Neu im Kino/Filmkritik: „Sunny Dancer“ im Sommercamp der an Krebs erkrankten Jugendlichen

August 14, 2026

Die siebzehnjährige Ivy (Bella Ramsey) ist zum ersten Mal im Children Run Free Camp für krebskranke Jugendliche. Sie wurde von ihren Eltern gezwungen, vier Wochen des Sommers dort und nicht schlecht gelaunt in ihrem Zimmer zu verbringen. Entsprechend gründlich versucht sie möglichst alles zu sabotieren mit der Absicht, möglichst schnell nach Hause geschickt zu werden. Wenn ihr das nicht gelingt, will sie eine möglichst schlechte Zeit in dem Sommercamp verbringen.

Einige der anderen Sommercamper waren schon öfter dabei. Und wenn sie nächstes Jahr nicht wieder dabei sind, sind sie gestorben. Die Chance dafür ist ziemlich hoch. Denn sie alle haben Krebs. Sie werden in Krankenhäusern Tage, Wochen und Monate behandelt. Der Tod und Gespräche über das Sterben gehören zu ihrem Alltag.

George Jaques erzählt in seinem Film „Sunny Dancer“ von Ivys Erlebnissen in dem Camp, das sich in großen Teilen nicht von einem anderen Sommercamp unterscheidet. Die Erzieher sind seltsam. Die von ihnen initiierten Beschäftigungen nervig. Die Köchin und die Pillen reichende Krankenschwester sind, nun, Erwachsene.

Die anderen Jugendlichen sind, nachdem Ivy sie kennengelernt hat, wirklich okay. Denn sie alle haben Krebs, sind immer wieder geschwächt von ihrer Krankheit und sie müssen sich aufgrund ihrer Krankheit viel mehr mit dem Tod beschäftigen als andere Gleichaltrige. Und sie sind im ‚Chemo-Camp‘ (Ivy über das Camp) über eine längere Zeit mit Gleichaltrigen zusammen, die die gleichen Probleme haben. Endlich einmal sind sie nicht die Außenseiter, sondern sie können, ohne die besorgten Eltern, als Teenager Teenager-Dinge tun. Das ist auch der Grund, weshalb einige immer wieder kommen. Bis sie zu alt werden.

Sunny Dancer“ ist ein Feelgood-Movie für Jugendliche mit dem Herz am richtigen Fleck. Da verzeiht man die vorhersehbare Geschichte, die eigentlich eine Zusammenstellung von Episoden und Impressionen aus einem Ferienlager ist, und die brave Inszenierung.

Sunny Dancer (Sunny Dancer, Großbritannien/Deutschland 2026)

Regie: George Jaques

Drehbuch: George Jaques

mit Bella Ramsey, Neil Patrick Harris, Daniel Quinn-Toye, Ruby Stokes, Earl Cave, Conrad Khan, Jasmine Elcock, Jessica Gunning, James Norton

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Sunny Dancer“

Moviepilot über „Sunny Dancer“

Rotten Tomatoes über „Sunny Dancer“

Wikipedia über „Sunny Dancer“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Kristen Stewarts Spielfilmdebüt „The Chronology of Water“

März 8, 2026

In ihrem ungewöhnlichem Spielfilmdebüt „The Chronology of Water“ erzählt Kristen Stewart die Geschichte von Lidia Yuknavitch, einer 1963 geborenen Schwimmerin, die später Schriftstellerin wurde. In einem ihrer Bücher, dem titelgebenden „The Chronology of Water“, verarbeitet sie ihr Leben. Es geht um ihre Drogensucht, ihre Sexualität, ihre Leidenschaft für das Schwimmen (mit der Option auf eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen als Mitglied des Schwimmteams), ihre Anfänge als Schriftstellerin, unter anderem mit Ken Kesey als Universitätslehrer, und die schwierige Beziehung zu ihrem sie missbrauchenden, gewalttätigen Vater und ihrer Familie.

Kristen Stewart entdeckte das Buch 2017 und war schon nach den ersten Seiten fasziniert von der Erzählung. Sie wollte die Autorin kennen lernen und das Buch verfilmen.

Nach mehreren Kurzfilmen ist „The Chronology of Water“ ihr Spielfilmdebüt. Sie inszenierte es mit einem überschaubarem Budget, einer prominenten Besetzung und dem eindeutigen Willen, kein gewöhnliches Biopic zu inszenieren. Stewart, die auch das Drehbuch schrieb, erzählt assoziativ; auch wenn sie letztendlich weitgehend chronologisch erzählt. Sie lässt alles weg, was die Geschichte eindeutig zeitlich und örtlich verorten könnte. Sie verzichtet auf alles, was zu einer simplen Ursache-Wirkung-Erklärung führen könnte. Sie zeigt einfach nur Ereignisse und Impressionen von Ereignissen und Gefühlen. Es sind nicht immer sofort eindeutig zuordenbare Bilder und Töne.

Stilistisch orientiert Stewart sich vor allem anfangs stark an den Filmen von Jean-Luc Godard aus den sechziger Jahren. Später wird „The Chronology of Water“ zunehmend zu einer Meditation.

Immer bleibt es ein experimenteller Film, der sich nur an ein überschaubares Publikum richtet. Sehenswert ist er trotzdem.

The Chronology of Water (The Chronology of Water, USA/Frankreich/Lettland/Spanien/Großbritannien 2025)

Regie: Kristen Stewart

Drehbuch: Kristen Stewart

LV: Lidia Yuknavitch: The Chronology of Water, 2011 (In Wasser geschrieben)

mit Imogen Poots, Thora Birch, Susannah Flood, Michael Epp, Jim Belushi, Earl Cave, Esmé Creed-Miles, Tom Sturridge, Charlie Carrick, Kim Gordon

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Chronology of Water“

Metacritic über „The Chronology of Water“

Rotten Tomatoes über „The Chronology of Water“

Wikipedia über „The Chronology of Water“ (deutsch, englisch)