Auf der „Königsallee“ ins Verderben

Juni 13, 2007

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(Vorbemerkung: Ich wollte nur eine kurze Kritik schreiben, in der steht, dass „Königsallee“ von Horst Eckert ein gutes Buch ist und ich ihm viele begeisterte Leser wünsche. Das gelang mir nicht.)

Seine ersten Romane waren düstere Polizeithriller in der Tradition von James Ellroy. Dafür erhielt Horst Eckert mehrere Krimipreise. In den vergangenen Jahren öffnete er seinen korrupten Polizeikosmos immer mehr der nicht minder korrupten großen Politik. Sein neuester Roman „Königsallee“ setzt diesen Weg konsequent und gelungen fort.

Bereits vor dem Erscheinen wies die Boulevardzeitung „Express“ auf Ähnlichkeiten zwischen Eckerts Roman und der Düsseldorfer Politikprominenz hin. Nun, für mich als Berliner sind natürlich die Ähnlichkeiten zwischen Eckerts Roman und der hiesigen Politikprominenz frappierend. Immerhin lebte Eckert lange in Berlin. Aber vielleicht sehen Münchner und Hamburger ihre korrupten Politiker porträtiert und freuen sich, dass es in Leipzig viel schlimmer ist.

Denn das Ausnutzen von Macht, Beziehungen und politischen Ämtern zum Schaden der Gemeinschaft ist nichts Düsseldorf-spezifisches. Dieser Klüngel gibt der Polizei die Richtlinien für Ermittlungen vor. So wird Kommissar Jan Reuter bei seinen Ermittlungen gegen die Organisierte Kriminalität immer wieder von oben ausgebremst.

In „Königsallee“ nimmt die Düsseldorfer Stadtpolitik einen großen Raum ein. Denn osteuropäische Verbrecher wollen sich in Düsseldorf einkaufen. Oberbürgermeister Dagobert Kroll findet den Gedanken, das Geld des Ölmilliardärs Vitali Karpow für den Bau seines gefährdeten Lieblingsprojektes anzunehmen ganz okay. Auch wenn die Quellen mehr als dubios sind.

Zur gleichen Zeit will Kommissar Jan Reuter von der Abteilung KK 22 (Bekämpfung der Organisierten Kriminalität) immer noch die Diebe des Max Beckmann-Gemäldes „Die Nacht“ finden. Er glaubt den Täter zu kennen. Aber er hat keine Beweise gegen den Koksbaron Manfred Böhr. Als das Gemälde mit der Hilfe von Jans Bruder, dem Anwalt Edgar Reuter, und gegen die Zahlung eines Lösegeldes wieder auftaucht, glaubt Jan Reuter, dass sein Bruder mit den Verbrechern zusammenarbeitet. Sein Verdacht verstärkt sich, als Edgar zusammengeschlagen wird und er im Krankenhaus nur einen polizeibekannten russischen Namen sagt.

Gleichzeitig hofft Jan Reuter über seinen Informanten Robert Marthau an weitere Informationen heranzukommen. Doch dieser wird bei einem nächtlichen Rauschgiftgeschäft ermordet. Die einzige Zeugin des Mordes ist die Tochter von Konrad Andermatt, bekannt als „Richter Gnadenlos“ am Düsseldorfer Landgericht und wahrscheinlich der zukünftige Innenminister. Sie durchlebt gerade ihre wilde Phase in der Halb- und Unterwelt der Landeshauptstadt und schwebt jetzt in Lebensgefahr.

Auch in Eckerts neuntem Roman treten wieder viele aus den früheren Romanen bekannte Charaktere, wie Benedikt Engel, Ela Bach und Alex Vogel, auf. Wie immer hat Horst Eckert eine neue Hauptfigur. Bekannt sind auch die Themen wie Korruption innerhalb der Polizei, die Schwierigkeiten der einzelnen Charaktere, die Grenze zwischen Recht und Unrecht nicht zu überschreiten und der genaue Einblick in die Strukturen und Arbeit der Polizei mit all ihren bürokratischen Hindernissen. Neu ist die schonungslose Analyse einer Kaste von Politikern, die sich den Staat zur Beute gemacht haben und der immer mehr verschwimmenden Grenze zwischen Politik und Organisierter Kriminalität, zwischen legalem und illegalem Geld.

In „Königsallee“ beschreibt Eckert treffend und ohne scheinheilige moralische Empörung das korrumptive Geflecht zwischen Politik, Wirtschaft, Justiz und Polizei. Alle schweigen und helfen mit, die Wahrheit zu vertuschen, weil sie letztendlich gut daran verdienen. Es ist der Teil der deutschen Realität, der viel zu selten zutreffend in deutschen Kriminalromanen beschrieben wird. Ad hoc fällt mir nur der Hamburger Frank Göhre mit seiner Kiez-Trilogie und dem vergangenes Jahr erschienenen Nachschlag „Zappas letzter Hit“ ein.

Gegen so ein Geflecht von Abhängigkeiten und Verbrechen ist ein einzelner Ermittler, wie Jan Reuter, solange er nicht den richtigen Zipfel zu fassen kriegt, machtlos. Deshalb ermittelt er gleichzeitig in mehreren Fällen und Horst Eckert erzählt souverän gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven mehrere Geschichten.

„Königsallee“ ist ein gelungener Politthriller, weil Horst Eckert in ihm die Geschichten hinter den Schlagzeilen in eine packende Erzählung überführt. Mit seinem neuesten Buch bestätigte er wieder einmal seinen Ruf als einer von Deutschlands besten Kriminalromanautoren.

(Nachbemerkung: Ich sage nicht bester, weil es mir schwer fällt Autoren wie Sportler in eine auf eine messbare Leistung basierende Rangfolge zu setzen.)

 

Horst Eckert: Königsallee

Grafit 2007

416 Seiten

18,90 Euro

 

Homepage des Autors: www.horsteckert.de

 

Meine Besprechung von „Der Absprung“: http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-zwanzigneun.html

Meine Besprechung von „617 Grad Celsius“: http://www.alligatorpapiere.de/spurensuchesechs-eckert-kemmer.html


Verfilmte Kriminalromane am 13. Juni

Juni 12, 2007

HR, 23.35

Rendezvous mit dem Tod (USA 1977, R.: Ashley Lazarus)

Drehbuch: Stanley Price

LV: Alistair MacLean: Golden Rendezvous, 1962 (Rendezvous mit dem Tod)

Ein Schiff wird gekapert und Schiffsoffizier Richard Harris greift ein. Hält den mauen Standard der meisten MacLean-Verfilmungen.

Mit Richard Harris, Ann Turkel, Gordon Jackson, John Vernon, David Janssen, Burgess Meredith


Zehn Autoren – Ein Buch – Tausend Seiten

Juni 12, 2007

Zu dem von Ed McBain herausgegebenen Sammelband „Die hohe Kunst des Mordens“

Die Idee war einfach und hatte ein nostalgisches Flair. Der Erfinder des 87. Polizeireviers, Ed Mc Bain, begann seine Karriere als Schriftsteller in den Fünfzigern. Damals wurde er, wie viele seiner Kollegen, nach der Zahl der Worte entlohnt und die Geschichten, auch Kurzroman oder Novelette genannt, hatten um die 10.000 Worte. Halt eine Geschichte, die länger als eine Kurzgeschichte ist, aber an einem Abend gelesen werden kann. Ed McBain schrieb mehrere Kollegen an und bat sie um eine Geschichte, die zwischen 10.000 und 40.000 Worten (für die Übersetzung erhöhte sich die Zahl der Worte auf 20.000 bis 60.000) hat. Zehn schrieben eine brandneue Geschichte für „Die hohe Kunst des Mordens“. Das ist der ziemlich falsche deutsche Titel für die im Original 2005 erschienene Sammlung „Transgressions“. Mein Wörterbuch übersetzt es mit „Überschreitung“, „Übertretung (Gesetze etc.)“, „Vergehen/Missetat“ und jede der drei Bedeutungen trifft den Inhalt der Geschichten besser als der deutsche Titel. Denn nicht in jeder Geschichte geschieht ein Mord. Manchmal geschieht zwar ein Mord, aber die Tat ist dann der Kollateralschaden, um etwas anderes zu verbergen. Und dann gibt es noch die Geschichten, in denen es überhaupt keine Leiche gibt.

Die zehn Geschichten sind zwischen 40 (Stephen King) und 160 Seiten (John Farris und Jeffery Deaver) lang. Geschrieben wurden sie von Lawrence Block, Jeffery Deaver, John Farris, Stephen King, Ed McBain, Sharyn McCrumb, Walter Mosley, Joyce Carol Oates, Anne Perry und Donald E. Westlake. Und, was bei diesen Namen offensichtlich ist, der Wälzer ist jeden einzelnen Cent wert.

Um Geld und nicht um Mord geht es bereits in der ersten Geschichte. Sie handelt von der hohen Kunst des Stehlens und Betrügens. Denn „Die Geldmacher“ von Donald E. Westlake ist eine weitere Dortmunder-Geschichte. Vor Jahren hatte Westlake von einem Verbrecher gehört, der Tonnen portugiesischer Scheine fälschte, weil er das Land aufkaufen wollte. Er wurde geschnappt. Als Westlake von McBain gefragt wurde, ob er eine 20.000-Wort-Geschichte schreiben wollte, verarbeitete er diese Geschichte in einer weiteren Dortmunder-Geschichte. Der resozialisierte Kirby Querk schlägt John Dortmunder und seinem Freund Andy Kelp das perfekte Verbrechen vor: Sie sollen in eine einsam gelegene Druckerei, die die Geldscheine für einen südamerikanischen Staat herstellt, einbrechen, Geld drucken und unerkannt verschwinden. Weil Querk in der Druckerei arbeitet, kann er die Papierbestände und das Zählwerk der Druckmaschine manipulieren. Dortmunder und Kelp sind einverstanden. Natürlich geht der Plan von dem einfachen Verbrechen grandios in die Hose.

Die Gaunerkomödie „Die Geldmacher“ ist ein willkommenes Wiedersehen mit Dortmunder und seinen Freunden. Leider wurden die letzten Dortmunder-Romane nicht mehr ins Deutsche übersetzt.

„Der Leichenräuber“ von Sharyn McCrumb spielt im neunzehnten Jahrhundert. Sie erzählt in dem betulichen Erzählduktus der damaligen Zeit die wahre Lebensgeschichte des Leichenräubers Grandison Harris. Er lebt als Sklave um 1850 bei einer Südstaatlerin. Als sie stirbt wird er 1852 für 700 Dollar nach Augusta, Georgia verkauft. Im Institut von Dr. George Newton übernimmt er in der Medizinischen Hochschule zuerst die verschiedensten Aufgaben, bis er zum Leichenräuber wird. Denn damals durften Mediziner keine Obduktionen vornehmen. Aber um mehr über den Verlauf verschiedener Krankheiten zu erfahren und um die angehenden Mediziner zu unterrichten, benötigten sie frische Leichen. Harris besorgt sie ihnen aus der Leichenhalle und vom Friedhof. Er starb 1911 im hohen Alter von über neunzig Jahren. McCrumbs Geschichte endet kurz vor seinem Tod.

„Der Leichenräuber“ ist eine eindrückliche Geschichte von Forscherdrang und dem Leben eines Afroamerikaners im neunzehnten Jahrhundert.

In „Das Maismädchen: Eine Liebesgeschichte“ von Joyce Carol Oates wird ein 16-jähriges, in einer Vorstadt von New York lebendes Mädchen von einer Gruppe Jugendlicher entführt. Die aus Mädchen bestehende Gruppe der Entführer hängt einem obskuren Glauben an das Maismädchen und dessen Opferung an. Oates springt in der vorhersehbaren Geschichte ziemlich unglücklich zwischen der verzweifelten Mutter und den Entführern und zwischen Realität und Traum hin und her.

Auch Walter Mosleys „Archibald Lawless: Freier Anarchist“ kann nicht vollständig überzeugen. Der Journalistik-Student Felix Orlean braucht Geld und nimmt eine Stelle als Schreiber bei Archibald Lawless an. Lawless ist ein merkwürdiger Arbeitgeber, der zu den seltsamsten Zeiten in seinem Büro ist, sich Freier Anarchist nennt, aber auch ein Verbrecher sein könnte und Orlean scheinbar sinnlose Recherche-Aufträge gibt. Orlean weiß nie, was sein Arbeitgeber vorhat und auf welcher Seite des Gesetzes er steht.

„Archibald Lawless: Freier Anarchist“ knüpft natürlich an die Pulp-Tradition an, in der gesetzlose Helden für Gerechtigkeit sorgen und, vor allem, auf jeder Seite etwas passiert. Nur bei Mosley wird dies hier etwas unglücklich mit anarchistischen Botschaften verknüpft, die im Verlauf der Geschichte immer mehr der Deckmantel für schnöde kapitalistische Interessen zu sein scheinen. Aber „Archibald Lawless: Freier Anarchist“ ist, obwohl es bis heute noch keine Folgegeschichte gibt, offensichtlich als der Beginn einer Serie konzipiert. Und als Pulp-Serie kann ich mir das Gespann Lawless/Orlean gut vorstellen.

„Geiseln“ von Anne Perry ist ein kleines Kunstwerk. Auf knapp achtzig Seiten erzählt sie von einer Geiselnahme, entwirft das Soziogramm einer letztendlich zerrütteten Familie und der Emanzipation einer Frau von ihrem Mann. Bridget und Connor O’Malley sind seit 24 Jahren verheiratet. Connor ist ein Hardliner der Protestanten und Zielscheibe der IRA. Auch seine Frau Bridget und ihre Tochter Roisin sollen sich seinen Prinzipien beugen. Jetzt können Bridget und Connor ein gemeinsames Wochenende abseits der Politik in einem einsamen Strandhaus verbringen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft werden sie als Geiseln genommen.

Die im heutigen Irland spielende Geschichte kann auch leicht als eine Allegorie auf die US-amerikanische Außenpolitik nach dem 11. September verstanden werden. Denn Connor O’Malley manövriert sich mit seiner unversöhnlichen Haltung genau in die Schwierigkeiten hinein, in die sich die USA auch hineinmanövrierten.

Die mit vierzig Seiten kürzeste Geschichte des Buches „Nachgelassene Dinge“, von Stephen King, beschäftigt sich explizit mit den Folgen von 9/11 für die Überlebenden. Scott Staley war am 11. September nicht an seinem Arbeitsplatz im World Trade Center. Er überlebte die Katastrophe und zog sich in seine Wohnung zurück. Jetzt tauchen in seiner Wohnung Gegenstände von seinen verstorbenen Kollegen, die sie an ihrem Arbeitsplatz hatten, auf.

Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ ist natürlich kein Krimi. Es ist eine Erzählung über den Umgang mit dem Tod. King meint, es sei wichtig die Erinnerung an die Toten wach zu halten und für die Toten bedeutsame Gegenstände, wie Sonnebrillen, Lucite-Würfel und Furzkissen, helfen uns dabei.

Auch Lawrence Block beschäftigt sich in der Keller-Geschichte „Kellers Umstellung“ mit den Nachwirkungen von 9/11. Denn der Profikiller Keller versucht mit der Wirklichkeit in den USA nach dem Anschlag klarzukommen. Dabei fragt er sich auch, ob er weiterarbeiten soll. Wie Keller dann mit seiner Sinnkrise umgeht, verrät viel über Lawrence Block, der hier wahrscheinlich ohne große Veränderungen, seine eigenen Gedanken über 9/11 niederschrieb. Das erste Mal beschäftigte Block sich in „Small Town“ mit den Auswirkungen des Anschlags auf seine Heimatstadt und die in ihr lebenden Menschen. In „Kellers Umstellung“ stellt er sich die Frage, ob er nach so einem Anschlag einfach so weiterleben kann wie bisher. Keller gibt die amerikanisch-pragmatische Antwort und erschießt sein nächstes Opfer. Und Block schreibt ein weiteres Buch.

„Einfach nur Hass“ ist ein geradliniger Polizeiroman mit den Detektiven des 87. Polizeireviers und die erste Geschichte, die dem deutschen Titel halbwegs gerecht wird. Mit dieser langlebigen Serie begründete Ed McBain den modernen Polizeiroman. In Isola (eigentlich New York) werden mehrere Taxifahrer ermordet. Auf der Windschutzscheibe des Wagens befindet sich immer ein Davidstern. Carella und seine Kollegen glauben, dass der Mörder ein fanatischer Moslem ist.

„Einfach nur Hass“ ist eine dieser sauber geplotteten, gut erzählten Geschichten, die gleichzeitig unterhalten und informieren. Denn Ed McBain streut etliche Informationen über die verschiedenen Religionen, besonders natürlich den Islam, und die Wirkung von religiösem Hass ein. Das ist von der ersten bis zur letzten Zeile spannende und gute Unterhaltungsliteratur.

Das gilt auch für die beiden mit jeweils 160 Seiten längsten Geschichten.

„Die Modelle des Malers“ von John Farris ist ein düsterer Psychothriller. John Ransome ist ein weltbekannter Maler. Immer im Abstand von mehreren Jahren verkauft er einige wenige Bilder von seinem neuesten Modell. Die Kunstwelt feiert ihn für seine lebensechten Zeichnungen. Für die junge Künstlerin Echo Halloran ist das Angebot das neueste, gutbezahlte Modell von John Ransome zu werden der erste Schritt zu einer eigenständigen Karriere als Malerin. Sie begibt sich mit Ransome auf eine monatelange Klausur. Zur gleichen Zeit versucht ihr Freund Peter O’Neill, ein New Yorker Polizist, herauszufinden, was mit den früheren Modellen von John Ransome geschah.

„Auf ewig“ von Jeffery Deaver könnte, wie Mosley „Archibald Lawless“-Geschichte, der Start einer neuen Serie sein. Denn sein Held, Detective Talbot Simms vom Dezernat Wirtschaftskriminalität/Statistischer Dienst, ist mit Leib und Seele Mathematiker. Er glaubt, dass man mit Zahlen und Statistiken die Welt erklären kann. Deshalb wird er auch sofort hellhörig, als in Westbrook, New York, zwei reiche, ältere Ehepaare sich selbst umbringen. Denn seine Statistiken sagen ihm, dass das nicht sein kann. Ein Doppelselbstmord ginge noch als statistischer Ausreiser durch. Aber zwei ist mindestens einer zu viel. Talbot Simms, der bis dahin nur brav die Statistiken erstellte, initiiert seine ersten Ermittlungen.

„Die hohe Kunst des Mordens“ ist das literarische Äquivalent zu einer großen Probierpackung einer Nobelkonfiserie. Oder wie Ed McBain in der Einleitung schreibt: „Die zehn Kurzromane sind so unterschiedlich wie die Männer und Frauen, die sie sich ausgedacht haben, doch sie alle zeigen dieselbe leidenschaftliche Hingabe und dasselbe schriftstellerische Können. Noch mehr als das, man hat das Gefühl, dass die Autoren etwas Neues, Unerwartetes ausprobieren und bereit sind, ihre eigene Überraschung mit uns zu teilen.“

 

Ed McBain (Hrsg.): Die hohe Kunst des Mordens

Goldmann, 2006

1056 Seiten

13 Euro

 

Enthält:

Lawrence Block: Kellers Umstellung (Keller’s adjustment, übersetzt von Stefan Lux)

Jeffery Deaver: Auf ewig (Forever, übersetzt von Hans-Peter Kraft)

John Farris: Die Modelle des Malers (The Ransome women, übersetzt von Peter Beyer)

Stephen King: Nachgelassene Dinge (The things they left behind, übersetzt von Wulf Bergner)

Ed McBain: Einfach nur Hass (Merely hate, übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger)

Sharyn McCrumb: Der Leichenräuber (The resurrection man, übersetzt von Peter Beyer)

Walter Mosley: Archibald Lawless: Freier Anarchist (Archibald Lawless, Anarchist at large: Walking the line, übersetzt von Rainer Schmidt)

Joyce Carol Oates: Das Maismädchen: Eine Liebesgeschichte (The corn maiden: A love story, übersetzt von Silvia Morawetz)

Anne Perry: Geiseln (Hostages, übersetzt von Peter Pfaffinger)

Donald E. Westlake: Die Geldmacher (Walking around money, übersetzt von Stefan Lux)

 

Originalausgabe:

Ed McBain (Hrsg.): Transgressions

Forge, 2005

784 Seiten

 

Für die Taschenbuchausgabe wurden die Geschichten auf vier Bücher verteilt (was lesefreundlicher, aber nicht billiger ist):

Transgressions Vol. 1: Lawrence Block, Jeffery Deaver

Transgressions Vol. 2: John Farris, Stephen King

Transgressions Vol. 3: Ed McBain, Walter Mosley, Donald E. Westlake

Transgressions Vol. 4: Sharyn McCrumb, Joyce Carol Oates, Anne Perry

 

 

Weitere Informationen zu den Autoren:

Homepage von Lawrence Block: http://www.lawrenceblock.com/index_flash.htm

Lawrence Block in der Spurensuche:

Besprechung von „Telling Lies for Fun and Profit“ und „Spider, spin me a web: http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-zwei.html

Besprechung von „All the Flowers are dying“ (ein Matthew Scudder-Roman): http://www.alligatorpapiere.de/spurensuchefuenf-block.html

Das von mir herausgegebene Werk „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“: http://www.nordpark-verlag.de/krimikritikfuenf.html

 

Homepage von Jeffery Deaver: http://www.jefferydeaver.com/

 

Homepage von John Farris: http://home.earthlink.net/~blackleatherrequired/home.html

 

Homepage von Stephen King: http://www.stephenking.com/

 

Homepage von Ed McBain: http://www.edmcbain.com/

 

Homepage von Sharyn McCrumb: http://www.sharynmccrumb.com/index.html

 

Homepage von Walter Mosley: http://www.hachettebookgroupusa.com/features/waltermosley/index.html

 

Homepage von Joyce Carol Oates:-

 

Homepage von Anne Perry: http://www.anneperry.net/

 

Homepage von Donald E. Westlake: http://www.donaldwestlake.com/

Donald E. Westlake unter seinem Pseudonym Richard Stark in der Spurensuche:

Besprechung von „Ask the Parrot“: http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-sechs.html

Vorstellung der Parker-Serie: http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig.html


Verfilmte Kriminalromane am 12. Juni im TV

Juni 11, 2007

Das Vierte, 20.15

Jack Higgins: Die Krieger (GB 1995, R.: Lawrence Gordon Clark)

Drehbuch: Jurgen Wolff

LV: Jack Higgins: Eye of the storm; Midnight Man, 1992 (Die Lerche fliegt im Morgengrauen)

In der IRA waren sie Freunde. Jetzt soll Sean Dillon seinen Ex-Freund John Engel der Justiz ausliefern. Denn Engel will die Royals umbringen.

Zweiteiliger TV-Agententhriller von eher mässiger Qualität. Mit „Eye of the storm“ startete Jack Higgins seine bis jetzt dreizehnteilige Sean Dillon-Reihe.

Mit Rob Lowe, Hannes Jaenicke

Die nicht-offizielle Homepage von Jack Higgins: http://www.scintilla.utwente.nl/users/gert/higgins/html/main.html  

 


RBB, 23.00

Mörderischer Engel (F 1985, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Michel Audiard

LV: Derek Raymond (Robin Cook): He died with his eyes open, 1984 (Er starb mit offenen Augen)

Hat die schöne Barbara den Pianisten umgebracht? Inspektor Staniland versetzt sich immer mehr in die Persönlichkeit des Toten und verliebt sich in Barbara.

Nicht so düster wie das Buch (der erste Band der Factory-Serie), in Teilen sogar langatmig, aber solide aufgebaut, mit zahlreichen Anleihen beim „Film Noir“ und zwei wundervollen Hauptdarstellern: Michel Serrault und Charlotte Rampling

 

ARD, 01.45

Der Mordprozess O’Hara (USA 1951, R.: John Sturges)

Drehbuch: John Monks Jr.

LV: Eleazar Lipsky: The People Against O’Hara, 1950

Ein trockener Anwalt übernimmt die aussichtslose Verteidigung eines jungen Mannes.

„Düsterer Kriminalfilm mit melodramatischen Akzenten, getragen von geschliffenen Dialogen und hervorragenden Darstellern.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Spencer Tracy, Pat O’Brien, Diana Lynn, James Arness


Ein bisschen Luxus – Kapitel 4 online

Juni 11, 2007

Im vierten Kapitel (seit heute online) betritt Diana Schäfer die heiligen Hallen der Konstanzer Universität.


Duncan Lawrie Dagger, Arthur Ellis Preis, Michael Connelly, Ken Bruen

Juni 11, 2007

Die Crime Writers‘ Association hat die Shortlist für den diesjährigen Duncan Lawrie Dagger (benannt nach dem Sponsor) veröffentlicht. Die Liste mit den Kommentaren der Jury gibt bei der CWA. Eine illustrierte Fassung gibt’s in diesem Krimiblog ihres Vertrauens.

Die Crime Writers of Canada haben den Arthur Ellis-Preis verliehen:

Best Novel: Barbara Fradkin, Honour Among Men (RendezVous Press)

Best First Novel: Anne Emery, Sign of the Cross (ECW Press)

Best Short Story: Dennis Richard Murphy, “Fuzzy Wuzzy” in Ellery Queen Mystery Magazine (August 2006)

Best Non-Fiction: Brian O’Dea, High: Confessions of a Pot Smuggler (Random House Canada)

Best Juvenile: Sean Cullen, Hamish X and the Cheese Pirates (Penguin Canada)

Best Crime Writing in French: nicht verliehen, weil zu wenige Bücher eingereicht wurden

Best Unpublished First Crime Novel (the Unhanged Arthur): Phyllis Smallman, Margarita Nights

Michael Connelly beantwortet einige Fragen von Jeff Ayers zu seinem neuesten Harry Bosch-Roman „The Overlook“.

Ken Bruen beantwortet die Fragen von Reed Farrell Coleman. Nachzulesen ist das Gespräch unter Autoren bei Mystery Readers International.  


Verfilmte Kriminalromane am 11. Juni im TV

Juni 10, 2007

3sat, 14.00

20.000 Jahre in Sing Sing (USA 1932, R.: Michael Curtiz)

Drehbuch: Courtney Terrett (als Courtenay Terrett), Robert Lord, Wilson Mizner, Brown Holmes

LV: Lewis E. Lawes: Twenty Thousand Years in Sing Sing, 1932 (als Warden Lewis E. Lawes)

Als Tom Connors auf Hafturlaub ist, erschießt seine Freundin einen Gangster. Connors nimmt die Schuld auf sich und soll auf den elektrischen Stuhl.

Ein weiterer der damals beliebten sozialkritischen Gangsterfilme.

Der Autor der Buchvorlage leitete während der Dreharbeiten noch das Gefängnis Sing Sing. Deshalb durfte die Filmcrew zahlreiche Szenen in dem berühmten Gefängnis drehen.

Mit Spencer Tracy, Bette Davis

Über Lewis E. Lawes: http://www.crimelibrary.com/notorious_murders/famous/sing_sing/8.html  

 

NDR, 21.00

TATORT: Money! Money! (D 1998, R.: Peter Ristau)

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Dorsey organisert ein Kettenspiel. Als seine Partnerin Angie umgebracht wird, ermitteln Erhlicher und Kain im Milieu krimineller Geschäftemacher.

Im Vergleich zu den neueren Ehrlicher-Filmen wird dieser schwache Ehrlicher immer besser. Denn er hat eine sauber entwickelte Handlung und weißt ohne einen allzu erhobenen Zeigefinder auf kriminelle Abzocker hin. 

Mit Peter Sodann, Bernd Michael Lade, Ulrich Noethen, Julia Jäger

 

Vox, 01.55

Die Apothekerin (D 1997, R.: Reiner Kaufmann)

Drehbuch: Ralf Hertwig, Kathrin Richter

LV: Ingrid Noll: Die Apothekerin, 1994

Die spröde Apothekerin Helle Moormann hat es faustdick hinter den Ohren und kennt sich – berufsbedingt – mit Giften aus.

Schwarze Komödie mit viel Leerlauf.

Mit Katja Riemann, Jürgen Vogel, Richy Müller, August Zirner, Andrea Sawatzki


Die kriminelle Herbst-Winter Kollektion – Teil 2

Juni 9, 2007

„Wir können nur deutsch.“ sagen diese kleinen Verlage. Grafit war der erste Verlag, der sich erfolgreich auf deutsche Krimiautoren spezialisierte und uns Lesern Jacques Berndorf, Jürgen Kehrer und, später, Horst Eckert brachte. Mit historischen Kriminalromanen und Übersetzungen, vor allem aus den Niederlande und Skandinavien erweiterte der Verlag, neuerdings auch im festen Einband, unseren kriminellen Horizont. Gmeiner und Emons halten dagegen deutschen Autoren die Treue. Die Edition Nautilus setzt diesen Herbst auf bewährtes.

Fettgedruckt sind die besonders viel versprechenden Titel.

Edition Nautilus

Bekannt ist die Edition Nautilus, der „kleine, feine Anarchisten-Verlag“ (Stern), vor allem für seine politischen Bücher, wie „Notes from Nowhere: wir sind überall – weltweit. unwiderstehlich. antikapitalistisch“ oder „Rebellisches Barcelona“ (ein Reiseführer durch das Barcelona der Rebellen, Hausbesetzer, Immigranten, Streikenden und Revolutionäre, erscheint Ende August) oder Inge Vietts Autobiographie „Nie war ich furchtloser“ oder Karl-Heinz Dellwos Interviewbiographie „Das Projektil sind wir“ (erscheint Ende August). Mit „Tannöd“ hatte der Verlag dann einen vollkommen unerwarteten Verkaufshit.

Ende August erscheinen:

Andrea Maria Schenkel: Kalteis (Die Startauflage des Nachfolgers von „Tannöd“ beträgt 50.000 Exemplaren. In ihrem zweiten Buch schreibt Schenkel über Morde an jungen Frauen in und um München in den späten Dreißigern. Stilistisch benutzt sie die gleiche Technik wie in ihrem Debüt: aus Vernehmungsprotokollen, Zeugenaussagen und Vermisstenanzeigen erschließt sich der Hergang der Morde. Mit 160 Seiten ist „Kalteis“ ein gutes Stück länger als „Tannöd“.)

Carlo Schäfer: Kinder und Wölfe (Kaliber .64 – Pfarrer und Alkoholiker Schmutz wird in ein kleines Winzerdorf versetzt. Da wird ein kleiner Junge tot aufgefunden.)

Edith Kneifl: Der Tod ist eine Wienerin (Kaliber .64 – Wie werde ich meinen Mann auch ohne Scheidung los? Eine Internetseite bietet Hilfe.)

Robert Hültner: Ende der Ermittlungen (Kaliber .64 – In den Zwanzigern sucht Kommissar Grohm den Mörder eines Gelegenheitsarbeiters. Das dürfte ein weiterer Treffer des Inspektor Kajetan-Erfinders sein.)

Hinweis:

Für die lesefaulen Kaliber .64-Fans veröffentlicht Hörbuch Hamburg im Herbst unter dem Motto „Krimi to go!“ sechs Kaliber .64-Geschichten.

Emons

Für Fans von Regionalkrimis ist der Kölner Verlag eine gute Adresse. Kein anderer Verlag wirbt so offensiv auf dem Cover mit dem Handlungsort. Aber auch Verächter von Regionalkrimis kennen Emons als Heimat von Frank Schätzing.

August:

Stefan Blankertz: 2068 (Köln Krimi aus dem titelgebenden Jahr – China hat die Macht übernommen und entmündigte Alte kämpfen gegen den Terror des gesundheitlich korrekten Verhaltens. Als ihre Leitfigur unter mysteriösen Umständen stirbt, beginnt seine junge Freundin seine Mörder zu suchen.)

September:

Rolf Bönnen: Der große Tanz (Krimi aus dem Mittelalter)

Hannes Nygaard: Küstenfilz (Hinterm Deich Krimi – Kriminalrat Lüders will herausfinden, wer Briefbomben bei Lokalpolitikern explodieren und Staatssekretäre verschwinden lässt und für weitere Verbrechen verantwortlich ist.)

Oliver Pautsch: Tödliche Stille (Itter Krimi – Kommissarin Hanna Broder will wissen, wer den älteren Chef einer Klavierbauerdynastie umbrachte. Die Spur führt in die Vergangenheit. Vor einem halben Jahrhundert geschah bei dem damaligen Hochwasser etwas und dafür rächt sich heute jemand. Der Krimfan fragt sich hier natürlich: Warum so lange warten?)

Ralf H. Dorweiler: Ein Teufel zu viel (Der badische Krimi – Auf dem Marktplatz wird eine Leiche gefunden. Kommissar Schlageter hält den Testdieb Rainer Maria Schlaier für den Mörder. Also muss Schlaier zusammen mit seinem Bassett Dr. Watson den wirklichen Täter suchen. Wuff.)

Rita Hampp: Mord im Grandhotel (Der badische Krimi – In ihrem dritten Fall ermittelt Hampps bewährtes Team in einem nur scheinbar natürlichem Todesfall. Marie-Luise Campenhausens Lieblingsneffe ertrank in einem Luxusschwimmbad. Meine Besprechung von ihrem Debüt „Die Leiche im Paradies“ finden Sie hier.)

Marlene Bach: Kurpfälzer Intrige (Der badische Krimi – Eine Frau wird ermordet. Eine Kommissarin ermittelt.)

Manfred Megerle: Seehaie (Bodensee Krimi – Zwei als Selbstmord getarnte Morde bringen Kommissar Wolf auf die Spur von skrupellosen Geschäftemachen.)

Roswitha Wildgans: Concerto Fatale (Oberbayern Krimi – Hobbyermittlerin Maja Kuckuck sucht den Mörder von mehreren Mitgliedern eines Chores. Denn die Polizei hält die mysteriösen für natürliche Todesfälle.)

Oktober:

Heidi Rehn: Tod im englischen Garten (Historischer Krimi aus dem Bayern Ludwig II.)

Thomas Hesse/Renate Wirth: Die Wölfin (Niederrhein Krimi – Eine Ärztin stirbt. Kommissarin Kraft blickt hinter die heile Fassade der Arztfamilie. Der Verlag sagt: „Eine rasante Geschichte mit unerwarteten Entwicklungen und der unverzichtbaren Portion Humor.“)

Edgar Noske: Im Dunkel der Eifel (Eifel Krimi – Der Bruder des Oppositionsführers im Landtag wird ermordet. Kommissar Lemberg ermittelt im beschaulichen Monschau.)

Meinrad Braun: Fürchten lernen (Pfalz Krimi – Jack, the Ripper in Bad Dürkheim? Das wissen wir nicht. Aber der Mörder verwandelt den Wurstmarkt in ein Tollhaus. Gut, dass Pschychiater Sailer eine geträumte Spur in den Wald verfolgen kann.)

Martina Fiess: Tanz mit dem Tod (Stuttgart Krimi – Bea Pelzer soll für eine Partnervermittlung eine Werbekampagne lancieren. Die Partnervermittlung gerät schnell in den Fokus polizeilicher Mordermittlungen und ihr Ex-Freund ist der Hauptverdächtige. Als Pelzters beste Freundin spurlos verschwindet beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Hmhm.)

Nicola Förg: Nachtpfade (Oberbayern Krimi – Eine Frau, die gern nächtliche Spaziergänge unternimmt, wird ermordet. Kommissar Gerhard Weinzirl und Evi Straßgütl ermitteln.)

November:

Brigitte Glaser: Eisbombe (Köln Krimi – Zwei Mordfälle, die nichts miteinander zu tun haben, veranlassen Spitzenköchin Katharina Schweitzer ihr Tranchiermesser wieder in Angelegenheiten zu stecken, die sie nichts angehen.)

Gmeiner

Mit 22 Krimis, darunter drei historischen Krimis, bringt der auf Krimis spezialisierte Verlag aus dem Süddeutschen genug Lesefutter für die lauen Sommerabende und die kühlen Herbstabende. Denn das Herbstprogramm wird, bis auf zwei Ausnahmen, bereits im Juli veröffentlicht.

Juni

Matthias P. Gibert: Nervenflattern (Der Krimi zur Documenta 12)

Juli:

Norbert Klugmann: Die Tochter des Salzhändlers (Lübeck, 1599/1600: eine Hebamme kämpft um ihren Ruf)

Uwe Klausner: Die Pforten der Hölle (Taubertal, 1416: ein Inquisitor soll in einem Kloster einer satanischen Bruderschaft auf die Schlich kommen. Gleichzeitig muss er einige Morde aufklären. Klingt irgendwie nach „Der Name der Rose“)

Frank Kurella: Das Pergament des Todes (Neuss, 1284: ein Taschendieb sucht den Mörder seiner Freundes)

Matthias Hoffmann/Grit Bode-Hoffmann: Infantizio (Böse Menschen planen in Deutschland eine Umsturz. Kann ein Ex-Polizist das Schlimmste verhindern?)

Sabine Kronenberg: Weinrache (Privatdetektivin Norma Tann sucht einen Mörder und ihren spurlos verschwundenen Noch-Ehemann.)

Friederike Schmöe: Januskopf (In Königsberg gibt es drei Tote und Katinka Palfy versucht die Unschuld ihres Klienten zu beweisen. Ihre einzige Spur ist E. T. A. Hoffmanns „Die Elixiere des Teufels“)

Manfred Köhler: Tiefpunkt (Nelli Prenz hat den „Schreckensgletscher“ überlebt. Aber jetzt muss sie wieder zurück.)

Gina Schulze: Sintflut (Zwei Frauen wollen Artefakte, die die Geschichte der Sintflut erzählen, an die Vereinten Nationen übergeben. Logisch, dass einige Bösewichte von dieser Idee nichts halten. Ist ein Debüt. Könnte ein guter Abenteuerroman sein.)

Marcus Imbsweiler: Bergfriedhof (Noch ein Debüt. Ein Detektiv auf der Suche nach einer verschwundenen Leiche.)

Bernd Leix: Waldstadt (Ein Serienmörder geht in Karlsruhe um. Aber Kommissar Lindt ist ihm auf der Spur.)

Manfred Bomm: Schattennetz (Kommissar Häberles siebter Fall: ein Ossi stirbt in Geislingen.)

Klaus Erfmeyer: Todeserklärung (Anwalt Knobel soll einen verschwundenen Millionenerben suchen. Erfmeyers Debüt „Karrieresprung“ war für den Glauser nominiert.)

Ingrid Schmits: Mordsdeal (Ein Vertreter stirbt und Trödelmarkthändlerin Mia Magaloff ermittelt wieder. „Ein humorvoller Kriminalroman mit typisch niederrheinischen Charakteren.“ sagt der Verlag.)

Monika Detering: Puppenmann (Eine 65-jährige Frau verschwindet spurlos. Kommissar Weinbrenner fragt sich, ob ihr Muttersöhnchen sie umbrachte.)

Sandra Dünschede: Nordmord (Die Fortsetzung von ihrem Erstling „Deichgrab“.)

A. Thadewaldt/C. Bauer: Blutblume (Kommissar Frithjof Arndt sucht in einer skurrilen Kleingartenkolonie einen Mörder. Soll etwas für die Fans von Inspector Barnaby sein.)

Anke Clausen: Ostseegrab (Debüt: eine Klatschreporterin stolpert während ihres Fehmarn-Urlaubs über eine Leiche und glaubt, im Gegensatz zur doofen Polizei, an einen Mord.)

Pierre Emme: Tortenkomplott (In Wien wird ein Liebespaar auf offener Straße erschossen und die Tochter von Polizeiberater Palinski verschwindet spurlos.)

Hans-Peter Vertacnik: Abfangjäger („Ein knallharter Politthriller aus Österreich.“ meint der Verlag. Es geht um den Kauf neuer Jets für das Bundesheer und mächtigen Kreisen die für ihre Ziele über Leichen gehen.)

B. Grieshaber/S. Kopitzki (Hrsg.): Tod am Bodensee (Kurzgeschichten von unter anderem Uta-Maria Heim, Arnold Stadler, Martin Walser, Peter Zeindler. Wir sind gespannt.)

September:

Bernd Franzinger: Jammerhalde (Kommissar Tannenbergs siebter Einsatz: er sucht einen Serienmörder. Sein sechster Fall „Bombenstimmung“ gefiel mir nicht, erlebte aber bereits seine zweite Auflage)

Und bei Radioropa Hörbuch können viele Gmeiner-Krimis auch gehört werden.

Grafit

Der Krimiverlag aus Dortmund ist vor allem bekannt als Verlag von Jacques Berndorf, Jürgen Kehrer, Horst Eckert, seit längerem für niederländische Krimis und neuerdings auch für skandinavische Krimis, die nicht unbedingt die hunderttausendste Mankell-Kopie sind. Ich sage nur Rönkä.

Bereits am 13. Juni erscheint das neue Buch von Horst Eckert. „Königsallee“ heißt das Hardcover und es ist wieder einmal ein spannender Polizeithriller. Eine ausführliche Besprechung gibt es demnächst.

Juli:

Pentti Kirstilä: Klirrender Frost (Ein Fall für Lauri Hanhivaara)

Christoph Güsken: Dr. Jekyll und Mr Voss (Ist ein Schulkamerad von Voss ein Mörder?)

Michael Herzig: Saubere Wäsche (Ein Krimidebüt aus Zürich)

September:

Frank Bresching: Das verlorene Leben (Psychothriller über vergangene Sünden)

Andreas Hoppert: Menschenraub (Ein neuer Marc Hagen-Roman)

Felix Thijssen: Finstere Wasser (Der Standalone erhielt 2006 den Belgischen Krimipreis. Meine Besprechung von „Rebecca“ finden Sie hier.)

Oktober:

Thomas Hoeps/Jac. Toes: Nach allen Regeln der Kunst (Ein Kunstmörder hinterlässt in den europäischen Museen Leichen.)

Petra Würth/Jürgen Kehrer: Todeszauber – Wilsberg trifft Pia Petry (Zweites Zusammentreffen der Ermittler. Dieses Mal ist ihr Gegner eine geheimnisvolle Loge von Zauberern.)

Jan Zweyer: Franzosenliebchen (Historischer Krimi aus dem Jahre 1923. – Meine Besprechung von „Als der Himmel verschwand“ finden Sie hier.)


Verfilmte Kriminalromane am 10. Juni im TV

Juni 9, 2007

Pro 7, 20.15

Der Anschlag (USA 2002, R.: Phil Alden Robinson)

Drehbuch: Paul Attanasio, Daniel Pyne

LV: Tom Clancy: The sum of all fears, 1991 (Das Echo aller Furcht, Der Anschlag)

Einige Nazis wollen mit einer im Nahen Osten gefundenen Nuklearwaffe das Finale des Super-Bowl torpedieren und so einen Atomkrieg zwischen den Amis und Russen auslösen. Jack Ryan jagt sie.

Nach Alex Baldwin und Harrison Ford spielt Ben Affleck den unerschrockenen Geheimagenten und Bürohengst Jack Ryan. “tip” verspricht zwei Filme: “Ein Schocker, der seine Parodie gleich selbst ist.” Halt ein starbestücktes, nicht in die Gänge kommendes B-Movie, in Auftrag gegeben vor 9/11.

Mit Ben Affleck, Morgan Freeman, James Cromwell, Liev Schreiber, Alan Bates

Wiederholung um 02.35 Uhr

ZDF, 22.00

Inspector Barnaby: Ein böses Ende (GB 1998, R.: Baz Taylor)

Drehbuch: Douglas Watkinson

LV: Caroline Graham: Death in Disguise, 1992 (Ein böses Ende)

Inspector Barnaby muss unter Esoterik-Spinnern einen Doppelmörder suchen.

Ist wohl ein ganz netter Landhaus-Krimi.

Mit John Nettles, Daniel Casey

Kabel 1, 00.40

French Connection (USA 1971, R.: William Friedkin)

Drehbuch: Ernest Tidyman

LV: Robin Moore: The French Connection, 1969 (Heroin Cif New York)

Die beiden Polizisten Popeye Doyle und Buddy Russo sind auf der Spur einer großen, aus Frankreich kommenden, Lieferung Rauschgift.

Zeitloser, hochspannender, vor Ort gedrehter Genre-Klassiker, der auf einem wahren Fall beruht.

Mit Gene Hackman, Roy Scheider, Fernando Rey, Tony LoBianco, Marcel Bozzufi

ARD, 01.20

Le Train – Nur ein Hauch von Glück (F/I 1973, R.: Pierre Granier-Deferre)

Drehbuch: Pierre Granier-Deferre, Pascal Jardin

LV: Georges Simenon: Le train, 1961 (Der Zug)

1940 in Frankreich verbringen Julien und Anna auf der Flucht vor den Nazis in einem Zug einige gemeinsame Stunden. Zwei Jahre später hat diese Begegnung ein Nachspiel.

Hervorragend gespieltes, menschlich anrührendes Liebesdrama mit Jean-Louis Trintignant und Romy Schneider


Verfilmte Kriminalromane am 9. Juni im TV

Juni 9, 2007

Das Vierte, 22.00

Wer Gewalt sät (GB 1971, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: David Zelag Goodman, Sam Peckinpah

LV: Gordon Williams: The siege of Trencher’s Farm, 1969 (spatter Straw Dogs)

Der friedfertig-weltfremde Mathematiker David Summer will im Heimatdorf seiner Frau Amy ungestört eine wissenschaftliche Arbeit beenden. Aber schon bald wird er von den Dorfbewohnern in einen Strudel der Gewalt gezogen.

Im Wesentlichen verlegt Sam Peckinpah seine bekannten Western-Topoi in die Gegenwart. Es ist eine bittere Studie über Gewalt und die Eskalation von Gewalt. Denn am Ende verteidigt David Summer sein Haus mit roher Gewalt.

„Straw Dogs ist ein vollständiges Werk – eine struktriere Vision des Lebens auf Film.“ (Pauline Kael, New Yorker, 1971)

Leider zeigt Das Vierte die gekürzte FSK-16-Fassung. Für diese und auch die auf DVD erhätliche Fassung wurde die für den Film zentrale und von Kritik und Publikum heftig attackierte Vergewaltigung von Amy durch die Dörfler gekürzt. Im Original ist die Szene quälend lang und es ist unklar, wie sehr Amy die von ihr provozierte Vergewaltigung geniest. Für den 12. Juli 2007 ist eine ungekürzte Doppel-DVD des Films angekündigt. Damit wird die Reihe der guten Peckinpah-(Wieder)Veröffentlichungen fortgesetzt.

Mit Dustin Hoffman, Susan George, Peter Vaughan, David Warner

RTL II, 22.05

Todesstille (Aus 1989, R.: Philip Noyce)

Drehbuch: Terry Hayes

LV: Charles Williams: Dead calm, 1963 (Tödliche Flaute)

Das Ehepaar Ingram fischt einen Mörder aus dem Wasser. Aus Dankbarkeit will er sie umbringen.

Spannender Drei-Personen-Thriller mit Nicole Kidman, Sam Neill, Billy Zane

Stellvertretend für die vielen euphorischen Stimmen: Todesstille „bewegt sich vielmehr auf der differenzierten, fast altmodischen Ebene einer Gattung von Filmen, die seit Jahren nahezu ausgestorben schien, jener kalkulierten Spannungsstücke, die mit einem Minimum an Konfliktstoff auskommen und deren Effekt sich vornehmlich aus der Machart ableitet.“ (film-dienst)

Wiederholung um 01.55 Uhr

ARD, 22.55

JAMES BOND: Im Angesicht des Todes (GB 1985, R.: John Glen)

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Ian Fleming: From a view to a kill, 1960 (Tod im Rückspiegel, Kurzgeschichte)

In einer Zeit, als es noch kein Internet gab: Max Zorin will die Computerweltmacht erringen, indem er Silicon Valley flutet. James Bond verhindert das Schlimmste.

Ziemlich müde Angelegenheit von Kleiderständer Moore. Danach war er reif für die Rente.

Mit Roger Moore, Christopher Walken, Tanya Roberts, Grace Jones, Patrick Macnee

WDR, 01.00

Unternehmen Rosebud (USA 1975, R.: Otto Preminger)

Drehbuch: Erik Lee Preminger, Marjorie Kellogg (ungenannt)

LV: Paul Bonnecarrere, Joan Hemingway: Rosebud, un chantage qui bouleverse le monde, 1973, (Unternehmen Rosebud)

Palästinensische Terroristen entführen fünf Millionärstöchter. Agent Larry Martin soll sie befreien.

Von Preminger sind wir besseres gewohnt. „Spannungsloser Agenten- und Politthriller voller Klischees.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Unternehmen Rosebud“ ist das einzige Drehbuch von Premingers Sohn Erik Lee.

Mit Peter O’Toole, Richard Attenborough, Raf Vallone, Isabelle Huppert, Kim Cattrall (Debüt), Klaus Löwitsch


Die kriminelle Herbst-Winter-Kollektion – Teil 1

Juni 7, 2007

Langsam trudeln die Herbstprogramme der Verlage ein und verkünden für uns Krimifans einige frohe Botschaften. So darf sich die saarländische Fanbasis von Harlan Coben freuen, aber auch die James Pattersonianer werden verwöhnt. Diese Arbeit teilen sich Goldmann Taschenbuch und Blanvalet geschwisterlich. Blanvalet bietet außerdem viele Ladythriller (Eine verliebte Frau in Gefahr.), viele Mystery-Thriller (Hey, für etwas muss Dan Brown gut sein!) und viele Agententhriller (Irgendjemand muss die Welt ja retten.) an. Goldmann Taschenbuch setzt dagegen auf Harlan Coben, viele Krimiautorinnen und einige jüngst eingeführte Namen wie Peter Temple.

Hier nun ein Überblick über die Herbstprogramme von Blanvalet und Goldmann Taschenbuch. Die besonders interessanten Werke sind fett hervorgehoben.

Blanvalet

November:

Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel (Taschenbuch-Ausgabe des neuen Lincoln Rhyme-Thrillers.Für das von Ed McBain herausgegebenen Buch „Die hohe Kunst des Mordens“ schrieb Deaver eine fantastische Geschichte.)

J. D. Robb: Das Lächeln des Killers (Ein Fall für Lieutenant Eve Dallas)

F. Paul Wilson: Das Höllenwrack (Handyman Jack ist wieder im Einsatz)

James Rollins: Der Genesis-Plan

Martin Langfield: Dämonium (Ach, ein Mystery-Thriller)

Susan Andersen: Gefährliche Liebe

Dezember:

Andreas Wilhelm: Projekt Babylon

Tony Park: Ein einsamer Tod (African Sky, 2007; sein dritter Roman spielt 1943 in Rhodesien)

Januar:

Julia Navarro: Die Bibel-Verschwörung (ist bei dem Titel selbstverständlich ein Mystery Thriller)

Tami Hoag: Tödlich ist die Nacht (Taschenbuch-Ausgabe)

Louise Penny: Denn alle tragen Schuld (erhielt einen Dagger)

Steve Berry: Alpha et Omega (Ex-Geheimagent kämpft gegen eine uralte Bruderschaft…)

Angela Savage: Nachtmahr (Australischer crime noir – hm. Jedenfalls erschien „Behind the night bazar“ bei Peter Temples Verlag The Text Publishing Company und das Buch erhielt den Victorian Premier’s Literary Award für das beste nicht-veröffentlichte Manuskript. Es könnte also eine der Entdeckungen des Herbstes sein.)

Joanna Chmielewska: Mord ist Trumpf (in Warschau spielende Krimikomödie)

Februar:

Sandra Brown: Rage – Zorn (Taschenbuch-Ausgabe)

Robin Cook: Die Operation

Lee Child: Die Abschussliste (The Enemy, 2004; Jack Reachers Vergangenheit in Berlin wird hier enthüllt, Taschenbuch-Ausgabe)

März:

James Patterson: Blood (Ein neuer Fall für Alex Cross als Taschenbuch-Premiere)

Clive Cussler/Jack du Brul: Todesfracht (Taschenbuch-Premiere)

Suzanne Brockmann: Zu wild! (Mitten in einem Jahrhundertsturm wird ein Serienkiller gejagt.)

Kathryn Fox: Warte bis es dunkel wird (Ein neuer Fall für die Pathologin Dr. Anya Crichton)

April:

Tess Gerritsen: Scheintot (Taschenbuch-Ausgabe)

Linda Howard: Im Schutz der Nacht

Will Saeger: Painkiller (Ein CIA-Agent stolpert während seines Karibikurlaubs in eine Verschwörung, die die Welt zu vernichten droht.)

Commander James Barrington: Operation Overkill (Tja, Englands Antwort auf Tom Clancy.)

Katherine Howell: Herztod (Ein Sidney-Krimi für die Fans von Kathryn Fox und Tess Gerritsen.)

Derek Meister: Knochenwald (Ein 1392 in Bayern spielender Krimi.)

 

Ein Hinweis für die zahlreichen James Patterson-Fans:

Im Juni erscheint als Hardcover „Die 5. Plage“. Aus diesem Anlass veröffentlicht Blanvalet im Juni „Der 1. Mord“, „Die 2. Chance“ und „Der 3. Grad“ wieder. Im November gibt’s dann bei Blanvalet „Die 4. Frau“. Natürlich in einer einheitlichen Coverlinie.

 

Goldmann Taschenbuch

August:

Jonathan Kellerman: Blutgier (Ein Alex-Delaware-Roman in deutscher Erstveröffentlichung)

September:

Martha Grimes: Auferstanden von den Toten (Taschenbuch-Ausgabe)

Oktober:

Jonathan Kellerman: Der Pathologe (Limitierte Sonderausgabe zur Buchmesse)

Joy Fielding: Flieh, wenn du kannst (Noch eine Sonderausgabe. Dieses Mal zur ZDF-Verfilmung)

Janet Evanovich: Gib Gummi, Baby! (Ist wohl mehr Geschlechterkampf als Krimi. Aber humorvoll und in Deutscher Erstausgabe.)

November:

Minette Walters: Des Teufels Werk (Taschenbuch-Ausgabe)

Sarah Rayne: Fluch der Finsternis (Mystery-Thriller)

Matt Bondurant: Die ägyptische Inschrift (Mystery-Thriller. Dieses Mal mit toten Ägyptern und lebendigen Geheimbünden.)

Michael Robotham: Amnesie (Taschenbuch-Ausgabe des hochgelobten Thrillers. War auch auf der KrimiWelt-Bestenliste)

Paola Barbato: Die Pathologin (Ein Serienmörder mordet in Mailand…)

Elisabeth Herrmann: Das Kindermädchen (Krimi des Monats; war auch für den Glauser nominiert und erscheint jetzt in der Taschenbuchausgabe)

Michael Crichton: Nippon Connection (Rising Sun, 1991; Neuausgabe des als “Die Wiege der Sonne” verfilmten, umstrittenen Thrillers. Anscheinend war das Buch längere nicht lieferbar.)

Jonas Moström: Herzversagen (Werbespruch: „Ein wahnsinniger Serienmörder verlangt Kommissar Johan Axberg alles ab.“)

Harlan Coben: Kein Sterbenswort/Kein Lebenszeichen (Doppelband zum Sparpreis. Ist also für Coben-Novizen die ideale Einstiegsdroge. Mein Coben-Portät gibt es hier.)

Dezember:

Ake Smedberg: Vom selben Blut (Noch ein Skandinavier.)

Martha Grimes: Inspector Jury gerät unter Verdacht (The old Contemptibles, 1991; Neuauflage des früher bei Rowohlt erhältlichen Buches)

Peter Temple: Vergessene Schuld (Bad Debts, 1996; Peter Temples Debüt, sein erster Jack Irish-Roman, sein erster Ned Kelly-Preis und sicher einer der Kritikerlieblinge in den letzten Wochen des Jahres.)

Michael Dibdin: Sterben auf italienisch (End Games, 2007; Elftes und wahrscheinlich letztes Aurelio-Zen-Buch. Denn der 1947 geborene Michael Dibdin verstarb überraschend am 30. März 2007.)

John Sandford: Kaltes Fieber (Ein Lucas Davenport-Roman, der zuerst bei Page & Turner erschien)

Januar:

James Patterson: Im Affekt (Deutsche Erstveröffentlichung)

Veronika Rusch: Das Gesetz der Wölfe („Für alle Leser von Anne Chaplet und Norbert Horst.“ meint der Verlag. Ich dachte bisher, dass Chaplet und Horst zwei grundverschiedene Leserschaften bedienen.)

Ruth Rendell: Der Duft des Bösen (The Rottweiler, 2003; Taschenbuchausgabe)

Carl Hiaasen: Der Reinfall (Skinny dip, 2004; Endlich ist auch diese Groteske als Taschenbuch erhältlich. Meine Besprechung gibt’s hier.)

Lin Anderrson: Im Namen des Blutes (Dritter Roman mit der Gerichtsmedizinerin Rhona MacLeod)

Thomas O’Callaghan: Der Knochendieb (Und wieder geht ein Serienmörder um.)

Patricia Cornwell: Body Farm (The Body Farm, 1994; Der fünfte Kay Scarpetta-Roman erschien bei Dromer als „Das geheime ABC der Toten“)

Deborah Crombie: Das verlorene Gedicht/Böses Erwachen (Zwei Romane in einem Band)

Februar:

Harlan Coben: Das Grab im Wald (The Woods, 2007; Sein neuestes Werk)

Ian Rankin: Die Kassandra Verschwörung (Ursprünglich wurde das Buch unter dem Pseudonym Jack Harvey verlegt. Hier in deutscher Erstausgabe.)

Batya Gur: Und Feuer fiel vom Himmel (Taschenbuch-Ausgabe)

Anne Chaplet: Sauberer Abgang (Taschenbuch-Ausgabe)

Daniel Scholten: Die falsche Tote (Zweiter Roman mit Kommissar Cederström)

Maxime Chattam: Die Teufelsformel (In dem Thriller kämpft eine Frau gegen eine weltumspannende Verschwörung.)

März:

Janet Evanovich & Charlotte Hughes: Jeder Kuss ein Treffer (Eine romantische Komödie von der Stephanie Plum-Erfinderin)

Jefferson Bass: Anatomie der Schuld (Forensiker-Krimi)

Asa Nilsonne: Wofür es sich zu sterben lohnt

Andrew Taylor: Der Ruf des Henkers

Christine Kerdellant/Eric Meyer: Die Versailles Verschwörung (Eine Frau kämpft gegen eine weltumspannende Verschwörung. Aber anders als in „Die Teufelsformel“.)

Martha Grimes: Wenn die Mausefalle schließt/Der Zug fährt ab (Zwei kurze Krimis in einem Buch.)

Jonathan Kellerman: Post Mortem (Erstausgabe eines Alex Delaware-Krimis)

April:

Charlotte Link: Die letzte Spur

Christine Grän: Feuer bitte (Anna Marx ermittelt wieder)

Stuart MacBride: Der erste Tropfen Blut (Broken Skin, Bloodshot, 2007; Dritter Logan McRae-Krimi, der hoffentlich an den ersten Band anknüpft. Die Besprechung der ersten beiden McRae-Krimis gibt es hier.)

Nicci French: Der Feind in deiner Nähe (Taschenbuchpremiere)

Tom Egeland: Tabu (Ein Thriller aus Skandinavien. Ja, das gibt’s wirklich.)

Krystyna Kuhn: Die Signatur des Mörders (Erstens der Krimi zum Kafka-Jahr. Zweitens noch ein Serienkiller-Krimi.)

Franz Kafka: Die Verwandlung

Franz Kafka: Ein Hungerkünstler (Wahrscheinlich ist das Original die bessere Wahl)

David Hosp: Pakt des Schweigens (The Betrayed, 2006; Sein zweiter Roman. Die Besprechung seines Debüts „Die Tote im Wasser“ finden Sie hier.)

Sam Mills: Eine schöne Art zu sterben (Nach einem Busunglück verschlägt es zwei Brüder in ein einsames Herrenhaus. Der eine will den anderen umbringen. Das kann jetzt unglaublich spannend oder unglaublich langweilig sein.)

 

Im zweiten Teil gibt es dann einen Überblick über die kleinen Verlage mit ihren deutschen Autoren und den teils langersehnten Perlen aus Übersee. Ich sage nur Lawrence Block, Joe R. Lansdale, Robert B. Parker und James Sallis.


Besprechung Thomas Raab „Der Metzger muss nachsitzen“

Juni 7, 2007

Heute ging meine Besprechung von Thomas Raabs Debüt „Der Metzger muss nachsitzen“ online bei der Berliner Literaturkritik. Vielen Kritikern gefiel der Krimi aus unserem Nachbarland. Aber ich konnte mit diesem Ösi-Krimi nichts anfangen. Warum können Sie hier lesen.


TV-Krimi-Buch-Tipps 9. – 22. Juni 2007

Juni 6, 2007

Der Alligatorchef liest sich durch seinen Urlaub und die TV-Krimi-Buch-Tipps erscheinen deshalb nur in einer spartanischen Textversion, die Sie natürlich downloaden, lesen und an ihre Wand pinnen können.

Hier die Datei:

tv-krimi-buch-tipps-9-22-juni-2007.pdf

Hier die ersten Zeilen:

Während unsere Nationalelf sich für die EM qualifiziert, beginnen die Fernsehsender bereits mit dem wiederholungsgesättigten Sommerprogramm. Das ist gut, um die Videosammlung aufzufüllen, filmische Bildungslücken zu schließen oder auch einfach nur mal wieder einen guten Film zu sehen. Besonders empfehlenswerte Krimis sind in den kommenden beiden Wochen die Charles Williams-Verfilmung „Todesstille“, der Polizeifilm „French Connection“ (wen interessiert’s, dass der Film auf einem Tatsachenroman von Robin Moore basiert), die Vincent Patrick-Verfilmung „Der Pate von Greenwich Village“ (mit vielen Bildern von New York und zwei damals aufstrebenden Jungstars), Alfred Hitchcocks Frederick Knott-Verfilmung „Bei Anruf Mord“, die Roderick Thorp-Verfilmung „Stirb langsam“ (so als Vorbereitung für „Stirb langsam 4.0“), der Gangsterfilmklassiker „Maschinenpistolen“, Joel und Ethan Coens „Der unauffällige Mr. Crane“, Curtis Hansons fulminante James Ellroy-Verfilmung „L. A. Confidential“, Claude Sautets José Giovanni-Verfilmung „Der Panther wird gehetzt“ (mit Lino Ventura und Jean-Paul Belmondo), der sträflich unterschätzte „Steckbrief 7-73“ und Tele 5 beginnt mit der Ausstrahlung der „Heißer Verdacht“-Filme.

Keine Krimis, aber mit der Beteiligung von Krimiautoren sind „Ein Sommer auf dem Lande“ (nach einem Drehbuch von Sébastien Japrisot) und „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (nach einem Drehbuch von Fred Breinersdorfer) einen Blick wert.


„Der Seher“ wird blind in Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“

Juni 5, 2007

Stellen Sie sich vor, Sie sehen eine Shakespeare-Aufführung. Aber nicht mit einem hochkarätigen Ensemble, sondern mit einer Grundschulklasse. Es ist zwar alles da, aber letztendlich ist es schlecht. Genau dieses Gefühl stellt sich bei Friedrich Anis neuestem Werk „Er lebt, stirbt“ ein. Es gibt einen Mordfall, eine Entführung, mehrere Verdächtige, dunkle Geschäfte in der Politik, ein Vater-Sohn-Ermittlergespann, problematische Familienverhältnisse, schockierende Entwicklungen und am Ende wird der Täter überführt. Es ist also alles da, was zu einem guten Krimi gehört. Die Länge von 224 Seiten ist angenehm kurz. Und dass „Wer lebt, stirbt“ der Auftakt zur sechsteiligen „Der Seher“-Reihe ist, ist ebenfalls ein positives Signal. Immerhin eroberte Friedrich Ani mit seiner Süden-Reihe im Sturm die Herzen der Krimifans.

Aber beim Auftakt der Seher-Reihe stimmt nichts. Denn dafür sind die beiden Fälle viel zu dünn, zu oft bestimmen Zufälle den Gang der Ermittlungen, vieles wirkt sehr unrealistisch und die Charaktere bleiben blass. Hauptfigur der Serie ist Jonas Vogel, der von Kollegen „Der Seher“ genannt wird und im Laufe des Buches erblindet. Nicht langsam, sondern weil er von einem Bagger überrollt wird. Ein dummer Unfall, der nichts mit dem Fall zu tun hat. Dabei wird Vogels Sehnerv durchtrennt und er ist blind. Sonst ist ihm nichts passiert. Keine Knochenbrüche. Keine Quetschungen. Nichts. Was bei der Lage der Sehnerven ein ziemliches Wunder ist.

Trotz des Unfalls beschließt Jonas Vogel weiter in der Mordkommission zu arbeiten. Damit endet „Wer lebt, stirbt“.

Der Roman beginnt mit einem Mord. Wachmann Falk Sieger wird erstochen in seiner Wohnung gefunden. In Verdacht gerät sein Kollege Jens Schulte. Schulte wird von dem Promianwalt und Stadtrat Hilmar Opitz vertreten. Opitz will Bürgermeister von München werden. Doch mehr als seine politischen Ambitionen beschäftigt ihn im Moment die Entführung seiner Sekretärin und Geliebten. Die Entführer fordern von ihm eine halbe Million Euro Lösegeld. Auf den ersten, zweiten und auch dritten Blick haben der Mord und die Entführung nichts miteinander zu tun. Aber Kommissar Jonas Vogel weiß von der ersten Sekunde an, dass beide Fälle miteinander zusammenhängen. Er und sein Sohn Max stoßen bei ihren Ermittlungen auf zahlreiche Ungereimtheiten und auf ein von Opitz betriebenes Obdachlosenheim.

Dieses Heim ist wahrscheinlich Anis idiotischste Idee. Auch wenn es solche Käfige, in denen Obdachlose übernachten, ihr Eigentum einsperren und sich etwas Privatsphäre schaffen können, in Hongkong gibt. Dort ist der Wohnraum aber, auch für Gutverdienende. denkbar knapp. In München geht diese Idee, trotz der dortigen hohen Mieten, vollkommen an jeder Realität vorbei. Aber es kommt noch besser. Opitz betreibt diese Unterkunft nicht irgendwo in Münchens kriminalitätsbelasteten Sozialvierteln, sondern mitten in einem Nobelviertel. Weil der Hausmeister darauf achtet, dass die Obdachlosen sich benehmen, fällt auch keinem der Oberen Zehntausend, die vorher einen Kindergarten in ihrer Nachbarschaft verhinderten, das Obdachlosenheim auf. Als Berliner kann ich mir das nur so erklären, dass der Münchner Penner sich weder äußerlich noch von seinem Verhalten von einem Vorstandsvorsitzenden unterscheidet.

Trotzdem hat Opitz genug politischen Weitblick, das Haus geheim zu betreiben, weil auch in München niemals ein Politiker Bürgermeister wird, der Menschen in Käfigen unterbringt. Warum der noble Herr Opitz dann dieses Projekt durchzieht, obwohl es seine Ambitionen vernichten kann, das weiß nur das Hirn des Dichters.

Bei einer Serie sind natürlich die Hauptcharaktere, ihre Interaktionen und besonderen Fähigkeiten letztendlich wichtiger als der Fall. Doch in „Wer lebt, stirbt“ bleiben sie blass. Das fällt besonders bei Jonas Vogel auf. Denn wenn ein Autor einen Charakter mit einem körperlichen Defekt entwirft, muss dieser auch für die Geschichte eine besondere Bedeutung haben. Letztendlich muss Jonas Vogel den Fall aufklären können weil er blind ist. Er muss etwas sehen können, was kein Sehender sehen kann. In „Wer lebt, stirbt“ hat Vogel die Idee, dass der Mörder am Todestag zum Ort der Tat, was hier das Grab des Toten ist, zurückkehrt. Diese Idee ist nicht sonderlich brillant und jeder könnte sie haben oder auch einfach mal ausprobieren. Jedenfalls, der Mörder tut’s und beichtet Vogel ohne zu zögern seine Taten.

Das ist die unbefriedigende Auflösung eines unbefriedigenden Buches.

Friedrich Ani: Wer lebt, stirbt

dtv, 2007

224 Seiten

7,95 Euro

Homepage des Autors: http://www.friedrich-ani.de/ (eigentlich die Seite von dtv zur Seher-Serie)


Besprechung Peter Temple „Kalter August“ online

Juni 5, 2007

Meine Besprechung von Peter Temples „Kalter August“ ist online bei der Berliner Literaturkritik. Der Polizeiroman gefiel mir ganz gut. Die Übersetzung weniger.

Im Dezember erscheint bei Goldmann Taschenbuch als „Krimi des Monats“ das Debüt von Peter Temple „Vergessene Schuld“ (Bad Debts, 1996). Für den ersten Jack Irish-Roman erhielt Temple seinen ersten Ned Kelly-Preis.


Juni-Ausgabe der Krimi-Couch online

Juni 4, 2007

Pünktlich zum Monatsanfang gibt es bei der Krimi-Couch wieder eine gefühlte Menge von mehreren Dutzend Besprechungen online. Unter anderem über die neuen und nicht mehr so ganz neuen Werke von Sara Paretsky, Peter Temple, Norbert Horst, G. M. Ford und Max Allan Collins (da wird ein Klassiker besprochen).


Ein bisschen Luxus – Kapitel 3 online

Juni 4, 2007

Das dritte Kapitel könne Sie hier lesen.


Ein bisschen Luxus – Teil 2: Erste Person oder Dritte Person?

Juni 1, 2007

Letzte Woche habe ich gesagt, ich orientiere mich am klassischen PI-Roman. Doch schon im zweiten Satz „Verärgert blickte Diana Schäfer auf.“ breche ich die eherne Regel, dass ein PI-Roman immer in der ersten Person geschrieben ist. Sicher, ich kann jetzt auf die PI-Romane verweisen, die auch in der Dritten Person geschrieben sind, wie den Klassiker, „Der Malteser-Falke“ von Dashiell Hammett. Harlan Coben tut’s in seinen Myron Bolitar-Romanen ebenfalls. Aber dann muss ich lange überlegen.

Denn traditionell wird seit den Tagen von Raymond Chandlers Philip Marlowe eine PI-Geschichte aus der Sicht des Detektivs erzählt. Wir sehen den gesamten Fall mit seinen Augen. Mike Hammer von Mickey Spillane, Lew Archer von Ross Macdonald, Spenser von Robert B. Parker, Milo Milodragovitch und C. W. Sughrue von James Crumley, Matthew Scudder von Lawrence Block, Elvis Cole von Robert Crais, Nate Heller von Max Allan Collins, Hap Collins von Joe R. Lansdale, Alex McKnight von Steve Hamilton, Vic Warshawsky von Sara Paretsky, Carlotta Carlyle von Linda Barnes, Kinky Friedman undsoweiter. Immer „ich“, „ich“, „ich“.

Sogar Michael Connelly wechselte in die erste Person als sein Ermittler Harry Bosch als Privatdetektiv arbeitete.

Also warum wich ich in diesem Punkt von den Regeln ab?

Die kurze Antwort ist: Weil es für diese Geschichte so am Besten war.

Aber das erklärt natürlich nichts. Deshalb ist die lange Antwort, ohne zuviel von der Geschichte zu verraten:

Als ich mir überlegte, wie ich die Geschichte erzählen wollte, standen für mich einige Punkte schnell fest. Denn so sehr ich dem klassischen PI-Muster folge, wollte ich auch Thriller-Elemente in die Geschichte integrieren. Oder anders gesagt: ich plante einen Thriller mit einer Privatdetektivin als Heldin. Ich hatte kein Interesse an einem Whodunit. Ich hatte kein Interesse an einer Charakterstudie. Alles was wir über die verschiedenen Charaktere erfahren, wollte ich über ihre Taten vermitteln.

Dann wollte ich am Ende keine großen Erklärungen abgeben. Es sollte nicht zu der Szene kommen, in der Diana Schäfer den Bösen mit der Wahrheit konfrontiert und dieser dann seine Taten zugibt. Noch weniger wollte ich die umgekehrte Szene haben, in der der Böse seine Taten gesteht und erklärt, warum er es gemacht hat. Also musste ich nach einer Möglichkeit suchen, die wichtigen Informationen irgendwo in der Erzählung zu platzieren, ohne dass die Heldin, aber wir Lesenden, davon erfahren.

Bei einer Ich-Erzählung erfährt das Publikum aber nur, was der Held erfährt. Deshalb muss er zu allen wichtigen Orten der Geschichte selbst gehen oder jemand berichtet ihm von wichtigen Ereignissen, bei denen er nicht dabei. Das heißt aber auch, dass diese Person einen Grund haben muss, dem Ich-Erzähler davon zu erzählen. Und auch dann weiß der Ich-Erzähler nicht, ob er belogen wird und ob er alle wichtigen Informationen hat.

Mit dem Wechsel in die dritte Person hatte ich dagegen die Freiheit auch von Ereignissen zu erzählen, von denen der Detektiv nichts weiß und von denen ihm niemand etwas erzählen kann oder wird.

In „Ein bisschen Luxus“ erfährt Diana Schäfer nicht alles über die Bösen und ihre Taten. Einiges erfährt sie vielleicht nie. Einiges nach dem Ende der von mir erzählten Geschichte. Aber wir Leser wissen es und das ist genug.

Ich hätte natürlich die Geschichte anders erzählen können, aber, wie bereits gesagt, wollte ich in „Ein bisschen Luxus“ auch eine richtige Thrillerspannung haben. Eine Spannung die dazu führt, dass man letztendlich das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Spannung kann, auch das ist kein großes Geheimnis, am einfachsten erzeugt werden, wenn immer wieder gezeigt wird, wie die Gegner des Helden ihre Taten vorbereiten und so die Pläne des Helden zum Scheitern bringen können. Denken Sie nur an das letzte Wettrennen das Sie sahen und wie Sie mit ihrem Favoriten bangten, zitterten und hofften, dass er gewinnt.

Bei einer Ich-Erzählung ist dieses Scheitern dann ein Schock. Wenn es keine Überraschung sein soll, muss der Ich-Erzähler das drohende Unheil immer wieder ankündigen. Wenn das zu oft geschieht, liest es sich irgendwann nicht mehr schön. Denn unser Held stolpert wie ein Trottel in sein Verhängnis und kann sich letztendlich daraus befreien.

Und damit komme ich zum letzten Grund für die von mir gewählte Perspektive: Ich kann den Helden sterben lassen. In einer Ich-Erzählung ist das nicht möglich .


Besprechung James Crumley „Land der Lügen“ online

Mai 31, 2007

Meine Rezension von James Crumleys Kriminalroman „Land der Lügen“ (The final country) ist jetzt online bei der Berliner Literaturkritik.

Selbstverständlich hat mir dieser PI-Krimi sehr gut gefallen.


Ein langer Film über das Grundgesetz

Mai 31, 2007

 

Heute startete der Gemeinschaftsfilm „GG 19“. Doch einige der Filme wurden bereits vor anderthalb Jahren während des One World Festivals von der Humanistischen Union präsentiert. Ich moderierte die Veranstaltung. Produzent Harald Siebler beantwortete geduldig alle Fragen. Damals zeigte er einen Rohschnitt und wollte wissen, was wir von den Filmen hielten.

Gestern, während der offiziellen Premiere in der Kulturbrauerei, sah ich dann zum ersten Mal alle 19 Filme. Nicht jeder Film ist gelungen. Nicht jeder Film gefällt. Das ist bei einem Episodenfilm nichts ungewöhnliches.

Aber auffallend bei „GG 19“ ist, dass es kaum einem Film gelingt sein Thema adäquat zu bebildern. Viele, vielleicht sogar die meisten, Filme lassen einen ratlos zurück. Sieblers Idee war, auf unterhaltsame Art den Menschen den Inhalt und die Bedeutung des Grundgesetzes, vor allem der ersten 19 Artikel, den Menschen- und Bürgerrechten, näher zu bringen. Das ist ein lobenswertes Anliegen, das sich letztendlich im gesamten 150-minütigem Film kaum wiederfindet. Denn dafür haben die einzelnen Episoden viel zu wenig mit dem Inhalt und der Bedeutung der Gesetze zu tun. Meistens ist der Hinweis auf ein Grundgesetz beliebig. Oft ist der Film auf eine maue Schlusspointe hin geschrieben. Oft fragte ich mich am Ende des Films „Was soll das?“. Oft sind die Filme peinlich didaktisch.

So filzt in „Stehplatz“ ein junger Polizist einen Penner. Der Film soll zeigen, dass die Freiheit einer Person unantastbar ist (Artikel 2). Dass diese Episode etwas mit dem Artikel 2 zu tun hat, erschließt sich auf den ersten Blick nicht. Es könnte auch etwas mit der Würde des Menschen (Artikel 1) zu tun haben. Aber da läuft „Adrenalin Flash“: ein Mann wird gefoltert. Am Ende stellt sich heraus, dass die Tortur ein Spiel vor laufender Kamera war und die Familie den Vater ohne sein Wissen, wegen des versprochenen Gewinnes, auf den Folterstuhl schickte. „Adrenalin Flash“ könnte auch ein Kommentar zum Artikel 5, der Freiheit der Meinungsäußerung und -verbreitung (vulgo Pressefreiheit) sein. Aber da tritt ein Reporter auf, der Reportagen fälschte und sich jetzt dafür vor Gericht rechtfertigt. Ähnlichkeiten mit einem wahren Fall aus den Neunzigern sind nicht zufällig. Warum der Betrug am Sender und am Zuschauer ein Beitrag zur Pressefreiheit sein soll; – das erschließt sich nur über gedankliche Kapriolen. Weil heute die Pressefreiheit von einem Staat auf der Suche nach Geheimnisverrätern (Denken Sie nur an die zahlreichen Durchsuchungen von Redaktionen und den Überwachungen von Journalisten.) bedroht wird, ist „Der große Videoschwindel“ einfach nur grob verharmlosend.

In „Der Traumjob“ (Freie Berufswahl, Artikel 12) bewirbt sich eine Frau. Das Bewerbungsgespräch verläuft seltsam. Trotzdem erhält sie den Job als Prostituierte. Was das mit dem Recht auf freie Berufswahl zu tun hat, erschließt sich nicht. Denn niemand verweigert einer Frau das Recht, als Prostituierte zu arbeiten. Sogar in einer der zahlreichen Comedy-Shows wäre „Der Traumjob“ ein Lückenfüller. Ähnliches gilt für „Ladies first“. In diesem Film zur Gleichberechtigung (Artikel 3) erhält eine Frau zwar den gewünschten Job nicht, hat dafür aber später Glück.

In „Kindersicherung“ (Unverletzlichkeit der Wohnung, Artikel 13) haust ein Junge mit seiner Crack-Mutter in einer heruntergekommenen Wohnung. Die Sozialarbeiter können die Wohnung nicht betreten. Auch hier verharmlost der Film das reale Problem der Vernachlässigung von Kindern und baut ein Scheinproblem auf. Denn natürlich dürfen Beamte in einem solchen Fall eine Wohnung betreten.

In „Piet Melzer“ (Vergesellschaftung von Grund und Boden, Artikel 15) wird ein Embryo verstaatlicht. Die düstere Zukunftsvision hat – was die Qualität von guter Science-Fiction ist – keinen erkennbaren Bezug zur Gegenwart. Er ist purer Eskapismus.

„Der Petent“ (Beschwerde- und Petitionsrecht, Artikel 17) wirkt wie ein schlechter Werbefilm für Beschwerden. Dazu trägt auch der vom Hauptdarsteller im Bus gesungene Schlager mit den Passagieren als Chor bei. Aber immerhin sind hier, im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen, Botschaft und Bezug zum Gesetz offensichtlich. Das gleiche gilt für „Abspann oder der Held der Stunde“ (Verwirkung von Grundrechten, Artikel 18).

Als Imagekampagne für die Grundrechte ist „GG 19“ größtenteils gescheitert. Denn fast kein Film findet zu einer eigenen Haltung gegenüber den Grundrechten und setzt diese ästhetisch stringent in eine Geschichte um. Hier ist das gut gemeinte wieder einmal das Gegenteil vom gut gemachten.

Als Sammlung von 19 Kurzfilmen ist er – etwas anderes.

 

 

 

GG 19 (Deutschland 2007)

Idee, Konzeption, Produktion, Supervising Director: Harald Siebler

Regie: Johannes von Gwinner, Savas Ceviz, Andreas Samland, Boris Anderson, Alan Smithee, Marion Kracht, Suzanne von Borsody, Harald Siebler, Johannes Harth, Philipp von Werther, Marcel Ahrens, Christine Repond, Sabine Bernardi, Carolin Otterbach, Kerstin Polte, Axel Bold, David Dietl, André F. Nebe, Ansgar Ahlers

Drehbuch: Raimund Maessen, Sonia Karst, Savas Ceviz, Robert Hennefarth, Esther Bernstorff, Falko Henning, Kathi Liers, Catherine Ann Berger, Harald Siebler, Kati Faude, Silke Riemann, Jens Köster, team interner, Jana Evita Seidel, Jens Baumeister, Sabine Bernardi, Cristina Zehrfeld, Olaf Nollmeyer, Kertin Polte, Boris Anderson, Henner Schulte-Holtey, David Dietl, Jan Neumann, Ansgar Ahlers

Homepage zum Film: www.gg19-derfilm.de