Neu im Kino/Filmkritik: „Ready or Not 2“ – die blutige Menschenjagd geht weiter

April 9, 2026

Grace (Samara Weaving) glaubt, dass sie entkommen ist und, nach einer Dusche, einem Kleiderwechsel und etwas ärztlicher Versorgung, ihr altes Leben wieder aufnehmen kann.

In dem Moment läutet der Hohe Rat bereits die zweite Runde ein. Nachdem Grace in „Ready or Not“ in die ultrareiche Familie Le Domas einheiraten wollte, diese sie in der Nacht vor der Hochzeit in ihrem Schloss zu einem Spiel zwang, in dem sie um ihr Leben kämpfen musste und sie, wider alle Erwartungen, das Spiel überlebte und dabei die gesamte Familie Le Domas tötete, ist jetzt der Platz, den die Familie Le Domas in der Welt des sich über den gesamten Globus erstreckenden Satanistensekte hatte, vakant. Die Nachfolge fällt der Familie zu, die Grace töten kann.

Und schon ist, wenige Minuten nach dem Beginn von „Ready or Not 2“, die zweite Runde eingeläutet. Wieder in einem riesigen, von der Welt hermetisch abgetrenntem, riesigen Anwesen. Während Grace im ersten Film allein um ihr Überleben kämpfte, wird sie jetzt von ihrer Schwester Faith (Kathryn Newton) begleitet. Die beiden Schwestern haben sich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Sie hassen sich. Auch jetzt kommen sie nur zusammen, weil Faith in Graces Unterlagen als Notfallkontakt genannt wurde und die Klinik ihn kontaktierte. Diese ist zunächst keine große Hilfe. Faith glaubt ihrer Schwester nicht, dass sie um ihr Leben kämpfen müssen.

Ihre Gegner sind die Oberhäupter verschiedener, über den gesamten Globus verteilter, sehr vermögender Familien, die seit Jahrhunderten einem Satanistenkult angehören. Sie haben keine Skrupel. Aber sie sind auch nicht immer die Schlauesten und sie sind keine ausgebildeten Killer.

Einerseits wiederholen Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett das Erfolgsrezept von „Ready or Not“, andererseits erzählen sie die Geschichte weiter und heben das Spiel auf ein vollkommen neues Level.

Für Entzücken sorgt der Anwalt der Satanisten (Elijah Wood). Er soll das Treffen des Hohen Rats und den ordungsgemäßen Ablauf der Suche nach einem Nachfolger für die verstorbene Familie Le Domas beaufsichtigen. Er kennt jede noch so abstruse, teils seit Jahrhunderten nicht mehr angewandte Regel, die sich der Verein in den vergangenen Jahrhunderten gegeben und danach vergessen hat. Aber, wie im richtigen Leben, kann die richtige Anwendung der Regeln über Sieg oder Ableben entscheiden.

Ready or Not 2“ ist ein gelungenes Splattervergnügen mit Humor und köstlich aufspielenden Schauspielern, die immer wieder im Blut baden müssen. Das Regieduo Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gillett erzählt in dieser Fortsetzung die Geschichte der Sekte und von Grace so gut zu Ende, dass ein dritter Teil das in „Ready or Not“ und „Ready or Not 2“ erzählte ad absurdum führen und das Ende verraten würde. 

Ready or Not 2 (Ready or Not 2: Here I come, USA 2026)

Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett

Drehbuch: Guy Busick

mit Samara Weaving, Kathryn Newton, Sarah Michelle Gellar, Shawn Hatosy, Elijah Wood, Nestor Carbonell, Juan Pablo Romero, Maia Jae, Olivia Cheng, Antony Hall, Nadeem Umar-Khitab, Varun Saranga, Masa Lizdek, Kevin Durand, David Cronenberg

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Ready or Not 2“

Metacritic über „Ready or Not 2“

Rotten Tomatoes über „Ready or Not 2“

Wikipedia über „Ready or Not 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gilletts „Devil’s Due -Teufelsbrut“ (Devil’s Due, USA 2014)

Meine Besprechung von Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gilletts „Ready or Not – Auf die Plätze fertig tot“ (Ready or Not, USA 2019)

Meine Besprechung von Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gilletts „Scream“ (Scream, USA 2022)

Meine Besprechung von Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gilletts „Scream VI“ (Scream VI, USA 2023)

Meine Besprechung von Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gilletts „Abigail“ (Abigail, USA 2024)


DVD-Kritik: Daniel Radcliffe stürzt das „Imperium“

Dezember 19, 2016

Der Undercover-Polizeithriller „Imperium“ ist der neueste Versuch von Daniel Radcliffe, nach dem Ende von Harry Potter, als ernsthafter und interessanter Schauspieler bekannt zu werden. Er will, im Gegensatz zu Mark Hamill, der immer nur Luke Skywalker ist (seine vielen Sprecher-Rollen zählen weltweit nicht), nicht auf ewig Harry Potter bleiben. Also wählt er oft bewusst schräge Rollen und Filme, die ihm wichtig sind.

In „Imperium“ spielt er den jungen, intelligenten und ambitionierten FBI-Agenten Nate Foster. Die Ranghöhere Angela Zamparo (Toni Collette) sucht ihn für einen Undercover-Einsatz aus. Nachdem in der Nähe von Washington, D. C. bei einem Unfall Cäsium verschwand, glaubt sie, dass Rechtsextremisten einen Anschlag mit einer schmutzigen Bombe vorbereiten und der beängstigend gut informierte Internet-Moderator Dallas Wolf (Tracy Letts) der Kopf der Terroristen ist. Foster soll sein Vertrauen erlangen. Dafür muss er zuerst das Vertrauen von anderen Rechtsextremisten erlangen. Diese bilden einen oft erschreckend normalen Querschnitt durch die Gesellschaft.

Imperium“ ist das gelungene Spielfilmdebüt von Daniel Ragussis. Er inszenierte vorher auch den hochgelobten und mit mehreren Preisen ausgezeichneten Kurzfilm „Haber“ mit Christian Berkel als Fritz Haber. Die Inspiration für „Imperium“ war dabei die Arbeit des Ex-FBI-Agenten Michael German, der lange Zeit, auch undercover, im rechten Milieu ermittelte und darüber das Sachbuch „Thinking Like a Terrorist: Insights of a Former FBI Undercover Agent“ schrieb. Ragussis las es, kontaktierte German und gemeinsam entwickelten sie die Filmgeschichte, die ein realistisches und ungeschöntes Porträt der rechtsextremen Szene vermittelt.

In seinem Film, dessen straff erzählte Geschichte weitgehend den aus zahlreichen Thrillern über Undercover-Einsätze bekannten Erzählmustern folgt, hat Ragussis auch einige moralische Ambivalenzen und Überraschungen eingebaut, die gelungen einige Themen aus „Airlington Road“ aufnehmen. So gibt es neben den normal-dumpfen, entsprechend bedrohlichen Neo-Nazis, denen man schon vor dem ersten Bier jede Schweinerei zutraut, auch die bürgerlichen Nazis. Der Radiomoderator Dallas Wolf und der nette, gebildete Vorstadtdaddy Gerry Conway (Sam Trammell, „True Blood“), der alle Nazi-Gruppen zu regelmäßigen Barbecue-Nachmittagen (ohne Alkohol) einlädt, sind in ihrer Normalität und Biederkeit die schlimmsten Charaktere des Films. Sie könnten überall unsere Nachbarn sein.

Nach dem Sieg von Donald Trump ist „Imperium“ auch ein Blick auf die US-amerikanische Nazi- und ultrakonservative Bewegung („Alt-Right“ klingt doch ziemlich verharmlosend), die sich jetzt als Sieger sieht. Ohne eine einzige Bombe gezündet zu haben.

Als Bonus gibt es ein insgesamt siebzehnminütiges Featurettes von der Aufführung beim Zurich Film Festival mit Impressionen vom Grünen Teppich und Kurzinterviews mit Daniel Ragussis und Daniel Radcliffe (die wegen des Fragestellers kaum zu Wort kommen) und einem gut zehnminütigem Interview mit Daniel Radcliffe zum Film.

imperium-dvd-cover

Imperium (Imperium, USA 2016)

Regie: Daniel Ragussis

Drehbuch: Daniel Ragussis (nach einer Geschichte von Michael German)

mit Daniel Radcliffe, Toni Collette, Tracy Letts, Sam Trammell, Nestor Carbonell, Chris Sullivan, Seth Numrich, Pawel Szajda, Devin Druid, Burn Gorman, Adam Meier

DVD

Ascot Elite

Bild: 2.38:2 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: „Imperium“ auf dem Zurich Film Festival 2016: Exklusives Interview und Impressionen, Deutscher und Originaltrailer, Wendecover

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Imperium“

Metacritic über „Imperium“

Rotten Tomatoes über „Imperium“

Wikipedia über „Imperium“ (deutsch, englisch)