Der Staatsfeind Nr. 1 (USA 1998, Regie: Tony Scott)
Drehbuch: David Marconi
Anwalt Robert Clayton Dean gelangt unwissentlich in den Besitz eines Videos, das den Mord an einem Politiker zeigt. Der Täter, ein hochrangiger Abgeordneter, setzt den ganzen Geheimdienst-Überwachungsapparat ein, um den Zeugen zu beseitigen. Und los geht die Hatz durch die USA.
Spannender, etwas lang geratener Thriller von Produzent Jerry Bruckheimer, der heute aktueller als damals ist. Denn wer geht heute noch ohne Handy vor die Haustür?
mit Will Smith, Gene Hackman, Jon Voight, Lisa Bonet, Regina King, Stuart Wilson, Tom Sizemore, Loren Dean, Barry Pepper, Jack Busey, Scott Caan, Gabriel Byrne
Die vierzehnjährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters, den Feigling Tom Chaney, finden. Für die Jagd engagiert sie den versoffenen, aber furchtlosen Marschall Rooster Cogburn.
Ein zukünftiger Western-Klassiker
mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper
Die US-Kritiker waren mit dem Film so unzufrieden, dass Hauptdarsteller Johnny Depp, Regisseur Gore Verbinski und Produzent Jerry Bruckheimer in einem Interview die schlechten Kritiken und die negativen Meldungen, die es teilweise schon während der sich ewig hinziehenden Vorproduktion und der Dreharbeiten gab, für den finanziellen Misserfolg des Films verantwortlich machten. Das schmeichelte sicher dem Ego der US-Kritiker, aber wenn ich einen Blick auf andere, von der Kritik negativ besprochenen Filme und die Einspielergebnisse werfe, sehe ich keinen so einfachen Zusammenhang. Immerhin wurden Verbinskis zweiter und dritter „Piraten der Karibik“-Film auch nicht überwältigend besprochen und die kommerziell überaus erfolgreichen Blockbuster von Michael Bay werden regelmäßig verrissen.
Es kann daher auch sein, dass niemand den Film sehen will, weil er schlecht ist.
Die erstaunlich lieblose DVD-Veröffentlichung (Es sind nur zwei zusätzliche, weitgehend animierte Szenen und einige Pannen beim Dreh vorhanden. Sogar auf den Trailer wurde verzichtet.) bietet die Möglichkeit, das mit etwas Abstand zu überprüfen. Denn, immerhin meinte Bruckheimer, dass „Lone Ranger“ wie „Der Zauberer von Oz“ „Ist das Leben nicht schön?“, „2001: Odyssee im Weltraum“ und „Blade Runner“ mit der Zeit gewinnen und als Meisterwerk anerkannt werde.
Nun, das glaube ich nicht. Dafür ist „Lone Ranger“ einfach zu schlecht, aber es könnte einer dieser Feiertagsfilme werden, die man sich immer wieder, wenn auch nur bis zur nächsten Werbepause, ansieht, weil die gesamte Filmgeschichte zwar keinen Sinn macht, es aber einige eher müde Witze und, am Ende, eine ziemlich spektakuläre, slaptstickhafte Actionszene gibt, die deutlich von Stummfilmen, wie Buster Keatons „Der General“, inspiriert ist. Nur dass Verbinski die Action auf zwei Züge und mehr oder weniger nebeneinander verlaufenden Gleisen verlegte. Das ist dann so beeindruckend wie sinnfrei.
Davor gibt es eine chaotische Geschichte über einen Eisenbahnbauer, der im Indianergebiet illegal Gold abbauen will und der dafür, illegal und unbemerkt, gleich Gleise ins Indianergebiet verlegte. Seine skrupellosen Handlanger bringen in einem Hinterhalt John Reids Bruder und weitere Gesetzeshüter um. Nur John Reid (Armie Hammer), der sich jetzt „The Lone Ranger“ nennt, überlebt den Hinterhalt und gemeinsam mit dem Indianer Tonto (Johnny Depp) beginnen sie die Bösewichter zu jagen.
Dieses Chaos wird, in einer 1933 in San Francisco spielenden Rahmenhandlung, von Tonto erzählt und jede Unlogik kann natürlich damit erklärt werden, dass Tonto ein chronisch unzuverlässiger Erzähler ist, der sich immer wieder in den Mittelpunkt rückt. Denn in den ursprünglichen „Lone Ranger“-Geschichten ist Tonto nur der Gehilfe des edlen Lone Rangers.
Der Lone Ranger ist ein legendärer, von Fran Striker erfundener Charakter, der zuerst in den Dreißigern im Radio Bösewichter jagte. Bis September 1954 entstanden dreitausend „Lone Ranger“-Radioepisoden. Später trat der „Lone Ranger“ auch, ebenfalls äußerst erfolgreich, im Kino, im Fernsehen, in Romanen und in Comics auf. Die Geschichten waren für ein jugendliches Publikum geschrieben. Deshalb musste der „Lone Ranger“ sich auch immer gut benehmen, wie man aus den von Fran Striker und Radioproduzent George Trendle formulierten Statuten erfährt: „Der Ranger ist ein Mann, der allen Widrigkeiten trotzt und niemals aufhört zu kämpfen, sich aber auch die Zeit nimmt, einem Vogel mit einem verletzten Flügel zu helfen. (…) Der Ranger spricht immer klar und deutlich, ohne Dialekt- oder Slangbegriffe. (…) Der Ranger schießt nie, um zu töten. (…) Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit gegenüber Kindern ist wichtig. Das Einhalten von Gesetzen und der Respekt gegenüber der Polizei ebenso.“
Tja, ein ziemlich naiver Held für ein sehr junges Publikum.
Mit dem originalen Lone Ranger hat diese viel zu teuer geratene Verfilmung, außer einigen Accessoires – die Maske des Lone Rangers, die Verkleidung des Lone Rangers, die Augenbinde des Lone Rangers – und einer extremen Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere, nichts mehr zu tun. Auch der naive Charme der alten, für ein Taschengeld produzierten Serials fehlt.
Als Spielfilm setzt Verbinskis Werk sich, weil nie eine erzählerische Haltung erkennbar ist, als „Piraten der Karibik“-im-Wilden-Westen-Übung zwischen die Stühle. Einerseits soll die Klamauk-Ebene bedient werden, andererseits soll die Pracht des Wilden Westens wie in einem klassischen Western auf der Leinwand erstrahlen. Dabei durchkreuzt der eine erzählerische Ansatz immer wieder den anderen, nichts funktioniert und am Ende hat der „Lone Ranger“ höchstens die Faszination eines missglückten Experiments: die Zutaten stimmen, das Ergebnis nicht.
Dabei hat es nicht am Geld gelegen. Immerhin kostete der „Lone Ranger“ ungefähr 215 Millionen Dollar. „Django Unchained“ kostete 100 Millionen, „True Grit“ 38 Millionen, „Appaloosa“ 20 Millionen, „Todeszug nach Yuma“ 55 Millionen, „Open Range“ 22 Millionen und „Erbarmungslos“ 14,4 Millionen. Alle diese Western sind deutlich gelungener und sie fanden ihr Publikum, weil sie das hatten, was dem „Lone Ranger“ fehlt: eine Geschichte.
Lone Ranger (The Lone Ranger, USA 2013)
Regie: Gore Verbinski
Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rossio, Justin Haythe
mit Johnny Depp, Armie Hammer, Tom Wilkinson, Ruth Wilson, William Fichtner, Barry Pepper, James Badge Dale, Helena Bonham Carter
–
DVD
Disney
Bild: 2,40:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch, Türkisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Türkisch
Bonusmaterial: Zusätzliche Szenen, Pannen beim Dreh
Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada(USA/F 2005, R.: Tommy Lee Jones)
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.
Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.
Der Film ist Tommy Lee Jones’ bislang einziger Kinofilm.
mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga
Wer in „Snitch – Ein riskanter Deal“ das prototypische Dwayne-Johnson-Actionvehikel mit viel Testosteron und wenig Hirn erwartet, sollte sein Geld lieber in einen zweiten Besuch von „“Fast & Furious 6“ stecken stecken. Denn „Snitch“ ist ein gelungener 70er-Jahre-Crime-Thriller mit etwas Action, vor allem am Ende, und Charakteren, die aufgrund der Umstände vor schwierigen Entscheidungen stehen.
So muss sich der Bauunternehmer John Matthews (Dwayne Johnson) fragen, was er für seinen achtzehnjährigen Sohn Jason (Rafi Gavron) tun wird. Jason wurde mit einem Päckchen Ecstasy-Pillen geschnappt. Er hat das Päckchen für einen Freund angenommen. Angeklagt ist er jetzt als Drogenhändler.
Jason erhält jetzt das Angebot, seine Strafe, die sich auch bei Ersttätern ausschließlich nach der Menge der konfiszierten Drogen bemisst, von zehn Jahren zu reduzieren, wenn er der Polizei einen anderen Drogenhändler nennt. Eine andere Möglichkeit, die Strafe zu reduzieren, gibt es nicht. Dummerweise kennt Jason keine Drogenhändler und er will auch nicht irgendeinen x-beliebigen Klassenkameraden verpetzen.
Als John sieht, wie es seinem Sohn im Gefängnis zunehmend schlechter geht, verfällt der anständige Bürger auf eine wahnwitzige Idee: wenn er der konservativen republikanischen Staatsanwältin Joanne Keeghan (Susan Sarandon) einen Drogenhändler liefert, könne das doch strafmildernd auf die Haft seines Sohnes angewandt werden.
Aber auch John kennt keine Drogenhändler. Er versucht den bei ihm angestellten Ex-Häftling Daniel James (Jon Bernthal), der als bereits zweimal verurteilter Familienvater ein ehrliches Leben führen will, zu überzeugen, seine guten Vorsätze aufzugeben.
Diesen Weg ins Verderben zeichnet Ric Roman Waugh („Felon“) für heutige Sehgewohnheiten ungewöhnlich ruhig nach und Dwayne Johnson, der unbesiegbare Muskelprotz darf hier, sehr reduziert, einen Normalbürger spielen, der sein Gehirn einsetzen muss. Denn seine Muskeln helfen ihm nicht gegenüber den Drogenhändlern und gegenüber der Staatsanwältin Keeghan, die ihre Menschenverachtung nur mühsam hinter Paragraphen verbirgt und Matthews kalt lächelnd als potentielles Bauernopfer in immer größere Gefahr bringt. Und das kann sie tun, weil es in den letzten Jahren im US-amerikanischen Justizsystem eine groteske Fehlentwicklung gab: im Kampf gegen die Drogenkriminalität wurden die Mindeststrafen auch für Ersttäter immer weiter angehoben. Nach den „Mandatory Drug Sentencing Laws“ gibt es für zehn Gramm LSD zehn Jahre Haft und der Täter kann seine Strafe für Drogenbesitz, die bis zu dreißig Jahren betragen kann, nur verringern, indem er einen anderen Drogenhändler verpfeift. So wollte man an die großen Bosse kommen. In der Realität sitzen Jungs wie Jason im Gefängnis.
Die Inspiration für „Snitch“ war die PBS-“Frontline“-Sendung „Snitch“ und dieser Fall:
„Another case profiled is that of 18- year-old Joey Settembrino, a first time offender who received a 10-year prison sentence after being caught in a drug sting instigated by a friend who was facing federal prosecution. After Joey was busted, federal agents enlisted his father to try to set up others in a drug sting. If the father delivered, his son would be spared a lengthy prison term. The effort failed. Joey is serving a mandatory 10 years without parole.“
„Snitch“ ist sicher nicht das typische Blockbuster-Futter, aber es ist ein angenehm altmodischer Thriller, in dem die Schauspieler im Vordergrund stehen und auch eine Botschaft transportiert wird. Denn natürlich fragt man sich, ob es wirklich richtig ist, wenn ein unbescholtener Einser-Schüler aufgrund der Gesetze zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt wird und sein ebenfalls unbescholtener Vater zum Verbrecher werden muss, um seinem Sohn helfen zu können. „Snitch“ zeigt im Rahmen einer spannenden, aber auch vorhersehbaren Genre-Geschichte, wie sehr in den USA Gesetz und Gerechtigkeitsempfinden im Kampf gegen die Drogenkriminalität auseinanderklaffen.
Snitch – Ein riskanter Deal (Snitch, USA 2013)
Regie: Ric Roman Waugh
Drehbuch: Justin Haythe, Ric Roman Waugh
mit Dwayne Johnson, Barry Pepper, Jon Bernthal, Susan Sarandon, Michael K. Williams, Rafi Gavron, Melina Kanakaredes, Velazquez Maria, Benjamin Bratt, Lela Loren, JD Pardo, David Harbour
Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada(USA/F 2005, R.: Tommy Lee Jones)
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.
Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.
Der Film ist Tommy Lee Jones’ bislang einziger Kinofilm.
mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga