Neu im Kino/Filmkritik: Über Antoine Fuquas Boxerfilm „Southpaw“

August 21, 2015

Die Regeln des Boxerfilms sind ja bekannt und „Southpaw“ folgt ihnen auch mit einem Boxkampf am Anfang, der Herausforderung eines Konkurrenten, einer krachenden Niederlage, dem langen Training für den nächsten Kampf und schließlich dem Schlußkampf, bei dem der Held siegreich den Ring verlässt. Das kennt man spätestens aus den „Rocky“-Filmen.
Aber Regisseur Antoine Fuqua (zuletzt „The Equalizer“) und Drehbuchautor Kurt Sutter („The Shield“, „Sons of Anarchy“) setzen eigene Akzente, die „Southpaw“ innerhalb des Genres zu einem sehr interessanten Film machen. Dabei ist die Besetzung der Hauptrolle mit Jake Gyllenhaal der uninteressanteste Punkt. Immerhin spielte schon Robert De Niro in Martin Scorseses grandiosem SW-Boxerfilm „Raging Bull – Wie ein wilder Stier“ einen Boxer.
Der interessante Punkt ist, wie viel Zeit sich Fuqua nimmt, um das Leben abseits des Boxkampfes und abseits des Boxrings zu zeigen. Es geht um die Einsamkeit nach dem Kampf in ranzigen Hinterzimmer, in denen man sich wenige Minuten früher auf den Kampf vorbereitete. Nach dem Lärm der jubelnden Menge in dem bis zum letzten Platz gefüllten Veranstaltungssaal ist die Stille und Einsamkeit in dem anonymen, funktionalem und fensterlosen Zimmer noch bedrückender. Es geht um die Schmerzen, die man nach einem Boxkampf am ganzen Körper spürt. So stolpert Billy Hope wie ein Schwerverletzter durch sein mondänes Anwesen. Es geht um die Geschäfte, die das Profiboxen begleiten. Also um das Abschließen von Verträgen, Auftritte bei Wohltätigkeitsveranstaltungen und Entscheidungen über das Leben nach der Sportkarriere. Es geht auch um die große Entourage, die man hat, so lange man Geld hat.
Diese Gefolgschaft verlässt Billy ‚The Great‘ Hope (Jake Gyllenhaal), ein impulsiv-jähzorniges Waisenkind, das sich von ganz unten aus dem Kinderheim nach oben zum Halbschwergewichtsmeistertitel boxte, mit seiner Jugendliebe Maureen (Rachel McAdams), die sein Leben in jeder Beziehung organisiert, glücklich verheiratet ist und mit ihr eine zehnjährige Tochter (Oona Laurence) hat, die er abgöttisch liebt, nachdem Maureen während einer Wohltätigkeitsveranstaltung bei einer Rangelei mit einem anderen Boxer durch einen Schuss tödlich verletzt wird. Ohne Maureen ist Billy ein vom Leben überfordertes Häufchen selbstmitleidiges Elend, das nach einem missglückten Boxkampf, der für ihn mit einer einjährigen Kampfsperre endet, auch schnell sein Vermögen verliert. Seine Tochter Leila kommt in ein Heim und er weiß nicht, wann er wieder mit ihr zusammen leben darf.
Weil Leila sein einziger Halt ist, will er für sie ein anständiger Vater sein. Deshalb nimmt er bei dem Amateur-Boxtrainer Titus ‚Tick‘ Wills (Forest Whitaker), der für die Kinder im Viertel auch ein Sozialarbeiter ist, eine Arbeit als Putzmann an. Und selbstverständlich trainiert er dort für seinen nächsten Kampf.
Wichtiger als die furios inszenierten Boxkämpfe sind in „Southpaw“, wie gesagt, die sonst nicht gezeigten Momente, die den Film, innerhalb der bekannten Regeln und absolut ironiefrei, zu einer intensiven und düsteren Charakterstudie machen. Und Jack Gyllenhaal überzeugt nach „Nightcrawler“, wo er ebenfalls einen – höflich formuliert – schwierigen Charakter spielte, wieder einmal als ein auch an seine körperlichen Grenzen gehender Schauspieler restlos.

Southpaw - Plakat

Southpaw (Southpaw, USA 2015)
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Kurt Sutter
mit Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Forest Whitaker, Naomie Harris, Curtis `50 Cent`Jackson, Oona Laurence, Miguel Gomez, Skylan Brooks, Beau Knapp, Victor Ortiz
Länge: 125 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Southpaw“
Moviepilot über „Southpaw“
Metacritic über „Southpaw“
Rotten Tomatoes über „Southpaw“
Wikipedia über „Southpaw“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „Aloha“ – besuchen sie Hawaii

August 7, 2015

Eine auf Hawaii spielende – und hier fangen die Schwierigkeiten schon an. Denn Cameron Crowe, der ja einige gute Filme inszenierte, hat sich wohl gedacht, wenn ich Hawaii und eine gute Besetzung habe, dann erledigt sich der Rest von alleine. Und die Schauspieler haben sich wohl gedacht, wenn der Regisseur von „Singles – Gemeinsam einsam“, „Jerry Maguire: Spiel des Lebens“, „Almost Famous – Fast berühmt“ und „Vanilla Sky“, eines seiner Drehbücher an einem der schönsten Orte des Planeten inszeniert, sind wir gerne dabei. Bradley Cooper, Emma Stone, Rachel McAdams, Bill Murray und Alec Baldwin sagten zu. Und sie hatten auch, wie man in der so entstandenen Komödie „Aloha – Die Chance auf Glück“ sieht, ihren Spaß.
Davon abgesehen ist „Aloha“ ein Film, der sich nie entscheiden kann, welche Geschichte er in welchem Tonfall er erzählen möchte. Und so pendelt „Aloha“, obwohl ein komödiantischer Ton vorherrschend ist, ziellos zwischen naivem Fünfziger-Jahre-Abenteuerfilm mit leicht kolonialistischer Attitüde, Liebesfilm, öfter in Richtung Romantic Comedy gehend, seltener in Richtung ernstes Drama gehend, und Politthriller. Mal ernst, mal lustig. Gerne auch in einer Szene. So wechselt Emma Stone als Air-Force-Pilotin Allison Ng bruchlos zwischen stocksteifem, humorlosem Army-Aufpasser zu gickeldem Mädchen zu einer an alle Mythen und Geister Hawaiis glaubenden Einheimischen und damit zwischen mehreren, einander widersprechenden Anlagen ihrer Rolle. Andere Charaktere werden mit nervigen Marotten, die im Drehbuch vielleicht lustig aussahen, im Film aber nur nervig sind, ausgestattet: ein Soldat schweigt immer (weil wir Männer ja so schweigsam sind), ein anderer hat einen Tick, weshalb er seine Finger immer vor seinem Gesicht bewegt.
Bradley Cooper bemüht sein einfach nur, entspannt anwesend zu sein. Was ihm auch gut gelint. Er spielt Brian Gilcrest, einen Ex-Soldaten, der jetzt Militärberater für den Milliardär Carson Welch (Bill Murray) ist. Auf Hawaii, wo Gilcrest früher stationiert war, soll er jetzt für Welch und mit Hilfe des US-Militärs irgendein Projekt mit Raketen zum Abschluss bringen. Begleitet bei seinem Auftrag wird Gilcrest von Allison Ng, die auf ihn aufpassen soll.
Für dieses Projekt muss Gilcrest mit zur Unabhängigkeitsbewegung gehörenden Ureinwohnern über irgendwelche Überflugrechte für Raketen verhandeln, die uns hier nicht weitere interessieren müssen. Cameron Crowe interessierten sie und die damit verbundenen erzählerischen Möglichkeiten auch nicht. Eher schon interessierte er sich für Gilcrests Wiederbegegnung mit seiner alten Freundin Tracy Woodside (Rachel McAdams), die inzwischen glücklich verheiratet ist und zwei kurz vor der Pubertät stehende Kinder hat.
Und dann ist da noch die deutlich jüngere Ng, die, immerhin ziehen sich Gegensätze an, sein ‚Love Interest‘ ist. Diese Geschichte zwischen Gilcrest und Ng funktioniert dann auch noch am Besten, weil man bei „sie lernen sich kennen – sie zanken sich – sie lieben sich“ wenig falsch machen kann. Auch wenn man die Dreharbeiten als Urlaub betrachtete, ein höchstens halbfertiges Drehbuch hatte und hoffte, mit den sympathischen Schauspielern und einigen unterhaltsamen Szenen über die Runden zu kommen.
„Aloha“ ist wirklich nur für beinharte Hawaii-Fans und Komplettisten eines der beteiligten Künstler sehenswert. Alle anderen können getrost auf den konfusen Film verzichten.

Aloha - Plakat

Aloha – Die Chance auf Glück (Aloha, USA 2015)
Regie: Cameron Crowe
Drehbuch: Cameron Crowe
mit Bradley Cooper, Emma Stone, Rachel McAdams, Bill Murray, John Krasinski, Danny McBride, Alec Baldwin, Bill Camp, Jaeden Lieberher, Dennis Bumpy Kanahele
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Aloha“
Moviepilot über „Aloha“
Metacritic über „Aloha“
Rotten Tomatoes über „Aloha“
Wikipedia über „Aloha“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Die John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted Man“ mit Philip Seymour Hoffman

Februar 27, 2015

Zwischen den beiden abschließenden „Die Tribute von Panem“-Spektakelfilmen kann man, in aller Ruhe, noch einmal oder – was wahrscheinlich für die meisten gilt – erstmals einen Blick auf die heute als DVD und Blu-ray und als VoD erschienene John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ werfen. Über Philip Seymour Hoffmans letzten wirklich wichtigen Film schrieb ich zum Kinostart:

Auch wenn es noch zwei „Die Tribute von Panem“-Filme mit Philip Seymour Hoffman gibt, ist Anton Corbijns John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ der letzte richtige Film des am 2. Februar 2014 verstorbenen Charakterschauspielers. Denn in dem Film spielt er, der oft prägnante Nebenrollen hatte und großartige Bösewichter spielte, die Hauptrolle: den deutschen Geheimagenten Günther Bachmann, der in Hamburg eine kleine Agenteneinheit leitet. Im Film wird die Einheit nicht genauer spezifiziert. Im Roman ist es, bitte nicht Lachen, die Spezialeinheit Hintergrund des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz. Bachmann will nicht den kurzfristigen Erfolg, sondern die Hintermänner des islamistischen Terrors finden. Als Issa Karpov auftaucht, wittert er seine große Chance.
Karpov, ein über den Hafen illegal eingereister Flüchtling mit deutlichen Spuren von Folter an seinem Körper, will an das Geld von seinem Vater, einem Russen, der nach dem Ende der Sowjetunion Geschäfte mit der russischen Mafia machte und vermögend wurde. Das Geld ist bei einer auf Diskretion bedachten Privatbank.
Bachmann glaubt, dass der Halbtschetschene Karpov mit dem Geld den internationalen Terrorismus fördern will.
Auch andere Geheim- und Sicherheitsdienste und die Amerikaner glauben das. Aber die Ansichten, wie man Karpov behandeln soll, gehen auseinander und schnell erleben wir ein Karussell von Geheimdienstintrigen, in die auch eine junge, idealistische Anwältin und ein älterer Bankierssohn, verwickelt werden, während Karpov immer nur die Projektionsfläche der verschiedenen Dienste bleibt. Denn es gibt absolut keinen handfesten Beweis für die Vermutungen der Agenten.
Das alles ist bester le-Carré, der von „Lantana“-Drehbuchautor Andrew Bovell sparsam von 2008 (Prä-NSA, Prä-NSU) in die Gegenwart (Post-NSA, Post-NSU) übertragen wurde. Wahrscheinlich deshalb wirkt die Geschichte, die politischen Hintergründe und die verwandte Technik etwas anachronistisch. Die Schauspieler sind gut. Neben US-Stars wie Hoffman (dem unumstrittenem Zentrum des Films), Rachel McAdams, Willem Dafoe und Robin Wright, spielen auch deutsche Stars, wie Nina Hoss, Daniel Brühl (der zwar viel Screentime, aber nur ungefähr einen Dialogsatz hat), Rainer Bock und Martin Wuttke, mit. Die Bilder (Kamera: Benoit Delhomme) sind, wie bei Corbijn gewohnt, prächtig. Corbijn war vorher ein bekannter Fotograf und so ist auch jedes Bild von „A most wanted man“ geeignet, als Einzelbild gedruckt zu werden. Es gibt auch einen Bildband zum Film.
Aber diese Bilder von Hamburg erinnern in ihrer Stilisierung immer an das Berlin der achtziger Jahre; jedenfalls wie wir es heute von SW-Fotos kennen. Es sieht nie – obwohl ich schon länger nicht mehr in Hamburg war – wie das heutige Hamburg aus.
Außerdem irritiert in der Originalfassung, dass alle Englisch sprechen. Denn es wird eine deutsche Geschichte erzählt wird, die in Deutschland spielt mit deutschen Charakteren, die in der Realität natürlich in ihrer Landessprache sprechen würden. Bis auf die von Robin Wright gespielte CIA-Mitarbeiterin sind die Hauptcharaktere Deutsche, die in den wichtigen Rollen von US-Amerikanern gespielt werden, und alle reden immer Englisch. Deutsch wird höchstens bei der Getränkebestellung gesprochen. Das fühlt sich dann, jedenfalls für uns Deutsche, schon sehr seltsam an.
Corbijn will, wie schon in seinem vorherigen Film „The American“ (mit George Clooney), nicht thrillen. Er inszeniert deshalb diese Episode aus dem Kampf der Geheimdienste, die wie der Roman abrupt endet, in einem getragenen Tempo, in dem jeder Schauspieler seinen langsam gesprochenen Sätzen hinterherlauscht und es meist eine Kunstpause vor dem nächsten Satz gibt. Das ist als Schauspielerkino nicht ohne Reiz, aber es ist auch teilweise genauso spannend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen.
„A most wanted man“ ist ein Agententhriller der im Ränkespiel der Dienste konsequent jeden Thrill vermeidet und so nicht so gut ist, wie er hätte sein können.

Beim zweiten Ansehen, dieses Mal in der deutschen Fassung, gefiel mir der Film besser. Denn der in der Originalfassung für uns vorhandene und immer irritierende Verfremdungseffekt ist nicht mehr vorhanden. Es ist immer noch eine kleine Episode aus dem unglamourösen Agentenleben, die in erster Linie ein intellektuelles Vergnügen ist, bei der wir beobachten, wie die Dienste, unter ständiger Berücksichtigung ihrer Eigeninteressen, zusammenarbeiten und im entscheidenden Moment eiskalt ihre Chance nutzen. Da ist der Einzelne, wie man es auch aus den anderen Romanen von John le Carré kennt, nur ein von anderen benutzter Spielball.
Außerdem können unsere deutschen Schauspieler, befreit von den Fesseln schlechter deutscher Drehbücher, endlich einmal ihr Können zeigen.
Das Bonusmaterial, ein fünfzehnminütiges „Making-of“ und das neunminütiges Featurette „Spy Master – John le Carré in Hamburg“ bieten interessante Einblicke in die Hintergründe des Films. Immerhin kommen Anton Corbijn und John le Carré zu Wort.
Corbijn nächster Film „Life“ über einen Fotografen des Life Magazine, der 1955 eine Fotostrecke über den aufstrebenden Schauspieler James Dean machen soll, lief bereits auf der Berlinale. In Deutschland soll der Film am 1. Oktober anlaufen.

A most wanted man - DVD-Cover
A most wanted man (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014)
Regie: Anton Corbijn
Drehbuch: Andrew Bovell
LV: John le Carré: A most wanted man, 2008 (Marionetten)
mit Philip Seymour Hoffman, Rachel McAdams, Grigoriy Dobrygin, Willem Dafoe, Robin Wright, Homayoun Ershadi, Nina Hoss, Franz Hartwig, Daniel Brühl, Kostja Ullmann, Vicky Krieps, Rainer Bock, Herbert Grönemeyer, Charlotte Schwab, Martin Wuttke

DVD
Senator
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Making-of; Featurette: Spy Master – John le Carré in Hamburg
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (Hauptfilm ab 6 Jahren)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „A most wanted man“
Moviepilot über „A most wanted man“
Metacritic über „A most wanted man“
Rotten Tomatoes über „A most wanted man“
Wikipedia über „A most wanted man“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014)

John le Carré in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Philip Seymour Hoffman ist kein „A most wanted man“

September 11, 2014

Auch wenn es noch zwei „Die Tribute von Panem“-Filme mit Philip Seymour Hoffman gibt, ist Anton Corbijns John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ der letzte richtige Film des am 2. Februar 2014 verstorbenen Charakterschauspielers. Denn in dem Film spielt er, der oft prägnante Nebenrollen hatte und großartige Bösewichter spielte, die Hauptrolle: den deutschen Geheimagenten Günther Bachmann, der in Hamburg eine kleine Agenteneinheit leitet. Im Film wird die Einheit nicht genauer spezifiziert. Im Roman ist es, bitte nicht Lachen, die Spezialeinheit Hintergrund des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz. Bachmann will nicht den kurzfristigen Erfolg, sondern die Hintermänner des islamistischen Terrors finden. Als Issa Karpov auftaucht, wittert er seine große Chance.
Karpov, ein über den Hafen illegal eingereister Flüchtling mit deutlichen Spuren von Folter an seinem Körper, will an das Geld von seinem Vater, einem Russen, der nach dem Ende der Sowjetunion Geschäfte mit der russischen Mafia machte und vermögend wurde. Das Geld ist bei einer auf Diskretion bedachten Privatbank.
Bachmann glaubt, dass der Halbtschetschene Karpov mit dem Geld den internationalen Terrorismus fördern will.
Auch andere Geheim- und Sicherheitsdienste und die Amerikaner glauben das. Aber die Ansichten, wie man Karpov behandeln soll, gehen auseinander und schnell erleben wir ein Karussell von Geheimdienstintrigen, in die auch eine junge, idealistische Anwältin und ein älterer Bankierssohn, verwickelt werden, während Karpov immer nur die Projektionsfläche der verschiedenen Dienste bleibt. Denn es gibt absolut keinen handfesten Beweis für die Vermutungen der Agenten.
Das alles ist bester le-Carré, der von „Lantana“-Drehbuchautor Andrew Bovell sparsam von 2008 (Prä-NSA, Prä-NSU) in die Gegenwart (Post-NSA, Post-NSU) übertragen wurde. Wahrscheinlich deshalb wirkt die Geschichte, die politischen Hintergründe und die verwandte Technik etwas anachronistisch. Die Schauspieler sind gut. Neben US-Stars wie Hoffman (dem unumstrittenem Zentrum des Films), Rachel McAdams, Willem Dafoe und Robin Wright, spielen auch deutsche Stars, wie Nina Hoss, Daniel Brühl (der zwar viel Screentime, aber nur ungefähr einen Dialogsatz hat), Rainer Bock und Martin Wuttke, mit. Die Bilder (Kamera: Benoit Delhomme) sind, wie bei Corbijn gewohnt, prächtig. Corbijn war vorher ein bekannter Fotograf und so ist auch jedes Bild von „A most wanted man“ geeignet, als Einzelbild gedruckt zu werden. Es gibt auch einen Bildband zum Film.
Aber diese Bilder von Hamburg erinnern in ihrer Stilisierung immer an das Berlin der achtziger Jahre; jedenfalls wie wir es heute von SW-Fotos kennen. Es sieht nie – obwohl ich schon länger nicht mehr in Hamburg war – wie das heutige Hamburg aus.
Außerdem irritiert in der Originalfassung, dass alle Englisch sprechen. Denn es wird eine deutsche Geschichte erzählt wird, die in Deutschland spielt mit deutschen Charakteren, die in der Realität natürlich in ihrer Landessprache sprechen würden. Bis auf die von Robin Wright gespielte CIA-Mitarbeiterin sind die Hauptcharaktere Deutsche, die in den wichtigen Rollen von US-Amerikanern gespielt werden, und alle reden immer Englisch. Deutsch wird höchstens bei der Getränkebestellung gesprochen. Das fühlt sich dann, jedenfalls für uns Deutsche, schon sehr seltsam an.
Corbijn will, wie schon in seinem vorherigen Film „The American“ (mit George Clooney), nicht thrillen. Er inszeniert deshalb diese Episode aus dem Kampf der Geheimdienste, die wie der Roman abrupt endet, in einem getragenen Tempo, in dem jeder Schauspieler seinen langsam gesprochenen Sätzen hinterherlauscht und es meist eine Kunstpause vor dem nächsten Satz gibt. Das ist als Schauspielerkino nicht ohne Reiz, aber es ist auch teilweise genauso spannend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen.
„A most wanted man“ ist ein Agententhriller der im Ränkespiel der Dienste konsequent jeden Thrill vermeidet und so nicht so gut ist, wie er hätte sein können.

A most wanted man - Plakat

A most wanted man (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014)
Regie: Anton Corbijn
Drehbuch: Andrew Bovell
LV: John le Carré: A most wanted man, 2008 (Marionetten)
mit Philip Seymour Hoffman, Rachel McAdams, Grigoriy Dobrygin, Willem Dafoe, Robin Wright, Homayoun Ershadi, Nina Hoss, Franz Hartwig, Daniel Brühl, Kostja Ullmann, Vicky Krieps, Rainer Bock, Herbert Grönemeyer, Charlotte Schwab, Martin Wuttke
Länge: 122 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „A most wanted man“
Moviepilot über „A most wanted man“
Metacritic über „A most wanted man“
Rotten Tomatoes über „A most wanted man“
Wikipedia über „A most wanted man“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés „Empfindliche Wahrheit“ (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

John le Carré in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. Juni: State of Play – Der Stand der Dinge

Juni 15, 2014

RTL, 20.15/23.25

State of Play – Der Stand der Dinge (USA/Großbritannien 2009, Regie: Kevin Macdonald)

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Tony Gilroy, Billy Ray (nach der gleichnamigen TV-Serie von Paul Abbott)

In Washington, D. C., verunglückt die sehr junge Mitarbeiterin eines Kongressabgeordneten tödlich in der U-Bahn. Zur gleichen Zeit wird ein Kleindealer von einem Killer erschossen. „Washington Globe“-Reporter Cal McAffrey beginnt zu recherchieren.

Auf de Insel war der spannende Sechsteiler „State of Play“ von „Cracker“-Autor Paul Abbott, der bei uns eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit als „Mord auf Seite 1“ auf Arte lief, ein Riesenerfolg. Natürlich interessierte Hollywood sich für ein Remake. Die guten Politthriller-Autoren Carnahan, Gilroy und Ray machten aus der Vorlage einen hochkarätig besetzten Paranoia-Thriller, der natürlich nie die Komplexität des Originals erreicht und eigentlich perfekte Unterhaltung wäre, wenn Russell Crowe nicht wie der Mann aus den Bergen aussehen würde. Aber anscheinend kann Hollywood sich heute einen investigativen Journalisten nur noch als verspätetes Hippie-Modell aus den Siebzigern vorstellen.

Da waren Robert Redford, Dustin Hoffman, Warren Beatty (okay, die hatten zeitgenössisch ziemlich lange Matten) und John Simm (der Original McAffrey) besser frisiert.

Die Kritiker (vulgo Journalisten) waren von der okayen Kinoversion der BBC-Miniserie begeistert.

mit Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wrigth Penn, Jason Bateman, Jeff Daniels, Viola Davis

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „State of Play“

Rotten Tomatoes über „State of Play“

Tony Macklin vergleicht Original und Kopie (und hält das Original für etwas besser)

Kriminalakte über die TV-Serie „Mord auf Seite 1″ (State of Play)


Neu im Kino/Filmkritik: In „Alles eine Frage der Zeit“ ist nichts eine Frage der Zeit

Oktober 17, 2013

An seinem 21. Geburtstag verrät sein Vater Tim Lake (Domhnall Gleeson) ein Geheimnis: In ihrer Familie können die Männer mit einigen Einschränkungen durch die Zeit reisen.

Während seine Ahnen diese Fähigkeit dazu benutzen, Geld anzuhäufen oder die Werke von Charles Dickens zweimal zu lesen, sucht Tim vor allem die Liebe seines Lebens – und, dank der Zeitreise, kann er sich ihr als der perfekte Liebhaber präsentieren. Vielleicht nicht beim ersten Mal. Aber beim zweiten oder dritten Mal.

Bei Richard Curtis, der das Buch schrieb und Regie führte, entstehen aus dieser Fähigkeit allerdings keine Konflikte oder moralische Dilemmas oder nicht bedachte Folgen. In Curtis‘ Film ist sie nur eine Möglichkeit, das eigene Leben zu verbessern, ohne dass sich in der Welt irgendetwas weltbewegendes ändert. Wenn Tim etwas nicht gelingt, dann versucht er es – wie in einem Labor – einfach noch einmal.

Ziemlich schnell wird deshalb die Zeitreisefähigkeit zu einem Gimmick für einen billigen Lacher, wenn er bei einem Gespräch mit seiner Sommerliebe immer in ein anderes Fettnäpfchen tappt oder er die erste Nacht mit seiner großen Liebe Mary (Rachel McAdams) so lange optimiert, bis er der größte Liebhaber aller Zeiten ist, sie mit ihrem Traummann zusammenbleiben will und sie gemeinsam eine Familie mit vielen Kindern gründen. Denn in „Alles eine Frage der Zeit“ geht es nur um die Verklärung des kleinen häuslichen Glücks mit Frau und Kind. Halt dem konservativen Idealbild einer Familie. Dazu passt auch, dass Tim Anwalt ist und er so schüchtern ist, dass er niemals bei Rot eine Ampel überqueren würde. Die beiden, ihre Eltern und ihre Freunde sind sympathische Menschen, die das tun, was sie in einer RomCom immer tun: sich verlieben und glücklich sein.

Und auf der Ebene ist „Alles eine Frage der Zeit“ als gut besetzte, etwas lang geratene romantische Komödie auch okay. Man muss halt nur die Zeitreise-Idee links liegen lassen (vielleicht hat Tim ja einfach nur eine blühende Fantasie) und sich nicht über die vielen verschenkten Möglichkeiten aufregen. Denn warum gibt es keine Konflikte, wenn Tim durch die Zeit reist? Warum ändert sich die Wirklichkeit nicht in einem größeren Maßstab? Kurz: Warum haben seine Handlungen keine Auswirkungen auf das Weltgeschehen? In „Alles eine Frage der Zeit“ ist Zeitreise das Äquivalent zu einem Laborversuch: wir probieren es einmal und dann ändern wir halt einfach der Reihe nach verschiedene Bedingungen und probieren verschiedene Sachen aus. Nur ist ein Film kein Laborversuch.

Andere Autoren, die sich mit Zeitreisen und den daraus entstehenden Problemen beschäftigten, haben die verschiedenen Paradoxien und unbedachten Auswirkungen ja thematisiert und natürlich fragten sie, ob man, wenn man weiß, dass etwas schreckliches Geschehen wird, das nicht verhindern sollte. Das bekannteste Beispiel ist natürlich die Frage, ob man Adolf Hitler nicht umbringen würde, wenn man es könnte. Stephen Fry schrieb dazu den köstlichen Roman „Geschichte machen“ (Making History, 1996). In Stephen Kings „Der Anschlag“ (11/22/63, 2011) versucht ein Zeitreisender die Ermordung von John F. Kennedy zu verhindern. Um nur zwei literarische Beispiele zu nennen. Genrejunkies können die Liste ja beliebig erweitern.

Das fragt Tim sich nie. Auch Autor und Regisseur Curtis interessiert sich nicht dafür. Außerdem bricht Curtis immer wieder, vollkommen willkürlich die von ihm etablierten Zeitreise-Regeln. So reist Tim irgendwann mit seiner Schwester in der Zeit zurück.

Insofern – und da tue ich wahrscheinlich Richard Curtis, der, nach „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“ und „Tatsächlich…Liebe“, einfach nur eine nette romantische Komödie inszenieren wollte, wahrscheinlich Unrecht – ist „Alles eine Frage der Zeit“ ein unappetitlich, bieder-reaktionärer Film, der schamlos einen Rückzug ins Private propagiert.

Alles eine Frage der Zeit - Plakat

Alles eine Frage der Zeit (About Time, Großbritannien 2013)

Regie: Richard Curtis

Drehbuch: Richard Curtis

mit Domhnall Gleeson, Rachel McAdams, Bill Nighy, Lydia Wilson, Lindsay Duncan, Richard Cordery, Joshua McGuire, Tom Hollander, Margot Robbie, Will Merrick, Vanessa Kirby

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Alles eine Frage der Zeit“

Moviepilot über „Alles eine Frage der Zeit“

Metacritic über „Alles eine Frage der Zeit“

Rotten Tomatoes über „Alles eine Frage der Zeit“

Wikipedia über „Alles eine Frage der Zeit“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Terrence Malick geht „To the Wonder“

Mai 31, 2013

Schon in seinen ersten Filmen „Badlands“ und „Days of Heaven“ waren die Bilder aufregender als die von Terrence Malick erzählte Geschichte. In seinen späteren Filmen – wobei eine lange Schaffenspause ihm einen quasi gottgleichen Ruf verschaffte, den er durch seine Weigerung, sich über seine Filme und sich zu äußern, noch steigerte – vernachlässigte er die Geschichte, verstanden als eine irgendwie nacherzählbare, logisch aufeinanderfolgende Kette von Ereignissen, immer mehr. So war sein Kriegsfilm „The Thin Red Line“ vor allem eine Meditation über den Krieg. In „The New World“, seiner Version der Geschichte von Pocahontas, erzählte er zwar die Geschichte chronologisch, aber er ließ so vieles aus, dass es am Ende nur eine bildgewältige Meditation über zwei verschiedene Kulturen und die Natur war. „The Tree of Life“ erzählte irgendwie eine problematische Familiengeschichte, war aber eine Meditation über die Beziehungen von Kindern zu ihren Eltern und über das Leben. Alles irgendwie alles.

In seinem neuesten Film „To the Wonder“ geht es um die Liebe und, auch wenn der Verleih eine Geschichte herausdestillierte, ist der gesamte Film eine Verneinung einer auch nur halbwegs schlüssigen Geschichte. Es ist wieder eine Meditation, die anhand der Geschichte des US-Amerikaners Neil und der Französin Marina, die in Frankreich glückliche Tage verbringen, sie ihm in die USA folgt und ihre Liebe erlischt, einem zum Nachdenken über sein eigenes Verhältnis zur Liebe inspirieren soll. Und wer empfänglich dafür ist, wird sicher auch einiges für sich in diesem Bilderrausch und den kryptischen, eher monoton geflüsterten Gedanken von Neil, Marina und Pater Quintana entdecken.

Für alle anderen – wozu auch ich gehöre – ist „To the Wonder“ nur „The Tree of Life“, ohne Dinosaurier und mit einer kürzeren Laufzeit. Denn wieder dürfen die Frauen, verfolgt von der Kamera beschwingt über Wiesen und Äcker laufen. Olga Kurylenko kann das sehr gut. Die Männer dürfen eher vor sich hinbrüten. Ben Affleck und Javier Bardem gelingt dieses griesgrämig vor sich hin starren und durch das Bild laufen ebenfalls sehr gut. Aus dem Off gibt es bedeutungsschwangere Texte, wie: „Irgendwann wirst du lieben, ob du es willst oder nicht. Gefühle ziehen vorüber wie Wolken. Liebe ist nicht nur ein Gefühl. (…) Vielleicht wartet sie nur darauf in etwas Höheres verwandelt zu werden. Erwache in der göttlichen Gegenwart, die jedem Mann, jeder Frau innewohnt. Erkennt einander in dieser Liebe, die niemals endet.“. Das fühlt sich wie ein religiöses Erweckungsgebet für das Heartland und die einfachen Menschen an – und kann wahrscheinlich auch nur voll erfasst werden, wenn man sich bedingungslos auf diese geistigen Sphären einlässt.

To the Wonder“ ist nur noch öder, pathetischer Malick-Manierismus, der auf Trailerlänge gefällt, auf Spielfilmlänge als prätentiöser Quark langweilt.

Und die Bilder? Naja. Einige sind wirklich wie Gemälde, die meisten gehorchen, der Anbetung des Augenblicks, wenn die Schauspieler vor sich hin improvisieren dürfen (wird ja eh mit einem Voice-Over abgeschmeckt) und Olga, ihre Arme himmelwärts gereckt, über die Wiese läuft.

To the Wonder - Plakat

To the Wonder (To the Wonder, USA 2012)

Regie: Terrence Malick

Drehbuch: Terrence Malick

mit Ben Affleck, Olga Kurylenko, Rachel McAdams, Javier Bardem

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „To the Wonder“

Metacritic über „To the Wonder“

Rotten Tomatoes über „To the Wonder“

Wikipedia über „To the Wonder“

Genug Film, es gibt auch Bücher.

Zum Beispiel über Regisseure.

Kamalzadeh - Pekler - Terrence Malick - 4

Die beiden Filmjournalisten Dominik Kamalzadeh und Michael Pekler haben jetzt ein Buch über Terrence Malick geschrieben, das einfach nur „Terrence Malick“ heißt, alle Filme des Regisseurs vorstellt (sind ja nur sechs in vierzig Jahren) und sich ihnen in mehreren, etwas spröde geschriebenen, thematischen Essays nähert. Dabei haben sie das Problem, dass Malick keine Interviews gibt und auch seine Mitarbeiter und die Schauspieler eher wenig über die Intention des Regisseurs verraten können. So sind die beiden Autoren bei ihren Interpretationen doch etwas auf sich selbst zurückgeworfen.

Aber das ändert nichts daran, dass dieses erstedeutschsprachige, reichhaltig bebilderte und sehr informative Buch über Malick eine sehr lohnenswerte Lektüre ist und etliche Einblicke in Malicks Werk, Stil und Themen gewährt.

Dominik Kamalzadeh/Michael Pekler: Terrence Malick

Schüren, 2013

208 Seiten

19,90 Euro

Die Filme von Terrence Malick

Badlands, USA 1973 (Badlands – Zerschossene Träume), mit Martin Sheen, Sissy Spacek, Warren Oates

Days of Heaven, USA 1978 (In der Glut des Südens), mit Richard Gere, Brooke Adams, Sam Shepard

The Thin Red Line, USA 1998 (Der schmale Grad), mit Sean Penn, Adrien Brody, Jim Caviezel, Ben Chaplin, George Clooney, John Cusack, Woody Harrelson, Elias Koteas, Jared Leto, Nick Nolte, John Savage, John Travolta

The New World, USA 2005, mit Colin Farrell, Q’orianka Kilcher, Christopher Plummer, Christian Bale, Wes Studi, David Thewlis

The Tree of Life, USA 2011, mit Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain,

To the Wonder, USA 2012, mit Ben Affleck, Olga Kurylenko, Rachel McAdams, Javier Bardem

Noch mehr Hinweise

AllMovie über Terrence Malick

Rotten Tomatoes über Terrence Malick

Wikipedia über Terrence Malick (deutsch, englisch)