Neu im Kino/Filmkritik: „Sinn und Sinnlichkeit“, Jane Austen und die Liebe. Wieder einmal

Oktober 16, 2026

Bislang kommt Jane Austen in der Kriminalakte nur einmal ausführlicher vor. Im Zusammenhang mit Zombies. Und damit dürfte bewiesen sein, wie nahe wir uns stehen. Der Film „Stolz und Vorurteil & Zombies“ (Pride and Prejudice and Zombies, USA 2016) basiert auf Seth Grahame-Smiths Roman. Er war Teil eines damals beliebten Mash-up von gemeinfreien und immer noch populären Stoffen und einer lose darin eingefügten blutrünstigen Geschichte mit Monstern. Diese Zeit, die für Austen-Fans wahrscheinlich ein einziger Alptraum war, ist anscheinend vorbei.

Dafür werden die bekannt-beliebten Bücher von Jane Austen und Emily Brontë wieder, mehr oder weniger modernisiert, für das Kino interpretiert.

In „Sinn und Sinnlichkeit“ geht es um die um 1800 in England auf dem Land lebenden Dashwood-Schwestern Elinor (Daisy Edgar-Jones) und Marianne (Esmé Creed-Miles). Nach dem Tod ihres Vaters erfahren sie, dass das Erbe deutlich kleiner als erwartet ist. Eine Heirat könnte ihren Lebensstandard sichern. Dabei müssen die gesellschaftlichen Konventionen beachtet werden. Auch wenn das Herz für einen anderen Mann schlägt. Und auch wer den Roman nicht kennt, weiß schon bei den ersten Begegnungen von Elinor und Marianne mit Edward Ferrars (George MacKay) und John Willoughby (Frank Dillane), wie die Geschichte sich weiter entwickeln wird.

Georgia Oakley erzählt das in ihrem zweiten Spielfilm nach „Blue Jean“ mit Romantik-tauglichen Schauspielern und Schauwerten bei den Landschaften, Häusern, Kostümen und der Ausstattung. Die aus Austens Roman bekannten Konflikte und Liebesverwicklungen sind seit Jahrhunderten erprobt taschentuchgeeignet. Die Dialoge wurden aus dem Buch übernommen.

Trotzdem sprach mich nichts in Oakleys Interpretation der bekannten Geschichte an. Stattdessen fragte ich mich, warum die beiden Schwestern sich so dumm verhalten, sie nicht sofort wissen, welche Beziehungen sie mit welchen Männern eingehen sollen und langweilte mich durch die damaligen Heiratsregeln.

Das war mir durchgehend zu nah an den Schmonzetten, die ich normalerweise meide wie ein Vampir das Tageslicht.

Sinn und Sinnlichkeit (Sense and Sensibility, Großbritannien 2026)

Regie: Georgia Oakley

Drehbuch: Diana Reid

LV: Jane Austen: Sense and Sensibility, 1811 (Gefühl und Verstand; Verstand und Gefühl; Vernunft und Gefühl)

mit Daisy Edgar-Jones, Esmé Creed-Miles, Fiona Shaw, Bodhi Rae Breathnach, Caitríone Balfe, George MacKay, Frank Dillane, Stacy Martin

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „Sinn und Sinnlichkeit“

Metacritic über „Sinn und Sinnlichkeit“

Rotten Tomatoes über „Sinn und Sinnlichkeit“

Wikipedia über „Sinn und Sinnlichkeit“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Kristen Stewarts Spielfilmdebüt „The Chronology of Water“

März 8, 2026

In ihrem ungewöhnlichem Spielfilmdebüt „The Chronology of Water“ erzählt Kristen Stewart die Geschichte von Lidia Yuknavitch, einer 1963 geborenen Schwimmerin, die später Schriftstellerin wurde. In einem ihrer Bücher, dem titelgebenden „The Chronology of Water“, verarbeitet sie ihr Leben. Es geht um ihre Drogensucht, ihre Sexualität, ihre Leidenschaft für das Schwimmen (mit der Option auf eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen als Mitglied des Schwimmteams), ihre Anfänge als Schriftstellerin, unter anderem mit Ken Kesey als Universitätslehrer, und die schwierige Beziehung zu ihrem sie missbrauchenden, gewalttätigen Vater und ihrer Familie.

Kristen Stewart entdeckte das Buch 2017 und war schon nach den ersten Seiten fasziniert von der Erzählung. Sie wollte die Autorin kennen lernen und das Buch verfilmen.

Nach mehreren Kurzfilmen ist „The Chronology of Water“ ihr Spielfilmdebüt. Sie inszenierte es mit einem überschaubarem Budget, einer prominenten Besetzung und dem eindeutigen Willen, kein gewöhnliches Biopic zu inszenieren. Stewart, die auch das Drehbuch schrieb, erzählt assoziativ; auch wenn sie letztendlich weitgehend chronologisch erzählt. Sie lässt alles weg, was die Geschichte eindeutig zeitlich und örtlich verorten könnte. Sie verzichtet auf alles, was zu einer simplen Ursache-Wirkung-Erklärung führen könnte. Sie zeigt einfach nur Ereignisse und Impressionen von Ereignissen und Gefühlen. Es sind nicht immer sofort eindeutig zuordenbare Bilder und Töne.

Stilistisch orientiert Stewart sich vor allem anfangs stark an den Filmen von Jean-Luc Godard aus den sechziger Jahren. Später wird „The Chronology of Water“ zunehmend zu einer Meditation.

Immer bleibt es ein experimenteller Film, der sich nur an ein überschaubares Publikum richtet. Sehenswert ist er trotzdem.

The Chronology of Water (The Chronology of Water, USA/Frankreich/Lettland/Spanien/Großbritannien 2025)

Regie: Kristen Stewart

Drehbuch: Kristen Stewart

LV: Lidia Yuknavitch: The Chronology of Water, 2011 (In Wasser geschrieben)

mit Imogen Poots, Thora Birch, Susannah Flood, Michael Epp, Jim Belushi, Earl Cave, Esmé Creed-Miles, Tom Sturridge, Charlie Carrick, Kim Gordon

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „The Chronology of Water“

Metacritic über „The Chronology of Water“

Rotten Tomatoes über „The Chronology of Water“

Wikipedia über „The Chronology of Water“ (deutsch, englisch)