Der Schneider von Panama (USA/Irl./GB 2001, R.: John Boorman)
Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis
LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)
Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.
Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.
Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter
„Heute stirbt niemand“ ist das Motto von Sergeant Greg Parker und der von ihm in Toronto geleiteten Strategic Response Unit (SRU), dem kanadischen Äquivalent zu einem US-amerikanischem SWAT-Team oder einer deutschen SEK-Einheit. Es ist eine Gruppe von gut trainierten und ausgebildeten Polizisten, die als Team funktionieren und gerufen werden, wenn schnell reagiert werden muss. Meistens werden sie daher bei Geiselnahmen, bei Amokläufen oder auch Attentaten gerufen. Manchmal müssen sie Kollegen bei einer Razzia oder einer Überwachung unterstützen, einen Gefangenen begleiten, eine Veranstaltung oder eine wichtige Person beschützen.
Schon seit, in der deutschen Zählung, fünf Staffeln erzählt die von Mark Ellis und Stephanie Morgenstern erfundene, vielfach ausgezeichnete kanadische Polizeiserie „Flashpoint – Das Spezialkommando“ von der Arbeit des Teams um Greg Parker und Ed Lane. Dabei boten die einzelnen Folgen immer einen guten Einblick in die Polizeiarbeit. Die Fälle waren realistisch und am Ende versteht man den Täter oft viel zu gut. Denn die Polizisten versuchen immer, die Situation friedlich zu lösen. Dafür müssen sie in Verhandlungen mit ihm und Gesprächen mit Betroffenen herausfinden, warum es zu der Geiselnahme gekommen ist und einen emotionale Verbindung zu ihm knüpfen. Entsprechend unblutig enden die meisten der 75 „Flashpoint“-Episoden und, verglichen mit anderen Serien, in denen Beerdigungsinstitute Überstunden schieben müssen, ist das angenehm anders.
Auch dass bis zur letzten Folge der Polizeiserie das Team, die Arbeit und damit der aktuelle Einsatz im Mittelpunkt stehen, unterscheidet die Serie von anderen Krimi-Serien, in denen das Privatleben der Ermittler einen immer breiteren Raum einnimmt oder sie mehr Probleme mit sich herumtragen, als man einem einzelnen Menschen zumuten möchte. Trotzdem gibt es, vor allem bei den späteren Episoden, immer wieder Episoden, in denen wir mehr über einzelne Teammitglieder erfahren.
Die kürzlich erschienene sechste Staffel unterscheidet sich kaum von den vorherigen Staffeln. Aber in der jetzt erschienenen siebten und letzten Staffel der Serie kommt nie das bekannte „Flashpoint“-Feeling auf, das einem von der ersten Sekunde an vermittelt, dass man in den Händen von Profis ist, die wissen, was sie tun und die brenzlige Situation friedlich entschärfen können. Die Auftaktepisode „Zerstörter Frieden“ endet mit einem Schock: Ed Lane muss die Tochter eines Geiselnehmers, der sie und ihre Mutter stalkte, erschießen. Nur so konnte er verhindern, dass sie ihren Vater erschoss. Nach den Regeln eine eindeutige Situation, die allerdings im Konflikt mit dem normalen moralischen Empfinden steht und Ed Lane belastet. Immerhin musste er dieses Mal einen Teenager erschießen.
Von dieser Episode, die eher holprig auf ihr Ende zusteuert, erholte sich die Serie nicht mehr und in fast allen Episoden, bis zum zweiteiligen Staffelfinale, in dem mehrere Bomben in Toronto gezündet werden, wirkt die SRU immer von den Ereignissen getrieben. Meistens hetzt sie, wie bei einer Schnitzeljagd, atemlos dem Täter von einem Ort zum nächsten hinterher. Nie hat sie das Heft des Handelns in der Hand. Anstatt zu agieren und das Geschehen zu bestimmen, reagieren sie immer nur. Das ist dann, auch weil jetzt öfter geschossen wird und damit die Folgen mit einem oder mehreren Toten enden, enttäuschend. Auch werden die Fälle auf dem Papier spektakulärer. Eine einfach Geiselnahme reicht nicht mehr. Damit wird „Flashpoint“ auch unrealistischer; auch weil in den späteren Fällen der Serie öfter auf normaler Thrillerspannung gebaut wird. Dann taucht hinter dem ursprünglichen Täter noch ein Hintermann oder sogar ein zweiter Hintermann auf, der den ursprünglichen Täter zu seinen Verbrechen erpresste. Das kennen wir aber aus zahlreichen anderen Krimiserien, mal mit mehr Action, mal mit mehr Humor und auch mal mit viel Forensik-Zauber.
Davon abgesehen ist „Flashpoint – Das Spezialkommando“ über die gesamte Strecke von 75 Episoden eine sehenswerte Serie, die – abgesehen von der schwachen letzten Staffel – auf konstant hohem Niveau unterhält.
Die Staffeln…
Zum Abschluss noch ein Wort zur Staffelnummerierung: „Flashpoint“ lief zuerst erfolgreich im kanadischen TV, danach in den USA. Ebenfalls erfolgreich. Allein schon die Liste von 20 gewonnenen Preisen und 57 Nominierungen, laut IMDB, ist beeindruckend und verrät einiges über die Qualität der Serie. In den USA wurden die Folgen zwar auch chronologisch gezeigt, aber die Staffeln hatten eine andere Länge. Koch Media folgt bei der deutschen Veröffentlichung der kanadischen Staffeleinteilung, vergibt aber für jede DVD-Box eine eigene Nummer. Danach sieht die Einteilung so aus:
Deutsche Staffel 1 entspricht der ersten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 1 bis 13.
Deutsche Staffel 2 entspricht der ersten Hälfte der zweiten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 14 bis 22.
Deutsche Staffel 3 entspricht der zweiten Hälfte der zweiten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 23 bis 31.
Deutsche Staffel 4 entspricht der dritten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 32 bis 44.
Deutsche Staffel 5 entspricht der ersten Hälfte der vierten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 45 bis 54, aber ohne Folge 52 (Tödliche Zwischenlandung).
Deutsche Staffel 6 entspricht der zweiten Hälfte der vierten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 55 bis 62, inclusive der fehlenden Episode 52.
Deutsche Staffel 7 entspricht der fünften kanadischen Staffel und enthält die letzten dreizehn Episoden, also die Episoden 63 bis 75.
–
Flashpoint – Das Spezialkommando (Kanada, 2011/2012)
Erfinder: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern
mit Hugh Dillon (Ed Lane), Enrico Colantoni (Sgt. Gregory Parker), Amy Jo Johnson (Julianna ‘Jules’ Callaghan), David Paetkau (Sam Braddock), Sergio Di Zio (Mike Scarlatti), Michael Cram (Kevin ‘Wordy’ Wordsworth), Mark Taylor (Lewis Young), Olunike Adeliyi (Leah Kerns) Clé Bennett (Rafik “Raf” Rousseau)
–
Flashpoint – Das Spezialkommando – Staffel 6
Koch Media
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: –
Länge: 361 Minuten (9 Episoden auf 3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
–
Die Einsätze des Spezialkommandos in der sechsten Staffel
Alles auf eine Karte (Wild Card)
Regie: Brett Sullivan
Drehbuch: Karen Walton
–
Ein neues Leben (A new life)
Regie: Kelly Makin
Drehbuch: Adam Barken
–
Tödliche Zwischenlandung (Grounded)
Regie: David Frazee
Drehbuch: Karen Walton
–
China Town (A call to Arms)
Regie: Erik Canuel
Drehbuch: Alex Levine
–
Teamplayer (Team Player)
Regie: Kelly Makin
Drehbuch: Michael MacLennan
–
Tag der Abrechnung (Day Game)
Regie: Kelly Makin
Drehbuch: Aubrey Nealon
–
Ein Profi im Netz (Blue on Blue)
Regie: Stefan Pleszczynski
Drehbuch: Adam Barken
–
Tödlicher Impfstoff (Priority of Life)
Regie: David Frazee
Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern, Alex Levine
R. I. F. – Ich werde dich finden! (Frankreich 2011, R.: Franck Mancuso)
Drehbuch: Franck Mancuso, Herve Albertazzi
Während ihrer Fahrt in den Urlaub verschwindet die Frau des Polizisten Stéphane Monnerau spurlos. Er sucht sie – und gerät auch in Verdacht, sie ermordet zu haben.
Tina, eine verhuschte Mittdreißigerin, die immer noch bei ihrer herrischen Mutter lebt, will jetzt endlich einmal eine Woche für sich haben. Mit ihrem Freund Chris, den ihre Mutter abgrundtief hasst, obwohl er wie ein gemütlicher Brummbär wirkt, will sie mit einem Wohnwagen eine Woche durch die nordenglische Landschaft fahren und die auf der Route liegenden Sehenswürdigkeiten besuchen. Geplant wurde die Fahrt bis ins letzte Detail von Chris nach seinen Interessen.
So weit, so undramatisch, bis dann im Straßenbahnmuseum ein Mann die Verpackung von seinem Eis fallen lässt, sie nicht aufhebt und Chris den Mittelfinger zeigt. Die Quittung für dieses frevelhafte Benehmen: Auf dem Parkplatz überfährt Chris ihn beim Ausparken vollkommen zufällig.
Aber schon bei dem nächsten Toten, einem schnöseligen Upper-Class-Reiseschriftsteller, ist kein Zweifel mehr möglich. Working-Class-Camper und Möchtegernschriftsteller Chris stößt ihn von einem Felsvorsprung und nimmt dessen Fotoapparat mit. Der niedliche Hund des Schriftstellers wird auch gleich adoptiert – und Tina eifert dem von ihr hemmungslos bewunderten Chris nach.
Auch sie beginnt Menschen umzubringen, die es aus ihrer Sicht verdient haben zu sterben oder dummerweise beim Ranfahren an den Straßenrand im Weg stehen. Dummerweise hat sie bei ihren Morden eine Punk-Attitüde, während er der umsichtige Planer ist und seine Morde immer wie Unfälle aussehen lässt.
Tina und Chris, erfunden von den Komikern Alice Lowe und Steve Oram, zuerst für einen Bühnensketch, später für eine nie realisierte TV-Serie und jetzt für den Film „Sightseers“ sind zwei auf den ersten Blick harmlos-nette Psychopathen, die man auch aus den Eckkneipen kennt. Nur dass sie es in der schwarzen Komödie nicht beim Reden, Blockwartgehabe und, manchmal auch, Zuschlagen lassen, sondern die Störenfriede, Nervsägen und Umweltverschmutzer gleich umbringen. Lowe und Oram verkörpern diese dumpfen Charaktere grandios und machen sie sogar, in einem gewissen Rahmen, sympathisch.
„Sighseers“ ist ein schwarzes Roadmovie, eine Liebes- und eine Erweckungsgeschichte mit tödlichem Ausgang. Für einige. Und es zeigt uns ein schrecklich normales England zwischen seltsamen Museen, wie einem Bleistiftmuseum, und der majestätischen, menschenleeren nordenglischen Landschaft, die auch eine Metapher für das Innenleben von Tina und Chris ist.
Ben Wheatleys etwas zu lang geratene, episodische Charakterstudie ist very britsh und very funny.
Das Bonusmaterial besteht aus Interviews mit Regisseur Ben Wheatley und den beiden Hauptdarsteller Alice Lowe und Steve Oram, die interessante Hintergründe zu den Charakteren, der Entstehung, der Geschichte und dem Dreh verraten. Die Interviews mit Anke Engelke und „Tatortreiniger“ Bjarne Mädel, den Synchronstimmen der Protagonisten, sind banal, die Synchro-B-Roll zeigt, wie synchronisiert wird. Nicht uninteressant, wenn man es sich einmal ansieht.
Sightseers (Sightseers, Großbritannien 2012)
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Alice Lowe, Steve Oram
mit Alice Lowe, Steve Oram, Eileen Davis, Monica Dolan, Jonathan Aris, Kenneth Hadley, Stephanie Jacob, Richard Glover
Drehbuch: Bruno Tardon, Patrick Dewolf, Patrice Leconte, Michel Blanc
Zwei flüchtige Verbrecher wollen ein Kasino ausrauben.
Damals gefiel mir im Kino der französische Kassenhit, der auch in Deuschland im Kino von fast 350.000 Leuten gesehen wurde (Platz 48 der 1985er Besucherstatistik).
Heute immer noch? Ich denke schon, denn: „Ein originelles Drehbuch, flotte Regie und gute Darsteller heben diesen Film über das Mittelmaß der meisten Actionstreifen hinaus.“ (Fischer Film Almanach 1986)
Leconte drehte später die Georges-Simenon-Verfilmung „Die Verlobung des Monsieur Hire“, „Der Mann der Friseuse“, „Die Frau auf der Brücke“ und „Die Witwe von Saint-Pierre“.
mit Bernard Giradeau, Gérard Lanvin, Christiane Jean, Maurice Barrier, Bertie Cortez