Neu im Kino/Filmkritik: „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“ erleben ein Kinoabenteuer

Mai 20, 2026

Sieben Jahre nach dem letzten „Star Wars“-Kinofilm, – das war „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“, der Abschluss einer erzählerisch vollkommen chaotischen Trilogie -, läuft jetzt ein neuer Film aus dem „Star Wars“-Universum im Kino an. Zwischen diesen beiden Kinofilmen wurden die Fans im Streaming mit neuem filmischen Stoff versorgt, unter anderem der beliebten Serie „The Mandalorian“, die es bislang auf drei Staffeln brachte. Die schon weit fortgeschrittenen Pläne für eine vierte Staffel wurden 2023 während der Streiks in Hollywood zugunsten eines Kinofilms geändert. Der Science-Fiction-Film, der jetzt anläuft, ist als Auftakt für weitere „Star Wars“-Einzelfilme geplant. Bis dahin haben wir „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“.

Der titelgebende Mandalorian ist Din Djarin (Pedro Pascal, unter der Ganzkörperrüstung [also fast während des gesamten Films] Brendan Wayne und Lateef Crowder). Er ist ein skrupelloser und höchst erfolgreicher Kopfgeldjäger. Begleitet wird er von Grogu, auch Baby-Yoda genannt. Der knuffige kleine Kerl mit den riesigen Ohren ist ein junger Jedi, der beim Umgang mit der Macht noch unsicher ist. Und auch sonst noch viel lernen muss.

Inzwischen – die Geschichte spielt nach den Ereignissen von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ – arbeiten der Mandalorian und Grogu für die Neue Republik. Seine Aufträge erhält er von Colonel Ward (Sigourney Weaver). Jetzt soll er wieder eine gefährliche Person finden. Ward kann ihm nur einige Aufenthaltsorte der gesuchten Person nennen. Din Djarins erste Station bei seiner Suche nach dem Bösewicht ist das Hauptquartier der Hutts. Dort verhandelt er mit den ebenso verbrecherischen Nachfolgern des Verbrechers Jabba the Hutt. Sie versprechen, ihm zu helfen, wenn er für sie Jabbas entführten Sohn Rotta the Hutt findet.

Es stimmt. „The Mandalorian and Grogu“ funktioniert als Einzelfilm und, weil ein gewisses Minimalwissen über das „Star Wars“-Universum vorausgesetzt wird, mit kleinen Abstrichen, für Neueinsteiger. Wer die „Mandalorian“-Serie kennt, wird natürlich noch mehr Anspielungen verstehen. Aber letztendlich erzählt Jon Favreau eine gradlinige Man-on-a-Mission-Geschichte, in der wenige Dialoge die langen Actionszenen dürftig miteinander verbinden. Der quasi unverletzbare Mandalorian Din Djarin erschießt, ersticht, verprügelt und jagt Hunderte von mehr oder weniger menschenähnlichen, normalerweise vollkommen gesichtslosen Angreifern in die Luft. Das geschieht durchgehend unblutig, meistens in viel zu dunklen Bildern und oft so zerschnitten, dass die Kämpfe in dunklen Innenräumen, im ebenso dunklen Dschungel und naturgemäß dunklen Höhlensystemen kaum nachverfolgt werden kann. Am Ende sind alle Angreifer tot. Er selbst hat keine einzige Schramme und ist nicht außer Atem. Das wird, trotz wechselnder Schauplätze, schnell redundant.

Die von Favreau, Dave Filoni und Noah Kloor erfundene und auf zwei Stunden gestreckte Minimalgeschichte reiht ohne erkennbare Ambitionen die erforderlichen Plot Points aneinander. Letztendlich arrangieren sie nur aus anderen Filmen bekannte Situationen etwas anders. Auf aus dem Nichts kommende überraschende Wendungen oder ablenkende Subplots wird verzichtet. Die Figuren bleiben dabei erstaunlich eindimensional.

Das alles spielt zwar auf verschiedenen Planeten, aber immer wirkt es wie eine in dunkle Bilder getauchte Kombination aus Studiodreh und CGI. Dabei hat Favreau mit den Disney-Filmen „The Jungle Book“ und „Der König der Löwen“ gezeigt, dass er es besser kann.

Da war der bei den Star-Wars-Fans unbeliebte Einzelfilm „Solo“ gelungener und unterhaltsamer – und bunter.

Das gesagt ist die auf Spielfilmlänge aufgeblasene TV-Episode „The Mandalorian and Grogu“, ohne eigene Akzente zu setzen und mit den Erwartungen an eine Doppelfolge einer TV-Serie gesehen, als in der Zukunft spielender Einzelfilm über einen Kopfgeldjäger, der einen gefährlichen Auftrag annimmt okay. Mehr nicht.

Star Wars: The Mandalorian and Grogu (Star Wars: The Mandalorian and Grogu, USA 2026)

Regie: Jon Favreau

Drehbuch: Jon Favreau, Dave Filoni, Noah Kloor (basierend auf von George Lucas erfundenen Figuren)

mit (teils nur die Stimmen im Original) Pedro Pascal, Sigourney Weaver, Jeremy Allen White, Jonny Coyne, Martin Scorsese

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“

Metacritic über „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“

Rotten Tomatoes über „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“

Wikipedia über „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“ (deutsch, englisch)

zu „Star Wars“

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The last Jedi, USA 2017)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (Star Wars: The Rise of Skywalker, USA 2019)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Rogue One: A Star Wars Story“ (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht“) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von James Lucenos „Star Wars – Der Auslöser: Ein Rogue One Roman“ (Star Wars: Catalyst: A Rogue One Novel, 2016)

Meine Besprechung von Alexander Freeds „Rogue One – Eine Star Wars Story“ (Rogue One. A Star Wars Story, 2016) (Filmroman)

Meine Besprechung von James Frys „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The Last Jedi, 2018) (Filmroman)

Meine Besprechung von Rae Carsons „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (Star Wars – The Rise of Skywalker, 2020) (Filmroman)

zu Jon Favreau

Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)

Meine Besprechung von Jon Favreaus “Kiss the Cook – So schmeckt das Leben” (Chef, USA 2014)

Meine Besprechung von Jon Favreaus „The Jungle Book (The Jungle Book USA 2016)

Meine Besprechung von Jon Favreaus „Der König der Löwen“ (The Lion King, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Love you Bruce „Springsteen: Deliver me from nowhere“

Oktober 23, 2025

Die Fakten…früher, wenn ein neues Buch oder eine neue Schallplatte eines bewunderten Künstlers oder Band erschien, wusste man nichts über den Entstehungsprozess. Manchmal gab es vielleicht vereinzelte Interviews. Aber das Werk war die LP. Vierzig Minuten Musik. Auf B-Seiten von Singles und Maxis wurde vielleicht noch ein weiterer Song veröffentlicht. Aber das war’s. Ein Song. Eine Version.

Heute wissen wir oft viel mehr über die Entstehung der Werke. Es gibt lange Reportagen und dicke Bücher über die Entstehung wichtiger LPs. Es gibt umfassende Werkausgaben, die aus der ursprünglichen LP und mehreren Bonus-CDs bestehen. Die Box enthält unzählige Versionen der bekannten Stücke und Stücke, die damals nicht veröffentlicht wurden. Oft gibt es auch bislang nicht veröffentlichte Konzertmitschnitte. Wie sehr es diesen Blick in den Schaffensprozess des Künstlers wirklich braucht, muss hier jetzt nicht debattiert werden. Puristen können ja immer noch auf das ursprünglich veröffentlichte Werk zurückgreifen. Komplettisten werden die neue Ausgabe in ihr Regal stellen. Vielleicht gibt es neue Fans, die dann auch die anderen Werke des Künstlers kaufen. Und das die Entstehung einer LP umgebende Mysterium wird immer weiter enthüllt.

Ausgehend von dem Sachbuch „Deliver me from nowhere: The Making of Bruce Springsteen’s ‚Nebraska’“ liefert jetzt Scott Cooper in seinem neuen Film „Springsteen: Deliver me from nowhere“ einen solchen Blick hinter die Kulissen. Es geht um die Entstehung von Bruce Springsteens 1982 erschienener Solo-LP „Nebraska“. Sie erschien nachdem er und die E Street Band sich mit mehreren LPs und Live-Auftritten bereits einen guten Ruf erarbeitet hatten. Er war ein bekannter Musiker. Viele seiner immer noch beliebten Songs gehörten bereits zum Repertoire. Seine Plattenfirma würde gerne das nächste Hit-Album produzieren. Das lieferte Springsteen 1984 mit der LP „Born in the U. S. A.“. Sie machte ihn zum immer noch Stadien füllenden Superstar.

Seitdem Warren Zanes Sachbuch 2023 erschien, veröffentlichte Bruce Springsteen fleißig weiter Material aus seinem Archiv. Neben Mitschnitten von Auftritten und weiteren Versionen der Songs, die bereits veröffentlicht wurden, hat Springsteen kürzlich auch mehrere Alben veröffentlicht, die er in den vergangenen Jahrzehnten aus verschiedenen Gründen nicht veröffentlichte.

Zuletzt und pünktlich zum Filmstart erschien mit „Nebraska ’82: Expanded Edition“ eine aus fünf CDs bestehende Box, die die von der E Street Band gespielten elektrischen Versionen der Songs enthält, die Springsteen ursprünglich im Wohnzimmer als Demos für die neue LP von ihm und seiner Band aufnahm. Bislang verstaubten die Aufnahmen im Archiv.

Mit diesem Wissen würde Scott Cooper die Filmgeschichte vielleicht anders erzählen.

Vielleicht auch nicht. Denn in der jetzigen Fassung gefällt die klare Ausrichtung auf Bruce Springsteen (Jeremy Allen White) und die LP „Nebraska“. Alles, was nicht unmittelbar zur Entstehung gehört, wird ignoriert. Die legendäre E Street Band spielt in Coopers Drama keine nennenswerte Rolle. Das ganze Rock’n’Roll-Leben findet vor und nach dem Film statt.

In „Springsteen: Deliver me from nowhere“ geht es ausschließlich um Springsteens Schaffensprozess als Dichter (was nur im stillen Kämmerlein geschehen kann), seine Selbstzweifel (die er, mehr oder weniger offen, in seinen Songs dokumentiert) und wie er sich mit seiner Depression, seinen Gefühlen und seiner Kindheit, besonders seiner Beziehung zu seinem Vater, auseinandersetzt. Er denkt nach über sich, sein bisheriges und künftiges Leben. Er schreibt Songs, die später auf „Nebraska“ und „Born in the U. S. A.“ veröffentlicht werden. Cooper zeigt die unter Springsteen-Fans allgemein bekannten Inspirationen für die Songs.

Auch die Beziehung zu seinem Manager Jon Landau, der ihn bedingungslos unterstützt, ist wichtig. Mit ihm unterhält er sich über seine Pläne. Landau lässt später die klanglich schlechten Demo-Aufnahmen soweit polieren bis sie als LP veröffentlicht werden können und er überzeugt die Plattenfirma davon, dass Springsteen nach mehreren Rockmusik-LPs ein Homerecording-Folkalbum mit düsteren Songs veröffentlicht wird, das schon auf den ersten Blick ein unverkäufliches Liebhaberprojekt ist.

Dazwischen trifft Springsteen sich mit einer Kellnerin und ihrer Tochter. Sie ist eine auf mehreren Frauen, die Springsteen damals traf, basierende erfundene Figur, die auch gut in einen Springsteen-Song passen würde.

Das ist gut inszeniert, aber auch wenig mitreisend. Die meiste Zeit sehen wir einen Mann allein in einem Zimmer sitzen, vor sich hin brüten, nachdenklich in die Landschaft starren, komponieren und Demo-Versionen unzähliger neuer Songs einspielen. „Springsteen: Deliver me from nowhere“ ist die Huldigung des Künstlers als einsames Genie.

Springsteen: Deliver me from nowhere (Springsteen: Deliver me from nowhere, USA 2025)

Regie: Scott Cooper

Drehbuch: Scott Cooper

LV: Warren Zanes: Deliver Me from Nowhere: The Making of Bruce Springsteen’s „Nebraska“, 2023

mit Jeremy Allen White, Jeremy Strong, Paul Walter Hauser, Stephen Graham, Odessa Young, Gaby Hoffman, Marc Maron, David Krumholtz, Harrison Sloan Gilbertson, Metthew Pellicano Jr.

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Springsteen: Deliver me from nowhere“

Metacritic über „Springsteen: Deliver me from nowhere“

Rotten Tomatoes über „Springsteen: Deliver me from nowhere“

Wikipedia über „Springsteen: Deliver me from nowhere“ (deutsch, englisch) und Bruce Springsteen (deutsch, englisch)

Homepage von Bruce Springsteen

AllMusic über Bruce Springsteen

Meine Besprechung von Scott Coopers „Auge um Auge“ (Out of the Furnace, USA 2013)

Meine Besprechung von Scott Coopers „Black Mass“ (Black Mass, USA 2015)

Meine Besprechung von Scott Coopers „Antlers“ (Antlers, USA 2021)