Neu im Kino/Filmkritik: „Jane got a Gun“ und wartet auf den High Noon

Januar 2, 2016

Dass Natalie Portman mit Waffen umgehen kann, wissen wir seit „Leon – Der Profi“. Dass sie auch in einem waschechten Western eine gute Figur macht, sehen wir in „Jane got a Gun“. Portman spielt die titelgebende Jane Hammond, die mit ihrem Mann Bill (Noah Emmerich) in New Mexico in einer einsam gelegenen Holzhütte das karge bäuerliche Landleben fristet. Als ihr Mann schwer verletzt von einer längeren Reise zurückkehrt und ihr sagt, dass John Bishop auf dem Weg ist, weiß sie, dass sie bald um ihr Leben kämpfen muss.
Denn John Bishop (Ewan McGregor) ist der skrupellose Anführer einer Verbrecherbande. Vor Jahren gehörten Jane und ihr Mann zu seiner Bande. Nach einem Streit verließen sie ihn. Seitdem sucht Bishop sie. Denn niemand verlässt Bishops Bande ungefragt und ungestraft.
Den einzigen Mann, den Jane in der Einöde um Hilfe bitten kann, ist Dan Frost (Joel Edgerton), ein früherer Freund von ihr, der nichts mehr mit ihr zu tun haben will.
Dieses „High Noon“-Szenario ist für Westernfans nichts neues und Gavin O’Connor („Das Gesetz der Ehre“, „Warrior“) folgt den bekannten Regeln ohne postmoderne Brechungen. „Jane got a Gun“ ist ein klassischer, geradliniger, in neunzig Minuten erzählter B-Movie-Western mit einem überschaubarem Personal und einer Schießerei am Ende. Weil der Film vor Ort in New Mexico gedreht wurde, gibt es auch leinwandfüllende, das Auge erfreuende Landschaftsaufnahmen.
Das ist durchaus ansehbares, wenn auch, abgesehen von der starken Heldin, wenig überraschendes und erstaunlich traditionelles Genrefutter, das die Zeit mit hohem „Star Wars“-Faktor (wobei Portman und McGregor hier, wie auch in eigentlich all ihren anderen Filmen, eine wesentlich bessere Figur machen) gut die Tage bis zu Quentin Tarantinos Drei-Stunden-Schnee-Western „The Hateful Eight“ überbrückt.

Jane got a Gun - Plakat

Jane got a Gun (Jane got a Gun, USA 2015)
Regie: Gavin O’Connor
Drehbuch: Brian Duffield, Anthony Tambakis
mit Natalie Portman, Joel Edgerton, Ewan McGregor, Noah Emmerich, Boyd Holbrook, Rodrigo Santoro, Todd Stashwick
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Moviepilot über „Jane got a Gun“
Metacritic über „Jane got a Gun“
Rotten Tomatoes über „Jane got a Gun“
Wikipedia über „Jane got a Gun“


Neu im Kino/Filmkritik: Über Atom Egoyans „Remember – Vergiss nicht, dich zu erinnern“

Januar 2, 2016

Seine letzten beiden Filme „Devil’s Knot“ und „The Captive“ erhielten bei uns, trotz gewohnt hochkarätiger Besetzung, nur einen DVD-Start. Mit „Remember – Vergiss nicht, dich zu erinnern“ kehrt Kritikerliebling Atom Egoyan wieder zurück in die Kinos mit einer ziemlichen Kolportage-Geschichte.
Nach dem Tod seiner Frau macht sich Zev Guttman (Christopher Plummer), ein an Demenz erkrankter KZ-Überlebender, auf den Weg. Sein im Rollstuhl sitzender Altersheim-Freund Max Zucker (Martin Landau), der ebenfalls mit ihm im KZ war, hat einen Hinweis auf den als Rudy Kurlander unerkannt in Nordamerika lebenden KZ-Aufseher gefunden, der Zev Guttmans Familie ermordete.
Max schickt Zev, dessen wichtigstes Gepäckstück ein Zettel ist, auf dem die vier Adressen, an denen die verschiedenen Kurlanders leben, und Verhaltensanweisungen für ihn stehen. Ohne den Zettel und die Telefonate mit Max wüsste Zev nicht, was er tun soll.
Aus dieser Prämisse macht Atom Egoyan erschreckend wenig. Denn Egoyan wurde bekannt durch kluge und zum Nachdenken anregende Reflexionen über die Gesellschaft und kunstvoll verschachtelte Filme, die dennoch auch für ein Mainstream-Publikum immer gut ansehbar blieben. Die von Benjamin August geschriebene Geschichte folgt dagegen einer altbekannten Dramaturgie: bei jedem seiner Besuche erlebt Zev, der seinem Auftrag wie ein Terminator mit Anwandlungen von Menschlichkeit folgt, eine Überraschung, die eine neue Facette des Themas zeigt. So ist ein Rudy Kurlander ein unter falschem Namen lebender KZ-Überlebender, ein anderer schon verstorben und sein Sohn, wie sein Vater, ein glühender Nazi, der Zev gleich etliche Nazi-Erinnerungsstücke zum Kauf anbietet. Erst als er den vierten Rudy trifft, ist er am Ziel seiner Reise. Es gibt dann noch eine Überraschung, die man aber schon spätestens nachdem Zev das Altersheim verlässt, ahnt.
Das ist dann nicht mehr als der gut gemachte Fernsehfilm der Woche, mit deutlicher Botschaft und guten Schauspielern. Neben den Einzelauftritten von Bruno Ganz, Heinz Lieven, Jürgen Prochnow und Dean Norris in ihrer Rudy-Kurlander-Szene trägt Christopher Plummer als vergesslicher, von Hass getriebener alter Mann den Film, der als altmodisches Rachedrama okay ist.
Für einen Atom-Egoyan-Film, der „Der Schätzer“, „Exotica“, „Das süße Jenseits“, „Felicia, mein Engel“ und „Wahre Lügen“ inszenierte, ist „Remember“ allerdings eine Enttäuschung, die immer wie eine Auftragsproduktion wirkt.

Remember - Plakat

Remember – Vergiss nicht, dich zu erinnern (Remember, Kanada/Deutschland 2015)
Regie: Atom Egoyan
Drehbuch: Benjamin August
mit Christopher Plummer, Martin Landau, Dean Norris, Bruno Ganz, Jürgen Prochnow, Heinz Lieven, Henry Czerny
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Moviepilot über „Remember“
Metacritic über „Remember“
Rotten Tomatoes über „Remember“
Wikipedia über „Remember“ 


TV-Tipp für den 2. Januar: Coogans großer Bluff

Januar 2, 2016

ZDFneo, 23.45

Coogans großer Bluff (USA 1968, Regie: Don Siegel)

Drehbuch: Herman Miller, Dean Reisner, Howard Rodman (nach einer Story von Herman Miller)

Ein Sheriff aus Arizona verfolgt in New York einen flüchtigen Mörder.

Die erste Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood ist eine Vorstudie für „Dirty Harry“ und war der beginn einer jahrelangen Freundschaft. Der Film kam beim Publikum gut an, aber ich stimme Richard Schickel zu: „Dennoch bleibt der Eindruck bestehen, (…) dass es sich um einen verworrenen und im Ton vergriffenen Film handelt, der nie sein eigentliches Ziel findet, sondern von Schlüsselszene zu Schlüsselszene wandert – beziehungsweise kriecht.“ (Clint Eastwood – Eine Biographie)

„Coogans großer Bluff“ war auch das Vorbild für die TV-Serie „Ein Sheriff in New York“ (McCloud, mit Dennis Weaver).

mit Clint Eastwood, Lee J. Cobb, Susan Clark, Tisha Sterling, Don Stroud, Seymour Cassel

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Coogans großer Bluff“

Wikipedia über „Coogans großer Bluff” (deutsch, englisch)

ClintEastwood.net über “Coogan’s Bluff”

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel