Neu im Kino/Filmkritik: Mit Aaron Sorkin „The Social Reckoning“ erleben

Oktober 8, 2026

Wie kam es, dass das Wall Street Journal die ‚Facebook-Files‘ veröffentlichte?

Nun, indem sie einen Journalisten einstellten, der zu spät zum Vorstellungsgespräch kam, weil er das Navi in seinem Leihwagen nicht bedienen konnte. Und wir reden hier nicht von der Steinzeit, sondern von 2019.

Ein Investigativjournalist muss allerdings am Beginn seiner Recherche nicht unbedingt ein Fachmann in dem Gebiet sein, über das er berichtet. Er muss von seiner Redaktion die Zeit für eine umfassende, möglicherweise ins Nichts führende Recherche erhalten. Er muss ein Gespür für eine mögliche Story haben. Er muss hartnäckig sein. Er muss geduldig sein. Er muss nachfragen, nachfragen und nochmal nachfragen, bis er alles verstanden hat. Und er muss mit schwierigen Menschen umgehen können.

Wenn das alles zusammenkommt, können die Journalisten Skandale aufdecken, für Diskussionen sorgen, den Anstoß für Veränderungen geben und die Inspiration für nah an der Wirklichkeit entlang erzählte Spielfilme sein. Genannt seien die Klassiker „Die Unbestechlichen“, „The Insider“, „Spotlight“ und „She said“. „The Social Reckoning“ reiht sich mühelos hier ein.

In seinem neuen Film erzählt Aaron Sorkin nach „The Social Network“ (seiner von David Fincher inszenierten Version der Gründung von Facebook) eine weitere Facebook-Geschichte. Dieses Mal geht es um die ‚Facebook-Files‘, eine Serie von aufsehenerregenden Reportagen, die im September 2021 im Wall Street Journal erschienen. In ihnen wird nachgewiesen, dass Facebook die für die User und die Gesellschaft schädlichen Folgen seiner Veränderungen am Algorithmus kannte und forcierte. So wurden den Usern vermehrt Hass-Postings und einseitige, vor allem reaktionäre, ausländerfeindliche und auf Lügen, falschen, unvollständigen und hoffnungslos verzerrten, Misstrauen erzeugende Posts gezeigt. Sie wurden nach oben gerankt und weitergeleitet.

Denn Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg ging es bei der Installierung der neuen Regeln, wie Meaningful Social Interaction (MSI), und weiteren Änderungen nur um die Steigerung des Umsatzes und des Gewinns der von ihm beherrschten sozialen Netzwerke.

Die Folgen für die seelische Gesundheit von Teenagern interessierten ihn nicht. Auch nicht die Folgen für die Gesellschaft. So war, wie auch Sorkin in „The Social Reckoning“ zeigt, der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 der Höhepunkt und eine unmittelbare Folge der auf Facebook in den Monaten davor und am 6. Januar verbreiteten und gepushten Nachrichten.

Sorkin erzählt in seinem Journalismusfilm diese Geschichte. Als Investigativjournalist Jeff Horwitz (Jeremy Allen White) mit seiner Recherche beginnt, stößt er nur auf verschlossene Türen und einen sich hermetisch abschottenden Konzern. Als Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen (Mikey Madison) mit ihren Warnungen bei ihren Vorgesetzten immer wieder ignoriert wird, kontaktiert sie Horwitz. Sie erklärt ihm (und uns) diese streng geschützten Interna. Obwohl sie niemals ihre Identität enthüllen wollte, tut sie dies mit der Veröffentlichung der Artikelserie. Am 5. Oktober 2021 sagt sie vor einem Ausschuss des US-Senats aus.

Während der ganzen Zeit arbeitet Facebook gegen sie – und in einem Subplot zeigt Sorkin den zu keinem normal-menschlichem Gefühl fähigen Mark Zuckerberg (Jeremy Strong) bei den Vorbereitungen für das Hearing im Senat.

Dieses Mal übernahm Aaron Sorkin auch die Regie. Er schrieb und inszenierte eine packende, dichte, intensive und informative Version der damaligen Ereignisse als klassischen Journalismus-Thriller. Es gelingt ihm, wie in einer gelungenen Zeitungsreportage, das komplexe Material nachvollziehbar aufzubereiten und spannend zu präsentieren.

So reiht sich „The Social Reckoning“ mühelos in Aaron Sorkins beste Arbeiten ein.

Damit sich etwas an der Macht von Facebook, das nach den Enthüllungen von Horwitz und andere Journalisten in Meta umbenannt wurde, und anderen Sozialen Medien ändert, braucht es den Druck der Öffentlichkeit und Politiker, die Gesetze verabschieden, die den Sozialen Medien Grenzen setzen. Filme wie „The Social Reckoning“ können solche Diskussionen anstoßen und die Erinnerung an früher erfolgte Enthüllungen bewahren.

The Social Reckoning (The Social Reckoning, USA 2026)

Regie: Aaron Sorkin

Drehbuch: Aaron Sorkin

mit Mikey Madison, Jeremy Allen White, Jeremy Strong, Wunmi Mosaku, Betty Gilpin, Billy Magnussen, Bill Burr

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „The Social Reckoning“

Metacritic über „The Social Reckoning“

Rotten Tomatoes über „The Social Reckoning“

Wikipedia über „The Social Reckoning“ (deutsch, englisch) und die Facebook Files

The Wall Street Journal: The Facebook File

Meine Besprechung von Aaron Sorkins „Molly’s Game – Alles auf eine Karte“ (Molly’s Game, USA 2017) (mit mehreren Gesprächen mit Aaron Sorkin, Jessica Chastain und Idris Elba über den Film)


Neu im Kino/Filmkritik: „Taffe Mädels“ räumen auf

Juli 4, 2013

 

Die Buddy-Cop-Komödie erfindet „Taffe Mädels“ von Paul Feig nicht neu und auch wenn im Presseheft steht, der Film stehe in der Tradition von „Nur 48 Stunden“, „Red Heat“, beide von Walter Hill, und „21 Jump Street“ (Ähem?), dann ist das doch mehr als nur etwas hoch gegriffen. Denn eine Walter-Hill-typische Actionszene fehlt. Und der Rest der Walter-Hill-Mythologie wird noch nicht einmal angekratzt.

Drehbuchautorin Katie Dippold nennt dann „Diese zwei sind nicht zu fassen“ (Running Scared, USA 1986, Regie: Peter Hyams) mit den Plappermäulern Billy Crystal und Gregory Hines als ihr Lieblings-Buddy-Cop-Movie und das ist eine durchaus treffender Vergleich. Auch wenn es, wie gesagt, in „Taffe Mädels“ mit der Action hapert.

Dafür sind die Sprüche von Sandra Bullock und Melissa McCarthy, die eigentlich alle guten Sprüche hat und noch lustvoller als Eddie Murphy in „Nur 48 Stunden“ und „Beverly Hills Cop“, teils in ebenfalls improvisierten Schimpftiraden, gegen alle Regeln, Dienstvorschriften und Etikette verstößt. McCarthy spielt Shannon Mullins, einen harten Boston-Straßencop, der jeden Grashalm in ihrem Revier kennt, flüchtige Straßendealer mit einer Wassermelone erledigt, ein Verhör mit einem Telefonbuch beginnt und einem geladenem Revolver in den Weichteilen des Verdächtigen beendet. Dirty Harry würde die Dame, die prinzipiell ohne Partner ermittelt, gefallen.

Für die FBI-Agentin Sarah Ashburn (Sandra Bullock) ist sie der fleischgewordene Alptraum. Denn Ashburn ist eine wandelnde Dienstvorschrift in hässlichen, asexuellen, schlecht sitzenden, grauen Anzügen, ohne soziale Kompetenzen, aber mit einer bestechenden Aufklärungsrate. Sie ist der Klassenstreber, der niemand abschreiben lässt, andere verpetzt und sich dann wundert, dass ihre Klassenkameradinnen sie nicht mögen. Jetzt soll sie in Boston einen großen Drogenhändler, dessen wahre Identität niemand kennt, schnappen – und muss dafür mit Mullins zusammenarbeiten.

Und wir können uns an einer weiteren Buddy-Cop-Variante erfreuen, der musikalisch mit Funk’n’Soul in Richtung siebziger Jahre schielt und storytechnisch irgendwo zwischen den Siebzigern und den Achtzigern landet. Die Verbrecherjagd ist, wie schon in den bekannt-beliebten Achtziger-Jahre-Buddy-Cop-Filmen, die notdürftige Klammer für die Comedy und sollte nicht auf Logik überprüft werden. Schließlich haben sich die Macher auch nicht darum gekümmert. Stattdessen haben sie hemmungslos improvisiert und das Duo McCarthy/Bullock gefällt.

Dieses Duo ist auch die einzige Neuerung im Buddy-Cop-Movie-Genre: anstatt Jungs heizen hier Mädels den Bösewichtern mit einer Mischung aus unorthodoxen Ermittlungsmethoden, blöden Sprüchen und hemmungslosem Waffengebrauch kräftig ein.

„Taffe Mädels“ ist kein grandioser Film. Auch kein Film, den man sehen muss. Aber für Fans des Genres ein entspannender Abend, der tausendmal besser als das komplett vergurkte Buddy-Movie „Cop Out – Geladen und entsichert“ (USA 2010) mit Bruce Willis und Tracy Morgan und auch deutlich unterhaltsamer als „Hollywood Cops“ (USA 2003) mit Harrison Ford und Josh Hartnett ist. Denn die Chemie zwischen McCarthy und Bullock und den anderen Schauspielern stimmt und das ist schon mehr als die halbe Miete in einem Buddy-Movie, das nie vorgibt mehr zu sein als es ist: zwei Stunden harmloser Spaß, der sich mit ziemlich wenig zufriedengibt.

Taffe Mädels - Plakat

Taffe Mädels (The Heat, USA 2013)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Katie Dippold

mit Sandra Bullock, Melissa McCarthy, Demian Bichir, Marlon Wayans, Michael Rapaport, Spoken Reasons, Bill Burr, Nathan Corddry

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Taffe Mädels“

Metacritic über „Taffe Mädels“

Rotten Tomatoes über „Taffe Mädels“

Wikipedia über „Taffe Mädels“ (englisch)

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Und noch einige Filmausschnitte, wobei ich andere Ausschnitte gewählt oder die ganze Szene gezeigt hätte