwalt und John Cena als ACME-Anwalt – passt nicht zu den Cartoon-Figuren.

Coyote vs. ACME (Coyote vs. ACME, USA 2026)

Regie: Dave Green

Drehbuch: Samy Burch (nach einer Geschichte von James Gunn und Jeremy Slater, und nach einem Artikel von Ian Frazier)

mit Will Forte, Lana Condor, John Cena, Tone Bell, Martha Kelly, Luis Guzmán, P. J. Byrne, John Early

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Coyote vs. ACME“

Metacritic über „Coyote vs. ACME“

Rotten Tomatoes über „Coyote vs. ACME“

Wikipedia über „Coyote vs. ACME“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dave Greens „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ (Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein Titel, der alles sagt: „Mortal Kombat II“

Mai 7, 2026

„Mortal Kombat II“ ist der Mittelteil einer Trilogie, der nicht mit den üblichen Mittelteilen einer Trilogie zu kämpfen hat. Das liegt daran, dass es in dem Videospiel „Mortal Kombat“ und auch in dem vorherigen „Mortal Kombat“-Film (davor gab es schon zwei Kinofilme und mehrere Animationsfilme) nicht um ein „Herr der Ringe“-würdiges Worldbuilding geht. Es geht, wenn wir die ‚Mortal Kombat‘-Mythologie um die Outworld, Earthrealm (aka die Erde), Zauberer und auserwählten Kämpfern auf ihren Kern herunterbrechen, geht es um einen in zehn Turnieren ausgetragenen Kampf um die Zukunft des Universums. Bestritten werden diese Turniere von auserwählten Kämpfern mit besonderen Fähigkeiten in verschiedenen Kampfarenen.

Die Dramaturgie unterscheidet sich nicht von einer Abfolge von Boxkämpfen um den Weltmeistertitel. Da muss man auch nicht wissen, was vor oder nach dem Kampf geschieht. Man muss auch nichts über die Kämpfer wissen; außer, vielleicht, ihren Fähigkeiten im Ring. Eine Dramaturgie, abseits von einem ‚Der Gewinner kommt in die nächste Runde‘ gibt es nicht. Man muss also nicht alle vorherigen; – eigentlich muss man keinen vorherigen Kampf gesehen haben, um den letzten Kampf zu verstehen. Das ist in Zeiten, in denen in anderen Filmuniversen, wie dem MCU, das Wissen um alle vorherigen Filme und TV-Serien vorausgesetzt wird, erholsam und angenehm altmodisch.

Ging es Simon McQuoid in „Mortal Kombat“ (2021), zwischen vielen, langen Kämpfen, noch um die Aufnahme von Cole Young in das Team Erde, geht es ihm jetzt um die Aufnahme von Johnny Cage (Karl Urban) in die Gruppe der Champions von Earthrealm. Sie müssen die Schreckensherrschaft von Shao Khan, dem Herrscher über die Outworld, beenden. Cage ist ein abgehalfterter, stramm auf die Pensionsgrenze zugehender Actionstar, dessen Karriere-Höhepunkt in in Achtzigern und frühen Neunzigern in B-Pictures war. Aber irgendeine besondere Fähigkeit muss er haben; neben dem ikonischen Aufsetzen seiner Sonnenbrille und pseudocoolen One-Linern, die direkt aus einem dummen 80er-Jahre-Actionfilm stammen könnten.

Bis auf diesen prominenten und einige weniger prominente Neuzugänge und einigen mehr oder weniger überraschenden Auftritten von Kämpfern aus „Mortal Kombat“ (2021), die dort möglicherweise starben, unterscheidet sich „Mortal Kombat II“ kaum von seinem Vorgänger. Die Minimal-Story dient nur dazu, die fast die gesamte Filmzeit in Anspruch nehmenden Kämpfe mit vielen, vielen, sehr vielen Kämpfern zu verbinden. Laut Produzent E. Bennett Walsh gibt es in dem Fantasy-Actionfilm 18 Hauptcharaktere. Damit auch Zuschauer, die sich nicht für das dem Film zugrunde liegenden Computerspiele interessieren, die Figuren unterscheiden können, verfügen sie über weniger Eigenschaften und ein oft erinnerungswürdiges Aussehen.

Erzählerisch bewegt sich die Geschichte auf der Stufe eines Kinderfilms mit klar gezeichneten eindimensionalen Figuren, deren Existenzberechtigung in der Teilnahme an den Kämpfen besteht. Diese sind dann so brutal, dass „Mortal Kombat II“, im Geist der Spielvorlage, beileibe kein Kinderfilm ist. Er ist eher das filmische Äquivalent zu einem Wrestling-Kampf mit spritzendem Blut und anderen Dingen.

Die Fantasy-Welt, in der die Geschichte spielt, stammt selbstverständlich aus dem Computer. Die bewusst amateurhaft gestalteten Kulissen und Effekte sehen durchgehend wie die Kulisse für ein vor Jahrzehnten gedrehtes Fantasy-B-Picture aus. Das sind Bilder, die bereits ab 1936 in den „Flash Gordon“-Serials kultiviert wurden. Damals wurden die Kulissen gemalt. Es gab Lichteffekte und Blitze. Halt alles, was gut aussieht und mit einem Minibudget hergestellt werden kann. Darum finden die Kämpfe in „Mortal Kombat II“ fast immer ohne Publikum, aber dafür mit Donner und Blitzen, an absolut austauschbaren, dunklen Orten statt.

Weil in „Mortal Kombat II“ die Bilder und die Art, wie die Geschichte erzählt wird, durchgehend aus der Vergangenheit kommen, gehört Simon McQuoids Fantasy-Film, wie die letzte Woche gestartete Komödie „Der Teufel trägt Prada 2“, zu den Filmen, die vor allem nostalgische Gefühle bedienen. „Mortal Kombat II“ wirkt durchgehend wie ein 80er-Jahre-Actionfilm. Die Fans von „Mortal Kombat“ (2021) werden sich freuen, dass sie viele, auch aus den Computerspielen bekannte Figuren ohne störende Überraschungen auf der Kinoleinwand sehen können.

Sie dürfen sich auch auf den dritten und abschließenden Film der Trilogie freuen. Wieder mit Simon McQuoid als Regisseur, Jeremy Slater als Drehbuchautor und, nun, den überlebenden Kämpfern dieses Turniers.

Mortal Kombat II (Mortal Kombat II, USA 2026)

Regie: Simon McQuoid

Drehbuch: Jeremy Slater (basierend auf dem Videospiel „Mortal Kombat“ von Ed Boon und John Tobias)

mit Karl Urban, Adeline Rudolph, Jessica McNamee, Josh Lawson, Ludi Lin, Mehcad Brooks, Tati Gabrielle, Lewis Tan, Damon Herriman, Martyn Ford, Max Huang, Chin Han, Tadanobu Asano, Joe Taslim, Hiroyuki Sanada

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Mortal Kombat II“

Metacritic über „Mortal Kombat II“

Rotten Tomatoes über „Mortal Kombat II“

Wikipedia über „Mortal Kombat II“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: MonsterVerse, Teil 5: „Godzilla x Kong: The New Empire“

April 4, 2024

Okay, die Frage bei einem neuen Riesenmonsterfilm ist nicht, ob das Drehbuch höchsten intellektuellen Ansprüchen genügt oder ob die Schauspieler mit ihrem Spiel in einigen Monaten eine Oscar-Nominierung erhalten, sondern ob, in diesem Fall, Godzilla und Kong ordentlich Großstädte zerstören und ob die Effekte gut sind. Wobei uns in den alten japanischen Godzilla-Filmen die teilweise lachhaft schlechten Spezialeffekte überhaupt nicht störten.

Die Antwort ist: teilsteils. Die Effekte sind über weite Strecken ziemlich gut. Aber manchmal sehen Kong und die anderen Kaijū-Monster doch arg computergeneriert aus. Zerstört wird fast nichts. Wenn wir die Montage am Filmanfang weglassen, wird nur einiges in der unberührten Wildnis der Hohlerde und, am Filmende, die Großstadt Rio de Janeiro zerstört. Fast der gesamte Film spielt in der Hohlerde. Und da sieht alles noch wie zu seeligen Dinosaurierzeiten aus. Außerdem ist Adam Wingards neuer Godzilla/Kong-Film „Godzilla x Kong: The New Empire“ vor allem ein Kong-Film. Godzilla verbringt fast den gesamten Film schlafend in Rom im Colloseum. Auch im Finale hätte man ihn nicht unbedingt gebraucht.

Die Story ist vernachlässigbar. Irgendwie geht es um eine Bedrohung die aus einer bislang unbekannten Ebene unterhalb der Hohlerde kommt und bei der es sich größtenteils um Artgenossen von Kong handelt. Der Hauptbösewicht der Bande ist der Skar King. Er und seine Bande wollen jetzt die Welt zerstören.

Zwischen den Betrachtungen aus dem Tierleben laufen, vor allem in der ersten Hälfte, einige Menschen durchs Bild. Es sind Dr. Ilene Andrews (Rebecca Hall), eine bei der Kong, Godzilla, mögliche weitere Kaijū-Monster und die Hohlerde erforschenden Wissenschaftsorganisation Monarch angestellte Wissenschaftlerin, ihre stumme Adoptivtochter Jia (Kaylee Hottle) und der über weite Strecken des Films nur nervige Verschwörungstheoretiker Bernie Hayes (Brian Tyree Henry) (wahrscheinlich ein Fan-Favorit). Sie sind aus dem vorherigen Godzilla/Kong-Film „Godzilla vs. Kong“ bekannt. Trapper (Dan Stevens), eine ziellose Mischung aus Godzilla-Zahnarzt, Freigeist und Abenteurer, ist neu dabei. Als in der Hohlerde der Kontakt zu einer Station abreißt, fliegen sie, begleitet von einem bewaffneten Piloten (er ist der einzige, der eine Waffe dabei hat), zu der Station. Dort treffen sie auch auf ein Urvolk, die Iwi, die mit Jia verwandt sind.

Die ziemlich sinnfreie Geschichte, die Regisseur Adam Wingard, der bereits den Vorgänger „Godzilla vs. Kong“ inszenierte, und die Drehbuchautoren Terry Rossio, Simon Barrett und Jeremy Slater erfanden, bedient sich, sobald unsere tapferen Reisenden in der Hohlerde sind, bei dem aus Kolonialgeschichten und „The Lost World“ bekanntem Fundus von tropischen Wäldern, gefährlichen Tieren, unberührten Naturvölkern und unermesslichen Reichtümern, die irgendwo in dieser Welt versteckt sind. Auf die Schätze, die es in der Hohlerde geben könnte, wird dieses Mal noch nicht eingegangen. Aber villeicht im nächsten Godzilla/Kong-Actionkracher.

Im Gegensatz zu den altbekannten Geschichten, in denen nur weiße Männer fremde Welten erkundeten, sind die menschlichen Besucher der fremden Welt jetzt weiblicher und diverser als früher. Und es fehlt ein menschlicher Bösewicht, der irgendwann die Guten umbringen will. Das stört jetzt nicht unbedingt. Denn in „Godzilla x Kong: The New Empire“ stehen die Menschen eindeutig auf der Zuschauertribüne, während sich die Kaijū-Monster leinwandfüllend Glieder abreißen und Köpfe einschlagen.

Wem das genügt, der wird in diesem Kong-Film eine halbwegs gute Zeit verbringen. Denn die Durststrecken zwischen den sinnfreien Monsterkloppereien sind so lang, dass ich mir wünschte, Roland Emmerich hätte den Film inszeniert.

Godzilla x Kong: The New Empire (Godzilla x Kong: The New Empire, USA 2024)

Regie: Adam Wingard

Drehbuch: Terry Rossio, Simon Barrett, Jeremy Slater (nach einer Geschichte von Terry Rossio, Adam Wingard und Simon Barrett, basierend auf der Figur „Godzilla“)

mit Rebecca Hall, Brian Tyree Henry, Dan Stevens, Kaylee Hottle, Alex Ferns, Fala Chen, Rachel House

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Godzilla x Kong: The New Empire“

Metacritic über „Godzilla x Kong: The New Empire“

Rotten Tomatoes über „Godzilla x Kong: The New Empire“

Wikipedia über „Godzilla x Kong: The New Empire“ (deutsch, englisch)

zum MonsterVerse

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Godzilla“ (Godzilla, USA 2014)

Meine Besprechung von Jordan Vogt-Roberts‘ „Kong: Skull Island“ (Kong: Skull Island, USA 2017)

Meine Besprechung von Michael Doughertys „Godzilla II: King of the Monsters“ (Godzilla II: King of Monsters, USA 2019) (inzwischen auch: Godzilla: King of the Monsters)

Meine Besprechung von Adam Wingards „Godzilla vs. Kong“ (Godzilla vs. Kong, USA 2021)