Neu im Kino/Filmkritik: Über Stefan Ruzowitzkys sehenswerten Serienkiller-Noir „Hinterland“

Oktober 11, 2021

Zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kehren Peter Perg (Murathan Muslu) und seine Männer aus dem Krieg zurück in ein Wien, das sie nicht wieder erkennen. Als sie in den Krieg zogen war Österreich ein Kaiserreich. Jetzt gehört Österreich zu den Verlierern, einen Kaiser gibt es nicht mehr, es ist kleiner und eine Republik. Sie kämpften auf der falschen Seite für die falsche Sache. Niemand erwartet diese Verlierer.

In Wien kehrt Perg in seine alte Wohnung zurück. Seine Frau ist mit ihrem Kind zu ihrer Schwester aufs Land gezogen. Noch ehe Perg sich wirklich Gedanken über sein weiteres Leben machen kann, wird der frühere Kriminalinspektor in einen Mordfall verwickelt. Ein Serienkiller ermordet einen Oberleutnant aus Pergs Truppe, verstümmelt ihn und stellt die Leiche aus.

Zusammen mit der Gerichtsmedizinerin Theresa Körner (Liv Lisa Fries), die er von früher kennt, und dem jungen Kommissar Paul Severin (Max von der Groeben) beginnt er den Serienmörder zu suchen.

Gut, die Geschichte von Stefan Ruzowitzkys neuem Film „Hinterland“ ist ein 08/15-Serienkillerthriller, in dem der Mörder munter seine Taten begeht, die Opfer anschließend fotogen ausstellt, der Ermittler tapfer aufklärt und dem Mörder am Schluss die Maske vom Gesicht reißt. Dabei ist seine Identität sekundär. Schließlich ist „Hinterland“ kein klassischer Rätselkrimi, bei dem der Ermittler in einer Schar hochgradig verdächtiger Menschen den Täter finden muss.

Diese Mordermittlung bildet das Rückgrat für die atemberaubende Gestaltung des Films. Denn Ruzowitzky drehte seinen neuen Film fast ausschließlich im Studio vor Blue Screens. D. h. letztendlich, dass die Schauspieler wie in einem Theater vor einem nackten Hintergrund spielten, Benedict Neuenfels das aufnahm und Ruzowitzky, zusammen mit Oleg Prodeus und Ronald Grauer als Digital Designer, später diese einfügte. Dabei ging es ihnen nie um Realismus, sondern um, so Ruzowitzky, „eine digitale Version des Stummfilmklassikers ‚Das Kabinett des Dr. Caligari’“. Diesen expressionistischen Stil hält er vom ersten bis zum letzten Bild durch. Es handelt sich um ein künstliches Wien, das in jedem Bild seine Künstlichkeit betont und zeigt, wie derangiert und auch verrückt Perg, die anderen Kriegsheimkehrer und ganz Österreich sich fühlen.

Es sind Bilder, die auf die große Leinwand gehören – und auch in einem Comic gut aufgehoben wären.

Hinterland (Österreich/Luxemburg/Belgien/Deutschland 2021)

Regie: Stefan Ruzowitzky

Drehbuch: Robert Buchschwenter, Hanno Pinter, Stefan Ruzowitzky

mit Murathan Muslu, Liv Lisa Fries, Maximilian von der Groeben, Marc Limpach, Matthias Schweighöfer, Stipe Erceg

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Hinterland“

Moviepilot über „Hinterland“

Rotten Tomatoes über „Hinterland“

Wikipedia über „Hinterland“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade“ (Deadfall, USA/Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Das radikal Böse“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Die Hölle – Inferno“ (Österreich/Deutschland 2016)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Narziss und Goldmund“ (Deutschland 2020)

„Hinterland“-Pressekonferenz beim Locarno Film Festival (Schweigen wir über die Kamera. Der Ton ist wichtiger)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Stefan Ruzowitzkys Herman-Hesse-Verfilmung „Narziss und Goldmund“

März 12, 2020

Laut der IMDB ist „Narziss und Goldmund“ die, wenn man die TV-Filme mitzählt, achte Hermann-Hesse-Verfilmung. Das ist angesichts der immer noch vorhandenen Popularität des 1962 verstorbenen Literaturnobelpreisträgers erstaunlich. Auch weil viele während ihrer Jugend (so mit 14 Jahren beim Interrail-Fahren durch Europa) eine Hesse-Phase hatten. Die zweite Hesse-Phase soll dann im hohen Alter kommen. Da sollte es in den vergangenen Jahrzehnten doch einige Regisseure gegeben haben, die sich seiner Romane annehmen und daraus einen Film machen. Die bisherigen Verfilmungen, unter anderem „Der Steppenwolf“ mit Max von Sydow, sind weitgehend und aus verschiedenen Gründen obskur. Das kann von Stefan Ruzowitzkys Verfilmung von „Narziss und Goldmund“ nicht behauptet werden. Mit einem ordentlichem Budget, mittelalterlichen Schauwerten und bekannten Schauspielern (Jannis Niewöhner, André M. Hennicke, Emilia Schüle, Uwe Ochsenknecht, Kida Khodr Ramadan, Jessica Schwarz, Sunnyi Melles, Matthias Habich und Sabin Tambrea) bearbeitete er Hesses Geschichte für die große Leinwand und für ein Mainstream-Publikum. Und er nahm sich einige Freiheiten.

Im Mittelpunkt der irgendwann im Mittelalter spielenden Geschichte stehen Narziss und Goldmund, die sich zum ersten Mal als Knaben im Kloster Mariabronn treffen. Narziss ist ein sehr begabter Novize, der auch seinen Lehrern widerspricht. Er ist ein Intellektueller, ein Geistesmensch, der mit einem enthaltsamen, von der Welt abgewandtem Leben im Kloster glücklich wird.

Goldmund ist das Gegenteil. Der Zehnjährige wird von seinem Vater ins Kloster gebracht, damit er etwas lernt. Narziss wird vom Abt zu Goldmunds Lehrer ernannt. Der Abt hofft, dass so auch Narziss etwas für sein weiteres Leben lernt.

Nach einer kurzen Zeit, in der die beiden Jungen sich näher kommen (und, ja, im Buch und Film wird einem eine homosexuelle Liebesgeschichte nahe gelegt), verlässt Goldmund das Kloster. Er will die Welt erkunden, Abenteuer erleben und Sex haben. Seine Schule sind nicht Bücher und das Nachdenken in einer stillen Kammer, sondern das eigene Erleben und, später, das Schaffen von Kunstwerken, die aus seinem eigenen Erleben ihre Kraft ziehen.

Während Hesse die Geschichte von Narziss und Goldmund chronologisch erzählt und immer bei Goldmund bleibt, wählt Ruzowitzky eine wesentlich komplizierte Struktur. Bei ihm kommt Goldmund, wie im Roman, fünfzehn Jahre nach seinem Abschied aus dem Kloster zurück. In dem Moment sind ungefähr 25 Filmminuten vergangen. Im Kloster erhält Goldmund von Narziss, der inzwischen zum Abt wurde, den Auftrag, einen Altar zu schnitzen. Während der Arbeit am Altar erzählt Goldmund Narziss, was er in den vergangenen Jahren erlebte. Gleichzeitig regt sich im Kloster Widerstand gegen Goldmunds viel zu offensichtlich von seinen weltlichen Erlebnissen und der Suche nach seiner Mutter inspirierte Arbeit.

Außerdem verlegte Ruzowitzkys Hesses zeitlich nicht genau verorteten Roman in ein Fantasy-Mittelalter, das zeitlich überhaupt nicht mehr zu verorten ist. Es wurde einfach genommen, was gefällt. Auch wenn es aus verschiedenen Jahrhunderten stammt. Ruzowitzkys Hesse-Mittelalter ist sauber. Die Schauspieler haben blendend weiße Zähne, einen akkuraten Haarschnitt und trendige Klamotten. Die Männer dürfen sehr oft ihren nackten Körper präsentieren. Vor allem „Goldmund“ Jannis Niewöhner zeigt mehrmals einen preiswürdigen Waschbrettbauch, der eindeutig aus dem Fitness-Studio um die Ecke stammt. Die Frauen bleiben dagegen züchtig verhüllt.

Die Filmgeschichte wird durch die von Ruzowitzky gewählte Struktur in den Rückblenden schnell redundant. Wie Casanova stolpert Goldmund von dem einen unglücklich endendem Liebesabenteuer zum nächsten, das ebenso unglücklich endet, weil Goldmund sich wieder in die falsche Frau verliebt hat. Außerdem hat er überhaupt kein Interesse an einer längerfristigen Bindung. Deshalb kann er sich umstandslos in die nächste Affäre stürzen.

Zur gleichen Zeit bleibt der von Ruzowitzky erfundene Konflikt um den Altar, den Goldmund für das Kloster anfertigt, an der Oberfläche und über Narziss‘ Aufstieg im Kloster erfahren wir im Film nicht mehr als im Buch. Da verschwindet er allerdings die meiste Zeit aus der Geschichte.

Ruzowitzkys „Narziss und Goldmund“ ist eine gut gemeinte Literaturverfilmung, die immerhin gut genug für den Schulunterricht ist.

P. S.: Fun Fact: Sunnyi Melles, die hier eine Gräfin spielt, hatte ihr Filmdebüt 1974 als Judith Melles in der schon erwähnten Verfilmung von „Der Steppenwolf“.

Narziss und Goldmund (Deutschland 2020)

Regie Stefan Ruzowitzky

Drehbuch: Stefan Ruzowitzky, Robert Gold (Ko-Autor)

LV: Hermann Hesse: Narziss und Goldmund, 1930

mit Jannis Niewöhner, Sabin Tambrea, André M. Hennicke, Henriette Confurius, Emilia Schüle, Uwe Ochsenknecht, Kida Khodr Ramadan, Jessica Schwarz, Sunnyi Melles, Roxane Duran, Matthias Habich

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

(pünktlich zum Filmstart mit einem neuen Cover)

Hermann Hesse: Narziss und Goldmund

Suhrkamp, 2020 (Filmausgabe)

320 Seiten

10 Euro

Erstausgabe

S. Fischer Verlag, 1930

 

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Narziss und Goldmund“

Moviepilot über „Narziss und Goldmund“

Wikipedia über „Narziss und Goldmund“ und Hermann Hesse

Suhrkamp-Sonderseite über Hermann Hesse

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade“ (Deadfall, USA/Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Das radikal Böse“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Die Hölle – Inferno“ (Österreich/Deutschland 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Wien ist „Die Hölle – Inferno“ wird kommen

Januar 21, 2017

Taxifahrerin Özge Dogruol (Violetta Schurawlow) beobachtet im gegenüberliegenden Haus des Hinterhofes einen bestialischen Mord an einer Prostituierten. Der Mörder hat sie gesehen und wir, als langjährige Krimifans wissen, dass sie ab jetzt in Lebensgefahr schwebt. Der ermittelnde Kommissar Christian Steiner (Tobias Moretti), ein Kieberer wie er im Buch steht, zeigt einen gegen Null tendierenden Arbeitseifer. Viel lieber beleidigt der Chauvi sie mit rassistischen und frauenfeindlichen Sprüchen.

Özge ist auf sich allein gestellt, was eigentlich kein großes Problem ist. Denn die Taxifahrerin kann sich als Thai-Boxerin gut selbst verteidigen. Sie wird uns in den ersten Minuten als die Ösi-Schwester von Chuck Norris präsentiert.

Aber anstatt jetzt den Thrillerplot unerbittlich voranzutreiben, kredenzen Stefan Ruzowitzky und Drehbuchautor Martin Ambrosch („Das finstere Tal“, die TV-Spielfilmserie „Spuren des Bösen“) in „Die Hölle – Inferno“ erst einmal eine mehr als halbgare Sozial-, Milieu- und Familienstudie von Özge, in der alles enthalten ist, was zu einem sozialkritischen Film mit den Themen der Zeit gehört: Ausländerhass, Alltagsrassismus, Kleinkriminalität, Kindesmissbrauch und, später, religiöser Fanatismus. Wir erfahren dann mehr über ihr Leben, als wir jemals wissen wollten. Auch weil es den Plot nicht voranbringt und in einer oberflächlichen Mischung aus „TV-Film der Woche“ und Halbstarken-Milieustudie, immer mit viel Wiener Schmäh und Prolligkeiten, gezeigt wird.

Die Jagd nach dem Mörder, der selbstverständlich ein weltweit mordender Serienmörder mit religiöser Klatsche ist, entwickelt sich dagegen zäh und unglaubwürdig, bis hin zum Einzug von Özge samt der Tochter ihrer von dem Serienmörder ermordeten Schwester (er hielt sie für Özge) bei Kommissar Steiner, der liebevoll seinen dementen Vater (Friedrich von Thun) pflegt. Denn unter der ultraharten Schale des Kommissars ist ein sehr weicher Kern.

Dazwischen gibt es einige Actionszenen, die im Rahmen der Geschichte, nicht besonders glaubwürdig sind. So zieht sich der erste Kampf im Taxi zwischen Özge und dem Mörder ewig hin und die Thai-Boxerin leidet unter einer akuten Schlag- und Selbstverteidigungshemmung. Dabei hat sie vorher beim Probetraining einen nervigen Gegner krankenhausreif geprügelt.

Das Finale bietet zwar an mehreren Orten reichlich Action. Aber es gehorcht einer absurden, zunehmend lächerlichen Stop-and-go-Logik, die nur damit begründet werden kann, dass „Die Hölle – Inferno“ neunzig Minuten dauern muss.

die-hoelle-inferno-plakat

Die Hölle – Inferno (Österreich/Deutschland 2016)

Regie: Stefan Ruzowitzky

Drehbuch: Martin Ambrosch

mit Violetta Schurawlow, Tobias Moretti, Sammy Sheik, Friedrich von Thun, Robert Palfrader, Stefan Pohl, Verena Altenberger, Elif Nisa Uyar, Nursel Köse

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Hölle – Inferno“

Moviepilot über „Die Hölle – Inferno“

Wikipedia über „Die Hölle – Inferno“

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade“ (Deadfall, USA/Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Das radikal Böse“ (Deutschland 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Herr Ruzowitzky und „Das radikal Böse“

Januar 16, 2014

 

Wie werden aus ganz normalen jungen Männern Massenmörder? Diese Frage will Stefan Ruzowitzky in seinem neuen Film „Das radikal Böse“ beantworten und selbstverständlich spielt der Titel auf Hannah Arendts Überlegungen zum radikal Bösen, die von der Vernichtung der Juden im zweiten Weltkrieg ausgingen, an.

Deshalb beschäftigt er sich den Exekutionen von deutschen Einsatzgruppen in Osteuropa. Die Soldaten erschossen damals systematisch alle Juden, die sie antrafen. Insgesamt ungefähr zwei Millionen Menschen. Tagsüber. In der Öffentlichkeit, teils vor Zuschauern. Die Täter waren ganz normale junge und weniger junge Männer, die nicht zu ihren Taten gezwungen wurden und keine negativen Folgen zu befürchten hatten. Trotzdem folgten fast alle freiwillig dem Befehl und freuten sich über eine zusätzliche Ration Alkohol.

Ruzowitzky verknüpft in „Das radikal Böse“ Spielszenen mit Statisten und Laien bei alltäglichen Verrichtungen, in denen bekannte deutsche Schauspieler, wie Devid Striesow und Benno Fürmann, Briefe von Soldaten vorlesen mit Interviews mit Wissenschaftlern und, kurz visualisierten, Nachstellungen von bahnbrechenden Experimenten, wie das Konformitätsexperiment von Solomon Asch, das Stanford-Experiment und das Milgram-Experiment. Diese Experimente werden allerdings sehr knapp zusammengefasst, fasst wie ein Infokasten bei einer Reportage. Dabei hätte man schon gerne mehr über die Experimente und inwiefern die Erkenntnisse sich in späteren Experimenten bestätigten, erfahren.

Wesentlich interessanter sind die langen Interviews mit Fachleuten. Es sind der Historiker Christopher Browning, der „Ganz normale Männer“ und „Die Entfesselung der ‚Endlösung‘. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939 – 1942“ schrieb, Sozialpsychologe Roy Baumeister, der „Evil – Inside Human Violence and Cruelty“ schrieb, Benjamin Ferencz, der als junger Mann Chefankläger in Nürnberg war, Psychiater Robert Jay Lifton, der Begründer der Psychohistory, Priester Patrick Desbois, der mit „Yahad – In Unum“ die Massenexekutionen der Nazis in Osteuropa erforscht, und Militärpsychologe Dave Grossman, der „Über das Töten“ schrieb und sehr anschaulich erklärt, wie das Militär junge Männer dazu bringt, Befehlen zu gehorchen.

Bei den Gesprächspartnern – was wahrscheinlich mit der Spekulation auf internationale Verkäufe erklärt werden kann – fällt allerdings auf, dass sie alle aus dem angloamerikanischen Raum kommen und englisch sprechen. Sowieso können ihre Erkenntnisse und auch die Aussagen über den Gruppendruck innerhalb der deutschen Armee locker auf andere Armeen im Auslandseinsatz übertragen werden.

Das radikal Böse“ liefert nur einen ersten, oberflächlichen Einblick in das Thema, aber gerade dadurch lädt er auch zu Diskussionen ein.

Das radikal Böse - Plakat

Das radikal Böse (Deutschland 2013)

Regie: Stefan Ruzowitzky

Drehbuch: Stefan Ruzowitzky

mit den Experten Christopher Browning, Roy Baumeister, Benjamin Ferencz, Robert Jay Lifton, Patrick Desbois, Dave Grossman

mit den Stimmen von Volker Bruch, Alexander Fehling, Benno Fürmann, Hanno Koffler, Lenn Kudrjawizki, Andreas Schmidt, Simon Schwarz, Devid Striesow, Arnd Schwering-Sohnrey, Sebastian Urzendowsky, Nicolette Krebitz

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das radikal Böse“

Moviepilot über „Das radikal Böse“

Wikipedia über „Das radikal Böse“

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade“ (Deadfall, USA/Frankreich 2012)

 

 


DVD-Kritik: Stefan Ruzowitzkys US-Debüt „Cold Blood“ entzückt auch auf DVD

Mai 5, 2013

 

Als „Cold Blood“, das US-Debüt von Stefan Ruzowitzky, vor einem halben Jahr im Kino zur richtigen Jahreszeit anlief, habe ich den Thriller bereits abgefeiert und weil ich meine damalige Besprechung (nach kritischer Lektüre) immer noch gut finde, gibt es zuerst die Besprechung:

Der Überfall auf das Casino ging glatt über die Bühne und auch die Flucht in Richtung Kanada gelang, bis die drei Verbrecher auf der einsamen Landstraße einen Unfall bauen und Addison (Eric Bana) einen zufällig vorbeikommenden Polizisten erschießt. Addison sagt seiner Schwester Liza (Olivia Wilde), dass sie sich trennen müssen. Ihr dritter Mann starb bei dem Unfall.

Während sie sich zu Fuß, auf getrennten Wegen, durch das winterliche Michigan auf den Weg zur Grenze machen, erschlägt der gerade aus dem Gefängnis entlassene Ex-Boxer Jay Mills (Charlie Hunnam) seinen Ex-Manager während eines Streits. Er macht sich auf den Weg zu seinen Eltern Chet (Kris Kristofferson) und June (Sissy Spacek) und dem Thanksgiving-Dinner. Auf dem Weg zu ihnen gabelt er Liza auf. Er verliebt sich in die geheimnisvolle Schönheit.

Ihr Bruder schlägt sich währenddessen skrupellos durch die einsame Landschaft und hinterlässt, verfolgt von der Polizei, eine Spur von Leichen. Da schickt ihm Liza eine SMS, in dem sie ihn in das Haus der Mills einlädt.

Diese Gangstergeschichte erzählt Stefan Ruzowitzky („Anatomie“, „Die Fälscher“) in seinem gelungenem US-Debüt nach einem Drehbuch des Debütanten Zach Dean, geradlinig und ohne große Erklärungen. So dürfen wir uns die Hintergründe der seltsamen Abhängigkeit zwischen Addison und Liza, die Gründe für die große Enttäuschung von Chet über seinen Sohn Jay und, als dritte Familiengeschichte, die übergroße Besorgnis von Sheriff Marshall Becker (Treat Williams) über seine ebenfalls als Polizistin arbeitende Tochter Hanna (Kate Mara) aus Halbsätzen und Gesten zusammenreimen. Sowieso wird in „Cold Blood“ die alte Weisheit, dass sich in ihren Taten der Charakter eines Menschen zeigt, eisern befolgt.

Cold Blood“ (doofer deutscher Titel) ist ein gut gespielter, flott erzählter, traditionsbewusster Gangsterthriller mit glaubwürdigen Charakteren und auch glaubwürdiger Action, der einfach nur neunzig Minuten, ohne aufgesetzten Humor und Hypergewalt, aber dafür mit der Lakonie eines Western oder alten Gangsterfilms (wie „Entscheidung in der Sierra“/“High Sierra“), gut unterhalten will und dabei auch einiges über die Beziehungen von Kindern zu ihren Eltern, vor allem Väter, und Werte sagt.

Das Bonusmaterial

Das Bonusmaterial ist nicht besonders umfangreich geraten und eine durchwachsene Angelegenheit. Es gibt zwei kurze Featurettes, „Schnee & Western“ und „Familie“, die in insgesamt etwas über fünf Minuten fast nichts über die Hintergründe des Films verraten und Interviews mit Eric Bana, zweieinhalb Minuten, und Stefan Ruzowitzky, die für die Featurettes produziert wurden und okay, aber arg kurz sind. Wobei Ruzowitzky hier schon fünf Minuten redet und auch einiges über den Film verrät.

Der wirklich lohnende Teil des Bonusmaterials ist ein über zehnminütiges Interview mit dem Regisseur, das wohl exklusiv für die deutsche DVD produziert wurde. Denn Ruzowitzky erzählt auf deutsch von den Dreharbeiten, was ihm an dem Drehbuch gefiel und der übergroßen Bedeutung von Familie, vor allem dem Bild der perfekten Familie, die sich einträchtig beim jährlichen Thanksgiving-Dinner trifft, bei den US-Amerikanern und in dem Film.

Cold Blood - DVD-Cover

Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade (Deadfall, USA/Frankreich 2012)

Regie: Stefan Ruzowitzky

Drehbuch: Zach Dean

mit Eric Bana, Olivia Wilde, Charlie Hunnam, Kate Mara, Kris Kristofferson, Sissy Spacek, Treat Williams

DVD

Studiocanal

Bild: 2,35:1 (anamorph)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, Dolby Surround), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of „Schnee & Western“, Making of „Familie“, Über den Film: Eric Bana, Über den Film: Stefan Ruzowitzky, Interview mit Stefan Ruzowitzky, Trailer (deutsch, englisch)

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

 

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Cold Blood“

Metacritic über „Cold Blood“

Rotten Tomatoes über „Cold Blood“

Wikipedia über „Cold Blood”


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