DVD-Kritik: Francis Ford Coppolas „The Outsiders“ in mehreren tollen Ausgaben

November 24, 2021

Bevor ich einige Worte über die neue „Special Edition“ von „The Outsiders“ verliere, gibt es zuerst einmal meine Gedanken zum Film:

The Outsiders“ ist die Verfilmung von S. E. Hintons gleichnamigem Romandebüt. In dem Buch schildert sie, basierend auf eigenen Erlebnissen, vom Leben der Greaser und der Socs. Die Greaser sind eine aus der Arbeiterklasse und unteren Arbeiterklasse stammende Jugendgang. Die Socs sind die rivalisierende, aus dem wohlhabenden Teil von Tulsa, Oklahoma, stammende Gang.

Eine richtige Geschichte hat „The Outsiders“ nicht. Es ist eine in den Sechzigern (die nach den Fünfzigern aussehen) spielende, locker verknüpfte Abfolge von Episoden aus dem Alltag der Jugendlichen. Es wird sich geschlagen, geliebt, getrunken, miteinander ins Autokino gegangen und, nachdem einer der Socs bei einer Schlägerei versehentlich stirbt, müssen zwei Mitglieder der Greasers aufs Land flüchten. Dort verstecken sie sich in einer abgelegen liegenden, verfallenen Holzkirche, retten einige Kinder, kehren als Helden zurück und prügeln sich wieder mit den Socs.

Die Besetzung besteht aus damals unbekannten, aber aufstrebenden Schauspielern. C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez und Tom Cruise spielten mit. Erstaunlich viele von ihnen sind heute noch aktiv, bekannt und beliebt. Und Musiker Tom Waits hat auch einen kurzen Auftritt. Er schrieb die Musik für Coppolas vorherigen Film „Einer mit Herz“ (One from the Heart).

Der Film selbst war für Coppola nach dem Riesenerfolg von „Apocalypse Now“ und dem Megaflop „Einer mit Herz“, der ihn und seine Firma Zoetrope in den Ruin trieb, der Versuch mit einem sicherem Hit – einem für wenig Geld mit damals unbekannten Schauspielern, basierend auf einem bei Jugendlichen bekanntem und beliebten Buch – seine finanzielle Situation zu verbessern. Bei der Kritik kam der „… denn sie wissen nicht, was sie tun“-Verschnitt (Rebel Without a Cause) damals nicht so gut an. So schrieb, stellvertretend für weitere negative zeitgenössische Besprechungen, Variety: „Francis Coppola hat einen handwerklich und schauspielerisch guten, aber sehr konventionellen Film (…) gemacht. Obwohl er in den Mittsechzigern spielt, sieht der Film wie ein Fünfziger-Jahre-Drama über Problemkinder aus, wie sie von Nicholas Ray und Elia Kazan gedreht worden sind, ohne allerdings jemals deren Tiefe und Spannung zu erreichen.“

Beim Publikum kam der Film besser an. Inzwischen ist es ein äußerst beliebter Film, der allein schon wegen der mitspielenden Schauspieler und der wunderschönen Sonnenuntergänge sehenswert ist.

Coppola selbst hatte den Film damals, auf Druck des Studios, von gut zwei Stunden auf neunzig Minuten gekürzt. 2005 veröffentlichte er eine umfangreiche Fassung, in die er die damals geschnittenen, den Romanlesern bekannte Szenen wieder einfügte und den Soundtrack veränderte und ergänzte. Sein inzwischen verstorbener Vater Carmine Coppola hatte für die neu eingefügten Szenen damals keine Musik geschrieben. Diese Fassung nannte Francis Ford Coppola „The Outiders: The complete Novel“. Sie ist näher am Buch und auch die Fassung, die Coppola ursprüngllich veröffentlichen wollte.

Die jetzt erstellte 4K-Version unterscheidet sich nicht von der 2005 veröffentlichten Version. Außer dass das Bild neu abgetastet wurde. Es ist brillant. Schönere Sonnenuntergänge wird man in diesem Herbst wohl nicht im Kino sehen.

Und nun kommen wir zur „Special Edition“, die jetzt bei Studiocanal erschienen und ein gutes Weihnachtsgeschenk ist. Es gibt den Film als DVD (mit umfangreichem Bonusmaterial), als Blu-Ray (mit noch mehr Bonusmaterial) und als Collector’s Edition (mit noch etwas mehr Bonusmaterial, das nicht auf den Blu-rays zu finden ist, und einer schicken Verpackung). Das dürfte dann das Weihnachtsgeschenk für den bekennenden Fan und Sammler sein.

Insgesamt sind auf den beiden Blu-rays, eine mit der Kinofassung, eine mit der „Complete Novel“-Fassung, deutlich über zwei Stunden Bonusmaterial enthalten.

Neu sind ein eine Einführung von Francis Ford Coppola, ein Interview mit James Mockoski, Head of Archives and Restoration bei American Zoetrope und Colorist Gregg Garvin über die 4K-Restaurierung, ein Interview mit Kameramann Stephen Burum, das Featurette „Old House New Home – Ein Museum für die ‚Outsiders’“ und bislang nicht gezeigte geschnittene Szenen.

Das ältere Bonusmaterial entstand vor allem im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der „The complete Novel“-Version 2005. Es handelt sich um das Featurette „Stay Gold – Ein Blick zurück auf ‚The Outsiders’“, einer durch zu den Drehorten in Tulsa mit der Buchautorin S. E. Hinton, Minilesungen aus dem Roman von Rob Lowe, Patrick Swayze, C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Leif Garret und Diane Lane, in denen sie ihre Figuren vorstellen, Aufnahmen vom ungewöhnlichen Casting der „Outsiders“ (Coppola versammelte alle Bewerber in einem Raum und ließ sie verschiedene Rollen spielen), eine Reportage von NBC’s News Today von 1983 über den Film, einige geschnittene und erweiterte Szenen und, selbstverständlich, den Kinotrailer von 1983.

Außerdem gibt es bei der Langfassung zwei Audiokommentare. Einer von Francis Ford Coppola. Einer von Matt Dillon, C. Thomas Howell, Diane Lane, Rob Lowe, Ralph Macchio und Patrick Swayze, die gemeinsam in Erinnerungen an den Film schwelgen.

Das macht dann aus über zwei Stunden über sechs Stunden Bonusmaterial.

Alle Featurettes sind ausführlich (drei sind über sieben Minuten, die anderen über zehn Minuten und das längste Featurette über 26 Minuten), äußerst informativ und mit erstaunlich wenigen Doppelungen. Sie liefern, wie das Bonusmaterial bei „Apocalypse Now“, das Hintergrundmaterial für kommende cineastische Analysen. Damit sind sie für Fans des Films und von Francis Ford Coppola eine Fundgrube.

The Outsiders: The complete Novel (The Outsiders, USA 1983/2005)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: Kathleen Knutsen Rowell

LV: S. E. Hinton: The Outsiders, 1967 (Die Outsider)

mit C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez, Tom Cruise, Leif Garrett, Glenn Withrow, Tom Waits, S. E. Hinton

auch bekannt als „Coppola’s The Outsiders – Rebellen ohne Grund“ (Kinotitel) bzw. „Die Outsider“ (Kinotitel)

Blu-ray (Special Edition)

Studiocanal/Arthaus

Bild: 2,40:1 (1080/24 p Full HD)

Ton: Deutsch, Englisch (5.1 DTS-HD MA)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Über die Restaurierung: Interview mit James Mockoski, Head of Archives and Restorations bei American Zoetrope und Colourist Gregg Garvin (auch DVD); Interview mit Kameramann Stephen Burum (auch DVD); Geschnittene Szenen (auch DVD); Einführung von Francis Ford Coppola (auch DVD); “Outsider Looking In” – neues Interview mit Francis Ford Coppola über Schlüsselszenen eines Kultfilms (auch DVD); Featurette “Old House New Home” – Ein Museum für die “Outsiders” (auch DVD); Trailer (auch DVD)

exclusives Blu-ray Bonusmaterial: Audiokommentar von Francis Ford Coppola, Audiokommentar von Matt Dillon, C. Thomas Howell, Diane Lane, Rob Lowe, Ralph Macchio und Patrick Swayze; Featurette “Stay Gold”: Ein Blick zurück auf THE OUTSIDERS; S.E. Hinton am Drehort in Tulsa; Das Casting der “Outsiders”; NBC’s News Today von 1983, ‚The Outsiders‘ Started by School Petition; Sieben Teammitglieder (Lowe, Swayze, Howell, Dillon, Macchio, Garret and Lane) lesen Auszüge aus dem Roman; Geschnittene und erweiterte Szenen; Kinotrailer von 1983

Länge: 91 (Kinofassung)/115 Minuten (The complete Novel)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Studiocanal über „Best of Cinema“

Moviepilot über „The Outsiders“

Metacritic über „The Outsiders“

Rotten Tomatoes über „The Outsiders“

Wikipedia über „The Outsiders“ (deutsch, englisch)

Homepage von S. E. Hinton

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now: The Final Cut“ (USA 1979/2019) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „The Outsiders: The complete Novel“ (The Outsiders, USA 1983/2005)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ (Rumble Fish, USA 1983)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

 


(Wieder) Neu im Kino/Filmkritik: Francis Ford Coppolas „The Outsiders: The Complete Novel“ eröffnet neue monatliche „Best of Cinema“-Filmreihe in den Kinos

Oktober 31, 2021

Eine feine Idee hatte Studiocanal da: An jedem ersten Dienstag im Monat werden, teils in neuen 4K-Restaurierungen, im Rahmen der Reihe „Best of Cinema“ altbekannte und immer noch beliebte Filme wieder im Kino gezeigt. Über dreihundert Kinos bekundeten bis jetzt ihr Interesse daran, die Filme nach einer jahrelangen Leinwandabstinez wieder in ihren Sälen zu zeigen.

Den Auftakt macht am 2. November Francis Ford Coppolas „The Outsiders – The Complete Novel“ in einer neu restaurierten 4K-Fassung, die auf der großen Leinwand atemberaubend gut aussieht.

The Outsiders“ ist die Verfilmung von S. E. Hintons gleichnamigem Romandebüt. In dem Buch schildert sie, basierend auf eigenen Erlebnissen, vom Leben der Greaser und der Socs. Die Greaser sind eine aus der Arbeiterklasse und unteren Arbeiterklasse stammende Jugendgang. Die Socs sind die rivalisierende, aus dem wohlhabenden Teil von Tulsa, Oklahoma, stammende Gang.

Eine richtige Geschichte hat „The Outsiders“ nicht. Es ist eine in den Sechzigern (die nach den Fünfzigern aussehen) spielende, locker verknüpfte Abfolge von Episoden aus dem Alltag der Jugendlichen. Es wird sich geschlagen, geliebt, getrunken, miteinander ins Autokino gegangen und, nachdem einer der Socs bei einer Schlägerei versehentlich stirbt, müssen zwei Mitglieder der Greasers aufs Land flüchten. Dort verstecken sie sich in einer abgelegen liegenden, verfallenen Holzkirche, retten einige Kinder, kehren als Helden zurück und prügeln sich wieder mit den Socs.

Die Besetzung besteht aus damals unbekannten, aber aufstrebenden Schauspielern. C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez und Tom Cruise spielten mit. Erstaunlich viele von ihnen sind heute noch aktiv, bekannt und beliebt. Und Musiker Tom Waits hat auch einen kurzen Auftritt. Er schrieb die Musik für Coppolas vorherigen Film „Einer mit Herz“ (One from the Heart).

Der Film selbst war für Coppola nach dem Riesenerfolg von „Apocalypse Now“ und dem Megaflop „Einer mit Herz“, der ihn und seine Firma Zoetrope in den Ruin trieb, der Versuch mit einem sicherem Hit – einem für wenig Geld mit damals unbekannten Schauspielern, basierend auf einem bei Jugendlichen bekanntem und beliebten Buch – seine finanzielle Situation zu verbessern. Bei der Kritik kam der „… denn sie wissen nicht, was sie tun“-Verschnitt (Rebel Without a Cause) damals nicht so gut an. So schrieb, stellvertretend für weitere negative zeitgenössische Besprechungen, Variety: „Francis Coppola hat einen handwerklich und schauspielerisch guten, aber sehr konventionellen Film (…) gemacht. Obwohl er in den Mittsechzigern spielt, sieht der Film wie ein Fünfziger-Jahre-Drama über Problemkinder aus, wie sie von Nicholas Ray und Elia Kazan gedreht worden sind, ohne allerdings jemals deren Tiefe und Spannung zu erreichen.“

Beim Publikum kam der Film besser an. Inzwischen ist es ein äußerst beliebter Film, der allein schon wegen der mitspielenden Schauspieler und der wunderschönen Sonnenuntergänge sehenswert ist.

Coppola selbst hatte den Film damals, auf Druck des Studios, von gut zwei Stunden auf neunzig Minuten gekürzt. 2005 veröffentlichte er eine umfangreiche Fassung, in die er die damals geschnittenen, den Romanlesern bekannte Szenen wieder einfügte und den Soundtrack veränderte und ergänzte. Sein inzwischen verstorbener Vater Carmine Coppola hatte für die neu eingefügten Szenen damals keine Musik geschrieben. Diese Fassung nannte Francis Ford Coppola „The Outiders: The complete Novel“. Sie ist näher am Buch und auch die Fassung, die Coppola ursprüngllich veröffentlichen wollte.

Die jetzt erstellte 4K-Version unterscheidet sich nicht von der 2005 veröffentlichten Version. Außer dass das Bild neu abgetastet wurde. Es ist brillant. Schönere Sonnenuntergänge wird man in diesem Herbst wohl nicht im Kino sehen.

Die ersten Filme, der „Best of Cinema“-Reihe sind:

Dienstag, 2. November

The Outsiders: The complete Novel

Dienstag, 7. Dezember

Die fabelhafte Welt der Amélie (immer wieder schön. Trotzdem könnte Jean-Pierre Jeunet acht Jahre nach „Die Karte meiner Träume“ mal wieder einen neuen Film inszenieren.)

Dienstag, 4. Januar

Tod auf dem Nil (mit Peter Ustinov als Hercule Poirot. Die neue Verfilmung von Agatha Christies Roman soll am 10. Februar 2022 in den Kinos starten.)

Dienstag, 1. Februar

Mulholland Drive (in einer unter der Aufsicht von David Lynch in 4K restaurierten Fassung; auch Lynch könnte mal wieder einen neuen Spielfilm drehen.)

Dienstag, 1. März

Total Recall – Die totale Erinnerung (in einer restaurierten 4K-Fassung)

Dienstag, 5. April

Grüne Tomaten (eine Komödie über kochende Frauen und besondere Zutaten)

The Outsiders: The complete Novel (The Outsiders, USA 1983/2005)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: Kathleen Knutsen Rowell

LV: S. E. Hinton: The Outsiders, 1967 (Die Outsider)

mit C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez, Tom Cruise, Leif Garrett, Glenn Withrow, Tom Waits, S. E. Hinton

auch bekannt als „Coppola’s The Outsiders – Rebellen ohne Grund“ (Kinotitel) bzw. „Die Outsider“ (Kinotitel)

Länge: 91 (Kinofassung)/115 Minuten (The complete Novel)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Studiocanal über „Best of Cinema“

Moviepilot über „The Outsiders“

Metacritic über „The Outsiders“

Rotten Tomatoes über „The Outsiders“

Wikipedia über „The Outsiders“ (deutsch, englisch)

Homepage von S. E. Hinton

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now: The Final Cut“ (USA 1979/2019) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ (Rumble Fish, USA 1983)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)


%d Bloggern gefällt das: