Neu im Kino/Filmkritik: Über die Colleen-Hoover-Verfilmung „Verity – Dunkle Geheimnisse“

Oktober 2, 2026

Bekannt ist Colleen Hoover für ihre erfolgreichen Young/New Adult-Liebesromane, von denen inzwischen auch drei fürs Kino verfilmt wurden.

„Verity – Dunkle Geheimnisse“ ist ihr erster Thriller. Ein Kollege, der den Roman gelesen hatte, verriet mir nach der Pressevorführung, dass der Roman sehr frei verfilmt wurde. Die Vorlage gefiel ihm besser.

Hoover, die zu den Produzenten des Films gehört, meint: „It’s still a great reflection of the book.“

Im Film wird die nicht so wahnsinnig erfolgreiche Thrillerautorin Lowen Ashleigh (Dakota Johnson) engagiert, der Thriller-Königin Verity Crawford (Anne Hathaway) bei ihrem neuen Buch zu helfen. Verity schreibt sehr erfolgreiche und sehr brutale Thriller, in denen sie sich in die Psyche des Täter hineinversetzt.

Als Lowen bei den Crawfords ankommt, erfährt sie, dass sie Verity nicht beim Schreiben des Buches helfen soll. Sie soll das Buch und die nächsten Bücher ganz allein schreiben. Denn Verity liegt schon einige Zeit vollständig gelähmt im Bett. Wie sie in diesen Zustand kam, wird erst viel später im Film verraten. Warum Veritys Verlag und auch sonst niemand etwas davon weiß, erfahren wir nie.

„Verity – Dunkle Geheimnisse“ ist ein 08/15-Lady-Thriller, der sich banal, jedes Klischee mitnehmend, überraschungsfrei bis zum ebenso überraschungsfreien Ende bewegt. Jeder Satz, jeder Dialog, jede Szene, jede Entwicklung kommt aus dem Klischeebaukasten. Gleiches gilt für die Figuren. Und wer nach Logiklöchern und Unplausibilitäten sucht, wird einen Großkampftag erleben.

Garniert wird die banale Thrillergeschichte, genrekonform und erwartungsgemäß, mit einer Liebesgeschichte. Denn selbstverständlich verlieben sich die Ghostwriterin Lowen und Veritys überaus liebevoller, treusorgender, verständnisvoller und gut aussehender Ehemann und Vater Jeremy (Josh Hartnett) ineinander.

Das ist alles so vorhersehbar und so wirklichkeitsfern, dass es nie spannend wird. Es wird noch nicht einmal interessant. Immerhin ist dieser Romantic-Thriller professionell inszeniert mit guten, aber sträflich unterforderten Schauspielern in nobler Ambiente mit Wald- und Seeblick.

Während des gesamten Films fragte ich mich, was Donald E. Westlake (der Autor der Vorlage für „No other choice“) daraus gemacht hätte. Und schon hatte ich Ideen für mindestens ein Dutzend bessere Filme. Was wäre, wenn…

Verity – Dunkle Geheimnisse (Verity, USA 2026)

Regie: Michael Showalter

Drehbuch: Nick Antosca

LV: Colleen Hoover: Verity, 2018 (Verity)

mit Anne Hathaway, Dakota Johnson, Josh Hartnett, Ismael Cruz Cordova, Brady Wagner

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Verity – Dunkle Geheimnisse“

Metacritic über „Verity – Dunkle Geheimnisse“

Rotten Tomatoes über „Verity – Dunkle Geheimnisse“

Wikipedia über „Verity – Dunkle Geheimnisse“ (Buch: deutsch, englisch; Film: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Michael Showalters „Spoiler Alarm“ (Spoiler Alert, USA 2022)

Meine Besprechung von Vanessa Caswills Colleen-Hoover-Verfilmung „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ (Reminders of Him, USA 2026)


Neu im Kino/Filmkritik: Neid und Missgunst in königlichen Gemächer: „Maria Stuart, Königin von Schottland“ und „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ bei Königin Anne

Januar 24, 2019

Für die Fans des britischen Königshauses, die es gerne mit der rosaroten Brille haben, dürften beide Filme nichts sein. Einmal wird Maria Stuart durch die feministische Brille neu betrachtet, einmal gibt es Neid und Missgunst am Hofe von Königin Anne und die Männer stehen, hübsch geschminkt und kostümiert, am Spielfeldrand. Yorgos Lanthimos‘ „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ ist eine grandiose, tiefschwarze Komödie. Josie Bourkes „Maria Stuart, Königin von Schottland“ wirkt dagegen wie ein Lore-Roman.

Als Achtzehnjährige kehrt Maria Stuart (Saoirse Ronan) 1561 als Witwe aus Frankreich nach Schottland zurück. Sie präsentiert sich als freigeistige Herrscherin. Anstatt ihrem Volk die Religion vorzugeben, dürfen sie Protestanten bleiben, während sie Katholikin ist. Für sie ist Schottland nur eine Station auf dem Weg nach London. Denn sie ist, nach der Erbfolge, die rechtmäßige Herrscherin des englischen Königreichs. Ein Anspruch, der während des gesamten Films nie ernsthaft bestritten wird.

Trotzdem will Königin Elizabeth I (Margot Robbie) die Krone nicht abgeben.

Während in den kitschigen Adelsschmonzetten die Liebe im Mittelpunkt steht, geht es in „Maria Stuart, Königin von Schottland“ um die weltliche Macht. Heirat ist dabei nur ein Arrangement, um einen Thronnachfolger zu zeugen. Dafür braucht Maria Stuart einen Mann (den sie als Friedensangebot gegenüber Königin Elizabeth heiratet) und seinen Samen. Dass er homosexuell ist, ist ihr egal. Sowieso geht es an ihrem Hof in jeder Beziehung sehr leger zu.

Das sind in einem Kostümdrama schon einige neue Töne. Aber Theaterregisseurin Josie Rourke gelingt es in ihrem Filmdebüt nicht, daraus mehr als eine längliches Drama zu machen. Der Konflikt zwischen Maria Stuart und Königin Elizabeth stagniert, die Intrigen zwischen weltlicher und geistlicher Macht (bzw. Mächten) und die Heiratspolitik interessiert höchstens Historiker, die diesen Historienstreifen zum Anlass genommen haben, über die richtige Interpretation von Maria Stuart zu streiten. Die können sicher auch sofort erklären, ob der Hofstaat von Mary Stuart wirklich ethisch so divers wie im Film war.

„The Favourite“ ist dagegen grandioses Schauspielerkino, das den Königshof als einziges Intrigantenstadl zeichnet und fröhlich die historische Korrektheit ignoriert. Im Gegensatz zu anderen Filmen, in denen ständig die historische Genauigkeit betont und dann von Fachleuten bestritten wird, werden die Macher von „The Favourite“ nicht müde zu betonen, dass sie sich viele Freiheiten erlaubten. Dem Film schadete es nicht. Es ist ein sehr zeitgenössisches Werk, in dem zwei Frauen um ihre Stelle bei der Königin kämpfen.

Königin Anne (Olivia Colman, grandios!!!) ist die Herrscherin des Königreichs, als es zum Königreich Großbritannien wird und zur Weltmacht aufsteigt. Sie ist kränklich, hat schwere Gicht und ist übergewichtig. Trotz 17 Geburten zeugt sie keinen Thronfolger. Sie war die letzte Regentin aus dem Hause Stuart.

Sie gilt als schwach und manipulierbar. Ihre Cousine und Vertraute Lady Sarah Churchill, Herzogin von Marlborough (Rachel Weisz), übernimmt dagegen die Regierungsgeschäfte.

Ungefähr um 1700 taucht Abigail Masham (Emma Stone) am königlichen Hof auf. Also genaugenommen wird sie mit einem Tritt aus der Kutsche in den Matsch vor dem Palast gestoßen. Schon in dem Moment ist klar, dass Lanthimos Film kein Heile-Welt-Film wird. Mit Abigail ändert sich das Machtgefüge am Hof. Zunächst muss die arme Verwandte der Königin als Magd den Küchenboden schrubben. Doch schnell schleimt sie sich bei der Königin ein.

Lanthinos („The Lobster“, „The Killing of a sacred Deer“) inszeniert einen herrlich dekadenten Zickenkrieg, in dem immer wieder unklar ist, wer hier gerade wen manipuliert und drei Schauspielerinnen brillieren dürfen.

In den vergangenen Wochen wurde der Film zu recht mit Lob, Nominierungen und Preisen überschüttet. Der aktueller Höhepunkt sind die zehn Oscar-Nominierungen in den Kategorien „Bester Film“ (Ceci Dempsey, Ed Guiney, Yorgos Lanthimos, Lee Magiday), „Beste Regie“ (Yorgos Lanthimos), „Bestes Originaldrehbuch“ (Deborah Davis, Tony McNamara), „Beste Hauptdarstellerin“ (Olivia Colman), „Beste Nebendarstellerin“ (Emma Stone), „Beste Nebendarstellerin“ (
Rachel Weisz), „Beste Kamera“ (Robbie Ryan), „Bester Schnitt“ (Yorgos Mavropsaridis), „Bestes Szenenbild“ (Fiona Crombie, Alice Felton) und „Bestes Kostümdesign“ (Sandy Powell).

„The Favourite“ ist ein früher Höhepunkt des diesjährigen Kinojahrs.

Maria Stuart, Königin von Schottland (Mary, Queen of Scots, Großbritannien 2018)

Regie: Josie Rourke

Drehbuch: Beau Willimon

LV: John Guy: Queen of Scots: The True Life of Mary Stuart, 2004

mit Saoirse Ronan, Margot Robbie, Jack Lowden, Joe Alwyn, David Tennant, Guy Pierce, Gemma Chan, Martin Compston, Ismael Cruz Cordova, Brendan Coyle, Ian Hart, Adrian Lester

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Maria Stuart, Königin von Schottland“

Metacritic über „Maria Stuart, Königin von Schottland“

Rotten Tomatoes über „Maria Stuart, Königin von Schottland“

Wikipedia über „Maria Stuart, Königin von Schottland“ (deutsch, englisch)

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The Favourite – Intrigen und Irrsinn (The Favourite, USA 2018)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Deborah Davis, Tony McNamara

mit Olivia Colman, Emma Stone, 
Rachel Weisz, Nicholas Hoult, Joe Alwyn, Mark Gattis, James Smith

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Favourite“

Metacritic über „The Favourite“

Rotten Tomatoes über „The Favourite“

Wikipedia über „The Favourite“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)