Cover der Woche

April 15, 2008


TV-Tipp für den 15. April

April 15, 2008

WDR, 22.10

Der Schatz des Gehenkten (USA 1958, R.: John Sturges)

Drehbuch: William Bowers

LV: Marvin H. Albert: The Law and Jake Wade, 1956

Bankräuber Jake Wade ist jetzt Sheriff in einem New-Mexico-Kaff. Als sein Ex-Kumpel Clint Hollister gehängt werden soll, befreit er ihn und setzt eine tödliche Dynamik in Gang. Denn Hollister will jetzt die Beute haben, um die ihn Wade vor Jahren betrog.

Der deutsche Titel ist irreführend, klingt aber dramatischer als der Originaltitel „The Law and Jake Wade“. Der Western ist eine kleine, unterschätzte Genreperle.

„Psychologischer Western, der anhand zweier Charakterporträts den Konflikt zwischen Zivilisation und Gesetzlosigkeit zur Zeit der amerikanischen Landnahme spannend darstellt; formal überdurchschnittlich, hervorragend besetzt.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Ein kurzweiliger und differenziert gestalteter Western mit interessanten Charakterstudien und vorzüglich fotografierten Action-Sequenzen.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Mit Robert Taylor, Richard Widmark, Patricia Owens, Henry Silva, DeForrest Kelley

Hinweis

Mystery File: Bill Crider über Marvin H. Albert


„Bloody Cover“ gewählt

April 14, 2008

Das ist also das beste Cover eines deutschen Krimis.  Die Plätze zwei und drei sind auch ziemlich schwarz geraten. Keines der drei Covers löst bei mir einen Zugreifimpuls aus.

Das aus dem Hause Hard case Crime dagegen schon:


Sachdienliche Hinweise: Tatort, Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung, Friedkins Georges-Arnaud-Verfilmug und Ken Bruen

April 14, 2008

Der Spiegel hat die Tatort-Autoren Thorsten Wettcke, Jan Hinter und Stefan Cantz, Peter Probst, Pim Richter, Andreas Pflüger, Felix Huby, Mario Giordano, Fred Breinersdorfer, Jobst Oetzmann und Thomas Bohn nach ihrem Tatort-Ritual, ihrem liebsten nicht-geschriebenen Dialog, woher sie ihre Ideen bekommen (Aus der Zeitung. Hm.), ihrer Arbeit und der Bedeutung vom Tatort gefragt.

Ganz nett.

Mein Favorit ist dieser Dialog von Jan Hinter und Stefan Cantz:

Ballauf: „Wie heißt die Frau noch mal? Bauknecht?“

Schenk: „Nee. Bosch. Mercedes Bosch. Ne Redakteurin vom WDR.“

Ballauf: „Und die lag tot in ihrem Opel?“

Schenk: „Ja. Auf dem Parkplatz in der Nähe von McDonald’s.“

Ballauf: „Hilf mir auf die Sprünge. Bei der Aral-Tankstelle?“

Schenk: „Genau. Gleich neben Blaupunkt. Zwischen dem Aldi und Saturn Hansa.“

Ballauf (niest): „Haste mal nen Tempo?“

Schenk: „Du hast dir ja ne richtige Erkältung eingefangen. Nimm lieber ne Aspirin. Und steck mich nicht an.“

Den werde ich niemals in einem Tatort hören!

Und Fred Breinersdorfer antwortet schön knurrig.

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Dank Crimespree Cinema bin ich auf diesen Guardian-Artikel aufmerksam geworden: Bertrand Tavernier spricht über die Dreharbeiten zur James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist“ (der Robicheaux-Roman heißt „In the electric mist with confederate dead“/“Im Schatten der Mangroven“). Die waren wohl nicht so erfreulich und der endgültige Schnitt wurde ihm auch aus der Hand genommen. Trotzdem sei er mit der jetzigen Version, die im Lauf des Jahres in den US-Kinos starten soll, nicht unzufrieden.

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Ebenfalls via Crimespree Cinema: es kann sein, dass Ken Bruens „London Boulevard“ verfilmt wird.

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Als Das Vierte die Georges-Arnaud-Verfilmung „Atemlos vor Angst“ von William Friedkin zeigte, kürte ich den Film zum „Tipp des Tages“. Jetzt gibt es bei Schnittberichte einen Vergleich der US-Fassung mit der deutschen Fassung und der deutschen Fassung mit der US-Fassung (hier sind die geschnittenen langen Einführungen der Charaktere enthalten). Denn nachdem der Film in den USA floppte, wurde der Film ohne Friedkins Wissen für den europäischen Markt radikal gekürzt und umgeschnitten.

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Gut, wenn junge Menschen unterschiedliche Professionen ausprobieren. – Nur: warum nicht mit der Dienstwaffe?

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Außerdem: die April-Ausgabe der Krimi-Couch ist online und das „Krimijahrbuch 2008“ ist draußen. Unter anderem mit einem Text von mir über „The Shield“.


TV-Tipp für den 14. April

April 14, 2008

Arte, 21.00

Shooting Dogs (GB/D 2005, R.: Michael Caton-Jones)

Drehbuch: David Wolstencroft

Gleiches Thema wie “Hotel Ruanda”, aber dieses Mal nimmt ein Pater in seiner Missionsschule die vor dem Bürgerkrieg Flüchtenden auf. Weil „Shooting Dogs“ nach dem vorzüglichen „Hotel Ruanda“ in die Kinos kam, wurde er kaum beachtet.

Mit John Hurt, Hugh Dancy, Dominique Horwitz, Louis Mahony

Wiederholungen

Montag, 21. April, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Donnerstag, 1. Mai, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Arte über „Shooting Dogs“

BBC über „Shooting Dogs“ : The Making of Shooting Dogs

Film-Zeit über „Shooting Dogs“

Meine Besprechung von „Die Spezialisten“ von David Wolstencroft


TV-Tipp für den 13. April

April 13, 2008

ZDF, 22.00

Der Preis des Verbrechens: Vorm Abgrund – Teil 1 (GB 2000, R.: Michael Whyte)

Drehbuch: Lynda La Plante

Buch zum Film: Robin Blake: Trial and Retribution IV, 2000 (nach dem Drehbuch von Lynda La Plante)

Seit acht Jahren beteuert der Verurteilte James McCready, seinen Freund nicht getötet zu haben. Jetzt soll DI Pat North den Fall wieder aufrollen.

Auch die vierte Ausgabe von „Trial & Retribution“, die in zwei Teilen à 100 Minuten ausgestrahlt wird, hält das Niveau der vorherigen Teile. Ein realistischer Polizeikrimi.

Teil 2 folgt am Sonntag, den 20. April.

Mit David Hayman, Kate Buffery, Trevor Blythe, Freddie Boardley

Hinweise

Homepage von Lynda La Plante

BBC Norfolk: Interview mit Lynda La Plante

BBC: Writers on Writing: Lynda La Plante

ZDF über „Der Preis des Verbrechens“


TV-Tipp für den 12. April

April 12, 2008

Sat1, 01.45

Der Teufel in Blau (USA 1995, R.: Carl Franklin)

Drehbuch: Carl Franklin

LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)

Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.

Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.

Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle

Hinweise

Homepage von Walter Mosley

Charlie Rose Show redet mit Carl Franklin über „Teufel in Blau“ (ab Minute 42.50)


Stubenhocker zocken Las Vegas ab

April 11, 2008

„Für mich jedoch war die Realität selten interessant genug, um an die Stelle der Fiktion zu treten.

Aber als Kevin zu erzählen begann, konnte ich fühlen, wie sich mir die Haare im Nacken aufstellten. (…) Kevins Geschichte [besaß] sämtliche Elemente eines Bestsellers und Kinothrillers – und sie war wahr. Er hatte alles selbst erlebt, jede Minute davon, und er war bereit, mich all das aufs Papier bringen zu lassen.“

Ben Mezrich in „21“

„Die schlauen Kinder zog es zur Wall Street, zum Jurastudium, oder sonst was. Noch schlauere Kinder dachten, sie könnten in Vegas weit mehr absahnen.“

Damon Zimonowski in „21“

Ben Mezrich hatte bereits einige Thriller geschrieben, als er Kevin Lewis traf und er ihm sagte, sein Leben gäbe ein gutes Buch ab. Beide hatten sich in den Neunzigern ab und zu getroffen. Doch während Mezrich sich in eine Fantasiewelt flüchtete, studierte Kevin Medizin. An einem Juniabend 1994 luden ihn seine Kumpels Jason Fisher und Andre Martinez zu einem Ausflug nach Atlantic City ein. Fisher und Martinez sind, wie alle MIT-Studenten, hochintelligent. Aber sie haben ihr Studium geschmissen und Geld wie Heu. In Atlantic City beginnen die beiden Kevin in die Welt der professionellen Kartenspieler einzuführen. Denn alle drei sind Mathegenies und Blackjack (bei uns bekannt als „Siebzehn und Vier“) ist ein Kartenspiel, bei dem, im Gegensatz zu anderen Spielen, mit dem richtigen System gewonnen werden kann.

Kevin ist fasziniert von der fremden Welt. Er wird in den geheimen Zirkel des geschassten MIT-Professors Micky Rosa, der inzwischen sein Leben dem Blackjack gewidmet hat, aufgenommen. Rosa leitet eine Gruppe von Studierenden, die unter verschiedenen falschen Identitäten in den Kasinos spielen und hohe Gewinne für eine unbekannte Gruppe von Geldgebern machen. Kevin wird der neue Star in dem Team und innerhalb weniger Monate erleichtern sie die Kasinos, vor allem in Las Vegas, um Millionen. Die Kasinos wollen sich das nicht gefallen lassen – obwohl das von Kevin und seinen Freunden angewandte Kartenzählen nicht illegal ist.

Jahre später traf Kevin Lewis (der Name ist das Pseudonym von Jeff Ma) Ben Mezrich und erzählte ihm seine Geschichte. Denn, so vermutet Mezrich, Lewis wollte endlich die Geschichte von seinem Doppelleben erzählen. Einem Doppelleben, bei dem die MIT-Studenten mit falschen Pässen, Verkleidungen und Dollarmillionen (Bargeld natürlich) wie Verbrecher agierten, ohne jemals gegen Strafgesetze zu verstoßen.

Außerdem ist die Geschichte von Kevin Lewis die klassische Geschichte vom Kampf eines Davids gegen Goliath, ein Entwicklungsdrama und ein faszinierender Einblick in die Welt professioneller Glücksspieler.

Mezrich schrieb diese Geschichte in einem flott zu lesenden Buch nieder, das sich etliche Freiheiten bei Namen, Orten und Ereignissen nimmt. Die Originalausgabe enthält deshalb den Hinweis, den wir im Abspann von jedem Biopic lesen und somit ist „21“, wie auch Drake Bennett im „Boston Globe“ schreibt, ein von wahren Ereignissen inspirierter Roman.

Dennoch stürmte „Bringing down the house“ als Sachbuch die New-York-Times-Bestsellerliste und wurde jetzt, natürlich noch freier, als „21“ verfilmt. In den USA führt das hochkarätig besetzte Spielerdrama derzeit die Kinocharts an.

Drei Jahre nach „21“ erzählte Mezrich in „Breaking Vegas: The Sequel to Bringing Down the House“ die Geschichte eines anderen MIT-Studenten, der die Kasinos mit einem besseren Kartenzählsystem um noch mehr Geld erleichterte. Dieses Sequel soll näher an der Wirklichkeit sein.

„Merken Sie sich, dass Kartenzählen nichts mit Glücksspiel zu tun hat. (…) In meinen fünf Jahren des Blackjack-Spielens hatte unser Team kein einziges Jahr mit Verlust gearbeitet. Tatsache ist, dass wir kein einziges Jahr hatten, in dem wir für unsere Investoren weniger als 30 Prozent Rendite erwirtschafteten.

Finden Sie mal einen Börsenmakler, der das von sich behaupten kann!“

Kevin Lewis in „21“

Ben Mezrich: 21

(übersetzt von Danine-Isabelle Garbs, Markus Montz, Jörg Lüdemann)

Heyne, 2008

352 Seiten

7,95 Euro

Originaltitel

Bringing down the house – The Inside Story of Six M.I.T. Students Who Took Vegas for Millions

Arrow Books, 2002

Neuauflage unter dem Filmtitel “21”

Hinweise

Homepage von Ben Mezrich

Jeff Ma’s World of Gambling

Drake Bennett: House of Cards (The Boston Globe, 6. April 2008; eine lesenswerte Reportage über “Bringing down the house” und die von Mezrich vorgenommenen Fiktionalisierungen)

Kriminalakte über die Verfilmung „21“ (mit filmspezifischen Links)


TV-Tipp für den 11. April

April 11, 2008

3sat, 22.25

Angst über der Stadt (F/I 1974, R.: Henri Verneuil)

Drehbuch: Jean Laborde, Henri Verneuil, Francis Veber

Actionhaltiger, harter Polizeithriller in dem ein Pariser Kommissar, Typ „Dirty Harry“, einen Serienmörder jagt.

Nach dem Genuss von „Matrix“ und „Spider-Man“ wirken die Action-Szenen in „Angst über der Stadt“ zwar bedächtlich, aber Jean-Paul Belmondo ließ sich bei den zahlreichen Verfolgungsjagden, dem Abseilen von einem Hubschrauber und der Kletterei über die Dächer von Paris nicht doubeln. Bei den Schlägereien natürlich auch nicht. Die Story folgt den bekannten Genrekonventionen und Belmondo hatte in seiner ersten Polizistenrolle einen Kassenschlager.

„Angst über der Stadt“ ist „die mythische Dokumentation seiner Konversion von der Seite der Rebellen auf die Seite der Gesetz- und Ordnungsvertreter.“ (Georg Seesslen: Copland)

Mit Jean-Paul Belmondo, Charles Denner, Catherine Morin, Berto Maria Merli, Lea Massari

Hinweise

3sat über „Angst über der Stadt“

Kölner Stadt-Anzeiger: Daniel Kothenschulte zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

Stuttgarter Zeitung: Sabine Glaubitz zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

Tagesschau: Angela Ulrich zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

Deutsche Welle: 4-minütiger Film zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo


Neu im Kino: 21, Tödliche Entscheidung

April 10, 2008

21 (USA 2008, R.: Robert Luketic)

Drehbuch: Peter Steinfeld, Allan Loeb

LV: Ben Mezrich: Bringing down the House, 2002 (Neuveröffentlichung zum Film unter „21“, deutscher Titel „21“)

Eine Gruppe von hochbegabten MIT-Studenten macht die Casinos in Las Vegas beim Blackjack um Millionen ärmer. Interne Konflikte und ein Detektiv der Casinos gefährden die Einheit der Gruppe.

Der auf Tatsachen basierende Spielerfilm ist „Zwischendurch-Entertainment“ (tip), das Buch ein lesenswerter Ausflug in die unbekannte Welt professioneller Kartenspieler.

Mit Jim Sturgess, Kate Bosworth, Laurence Fischburne, Kevin Spacey

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „21“

Homepage von Ben Mezrich

Meine Besprechung von „21“ von Ben Mezrich

Tödliche Entscheidung (USA 2007, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Kelly Masterson

Sidney Lumet mit einem überzeugenden Alterswerk: zwei Brüder sehen im Überfall auf den Juwelierladen ihrer Eltern den Weg aus ihrer finanziellen Krise.

Natürlich verläuft nichts nach Plan und Lumet seziert die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.

Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.

Mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Amy Ryan

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Tödliche Entscheidung“


TV-Tipp für den 10. April

April 10, 2008

ARD, 00.35

Fröhliche Ostern (F 1984, R.: Georges Lautner)

Drehbuch: Jean Poiret, Georges Lautner

LV: Jean Poiret (Theaterstück)

In den Achtzigern tauschte Jean-Paul Belmondo endgültig Anspruch gegen Kassenerfolg. Der Kassenknüller „Fröhliche Ostern“ ist nur ein weiteres peinliches Beispiel für den künstlerischen Niedergang eines Stars. Im Wesentlichen werden dumme Sprüche mit reichlich Action garniert. Die Story (ein Schürzenjäger gibt vor seiner Frau seine junge Geliebte als Tochter aus) erreicht noch nicht einmal das Niveau einer schlechten Boulevardkomödie.

Mit Jean-Paul Belmondo, Sophie Marceau, Marie Laforet


Da wäre mehr drin gewesen

April 9, 2008

Paul Lascaux hat unter seinem richtigen Namen Paul Ott den umfassenden Überblick „Mord im Alpenglühen“ über den Schweizer Kriminalroman geschrieben. Mit „Salztränen“ legt er einen in einem Schweizer Alpental spielenden Privatdetektivkrimi vor, der gerade als Kriminalroman enttäuscht. Dabei beginnt die Geschichte vielversprechend: Im Emmental stirbt bei einem Autounfall der Käseeinkäufer einer Großhandelsfirma. Die Versicherung beauftragt Privatdetektiv Heinrich Müller die näheren Umstände des Todes zu untersuchen. Müller mietet sich in dem Dorfgasthof ein und beginnt sich unter den Einheimischen umzuhören, die halt so sind, wie Einheimische in Schweizer Kriminalromanen immer sind. Etwas verstockt, etwas hinterwäldlerisch und doch ganz nett, wenn sie nicht gerade einen auswärtigen Schnüffler verkloppen. Müller tut sich mit der Ethnologiestudentin Lucy Himmel zusammen. Sie jobbt in dem Gasthof, verfügt über das gutaussehende Aussehen jeder Detektivassistentin, schreibt an einer wissenschaftlichen Arbeit über die Bewohner des Emmentals und kann ihm daher viel über die Bewohner des Tales verraten.

Es gibt dann einige Verwicklungen, Detektiv, Leser und Autor verlieren den Überblick über die vielen Straftaten damals und heute, einen weiteren Toten, und die kurze Geschichte nähert sich bedrohlich schnell einem ziemlich enttäuschenden Ende.

Sagen wir’s mal so: „Salztränen“ ist eine nette Lektüre für Zwischendurch. Es gibt einige wohlbekannte Klischees, die Lascaux – bei seinem Wissen über die Kriminalliteratur – sicher bewusst zitiert, einige Informationen über das Herstellen von Käse und einige, ins räsonierende gehende, Betrachtungen über die Schweizer Seele. Insgesamt ist „Salztränen“ das literarische Äquivalent zum „Bullen von Tölz“.

Paul Lascaux: Salztränen

Gmeiner, 2008

240 Seiten

9,90 Euro

Hinweise

Homepage von Paul Lascaux (Pseudonym von Paul Ott)

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Paul Lascaux

Alligatorpapiere: Befragung von Paul Lascaux


TV-Tipp für den 9. April

April 9, 2008

ARD, 00.35

Elf Uhr nachts (F/I 1965, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Lionel White: Obsession, 1963 (Kein Weg zurück)

Ferdinand stolpert in eine undurchsichtige Mordgeschichte und flüchtet mit seiner Ex Marianne quer durch Frankreich auf eine einsame Insel.

Auch bzw. besser bekannt als „Pierrot le fou“. Die Krimifarce hat mit dem Buch wenig bis nichts zu tun, aber viel mit Godard, seinem filmischen Kosmos und dem Lebensgefühl der Sechziger.

Mit Jean-Paul Belmondo, Anna Karina

Hinweise

Trailer „Pierrot le fou“ (sehr schön)

Mordlust über Lionel White

Monthly Film Bulletin 1990 über „Elf Uhr nachts“

Films de France über „Elf Uhr nachts“


Cover der Woche

April 8, 2008


TV-Tipp für den 8. April

April 8, 2008

BR, 23.25

Außer Atem (F 1960, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard (nach einem Szenario von François Truffaut)

Buch zum Film: Claude Francolin: A bout de souffle, 1960 (Außer Atem)

Kleinganove Michel erschießt einen Polizisten und flieht nach Paris zur us-amerikanischen Studentin Patricia.

Ein Klassiker der Nouvelle Vague und ein zeitloser Kultfilm.

Mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Jean-Pierre Melville

Hinweise

Senses of Cinema über Jean-Luc Godard

Filmzentrale mit mehreren Besprechungen über „Außer Atem“: Behrens, Kreimeier, Richter


Charlton Heston tot; Scribe-Nominierungen, The big Thrill, Diskussion über Buchbesprechungen, Schnittberichte und Drehbücher online

April 7, 2008

R. i. P.: Charlton Heston (4. Oktober 1923 – 5. April 2008 )

Zuletzt war er nur noch als seltsamer Waffennarr und Republikaner bekannt. Früher spielte er in einigen verdammt guten Filmen mit. Nicht die Bibelfilme, wie „Die größte Geschichte aller Zeiten“ und „Die zehn Gebote“ (als Moses), oder Monumentalfilme, wie „Ben Hur“ und „El Cid“, oder Katastrophenfilme, wie „Erdbeben“, oder die zahlreichen Kriegs- und Militärfilme, wie „U-Boot in Not“, „Schlacht um Midway“ und „Khartoum – Aufstand am Nil“ oder „55 Tage in Peking“ (die je nach Perspektive auch als Monumentalfilme durchgehen), oder den damals erfolgreichen, heute eher vergessenen Zirkusfilm „Die größte Show der Welt“ (die ihn damals als Hauptdarsteller in Hollywood etablierte) meine ich. Nein, bei allen Mängeln gehören die negativen Utopien, wie „Planet der Affen“, „Der Omega-Mann“ oder „Jahr 2022…die überleben wollen“ (alle drei Filme basieren auf bekannten Science-Fiction-Romanen), Western, wie „Der letzte der harten Männer“, „Der Verwegene“ (sein Lieblingsfilm), „Sierra Charriba“ und „Weites Land“, und natürlich der Noir „Im Zeichen des Bösen“ zu seinen besten Werken.

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online, Netzeitung, taz, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Los Angeles Times und New York Times.

Schon vor einigen Tagen hat die International Association of Media Tie-in Writers ihre Nominierungen für den diesjährigen Scribe Award bekannt gegeben:

Best General Fiction Original:

CSI NY: DELUGE (CSI: NY – Sintflut), von Stuart M. Kaminsky

MR. MONK AND THE TWO ASSISTANTS, von Lee Goldberg

MURDER SHE WROTE: PANNING FOR MURDER, von Jessica Fletcher & Donald Bain

CRIMINAL MINDS: JUMP CUT, von Max Allan Collins

Best General Fiction Adapted:

AMERICAN GANGSTER, von Max Allan Collins (nominee & winner)

Best Speculative Original:

LAST DAYS OF KRYPTON, von Kevin J. Anderson

STARGATE ATLANTIS CASUALTIES OF WAR, von Elizabeth Christiansen

STAR TREK: Q&A, von Keith R.A. DeCandido

Best Game-related Original (Special Scribe Award):

HITMAN, von William Dietz

FORGE OF THE MINDSLAYERS, von Tim Waggoner

NIGHT OF THE LONG SHADOWS, von Paul Crilley

Best Speculative Adapted

RESIDENT EVIL: EXTINCTION, von Keith R.A. DeCandido

52: THE NOVEL, von Greg Cox

30 DAYS OF NIGHT, von Tim Lebbon

Best Young Adult Original:

BUFFY THE VAMPIRE SLAYER: THE DEATHLESS, von Keith R.A. DeCandido

GOODLUND TRILOGY: VOLUME THREE: WARRIORS BONES, von Stephen D. Sullivan

Clue_crew NANCY DREW AND THE CLUE CREW #10: TICKET TROUBLE, von Stacia Deutsch & Rudy Cohon

Best Young Adult Adapted:

TWELVE DOGS OF CHRISTMAS, von Steven Paul Leiva (nominee & winner)

Der zweite Grandmaster der IAMTW ist Alan Dean Foster. Der Science-Fiction-Autor schrieb in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche erfolgreiche „Romane zum Film“. Am bekanntesten dürften seine Star-Trek-Romane, seine Alien-Romane, „Outland“, „Pale Rider, und „Krieg der Sterne“ (das er unter dem Pseudonym George Lucas schrieb) sein.

Die Scribe Awards werden im Juli auf der Comic-Con Convention in San Diego verliehen.

Die International Thriller Writers hat die April-Ausgabe von “The big Thrill” veröffentlicht. Wie immer sind viele, mangels Übersetzung, in Deutschland unbekannte Thriller-Autoren vertreten. Zu den auch hier bekannten Namen gehören Mary Higgins Clark, Raymond Benson, David Baldacci und Alex Klava.

Krimileser Bernd hat bereits auf die Serie von lesenswerten Posts von David J. Montgomery in seinem Crime Fiction Dossier, und die ebenso lesenswerten Kommentare dazu, über die Arbeit eines Rezensenten hingewiesen. Wann werden Bücher besprochen? Wann nicht? Soll ein Rezensent auch negative Besprechungen schreiben? Wenn ja: wie soll ein Verriss sein? Welche Fehler machen Verlage? Wann liest ein Rezensent ein Buch nicht? Zum Beispiel wenn der Prolog kursiv gedruckt ist. Davor schrieb Montgomery, wann ein Manuskript veröffentlicht wird.

Bei Schnittberichte gibt es einen Vergleich zwischen dem „Grindhouse“-Double-Feature und den bei uns im Kino gelaufenen Einzelfilmen „Death Proof“ von Quentin Tarantino und „Planet Terror“ von Robert Rodriguez. Dort gibt es auch weitere Schnittberichte zu den gekürzten deutschen Fassungen von „Miami Vice“ (damit die Trottel, die die gekürzten deutschen „Miami Vice“-Boxen kaufen, auch wissen, was ihnen entgeht. In England gibt es inzwischen schon eine Box mit allen „Miami Vice“-Staffeln.).

Und dann gibt es diese krimiaffinen Drehbücher online:

Lawrence D. Cohen: Carrie (basierend auf dem Roman von Stephen King für den Klassiker von Brian de Palma)

George Goldsmith: Children of the Corn (“Kinder des Korn” basiert auf einer Stephen-King-Kurzgeschichte und war erfolgreich genug für etliche Fortsetzungen, die noch schlechter als das Original sein sollen.)

Steve Niles (überarbeitet von Stuart Beattie und Adi Hasak): 30 Days of Night (basierend auf der Graphic Novel von Niles und Templesmith)

Skip Woods: Hitman (eine bleihaltige Comicspielverfilmung. Gibt es auch andere?)

Von „Verlockende Falle“ (die nette Caperkomödie mit Sean Connery, Catherine Zeta-Jones und Ving Rhames) gibt es gleich mehrere Fassungen:

Ron Bass: Entrapment – Erste Fassung

Ron Bass: Entrapment – Achte Fassung

Ron Bass: Entrapment – Zehnte Fassung (beide Überarbeitungen sind von Don Macpherson und William Broyles Jr.)

Die verschiedenen Fassungen dürften vor allem für die wirklichen Fans und Wissenschaftler interessant sein. Donovan meint: “The Tenth Draft is a surprisingly good read.”


TV-Tipp für den 7. April

April 7, 2008

Am 9. April feiert Jean-Paul Belmondo seinen 75. Geburtstag. Deshalb beginnen wir die Woche mit

ARD, 00.50

100.000 Dollar in der Sonne (F/I 1963, R.: Henry Verneuil)

Drehbuch: Marcel Jullian, Henri Verneuil

LV: Claude Veillot: Nous n´irons pas en Nigeria, 1962 (100.000 Dollar in der Sonne)

Bebel flüchtet mit einem Laster voller Waffen durch die Wüste. Lino verfolgt ihn wegen des Geldes und der Freundschaft.

Bei der damaligen Kritik kam der Film nicht so gut an: „Etwas rauhe, aber parodistisch gehaltene und recht vergnügliche Abenteuerunterhaltung.“ (Handbuch der katholischen Filmkommission in Österreich); „In der gewalttätigen Gebärde wird der Mensch erst zum Menschen, wird uns verkündet, und im Zuschlagen liegt die Würze des Lebens. Einmal mehr ließe sich an Hand dieses Filmes nachweisen, wie beflissen einseitig die FSK ihre Satzungen auszulegen beliebt. Er beleidigt (mindestens) ein befreundetes Volk. Er verherrlicht die Gewalt. Er spricht eine totalitäre Sprache. Die Freigabe solcher Filme ist empörend, solange andere verstümmelt oder verboten werden.“ (Uwe Nettelbeck, Filmkritik) – Tja, das war lange vor dem FBW-Prädikat „wertvoll“ für „Rambo III“

Mit Jean-Paul Belmondo, Lino Ventura, Bernard Blier, Gert Fröbe


TV-Tipp für den 6. April

April 6, 2008

NDR, 00.15

Killer – Tagebuch eines Serienmörders (USA 1996, R.: Tim Metcalfe)

Drehbuch: Tim Metcalfe

LV: Thomas E. Gaddis/James D. Long: Killer: A Journal of Murder, 1970

Auf Tatsachen beruhender Spielfilm über Carl Panzram (bravourös gespielt von James Woods), den ersten bekannten Massenmörder der USA. Er wurde 1929 wegen Mordes an 21 Menschen hingerichtet.

Differenziertes Drama, das allerdings immer auf dem Niveau eines gehobenen Fernsehspiels bleibt.

Hinweis

Crimelibrary: Mark Gado über Carl Panzram


TV-Tipp für den 5. April

April 5, 2008

ARD, 01.50

20.000 Jahre in Sing Sing (USA 1932, R.: Michael Curtiz)

Drehbuch: Courtney Terrett (als Courtenay Terrett), Robert Lord, Wilson Mizner, Brown Holmes

LV: Lewis E. Lawes: Twenty Thousand Years in Sing Sing, 1932 (als Warden Lewis E. Lawes)

Als Tom Connors auf Hafturlaub ist, erschießt seine Freundin einen Gangster. Connors nimmt die Schuld auf sich und soll auf den elektrischen Stuhl.

Ein weiterer der damals beliebten sozialkritischen Gangsterfilme.

Der Autor der Buchvorlage leitete während der Dreharbeiten noch das Gefängnis Sing Sing. Deshalb durfte die Filmcrew zahlreiche Szenen in dem berühmten Gefängnis drehen.

Mit Spencer Tracy, Bette Davis

Hinweise

Turner Classic Movies über „20.000 Jahre in Sing Sing“

Cirme Library über Lewis E. Lawes


Zwei Jazzbücher in der BLK

April 4, 2008

In der Berliner Literturkritik erschien meine Doppelbesprechung von Pannonica De Koenigswartes „Die Jazzmusiker und ihre drei Wünsche“ und Michael Jacobs‘ „All that Jazz – die Geschichte des Jazz“. „All that Jazz“ ist eine erweiterte und aktualisierte Neuauflage, die ihr Geld nicht wert ist. Denn der zwölf Jahre Haupttext wurde anscheinend (ich hatte die Erstausgabe nicht zur Hand, deshalb schreibe ich nur anscheinend, aber eigentlich bin ich mir hundertprozentig sicher) nicht geändert. Die Lektüre- und Hörempfehlungen nur minimal. Dafür gibt es ein neues Kapitel. Das ist für eine Neuanschaffung einfach zu wenig.

„Die Jazzmusiker und ihre drei Wünsche“ ist dagegen ein schönes Geschenk für den Jazzfan. Baronesse Pannonica de Koenigswarter, eine Jazzmäzenin, fragte Jazzer nach ihren drei Wünschen und schoß viele Bilder, oft in intimen Augenblicken, von ihnen.