In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini
Paris, Dezember 2018: Draußen protestieren die Gelbwesten. Drinnen herrscht in der Notaufnahme eines Krankenhaues das (künstlerisch enorm verdichtete) normale Chaos mit überfordertem Personal und hysterischen Patienten, die wir im Lauf der Nacht besser kennen lernen.
Hochenergetisch, mit viel Schwarzem Humor, durchaus plakativ und mit pseudokumentarischer Handkamera erzählter Einblick in das französische Gesundheitswesen. Dabei wird die Notaufnahme zu einem Mikrokosmos der französischen Gesellschaft, ihrer Probleme und Verwerfungen. Sehenswert!
In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini
Paris, Dezember 2018: Draußen protestieren die Gelbwesten. Drinnen herrscht in der Notaufnahme eines Krankenhaues das (künstlerisch enorm verdichtete) normale Chaos mit überfordertem Personal und hysterischen Patienten, die wir im Lauf der Nacht besser kennen lernen.
Hochenergetisch, mit viel Schwarzem Humor, durchaus plakativ und mit pseudokumentarischer Handkamera erzählter Einblick in das französische Gesundheitswesen. Dabei wird die Notaufnahme zu einem Mikrokosmos der französischen Gesellschaft, ihrer Probleme und Verwerfungen. Sehenswert!
Ein Becken voller Männer(Le grand bain, Frankreich 2018)
Regie: Gilles Lellouche
Drehbuch: Gilles Lellouche, Ahmed Mamidi, Julien Lamroschini
Der dauerkrankgeschriebene antriebslose Bertrand schließt sich einer Gruppe vor sich hin dilettierender Synchronschwimmer an. Das ändert sich, als sie an der Weltmeisterschaft teilnehmen wollen.
TV-Premiere. Bekannte Geschichte, anderes Land. In der französischen Variante von „Männer im Wasser“ und „Swimming with Men“ (oder, wenn wir das Wasser verlassen, „Ganz oder gar nicht“) wird die flott erzählte Geschichte mit einer Top-Besetzung mehr dramatisch und melancholisch als witzig durchgespielt.
In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini
Paris, Dezember 2018: Draußen protestieren die Gelbwesten. Drinnen herrscht in der Notaufnahme eines Krankenhaues das (künstlerisch enorm verdichtete) normale Chaos mit überfordertem Personal und hysterischen Patienten, die wir im Lauf der Nacht besser kennen lernen.
TV-Premiere. Hochenergetisch, mit viel Schwarzem Humor, durchaus plakativ und mit pseudokumentarischer Handkamera erzählter Einblick in das französische Gesundheitswesen. Dabei wird die Notaufnahme zu einem Mikrokosmos der französischen Gesellschaft, ihrer Probleme und Verwerfungen. Sehenswert!
In „Wie wilde Tiere“ wollen Antoine (Denis Ménochet) und Olga (Marina Foïs) im Nordwesten Spaniens in Galicien einen ökologisch korrekten Bauernhof betreiben. Die Einheimischen, vor allem zwei Brüder, sind über das ein französische Aussteigerpaar nicht begeistert. Seit Jahrhunderten führen sie ein karges Leben. Seit Jahren sehen sie, wie ihre Kinder, sobald sie eine bessere Ausbildung haben, die Heimat verlassen. Sie erhoffen sich in der Stadt ein besseres Leben. Misstrauisch beobachten die Zurückgebliebenen die Zugezogenen. Sie glauben, dass sie ein verklärtes Bild vom Leben in der Provinz haben und nur kurze Zeit in der menschenleeren, von aktuellen Entwicklungen abgeschnittenen Gegend bleiben werden.
Als es ein Angebot für den Bau von Windrädern und einem damit verbundenem wirtschaftlichem Aufschwung gibt, wollen fast alle das Angebot annehmen. Aber vor allem Antoine ist dagegen. Er will die Natur bewahren.
Rodrigo Sorogoyen („Macht des Geldes“) erzählt in seinem sehr langsam erzähltem Noir-Thriller, wie dieser Konflikt Zwischen Einheimischen und Zugezogenen tödlich eskaliert. Das ist in seiner fatalen Entwicklung schnell vorhersehbar, aber durchgehend spannend erzählt. Erst als es im letzten Drittel des mit gut hundertvierzig Minuten arg lang geratenen Films zu einem Ereignis kommt und danach die Story nur noch ziellos vor sich hin plätschert, fällt der Film in sich zusammen. Ab diesem Moment zieht sich der Noir bis zum Abspann wie Kaugummi.
In Spanien erhielt der lose von einem wahren Fall inspirierte Slow-Thriller dieses Jahr neun Goyas, unter anderem als bester Film und für die beste Regie. Außerdem erhielt er den César als Bester ausländischer Film.
Wie wilde Tiere (As Bestas, Spanien 2022)
Regie: Rodrigo Sorogoyen
Drehbuch: Isabel Peña, Rodrigo Sorogoyen
mit Denis Ménochet, Marina Foïs, Luis Zahera, Diego Anido, Marie Colomb
Maureen Kearney ist die mächtige und wenn sie etwas erreichen will sehr nervige Gewerkschaftsführerin bei dem französischen Industriekonzern Areva. Ihr neuestes Projekt ist die Verhinderung der Kooperation von Areva mit China beim Bau von Atomkraftwerken. Sie befürchtet, dass Arbeitsplätze und das französische Knowhow im Umgang mit der Atomenergie verloren gehen. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um das zu verhindern.
Die von ihr und ihrer Hartnäckigkeit genervten Firmenchefs und in das Geschäft involvierte Menschen versuchen sie zum Schweigen zu bringen. Denn sie könnte ihre Pläne durchkreuzen.
Als Kearney im Dezember 2012 in ihrem Haus überfallen und vergewaltigt wird, scheint daher klar zu sein, wer dafür verantwortlich ist.
In dem Moment nimmt Jean-Paul Salomés neuer Film eine interessante Wende. Ab diesem Moment stehen nicht mehr die bis dahin formidabel bedienten Erzähltopoi des Politthrillers französisicher Prägung im Mittelpunkt. Der Fokus verschiebt sich zur Vergewaltigung und ihren Folgen. Kearny, gewohnt überzeugend von Isabelle Huppert gespielt, verhält sich nicht wie ein typisches Vergewaltigungs-Opfer. Die Polizei glaubt ihr nicht und will beweisen, dass sie die Verwaltigung nur vortäuschte. Ihr gutmütiger Mann versucht ihr eine Stütze zu sein, weiß allerdings auch nicht, ob er ihr glauben kann.
Diese Vergewaltigung und ihre Folgen fanden erst Jahre später, in einer Gerichtsverhandlung einen Abschluss. Denn Kearney ist eine reale Figur. Die gesamte Filmgeschichte basiert auf einem wahren, bei uns unbekannten Fall. Und weil Salomé nah bei den Fakten bleibt, bleibt einiges im Dunkeln; – eigentlich so, wie wir es von den klassischen Polit- und Paranoia-Thrillern kennen, die den Reichen und Mächtigen jede Schandtat zutrauen.
Salomé und Huppert arbeiteten bereits in der grandiosen Hannelore-Cayre-Verfilmung „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ zusammen. Das war eine Krimikomödie. „Die Gewerkschafterin“ ist ein Polit- und Paranoia-Thriller, mit mindestens einem Schuss Claude Chabrol. Sehenswert sind beide Filme.
Die Gewerkschafterin ( La Syndicaliste, Frankreich/Deutschland 2022)
Regie: Jean-Paul Salomé
Drehbuch: Fadette Drouard, Jean-Paul Salomé
LV: Caroline Michel-Aguirre: La Syndicaliste, 2019
mit Isabelle Huppert, Grégory Gadebois, Yvan Attal, François-Xavier Demaison, Pierre Deladonchamps, Alexandra Maria Lara, Gilles Cohen, Marina Foïs, Mara Taquin
Raphaela ‚Raf‘ stürzt unglücklich und landet in der Notaufnahme.
Yann wird bei einer Demonstration verletzt und landet ebenfalls in der Notaufnahme eines Krankenhauses mitten in Paris. Vor der Tür gibt es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den gegen die Regierung protestierenden Gelbwesten. Im Krankenhaus wird wie immer gearbeitet. Mit zu wenig Personal und zu vielen Patienten, die mehr oder weniger stark verletzt sind und mehr oder wenig nervig sind. Wobei Raf und Yann, die im gleichen Zimmer landen, zu den nervigen Patienten gehören.
Raf ist Comcizeichnerin, besorgte Mutter (ihr Sohn demonstriert) und seit zehn Jahren mit ihrer Verlegerin Julie liiert. Jetzt, nachdem Raf in der Nacht der neben ihr schlafenden Julie im Sekundentakt eine Suada aus beleidigenden Kurznachrichten schickte, hatten sie wieder Streit und trennten sich. Danach stürzte Raf unglücklich und brach sich den Arm.
Yann ist auf den ersten Blick das komplette Gegenteil von der hysterischen Raf. Der LKW-Fahrer fuhr, mit dem Firmen-LKW, aus der Provinz nach Paris um dort gegen die Politik von Präsident Macron zu demonstrieren. Bei der Demonstration wurde er von der Polizei verprügelt. In einer Mischung aus panischer Angst seinen Job zu verlieren und sturer Selbstüberschätzung, dass er trotz seiner schweren Beinverletzungen das Krankenhaus verlassen kann, versucht er immer wieder aufzustehen.
Beide sind von ihrer Weltsicht überzeugt, glauben, dass die Welt sich nur um sie dreht und dass alle anderen Idioten sind.
Zwischen ihnen versucht die seit einer Woche in der Nachtschicht arbeitende Krankenschwester Kim (Aissatou Diallo Sagna) zu schlichten. Wenn sie sich nicht, wie meistens, um andere Patienten kümmern muss, die echte Notfälle sind.
In ihrem neuen Film „In den besten Händen“ erzählt „La Belle Saison“-Regisseurin Catherine Corsini, was in einer Nacht in einer Notaufnahme geschieht; wobei es wegen der Proteste eine besondere Nacht ist und Corsini, künstlerisch verdichtet, von einer Nacht erzählt, in der die Hölle los ist. Denn, seien wir ehrlich, wenn alle Nächte in der Notaufnahme so anstrengend wären, würde niemand mehr in der Notaufnahme arbeiten. Trotzdem ist die Situation im Gesundheitswesen auch in Frankreich nicht gut.
Dieser Einblick in die Arbeit in einer Notaufnahme bildet den Hintergrund für das Aufeinanderprallen zweier gegensätzlicher und doch sehr ähnlicher Charaktere. Raf und Yann gehören zwar zwei vollkommen verschiedenen Schichten der französischen Gesellschaft an, aber als Menschen sind sie für ihre Umgebung die meiste Zeit hysterische, egozentrische Nervensägen. Vor allem Raf.
Ihnen zur Seite steht ein Ensemble knapp gezeichneter Figuren, wie die Krankenschwester Kim, Rafs Freundin Julie und Zufallsbegegnungen, die aus „In den besten Händen“ einen richtigen Ensemblefilm machen. Sie bilden einen Mikrokosmos der französischen Gesellschaft und sie zeigen gesellschaftliche Probleme und Verwerfungen auf.
Corsini erzählt das hochenergetisch, oft am Rand der Hysterie und mit viel trockenem, schwarzen und auch verzweifeltem Humor, der entsteht, um eine unerträgliche Situation erträglich zu machen.
Das ist teils etwas platt, teils etwas zu didaktisch (wenn Yann Raf und der gesamten Notaufnahme lautstark erklärt, warum er protestiert) und immer wieder arg plakativ. Eine Nacht in der Notaufnahme, wenn alle Nerven zum Zerreißen gespannt sind, ist halt nicht der Ort für differenzierte Analysen. „In den besten Händen“ ist in jeder Beziehung eine knallige Situationsbeschreibung.
In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini
mit Marina Foïs, Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmaï, Aissatou Diallo Sagna, Caroline Estremo, Jean-Louis Coulloc’h, Camille Sansterre, Marin Laurens, Ferdinand Perez
Habe ich den Film nicht schon einmal gesehen? Und ist es nicht, wieder einmal, „Ganz oder gar nicht“ unter Synchronschwimmern?
Irgendwie schon. „Ein Becken voller Männer“ erzählt die Geschichte von Bertrand (Mathieu Amalric), der an einer ausgewachsenen Midlife Crisis leidet. Er ist seit Ewigkeiten arbeitslos, schluckt Antidepressiva und hängt meistens deprimiert und antriebslos in der Wohnung herum. Niemand will etwas von ihm und niemand möchte ihm einen Job geben. Immerhin liebt ihn seine Frau.
Eines Tages entdeckt er einen Zettel, mit dem eine Synchronschwimmer-Gruppe nach neuen Mitgliedern sucht. Irgendetwas spricht ihn an und er wird Mitglied der städtischen Synchronschwimmer-Mannschaft. Sie besteht aus mittelalten Männern, die sich zwar redlich, aber glücklos bemühen, so etwas wie eine stimmige Performance zu kreieren. Trotzdem entschließen sie sich, an einer Meisterschaft teilzunehmen.
Davor müssen sie, was sie bis jetzt nicht taten, zielstrebig trainieren. Denn bis zu der Schnapsidee mit der Teilnahme an der Weltmeisterschaft waren die Treffen zum Synchronschwimmen für sie eine angenehm ambitionslose Ersatzfamilie, in der sie sich vorbehaltlos akzeptierten und über bestimmte Dinge nicht gesprochen wurde. Denn sie sind alle an ihren hochfliegenden Träumen gescheitert. So sieht der eine sich immer noch als erfolgreichen Unternehmer, während er ständig Ärger mit der Bank hat. Der andere träumt immer noch von einer Karriere als Rockmusiker, während er in einer Kantine arbeitet und in einem Wohnwagen lebt.
Diese Synchronschwimmermannschaft wird unter anderem von Mathieu Amalric, Guilaume Canet, Benoit Poelvoorde und Jean-Hugues Anglade gespielt. Und allein diese hochkarätige Besetzung ist einen Blick wert.
Die ordentlich flott erzählte Geschichte nimmt sich viel Zeit für ihre Charaktere. Sie bewegt sich dabei, mehr dramatisch und melancholisch als witzig, in den etablierten Bahnen zum Finale. Bei dem erstaunt dann vor allem die Leistung der Provinz-Synchronschwimmer-Mannschaft, die wir bis dahin ins Herz geschlossen haben und die sich bis dahin kaum über Wasser halten konnte. In diesem Moment wachsen sie, angesichts der ihnen haushoch überlegenen Konkurrenz, über sich hinaus.
Der Feelgood-Ensemblefilm „Ein Becken voller Männer“ ist das Solo-Regiedebüt von Gilles Lellouche. Er war Co-Regisseur und Autor von „Die wunderbare Welt des Gustave Klopp“ und „Männer und die Frauen“. Außerdem ist er Schauspieler. In den Krimis „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ und „Point Blank – Aus kurzer Distanz“ (der Film erhält gerade ein US-Remake) übernahm er Hauptrollen.
Angesichts der derzeitigen Temperaturen ist „Ein Becken voller Männer“ besonders empfehlenswert. Immerhin entführen diese schwimmenden Männer einen über zwei Stunden in einen dunklen, angenehm kühlen Saal.
Ein Becken voller Männer (Le grand bain, Frankreich 2018)
Regie: Gilles Lellouche
Drehbuch: Gilles Lellouche, Ahmed Mamidi, Julien Lamroschini
mit Mathieu Amalric, Guilaume Canet, Benoit Poelvoorde, Jean-Hugues Anglade, Virginia Efira, Leila Bekhti, Marina Fois, Philippe Katerine, Félix Moati, Alban Ivanov