Cover der Woche

Januar 8, 2008

crais-im-freien-fall.jpg


TV-Tipp für den 8. Januar

Januar 8, 2008

Tele 5, 22.00 Uhr

Valdez (USA 1971, R.: Edwin Sherin)

Drehbuch: Roland Kibbee, David Rayfiel

LV: Elmore Leonard: Valdez is coming, 1970

Rancher Tanner beschuldigt einen Mann, seinen Freund Erin ermordet zu haben. Hilfssheriff Valdez erschießt ihn. Aber er war unschuldig. Valdez will von Tanner Geld für die Beerdigung und die Witwe des Toten. Dieser lehnt ab. Valdez nimmt den Kampf auf. Schließlich war er nicht immer ein trotteliger Hilfssheriff.

Melancholischer Spätwestern mit Burt Lancaster, Susan Clark

Von Elmore Leonards Homepage (Achtung! Das Ende wird verraten.): „Valdez is Coming is Elmore’s favorite western. It shows examples of the style that he would further develop in his contemporary crime novels. Burt Lancaster as Bob Valdez is the underestimated man, a constant theme in Elmore Leonard’s work. He is forced to confront the local ruthless land baron who nearly has him killed. He retaliates and lets his nemesis know that “Valdez is coming.” Before beginning The Moonshine War, Elmore wanted to write Valdez for the screen. Unfortunately Burt Lancaster was not available for a couple of years and the project was delayed. Edwin Sherin, the director of Valdez is Coming was a Broadway director and this was his first film which he shot in Spain. The biggest surprise of Valdez was that there was no shootout at the end, just as Elmore had written in the book. Nobody in Hollywood could believe it.”

Auch bekannt als „Valdez kommt“

Wiederholung um 01.30 Uhr

Hinweise:

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von „Up in Honey’s Room“ (2007)  

Meine Besprechung von „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“


Politikerunfug

Januar 7, 2008

Doktor Friedbert Pflüger, Fraktionsvorsitzender der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus und Mitglied im Rundfunkrat des RBB (bester Hauptstadtsender Deutschlands), meinte in der Bild am Sonntag: „Keine TV-Morde mehr vor 20 Uhr – das muss ein Ehrenkodex werden. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern können wir politisch darauf drängen, und ich werde das in meiner Funktion als Rundfunkrat beim rbb auch tun. Bei den Privaten sollen Firmen nicht mehr werben, wenn sich die Sender nicht an den Ehrenkodex halten.“

Denn: „Wir leiden unter einer zunehmenden Brutalisierung des Fernsehens. Viele Kinder schauen tagsüber allein fern. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Hemmschwellen für Gewalt sinken, wenn Kinder Hunderte von Morden erleben.“

Hmhm, beim RBB muss er wenig tun. Heute wird im „Tatort“ um 22.35 Uhr gemordet, morgen überhaupt nicht, Mittwoch dito, Donnerstag, dito, Freitag wahrscheinlich in dem Western „Der Mann von Del Rio“ um Mitternacht, Samstag geht’s rund: um 14.30 Uhr der Western „Die erste Kugel trifft“ und um 23.30 Uhr „Ladykillers“ (Das Original!) und am Sonntag gibt’s um 15.40 Uhr „Pfarrer Braun: Adel vernichtet“ mindestens einen Mord.

Doch er kann sich ja um ARD und ZDF kümmern. „Soko 5113“, „Großstadtrevier“, „Soko Rhein-Main“, Die Rosenheim-Cops“, „Küstenwache“, „Notruf Hafenkante“, „Soko Kitzbühel“ werden diese Woche gezeigt. Diese nach Pflügers Meinung für Jugendliche bedenklichen Sendungen sollen alle weg. Stattdessen wird dann – ja, was eigentlich? – gezeigt. Wiederholungen von Schmonzetten? Soaps? Talkshows? Beratungssendungen? Reportagen?

Aber – und das ist die gute Meldung – Pflüger will ja nur für das Fernsehen einen Ehrenkodex schaffen. Jugendliche dürfen weiterhin Bücher lesen (Was wäre meine Jugend ohne die Bücher von Edgar Wallace, Agatha Christie, Ian Fleming, Mickey Spillane, James Hadley Chase gewesen?). Sie dürfen weiterhin historische Dokumentarfilme sehen. Sie dürfen weiterhin ins Theater gehen.

Und damit ist es der übliche, aus dem Bauch heraus argumentierende populistische Unfug, der hier von einem wichtigen Politiker präsentiert wird.  


Ein Buch zum Verschenken

Januar 7, 2008

 maiwald-die-kleinen-freuden-des-lebens.jpg

„Die kleinen Freuden des Lebens“ von Stefan Maiwald ist ein Toilettenbuch.

Das klingt jetzt vielleicht etwas abfällig, aber „Die kleinen Freuden des Lebens“ ist eine Sammlung von hundert kurzen Texten, in denen Maiwald jeweils einen Augenblick des Glücks beschreibt. Die kürzesten Texte sind, bei „Ihr Tisch ist jetzt frei“, nur einen Satz lang: „Tiefes Ausatmen.“ Einige glückliche Momente kennen nur junge Eltern, wie „Ein Kleinkind, das mal von 8 bis 8 durchschläft“. Und einige, wie „Ein Computer, der nie abstürzt“, hat wahrscheinlich noch niemand erlebt. Dabei sind auch die längsten Texte nicht länger als vier Seiten; die meisten sind ein bis zwei Seiten. Und das ist genau die ideale Textlänge für einen kurzen Zwischenstopp auf dem stillen Örtchen.

Geschrieben sind die einhundert Glücksmomente – ich verlasse mich hier gutgläubig auf den Untertitel von „Die kleinen Freuden des Lebens“ – in einem lockeren Plauderton, der im besten Fall zum Schmunzeln anregt. Es ist halt in diesen Heinz Erhardt-Tonfall, den alle gut finden, weil niemand wirklich etwas dagegen sagen kann, geschrieben.

Deshalb ist Maiwalds leicht humoreskes, etwas selbstironisches Buch das ideale kleine Geschenk für Spontankäufer und einfallslose Menschen, die jemanden, den sie nicht näher kennen, beschenken müssen (beispielsweise den Neuen heute Abend bei der Firmenfeier). Das Geschenk wird auf der Toilette landen. Dort kann beim Erleben von einem Glücksmoment viel über andere glückliche Augenblicke gelesen werden – und so wird „Die kleinen Freuden des Lebens“, am richtigen Ort ausgelegt, viele Leser finden.

Danach kann einer von Maiwalds glücklichen Momenten ausprobiert werden: „In einem Elektrogroßhandel die Stereoanlage bis zum Anschlag austesten.“ Denn: „Ein bisschen Spaß muss sein. Und wer mit Slogans wie ‚Geiz ist geil’ oder ‚Ich bin doch nicht blöd’ jeden denkenden Menschen beleidigt, der hat jedes Recht auf Verschonung verspielt.“

Als Testmusik empfehle ich „Fantomas“, „Mr. Bungle“, zur Not auch „Faith No More“, ein Frühwerk von John Zorn (oder etwas von „Painkiller“), Lou Reeds „Metal Machine Music“, Peter Brötzmanns „Machine Gun“ oder irgendetwas aus der Heavy Metal-Abteilung mit einem besonders abschreckenden Cover.

 

Stefan Maiwald: Die kleinen Freuden des Lebens – 100 Glücksmomente

dtv, 2008

192 Seiten

7,95 Euro

 

Homepage von Stefan Maiwald


TV-Tipp für den 7. Januar

Januar 7, 2008

Kabel 1, 20.15

Without a trace: Beste Freunde (USA 2007, R: Eriq La Salle, B: David Amann)

Without a trace: Ohne Dich (USA 2007, R: Jeannot Szwarc, Jose Molina)

Nachdem “Without a trace” zuletzt bei Sat.1 floppte, kehrt die von Hank Steinberg erfundene Krimiserie über das von Jack Malone geführte FBI-Ermittlerteam wieder zu Kabel 1 zurück. Ab heute suchen sie montags, ab 20.15 Uhr in neuen Doppelfolgen nach vermissten Personen.

Insgesamt dürfte „Without a trace“ auch im sechsten Jahr zu den am wenigsten gewalttätigen Krimiserien gehören. Tote gibt es auch nur sehr wenige. Die meisten Folgen kommen ohne eine Leiche (dabei rede ich noch nicht einmal von Mord) aus. Und trotzdem sind die Fälle immer spannend.

Mit Anthony LaPaglia (Jack Malone), Poppy Montgomery (Samantha Spade), Enrique Murciano (Danny Taylor), Eric Close (Martin Fitzgerald), Marianne Jean-Baptiste (Vivian Johnson), Roselyn Sanchez (Elena Delgado)

Wiederholung: Dienstag, 8. Januar, 03.30 Uhr (Taggenau! – Wahrscheinlich eine Wiederholung von „Beste Freunde“ und „Ohne Dich“ ohne Werbung.)

Hinweise

CBS über “Without a trace”

Kabel 1 über “Without a trace”

Fernsehlexikon über “Without a trace”

Deutsche “Without a trace”-Fanseite

Written by: Susan Littwin über Hank Steinberg und “Without a trace”: The Vanishing Act – Without a Trace isn’t written in invisible ink (From the February/March 2005 issue of „Written By“)


TV-Tipp für den 6. Januar

Januar 6, 2008

ARD, 00.00

Super Size Me (USA 2003, R.: Morgan Spurlock)

Drehbuch: Morgan Spurlock

Nur bei McDonalds essen ist schlecht für ihre Gesundheit. Das wussen wir schon immer, aber Morgan Spurlock machte die Probe aufs Exempel: 30 Tage Junkfood.

Ansehen – und dann ab ins Bett.

Wiederholung:

WDR: Donnerstag, 10. Januar, 23.15 Uhr

Hinweise:

„Super Size Me“ (deutsche Webseite mit Presseheft und Heft für den Schulunterricht)

Free Documentaries: Super Size Me (der Film im Original)

Blog von Morgan Spurlock (nur periodische Einträge)


TV-Tipp für den 5. Januar

Januar 5, 2008

Arte, 22.30

Mord auf Seite eins – Teil 1 & 2 (GB 2003, R.: David Yates)

Drehbuch: Paul Abbott

Die Mitarbeiterin eines Abgeordneten stirbt. „Herald“-Starreporter Cal McCaffrey soll die Hintergründe recherchieren. Denn die Tote soll ein Verhältnis mit ihrem Chef gehabt haben. Dummerweise ist McCaffrey mit dem Abgeordneten befreundet und sie wurde von einem Profikiller ermordet.

Preisgekrönter, allgemein abgefeierter sechsteiliger Politthriller, der das sumpfige Terrain von Wirtschaft, Politik, Presse und Polizei vermisst. Hollywood hat sich schon die Remake-Rechte gesichert.

Paul Abbot erhielt 2005 für „State of Play“ (Mord auf Seite eins) den Edgar in der Kategorie „Best Television Feature or Mini-Series Teleplay“.

Mit John Simm, David Morrissey, Kelly MacDonald, Bill Nighy

Wiederholungen:

Samstag, 12. Januar, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Samstag, 12. Januar, 15.20 Uhr

Hinweise:

Arte zu „Mord auf Seite eins (hier etwas ausführlicher)

BBC Germany zu „Mord auf Seite eins“

Guardian-Interview mit Paul Abbott (2005)

BBC-Interview mit Paul Abbott im „BBC writersroom“ (9. Oktober 2007)

BBC-Interview mit Paul Abbott zu „Mord auf Seite eins“ (Video-Clips)

Screen Online über Paul Abbott

Screen Online über „Mord auf Seite eins“


Original und Kopie: „IT-Crowd“ gegen „iTeam“

Januar 4, 2008

Doofe Sache, das mit dem Internet und YouTube. Denn Original und Kopie können in wenigen Minuten miteinander verglichen werden. Zuerst habe ich mir bei Sat.1 die ersten Minuten der neuen Comedy-Serie „Das iTeam – Die Jungs mit der Maus“ angesehen und habe ungefähr einmal gelacht und zweimal geschmunzelt (allerdings produziert das Lachen vom Band natürlich den Mitlacheffekt). Sie startet heute Abend um 21.45 Uhr.

Danach habe ich auf YouTube die ersten Minuten des Originals „The IT-Crowd“ gesehen. Dabei fällt auf, dass die Sat.1-Kopie das Original fast Bild für Bild, Zeile für Zeile, neuverfilmt hat. Allerdings schlechter. Denn obwohl ich alle Gags kannte, musste ich beim Original öfter lachen.

Vergleichen Sie selbst!


Rezension Syd Field „Das Drehbuch“ online

Januar 4, 2008

field-das-drehbuch.jpg

Meine Besprechung von Syd Fields überarbeitetem Klassiker „Das Drehbuch – Die Grundlagen des Drehbuchschreibens“ (Screenplay – The Foundations of Screenwriting, 1979/2005) ist online in der Berliner Literturkritik.

Ein neueres Werk von Field schleuderte ich, nachdem ich las, auf Seite 20 müsse, wie der Film Die Verurteilten beweise, Plotpoint I kommen, verärgert in die Ecke. Bei „Das Drehbuch“ ärgerte ich mich nie. Denn Field ist hier nicht so dogmatisch. Das Paradigma-Konzept überzeugt. Die Beispiele, auch aus neuen Filmen, sind gut gewählt und irgendwie haben fast alle Drehbuchratgeber von ihm abgeschrieben.

Gut hat mir diese Stelle gefallen: „In Deutschland hielt ich einmal für ungefähr fünfzig Autoren einen Workshop ab, und von den fünfzig Geschichten endeten sechsundvierzig mit Tod, Selbstmord, Vernichtung oder Chaos. Ich musste den Teilnehmern erklären, dass es durchaus bessere Mittel gibt, ein Drehbuch abzuschließen. Das beste Ende ist immer eins, das echt, glaubhaft und wahr erscheint, wie zum Beispiel in Seabiscuit, Magnolia oder Der Stadtneurotiker. Titanic hat trotz der Liebesgeschichte ein wahres Ende.“

Field hätte auch Man nannte ihn Hombre, Butch Cassidy und Sundance Kid oder Thelma & Louise erwähnen können.


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Januar 4, 2008

Die ersten TV-Krimi-Buch-Tipps des Jahres 2008 sind bei den Alligatorpapieren online. Dort gibt’s die komplette Ladung (mit vielen schönen Bildern); hier gibt’s die ersten Zeilen:

Die ersten beiden Fernsehwochen punkten mit etlichen James Bond-Filmen und Bienzle-Tatorten. Daneben gibt es auch einige selten gezeigte Perlen. Milton Katselas James Mills-Verfilmung „Der einsame Job“, eine Tatort-Nacht mit dem ersten Stoever-Tatort, dem ersten Trimmel-Tatort und der Hansjörg Martin-Verfilmung „Das Zittern der Tenöre“, Tim Metcalfes Gaddis-Long-Verfilmung „Killer – Tagebuch eines Serienmörders“, ein Claude Chabrol-Trio mit „Der Schlachter“, „Die Farbe der Lüge“ und „Das Leben ist ein Spiel“ und José Giovannis Joseph Harrington-Verfilmung „Der Kommissar und sein Lockvogel“ gehören dazu. In die Kategorie „Gut und oft wiederholt“ gehören Jules Dassins Eric Ambler-Verfilmung „Topkapi“, Alan Parkers William Hjortsberg-Verfilmung „Angel Heart“, Edwin Sherins Elmore Leonard-Verfilmung „Valdez“, Bertrand Taverniers Jim Thompson-Verfilmung „Der Saustall“, Walter Hills John Godey-Verfilmung „Johnny Handsome – Der schöne Johnny“. Als TV-Premiere gibt es einen neuen Wilsberg, zwei neue Lynley/Havers-Filme und die J. J. Connolly-Verfilmung „Layer Cake“ mit Daniel Craig.


TV-Tipp für den 4. Januar

Januar 4, 2008

ZDF, 21.15

Soko 5113: Dar Urteil (D 2007, R: Michael Wenning, B: Sebastian Andrae)

ZDF 00.30

Soko 5113: Der erste Fall (D 1978, R: Ulrich Stark, B: Hasso Plötze)

ZDF, 02.45

Soko 5113:  Das Geheimnis von Blandford Castle (D 2003, R: Zbynek Cerven, B: Conny Lens)

„Die Soko-5113-Nacht anlässlich des 30-jährigen Sendejubiläums“ nennt das ZDF den heutigen Soko-Dreier. Es gibt einen neuen, spielfilmlangen Fall, einen Zusammenschnitt des ersten Falls auf 130 Minuten (wahrscheinlich wurde dafür einfach nur der Vor- und Abspann weggeschnitten – aber in jedem Fall: Endlich wieder einmal im TV!) und einen neueren Fall, der ein SW-Hommage an den traditionellen britischen Kriminalroman ist.

Der Ursprung für die Serie war der Roman „Der Durchläufer“ des Kriminalpolizisten Dieter Schenk (der heute vor allem als Schriftsteller und Historiker arbeitet). Hasso Plötze entwickelte daraus eine Polizeiserie, die einen realistischen Blick auf die Arbeit einer Sonderkommission wirft. Dazu trug auch bei, dass private Probleme ein Teil der Fälle waren, mit folgenübergreifenden Geschichten experimentiert wurde und Soko-Mitglieder immer wieder einen unrühmlichen Abgang hatten. Einer wurde von einem Kollegen erschossen. Einer schnappte sich einen Koffer voll Geld. Einer heiratete reich. Da wurde sich gelungen amerikanischer und englischer Vorbilder bedient.

Das war alles noch zu Werner Kreindls Lebzeiten. Er verkörperte den kompromisslosen Soko-Leiter Göttmann. Danach übernahm Kollege Schickl (Wilfried Klaus) das Ruder. Die letzten Folgen mit ihm sind abgedreht. Sein Nachfolger – schließlich bedeutet in Deutschland ein Darstellerwechsel nicht das Ende der Serie – ist Gerd Silberbauer (zuletzt „Der Landarzt“ und „Alles außer Sex“).

Hinweise:

ZDF über Soko 5113

Krimihomepage über Soko 5113

Fernsehserien über Soko 5113

Homepage von Dieter Schenk

Dieter Schenk über die Anfänge von Soko 5113

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Hasso Plötze


Mickey Spillane und Ross Thomas schlagen zu

Januar 2, 2008

Beginnen wir das Krimijahr standesgemäß mit zwei großen Namen der Kriminalliteratur: Mickey Spillane und Ross Thomas. Von Ross Thomas erschien vor wenigen Tagen die leicht überarbeitete Neuausgabe seines Debüts „Der Einweg-Mensch“ als „Kälter als der Kalte Krieg“. Von Mike Hammer-Erfinder Mickey Spillane der neue Roman „Dead Street“.

 spillane-dead-street.jpg

Spillane schrieb bis zu seinem Tod am 17. Juli 2006 an mehreren Manuskripten. Obwohl er in den vergangenen Jahrzehnten nur wenige Bücher veröffentlichte, arbeitete er vor seinem Tod an zwei Mike Hammer-Krimis, einem Kriminalroman und einem Abenteuerroman. Max Allan Collins, der langjährige Fan und Freund von Spillane, schreibt jetzt die von Spillane geplanten beiden Hammer-Romane fertig. Der Abenteuerroman „The last stand“ wurde, so Collins in dem informativem Nachwort zu „Dead Street“, von Spillane fertig geschrieben. Bei „Dead Street“ fehlte noch das Ende. Es gab nur ausführliche Notizen. Hard Case Crime-Herausgeber Charles Ardai und Max Allan Collins entschieden sich, zuerst den Spillane-typischen Kriminalroman mit dem pensionierten Polizisten Jack Stang zu veröffentlichen.

Stang ist ein typischer Spillane-Held. Der Spitzname des legendären Cops ist „Shooter“ und auf der Straße wird er mit einem jovialen „Kill anybody today, Captain Jack?“ begrüßt. Er ist ein älter gewordener Mike Hammer mit Dienstmarke, der Frauen „Doll“ nennt und Probleme am liebsten mit Gewalt löst. Jetzt erfährt er, dass seine vor zwanzig Jahren gestorbene Freundin Bettie doch noch lebt. Dieses Mal will er sie beschützen. Aber dafür muss er herausfinden, warum sie damals sterben sollte und er muss die Verbrecher, die sie damals und auch heute noch umbringen wollen, finden. Auf der Jagd nach den Tätern kommt er einem Nukleardiebstahl auf die Spur und er erneuert seine Beziehung zu Bettie.

Die Geschichte von „Dead Street“ ist reinster Pulp und merkwürdig aus der Zeit gefallen. Sie spielt heute. Aber Spillane hält sich nicht mit einem aktuellen Zeitkolorit auf. Die Erwähnung von Computern, Handys und dem islamistischen Terrorismus nach 9/11 müssen als aktueller Hintergrund ausreichen. Davon abgesehen könnte die Geschichte kurz nach dem zweiten Weltkrieg spielen.

Spillane – und Collins der die letzten Kapitel in Spillanes Stil schrieb – erzählt die kurze Geschichte vollkommen ohne postmoderne Ironie oder popkulturelle Anspielungen in knappen, schmucklos die Handlung vorantreibenden Sätzen. Und natürlich sind die einzelnen Charaktere eindimensional gut oder böse. Immerhin begründete Spillane mit „Ich, der Richter“ die aus Sex und Gewalt bestehende Hardboiled-Welt, die sich millionenfach verkaufte, in Deutschland auf dem Index jugendgefährdender Schriften stand und von späteren Autoren kopiert und weiterentwickelt wurde. Die einzige Konzession an das Alter ist, dass seine Charaktere jetzt etwas melancholischer sind und, wie Dinosaurier, wissen, dass ihre Zeit vorbei ist.

 thomas-kalter-als-der-kalte-krieg.jpg

Auch bei dem 1995 verstorbenen Ross Thomas stehen harte Männer im Mittelpunkt seiner Polit-Thriller. Bereits in seinem Debüt sind alle Kennzeichen seiner späteren Romane enthalten: farbige Charaktere, genaue Lokalisierung der Geschichten an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit, spritzige Dialoge und ein wendungsreicher Plot. Dabei sind die Helden in einem Ross Thomas-Roman, im Gegensatz zu einem Spillane-Helden, niemals auf einem Kreuzzug gegen das Böse. Bei Ross Thomas wollen nur verschiedene, höflich formuliert, halbseidene Charaktere ihren Schnitt machen. Auch Mac McCorkle, der Besitzer der Bar „Mac’s Place“ in Bonn, und sein Partner Mike Pardillo, der auch als Agent arbeitet, ziehen nicht für höhere Werte in den Kampf. Mac McCorkle will herausfinden, wer in seiner Bar ein Mann erschoss, während er seinem Barkeeper erklärte, wie man einen richtigen Seven-layer Mint Frappé mixt. Zusammen mit Pardillo beginnt er den Mörder zu suchen. Sie geraten dabei zwischen die Fronten der Geheimdienste. Ihre Überlebenschancen tendieren gegen Null und nur mit einer gehörigen Portion Mutterwitz, harten Getränken und Waffen haben sie eine Chance mit heiler Haut wieder aus der Geschichte herauszukommen.

Das Duo McCorkle/Padillo überlebt – das kann gesagt werden ohne etwas von der Geschichte zu verraten – ihr erstes Abenteuer. Ross Thomas, der vor allem Einzelwerke schrieb, schickte sie in „Der Tod wirft gelbe Schatten“ (Cast a yellow shadow, 1967), „Was ich nicht weiß, macht mich nicht kalt“ (The backup men, 1971) und „Letzte Runde in Mac’s Place“ (Twilight at Mac’s Place, 1990) in weitere Abenteuer.

Für den Spionageroman „Kälter als der Kalte Krieg“ erhielt er den Edgar für das beste Debüt des Jahres. Wie so oft trafen die Edgar-Juroren eine gute Wahl. Denn Thomas schrieb danach 24 spannende Politthriller, die einen illusionslosen Blick in die Hinterzimmer der Politik in den USA und verschiedener Entwicklungsländer werfen. Schließlich hatte Ross Thomas vor seiner Karriere als Autor auch als Journalist und politischer Berater gearbeitet. Deutschland kannte er von seiner Zeit als AFN-Journalist und Leiter des Bonner AFN-Büros. Sein Wissen verarbeitete er in dem in sechs Wochen geschriebenen Debütroman. Damals war „Kälter als der Kalte Krieg“ ein genauer Blick auf den deutschen Spielplatz des Kalten Krieges. Heute ist der Roman eine immer noch höchst unterhaltsame Reise in eine vergangene Welt, als sich die freie Welt und der Kommunismus unversöhnlich gegenüberstanden und zwei Männer mit flotten Sprüchen und riesigen Mengen Alkohol die größten Gefahren überleben konnten.

 

Mickey Spillane: Dead Street

(Prepared for Publication by Max Allan Collins)

Hard Case Crime, 2007

224 Seiten

6,99 US-Dollar

 

Thrilling Detectives über Mickey Spillane

 

 

Ross Thomas: Kälter als der Kalte Krieg

(übersetzt von Wilm W. Elwenspoek, durchgesehen und überarbeitet von Gisbert Haefs und Anja Franzen)

Alexander Verlag, 2007

272 Seiten

12,90 Euro

 

Originalausgabe

The Cold War Swap

Avon, 1966

 

Vorherige Deutsche Übersetzung

Der Einweg-Mensch

Ullstein 1970

Eine spätere Ausgabe erschien bei Wunderlich/Rowohlt Taschenbuch Verlag

 

Meine Besprechung von „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978)

Meine Besprechung von „Gottes vergessene Stadt“ (The Fourth Durango, 1989)


TV-Tipp für den 3. Januar

Januar 2, 2008

ARD, 01.45

Im Zeichen des Bösen (USA 1958, R.: Orson Welles)

Drehbuch: Orson Welles

LV: Whit Masterson: Badge of Evil, 1956 (Unfehlbarkeit kann tödlich sein)

In einer schäbigen Grenzstadt versuchen ein korrupter US-Polizist und ein mexikanischer Drogenfahnder (in den Flitterwochen) einen Mord aufzuklären.

Noir-Klassiker, der heute in der restaurierten Fassung, auch bekannt als „Director’s Cut“, angekündigt ist (Bei diesem Film würde sich eine DVD-Ausgabe mit den verschiedenen Fassungen, einem Making-of und einem guten Audiokommentar lohnen).

„Einer der schönsten und intelligentesten Polizeifilme der Kinogeschichte.“ (Seesslen: Copland)

Mit Charlton Heston, Janet Leigh, Orson Welles, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich, Joseph Cotten, Zsa Zsa Gabor, Dennis Weaver


TV-Tipp für den 2. Januar

Januar 2, 2008

Kabel 1, 20.15

Das Versprechen (USA 2000, R.: Sean Penn)

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kamera: Chris Menges

Musik: Hans Zimmer

Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.

Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (D 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)

Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton

Hinweis:

Homepage zum Film 


Cover der Woche

Januar 1, 2008

stout-aufruhr-im-studio.jpg


Ein herausragendes Debüt

Dezember 31, 2007

sakey-der-blutzeuge.jpg 

Bereits beim Erscheinen wurde Marcus Sakeys Debüt „Der Blutzeuge“ in seiner amerikanischen Heimat abgefeiert und landete zum Jahresende auf einigen Listen der besten Bücher des Jahres 2007. In Deutschland ging „Der Blutzeuge“ dagegen unter.

Zu Unrecht. Denn Sakey erzählt seine einfache Geschichte über den Kampf zwischen zwei ehemaligen Freunden mit überraschenden Wendungen spannend bis zum bitteren Ende.

Danny Carter und Evan McGann sind zwei Kleinkriminelle in Chicago. Danny ist der intelligentere und vernünftigere von beiden. Trotzdem saß er bereits zweimal im Gefängnis. Ihre gemeinsame kriminelle Karriere endet mit einem Einbruch in eine Pfandleihe. Als der Besitzer überraschend auftaucht, schießt Evan auf ihn. Während Evan noch am Tatort versucht, an die Beute zu gelangen, flüchtet Danny.

Evan wird zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Wegen guter Führung wird er bereits nach sieben Jahren entlassen. Jetzt will er sein altes Leben fortführen.

In der Zwischenzeit wurde Danny ehrlich. Er ist ein geachteter Bauleiter, glücklich verheiratet und er will dieses Leben unter keinen Umständen aufgeben. Als er Evan trifft, bietet er ihm einen Job auf einer Baustelle an. Evan lehnt ab und beginnt Danny zu terrorisieren. Er bricht bei ihm ein. Er bedroht Dannys Frau.

Danny ist verzweifelt. Er kann nicht zur Polizei gehen. Denn dann müsste er auch den Einbruch in die Pfandleihe gestehen und sein ehrliches Leben wäre vorbei. Aber er weiß auch, dass er Evan nicht mit einigen guten Ratschlägen besänftigen kann.

Deshalb lässt Danny sich auf ein letztes gemeinsames Ding mit seinem früheren Freund ein. Sie entführen den Sohn von Dannys Chef Richard O’Donnell. Doch Evan hält sich schon bei der Geiselnahme nicht mehr an den gemeinsamen Plan. Danny muss immer mehr erkennen, dass er sich auf ein Geschäft mit dem Teufel eingelassen hat.

Und das ist auch schon der einzige kleine Wermutstropen in Sakeys beängstigend gelungenem Debüt „Der Blutzeuge“. Evan ist als Bösewicht etwas zu überzeichnet. Es fällt viel zu leicht ihn als cholerisch-rachsüchtiges Monstrum zu hassen. Dabei wurde er – wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen – von seinem Freund im Stich gelassen.

Verrat und Freundschaft sind in Marcus Sakeys düsterem Roman „Der Blutzeuge“ die Eckpunkte des zentralen Konflikts. Vor allem seine Hauptfigur Danny Carter ist in einem Netz verschiedener Verpflichtungen gefangen, die er nicht gleichzeitig erfüllen kann. Wie damals in der Pfandleihe versucht er jetzt wieder den Weg zu nehmen, der für ihn die geringsten Kosten verursacht. Dabei hat er keine Ahnung, wie hoch das Blutzoll für seinen Wunsch, sein bürgerliches Leben weiterzuführen, ist.

Die Filmrechte sind an LivePlanet, der Firma von Ben Affleck und Matt Damon, vergeben. Ihr letztes Projekt war die fantastische Dennis Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone“. 

 

 

Marcus Sakey: Der Blutzeuge

(deutsch von Violeta Topalova)

Goldmann, 2007

416 Seiten

8,95 Euro

 

Originalausgabe

The blade itself

St. Martin Minotaur, 2007

 

Homepage von Marcus Sakey

Marcus Sakey schreibt im Outfit

Marcus Sakey bei Goldmann


KrimiWelt-Bestenliste Januar 2008

Dezember 29, 2007

Die KrimiWelt-Bestenliste für den Januar 2008 sieht so aus:

 

1          (-)        Martin Cruz Smith: Stalins Geist

2          (5)       Jean-Patrick Manchette/Jean-Pierre Bastid: Lasst die Kadaver bräunen!

3          (1)       James Sallis: Driver

4          (3)       Ian Rankin: Im Namen der Toten

5          (4)       Arne Dahl: Ungeschoren

6          (-)        Charles Todd: Zeit der Raben

7          (-)        Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre

8          (2)       Oliver Bottini: Im Auftrag der Väter

9          (8)       Marek Krajewski: Gespenster in Breslau

10       (6)       Rick DeMarinis: Kaputt in El Paso

 

In der Klammer steht die Platzierung vom Vormonat. Was soll ich sagen? Smith, Sallis, Rankin, De Marinis: gut. Carofiglio liegt noch auf dem Stapel. Aber sein vorheriges Buch „Im freien Fall“ hat mir sehr gut gefallen. Der Manchette/Bastid ist noch nicht bei mir eingetroffen.

F. Paul Wilson hat’s, wie ich bei der Vorstellung der Dezember-Liste meinte, nicht geschafft. Leider auch nicht Thomas H. Cook oder Peter Temple.

Und der Rest? Irgendwie die üblichen Verdächtigen.


TV-Tipps für den 29. Dezember – 1. Januar

Dezember 29, 2007

Hier in Berlin wird sich schon böllermäßig auf die Jahreswende eingeschossen. Deshalb:

29. Dezember

Das Vierte, 22.45

El Mariachi (Mex/USA 1993, R.: Robert Rodriguez)

Drehbuch: Robert Rodriguez

„El Mariachi“ ist ein netter Musiker. Als er in einem mexikanischen Grenzkaff mit einem Killer, der seine Waffen in einem Instrumentenkoffer spazieren trägt, verwechselt wird, muss er seine Gitarre mit einer Knarre vertauschen.

Irgendwie hat sich Rodriguez seit seinem billig produzierten Debüt nicht geändert. Immer noch fasziniert ihn Gewalt. Immer noch sind seine Filme brutal. Immer noch garniert mit einem durchgeknallten Humor. Immer noch macht er eigentlich alles alleine. Und immer noch sehen sie teurer aus, als sie waren. „El Mariachi“ hat, so die Legende, 7000 Dollar gekostet.

Mit Carlos Gallardo, Consuelo Gómez

Hinweise:

Troublemaker Studios – die Firma von Robert Rodriguez

 

30. Dezember

Pro 7, 20.15

Hellboy (USA 2004, Guillermo del Toro)

Drehbuch: Guillermo del Toro (nach einer Geschichte von Guillermo del Toro und Peter Briggs

LV: Mike Mignola: Hellboy

Hellboy, ein zum Guten erzogener Dämon, verkloppt im Auftrag einer geheimen FBI-Einheit Dämonen. Jetzt kämpft er gegen den untoten Mönch Rasputin und den SS-Mann Kroenen, die ihr vor sechzig Jahren unterbrochenes Werk vollenden wollen.

Guillermo del Toro könnte ein Bruder von Robert Rodriguez sein. Auch seine Filme sehen teurer aus als sie sind und auch er liebt die Popkultur.

„Hellboy“ ist eine der wenigen gelungenen Comicverfilmungen. Kein Wunder. Schließlich hat hier ein Fan einen Film für andere Fans (alle mit einem kindischen Gemüt) gemacht. „Hellboy II“ soll am 4. September 2008 in Deutschland starten.

Mit Ron Perlman, John Hurt, Selma Blair, Rupert Evans

Wiederholung um 01.30 Uhr

Hinweise:

Hellboy-Comic-Seite (oder Mike Mignolas Hellboy-Seite)

Amerikanische Hellboy-Film-Seite (mit Infos zu „Hellboy II“)

Deutsche Hellboy-Film-Seite

 

31. Dezember

3sat, ab 7.00 Uhr

Pop around the Clock

Neben dem in den anderen Kanälen toben Wahnsinn präsentiert 3sat die einzige ernstzunehmende Alternative: 24 Stunden nur Rockmusik. Einiges ist gut, um frische Luft zu schnappen (Bon Jovi), anderes sollte mal angehört werden (Mark Knopfler & Emmylou Harris), und einiges über jede Kritik erhaben (Bob Dylan). Ob Pinks „I’m not dead“ um 04.15 Uhr dann dem gefühlten Zustand der Meisten entspricht, darf bezweifelt werden.

Das vollständige Programm

 

1. Januar

3sat, 23.30

Der aus dem Regen kam (F/I 1969, R.: René Clement)

Drehbuch: Sébastien Japrisot

Buch zum Film: Sébastien Japrisot: Le passager de la pluie, 1992

Mellie erschießt in Notwehr einen Fremden und lässt die Leiche verschwinden. Eines Tages taucht ein geheimnisvoller Amerikaner auf und erpresst sie.

Spannender Psycho-Thriller: „La mise en scène est irréprochable, l’interprétation excellente et le film distille un charme doux-amer plein de suspense. Mais trop de froideur et une intrigue confuse finissent par lasser. Il n’est pas certain que ce film résiste à des diffusions répétées tant ses limites finissent par devenir évidentes.“ (Dictionnaire du cinéma, Robert Laffont)

Mit Marlène Jobert, Charles Bronson, Jill Ireland

(und danach geht’s mit den „wilden Zwanzigern“ weiter)


Die Pechvögel 2007

Dezember 28, 2007

Neben den vielen gelesenen Büchern gibt es auch einige Bücher, die ich dieses Jahr unbedingt lesen wollte, aber dann trafen neue Bücher ein, Stapel wuchsen und es wurden immer nur die obersten gegriffen. Deshalb gibt es hier die Liste der Romane, die ich 2007 unbedingt lesen wollte, aber nicht gelesen habe:

 

Mark Billingham: Die Geliebte des Mörders

Simon Brett: Der Tote im Hotel

John Connor: Feuertod

Michael Dibdin: Sterben auf Italienisch (sein letzter Roman)

Tom Egeland: Wolfsnacht

Vince Flynn: Der Feind

Scott Frost: Risk

Mark Gattis: Die Bernstein-Verschwörung – Ein Dandy ermittelt (Die ersten Zeilen sind gut: „Er war Amerikaner. Da schien es nur richtig, ihn umzulegen.“ Aber weil ich in dem Moment gerade ein anderes Buch las,…)

Torsten Krol: Carlisto oder die Kunst des Rasenmähens (Dito: ein glänzender Anfang)

Ian McDowall: Zwei Tote im Fluss

Edgar Noske: Im Dunkel der Eifel

Peter O’Donnell: Modesty Blaise – Ein Hauch von Tod

F. Paul Wilson: Das Höllenwrack

 

Pech hatten auch diese Debüts von deutschsprachigen Autoren:

 

Frank Breching: Das verlorene Leben

Michael Herzig: Saubere Wäsche

Matthias Hoffmann/Grit Bode-Hoffmann: Infantizid

Die Krimi-Cops: Stückwerk (sechs Polizisten schreiben einen Krimi; das ist doch schon mal ein gutes Verkaufsargument)

Cem Melou: Toxische Killer

Andy Strässle: Die Wodka-Verschwörung

Hans-Peter Vertacnik: Abfangjäger

 

Pech hatten auch diese noch (?) nicht übersetzten Werke von englischsprachigen Autoren:

 

Richard Aleas: Songs of Innocence

Robert Crais: The watchman

Dan Fesperman: The Prisoner of Guantanamo

James Grady: Mad Dogs

Joe R. Lansdale: Lost Echoes

Cormac Mc Carthy: No Country for old  men (Soll ich es jetzt vor oder nach dem Genuss der Coen-Verfilmung sehen?)

Cormac Mc Carthy: The Road  (Pulitzer Preis – hmhm)

Domenic Stansberry: The big boom

Don Winslow: The Winter of Frankie Machine

 

Aber es gibt eine erfreuliche Meldung für die Pechvögel: Ihre Bücher liegen jetzt wieder ganz oben – und an Silvester muss ich wirklich nicht ab 20.00 Uhr auf der Straße des 17. Juni für ein zehnminütiges Feuerwerk (das ich dann wegen der vielen anderen Menschen und Bäume eh nicht sehe) frieren.


TV-Tipp für den 28. Dezember

Dezember 28, 2007

3sat, 22.25

Anything Else (USA/F/NL/GB 2003, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Über die Handlung muss eigentlich nichts gesagt werden. Woody Allen spielt einen erfolglosen Comedy-Autor, der einen jüngeren Comedy-Autor gute Ratschläge gibt. Denn dieser – jüdisch und voller Selbstzweifel (klingt nach Woody vor dreißig Jahren) – hat einen erfolglosen, aber wortgewaltigen Manager, einen Psychiater und eine launische Freundin, die gerade nicht mit ihm schlafen will, dafür ihre Mutter in der viel zu kleinen Wohnung einquartiert.

Also nichts Neues in Allen-Land. Und das ist gut so.

Außer dass die Witze in seinem ersten Film nach 9/11 eine Spur bissiger und auch verzweifelter sind.

Mit Woody Allen, Jason Biggs, Christina Ricci, Danny DeVito, Stockard Channing

3sat zum Film (mit weiterführenden Links)