TV-Tipp für den 25. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 25, 2010

Kabel 1, 20.15

JAMES BOND: 007 jagt Dr. No (GB 1962, R.: Terence Young)

Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood, Berkely Mather

LV: Ian Fleming: Dr. No, 1958 (007 James Bond jagt Dr. No)

Auf Jamaica soll James Bond herausfinden, wer zwei Mitarbeiter des Secret Service umbrachte. Er stößt schnell auf Dr. No.

Der allererste Bond, mit Sean Connery, Ursula „Bikini“ Andress, Joseph Wiseman – damals noch nah am Buch und ziemlich hart. „Dr. No“ ist nicht nur aus nostalgischen Gründen sehenswert.

Wiederholung: Sonntag, 26. September, 18.15 Uhr

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NDR, 21.45

Kommissar LaBréa – Tod an der Bastille (D 2009, R.: Sigi Rothemund)

Drehbuch: Alexandra von Grote

LV: Alexandra von Grote: Tod an der Bastillle – Maurice LaBréas zweiter Fall; Tod an der Place de la Bastille, 2005

Kommissar LaBréa jagt in Paris einen Serienkiller, der nur Frauen umbringt. Sein nächstes Opfer: die Tochter des Kommissars.

Und weiter geht’s mit der Expansion deutschen Krimischaffens. Nach Venedig und Skandinavien jetzt die Stadt der Liebe.

Mit Franis Fulton-Smith, Chiara Schoras, Bruno Bruni, Michael König, Hans Peter Korff, Gudrun Landgrebe

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Kabel 1, 22.30

JAMES BOND: Liebesgrüße aus Moskau (GB 1963, R.: Terence Young)

Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood

LV: Ian Fleming: From Russia with love, 1957 (Liebesgrüße aus Moskau)

James Bond soll ein Dechiffriergerät und eine in ihn verliebte Sekretärin aus der Sowjetunion schmuggeln. Aber er hat seine Rechnung ohne die bösen Russen gemacht.

Zweiter Auftritt von James Bond in einer harten, ziemlich realistischen Agenten-Story (im Verhältnis zu seinen späteren Auftritten), mit Sean Connery, Lotte Lenya (Frau von Kurt Weill und hochgelobte Brecht-Interpretin), Robert Shaw (ein Autor und Shakespeare-Darsteller, der später den Weißen Hai jagen durfte), Daniela Bianchi (die, nun ja, auf Neudeutsch das Love-Interest von Bond war)

Wiederholung: Sonntag, 26. September, 16.10 Uhr

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MDR, 00.15

Topas (GB 1969, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Samuel Taylor

LV: Leon Uris: Topaz, 1967 (Topas)

Kalter Krieg, Kuba, Castro, CIA, KGB und die Frage: Wer ist der Verräter?

Schwacher Agententhriller von Hitchcock.

Mit Frederick Stafford, Karin Dor, Michel Piccoli, Philippe Noiret

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ZDF, 02.30

Der Todesrächer von Soho (D/E 1972, R.: Jess Frank, eigentlich Jesus Franco)

Drehbuch: Art Bernd, Jess Frank

LV: Bryan Edgar Wallace: Death Packs a Suitcase, 1961 (Der Tod packt seinen Koffer; andere Quellen nennen „The Corpse Packs His Bags“, aber über dieses Werk sind keine weiteren Angaben auffindbar; einige nennen eine ungenannte Kurzgeschichte von Bryan Edgar Wallace als Vorlage, aber in Wirklichkeit wurde wahrscheinlich nur der Name Wallace für die Werbung benutzt)

Ein Polizist und ein Krimiautor ermitteln gemeinsam in einer Mordserie. Die Spur führt ins Rauschgiftmilieu.

Nun, Herr Franco liefert die vertraute Qualität – und Arthur Brauner (der als Art Bernd auch am Drehbuch mitschrieb) schloß als Produzent das Kapitel „Wallace“ ab.

Die Musik schrieb Rolf Kühn.

Mit Fred Williams, Horst Tappert, Barbara Rütting, Wolfgang Kieling, Rainer Basedow, Elisa Montes, Siegfried Schürenberg

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Kabel 1, 02.50

Casino Royale (GB 1967, R.: Val Guest, Ken Hughes (als Kenneth Hughes), John Huston, Joseph McGrath, Robert Parrish

Drehbuch: Wolf Mankowitz, John Law, Michael Sayers, Woody Allen (ungenannt), Val Guest (ungenannt), Ben Hecht (ungenannt), Joseph Heller (ungenannt), Terry Southern (ungenannt), Billy Wilder (ungenannt), Peter Sellers (ungenannt)

LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953

Sir James Bond wird aus dem Ruhestand geholt, um die nach der Weltherrschaft strebende Gangsterorganisation SMERSH zu besiegen. Sir James Bond entwirft einen genialen Plan: er schickt mehrere James Bonds los.

Albert Broccoli und Harry Saltzman gelang es nicht, sich die Rechte an diesem Bond-Roman zu sichern. So konnte Charles K. Feldman diesen Bond produzieren. Weil Feldman nicht einfach nur Flemings Buch verfilmen wollte, entschloss er sich zu etwas vollkommen anderem.

Feldman: „Wir hatten die Idee von vielen Bonds, vielen Regisseuren, vielen Autoren und vielen Sets, so wie das auch bei [dem Kriegsfilm] ‚Der längste Tag’ geschah. Das war der einzige Weg, den Film zu realisieren. Ich hatte die Vision eines gigantischen Happenings mit Bonds, soweit das Auge reicht, mit ganzen Armeen von Girls, in wilder Pop-Art ausgemalt und von wilder Pop-Musik erfüllt.“

Letztendlich gab es bis zu fünfzehn verschiedene Drehbücher. Drei Wochen vor Drehbeginn gab es noch kein endgültiges Drehbuch, aber bereits ein veritables Chaos, das sich durch die gesamte Produktion zog. Die Drehbarbeiten zogen sich in die Länge, spontan wurden Gaststars engagiert, Drehbücher umgeschrieben und das Budget überzogen.

Das Ergebnis war niederschmetternd.

„Casino Royale ist ein Ian-Fleming-Titel, aber nur ein falsch nachgemachter Pseudo-Bond-Film…Casino Royale ist ein Alptraum.“ (Michael Scheingruber: Die James-Bond-Filme)

„Ich glaube, ich kann – mit der Hand in der Magengrube – ehrlich sagen, dass Casino Royale der schlechteste Film ist, den ich je genossen habe.“ (Donald Zec, Daily Mirror)

Und das zahlende Publikum ging lieber in die echten Bond-Filme.

Mit Peter Sellers, Ursula Andress, David Niven, Orson Welles, Joanna Pettet, Daliah Lavi, Woody Allen, Deborah Kerr, William Holden, Charles Boyer, John Huston, George Raft, Jean-Paul Belmondo, Jacqueline Bisset, Anjelica Huston (Hände von Agent Mimi; Debüt), Peter O’Toole (ungenannt), David Prowse (ungenannt, Debüt von „Darth Vader“)

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ARD, 03.00

Frühstück mit dem Killer (D/F/I 1969, R.: Jean-Pierre Desagnat)

Drehbuch: Pascal Jardin, Jean-Pierre Desagnat

LV: André Lay: L’Oraison du plus fort, 1967

Ein Paar pflegt einen verletzten Bankräuber mit dem Hintergedanken, so an die Beute zu gelangen. Dummerweise wollen auch seine Kumpanen die Beute haben.

Senta Berger über ihre Rolle: „Die Rolle, die ich in diesem Film spiele, hat mich besonders gereizt, weil sie zwielichtig und doppelbödig zugleich ist. (…) Psychologisch äußerst interessant und deshalb schauspielerisch sehr reizvoll.“ (in Heiko R. Blum: Senta Berger)

Das Lexikon des internationalen Films meint: „Ungewöhnlicher, um psychologische Differenzierung bemühter Abenteuerfilm.“ – Das klingt doch ganz vielversprechend.

Mit Senta Berger, Michel Constantin, Hans Meyer

Auch bekannt als „Geier können warten“ (Kinotitel)


Claudie Piñeiro, die Donnerstagswitwen und Elena

September 24, 2010

„Die Donnerstagswitwen“ und „Elena weiß Bescheid“ von Claudia Piñeiro sind einerseits-andererseits-Bücher. Einerseits sind sie gut geschrieben und gut konstruiert, andererseits sind sie zäh zu lesen. So ist bei „Elena weiß Bescheid“ die Pointe bereits sehr früh erahnbar. Nur Elena leugnet die offensichtliche Wahrheit. So könnte „Die Donnerstagswitwen“ als Sammlung thematisch miteinander verknüpfter Kurzgeschichten locker hundert Seiten kürzer oder länger sein.

Denn bereits nach den ersten Kapiteln hat man verstanden, dass in der Gated Community unter der prächtigen Oberfläche die üblichen Probleme von Neid, Hass, Gier, Selbstverleugnung, der Angst vor dem Statusverlust und der damit verbundenen gesellschaftlichen Ächtung lauern. Claudia Piñeiro zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der nur der äußere Schein zählt, mit jedem der 48 Kapitel (wobei jedes Kapitel eine eigene Kurzgeschichte mit wiederkehrenden Charakteren ist) nur immer detaillierter. Aber an der Aussage ändert sich nichts.

„Die Donnerstagswitwen“ wirkt letztendlich wie der übermäßige Verzehr von guten Pralinen. Die ersten sind noch richtig lecker, aber danach ist man irgendwann satt und hat keine große Lust mehr auf die nächste. Genau dieser Effekt stellt sich nach den ersten zehn Kapiteln von Piñeiros episodischem und, wegen der zahlreichen thematischen Wiederholungen, schnell ermüdendem Roman ein.

Auch das wesentlich kürzeren Charakterporträt „Elena weiß Bescheid“ wirkt schnell ähnlich ermüdend. Die titelgebende, 63-jährige Elena hat Parkinson. Vor kurzem brachte ihre Tochter Rita sich um. Sie ist überzeugt, dass Rita ermordet wurde. Weil die Polizei ihr nicht glaubt, macht sie sich auf den Weg in die Stadt zu einer Frau, der sie vor zwanzig Jahren geholfen haben. Während Elena sich langsam ihrem Ziel nähert, erinnert sie sich an ihre Tochter. Schnell wird deutlich, dass Elena eine sehr herrischer Frau ist, die über das Leben ihrer Tochter bestimmte und damit auch wer sie „ermordete“.

Nach Claudia Piñeiros gelungenem Debüt „Ganz die Deine“ sind „Die Donnerstagswitwen“ und „Elena weiß Bescheid“ (für den sie auf der Frankfurter Buchmesse den LiBeraturpreis erhält) Enttäuschungen.

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Claudia Piñeiro: Die Donnerstagswitwen

(übersetzt von Peter Kultzen)

Unionsverlag, 2010

320 Seiten

19,90 Euro

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Originalausgabe

Las viudas de los jueves

Alfaguara Argentina, 2005

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Verfilmung

Las viudas de los jueves (Argentinien/Spanien 2009)

Regie:: Marcelo Piñeyro

Drehbuch: Marcelo Figueras, Marcelo Piñeyro

mit Ernesto Alterio, Juan Diego Botto, Gloria Carrá, Ana Celentano, Camilo Cuello Vitale, Pablo Echarri, Adrián Navarro, Leonardo Sbaraglia, Vera Spinetta, Gabriela Toscano, Juana Viale

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Claudia Piñeiro: Elena weiß Bescheid

(übersetzt von Peter Kultzen)

Unionsverlag, 2009

192 Seiten

16,90 Euro

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Originalausgabe

Elena sabe

Alfaguara Argentina, 2007

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Claudia Piñeiro besucht Deutschland – und liest

Donnerstag, 30. September, Köln

Freitag, 1. Oktober, Bönen

Sonntag, 3. Oktober, Hagen

Sonntag, 3. Oktober, Frankfurt

Sonntag, 3. Oktober, »Die Donnerstagswitwen« – im Bayerischen Rundfunk 2

Sonntag, 3. Oktober, »Die Donnerstagswitwen« im WDR 3

Montag, 4. Oktober, Bad Berleburg

Dienstag, 5. Oktober, »Die Donnerstagswitwen« – in München

Dienstag, 5. Oktober, Frankfurt

Mittwoch, 6. Oktober, Frankfurter Buchmesse

Freitag, 8. Oktober, Frankfurter Buchmesse

Freitag, 8. Oktober, ARD-Radionacht der Bücher

Sonntag, 10. Oktober, Frankfurter Buchmesse

Sonntag, 10. Oktober, Marburg

Dienstag, 12. Oktober, Leipzig

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Hinweise

Unionsverlag über Claudia Piñeiro

Homepage zum Film

Meine Besprechung von Claudia Piñeiros „Ganz die Deine“ (Tuya, 2003)


TV-Tipp für den 24. September: Psycho

September 24, 2010

3sat, 22.25

Psycho (USA 1960, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Joseph Stefano

LV: Robert Bloch: Psycho, 1959 (Psycho)

Ein immer wieder gern gesehener Schocker von Alfred Hitchcock und das beste Argument gegen Duschen.

Anschließend läuft „Albtraum-Kino – Die Welt des Alfred Hitchcock“. Fletcher Markle führte dieses halbstündige Interview 1964 mit Alfred Hitchcock.

Mit Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles, John Gavin

Hinweise

Wikipedia über „Psycho“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Thily Wydras „Alfred Hitchcock“ (2010)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


Neu im Kino: The Town

September 23, 2010

The Town (The Town, USA 2010)

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Ben Affleck, Peter Craig, Aaron Stockard

LV: Chuck Hogan: Prince of Thieves, 2004 (Endspiel)

Bankräuber Doug MacRay überfällt mit drei Freunden eine Bank und verliebt sich anschließend in die Filialleiterin, die sie auf der Flucht als Geisel mitgenommen hatten. Jetzt will er aussteigen und davor noch seinen letzten Coup durchführen.

Nach der tollen Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone“ bleibt Ben Affleck auch in seiner zweiten Regiearbeit dem Genre und Boston treu. „The Town“ wird von den Kritikern als gutes altmodisches Erzählkino, bei dem die Story im Vordergrund steht, gefeiert.

Da ist es auch egal, dass die Zahl der Banküberfälle in Boston viel geringer ist, als im Film behauptet wird und das Viertel Charlestown in den vergangenen fünfzehn Jahren gentrifiziert wurde. Jetzt sitzen da die anderen Bankräuber.


Am 4. Oktober erscheint bei Heyne „Das Blut“, der zweite Band der von Guillermo Del Toro und Chuck Hogan geschriebenen Vampir-Trilogie. Ebenfalls dort erschien bereits vor längerem „Endspiel“ (das zum Filmstart keine Neuausgabe mit dem Filmtitel und einem geänderten Cover erhält).

Für „Endspiel“ erhielt Hogan den Hammett-Preis und auch Stephen King (ein passionierter Blurber) war begeistert.

mit Ben Affleck, Rebecca Hall, Jon Hamm, Jeremy Renner, Pete Postlethwaite, Chris Cooper

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Town“

The Boston Magazine: Interview mit Chuck Hogan (24. August 2010)

The Boston Magazine: Interview mit Chuck Hogan (15. September 2010)

The Boston Phoenix: Eugenia Williamson trifft Chuck Hogan (15. September 2010)

The Boston Globe: Billy Baker über das heutige Charlestown (18. September 2010)


TV-Tipp für den 23. September: Calamari Union

September 23, 2010

Arte, 00.10

Calamari Union (Finnland 1985, R.: Aki Kaurismäki)

Drehbuch: Aki Kaurismäki

In Helsinki beschließen 18 junge Männer, von denen 17 Frank heißen, sich auf den gefährlichen Weg von ihrer Kneipe durch die Großstadt zur Küste zu machen. Die Meisten sterben bei dieser Reise.

Heute erlebt Aki Kaurismäkis zweiter Spielfilm, der erst 1992 seinen deutschen Kinostart hatte, seine TV-Premiere.

In dem grotesken ‚Road Movie‘ „Calamari Union“ finden sich schon viele Elemente, die uns von Kaurismäkis späteren Werken vertraut sind. Allerdings präsentiert er sie hier witziger als in seinen unmittelbar danach folgenden Filmen, wozu vor allem die hochgelobte proletarische Trilogie („Schatten im Paradies“, „Ariel“ und „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“) gehört. Erst mit seinen Filmen mit und über die Leningrad Cowboys nahm er diesen slapstickhaften Faden wieder auf.

„In meinen Filmen ist alles an der Oberfläche, da gibt es keine tiefere Bedeutung, nicht einmal in einem Film wie Calamari Union. Und wenn ich das sage, dann meine ich das im gleichen Sinne wie Bunuel.“ (Aki Kaurismäki)

mit Pirkko Hämäläinen, Matti Pellonpää, Pirkka-Pekka Petelius

Wiederholung: Samstag, 25. September, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage von Aki Kaurismäki (Pandora Film)

Arte über „Calamari Union“

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers „Aki Kaurismäki“ (2006)


Die Deutsche Kinemathek entdeckt die Lust am Krimi-Genre

September 22, 2010

Kaum hat man sich so halbwegs von der Tagung „Verbotene Filme“ der Deutschen Kinemathek erholt, kündigen sie schon die nächste spannende Tagung an. Vom Donnerstag, den 7. Oktober, bis zum Sonntag, den 10. Oktober, geht’s um „Die Lust am Genre – Thriller aus Deutschland: Tradition und Erneuerung“.

Das selbstverständlich kostenlose Symposium in der Deutschen Kinemathek (S/U-Bahnhof Potsdamer Platz, Berlin) untersucht die Geschichte des deutschen Thrillers und setzt sich mit aktuellen Entwicklungen und Tendenzen in Film und Fernsehen auseinander.

Das umfangreiche Programm erfreut das Herz des Genrejunkies:

Donnerstag, 7. Oktober 2010

18.30 Uhr

Einführungsvortrag Von der Lust zum Genre

Hans-Christoph Blumenberg, Regisseur und Drehbuchautor

Filmvorführung AM TAG ALS DER REGEN KAM (BRD 1959, Regie: Gerd Oswald)

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Freitag, 8. Oktober 2010

10.00 Uhr

Geschichte des Genres – Das Konzept „Genre“

Malte Hagener, Institut für Medienwissenschaft, Philipps-Universität Marburg

Genreformen und Genrewandel im deutschen Film

Michael Wedel, Studiengang Medienwissenschaft, HFF „Konrad Wolf“ Potsdam

Moderation: Britta Hartmann

12.00 Uhr

Einflüsse und Inspirationen – Genres mischen

Jan Distelmeyer, Studiengang Europäische Medienwissenschaft (Fachhochschule und

Universität Potsdam), Fachhochschule Potsdam

Genre und Autorenfilm

Stefan Pethke, Kunst der Vermittlung, Entuziazm e.V.

Moderation: Michael Wedel

15.00 Uhr

Elemente des Genres – Positionen der Beobachtung. Zu Figurenkonstellationen bei Thomas Arslan, Benjamin Heisenberg und Christian Petzold

Bert Rebhandl, Filmkritiker

„Berlin ist das Paradies“: Inszenierung der Stadt in Dominik Grafs IM ANGESICHT DES VERBRECHENS und Thomas Arslans IM SCHATTEN

Britta Hartmann, Institut für Sprach-, Medien- und Musikwissenschaft, Universität Bonn

Moderation: Jan Distelmeyer

17.00 Uhr

Aktuelles Kino in Deutschland

Thomas Arslan, Regisseur und Drehbuchautor,

im Gespräch mit Claudia Lenssen, Filmkritikerin

18.00 Uhr

Filmvorführung IM SCHATTEN (D 2010, Regie: Thomas Arslan)

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Samstag, 9. Oktober 2010

10.00 Uhr

Neue Formen des Seriellen im Fernsehen – „No one wins. One side just loses more slowly“: Das (Erzähl-) Prinzip Hoffnungslosigkeit in der Polizeiserie THE WIRE

Kathi Gormász, Institut für zeitbasierte Medien, Universität der Künste Berlin

KDD-KRIMINALDAUERDIENST – Das Brüchige im Krimigenre

Kathrin Rothemund, Institut für Angewandte Medienforschung, Leuphana Universität

Lüneburg

Moderation: Stefan Pethke

12.00 Uhr

Fernsehen als Zuflucht des Genres?

Impulsvortrag: Andreas Kilb, Filmkritiker

Podiumsgespräch mit Orkun Ertener (Drehbuchautor), Dominik Graf (Regisseur), Manfred

Hattendorf (Redaktionsleiter, SWR-Tatorte), Andreas Kilb, Barbara Schweizerhof

(Filmkritikerin)

Gesprächsleitung: Hans Helmut Prinzler (Akademie der Künste)

15.00 Uhr

Filmvorführung IM ANGESICHT DES VERBRECHENS, Teil 1-5 (D 2008-2010, Regie: Dominik Graf, 245 Minuten; – also Sitzfleisch benötigt)

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Sonntag, 10. Oktober 2010

Kino Arsenal, Filmhaus, 2. UG

10.30 Uhr

Filmvorführung IM ANGESICHT DES VERBRECHENS, Teil 6-10 (D 2008-2010, Regie: Dominik Graf, 245 Minuten; – frühes Aufstehen, viel Kaffee und bei Sonnenuntergang mit glasigem Blick das Kino verlassen und gleich in das nächste Kino taumeln)

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Anmeldung bis zum 4. Oktober bei Susanne Ruppelt, T.+49 (30) 300 903-12, sruppelt@deutsche-kinemathek.de


TV-Tipp für den 22. September: An vordersten Fronten

September 22, 2010

ARD, 00.00

An vordersten Fronten (D 2010, R.: Aschwin Raman)

Drehbuch: Aschwin Raman

Weil Fußball so wichtig ist, gibt’s heute die „Tagesthemen“ um 23.30 Uhr und um Mitternacht, der Prime-Time für den anspruchsvollen Zuschauer, eine 45-minütige Doku über Aschwin Ramans Reise durch das heutige Afghanistan.

Wenn die Doku in die Mediathek gestellt wird, kann man sie sich sieben Tage lang auch zu publikumsfreundlicheren Sendezeiten ansehen.


Verbotene Filme: „Blood Feast“

September 21, 2010

Seit dem 20. Januar 2004 ist „Blood Feast“ in Deutschland durch ein Urteil des Amtsgerichts Karlsruhe nach §131 StGB (Gewaltdarstellung) beschlagnahmt. Es gab eine Petition, der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages beschäftigte sich mit der Entscheidung und kam zu dem Ergebnis, dass ein Film wie „Blood Feast“ eine potenziell negative Wirkung auf Jugendliche und junge Erwachsene haben könne.

Deshalb darf „Blood Feast“ in Deutschland auch nicht an Erwachsene verkauft werden. Das ist umso erstaunlicher, weil der knapp siebzigminütiger Exploitation-Horrorfilm „Blood Feast“ von Herschell Gordon Lewis bereits 1963 entstand. Auch ohne den Film zu kennen, runzelt man erstaunt die Stirn: Ein über vierzig Jahre alter Film soll schlimmer als die aktuellen Horror- und Actionfilme sein?

Man mag es, dem gesunden Menschenverstand folgend, nicht glauben und nach der Ansicht des Films fragt man sich, welchen Film der Richter und später die Abgeordneten (wenn sie sich den Film überhaupt angesehen haben) gesehen haben. Denn außer seinem historischen Status als erster Splatter- und Gorefilm spricht nichts mehr für den Film.

Denn so schockierend „Blood Feast“ vielleicht 1963 war, so harmlos ist er heute. Erstaunlich ist allerdings, wie explizit Herschell Gordon Lewis – für damalige Verhältnisse – Sex und Gewalt einsetzte und sich überhaupt nicht mehr um den Rest kümmerte.

Herschell Gordon Lewis überlegte sich zuerst, wie er die Morde inszeniert, und erfand dann eine Story, die „Blood Feast“ auf Kinolänge streckte. Und die geht so: In Florida treibt ein Serienkiller sein Unwesen. Er bringt Frauen um und entfernt verschiedene Körperteile. Die Polizei hat keine Spur. Aber wir Zuschauer wissen, dass Fuad Ramses der Mörder ist und er ein „Blood Feast“, ein uraltes, seit Ewigkeiten nicht mehr zelebriertes ägyptisches Ritual, abhalten will. Das will er auf der Geburtstagsfeier von einer jungen Frau machen, die auch die Geliebte von einem Polizisten ist. Seine letzte Tat kann Fuad Ramses nicht begehen, weil sein Opfer zu dumm ist, sich einige Worte zu merken. Die Polizei kommt. Er flüchtet und stirbt auf der Flucht in einem Müllwagen.

Das Drehbuch ist ein Witz. Die Schauspieler sind durchweg schlecht. Die weiblichen Rollen wurden anscheinend nach ihrem Aussehen besetzt. Eine Karriere als Playmate war hilfreich. William Kerwin hat immerhin das Aussehen eines harten Hollywood-Cops, aber die meiste Zeit erzählt er in einem Büro seinem Kollegen, der ihn immer wieder bestätigt, dass sie keine Spur haben, und er trifft sich mit seiner Freundin. Diese – Magie des Drehbuchs – ist eben jene junge Frau, die auf dem Blutfest geopfert werden soll, aber im entscheidenden Moment zu blöde ist, sich den höchst einfachen Zauberspruch zu merken.

Mal Arnold liefert als Bösewicht eine so schlechte Peter-Lorre-Kopie ab, dass es schon fast wieder lustig ist, wie er alle Klischees, die Hollywood über Arabern und Juden hat, in einer speichelleckerischen Performance vereint. Es ist allerdings zu befürchten, dass Arnold sein hemmungsloses Overacting für eine großartige Schauspielleistung hielt.

Doch Herschell Gordon Lewis ging es in seinem billig gedrehten Film für die Autokinos nicht um eine schlüssige Geschichte oder gute Schauspielerleistungen. Es ging ihm darum, möglichst viel nackte Haut (wir reden von einer Zeit, als Doris Day ein Sexsymbol war und Alfred Hitchcock kurz davor mit „Psycho“ einen Klassiker schuf) und Blut (deshalb wurde in Farbe gedreht) zu zeigen. Aber beides ist, aus heutiger Sicht lachhaft wenig und die Tricks sind absurd schlecht.

Gerade die vom Gericht konstatierte Gewaltverherrlichung kann man höchstens erahnen. Normalerweise inszenierte Gordon die Taten, indem der Mörder auftaucht und er dann abblendet. Danach gibt es einen blutbesudelten Körperteil (Ein dickes Dankeschön an Ketchup) zu sehen. Das ist mal ein abgetrenntes Bein, mal ein irgendwie geöffneter Schädel, mal (züchtig verdeckt) ein Körperteil dazwischen. Aber die Tat sieht man nicht. Sogar Hitchcock zeigte in „Psycho“ mehr.

Dabei ist immer klar, dass Fuad Ramses der Bösewicht ist, der einem seltsamen religiösem Wahn folgt und vor allem ein Fall für die Irrenanstalt ist. Dass jemand sich mit diesem Wahnsinnige identifiziert und durch ihn zu Gewalttaten anstiftet wird, was nach dem § 131 StGB sein müsste, ist, nun, sehr unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass man sich mit seinen Opfern oder die ihn jagenden Polizisten identifiziert. Aber wahrscheinlich identifiziert man sich mit niemand in dem Film, sondern schüttelt nur immer wieder den Kopf über die unglaublich schlechten Leistungen der Schauspieler und die Lücken in dem Drehbuch.

Der Film ist einfach nur ein Langweiler mit einem kaum vorhandenen Trash-Faktor, der den schlechten Film als „Bad Taste“-Film genießbar machen könnte. Nichts, was es nicht tausendmal besser gäbe. Und hunderttausendmal wesentlich expliziter gäbe.

Wer’s nicht glaubt und wenig Zeit hat, kann sich im Trailer fast alle schlimmen Szenen, die sich in der Schnittfolge kaum vom Film unterscheiden, ansehen.

Blood Feast (USA 1963)

Regie: Herschell Gordon Lewis

Drehbuch: A. Louise Downe, David F. Friedman (Geschichte, ungenannt), Herschell Gordon Lewis (Geschichte, ungenannt)

mit William Kerwin (als Thomas Wood), Mal Arnold, Connie Mason, Lyn Bolton, Scott H. Hall, Christy Foushee (als Toni Calvert), Ashlyn Martin, Astrid Olson

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Hinweise

„Blood Feast“ im Netz (das ganze Drama in 67 Minuten für die wirklich Hartgesottenen)

Wikipedia über „Blood Feast“ (deutsch, englisch)

TCM über „Blood Feast“

TCM Underground über „Blood Feast“

The Bad Movie Report über „Blood Feast“

Telepolis: Stefan Höltgen über das Verbot von „Blood Feast“ (6. April 2004)

taz: Andreas Busche zum Verbot von „Blood Feast“ (8. April 2004)



Cover der Woche

September 21, 2010


TV-Tipp für den 21. September: Das Mädchen und der Kommissar

September 21, 2010

HR, 23.30

Das Mädchen und der Kommissar (F/I 1971, R.: Claude Sautet)

Drehbuch: Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie, Claude Néron

LV: Claude Néron: Max et les ferrailleurs, 1968

Ein ehrgeiziger Polizist animiert, mit Hilfe einer Prostituierten, eine Gruppe von Kleingangstern zu einem Banküberfall. Er will sie auf frischer Tat ertappen.

Der vorzügliche französische Kriminalfilm mit Starbesetzung ist eine beklemmende Charakterstudie über einen ehrgeizigen Polizisten und die Annahme, dass der Zweck die Mittel heilige.

Mit Romy Schneider, Michel Piccoli, Bernard Fresson

Wiederholung: WDR, Freitag, 24. September, 23.15 Uhr


Kleinkram

September 21, 2010

Für das Fernsehen gibt es längere Versionen der bereits im Kino gelaufenen Stieg-Larsson-Verfilmungen. Bei Schnittberichte gibt es jetzt den Vergleich zwischen der TV-Fassung und der Kinofassung von „Verblendung“. Die Schnittberichte für die nächsten beiden Verfilmungen demnächst.

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Schon länger online ist die September-Ausgabe von „The Big Thrill“. Dieses Mal gibt es unter anderem Interviews mit und Porträts über Jonathan Maberry, Deon Meyer, Jilliane Hoffman, Cris Ramsay (der einen Roman zur Eureka-TV-Serie schrieb) und Ridley Pearson.

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Bei MovieMaker schreibt Jeffrey Goodman (der Regisseur der Max-Allan-Collins-Verfilmung „The last lullaby“) über „Adventures in Self-Releasing“.

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SF-Autor John Scalzi denkt über SF-Filme, die die Welt veränderten, nach.

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Bei Murderati hat Tony McGee Causey sich die Tatorte Arbeitsplätze von Kollegen angesehen.

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Bei Mulholland Books schreibt

Les Edgerton über die Unterschiede zwischen Wirklichkeit und Film

Max Allan Collins fordert „Sex and Violence, Please“

Mark Billingham bedankt sich für’s Rauchen

Maxim Jakubowski versucht einen Lobgesang auf den Erotic-Thriller (nee, nicht die Bücher, die Filme)

Allan Guthrie gibt einige Tipps für Autoren zum Schreiben von Dialogen

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Bei PBS beantwortet Roger Smith einige Fragen.

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Der erste Trailer für die fünfteilige HBO-Verfilmung des James-M.-Cain-Romans „Mildred Pierce“ ist draußen:


TV-Tipp für den 20. September: Die Katze – PROGRAMMÄNDERUNG: Es läuft „Die Fantome des Hutmachers“

September 20, 2010

Auch meine Tageszeitung kündigt „Die Katze“ an, aber wenn Arte in seinem Tagesprogramm „Die Fantome des Hutmachers“ aufführt, dann dürfte die grandiose Georges-Simenon-Verfilmung von Claude Chabrol laufen.

In jedem Fall lohnt sich um 20.15 Uhr das Einschalten von Arte.

Arte, 20.15

Die Katze (D 1988, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Uwe Erichsen, Christoph Fromm

LV: Uwe Erichsen: Das Leben einer Katze, 1984 (später “Die Katze”)

In der Düsseldorfer Innenstadt endet ein Bankraub in einer Geiselnahme. Die Polizei umstellt die Filiale und ein nervenzerfetzendes Duell beginnt. Aber die Polizisten wissen nicht, dass sie von Probek beobachtet werden und dieser alles geplant hat.

Grandioser deutscher Action-Thriller, der sich nicht vor amerikanischen Vorbildern verstecken muss.

“Für einen bundesdeutschen Spielfilm zeigt ‚Die Katze‘ eine erstaunliche Professionalität: präzise Kamera- und Schauspielerführung, eine funktionelle Dramaturgie, eine funktionierende Geschichte.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe)

Beim Cognac Festival du Film Policier gab’s dafür den “Grand Prix” und den “FR3 Grand Prix” (Unwichtige Bonus-Information: Guy Hamilton war der Juryvorsitzende).

mit Götz George, Gudrun Landgrebe, Heinz Hoenig, Ralf Richter

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Uwe Erichson

Vierundzwanzig über „Die Katze“ (Interview mit Christoph Fromm)

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“


Dominik Graf liest

September 20, 2010

Dominik Graf liest einen Text aus seinem Buch „Schläft ein Lied in allen Dingen“ vor:


TV-Tipp für den 19. September: Der Unbeugsame

September 19, 2010

Tele 5, 20.15

Der Unbeugsame (USA 1967, R.: Stuart Rosenberg)

Drehbuch: Donn Pearce, Frank Pierson

LV: Donn Pearce: Cool Hand Luke, 1965

Betrunken demoliert der brave Luke Parkuhren. Dafür wird er für zwei Jahre ins Arbeitslager geschickt und trifft dort auf eine ganz andere Gesellschaft. Luke will sich nicht anpassen.

Beeindruckendes Knastdrama

Mit Paul Newman, George Kennedy, J. D. Cannon, Lou Antonio, Strother Martin, Dennis Hopper, Harry Dean Stanton

Hinweise

Wikipedia über Donn Pearce

Drehbuch “Cool Hand Luke” von Donn Pearce und Frank Pierson

Mein Nachruf auf Paul Newman (26. Januar 1925 – 26. September 2008)


„Verbotene Filme“ in der Stuttgarter Zeitung

September 19, 2010

Mein kleiner Bericht (Sorry an all die tollen Referenten, die ich letztendlich nicht erwähnen konnte) über die sehr gelungene Tagung „Verbotene Filme“ der Deutschen Kinemathek und iRights ist in der Stuttgarter Zeitung erschienen. Hier die ersten Zeilen:

Heute ist das Verbot eines Films ziemlich selten. Denn es gibt viele andere Möglichkeiten, einen Film verschwinden zu lassen oder ihn nur einem kleinen Publikum zugänglich zu machen. Mal liegt es an den Musikrechten, die nur ganz bestimmte Einsätze erlauben, mal an porträtierten Personen, die sich falsch dargestellt fühlen, mal an den hohen Kosten für Archivmaterial – ein Grund findet sich immer, ohne dass sich jemand zum Schluss als Zensor bloßgestellt fühlt.

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TV-Tipp für den 18. September: Tatort: A gmahde Wiesn

September 18, 2010

BR, 20.15

Tatort: A gmahde Wiesn (D 2007, R.: Martin Enlen)

Drehbuch: Friedrich Ani

Buch zum Film: Martin Schüller: A gmahde Wiesen, 2009

Kurz vor dem Oktoberfest wird der einflussreiche Stadtrat Hubert Serner umgebracht. Die Kommissare Leitmayr, Batic und Menzinger können sich vor Verdächtigen kaum retten. Denn ohne Serner ging nichts bei der Vergabe der Wies’n-Standplätze und die Zahl seiner Ehemaligen ist immens.

Guter Tatort mit dem zuverlässigen Münchner Team, das uns dieses Mal in die schmutzigen Hinterhöfe des Oktoberfestes entführt.

Mit Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Michael Fitz, Monika Baumgartner, Franziska Schlattner,

Wiederholung: WDR, Mittwoch, 23. September, 20.15 Uhr

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Martin Schüller “A gmahde Wiesn” (Buch zum Film, 2009)


Neu im Kino: The American

September 17, 2010

The American (The American, USA 2010)

Regie Anton Corbijn

Drehbuch: Rowan Joffe

LV: Martin Booth: A very private Gentleman, 1991 (The American)

Nach einem missglückten Auftrag will ein Killer will aussteigen. Er zieht sich in die Abruzzen zurück und trifft die Vorbereitungen für seinen letzten Auftrag.

Nach den Kritiken ist der in den USA sehr erfolgreiche, minimalistische Thriller anscheinend weniger wegen der Story und mehr wegen der Bilder sehenswert. Und die sind, wie der Trailer zeigt, sehr schön. Immerhin kommt Corbijn von der Fotografie.

Bei rororo erschien zum Filmstart die deutsche Übersetzung von Booths Roman. Natürlich mit dem schönen Retro-Cover.

mit George Clooney, Violante Placido, Johan Leysen, Thekla Reuten, Paolo Bonacelli


Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Blog von Anton Corbijn zum Film

Film-Zeit über „The American“

Guardian: Nachruf auf Martin Booth

Independent: Nachruf auf Martin Booth

Film in Focus über Martin Booth


TV-Tipp für den 17. September: Der Schrei der Eule, Der Frauenmörder von Paris

September 16, 2010

Unser Hauptstadtsender hat sein Programm geändert:

RBB, 00.00

Der Schrei der Eule (F 1987, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Chabrol, Odile Barski

LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)

Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Juliette. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Patrick. Als er nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt. Aber Patrick ist noch quicklebendig.

Highsmith sezierte in ihren Büchern die Abgründe des Bürgertums. Chabrol in seinen Filmen. „Der Schrei der Eule“ markiert das langerwartete Treffen. Ein feiner Film.

Mit Christophe Malavoy, Mathilda May, Jacques Penot

–

RBB, 01.45

Der Frauenmörder von Paris (F/I 1963, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Françoise Sagan

Buch zum Film: Françoise Sagan, Claude Chabrol, Maria Dessauer: Landru, 1963 (Landru)

Während des ersten Weltkriegs wird der Spießbürger Landru zum Mörder. Weil er mit dem Verkauf von Antiquitäten seine Frau, ihre vier Kinder und das Dienstmädchen nicht mehr versorgen kann, macht er sich an reiche, alleinstehende Frauen heran, lässt sich Vollmachten ausstellen, bringt sie um und verbrennt die Leichen in seinem Landhaus. Als er erwischt wird, kann er vor Gericht die Sympathien des Publikums gewinnen.

Chabrols Film, der in der 1993 vom ZDF restaurierten Fassung gezeigt wird, beruht auf einem wahren Fall: 1919 wurde Henri Désiré Landru angeklagt, in seinem Landhaus zehn Frauen und einen Jungen ermordet zu haben. In dem Haus wurden Gebiss- und Knochenreste gefunden. Landru leugnete die Taten. Nach einer dreijährigen Untersuchungshaft wurde er in einem Indizienprozess zum Tode verurteilt und 1922 hingerichtet.

Selbstverständlich liefert Claude Chabrol keine detailgenaue Rekonstruktion der Ereignisse. “Der Frauenmörder von Paris” ist eine historische Satire – verbunden mit der sarkastischen Frage, was denn der Tod von zehn Frauen im Vergleich zum Tod Tausender junger Männer in den Schützengräben sei.

Der Fall Landru war auch der Ausgangspunkt für Charlie Chaplins “Mr. Verdoux – Der Frauenmörder von Paris” (USA 1947) und Jürgen Alberts halbdokumentarischen Roman “Landru” (1987).

Mit Charles Denner, Michèle Morgan, Danielle Darrieux, Hildegard Knef (als Hildegarde Neff), Stéphane Audran

auch “Landru der Frauenmörder von Paris”

Hinweise

Wikipedia über Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Claude Chabrol in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Torturer“ – Keine neue Dimension des Terrors

September 16, 2010

Rick (Andrew W. Walker) foltert 2003 in einem Gefängnis die irakische Gefangene Ayesha (Mahsa Masoudi, Filmdebüt). Sie soll eine Terroristin sein. Bei dem Verhör scheint einiges aus dem Ruder gelaufen zu sein. Denn jetzt ist Rick in einem anonymen Büro und unterhält sich mit einem Doktor (Nichelle Nichols, Uhura aus Raumschiff Enterprise). Er erzählt ihr, wie er das Verhör führte. Sie versucht ihm zu helfen und beruhigt ihn immer wieder. Denn unter Präsident Bush ist Folter legal und er ist geschützt. Egal, was bei dem Verhör geschah. Aber irgendwann läuft auch diese Therapiesitzung aus dem Ruder. Denn, so die simple und immer wieder betonte Moral der Geschichte: auch der Folterer trägt beim Foltern seelische Schäden davon.

Autor und Regisseur Graham Green hatte in seinem Spielfilmdebüt sicher die besten Absichten. Aber auch die besten Absichten helfen nicht, wenn die Dialoge mau sind, alles erklärt wird und sich in einer Endlosschleife wiederholt. So erklären sich in der Therapiesitzung Rick und der Doktor gegenseitig das Stockholm-Syndrom, die verschiedenen Stufen von Folter, welche Gesetze es gibt und, als ob das nicht schon genug schlechter „C. S. I.“-Stil wäre, geht ein guter Teil der Filmzeit dafür drauf, dass sie wiederholt, was er gerade gesagt hat. Oder vice versa. Aber in jedem Fall in der Häufung einfach nur noch langweilig redundant.

So wird der „war against terror“ mit all seinen rechtstaatliche Standards verachtenden Auswirkungen schnell auf das Niveau einer schlechten Talkshow heruntersaniert.

Die Geschichte des langatmigen Thesentheaters selbst ist auf den ersten Blick mit zwei bis drei Zeitebenen (das Verhör, die Therapiesitzung und ein Attentäter, der mit seinem Transporter zu einem unbekannten Ziel fährt) und ebenso vielen verschiedenen Schauplätzen komplex, aber im Endeffekt und mit dem weit hergeholten Ende, einfach nur ein billiger Taschenspielertrick. Die Chemie zwischen den Schauspielern tendiert gegen null und gerade bei der Therapiesitzung spielen Andrew W. Walker und Nichelle Nichols ihre Charaktere von Szene zu Szene so verschieden, dass man sich fragt, ob sie absichtlich schlecht spielen oder die Therapiesitzung als Alptraum nur in Ricks Kopf statt findet.

Dies alles kann nicht mit dem niedrigen Budget („Torturer“ spielt bis auf wenige Szenen in zwei Räumen und wurde, jedenfalls sehen die Bilder so auf, auf Video aufgenommen) entschuldigt werden. Denn gerade wenn wenig Geld vorhanden ist und man nicht mit riesigen Explosionen von der Geschichte ablenken kann, ist ein gut geplottetes Drehbuch mit glaubhaften Charakteren und treffenden Dialogen umso wichtiger. Und das ist bei „Torturer“ ein auf der moralisch richtigen Seite stehender Totalausfall.

Torturer (The Torturer; Graham Green’s The Torturer, USA 2008)

Regie: Graham Green

Drehbuch: Graham Green

mit Andrew W. Walker, Mahsa Masoudi, Nichelle Nichols

–

DVD

Bronson

Bild: 2,35:1 (anamorph)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Bildergalerie, Poster, Trailer, Wendecover

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

–

Hinweis

Homepage zum Film


TV-Tipp für den 16. September: Jesse Stone – Eiskalt

September 16, 2010

ZDF, 00.35

Jesse Stone – Eiskalt (USA 2005, R.: Robert Harmon)

Drehbuch: John Fasano, Michael Brandman

LV: Robert B. Parker: Stone Cold, 2003

Das Städtchen Paradise hat zwei neue Einwohner: die Lincolns. Sie sind Serienkiller und der Polizeichef von Paradise, Jesse Stone, beginnt sie zu jagen.

Neben der erfolgreichen Spenser-Serie und der unter Fans gehassten Sunny-Randall-Serie schrieb Robert B. Parker auch die Jesse-Stone-Romane. In ihnen ist ein geschiedener L.-A.-Cop mit einem Alkoholproblem, der in der Kleinstadt Paradise bei Boston zur Ruhe kommen will, der Held. Gerade die ersten Romane waren düsterer als von Robert B. Parker gewohnt und sorgfältiger konstruiert als die Spenser-Romane, die von Parker teilweise per Autopilot geschrieben werden.

„Stone Cold“ ist der vierte Jesse-Stone-Roman, aber die erste Jesse-Stone-Verfilmung. Der angenehm altmodische Thriller wurde positiv aufgenommen, bis jetzt wurden fünf weitere Jesse-Stone-Filme im US-TV ausgestrahlt und weitere Jesse-Stone-Filme sind geplant.

Mit Tom Selleck, Jane Adams, Reg Rogers, Mimi Rogers

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte