Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Die Schafe, der Mord und die Bestseller-Verfilmung „Glennkill: Ein Schafskrimi“

Mai 14, 2026

Einiges muss man einfach akzeptieren. Nein, nicht dass Schafe reden und einen Mordfall lösen. Sondern dass alle Schafe in „Glennkill“ fotorealistisch animiert sind. Sie sehen immer etwas unnatürlich aus.

Diese Schafe gehören dem Schäfer George Hardy (Hugh Jackman) (im Buch George Glenn). Der liegt eines Tages, mit einem Spaten in seinem Körper, auf seiner Wiese. Offensichtlich wurde er ermordet. Seine Schafherde, angeführt von der schlauen Lily (im Buch Miss Maples), will herausfinden, wer ihren liebenswerten Schäfer brutal ermordete.

Die Idee für diese Geschichte stammt von Leonie Swann. Sie schrieb den Rätselkrimi „Glennkill“, der 2005 ein Überraschungs-Bestseller wurde und 2006 den Friedrich-Glauser-Preis als bester deutschsprachiger Debütkriminalroman erhielt. Denn Leonie Swann ist eine deutsche Autorin und „Glennkill“ erschien ursprünglich auf Deutsch.

Zahlreiche Übersetzungen, auch ins Englische, folgten. Dort erschien der Roman 2008 unter dem Titel „Three Bags Full: A Sheep Detective Story“.

Die Verfilmung heißt jetzt, um die Verwirrung zu vervollständigen, im Original (also im angloamerikanischen Raum) „The Sheep Detectives“. Als hätte man nicht einfach bei „Glennkill“ bleiben können.

Schnell gab es Pläne für eine Verfilmung und rechtliche Probleme. Denn es war unklar, wie sich eine deutsche und eine internationale Verfilmung (bzw. eine Hollywood-Verfilmung) zueinander verhalten sollten. Nachdem das geklärt war, war eine Hollywood-Verfilmung möglich. Außerdem hat sich die Tricktechnik in den vergangenen zwanzig Jahren enorm weiterentwickelt. Die „Avatar“-Filme und einige Disney-Live-Action-Filme, wie „The Jungle Book“ und „Der König der Löwen“, zeigten, wie gut Menschen, animierte Tiere (oder andere Lebewesen) und mehr oder weniger reale Landschaften miteinander interagieren können.

Inszeniert wurde der Krimi jetzt von Kyle Balda („Minions“, „Ich – Einfach unverbesserlich 3“, „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“). Craig Mazin („The Huntsman & The Ice Queen“, „Chernobyl“, „The Last of Us“) schrieb das Drehbuch.

Die von Mazin erfundene Filmgeschichte übernimmt aus dem Roman die Prämisse und die Idee, den Kriminalfall aus der Sicht von Schafen zu erzählen. Der nun folgende Kriminalfall im Film hat nichts mit dem Fall im Roman zu tun. Das gilt selbstverständlich auch für den Täter und sein Motiv. Mazin veränderte und erfand viele Personen. So ist der ermordete Schäfer im Film viel netter als im Roman. Er hat auch einen besseren literarischen Geschmack. Im Film liest George seinen auf der Wiese grasenden Schafen Kriminalromane vor und vermittelt ihnen so das Handwerkszeug, um den Mordfall aufzuklären. Im Buch liest er ihnen vor allem schnulzige Liebesromane vor. Im Buch ist der Kriminalfall kaum bis überhaupt nicht vorhanden. Entsprechend wenig ermtteln die Schafe.

Das sind aber nur Details. Der größte und wichtigste Unterschied ist, dass der Film von Menschen gemacht wurde, die die Regeln des Rätselkrimis kennen, respektieren und lieben. Ihr „Glennkill“ ist ein aus einer ungewöhnlichen Perspektive erzählter witziger Rätselkrimi und eine Reflexion über die Regeln des Rätselkrimis.

Der Roman wurde offensichtlich von jemand geschrieben, dem das egal ist. Die Geschichte wurde lieblos in ein Krimi-Korsett gezwängt, weil Krimis sich verkaufen. Vor allem wenn sie mild humoristisch sind. Vor zwanzig Jahren waren schon seit längerem Katzenkrimis sehr beliebt. Schafe sind da nur andere Vierbeiner, die dem Publikum gefallen könnten. Diese Egal-Einstellung gegenüber dem Krimi-Genre zeigt sich auch daran, dass Leonie Swann ihren Schäfer Liebesromane vorlesen lässt. Der Roman-George liest ihnen Schnulzen vor. Seine Erbin Rebecca liest ihnen Emily Brontës „Wuthering Heigths“ vor.

Das macht Swanns Roman zu einem wenig überzeugendem Möchtegern-Kriminalroman und Baldas Film zu einem rundum überzeugendem cozy Rätselkrimi mit einem deutlich erkennbarem humoristischem Einschlag.

Pünktlich zum Filmstart erschien vor wenigen Tagen Leonie Swanns dritter Schafskrimi. „Widdersehen“ spielt nach dem Frankreichausflug „Garou“ wieder auf der aus „Glennkill“ bekannten irischen Wiese. Aber sie sieht nicht mehr so schön aus wie früher. Als dann auch noch ihre Schäferin Rebecca spurlos verschwindet, müssen Miss Maple und die Schafherde wieder ermitteln. Ihre einzigen Spuren sind ein Finger und ein Brief, den die Schafe nicht lesen können.

Glennkill: Ein Schafskrimi (The Sheep Detectives, USA 2026)

Regie: Kyle Balda

Drehbuch: Craig Mazin

LV: Leonie Swann: Glennkill, 2005

mit Hugh Jackman, Nicholas Braun, Nicholas Galitzine, Molly Gordon, Hong Chau, Emma Thompson, Tosin Cole, Kobna Holdbrook-Smith, Conleth Hill, Mandeep Dhillon

(im Original den Stimmen von) Julia Louis-Dreyfus, Chris O’Dowd, Regina Hall, Brett Goldstein, Rhys Darby, Patrick Stewart, Tommy Birchall, Bryan Cranston, Bella Ramsey

(in der deutschen Synchronisation mit dem Stimmen von) Anke Engelke, Bastian Pastewka

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Die Vorlage, neu aufgelegt bei einem neuen Verlag

Leonie Swann: Glennkill

Dumont, 2026

416 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Goldmann, 2005

Die weiteren Schafskrimis von Leonie Swann mit den schlauen irischen Schafen und ihrer Schäferin Rebecca

Leonie Swann: Garou

Dumont, 2026

448 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Goldmann, 2010

Leonie Swann: Widdersehen

Dumont, 2026

336 Seiten

25 Euro

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Glennkill“

Metacritic über „Glennkill“

Rotten Tomatoes über „Glennkill“

Wikipedia über „Glennkill“ (Verfilmung: deutsch, englisch; Roman: deutsch, englisch) und Leonie Swann (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kyle Balda/Brad Ableson (Co-Regie)/Jonathan del Vals (Co-Regie) „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ (Minions: The Rise of Gru, USA 2022)

Dumont über Leonie Swann

Perlentaucher über Leonie Swann

Mein Hinweis auf Leonie Swanns „Widdersehen“-Lesereise


Neu im Kino/Filmkritik: Die „Thunderbolts*“ rocken das MCU

Mai 1, 2025

Es geht doch. Nachdem ungefähr alle Marvel-Filme seit dem Ende der Infinity-Saga und dem Riesenerfolg von „Avengers: Endgame“ mehr oder weniger große Enttäuschungen waren und auch jetzt, weit in der sogenannten Multiverse-Saga, immer noch kein Zusammenhang zwischen den einzelnen Filmen erkennbar ist, wird mit „Thunderbolts*“, dem 36. MCU-Film und dem sechsten und finalen Film der fünften Phase, ein kurzweiliger und insgesamt sehr gelungener Superheldenfilm präsentiert.

Wie Marvel-Fans wissen, fassen die Macher im Marvel Cinematic Universe (MCU) ihre Filme zusammen in mehrere Filme umfassende Phasen und diese wiederum in einer mehrere Phasen umfassenden Saga zusammen. Damit wird zwischen den Filmen ein Zusammenhang und eine mehrere Filme umfassende Kontinuität hergestellt; auch weil die Helden eines Filmes mehr oder weniger umfassende Gastauftritte in anderen Filmen haben und Ensemblemitglieder mehr oder weniger oft in anderen Filmen mitspielen. Das führte zu einer gelungenen Balance zwischen Einzelfilmen, einer größeren Welt, in der alles spielt, und sich über mehrere Filme entwickelnden Plots. Es war eine Balance zwischen ’neu‘ und ‚vertraut‘.

In der Multiverse-Saga wurde diese Balance in die Tonne getreten. Neue Helden wurden in Einzelfilmen pompös eingeführt und anschließend links liegen gelassen. Ein Zusammenhang zwischen den Filmen ist nicht mehr erkennbar.

Inzwischen vermute ich, dass das Label Multiverse-Saga nicht für einen irgendwie gearteten Zusammenhang zwischen den Filmen steht, sondern dass die propagierte Existenz verschiedener Universen einfach dazu dient, voneinander vollkommen unabhängige Geschichten zu erzählen, die in verschiedenen Welten spielen. So wie die in in Berlin spielenden „Tatorte“, außer dem Handlungsort, nichts mit „Ein starkes Team“ zu tun haben.

Und so hat „Thunderbolts“ nur sehr, sehr lose etwas mit den vorherigen Filmen und Streamingserien, die zum vollen Verständnis der Filme auch angesehen werden sollten, zu tun. Die Geschichte von Yelena Belova, der Schwester der verstorbenen „Black Widow“ Natasha Romanoff (erster Film der vierten Phase, Auftakt der Multiverse-Saga, aber eigentlich ein Nachschlag zur Infinity-Saga), wird weiter erzählt und in einem Satz wird erwähnt, dass der vorherige Präsident zum Red Hulk wurde (was wir in „Captain America: Brave New World“ erleiden mussten).

Yelena Belova (Florence Pugh) arbeitet jetzt für die CIA-Direktorin Valentina Allegra de Fontaine (Julia Louis-Dreyfus). Davor war sie leitendes Mitglied eines Unternehmens in schief gelaufene Superhelden-Experimente involviert. Jetzt, mit einem Kongressausschuss im Nacken, will sie die Beweise für diese Experimente vernichten.

Dafür schickt sie, unabhängig voneinander, vier ihrer Auftragskiller zu einem einsam in der Wüste gelegenem Labor. Als die vier Killer in dem unterirdischen Labor aufeinander treffen und Taskmaster (Olga Kurylenko) von einem von ihnen getötet wird, erkennen sie, dass sie von de Fontaine beauftragt wurden, sich gegenseitig zu töten. In dem Labor treffen Yelena, ‚Captain America‘ John Walker (Wyatt Russell) und ‚Ghost‘ Ava Starr (Hannah John-Kamen) außerdem auf einen jungen, offensichtlich desorientierten Mann, der sich Bob (Lewis Pullman) nennt.

Gemeinsam beschließen sie gegen de Fontaine zu kämpfen. Und weil die verbrecherische CIA-Chefin über das gesamte Militär und Spezialeinheiten verfügen kann, sind sie froh über die Hilfe von ‚Red Guardian‘ Alexei Shostakov (David Harbour) und ‚Winter Soldier‘ Bucky Barnes (Sebastian Stan). Was sie in dem Moment noch nicht wissen, ist, dass sie in New York gegen eine noch größere Gefahr, die die Welt vernichten kann, kämpfen müssen.

Viele der Mitglieder der Thunderbolts sind aus früheren MCU-Filmen als mehr oder weniger wichtige Nebenfiguren mehr oder weniger bekannt. Dieses Wissen erhöht sicher das Vergnügen an ihren Auftritten in „Thunderbolts*“. Alle anderen erhalten die nötigen Informationen schnell durch ihre Taten und ihre Unterhaltungen. Denn diese Gruppe, die irgendwo zwischen den edlen „Avengers“ und der eindeutig derangierten, aus Verbrechern bestehenden „Suicide Squad“ angesiedelt ist, ist eine ziemlich okaye Gruppe einsamer Menschen, die mit Teilen ihrer Vergangenheit hadern und eigentlich nur gemocht werden wollen.

Das, also Einsamkeit, die Angst vor Zurückweisung und die Suche nach Gemeinschaft, ist dann auch das in jeder Figur und jeder Szene konsequent durchgezogene Thema des Films. Sie machen als Individuum und als Gruppe während des Films eine Entwicklung durch. Die beiden Bösewichter des Films haben für ihre Schandtaten jeweils ein eindeutig nachvollziehbares Motiv und sie bleiben, im Gegensatz zu vielen früheren MCU-Bösewichtern, auch über den Abspann hinaus im Gedächtnis. Entsprechend nachvollziehbar ist die Filmgeschichte, die eine gelungene Balance zwischen intimen Szenen und großen Actionszenen findet. Das Finale gestaltet sich dann – zum Glück – anders als gewohnt. Dazu gehört auch, dass hier gezeigt wird, wie die Superhelden Menschen vor dem sicheren Tod retten. In früheren MCU-Filmen wurden ja regelmäßig Millionstädte zerstört, aber nie gezeigt, dass dabei jedes Mal als vernachlässigbarer Kollateralschaden tausende Menschen starben.

Thunderbolts*“ ist nicht nur der beste MCU-Film seit langer Zeit, sondern auch ein guter Film, der sehr gut für sich allein steht.

Es gibt zwei Abspannszenen, die ich beide nicht so toll fand. Die eine ist ein missglückter Gag. Die andere…so etwas wie eine Vorschau auf möglicherweise kommende Ereignisse.

Thunderbolts* (Thunderbolts*, USA 2025)

Regie: Jake Schreier

Drehbuch: Eric Pearson, Joanna Calo (nach einer Geschichte von Eric Pearson)

mit Florence Pugh, David Harbour, Sebastian Stan, Hannah John-Kamen, Olga Kurylenko, Wyatt Russell, Lewis Pullman, Julia Louis-Dreyfus, Geraldine Viswanathan

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Thunderbolts*“

Metacritic über „Thunderbolts*“

Rotten Tomatoes über „Thunderbolts*“

Wikipedia über „Thunderbolts*“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Onward: Keine halben Sachen“ ist eine halbe Sache

März 6, 2020

In dem neuen Pixar-Film „Onward: Keine halben Sachen“ vermissen die Brüder Ian und Barley Lightfoot ihren schon vor Jahren verstorbenen Vater. Vor allem Ian würde seinen Vater, der kurz vor seiner Geburt starb, gerne kennen lernen. In der Schule ist der schüchterne und penible Teenager ein Außenseiter, der keine Freunde hat. Zu seinem 16. Geburtstag schenkt ihm seine Mutter den Zauberstab seines Vaters. Denn in dieser Welt existiert Magie. Auch wenn sie in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr in Vergessenheit geriet. Heute unterscheidet sich die Welt von „Onward“ kaum von unserer Welt. Ians drei Jahre älterer Elfen-Bruder Barley, ein erklärter Magie-Nerd und herzensguter Hallodri, der zu viel Energie für ein Slacker-Dasein hat, ist begeistert. Denn mit dem Zauberstab und dem Zauberspruch, der in einem Brief ihres Vaters steht, kann ihr Vater einmal für 24 Stunden zurück geholt werden. Ian ist skeptisch. Aber die beiden Brüder probieren den Zauberspruch aus. Dummerweise gelingt ihre Zauberei nur halb. Und zwar so halb, dass von ihrem Vater nur die untere Hälfte zurückkam. Es sind zwei Beine und ein Po, aber kein Gesicht, keine Augen, keine Ohren und keine Stimme.

Um doch mit ihm reden zu können, müssen sie einen Phönix-Stein finden, mit dem sie den Zauber vollenden können.

Gemeinsam machen sie sich auf den Weg – und die Geschichte nimmt ziemlich genau den Verlauf, den man erwartet. Ian ist bei dieser Reise der Bruder, der Zaubern kann und zunehmend an Selbstvertrauen gewinnt. Der vor Selbstbewusstsein strotzende Barley weiß dagegen alles über Zauberei. Allerdings kann er nicht zaubern. Auf ihrer Suche nach dem Stein erleben die beiden Brüder viele Abenteuer und kommen sich näher. Verfolgt werden sie dabei von ihrer Mutter, der Mantikor, einer furchtlosen Kriegerin, die eine Mischung aus Fledermaus, Skorpion und Löwe ist, und Officer Colt Bronco, einem Mischwesen aus Mensch und Pferd. Denn die beiden Brüder wissen nichts von einem sie bedrohendem Fluch.

Schlecht ist „Onward: Keine halben Sachen“ nicht. Aber für einen Pixar-Film ist Dan Scanlons Animationsfilm ziemlich enttäuschend. Die besten Pixar-Filme sind gleichzeitig für Kinder und Erwachsene ein emotionales und intellektuelles Vergnügen. Sie entführen in fremde Welten. Schwere und komplizierte Themen werden so angesprochen, dass Kinder sie verstehen können, ohne dass irgendetwas von der Komplexität der Themen genommen wird. Gleichzeitig streuen die Macher Anspielungen und Gags ein, die nur Erwachsene verstehen. Denn die Pixar-Macher wollen nicht mit dem Vorwurf konfrontiert werden, ihr Publikum zu unterschätzen und zu unterfordern.

Genau das kann über „Onward: Keine halben Sachen“ nicht gesagt werden. Der Film fordert auch ein junges Publikum nie heraus. Dafür ist die Geschichte als eine reine Abfolge von Prüfungen und Abenteuern, bei denen die beiden Brüder sich näherkommen, zu vorhersehbar. Die Welt in der sie spielt, wurde zwar extra für den Film erfunden, aber sie setzt sich aus allseits bekannten Fantasy-Bausteinen zusammen. Und die Frage, wie ein Kind mit dem Tod und der damit verbundenen Abwesenheit eines geliebten Elternteils umgeht, ist in „Onward“ letztendlich nebensächlich gegenüber einer Abenteuergeschichte, in der die Witze und die Abenteuer immer auf ein junges Publikum zielen. Immerhin gewinnt Ian Selbstvertrauen und auch Barley wird reifer.

Das ändert aber nichts daran, dass in diesem Pixar-Film eindeutig zu viel ‚Disney‘ steckt.

Onward: Keine halben Sachen (Onward, USA 2020)

Regie: Dan Scanlon

Drehbuch: Dan Scanlon, Jason Headley, Keith Bunin

mit (im Original den Stimmen von) Tom Holland, Chris Pratt, Julia Louis-Dreyfus, Octavia Spencer, Mel Rodriguez, Kyle Bornheimer, Tracey Ullman

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

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Rotten Tomatoes über „Onward“

Wikipedia über „Onward“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Hat James Gandolfini „Genug gesagt“?

Dezember 19, 2013

 

Nicole Holofceners „Genug gesagt“ ist eigentlich ein richtiger Frauenfilm, aber nach dem frühen Tod von James Gandolfini fällt es mir schwer, nicht endlos über ihn zu schreiben. Denn Gandolfini hat nur eine Nebenrolle. Er ist der neue Freund von Eva (Julia Louis-Dreyfus), die als Masseuse seine Ex-Frau Marianne (Catherine Keener) als Kundin hat. Aus der beruflichen Beziehung entwickelt sich zwischen den beiden Frauen auch eine Freundschaft. Marianne erzählt von ihren Gedichten und lästert hemmungslos über ihren Ex ab, der anscheinend ein chaotisches Rindvieh ist, das nicht aufräumt, mit den Fingern isst und vollkommen unsensibel ist. Irgendwann ahnt Eva, dass Mariannes unerträglicher Ex-Mann ihr netter neuer Freund ist. Weil sie jetzt aber weder Marianne noch Albert verrät, dass sie sich zufällig mit beiden angefreundet hat, stolpert sie in einen kleinen Gewissenskonflikt zwischen ihren beiden neuen Freunden. Denn sie fragt sich, was an Mariannes Lästereien dran ist.

Das hört sich jetzt nach einer x-beliebigen Romantic Comedy unter Über-Fünfzigjährigen an, aber eigentlich ist Holofceners sympathisch kleiner Film eine genaue Beobachtung der im Westside Bezirk in Hollywood lebenden Über-Vierzigjährigen, die ein normales Mittelklasseleben führen und nichts mit dem Filmgeschäft zu tun haben. Naja, bis auf Albert, der Filmarchivar ist und daher das TV-Programm der siebziger Jahre aus dem Eff-Eff kennt. Aber die Frauen sind berufstätig, die Kinder sind gerade auf dem Sprung an die Universität und man verbringt die Tage mit endlosem Gerede, das sich zunächst nach dem typisch US-amerikanisch höflich-belanglosem Geplapper anhört, bis dann doch irgendwann, verschüttet unter den Floskeln, die wahren Gefühle auftauchen und es auch um die Frage geht, mit wem man seine Freizeit verbringen will. Denn sie alle sind alt genug, um nicht mehr auf den Märchenprinzen zu warten.

Und weil „Genug gesagt“ der vorletzte Film von James Gandolfini ist („Animal Rescue“, nach einem Drehbuch von Dennis Lehane, soll 2014 in die Kinos kommen), rückt er, der hier einen normalen Mann, einen zu groß geratenen Teddybär, spielt, in den Mittelpunkt.

Genug gesagt“ ist ein rundum gelungener, fein beobachteter, witziger Wohlfühlfilm für Erwachsene.

Genug gesagt - Plakat

Genug gesagt (Enough said, USA 2013)

Regie: Nicole Holofcener

Drehbuch: Nicole Holofcener

mit Julia Louis-Dreyfus, James Gandolfini, Catherine Keener, Toni Colette, Ben Falcone, Tracy Fairaway, Eve Hewson, Tavi Gevinson

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Genug gesagt“

Moviepilot über „Genug gesagt“

Metacritic über „Genug gesagt“

Rotten Tomatoes über „Genug gesagt“

Wikipedia über „Genug gesagt“