Film Noir Collection 3: Schwarzer Engel

Juni 4, 2008

„Schwarzer Engel“ war 1946 eines der zahlreichen B-Pictures in denen verdiente Nebendarsteller und aufstrebende Schauspieler wichtige Rollen übernahmen. Doch „Schwarzer Engel“ ist außerhalb der Fankreise ein fast unbekannten Noir.

Zu Unrecht.

Denn „Schwarzer Engel“ ist sehr gut gealtert und das Ende ist – vor allem in der Präsentation von Roy William Neill – auch nach über sechzig Jahren immer noch schockierend.

Die Geschichte beginnt mit dem Mord an der erfolgreichen Sängerin Marvis Marlowe (Was für ein Namen! Constance Dowling). Auf ihrem Plattenspieler dreht sich das von ihrem Ex Martin Blair (Dan Duryea) geschriebene Lied „Heartbreak“. Die Ermittlungen der Polizei führen schnell zu Kirk Bennett (John Phillips). Er wurde am Tatort gesehen, die Beweise sprechen gegen ihn und er wird, obwohl er die Tat leugnet, zum Tode verurteilt. Seine Frau Catherine Bennett (June Vincent) beginnt auf eigene Faust den Mörder zu suchen. Ihre einzige Spur ist eine Rubin-Brosche, die ihr Mann auf der Leiche gesehen hatte und die verschwunden ist. Ihre Ermittlungen führen sie zu Martin Blair, der seine Tage hauptsächlich betrunkenen im Selbstmitleid verbringt. Als sie ihm ein Bild ihres verurteilten Mannes zeigt, sagt Blair, er habe an diesem Abend einen anderen Mann gesehen. Gemeinsam beginnen sie den Mörder von Marvis Marlowe zu suchen. Sie glauben, dass es der zwielichtige Nachtclubbesitzer Marko (Peter Lorre) ist. Als Gesangsduo schleichen sie sich in seinen Club Rio’s ein.

Cornell Woolrich (1903 – 1968 ) war mit seinen düsteren Visionen über von echter und falscher Schuld getriebene Menschen der Noir-Autor par excellence. Entsprechend oft wurden seine Werke verfilmt. Die IMDB listet über einhundert Verfilmungen auf. Die bekanntesten sind „Rear Window“ (Das Fenster zum Hof), „La mariée était en noir“ (Die Braut trug schwarz), „La sirène du mississippi“ (Das Geheimnis der falschen Braut), „Martha“ (weil Fassbinder eine Woolrich-Geschichte verfilmte, ohne die Rechte zu haben, durfte der Film lange Zeit nicht gezeigt werden) und natürlich die in den Vierzigern gedrehten Noirs, wie „The night has a thousand eyes“ (Die Nacht hat tausend Augen; Du stirbst um Elf), „Phantom Lady“ (Zeuge gesucht; Das Geheimnis der Lady X), „Deadline at dawn“ und “The Mark of the Whistler” (Das Zeichen des Whistler). Etliche Verfilmungen gingen ziemlich frei mit Woolrichs Geschichten um. Auch „Schwarzer Engel“ macht da keine Ausnahme.

Drehbuchautor Roy Chanslor (1899 – 1964) hat im Filmgeschäft vor allem als Romanautor seine Spuren hinterlassen. Denn er schrieb die Vorlagen für „Johnny Guitar“ und „Cat Ballou“. Außerdem schrieb er, neben zahlreichen Drehbüchern zu inzwischen vergessenen Filmen, auch das Buch zu dem von Roy William Neill inszenierten Sherlock-Holmes-Film „The House of Fear“ (Das Haus des Schreckens). Für „Schwarzer Engel“ – sagen wir mal – straffte Chanslor Woolrichs Roman von einem Rachefeldzug in der Unterwelt auf einen verdächtigen Nachtclubbesitzer. Doch den Woolrichsen Kosmos von Verzweiflung und Getriebensein übertrug er in sein Drehbuch.

In den kundigen Händen von Regieveteran Roy William Neil (1887 – 1946) wurde aus der Geschichte ein effektvoller Noir mit zahlreichen erinnerungswürdigen Szenen und guten Leistungen des Ensembles. Neill begann als Stummfilmregisseur und ist heute vor allem für seine regelmäßig nachmittags oder nachts laufenden Sherlock-Holmes-Filme mit Basil Rathbone und Nigel Bruce bekannt. Das B-Picture „Schwarzer Engel“ war sein letzter Film und es ist ein würdiger Abschluss eines kurzen Lebens. Das geringe Budget gestatte es, Themen anzusprechen, die in einem Film mit bekannten Schauspielern und Stars nicht mehr möglich gewesen wären. Denn Catherine Bennetts Suche nach dem Mörder ist gleichzeitig eine Emanzipationsgeschichte (aus der braven Hausfrau wird eine Nachtclubsängerin) und eine Liebesgeschichte. Dass sie am Ende die Unschuld ihres Mannes beweisen kann, lässt ihre Mission auf den ersten Blick erfolgreich enden. Doch es ist ein Phyrrussieg. Denn jetzt ist wieder in den Armen ihres ehebrechenden Trottels.

Catherine-Bennett-Darstellerin June Vincent sollte als Blondine eine zweite Veronika Lake werden, doch der große Durchbruch gelang ihr nicht. Dan Duryea hatte damals als charismatischer Nebendarsteller, vor allem auf der Seite der Bösen, bereits einen Namen. In „Schwarzer Engel“ spielt er glaubwürdig einen Alkoholiker, der sich an jeden Strohhalm klammert und durch seine Beziehung zu Catherine Bennett wieder neuen Lebensmut fasst. Dass diese Beziehung auf der Prämisse aufbaut, dass ihr Mann bald sterben wird und er daher eigentlich kein Interesse an einer erfolgreichen Mörderjagd haben kann, wirft schon früh ein schlechtes Licht auf den charmanten Musiker (jedenfalls wenn er nüchtern ist).

Diesem seltsamen Paar gegenüber stehen etliche charismatische Männer. Peter Lorre ist wieder einmal der mit halbgeschlossenen Lidern und hängender Zigarette durch den Film schleichende, allwissende Bösewicht, der sich mit seinem Schicksal abgefunden hat. Ex-Boxer Freddie Steele spielt Lucky, den Manager vom Rio’s, als einen kultivierten Schläger, dem ein kaltblütiger Auftragsmord ohne weiteres zuzutrauen ist. Broderick Crawford (für „All the King’s men“ [Der Mann, der herrschen wollte] erhielt er einen Oscar) spielt seine Rolle als ermittelnder Captain Flood so entspannt, dass an seiner Ehrlichkeit als Polizist Zweifel angebracht sind.

Koch Media hat mit den ersten drei Filmen ihrer Film-Noir-Collection die Noir-Perlen „Die Blaue Dahlie“, „Spiel mit dem Tode“ und „Schwarzer Engel“ den Krimifans und Filmfreunden wieder zugänglich gemacht. Hoffentlich wird die Reihe in den kommenden Monaten ähnlich liebevoll fortgesetzt.

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Schwarzer Engel (Black Angel, USA 1946)

Regie: Roy William Neill

Drehbuch: Roy Chanslor

LV: Cornell Woolrich: The black angel, 1943 (Der schwarze Engel; Adresse Friedhof)

Mit Dan Duryea, June Vincent, Peter Lorre, Broderick Crawford, Constance Dowling

Auch bekannt als “Vergessene Stunde” und „Das Geheimnis des Hotelzimmers“

Koch Media – Film Noir 3 (77 Minuten, Deutsch/Englisch, Untertitel. Englisch)

DVD-Bonus: Bildergalerie, Original Kinotrailer, 12-seitiges Booklet

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Hinweise

Noir of the Week über „Black Angel“

Mordlust über Cornell Woolrich

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

DetNovel über Cornell Woolrich

Time (Richard Corliss): That old feeling: Woolrich’s World (Dezember 2003)

Time (Richard Corliss): That old feeling: Fear Noir (über Woolrich-Verfilmungen, Dezember 2003)


TV-Tipp für den 4. Juni

Juni 4, 2008

ARD, 20.15

Hurenkinder (D 2006, R.: Andreas Kleinert)

Drehbuch: Hannah Hollinger

LV: Christine Grän: Hurenkind, 2001

Journalistin Marie geht für ihre Karriere in jedes Bett. Kurz vor einem entscheidenden Karrieresprung verliebt sie sich in einen verheirateten Mann und plötzlich muss sie ihre Lebensprinzipien hinterfragen.

Verfilmung eines Mainstream-Romans der Anna-Marx-Erfinderin Grän.

Wenn die Angaben stimmen, feiert „Hurenkinder“ erst heute, zwei Jahre nach seiner Produktion die, hm, Weltpremiere. Immerhin ist Kleinert ein für gehaltvolle Filme bekannter Regiesseur und die Besetzung ist auch nicht schlecht.

Mit Nina Kunzendorf, Péter Franke, Michael Brandner, Ulrike Krumbiegel, Karin Baal, Hans Peter Hallwachs

Wiederholung: Donnerstag, 5. Juni, 10.30 Uhr

Hinweise

NDR: Hurenkinder – Pressemappe

Homepage von Christine Grän


Cover der Woche

Juni 3, 2008


James Bonds nicht so glorreiche Rückkehr

Juni 3, 2008

Der Pressebohei um das neue James-Bond-Buch war groß. Immerhin ging es ganz schnöde um die Wiederbelebung von James Bond als Romangestalt. Denn der letzte Bond-Roman „The man with the red tattoo“ verkaufte sich 2002 nicht gut. Also wurde die Zusammenarbeit mit Raymond Benson beendet und nach einer mehrjährigen Pause auf dem Erwachsenenbuchmarkt, ein neuer Autor gesucht. Schon die Suche war von dem aus den Filmen bekannten Spiel aus Geheimhaltung und Spekulationen begleitet worden. Dann stand fest: Sebastian Faulks schreibt den neuen Roman. Die hastige Suche im Internet ergab: kein Krimiautor, sondern ein Literat. Nach Raymond Benson und John Gardner war das etwas Neues. Allerdings war auch der erste Bond-Roman nach Ian Flemings Tod von einem Literaten geschrieben worden. Kingsley Amis hieß der in England bekannte Autor, der dafür das kaum kaschierte Pseudonym Robert Markham verwandte.

Nun also Sebastian Faulks.

Dann begann der zweite Teil des Spiels. Über die Geschichte war vorher nichts zu erfahren und auch der Klappentext von „Der Tod ist nur der Anfang“ (ein weiterer der schön nichtssagenden Bond-Titel) passt auf fast jeden Bond-Roman: Der Geheimagent ihrer Majestät kämpft gegen einen gefährlichen Unterweltboss, der das Königreich angreifen will und eine schöne Frau ist auch dabei.

Weil Ian Fleming am 28. Mai seinen hundertsten Geburtstag feierte, wurde die weltweite Veröffentlichung des Buches von Flemings Erben und dem Verlag auf diesen werbeträchtigen Tag gelegt und weltweit schrieben die Medien kostenlos über die Vorstellung des neuen Bond-Romans in London mit Schlauchboot, bewaffneten Elitesoldaten, gesichertem Koffer, Covergirl Tuuli Shipster (ein fast Bondwürdiger Name) und Autor Sebastian Faulks. Bis dahin lief das Spiel mit den Erwartungen reibungslos.

Jetzt muss Faulks Geschichte sich der kritischen Öffentlichkeit stellen und es geht nur noch um eine Frage:

Wie geglückt ist das Buch?

Die kurze Antwort ist: Solala mit einer deutlichen Tendenz zum Negativen.

Die lange ist: „Der Tod ist nur der Anfang“ spielt knapp zwei Jahre nach dem letzten von Ian Fleming geschriebenen und 1965 posthum veröffentlichten Roman „The man with the golden gun“ (007 James Bond und der Mann mit dem goldenen Colt/007 James und der goldene Colt) (Als ich das maue Buch vor Ewigkeiten las, dachte ich, ich hätte einen noch nicht bearbeiteten Entwurf in der Hand.). Diese Rückkehr in die sechziger Jahre verleiht dem Werk ein nostalgisches Flair vom blühenden Jet-Set-Leben und den zaghaft angedeuteten beginnenden gesellschaftlichen Umbrüchen. Gleichzeitig gibt diese Rückkehr in die Sechziger, nachdem die Romane von Gardner und Benson in der Gegenwart spielten, und das bewusste Anknüpfen an Fleming den Bezugsrahmen für eine Kritik vor. Mit „Der Tod ist nur der Anfang“ sollte nicht, wie bei dem letzten Bond-Film „Casino Royale“ mit einem neuen Darsteller die Serie in ein neues Jahrzehnt überführt werden. Stattdessen sollte die einst glorreiche Vergangenheit wiederbelebt werden. Und Faulks knüpfte, wie er sagt, bewusst an Flemings Stil an.

M hat James Bond einen dreimonatigen Urlaub, in dem er sich überlegen soll, ob er weiter 00-Agent sein will, verordnet. In Venedig trifft er die schöne Larissa Rossi (Anfang dreißig, kurzes schwarzes Haar, weit auseinanderliegende braune Augen, wunderschöner Mund, lange, geschmeidige, wohlgeformte und elegante Beine). Bevor Bond mit ihr im Bett landet – wobei er das auf den nächsten Tag verlegen will (was uns Bond-Fans ernsthaft an der weiteren Diensttauglichkeit des Doppelnullagenten zweifeln lässt) –, wird er von M zurückgerufen. Er beauftragt Bond, sich an die Fersen von Dr. Julius Gorner zu heften. Der unglaublich reiche Mann ist ein weltweit operierender Rauschgifthändler, der seine Ware legal und illegal verkauft. Sein besonderes Kennzeichen ist eine Affenhand; eine genetische Missbildung. Bond soll herausfinden, wie der Mann tickt und was an den Gerüchten, dass Gorner etwas Großes plane, dran sei. Meistens sei er in Paris.

James Bond fliegt dorthin und trifft in seinem Hotelzimmer wieder auf Larissa, die in Wirklichkeit Scarlett Papava heißt und Investmentbankerin ist. Sie erzählt ihm eine herzzerreißende Geschichte von ihrer Schwester Poppy, die von Gorner als Sklavin festgehalten wird. Bond beschließt das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Am nächsten Tag trifft er Gorner zu einem Tennisspiel.

Dieses Spiel, natürlich garniert mit einem steigenden Wetteinsatz, ist Bond-klassisch die erste Konfrontation zwischen dem Geheimagent ihrer Majestät und dem zu besiegenden Feind der westlichen Hemisphäre.

Das nächste Treffen ist in Persien, dem heutigen Iran, – und in diesem Moment ist der angenehme Teil von „Der Tod ist nur der Anfang“ vorbei. Bis dahin war es eine liebevolle Wiederbelebung von James Bond, garniert mit Erwähnungen von Ereignissen aus den früheren Büchern, etwas Jet-Set, Essen, Trinken, schönen Frauen, Gesprächen mit Miss Moneypenny und M, einigen Hinweisen auf die sechziger Jahre und einem als Spiel getarntem Duell zwischen James Bond und dem Bösewicht des Buches. In Persien fällt Faulks Geschichte wie ein falsch zubereitetes Soufflé zusammen zu einer x-beliebigen, ironiefreien Agentengeschichte mit länglichen Reisebeschreibungen, lahmen Actionszenen, wenig Sex, einem vergurkten Verhindern der Pläne des Bösewichts und, Tage später, seinem Tod.

Das ist für einen Bond-Roman eindeutig zu wenig; – auch wenn ich als Vorbereitung für „Der Tod ist nur der Anfang“ die alten Bond-Romane von Ian Fleming nicht gelesen habe. Und, verglichen mit anderen in den Sechzigern spielenden Agententhriller, – ich denke an die Romane von Peter O’Donnell (Modesty Blaise), Lawrence Block (Evan Tanner) und Ross Thomas -, ist „Der Tod ist nur der Anfang“ erschreckend altmodisch. Kein Funken Ironie würzt das Werk. Nichts ist von den Swinging Sixties zu spüren. Nichts vom Aufbegehren gegen die Konventionen. James Bond stampft in seinem neuesten Abenteuer nur stoisch durch vertrautes Gelände.

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Sebastian Faulks (schreibt als Ian Fleming): Der Tod ist nur der Anfang

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Heyne, 2008

352 Seiten

12,95 Euro

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Originaltitel

Devil may care

Penguin 007/The Penguin Group, 2008

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Hinweise

Homepage von Ian Fleming (genaugenommen von seinen Erben)

Kriminalakte über Ian Fleming und die Buchpremiere

Homepage von Sebastian Faulks

Contemporary Writers über Sebastian Faulks

Sebastian Faulks zum Buch

Times Online: Interview mit Sebastian Faulks

Stern: Interview mit Sebastian Faulks


TV-Tipp für den 3. Juni

Juni 3, 2008

WDR, 22.10

Getaway (USA 1972, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Walter Hill

LV: Jim Thompson: Getaway, 1958 (Getaway)

Auf Wunsch des korrupten Politikers Jack Benyon wird Doc McCoy vorzeitig aus der Haft entlassen. Er soll eine Bank ausrauben. Der Überfall gelingt, aber danach geht alles schief.

Die gelungene und kommerziell sehr erfolgreiche Verfilmung des Krimis, mit Steve McQueen und Ali MacGraw – obwohl das letzte Drittel des Buches fehlt. Und das ist noch nicht alles, wie der französische Regisseur Alain Corneau meint: „Im Gegensatz zu Hammett und Chandler sind die Amerikaner nicht dazu in der Lage, Thompson zu verfilmen. Nehmen wir zum Beispiel Getaway. Die Figuren werden für die Verfilmung um 180 Grad gedreht, das Buch um mindestens ein Drittel gekürzt. Die Personen und das Thema des Romans wurden an die Seite gedrängt. Doc McCoy ist im Buch ein viel düsterer Charakter als Steve McQueen, und die philosophischen Dimensionen gingen völlig verloren.“ – Trotzdem ist „Getaway“ ein kalter, düsterer und amoralischer Film.

Wenn man den Film nicht kennt, ist der Trailer abschreckend. Aber so wurde damals für Filme geworben.

Mit Steve McQueen, Ali MacGraw, Ben Johnson, Al Lettieri, Slim Pickens, Bo Hopkins

Wiederholung: SWR, Mittwoch, 4. Juni, 23.00 Uhr

Hinweise

Mordlust über Jim Thompson

Crimetime über Jim Thompson

Wikipedia über Jim Thompson (Englisch)

Kirjasto über Jim Thompson

Popsubculture über Jim Thompson

Senses of Cinema über „The Getaway“

Drehbuch „Getaway“ von Walter Hill (Final Revised Shooting Draft – 23. Februar 1972)


Die Anthony Nominierungen 2008

Juni 2, 2008

Die Nominierungen für den diesjährigen Anthony sind draußen. Er wird auf der Bouchercon von Bouchercon-Besuchern gewählt und am 12. Oktober im Sheraton Center City in Baltimore von Mark Billingham verliehen.

Und wer kann gewinnen?

Best Novel

Tin Roof Blowdown, von James Lee Burke

Bad Luck and Trouble, von Lee Child

The Watchman, von Robert Crais

Thunder Bay, von William Kent Krueger

What the Dead Know, von Laura Lippman

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Best First Novel

Big City, Bad Blood, von Sean Chercover

In the Woods, von Tana French

The Spellman Files, von Lisa Lutz

Head Games, von Craig MacDonald

The Blade Itself (Der Blutzeuge), von Marcus Sakey

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Best Paperback Original

Queenpin, von Megan Abbott

Slide, von Ken Bruen and Jason Starr

Blood of Paradise, von David Corbett

Bavon Shark’s Beaumont Blues, von Robert Fate

A Thousand Bones, von P.J. Parrish

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Best Short Story

Please Watch Your Step, von Rhys Bowen (The Strand Magazine, Spring 2007)

Dear Dr. Watson, von Steve Hockensmith (Ellery Queen Mystery Magazine, February 2007)

How Stella Got her Grave Back, von Toni L.P. Kelner (aus Many Bloody Returns, herausgegeben von Charlaine Harris and Toni L.P. Kelner)

Hardly Knew Her, von Laura Lippman (aus Dead Man’s Hand, herausgegeben von Otto Penzler)

Uncle, von Daniel Woodrell (aus A Hell of A Woman: An Anthology of Female Noir, herausgegeben von Megan Abbott)

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Best Critical Non-fiction

Arthur Conan Doyle: A Life in Letters, von Jon Lellenberg, Daniel Stashower, Charles Foley

The Essential Mystery Lists, zusammengestellt von Roger Sobin

The Triumph of the Thriller: How Cops, Crooks, and Cannibals Captured Popular Fiction, von Patrick Anderson

Deviance in Contemporary Crime Fiction, von Christiana Gregoriou

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Special Services Award

Jon and Ruth Jordan, Crimespree Magazine

Ali Karim, Shots

Maddy Van Hertbruggen, 4 Mystery Addicts

Sarah Weinman, Confessions of an Idiosyncratic Mind

Judy Bobalik, “for being one of the best friends and supporters of mystery writers anywhere.”

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Best Web Site

Confessions of an Idiosyncratic Mind, von Sarah Weinman

The Rap Sheet/January Magazine, herausgegeben von J. Kingston Pierce

Murderati, a writers’ blog

Stop, You’re Killing Me!, herausgegeben von Stan Ulrich und Lucinda Surber

Crime Fiction Dossier, von David Montgomery

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Lifetime Achievement Award

Robert Rosenwald und Barbara Peters: The Poisoned Pen bookstore in Phoenix, Arizona, und Poisoned Pen Press

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(Dank an The Rap Sheet für die Infos)


Die Barry-Nominierungen 2008

Juni 2, 2008

Deadly Pleasures Mystery Magazine hat die Nominierungen für den diesjährigen Barry veröffentlicht. Die Gewinner werden auf der Bouchercon in Baltimore (9. – 12. Oktober) verkündet.

Best Novel (published in the U.S. in 2007)

Soul Patch, von Reed Farrel Coleman

The Unquiet, von John Connolly

Down River, von John Hart

Dirty Martini, von J.A. Konrath

What the Dead Know, von Laura Lippman

Red Cat, von Peter Spiegelman

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Best First Novel (published in the U.S. in 2007)

Missing Witness, von Gordon Campbell

Big City, Bad Blood, von Sean Chercover

In the Woods, von Tana French

The Spellman Files, von Lisa Lutz

The Collaborator of Bethlehem, von Matt Beynon Rees

The Blade Itself (Der Blutzeuge), von Marcus Sakey

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Best British Crime Novel (published in the U.K. in 2007, not necessarily written von a British writer nor set in the U.K.)

A Quiet Belief in Angels, von R.J. Ellory

Pig Island, von Mo Hayder

One Under, von Graham Hurley

The Death List, von Paul Johnston

The 50/50 Killer (Der 50/50 Killer), von Steve Mosby

Damnation Falls, von Edward Wright

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Best Paperback Original

Queenpin, von Megan Abbott

Black Widow Agency, von Felicia Donovan

Choke Point, von Jay MacLarty

The Mark, von Jason Pinter

Wash This Blood Clean from My Hand, von Fred Vargas

Who Is Conrad Hirst?, von Kevin Wignall

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Best Thriller

No Time for Goodvone, von Linwood Barclay

The Cleaner, von Brett Battles

The Watchman, von Robert Crais

Volk’s Game, von Brent Ghelfi

Silence, von Thomas Perry

Midnight Rambler, von Jim Swain

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(Dank an The Rap Sheet für die Infos)


TV-Tipp für den 2. Juni

Juni 2, 2008

3sat, 22.55

Strafe muss sein – aber wie?

Michael Hofer diskutiert mit Christian Elger (Neurowissenschaftler, Bonn), Udo Jesionek (Professor für Jugendstrafrecht und Strafvollzug, Wien), Wolfgang Schild (Rechtsphilosoph und Strafrechtshistoriker, Bielefeld) und Elisabeth Wagner (Psychotherapeutin, Baden) über Strafe im Allgemeinen und im Speziellen.

Wer die Erstausstrahlung am 11. März verpasste (zum Beispiel ich), kann’s jetzt wiedergutmachen. Die dritte Chance gibt es am –

Wiederholung: Mittwoch, 4. Juni, 06.30 Uhr


TV-Tipp für den 1. Juni

Juni 1, 2008

ARD, 00.00

Kim Novak badete nie im See von Genezareth (S 2005, R.: Martin Asphaug)

Drehbuch: Martin Asphaug

LV: Håkan Nesser: Kim Novak badade aldrig i Genesarets sjö, 1998 (Kim Novak badete nie im See von Genezareth)

Sommer 1962: Der 14-jährige Erik erlebt, während seine Mutter in einem Krankenhaus auf den nahen Krebstod wartet, mit einigen Freunden an einem See seinen letzten unbeschwerten Sommer. Da taucht eine Nachbarin, die wie Kim Novak aussieht, auf und einer seiner Freunde beginnt eine Affäre mit ihr. Mit fatalen Folgen.

Lassen Sie sich nicht durch den bekannten Namen „Nesser“, den Hinweis „Jugenddrama“, die FSK-12-Freigabe, das Labeling „schwedisches ‚Stand by Me’“ und die positiven Kritiken täuschen. „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ ist kein Film für die breite Masse, sondern ein Minderheitenprogramm. Sonst würde Das Erste die TV-Premiere doch nicht vor einem Arbeitstag zur Geisterstunde versenden, oder?

Mit Anton Lundqvist, Jesper Adefelt, Jonas Karlsson

Hinweise

Homepage von Håkan Nesser

Deutsche Homepage von Håkan Nesser

Krimi-Couch über Håkan Nesser

Schwedenkrimi: Interview mit Håkan Nesser (2002)


KrimiWelt-Bestenliste Juni 2008

Mai 31, 2008

Was gibt’s am letzten Wochenende im Monat? – Richtig, die Bestenliste der KrimiWelt. Für den Juni haben die Kritiker diese internationale Liste erstellt:

1 (-) Matti Rönkä: Bruderland

2 (1) Robert Littell: Die Söhne Abrahams

3 (-) Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse

4 (8 ) Matt Beynon Rees: Der Verräter von Bethlehem

5 (5) David Peace: 1983

6 (4) Lawrence Block: Verluste

7 (2) Lee Child: Sniper

8 (7) Marek Krajewski: Festung Breslau

9 (-) Magdalen Nabb: Vita Nuova

10 (10) Stuart MacBride: Der erste Tropfen Blut

Allan Guthrie ist ein Wiedereinstieg; in der Klammer ist immer die Platzierung vom Vormonat.

Der Stuart MacBride liegt immer noch ungelesen bei mir herum. Andere Bücher, wie der neue John Harvey „Schlaf nicht zu lange“ (empfehlenswert) oder Sebastian Faulks Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (erster Eindruck: naja bis mau; nach einem guten Anfang wird’s zunehmend zäh), waren wichtiger.

Den Littell finde ich etwas überbewertet. Beim Rönkä reißt es letztendlich die Sprache heraus. Child und Block liefern die gewohnte Qualität. Peace schließt sein Red Riding Quartet gewohnt brachial ab. Guthrie ist eine spannende neue Stimme für die Freunde des Gangsterromans. Wenn Sie Ted Lewis mögen, sollten sie unbedingt Guthrie anlesen.

Meine Besprechung der hier erwähnten Bücher von Lawrence Block und Allan Guthrie gibt es demnächst in der Juni-Spurensuche bei den Alligatorpapieren.


TV-Tipp für den 31. Mai

Mai 31, 2008

Das Vierte, 20.15

Der Anderson-Clan (USA 1970, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Frank Pierson

LV: Lawrence Sanders: The Anderson Tapes, 1970 (Die Anderson-Bänder)

Einbruchspezialist Duke Anderson, gerade frisch aus dem Knast entlassen, plant seinen letzten großen Coup. Aber er und seine Kumpels werden pausenlos überwacht.

In seinem auf Tatsachen beruhenden Kassenknüller zeichnet Lumet ein düsteres Bild einer totalen Überwachung der Gesellschaft. Weil die verschiedenen staatlichen Stellen, die das Gebäude überwachen, keinen Kontakt zueinander haben und jeweils eigene Interessen verfolgen, können sie mit den belauschten Gesprächen nichts anfangen.

Mit Sean Connery, Dyan Cannon, Martin Balsam, Ralph Meeker, Christopher Walken, Val Avery

Hinweise

Thrilling Detective über Lawrence Sanders

New York Times: Nachruf auf Lawrence Sanders


Film Noir Collection 2: Spiel mit dem Tode

Mai 30, 2008

George Stroud (Ray Milland) sitzt gewaltig in der Patsche. Er wird in einem riesigen, leeren Bürohaus von den Wachleuten gesucht. Dabei war er vor 36 Stunden noch ein glücklich verheirateter Mann, der in wenigen Stunden in die verspäteten Flitterwochen aufbrechen wollte, und der Leiter des respektierten Magazins „Crimeways“. Sein Chef, der Zeitungsmogul Earl Janoth (Charles Laughton), schätzt ihn als Mitarbeiter, der sein Geld wert ist. Gerade hat er wieder einen flüchtigen Verbrecher ausfindig gemacht und so die Grundlage für massive Verkaufszuwächse der nächsten Ausgaben von „Crimeways“ geschaffen. Janoth möchte, dass Stroud sich weiter um die Berichte über den gefundenen Verbrecher kümmert. Aber Stroud lehnt ab. Er hat seiner Frau Georgette (Maureen O’Sullivan) die Reise versprochen. Der Konflikt zwischen Janoth und Stroud eskaliert – und Stroud kündigt.

Am Abend betrinkt er sich in einer Bar und gerät mit der schönen Blondine Pauline York (Rita Johnson) ins Gespräch. Sie betrinken sich, ziehen durch die Kneipen und landen schließlich in ihrer Wohnung. Als Stroud sie am nächsten Tag verlässt, um zu seiner Frau zu gehen, bewegt sich der Fahrstuhl nach oben. Stroud geht zur Treppe und beobachtet, wie sein ehemaliger Chef Earl Janoth den Fahrstuhl verlässt und Paulines Apartment betritt.

Stroud fährt zu seiner Frau in die Flitterwochen. Währenddessen bringt Janoth in einem Anfall von Eifersucht seine Geliebte um und beichtet seinem Assistenten Steve Hagen (George Macready) die Tat und dass er beim Betreten des Apartments von einem Nebenbuhler beobachtet wurde. Hagen, der in Janoths Imperium weiter aufsteigen will, schlägt vor, George Stroud aus den Flitterwochen zurückzuholen und mit der Jagd nach dem Unbekannten zu beauftragen.

Stroud ist einverstanden – und beginnt, während er versucht den Mörder zu überführen, sich selbst zu jagen.

Von Kenneth Fearing ist die Idee, des Unschuldigen, der sich selbst jagt. Jonathan Latimer, selbst ein erfolgreicher Noir-Autor, verarbeitete Fearings Roman „The Big Clock“ zu einem Noir-Klassiker, der in den hellen Gängen und Büros eines riesigen Pressehauses spielt, und 1949 für den Edgar als bester Kriminalfilm des Jahres nominiert war. „Kennwort 777“ erhielt den Preis.

Latimer hatte in Hollywood als Drehbuchautor fast vierzig Jahren lang mehr Erfolg als die ungleich bekannteren Hardboiled-Autoren Dashiell Hammett und Raymond Chandler. Er schrieb die Bücher zur Hammett-Verfilmung „Der gläserne Schlüssel“ (mit Alan Ladd und Veronika Lake), der Cornell-Woolrich-Verfilmung „Die Nacht hat tausend Augen“ (mit Edward G. Robinson), der David-Dodge-Verfilmung „Das geheimnisvolle Testament“ (mit Glenn Ford, bei beiden führte John Farrow Regie), für zwanzig Perry-Mason-Folgen (mit Raymond Burr) und, als letzte Arbeit, für den Columbo-Krimi „Die Blumen des Bösen“ (mit Ray Milland). Auch „Spiel mit dem Tode“ lebt von dem durchdachten Drehbuch, das den guten Schauspielern die Möglichkeit für große Auftritte gibt und Regisseur John Farrow unterstützt das mit seiner fast schwerelosen Kameraführung. Immer wieder gleitet sie, als ob es keine Wände gäbe, von einem Raum in den nächsten. So ist Laughtons erster Auftritt eine eindrückliche Demonstration seiner Macht. Er kommt später zu einer Besprechung seiner Chefredakteure, staucht sie wie kleine Kinder zusammen, lässt sich von vorne bis hinten bedienen und die Kamera verfolgt ihn mit dem gleichen bewundernd-demütigenden Blick, den auch die am Tisch sitzenden Journalisten haben. Sowieso ist Charles Laughton als geckenhafter, über scheinbar unbegrenzte Macht und eine unbegrenzte Armee williger Angestellter verfügender Zeitungsmogul, der immer die träge Freundlichkeit einer Kobra kurz vorm Zubeißen ausstrahlt, ein grandioser Bösewicht (Dagegen ist Gene Hackman im Remake „No way out – Es gibt kein zurück“ als verbrecherischer Verteidigungsminister zwar formal mächtiger, aber weniger furchteinflößend.).

Ray Milland als brav-bürgerlicher Journalist, der zwischen Beruf und Familie, zwischen Schuld (immerhin hat er seine fünfte Hochzeitsnacht bei einer anderen Frau verbracht) und Unschuld immer verzweifelter versucht, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Mörder zu überführen, ist dagegen der Jedermann, der nach einem kleinen Schritt vom Pfad der Tugend immer tiefer in den Schlamassel gerät. Denn je besser er seine Arbeit macht und den unerwünschten Zeugen sucht (der dann der Justiz als Mörder präsentiert werden soll), umso mehr bringt er sein eigenes Leben in Gefahr.

Zwischen diesen beiden Männern stehen eine Armada von Vorzimmerdamen, eifrigen Journalisten und Lakaien, wie Steve Hagen. In dieser durchkapitalisierten Männerwelt hat Maureen O’Sullivan als brave Ehefrau nur die Rolle des schmückenden Beiwerks. Die Staatsmacht taucht hier nur noch als Witzfigur, gespielt von einem Schauspieler, auf.

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Spiel mit dem Tode (The Big Clock, USA 1947)

Regie: John Farrow

Drehbuch: Jonathan Latimer

LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1945

Mit Ray Milland, Charles Laughton, Maureen O’Sullivan, George Macready, Rita Johnson, Elsa Lanchester, Harold Vermilyea

Koch Media – Film Noir 2 (90 Minuten, Deutsch/Englisch, Untertitel. Englisch)

DVD-Bonus: Bildergalerie, Original Kinotrailer, 12-seitiges Booklet, alte und neue deutsche Synchronisation

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Hinweise

Noir of the Week über „The Big Clock“

Modern American Poetry: Kenneth Fearing

Mystery File: John Fraser über Jonathan Latimer

Thrilling Detective über Jonathan Latimer

Kirjasto über Jonathan Latimer

Krimi-Couch über Jonathan Latimer

Mordlust über Jonathan Latimer


TV-Tipp für den 30. Mai

Mai 30, 2008

Arte, 21.00

Das Gelübde (D 2007, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Markus Busch, Dominik Graf

LV: Kai Meyer: Das Gelübde, 1998

Dülmen, 1818: der frisch bekehrte Clemens Brentano protokolliert die Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick und fragt sich, ob es den Teufel wirklich gibt.

Ein Historiendrama, das unter den Händen von Dominik Graf nicht schlecht sein kann.

Mit Misel Maticevic, Tanja Schleiff, Anke Sevenich, Maren Eggert, Johann von Bülow

Wiederholung: Mittwoch, 4. Juni, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte zum Film (mit Interview und Pressemappe)

Homepage von Kai Meyer

Phantastik-Couch redet mit Kai Meyer


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Mai 29, 2008

Wegen Urlaubs (Alligator-Alfred erholte sich unter südlichen Olivenhainen) erscheinen die TV-Krimi-Buch-Tipps erst heute in der schönen Version. Die Kriminalakte liefert nur den groben Überblick:

Willkommen zu zwei Wochen delikat angerichteter Leichen und weiterer Straftaten. Besonders empfehlenswerte Deliktvarianten finden Sie im ersten Trimmel-Tatort „Taxi nach Leipzig“ (nach dem unlängst wieder veröffentlichten Roman von Friedhlem Werremeier), José Giovannis „Endstation Schafott“, Jules Dassins Eric-Ambler-Verfilmung „Topkapi“, Robert Rodriguez Frank-Miller-Verfilmung „Sin City“, Alfred Hitchcocks Frederick-Knott-Verfilmung „Bei Anruf Mord“ und seiner Patrick-Hamilton-Verfilmung „Cocktail für eine Leiche“ (oder Warum Theater nicht langweilig ist.), Alan Parkers William-Hjortsberg-Verfilmung „Angel Heart“, Jacques Tourneurs Richard-Matheson-Verfilmung „Ruhe sanft GmbH“, Sidney Lumets Lawrence-Sanders-Verfilmung „Der Anderson-Clan“, Steven Spielbergs Frank-Abagnale-Verfilmung „Catch me if you can“, Sam Peckinpahs Jim-Thompson-Verfilmung „Getaway“ (nach dem Drehbuch von Walter Hill), Walter Hills John-Godey-Verfilmung „Johnny Handsome“, Claude Pinoteaus Francis-Ryck-Verfilmung „Ich – Die Nummer eins“ und Don Coscarellis Joe-R.-Lansdale-Verfilmung „Bubba Ho-Tep“ gibt sich wieder die Ehre.
Andreas Kleinerts Christine-Grän-Verfilmung „Hurenkinder“ feiert endlich seine TV-Premiere.


Neu im Kino: Remakes, oh Remakes!!!

Mai 29, 2008

Eins davon können wir mit gutem Gewissen unter Krimi verbuchen, die zwei anderen nicht (einmal Horror, einmal Geschlechterkampf), aber es passt so schön zusammen.

Funny Games U. S. (USA 2007, R.: Michael Haneke)

Drehbuch: Michael Haneke

Michael Haneke macht ein eins-zu-eins-Remake von seinem 1997er Film. Das verschafft ihm sicher in den USA einige Zuschauer, aber für die Kenner des Originals stellt sich die Frage, warum sie sich Naomi Watts und Tim Roth statt Susanne Lothar und Ulrich Mühe ansehen sollen. Und Haneke liefert auch keinen Grund: „Habe ich es zu aktualisieren? Eigentlich nicht. Die Aktualität ist innerhalb dieser zehn Jahre gewachsen, und inhaltlich fiel mir nichts Neues dazu ein.“

Mit Naomi Watts, Tim Roth, Michael Pitt, Brady Corbet, Devon Gearhart

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Funny Games U. S.“

Tip: Interview mit Michael Haneke (Oder „Das Remake eines Interviews“ – Extended Version ist angekündigt, aber derzeit ist nur der Promo-Cut vorhanden)

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The Eye (USA 2008, R.: David Moreau, Xavier Palud)

Drehbuch: Sebastian Gutierrez

Ein weiteres US-Remake eines asiatischen Horrorfilms. Dieses Mal muss „Gin Gwai“ (China 2002) dran glauben. Jessica Alba spielt eine blinde Violinistin, die mit ihren neuen Augen plötzlich Geister sieht. Dass das nicht gut enden wird, erfordert keine hellseherischen Fähigkeiten.

Mit Jessica Alba, Parker Posey

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Eye“

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Interview (USA/NL 2007, R.: Steve Buscemi)

Drehbuch: Steve Buscemi, David Schechter

Remake Nummer 3: 2003 kreuzten Pierre Bokma und Katja Schuurman in Theo van Goghs (er wurde 2004 von islamischen Extremisten ermordet) Film „Interview“ die Klingen. Jetzt fetzen sich Steve Buscemi und Sienna Miller als abgefuckter Reporter und dumme Soapblondine. Natürlich ist sie nicht so dumm und gefühllos, wie der Journalist glaubt – und dieses Remake (natürlich im Wesentlichen ein Zwei-Personen-Theaterstück) scheint wirklich auch für die, die das Original kennen, einen Blick wert zu sein.

Mit Steve Buscemi, Sienna Miller

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Interview“


Besprechung „Endstation Kabul“ online

Mai 29, 2008

In der Berliner Literaturkritik erschien meine Besprechung von Achim Wohlgethans „Endstation Kabul – Als deutscher Soldat in Afghanistan“. Wie die Überschrift „Endstation Langeweile“ verrät, hält sich meine Begeisterung für dieses Buch in sehr überschaubaren Grenzen.


TV-Tipp für den 29. Mai

Mai 29, 2008

Das Vierte, 20.15

Im Auftrag des Drachen (USA 1975, R.: Clint Eastwood)

Drehbuch: Hal Dresner, Warren Murphy (als Warren B. Murphy), Rod Whitaker

LV: Trevanian (Pseudonym von Rod Whitaker): The Eiger Sanction, 1972 (Im Auftrag des Drachen)

Jonathan Hemlock soll im Auftrag einer Geheimorganisation zwei Killer töten. Von einem ist nur bekannt, dass er an einer Besteigung der Eiger-Nordwand teilnimmt. Hemlock schließt sich den Bergsteigern an.

Thriller, bei dem die Landschaftsaufnahmen (Monument Valley, Schweizer Alpen) mehr beeindrucken als die Story. Was auch Clint Eastwood zugibt. Trevanians Debüt mit dem Superspion Hemlock war ein weltweiter Bestseller.

Mit Clint Eastwood, George Kennedy, Heidi Brühl, Reiner Schöne

Hinweise

Homepage von Trevanian

Homepage von Warren Murphy


Ian Fleming hat Geburtstag, Neuer Bond-Roman veröffentlicht

Mai 28, 2008

In England sind die Medien schon seit Wochen im Ian-Fleming-Fieber (The Rap Sheet bietet einen guten Überblick). Höhepunkt war heute mit dem hundertsten Geburtstag von Bond-Schöpfer Ian Fleming und der weltweiten Veröffentlichung des neuen (und ersten) James-Bond-Romans „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care) von Sebastian Faulks. Die ersten Seiten lesen sich ganz gut (das heißt: es gibt demnächst eine Besprechung).

Davor stelle ich die heute erschienenen Geburtstagsartikel zusammen: Frankfurter Rundschau, Morgenpost, Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel, Die Welt, Thüringer Allgemeine, Focus, Berliner Literaturkritik und 3sat. Bereits am Wochenende erschien in der NZZ eine Würdigung.

Spiegel Online über die Vorstellung von Faulks Roman in London (Wie der Spiegel darauf kommt, dass „Der Tod ist nur der Anfang“ der 15. Bond-Roman ist, kann ich mir nur mit einem vollständigen Ignorieren von allen nicht von Ian Fleming geschriebenen Bond-Romanen erklären). Über das gleiche Ereignis, aber informativer ist der Focus.

Die Welt hält den Roman (Woher haben die ihr Vorabexemplar erhalten?) für nicht gut: Der Geheimagent such den Anschluss an unsere Gegenwart – und wirkt doch ziemlich altmodisch.

Sarah Weinman hat einige Kritiken gesammelt.


Film Noir Collection 1: Die Blaue Dahlie

Mai 28, 2008

Mit einem Dreierschlag aus zwei Noir-Klassikern und einem sträflich unterschätzten Noir beginnt Koch Media seine Film Noir Collection. „Die Blaue Dahlie“, „Spiel mit dem Tode“ und „Schwarzer Engel“ wurden bis jetzt nicht auf DVD veröffentlicht und auch im Fernsehen liefen sie zuletzt vor vielen Jahren. Deshalb ist diese liebevoll gestaltete Ausgabe – die DVDs sind in einem Slim-Mediabook – ein Geschenk für Noir- und Filmfans. Die Filme wurden restauriert, was vor allem bei „Spiel mit dem Tode“ und „Schwarzer Engel“ zu einem brillanten Bild führt. Selbstverständlich gibt es den Originalton und die deutsche Synchronisation (bei „Spiel mit dem Tode“ sogar die alte und die neue Synchronisation) und klug ausgewähltes Bonusmaterial. Hier wurde nach der Methode „Klasse statt Masse“ vorgegangen. Kinotrailer, umfangreiche Bildergalerien und ein informatives zwölfseitiges Beiheft ergänzen sinnvoll die Filme.

Raymond Chandlers „Die blaue Dahlie“

Die Kriegskameraden Johnny Morrison (Alan Ladd), Buzz Wanchek (William Bendix) und George Copeland (Hugh Beuamont) kehren aus dem zweiten Weltkrieg nach Los Angeles zurück. Während George und Buzz, der durch eine Kopfverletzung geistig behindert ist, gemeinsam ein Zimmer beziehen, will Johnny zurück zu seiner Frau Helen (Doris Dowling) und seinem Sohn. Er hat sich vorher nicht angekündigt und platzt so mitten hinein in eine Party. Sie ist betrunken, hat eine Affäre mit dem aalglatten Nachtclubbestzer Eddie Harwood (Howard da Silva) und ihre Freunde zählen zur vergnügungssüchtigen Schickeria. Sie eröffnet ihm, dass sein Sohn bei einem Unfall starb und küsst Harwood. Johnny beginnt einen handgreiflichen Streit. Kurz darauf verlässt er sein Haus. In der Nacht trifft er Joyce Harwood (Veronica Lake). Sie ist, wie er erst später erfährt, die Frau des Nachtclubbesitzers.

Am nächsten Tag ist Helen tot. Die Polizei hält Johnny Morrison für den Täter. Zusammen mit Joyce sucht er den Mörder.

Nach seinen erfolgreichen Romanen interessierte Hollywood sich für Raymond Chandler. Er wurde als Drehbuchautor engagiert und „Die Blaue Dahlie“ ist das einzige von ihm verfilmte Drehbuch, das nur seinen Namen trägt. Im Rahmen eines Rätselkrimis entwirft er ein pessimistisches Bild der USA nach dem zweiten Weltkrieg. Die Kriegshelden kommen ohne Paraden und ohne Perspektiven zurück. Als sie am Filmanfang aus dem Bus steigen, wirken sie genauso verloren wie entlassene Sträflinge. Buzz verliert immer wieder sein Gedächtnis. George und Johnny haben keinen Job – und auch keinen Job in Aussicht. Die Frauen haben in den Kriegsjahren die Aufgaben der Männer übernommen. Doch – im Gegensatz zu Paul Haggis’ neuem Kriegsheimkehrerfilm „In the Valley of Elah“ – bringen in „Die Blaue Dahlie“ die drei Kriegsheimkehrer die Verrohungen des Krieges nicht in ihre Heimat. Sie schleppen zwar die Traumata des Krieges mit sich herum. Aber Gewalt, Mord, Korruption, Lug und Trug sind bereits schon lange fest in der Gesellschaft verankert. Diese Aussage wird sogar – dank des Einspruchs der Navy, die einen Soldaten als Mörder nicht akzeptieren konnte – durch die Überführung des Mörders am Ende noch verstärkt. Im Los Angeles der „Blauen Dahlie“ können die Daheimgebliebenen sich auch ganz gut ohne die Kriegsheimkehrer umbringen.

Damals war der Film ein gewaltiger Kassenschlager. Alan Ladd und Veronika Lake spielten nach „Die Narbenhand“ (This gun for hire, USA 1942) und „Der gläserne Schlüssel“ (The glass key, USA 1942) wieder zusammen. Der beim amerikanischen Publikum sehr beliebte William Bendix hatte eine wichtige Nebenrolle und die Story verband gelungen einen Krimi mit einer pessimistischen Beschreibung der damaligen Gesellschaft. Dafür erhielt Raymond Chandler eine Oscar-Nominierung.

Heute steht „Die blaue Dahlie“ eindeutig im Schatten der fast zeitgleich gestarteten Chandler-Verfilmung „Tote schlafen fest“ (The Big Sleep, USA 1946) mit dem Traumpaar Humphrey Bogart und Lauren Bacall. Während „Tote schlafen fest“ ein einziges Feuerwerk aus flotten Sprüchen, Schlägereien und Atmosphäre ist, bemüht Chandler sich in „Die Blaue Dahlie“ mit einem positiven Helden um einen nachvollziehbaren, traditionellen Rätselplot mit einer überschaubaren Zahl von Tatverdächtigen. Doch die Frage, wer der Mörder ist, ist in der Welt des Film Noir höchstens zweitrangig.

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Die Blaue Dahlie (The Blue Dahlia, USA 1945)

Regie: George Marshall

Drehbuch: Raymond Chandler

Mit Alan Ladd, Veronica Lake, Willam Bendix, Howard da Silva, Doris Dowling

Koch Media – Film Noir 1 (95 Minuten, Deutsch/Englisch, Untertitel. Englisch)

DVD-Bonus: Bildergalerie, Original Kinotrailer, 12-seitiges Booklet

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Hinweise

Noir of the Week über „The Blue Dahlia“

Thrilling Detective über Raymond Chandler

Kirjasto über Raymond Chandler

Krimi-Couch über Raymond Chandler

Mordlust über Raymond Chandler


TV-Tipp für den 28. Mai

Mai 28, 2008

Kabel 1, 22.45

Die üblichen Verdächtigen (USA 1995, R.: Bryan Singer)

Drehbuch: Christopher McQuarrie

Die üblichen Verdächtigen sitzen im Knast und fragen sich: Wer ist Keyser Soze? Ein Polizist stellt sich die gleiche Frage und auch die Zuschauer wissen es nicht. Jedenfalls wenn Sie zu den wenigen Glücklichen zählen, die diese Genreperle noch nicht kennen. Alle anderen dürfen sich ein weiteres Mal an einem glänzenden Spiel zwischen Wahrheit und Lüge und Lüge erfreuen.

Mit Kevin Spacey, Benicio Del Toro, Chazz Palminteri, Gabriel Byrne, Kevin Pollak, Peter Postlethwaite, Stephen Baldwin, Dan Hedaya