Neu im Kino/Filmkritik: „Rocketman“ Elton John singt und singt und tanzt

Mai 31, 2019

Um meine Besprechung von Dexter Fletchers Elton-John-Biopic „Rocketman“ in die richtige Perspektive zu rücken, sind zwei Vorbemerkungen sinnvoll: Musicals sind nicht mein Lieblingsgenre (okay, das dürftet ihr wissen) und Elton John gehört nicht zu meinen Lieblingsmusikern. Abhängig von den posthumen Veröffentlichungen, Deluxe-Ausgaben und Live-Mitschnitten steht stattdessen das Gesamtwerk von den Doors, Jimi Hendrix und David Bowie bei mir rum. Neben vielen anderen Bands und Musikern, die in diesem Zusammenhang unwichtig sind. Denn es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Jimi Hendrix und Elton John. Ersterer war zu Lebzeiten wichtig für die Gegenkultur, letzterer war und ist ein Popmusiker. Ein begnadeter Popmusiker, der zusammen mit Bernie Taupin, etliche Hits schrieb, die inzwischen zu Klassikern wurden, und der seit Jahrzehnten kommerziell unglaublich erfolgreich ist. Daher irrlichtert Elton John in „Rocketman“, um sich selbst kreisend, durch die Jahrzehnte.

Regisseur Dexter Fletcher und Drehbuchautor Lee Hall („Billy Elliot – I will dance“, „Gefährten“) erzählen in dem sich zahlreiche Freiheiten nehmendem Biopic von der Kindheit, Jugend, den Anfangsjahren über Elton Johns große kommerziellen Erfolge bis in die späten achtziger Jahre. Weil Elton John als Megastar in seiner eigenen Sphäre lebte und weil Fletcher immer wieder zwischen den Zeitebenen hin und her springt, verschwimmen die Jahre ab Elton Johns erster eigenen LP – „Empty Sky“ (1969) – bis 1990, als er einen letztendlich erfolgreichen Drogenentzug beginnt, zu einem einzigen Rausch.

Der erzählerische Rahmen ist dabei eine Therapiesitzung, die der 1947 als Reginald Kenneth Dwight geborene Elton John besucht, auf der er sich zu seinen verschiedenen Süchten, – Drogen, Alkohol, Sex und was es sonst noch so gibt – bekennt und von seinem Leben erzählt. Dieser Rahmen ermöglicht es, innerhalb von zwei Stunden alles Mögliche anzusprechen. Elton Johns gute Beziehung zu seiner Mutter und Großmutter, seine unerwiderte Liebe zu seinem Vater, seine Beziehung zu Bernie Taupin, seine Liebesbeziehungen (und, Sensation!, wir sehen erstmals in einem Mainstreamfilm eine gleichgeschlechtliche Liebesszene) und seine verschiedenen Drogenabhängigkeiten. Dazu gibt es ein Greatest Hits,wobei die Songs von Elton-John-Darsteller Taron Egerton neu eingesungen wurden. Sie wurden auch neu arrangiert von Giles Martin. Damit entfallen die wohlfeilen Vergleiche zwischen Original und Filmversion.

Die Songs hat Fletcher als Musical-Nummern inszeniert, in denen Elton John dann nicht nur am Esstisch beginnt zu singen, sondern, beispielsweise bei „Saturday Night’s Alright for Fighting“, die Konzertbühne verlässt, um durch die halbe Stadt und das aufregende Nachtleben zu tanzen und singen und am Ende, deutlich gealtert, wieder auf die Konzertbühne zurückzukehren. Diese und auch die anderen Songs können mühelos als Musik-Videos veröffentlicht werden. Wenn es heute noch richtig aufwändig produzierte Musik-Videos gäbe.

Mit Taron Egerton als Elton John hatte ich durchgehend ein Problem. Für mich ist er, obwohl ich keine Ahnung habe, wie Elton John privat ist und wie er sich in den siebziger Jahren verhielt, nicht Elton John, sondern Eggsy aus den beiden „Kingsman“-Filmen

In „Eddie, the Eagle“, der ebenfalls von Fletcher inszeniert wurde, hatte ich dieses Problem nicht.

Für Elton-John-Fans ist „Rocketman“ definitiv einen Blick wert. Weil Elton John und sein Mann David Furnish das Projekt initiierten und zu den Produzenten des Films gehören, ist das Musical natürlich nicht im Ansatz kritisch. Dieses Schicksal teilt er mit „Bohemian Rhapsody“ über Freddie Mercury und Queen. Und wie „Bohemian Rhapsody“ kümmert „Rocketman“ sich nicht sonderlich um die Chronologie. Die Songs werden so in den Film eingefügt, wie es gerade zur Filmgeschichte passt. Aber hier stört das nicht sonderlich. Denn „Rocketman“ ist ein Musical, das auch und vor allem in den Songs immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und herspringt. Es orientiert sich locker an den biographischen Stationen. Thematisch wird einfach alles angesprochen, was die Macher an Elton Johns Leben interessierte. Daraus ergibt sich keine kohärente Geschichte, sondern ein Potpourri der größten Hits.

Wenn man „Bohemian Rhapsody“ (Fletcher übernahm von Bryan Singer die Regie) und „Rocketman“ vergleichen will, muss man sagen: musikalisch ist „Bohemian Rhapsody“ der mitreisendere Film. Das liegt vor allem an den „Queen“-Stadionrockhymnen, die auch nach dem zehnten Bier noch mitgesungen werden können. Filmisch ist „Rocketman“ in jeder Beziehung der interessantere und auch gewagtere Film.

Rocketman (Rocketman, USA 2019)

Regie: Dexter Fletcher

Drehbuch: Lee Hall

mit Taron Egerton, Jamie Bell, Richard Madden, Bryce Dallas Howard, Gemma Jones, Steven Mackintosh

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Rocketman“

Metacritic über „Rocketman“

Rotten Tomatoes über „Rocketman“

Wikipedia über „Rocketman“ (deutsch, englisch) und Elton John (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dexter Fletchers „Eddie the Eagle – Alles ist möglich“ (Eddie the Eagle, Großbritannien/USA/Deutschland 2016)

Homepage von Elton John

AllMusic über Elton John

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Die Cannes-Pressekonferenz


TV-Tipp für den 1. Mai: Pop around the Clock

April 30, 2019

3sat, 05.50

Pop around the Clock

24 Stunden Pop- und Rockmusik, meistens von gut abgehangenen Stars, oft mit neuen Konzerten. Neuentdeckungen gibt es nicht, aber gute Musik. Obwohl ich mir so einen Tag mal mit unbekannteren Bands und Musikern und mit Newcomern wünsche. Gerne auch mal einen Tag mit Jazz oder ‚Neuer Musik‘ oder mit Avantgardemusik (okay, das wird es, egal was man gerade unter Avantgarde versteht, nie geben).

Heute macht um 05.50 Uhr Yello (in Berlin 2016) den Auftakt. Danach gibt es, unter anderem, um 13.50 Uhr Bruce Springsteen (1980), um 15.20 Uhr Queen (1981) und um 19.15 Uhr Bryan Adams (unplugged, 2010) als Auftakt zum Abendprogramm. Das wird bestritten, um 20.15 Uhr, von Coldplay (2017), um 21.45 Uhr von Adele (2015) und um 22.30 Uhr von Herbert Grönemeyer (2018). Für die Nachtarbeiter von der Schwermetallfraktion gibt es um 00.45 Uhr Rammstein (der Konzertfilm „Rammstein: Paris“) und um 02.20 Uhr Metallica (2009). Wie sich das mit dem Ruhebedürfnis der Nachbarn verträgt…

Das gesamte Programm und den Quasi-Livestream gibt es hier.


TV-Tipp für den 5. April: Chuck Berry

April 4, 2019

Arte, 21.45

Chuck Berry (Chuck Berry, Großbritannien 2018)

Regie: Jon Brewer

Drehbuch: Laura Royko

Spielfilmlange Doku über „Sweet little Rock ’n‘ Roller“ Chuck Berry (1926 – 2017), der mit „Roll Over Beethoven“ eine klare Ansage machte und etliche weitere Klassiker schrieb. Let it Rock

mit Chuck Berry, Steven Van Zandt, Joe Perry, Alice Cooper, Gene Simmons, Keith Richards, Nile Rodgers, Nils Lofgren, George Thorogood, Joe Bonamassa, Johnny Rivers, Taylor Hackford, Jerry Lee Lewis, Wayne Kramer, Martel Rudd

Hinweise

AllMusic über Chuck Berry – The Man Who Invented America (Nachruf)

Wikipedia über Chuck Berry (deutsch, englisch)

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Chuck Berry mit einer gar nicht so wahnsinnig unbekannten Begleitband und einem sehr bekannten Song


Jackie Leven singt

Februar 25, 2019

Ein schönes Konzert von Jackie Leven, der auch mal eine Platte mit Ian Rankin aufnehmen durfte. Bevor Rankin seinen nächsten Rebus-Roman schrieb.


TV-Tipp für den 24. Februar: Step across the Border

Februar 23, 2019

ARDalpha, 21.55

Step across the Border (Schweiz/Deutschland 1989)

Regie: Nicolas Humbert, Werner Penzel

Drehbuch: Nicolas Humbert, Werner Penzel

Doku über den britischen Avantgarde-Gitarristen Fred Firth. Seine bekanntesten Gruppen sind immer noch die bahnbrechenden Bands „Henry Cow“ und „Skeleton Crew“. Er spielte in den vergangenen Jahrzehnten mit „Attwenger“ und ungefähr jedem Avantgarde-Musiker und, auch wenn er in vollen Hallen spielte, niemals für die Massen.

Die Macher nennen ihren Film eine „Zelluloid-Impression“. Der Fischer Film Almanach urteilt in seiner 1991er Ausgabe: „Um selber ein eigenständiges Filmexperiment zu werden, ist ‚Step across the Border‘ nicht frei genug, um ein Porträt zu sein, zu willkürlich.“

Sehenswert und „wertvoll“ (FBW-Prädikat) ist das selten gezeigte Werk trotzdem.

mit Fred Frith, Joey Baron, Ciro Baptista, Iva Bitová, Tom Cora, Robert Frank, John Zorn, Arto Lindsay, Bob Ostertag, René Lussier

Hinweise

Filmportal über „Step across the Border“

Rotten Tomatoes über „Step across the Border“

Wikipedia über „Step across the Border“ und Fred Frith (deutsch, englisch)

Homepage von Fred Firth

Allmusic über Fred Firth

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Das ist anscheinend Musik vom DVD-Bonusmaterial

Fred Frith live im Gasthaus zur Post in Ottensheim (Österreich) am 18. Februar 2018


Feine Musik: Dave King Trucking Company

Januar 14, 2019

aufgenommen wahrscheinlich Anfang August 2017 im Chicago Drum Exchange Showroom

Die Band:

Dave King – drums (Yep, von „The Bad Plus“)

Erik Fratzke – guitar

Chris Morrissey – bass

Brandon Wozniak – saxophone (left)

Chris Speed – saxophone (right)


TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the Clock

Dezember 30, 2018

3sat, 06.00

Pop around the Clock

Wie jedes Jahr: 3sat zeigt 24 Stunden Konzertmitschnitte, die normalerweise neu sind, erstmals gezeigt werden und danach nie wieder laufen. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, dass einer der in den vergangenen Jahre gezeigten Konzertmitschnitte wiederholt wurde.

Die Musiker und Bands sind normalerweise gut abgehangene, etablierte Größen. Heute spielen, unter anderem, Norah Jones (um 06.45 Uhr), Herbert Grönemeyer („Tumult“ um 16.00 Uhr), The Rolling Stones (um 18.00 Uhr, ein 2018 veröffentlichter Mitschnitt der 1999er „No Security“-Tour), Elton John (um 20.00 Uhr, so als Vorbereitung für das Elton-John-Biopic „Rocketman“) und Rammstein (um 22.45 Uhr, das Paris-Konzert lief, glaube ich, schon mal im TV.)

Hier das vollständige Programm und die Möglichkeit zum Musikgenuss.


Neu im Kino/Filmkritik: Das Doku-Essay „Wo bist du, João Gilberto?“

November 27, 2018

Er und Antônio Carlos Jobim sind die Begründer der Bossa Nova, einer in den sechziger Jahren unglaublich erfolgreichem, aus Brasilien kommenden Musikrichtung, die Samba mit dem Cool Jazz mischte. „The Girl from Ipanema“ dürfte der in unzähligen Versionen eingespielte Überhit sein. Zum Beispiel 1964 auf der legendären LP „Getz/Gilberto“ (bzw. Stan Getz/João Gilberto).

In den vergangenen Jahrzehnten zog der am 10. Juni 1931 in Juazeiro, Bahia, geborene Gitarrist João Gilberto sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Sein letztes Studioalbum „João Voz e Violão“ erschien 2000. Später gab er noch Konzerte; wenn er sie nicht kurz vorher absagte. Und er wurde immer schrulliger.

2011 veröffentlichte Marc Fischer sein Buch „Hobalala. Auf der Suche nach João Gilberto“ in dem er von seiner erfolglosen Suche nach dem Bossa-Nova-Gitarristen in Rio de Janeiro erzählt.

Georges Gachot las das Buch und, selbst Gilberto- und Bossa-Nova-Fan, nahm es als Vorlage für seinen Dokumentarfilm „Wo bist du, João Gilberto?“.

In dem Film geht er die Wege ab, die Fischer abging. Er wundert sich, warum sie sich damals nicht begegneten. Denn auch er war damals in Rio de Janeiro in den gleichen Viertel auf der Suche nach dem Geist des Bossa Nova. Er engagiert eine Übersetzerin, die schon für Marc Fischer arbeitete. Er redet mit Brasilianern über Gilberto. Einige kennen ihn vom Hörensagen. Einige kennen ihn von früher. Zum Beispiel sein Koch. Oder sein Friseur. Oder seine Ex-Frau. Oder musikalische Weggefährten von ihm. Aber wirklich gesehen und gesprochen hat ihn seit Ewigkeiten niemand. Und die Menschen, die Gachot ein Gespräch mit dem scheuen Künstler vermitteln könnten, zögern oder lehnen ab.

„Wo bist du, João Gilberto?“ erzählt von Gachots erfolgloser Suche nach Gilberto in der Form eines Doku-Essays, das teilweise sogar wie eine Mockumentary wirkt, in der ein schweizer Filmemacher in Rio de Janeiro nach einem Musiker sucht, der weltberühmt ist, den aber niemand gesehen hat. Denn Gilbertos absolute Zurückgezogenheit von der Welt klingt zu unglaubwürdig, um wahr zu sein.

Dummerweise erfährt man während der Suche fast nichts über Gilberto, sein Werk, seinen Einfluss auf andere Musiker und die brasilianische Kultur. Das wäre ein konventioneller, aber informativerer Film.

So ist Gachots Doku-Essay dann ein Film von einem Fan für andere Fans, die wissen, dass all die Geschichten über João Gilberto wahr sind.

Wo bist du, João Gilberto? (Schweiz/Deutschland/Frankreich 2018)

Regie: Georges Gachot

Drehbuch: Georges Gachot, Paolo Poloni

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Wo bist du, João Gilberto?“

Moviepilot über „Wo bist du, João Gilberto?“

Wikipedia über „Wo bist du, João Gilberto?“ und João Gilberto (deutsch, englisch)

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Als Bonus: ein Konzert von João Gilberto 2008 in Sao Paulo

1994 in Sao Paulo

und 1983 in Rom


Neu im Kino/Filmkritik: Die Doku „It must schwing – The Blue Note Story“

September 6, 2018

https://vimeo.com/272222285

Für Jazz- und Musikfans muss wirklich nicht mehr über die gelungene Dokumentation von Eric Friedler über das Jazzlabel Blue Note gesagt werden. Neben Verve und Impulse ist Blue Note eines der großen Jazzlabels. Das gilt für die Musik und die Covergestaltung. Gegründet wurde Blue Note 1939 von Alfred Lion und Frank (auch ‚Francis‘) Wolff. Zwei deutschen Jungs, die im Berlin der zwanziger Jahre zu fanatischen Jazzfans wurden. In den Dreißigern flüchteten die beiden Juden in die USA. Alfred Lion (1908 – 1987) verließ Deutschland schon 1933. Zuerst emigrierte er nach Chile und später in die USA, wo er seinen Nachnamen von Loew in Lion änderte. Francis Wolff (1908 – 1971) flüchtete 1939 auf einem der letzten nicht von der Gestapo kontrollierten Schiffe aus Deutschland. In New York gründeten sie dann ein Plattenlabel, um die Musik die veröffentlichen, die sie liebten.

„Es ging ihnen nicht darum, viel Geld mit den Platten zu verdienen. Sie wollten wichtige Platten produzieren. Wichtige Platten von wichtigen Künstlern.“ (Gitarrist Kenny Burrell)

Dabei behandelten Lion und Wolff die schwarzen Musiker respektvoll. Das war ein deutlicher Unterschied zu anderen Labels, die ihre Künstler hemmungslos ausbeuteten und auch betrogen. Die Geschichten dazu sind Legion. Bei Blue Note war es anders.

Seit 1953 hatten sie mit Rudy Van Gelder einen begnadeten Toningenieur, der in seinem Tonstudio die Musiker perfekt aufnahm.

In der Doku wird schön in animierten Bildern gezeigt, wie Wolff und Lion nach Konzerten in mehreren Taxis die Musiker zu Van Gelders Studio in der lauschigen Kleinstadt Englewood Cliffs brachte und dann legendäre Aufnahmen eingespielt wurden, die heute immer noch klanglich und musikalisch überzeugen.

„Wir hatten noch immer die Energie der letzten Nacht im Kopf. Das hört man den Platten auch nach Jahren noch an.“ (Gitarrist George Benson)

Eric Friedler (Das Schweigen der Quandts, Aghet – Ein Völkermord, Das Mädchen – Was geschah mit Elisabeth K.?) erzählt in seiner sehenswerten Doku „It must schwing – The Blue Note Story“ chronologisch die Geschichte der beiden lebenslangen Freund Alfred Lion und Francis Wolff von ihrer Zeit in Berlin bis zu ihrem Tod. Wobei die Doku eigentlich 1965 aufhört. Damals verkauften sie ihr Label. Diese Geschichte erzählt Friedler als eine Mischung aus sprechenden Köpfen, vor allem erzählen Blue-Note-Musiker von ihrer Zeit bei dem Label, historischen Aufnahmen und, soviel Experiment darf sein, animierten Sequenzen. Friedler hat auch ein in New York geführtes NDR-Interview von 1964 mit Albert Lion und Francis Wolff ausgegraben. Es ist das einzige Interview in deutscher Sprache mit den beiden Produzenten. Und das Gespräch mit Rudy Van Gelder ist das letzte Interview, das er vor seinem Tod 2016 gab.

Formal ist diese Mischung nicht besonders aufregend oder innovativ, sondern klassisch. Wie die Cover der Blue-Note-Platten. Und sie lenkt nicht vom Inhalt dieser informativen Doku ab.

„It must schwing“ ist ein guter, informativer und unauffällig-elegant inszenierter Dokumentarfilm über ein legendäres Label, das Musikgeschichte schrieb und dessen Aufnahmen noch heute in jede gutsortierte Plattensammlung gehören. Friedler spricht auch den Rassismus in den USA in den vierziger, fünfziger und sechziger Jahren an. Er sieht Blue Note als Vorkämpfer der Bürgerrechtsbewegung. Das ist wohl etwas übertrieben, aber es half sicher, dass damals zwei deutsche Juden die Rassenschranken ignorierten. Sie behandelten die von ihnen bewunderten afroamerikanische Musiker, ohne darüber zu reden, respektvoll. Auf ihren Plattencovers gab es Bilder der Musiker. Und die Musik wurde immer breiter rezipiert.

„Es gibt keine Revolution ohne Musik.“ (Saxophonist Bennie Maupin)

Wenn ich nicht sowieso eine heilsame Diät von mindestens einer Blue-Note-Aufnahme pro Woche verfolgen würde, würde ich jetzt eine Blue-Note-Aufnahme auflegen.

„Sie tanzten herum. Manchmal nicht im Takt der Musik, sie hatten ihre eigene Art, sich zu bewegen. Die Musik berührte sie.“ (Saxophonist Jimmy Heath)

„Es musste schwingen. Es musste dieses ‚wing tingtingtingteting haben. Ohne das – ist es kein Jazz.“ (Trompeter Charles Tolliver)

It must schwing – The Blue Note Story (Deutschland 2018)

Regie: Eric Friedler

Drehbuch: Eric Friedler

mit Herbie Hancock, Sonny Rollins, Wayne Shorter, Quincy Jones, Lou Donaldson, Ron Carter, Sheila Jordan, Rudy Van Gelder, Kenny Burrell, Jimmy Heath, George Benson, Reggie Workman, Cecil McBee, Charles Tolliver, Rolf Kühn, Bennie Maupin, Bary Singer, Dan Morgenstein, Peter-Joachim von Drenkmann, Michael Cuscuna

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „It must schwing“

Moviepilot über „It must schwing“

Wikipedia über Blue Note (deutsch, englisch)


Bald neu im Kino/Filmkritik:„Embryo – A Journey of Music and Peace“ – Filmpremiere und Konzert am 5. September, danach im Kino

August 20, 2018

https://vimeo.com/ondemand/embryofree4everythink

Einige alte Säcke werden sich bei „Embryo“ an ihre Jugend erinnern. Für mich war die Band in meiner Jugend ein Haufen alter Krautrock-Säcke. So ist das halt, wenn das eigene musikalische Gedächtnis gerade bis zur letzten Saison reicht und man sich erst durch die Stars der nächsten Saison hört. Man will ja nicht hören, was alle hören. Viele dieser Stars sind inzwischen vergessen oder wiederholen in einer Endlosschleife ihre alten Hits vor einem Publikum, das nur die alten Hits hören will. Möglichst ohne irgendeine Variation.

„Embryo“ ist da anders. Heute, fast fünfzig Jahre nach ihrer Gründung, spielen die Musiker von „Embryo“ immer noch auf jeder verfügbaren Bühne. Gründer Christian Burchard ist zwar am 18. Januar 2018 verstorben (was im Film, in dem er sehr präsent ist, nicht erwähnt wird), aber die Band spielt weiter. Seit zwei Jahren wird das Kollektiv von Burchards Tochter Marja geleitet. Soweit man bei einem Ensemble, das von Kollektivimprovisationen und mehr oder weniger spontanen Begegnungen mit Musikern aus unterschiedlichen Kulturkreisen und musikalischen Traditionen lebt, davon reden kann.

In dem Dokumentarfilm „Embryo – A Journey of Music and Peace“ zeichnet Michael Wehmeyer, selbst Musiker, langjähriges Mitglied von „Embryo“ und Gründungsmitglied von „Dissidenten“ (zunächst „Embryo’s Dissidenten“) die Geschichte von „Embryo“ nach. Mit vielen historischen Aufnahmen und Statements von „Embryo“-Musikern, die man im Off hört. Und das ist, wie in Asif Kapadias „Amy“ (über Amy Winehouse), ein Problem. Denn wir erfahren hier nie die Namen der Sprechenden und erst durch ihre Statements, welche Verbindung sie zu „Embryo“ haben. Sehr präsent in der Doku ist „Embryo“-Gründer Burchard, der auch von seinen Anfängen in Jazzbands erzählt und wie sich „Embryo“ nach seiner Gründung immer mehr zu einem Impro-Kollektiv entwickelte.

Außerdem wird die Geschichte ausschließlich aus der Binnenperspektive erzählt. Andere Musiker, Journalisten, Wissenschaftler oder Zeitzeugen kommen, soweit erkennbar, nicht zu Wort. Es gibt deshalb keine objektivierende Einordnung der Musik und der Bedeutung der Band für den Krautrock, den Jazzrock und die Worldmusic. Denn „Embryo“ gehörte zu den ersten Bands, die mit Musikern aus anderen Kulturkreisen zusammenspielten und die deren Musik produktiv aufnahmen. Das geschah in langen, improvisierten Konzerten. Die ersten Begegnungen erfolgten auf ihren Tourneen durch Afrika und Asien, vor allem Indien. Sie fuhren mit ihrem Tourbus durch die Länder und planten zwischen den offiziellen Konzerten lange Pausen für spontane Begegnungen ein. Damals war das revolutionär.

Wehmeyer konzentriert sich in „Embryo – A Journey of Music and Peace“ vor allem die Anfangsjahre von „Embryo“ und ihre Haltung, die von Neugierde und Offenheit geprägt ist. Es geht ihnen nicht um den nächsten großen Hit oder das stupide recyclen alter Erfolge, sondern um neue Entdeckungen.

Das und der große Schatz historischer Aufnahmen (Hey, in den Siebzigern gab es in Deutschland eine Hippie-Szene, die sich optisch nicht von der US-Szene unterschied.) machen „Embryo – A Journey of Music and Peace“ sehenswert.

Embryo – A Journey of Music and Peace (Deutschland 2018)

Regie: Michael Wehmeyer

Drehbuch: Michael Wehmeyer

mit Christian Burchard, Roman Bunka, Michael Wehmeyer, Uve Müllrich; Mal Waldron, Fela Anikulapo Kuti, Trilok Gurtu, Marja Burchard

Länge: 98 Minuten

FSK: –

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Die Filmpremiere und ein Liveauftritt mit Second Generation Embryo ist am Mittwoch, den 5. September, um 18.30 Uhr im „silent green Kulturquartier“ (Gerichtstraße 35, 13347 Berlin).

Eintritt: 11 Euro (Vorverkauf), 12 Euro (Abendkasse)

Ab dem 6. September läuft das Bandportrait dann im Kino.

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Hinweise

Homepage zum Film

Homepage von Embryo

Wikipedia über Embryo (deutsch, englisch)

AllMusic über Embryo

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Jörg van Hooven (München.tv) unterhält sich mit Christian und Marja Burchard (online seit 20. Juni 2017; also ziemlich aktuell)

Ein aktuelles Konzert der Band (15. April 2018, Seidlvilla, München)


Wunderschöne Mitternachtsmusik mit Bill Frisell und Thomas Morgan

August 16, 2018

Für ECM nahmen Gitarrist Bill Frisell und Kontrabassist Thomas Morgan die CD „Small Town“ auf. Vor einem Jahr stellten sie im Paste Studio einige Stücke von der CD vor und beantworteten sehr, sehr zögerlich einige Fragen:


TV-Tipp für den 20. Juli: Prince – Sign o‘ the Times

Juli 20, 2018

Arte, 23.25

Prince – Sign o‘ the Times (Prince – Sign o‘ the Times, Usa 1987)

Regie: Prince (= Prince Rogers Nelson), Albert Magnoli (ungenannt)

Drehbuch: Prince

Damals war der am 21. April 2016 überraschend verstorbene Prince everybody’s darling. Der Konzertfilm sollte seine Europatournee dokumentieren. Aber weil die Aufnahmen unbrauchbar waren, wurde das Konzert einfach in seinem Paisley-Park-Studio nachinszeniert.

Heute ist die TV-Premiere des inzwischen legendären Konzertfilms.

mit Prince, Cat Glover, Sheila E., Sheena Easton, Miko Weaver, Dr. Fink, Levi Seacer jr., Eric Leeds, Atlanta Bliss, Boni Boyer

Hinweise

Arte über „Prince – Sign o‘ the Times“

Rotten Tomatoes über „Prince – Sign o‘ the Times“

Wikipedia über „Prince – Sign o‘ the Times“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Symphony of Now“ zeigt Berlin nicht in einem unbekannten Licht

Juli 12, 2018

Ein Tag in Berlin. In den vergangenen Jahrzehnten gab es verschiedene Versuche, das Großstadtleben in seiner bunten Vielschichtigkeit einzufangen. Zum Beispiel 2009 die 24-stündige RBB-Großdokumentation „24h Berlin – Ein Tag im Leben“, die einen Tag aus dem Leben von über fünfzig in Berlin lebenden Menschen zeigt und die an einem Tag aufgenommen wurde. Oder Thomas Schadts „Berlin: Sinfonie einer Großstadt“ (2002). Oder, als Urvater all der filmischen Versuche, einen Tag im Leben einer Stadt zu zeigen, Walter Ruttmanns experimentellen Filmklassiker „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (1927).

Auf Ruttmanns Film bezieht sich Johannes Schaff explizit mit seinem Film „Symphony of Now“. So übernahm er die Länge (65 Minuten), die Struktur einer aus fünf Teilen bestehenden Sinfonie und die Idee, einen Tag im Leben Berlins zu zeigen. Bei Ruttmann war es das Arbeitsleben, die Industrialisierung und der Rhythmus der Stadt, inszeniert mit einer entfesselten Kamera. Jedenfalls für damalige Verhältnisse.

Bei Schaff ist es das Nachtleben, das Vergnügen, die Freizeit, die sich anscheinend im Umkreis von fünf Blocks abspielt. An, in und um sattsam bekannte Locations, die man entweder von wenigen Ausflügen in das Partyleben oder aus den hippen Filmen und Werbespots kennt. Und genau so wirkt „Symphony of Now“: wie ein überlanger Werbespot für Spreequell (unser Sprudelwasser) oder Berliner Pils (unser Feuerwasser).

Die Musik – trotz eines erklecklichen Aufmarsches verschiedener Komponisten (Frank Wiedemann [gleichzeitig Kurator], Samon Kawamura, Gudrun Gut, Thomas Fehlmann, Hans-Joachim Roedelius, Alex.Do und Modeselektor) – ist der zu den austauschbaren Berlin-Impressionen monoton wummernde Techno-Soundtrack, der noch einmal das sattsam bekannte Bild von Berlin als Techno-Metropole und Ort der Love-Parade beschwört.

Bei „Symphony of Now“ ist die Montage, der Schnitt und der Sound nicht auf produktive Verunsicherung und überraschende Einsichten, sondern auf maximale Feelgood-Bestätigung ausgelegt. Wie in einem Werbeclip soll nur eine positive Botschaft vermittelt werden. Alles was stört oder stören könnte oder zum Nachdenken anregen könnte, fehlt in dieser Berlin-Sinfonie.

Symphony of Now (Deutschland 2018)

Regie: Johannes Schaff

Drehbuch: Johannes Schaff

mit Berlin, Berliner*innen, wahrscheinlich Tourist*innen, der Sonne und dem Mond

Länge: 65 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Die Inspiration

Walter Ruttmanns experimentellen und inzwischen auch als Zeitdokument interessanter Filmklassiker „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (1927) gibt es auf YouTube in mehreren, mehr oder weniger identischen Fassungen in verschiedener Bildqualität und auch mal ohne Ton (weil Stummfilm).

Das dürfte eine vollständige Fassung in guter Bildqualität sein:

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Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Symphony of Now“

Moviepilot über „Symphony of Now“

 


Klassiker, neu interpretiert

Juni 18, 2018

Ein kleines Liedchen zum Frühstück:

Groovy!

Mehr über das Ukulele Orchestra of Great Britain: ihre Homepage, Wikipedia (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. Juni: Rock am Ring 2018

Juni 2, 2018

3sat, 20.15

Rock am Ring 2018

One! Two! Three! Let’s Rock!!!

Ab 22.30 Uhr zeigt 3sat live das Konzert von „Muse“. Davor gibt es Ausschnitte aus anderen „Rock am Ring“-Konzerten und weil „Rock am Ring“ der große Gemischtwarenladen unter den Festivals ist, ist für jeden etwas dabei.

Hinweise

3sat über die Sendung

Festival-Homepage


TV-Tipp für den 2. Mai: Rockpalast Kult: Faith No More

Mai 1, 2018

MDR, 00.35

Rockpalast Kult: Faith No More

In der gut sortierten „Rockpalast“-Mediathek ist das Konzert nicht zu finden und um die Uhrzeit dürfte es, in der richtigen Lautstärke genossen, für Ärger mit den Nachbarn sorgen. Dennoch ein Leckerbissen für Musikfans: „Faith No More“ rocken 2009 das Area4-Festival.

Hinweise

WDR über den Rockpalast

Wikipedia über Faith No More (deutsch, englisch)

Homepage von Faith No More


TV-Tipp für den 16. März: Beware of Mr. Baker

März 16, 2018

Arte, 21.45

Beware of Mr. Baker (Beware of Mr. Baker, USA 2012)

Regie: Jay Bulger

Drehbuch: Jay Bulger

Hochgelobte Doku mit und über Ginger Baker, den Schlagzeuger von „Cream“ (Sixties Supergroup mit E-Gitarrist Eric Clapton und Bassist Jack Bruce), „Blind Faith“ (dito, aber kurzlebiger) und „Ginger Baker’s Air Force“ (auch kurzlebig). Neben zahlreichen Soloplatten trommelte er mehrere Jahre bei „Hawkwind“ und auf zahlreichen Platten von anderen Künstlern. Musikalisch grandios, menschlich nicht so sehr.

mit Ginger Baker, Ginette Baker, Kofi Baker, Leda Baker, Jay Bulger, Brian Auger, Bonnie Bramlett, Jack Bruce, Eric Clapton, Stewart Copeland, Jon Hiseman, Femi Kuti, Bill Laswell, John Lydon, Ron Miles, Carlos Santana, Lars Ulrich, Charlie Watts, Steve Winwood, Bernie Worrell

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Beware of Mr. Baker“

Wikipedia über „Beware of Mr. Baker“ und Ginger Baker (deutsch, englisch)

AllMusic über Ginger Baker


Hans Zimmer spielt „Live in Prague“

November 10, 2017

 

Wer in den letzten Jahrzehnten auch nur ein, zwei Hollywood-Filme gesehen hat – seine filmmusikalischen Anfänge in den achtziger Jahren in England sind da schon etwas obskurer -, hat die Musik von Hans Zimmer gehört.

Seit 2016 führt der Sechzigjährige sie auch öffentlich auf. Mit einem Sinfonieorchester, einem Chor und oft prominenten Gastmusikern tourte er im Frühjahr 2016 durch Europa. Johnny Marr (The Smiths), Lisa Gerrard (Dead Can Dance) und Mike Einziger (Incubus) waren bei dem Konzert in Prag, das jetzt auf DVD, Blu-ray, 2-CD, 4-LP, Deluxe Edition und Digital veröffentlicht wurde, die bekannten Gäste.

Für die Tour arrangierte Zimmer seine bekannten Stücke neu. Oft als Medley. So beginnt der zweistündige Live-Mitschnitt „Live in Prague“, aufgenommen am 7. Mai 2016, mit einem Opening Medley mit Melodien aus „Driving Miss Daisy“, „Sherlock Holmes“ und „Madagascar“; drei doch sehr verschiedene Filme. Weiter geht es mit Medleys aus „Gladiator“, „The Lion King“, „Pirates of the Carribean“, „The Amazing Spider Man 2“ (bzw. „The Electro Suite – Themes from The Amazing Spider Man 2“), „The Dark Knight Trilogy“, „Interstellar“ und „Inception“. Außerdem gibt es Melodien aus „Crimson Tide“ und „Angels and Demons“ (in einem Stück), „The Da Vinci Code“ (Chevaliers de Sangreal), „True Romance“ (You’re so cool), „Rain Main“ (Main Theme), „Man of Steel“ (What are you going to do, when you’re not saving the World) und „The Thin Red Line“ (Journey to the Line). Aus dem filmmusikalischen Rahmen fällt das Klagelied „Aurora“. Es ist eine Erinnerung an die Opfer des Massenschießens im Kino von Aurora, Colorado, während einer Aufführung von „The Dark Knight Rises“. Zimmer schrieb sie unmittelbar nach dem Massaker.

So unterschiedlich die Filme und damit die Originalkompositionen auch sind, so monoton ist dann das Konzert. Dass Hans Zimmer kein Ennio Morricone oder John Williams ist, der mit leichter Hand ein Sinfonieorchester durch die unterschiedlichsten Melodien und Stile führt, ist bekannt. Das ist auch ein ständiger, nicht unbedingt zutreffender Vorwurf gegen seine Filmmusik. Aber dass es während des gesamten Konzertes nur wenige Variationen gibt, dass alles mehr nach einem hard rockenden Rockkonzert mit einem Beat oder wirklich wuchtigen Tangerine Dream-artigen New-Age-Floskeln klingt, erstaunt dann doch etwas.

Bei diesem Soundteppich trifft der Vorwurf, dass Hans Zimmer immer das gleiche mache, mehr als auf seine Filmmusiken zu. Oder, positiv formuliert: „Live in Prague“ ist ein stilistisch sehr geschlossenes Konzert im düster-wuchtigen Gladiator-Modus, das auf Humor, Subtilitäten und Abwechslung verzichtet.

Grundlage für die Besprechung war die Doppel-CD.

Hans Zimmer: Live in Prague

Eagle Records/Universal 2017

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Hinweise

Homepage von Hans Zimmer

AllMusic über Hans Zimmer

Wikipedia über Hans Zimmer (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ariane Rieker/Dirk Schneiders „Hans Zimmer – Der Sound für Hollywood“ (Deutschland 2011)

 


TV-Tipp für den 10. November: Rumble: The Indians who rocked the World

November 10, 2017

Arte, 21.45

Rumble: The Indians who rocked the World (Kanada 2017)

Regie: Catherine Bainbridge, Alfonso Maioran

Drehbuch: Catherine Bainbridge, Alfonso Maioran

Spielfilmlange, hochgelobte, mit mehreren Preisen ausgezeichnete Doku über den jahrelang verschwiegenen Einfluss von indigenen Musikern (vulgo Indianern oder Native Americans) auf die US-Musik, vor allem natürlich die Blues- und Rockmusik. Dazu gehören Musiker wie Charley Patton, Link Wray, Jesse Ed Davis, Stevie Salas, Buffy Sainte-Marie, Robbie Robertson (The Band), Randy Castillo (Schlagzeuger bei Ozzy Osbourne und Mötley Crüe) und Jimi Hendrix.

Beim diesjährigen Sundance Filmfestival erhielt die Doku den Special Jury Price in der Kategorie „World Cinema – Documentary“.

Hinweise

Arte über die Doku

Rotten Tomatoes über „Rumble: The Indians who rocked the World“

Wikipedia über „Rumble: The Indians who rocked the World“


R. i. P. Tom Petty

Oktober 3, 2017

R. i. P. Tom Petty (20. Oktober 1950 in Gainesville, Florida – 2. Oktober 2017 in Santa Monica, Kalifornien)

Seit den Siebzigern einer der großen amerikanischen Songwriter.

Hier seine Super Bowl Halftime Show von 2008. Mit seinen großen Hits

Hier sein letztes Konzert am 25. September 2017 im Hollywood Bowl (nur Sound in Bootleg-Qualität)

Vor zehn Jahren spielten Tom Petty & The Heartbreakers in Pettys Geburtsort Gainesville, Florida – und das Konzert gibt es in guter Bild- und Tonqualität

Ein ausführliches Gespräch mit Tom Petty (von 2014)

Mehr über in bei Wikipedia (deutsch, englisch), AllMusic und auf seiner Homepage.