Der Anfang ist fantastisch: die Macher haben für ihren Horrorfilm „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ ein 80er-Jahre-Horror-Franchise erfunden und präsentieren jetzt neben der schnell zusammengefassten Geschichte der verschiedenen Filme und dem rapiden Niedergang der Serie nach dem ersten Film (Remember „Halloween“?), die gesamte Welt der „Camp Miasma“-Filme mit Plakaten, Set-Impressionen, Requisiten, Devotionalien, dem über Jahre entstandenem Merchandise und den vielen verschiedenen Veröffentlichungen der Filme von VHS zu DVD zu Blu-ray. In wenigen Minuten wird der gesamte Kosmos eines Horror-Franchise gezeigt. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man glauben, dass es die „Camp Miasma“-Filme wirklich gibt und man sie blöderweise bis jetzt verpasste.
Kris (Hannah Einbinder, „Hacks“) ist ein Fan der Serie. Nicht der fanatischste Fan der Serie, aber fast. Außerdem ist sie Regisseurin und jetzt will sie ein Reboot der Serie inszenieren. Natürlich mit Respekt vor dem Original, den ersten Film fortführen, rebooten und mit einem neuen Dreh in die Gegenwart befördern. Ihre queere Identität will sie dabei nicht verleugnen, sondern in das Zentrum des Films stellen. Es soll ein Film für die alten Fans sein – und eine vollkommen neue Fanbase erschaffen. Auch die Heldin des ersten Films, die zurückgezogen lebende Billy (Gillian Anderson; bekannt aus der Horrorserie „Akte X“), soll wieder mitspielen.
Um Billy zu überzeugen die Rolle anzunehmen, fährt Kris zu ihr. Mitten im Winter (Äh, wann spielten die „Camp Miasma“-Filme?) zu ihrem einsam gelegenem Haus…am Drehort der Horrorfilme. Und als ob das noch nicht verdächtig genug wäre, lebt Billy im Set und der Welt der „Camp Miasma“-Filme. Da fragt sich nicht nur Kris, ob Billy gerade eine Norma-Desmond-„Boulevard der Dämmerung“-Existenz auslebt, komplett verrückt ist oder die Verrückte spielt.
Diese Frage, garniert mit vielen Dialogen und Diskursen über den 80er-Jahre-Horrorfilm, das damalige Frauenbild, den Zustand von Hollywood, verschiedene Formen von Sexualität und der „Wahrheit“ von Horrorfilmen, also was wäre, wenn es das Monster aus den Camp Miasma wirklich gäbe, steht dann im Zentrum des von Jane Schoenbrun („I saw the TV glow“) inszenierten Films. Dieser spielt hauptsächlich in einer Nacht in Billys Haus und besteht aus einem Gespräch zwischen der alten, von der Welt vergessenen Schauspielerin und der jungen Regisseurin, zwischen dem Star und ihrem Fan, garniert mit einigen Ausflügen in die nicht (?) reale Welt von Camp Miasma.
Dieser Dialog zwischen den beiden Frauen und die Inszenierung ergehen sich, besoffen von der eigenen Schlauheit, in Meta-Ebenen. Da werden dann gleichzeitig alle Erwartungen bedient. Da wird man zuerst über die Klischees der Slasherfilme belehrt, ehe eine spärlich bekleidete Schönheit in knappstem T-Shirt kreischend in Zeitlupe vor dem Monster wegläuft und ihr T-Shirt immer feuchter wird.
Es gibt etwas lesbischen Sex. Den gab es auch in den alten Horrorfilmen; auch wenn in europäischen Filmen mehr, also weniger Bekleidung, gezeigt wurde. Damals wurden einfach nur die Gelüste lüsterner Jungs befriedigt. Jetzt gibt es die popkulturelle Einordnung – und die lüsternen Jungs dürfen wieder die gleichen Bilder angucken.
Diese Idee eines zitatfreudigen Metafilms, der gleichzeitig als richtiger Horrorfilm und als Grundlage für Universitätsseminare funktioniert, trägt dann nicht über zwei Stunden. Die Handlungen und Motive von vor allem Billy zunehmend beliebig. Von dem einen zum nächsten Bild wechselt sie den Charakter, erklärt es zum Scherz und verneint den Scherz. Die Filmgeschichte wird zunehmend abstrus; auch wenn spätestens nach Kris‘ Ankunft in Billys Haus jede Anmutung eines realistischen Films beherzt zur Seite geschoben wird. Ab diesem Moment wird „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ von einer Traumlogik irgendwo zwischen Schmalspur-David-Lynch und Schmalspur-Surrealismus beherrscht.
Der Meta-Horrorfilm konzentriert sich zu sehr auf das immer redundanter, abgedrehter und in seiner Beliebigkeit uninteressanter werdende Gespräch zwischen Kris und Billy. Er stellt in den verschiedenen übereinander gestapelten, sich teilweise widersprechende und in ihren Erklärungen aufhebenden Meta-Ebenen und Zitaten zu sehr sein Wissen heraus. Irgendwann ist nur noch eine interpretationsoffene Beliebigkeit vorhanden.

Teenage Sex and Death at Camp Miasma (Teenage Sex and Death at Camp Miasma, USA/Kanada 2026)
Regie: Jane Schoenbrun
Drehbuch: Jane Schoenbrun
mit Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Jack Haven, Amanda Fix, Arthur Conti, Eva Victor, Zach Gerry, Sarah Sherman, Patrick Fischler, Dylan Baker
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“
Metacritic über „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“
Rotten Tomatoes über „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“
Wikipedia über „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ (deutsch, englisch)
Veröffentlicht von AxelB