Neu im Kino/Filmkritik: „Shotgun Wedding – Ein knallhartes Team“ gegen einige Piraten

Januar 20, 2023

Ursprünglich war mit einer Shotgun Wedding eine wegen einer ungeplanten Schwangerschaft notwendige Hochzeit gemeint. Der Vater der Braut zwang, so der Volksmund, den Bräutigam mit einer Schrotflinte zum Traualtar. Jedenfalls in den USA.

Mit dieser Bedeutung hat „Shotgun Wedding – Ein knallhartes Team“ nichts zu tun. Darcy und Tom, ein gegensätzliches Paar, bei dem immer unklar bleibt, warum sie sich ineinander verliebten, wollen auf den Philippinen heiraten. Dafür haben sie eine auf einer Insel liegende noble Ferienanlage gemietet.

Vor der Hochzeit gibt es die üblichen kleineren Probleme zwischen den gegensätzlichen Familien von Braut und Bräutigam. Am Hochzeitstag eskalieren die Probleme, weil Piraten die ganze Hochzeitsgesellschaft als Geisel nehmen und vom Vater der Braut gerne einige Millionen US-Dollar Lösegeld hätten.

Nur Darcy (Jennifer Lopez), eine Anwältin, und ihr künftiger Gatte Tom (Josh Duhamel), seit einigen Tagen ein Ex-Baseballspieler, sind im Moment der Geiselnahme anderweitig beschäftigt. Als sie von der Geiselnahme erfahren, beginnen sie sofort ihren Kampf gegen die Bösewichter. Garniert mit einigen witzig gemeinten Wortgefechten und einer erstaunlichen Mißachtung vor der körperlichen Unversehrtheit und dem Leben der Geiselnehmer. Diese werden, ohne mit der Wimper zu zucken, mit Schrotflinten, Handgranaten und anderen Waffen getötet.

Aufgrund unterschiedlicher Auswertungsrechte läuft Jennifer Lopez‘ neueste Komödie bei uns im Kino. In den USA wird Jason Moores Action-RomCom in einigen Tagen ohne eine Kinoauswertung gleich auf Amazon Prime Video veröffentlicht. Und dort, also auf einen kleinen Bildschirm, gehört der vollkommen belanglose Film auch hin. Weder die Action, noch die Witze oder die Wortgefechte überzeugen.

Besser man sieht sich noch einmal „The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ (The Lost City, USA 2022) an. Da stimmen die Chemie zwischen den Hauptdarstellern Sandra Bullock und Channing Tatum, der Humor und die Action. Außerdem ist Brad Pitt dabei.

Shotgun Wedding – Ein knallhartes Team (Shotgun Wedding, USA 2023)

Regie: Jason Moore

Drehbuch: Mark Hammer, Elizabeth Meriwether

mit Jennifer Lopez, Josh Duhamel, Lenny Kravitz, Jennifer Coolidge, Cheech Marin, Sonia Braga

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Shotgun Wedding“

Metacritic über „Shotgun Wedding“

Rotten Tomatoes über „Shotgun Wedding“

Wikipedia über „Shotgun Wedding“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jason Moores „Sisters“ (Sisters, USA 2015)


DVD-Kritik: „Jesus rolls – Niemand verarscht Jesus“, aber der Dude ist ganz weit weg

April 5, 2021

Jesus Quintana kennen wir als den durchgeknallten Bowler aus „The Big Lebowski“. Jetzt hat er, ungefähr zwanzig Jahre nach seinem ersten und bislang einzigem Auftritt, seinen eigenen Film bekommen. John Turturro, der die Rolle schon seit Ewigkeiten wieder spielen wollte und ungefähr so lange diesen Film (nicht unbedingt mit dieser Story) plante, spielt ihn wieder. Er schrieb auch das Drehbuch und übernahm die Regie.

Diese Dreierbelastung kann jetzt die Vorlage für einen äußerst gelungenen Film – siehe fast das gesamte Werk von Woody Allen – oder ein Desaster sein. In diesem Fall ist es letzteres. Das mag auch daran liegen, dass Jesus ein echter Großkotz ist und er hier ein Umfeld bekommt, um noch großkotziger zu werden. Denn wer soll ihn kontrollieren? Der Regisseur, der ein Drehbuch möglichst wortgetreu verfilmen will? Wohl kaum.

Die Komödie beginnt mit der Entlassung von Jesus Quintana aus dem Gefängnis. Der Direktor (Christopher Walken) gibt ihm einige gute Ratschläge mit auf seinen künftigen Weg.

Vor dem Gefängnis wird er von von seinem Kumpel Petey (Bobby Cannavale) erwartet und sie beginnen ungefähr da, wo sie vor Jesus‘ Knastaufenthalt aufhörten. Sie klauen jedes Auto, das sie sehen, baggern jede Frau an, die sie treffen und zeigen durchgehend einen erschreckenden Mangel an Respekt vor Recht und Gesetz und den Regeln des guten Antstands.

Das alles erzählt Turtorro als eine episodischen Reigen mit vielen kurzen Auftritten bekannter Schauspieler. Dabei sind Audrey Tautou, die zu ihrer Begleiterin wird und damit die dritte Hauptrolle hat, Jon Hamm, Susan Sarandon, Pete Davidson, Sonia Braga, J. B. Smoove, Tim Blake Nelson und Gloria Reuben.

Schnell drängt sich der Verdacht auf, dass sie beim Dreh viel Spaß hatten. Der überträgt sich allerdings nicht auf den heimischen Bildschirm. Keine Pointe zündet. Keine Entwicklung ist sichtbar, während sich eine austauschbare Episode an die nächste reiht.

Dabei sind die Dialoge recht freizügig und die Schauspieler noch freizügiger. Für einen US-Film ist eine erstaunliche Menge nackter Haut zu sehen. Das und die offenherzige Libertinage des Trios Turturro/Cannavale/Tautou erinnert an europäische Filme. Vor allem aus den siebziger Jahren, als in Betten und der freien Natur im Zuge der sexuellen Befreiung (und Provokation des konservativen Bürgertums) viel nackte Haut gezeigt wurde.

Und wirklich: die Vorlage für „Jesus rolls“ ist Bertrand Bliers Hit „Die Ausgebufften“ (Les Valseuses, Frankreich 1974) mit Gérard Depardieu, Patrick Dewaere und Miou-Miou als freizügiges Trio. Ein Klassiker des französischen Kinos und ein Film, der mir vor Jahren gut gefallen hat.

Den sollte ich mir jetzt mal wieder ansehen.

Von „Jesus rolls“ kann das nicht gesagt werden. Nach knapp achtzig Minuten (ohne Abspann) bleibt die Erkenntnis, dass Jesus weiterhin besser eine Comicfigur auf der Bowlingbahn in „The Big Lebowski“ geblieben wäre. Mehr wollten wir eigentlich nie über ihn wissen. Die Coen-Brüder wussten das. Ihre Mitwirkung an „Jesus rolls“ beschränkte sich darauf, Turturro die Benutzung der von ihnen erfundenen Figur zu erlauben.

Jesus rolls – Niemand verarscht Jesus (The Jesus Rolls, USA 2019)

Regie: John Turturro

Drehbuch: John Turturro (nach dem Film „Les Valseuses“ von Bertrand Blier)

mit John Turturro, Bobby Cannavale, Audrey Tautou, Pete Davidson, Jon Hamm, Susan Sarandon, Sonia Braga, Christopher Walken, J. B. Smoove, Tim Blake Nelson, Gloria Reuben, Michael Badalucco, Nicolas Reyes, Tonino Baliardo

DVD (erscheint am 8. April)

EuroVideo

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 82 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Blu-ray identisch. Digital ab 25. März verfügbar.

Hinweise

Moviepilot über „Jesus rolls“

Metacritic über „Jesus rolls“

Rotten Tomatoes über „Jesus rolls“

Wikipedia über „Jesus rolls

Meine Besprechung von John Turturros „Plötzlich Gigolo“ (Fading Gigolo, USA 2013)


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