Neu im Kino/Filmkritik: Die abgedrehte Science-Fiction-Apokalypse „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

März 13, 2026

Ein x-beliebiger Diner in Los Angeles an einem x-beliebigen Abend mit einer ebenso x-beliebigen Kundschaft. So sieht es auf den ersten Blick aus. Bis ein seltsam kostümierter Mann auftaucht, der von seiner Kleidung, seinem Aussehen und seinem Habitus ein Obachloser ist. In einer großen Rede behauptet er, er sei aus der Zukunft, er und einige auserwählte Diner-Gäste könnten eine in wenigen Stunden anstehende Katastrophe verhindertn. Falls sie ihn freiwillig begleiten und diese Nacht überleben. Auch das ist, wie jeder Großstadt-Bewohner und -Besucher weiß, nicht ungewöhnlich.

Ungewöhnlich ist dann, dass dieser Mann, nennen wir ihn den Mann aus der Zukunft, wirklich aus der Zukunft kommt und er wirklich eine die Welt vernichtende Katastrophe verhindern will. Zögernd erklären sich einige Diner-Gäste bereit, ihm zu helfen. Gemeinsam macht sich diese Gruppe höchst seltsamer Weltretter auf den Weg. Auch der Mann aus der Zukunft hält sie für eine sehr ungewöhnliche Gruppe. Auf den ersten Blick hat sie keine Chance, die Welt zu retten. Aber der Zeitreisende hat schon 116 erfolglose Versuche hinter sich. Immer mit anders zusammengestellten Gruppen von Diner-Gästen, die er irgendwann einmal für erfolgversprechender hielt. Also versucht er es mit diesen Nobodys – und viel mehr soll nicht über Gore Verbinskis neuesten Film „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ verraten werden.

Es handelt sich um den abgedrehtesten Science-Fiction-Film seit Ewigkeiten. Die Story verbreitet ein kräftiges „12 Monkeys“-Gefühl. Schließlich geht es auch in Verbinskis Film um eine Zeitreise, ein offensichtlicher Nobody (gespielt von Sam Rockwell) soll die Welt retten und die Mission ist ziemlich aussichtslos. Verbinski erzählt dies äußerst humorvoll, sarkastisch, pointiert und kurzweilig. Während die Mission immer mehr aus dem Ruder läuft, aber auch erfolgreicher als viele frühere Versuchte ist, erzählt Verbinski in gut platzierten Rückblenden, wer die Begleiter des Zeitreisenden sind und warum sie ihn begleiten. In den Momenten gibt es auch etwas Medien- und Gesellschaftskritik. Die heutige, oft erschreckend gedankenlose Nutzung von Handys, Computern, Virtual Reality und Künstlicher Intelligenz wird kritisiert. Satirisch übertrieben wird auf die Gefahren der Technik hingewiesen. Es gibt Klone von toten Kindern und einen erschreckend legeren Umgang mit den Folgen von Schulmassakern. Denn wenn man nach einer Schulschießerei einen Klon von seinem Sohn bestellen kann, ist so ein gewaltsamer Tod nicht mehr so schmerzhaft. Außerdem kann man den Klon-Sohn nach seinen Vorstellungen erschaffen.

In den Rückblenden nehmen Regisseur Verbinski und Drehbuchautor Matthew Robinson sich die aktuellen Schlagzeilen und die Gesellschaft bewegenden Themen vor, während der Zeitreisende und seine Weltretter sich durch das nächtliche Los Angeles auf dem Weg zum Ziel ihrer Mission schlagen. Dabei begegnen sie immer absurderen und lebensgefährlicheren Gefahren.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ ist ein Volltreffer als schwarzhumorige Science-Fiction-Satire. Die Gesellschaftskritik ist sicher nicht besonders subtil, aber treffend. Und das Ende ist…stark.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die (Good Luck, Have Fun, Don’t Die, USA/Deutschland 2025)

Regie: Gore Verbinski

Drehbuch: Matthew Robinson

mit Sam Rockwell, Juno Temple, Haley Lu Richardson, Michael Peña, Zazie Beetz, Asim Chaudhry, Tom Taylor, Georgia Goodman, Daniel Barnett, Artie Wilkinson-Hunt, Riccardo Drayton

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Moviepilot über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Metacritic über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Rotten Tomatoes über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Wikipedia über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gore Verbinskis „The Lone Ranger“ (The Lone Ranger, USA 2013)

Meine Besprechung von Gore Verbinskis „A Cure for Wellness“ (A Cure for Wellness, USA/Deutschland 2016)


TV-Tipp für den 14. April: Split

April 14, 2019

Pro 7, 22.35

Split (Split, USA 2017)

Regie: M. Night Shyamalan

Drehbuch: M. Night Shyamalan

Die eigentliche Story – ein Irrer entführt Mädchen – bildet nur das Fundament für eine faszinierende schauspielerische Tour de Force für James McAvoy, der den Kidnapper spielt. In dem fiesen kleinen B-Thriller spielt er überzeugend acht absolut verschiedene Persönlichkeiten. Allein das macht den Psychothriller sehenswert.

Nach etlichen Misserfolgen hatte „The Sixth Sense“-Regisseur M. Night Shyamalan „Split“ wieder einen Hit. Nach dem Kinostart von „Split“ erklärte er, dass „Split“ der Mittelteil einer Trilogie sei, die mit „Unbreakable“ begann und 2019 mit „Glass“ nicht besonders überzeugend endete.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Betty Buckley, Haley Lu Richardson, Jessica Sula, Brad William Henke, Sebastian Arcelus, Neal Huff, Bruce Willis (Cameo am Ende)

Wiederholung: Montag, 15. April, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Split“

Metacritic über „Split“

Rotten Tomatoes über „Split“

Wikipedia über „Split“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „After Earth“ (After Earth, USA 2013)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Split“ (Split, USA 2017)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Glass“ (Glass, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: James McAvoy ist „Split“

Januar 27, 2017

Auf einem Shopping-Mall-Parkplatz steigt Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) in ein Auto ein und betäubt die drei in ihm sitzenden Schülerinnen. In einem Zimmer wachen Casey (Anya Taylor-Joy), Marcia (Jessica Sula) und Claire (Haley Lu Richardson) auf. Noch während sie überlegen, wie sie sich gegen ihren Entführer wehren und flüchten können, bemerken sie, dass der hochgradig gestört ist.

Seine Psychiaterin Dr. Fletcher (Betty Buckley) hat bis jetzt insgesamt dreiundzwanzig Persönlichkeiten (von denen wir im Film nur einige sehen) bei ihm diagnostiziert. Und mindestens eine weitere Persönlichkeit verbirgt Kevin vor ihr.

The Sixt Sense“- und „Unbreakable – Unzerbrechlich“-Regisseur M. Night Shyamalans neuer Film „Split“ entstand wie sein letzter Film „The Visit“ für Blumhouse Productions, die vor allem für ultrabillige Horrorfilme bekannt ist. Nachdem Shyamalans vorherige Film Flops waren, kam „The Visit“ bei der Kritik ganz gut an und spielte auch seine Kosten locker ein. Das wird bei seiner zweiten Zusammenarbeit mit Blumhouse Productions, der weitere folgen können, ebenfalls kein Problem sein. Schließlich konzentriert sich die Geschichte auf wenige Schauplätze und Schauspieler.

Split“ ist vor allem eine schauspielerische Leistungsschau für James McAvoy. Er spielt insgesamt acht verschiedene Persönlichkeiten, die alle mehr oder weniger verrückt sind, ohne sie zu Parodien zu machen. Eine von Kevins Persönlichkeiten ist ein Kind, eine andere eine Frau. Bedrohlich sind sie alle. Auch weil das Motiv und die Absichten von Kevin im Dunkeln bleiben.

Und trotzdem überzeugt „Split“ nicht restlos. Mit gut zwei Stunden Laufzeit ist das kleine B-Picture eine halbe Stunde zu lang geraten. Der Thriller ist nämlich in erster Linie eine Charakterstudie, in der James McAvoy brillieren kann. Die Story plätschert dagegen, gestreckt um Rückblenden in Caseys Kindheit und lange Analysen von Kevins Psychiaterin, die seinen Fall von massiver dissoziativer Identitätsstörung gerne der Wissenschaftler-Gemeinde vorstellen möchte, vor sich hin. Dabei bringen die Subplots, vor allem in der präsentierten epischen Länge, den Hauptplot nicht voran. Es sind schlecht integrierte Red Herrings. Auch das halb offene Ende des Films hat nicht die Qualität des Endes von „The Sixth Sense“ oder „Die üblichen Verdächtigen“. Da wollte man sich nach dem überraschenden Ende den Film gleich noch einmal ansehen, um all die beim ersten Mal übersehenen Hinweise auf die Lösung zu sehen. Das wird einem bei „Split“ nicht passieren.

Bis auf zwei Enthüllungen am Ende (einmal der Schauplatz, einmal ein Cameo), die der Geschichte eine neue Dimension verleihen können, erzählt Shyamalan in seinem neuesten Film nur die altvertraute Geschichte von dem Irren, der Mädchen entführt.

Das ist nicht schlecht und hat auch eine angenehm altmodische Ausstrahlung. Aber nur in wenigen Momenten erreicht „Split“ die verstörende Intensität alter B-Pictures, von denen Shyamalan sich inspirieren ließ.

split-plakat

Split (Split, USA 2017)

Regie: M. Night Shyamalan

Drehbuch: M. Night Shyamalan

mit James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Betty Buckley, Haley Lu Richardson, Jessica Sula, Brad William Henke, Sebastian Arcelus, Neal Huff

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Split“

Metacritic über „Split“

Rotten Tomatoes über „Split“

Wikipedia über „Split“ (deutsch, englisch) (VORSICHT Spoilergefahr!)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „After Earth“ (After Earth, USA 2013)