Neu im Kino/Filmkritik: „Minions & Monster“ in Hollywood

Juli 1, 2026

Über einige Umwege, die zu grotesk sind, um hier verraten zu werden, stolpern die Minions in eine Verfolgungsjagd in einem Hollywood-Stummfilmwestern. Die Aufnahme läuft vollkommen aus dem Ruder. Regisseur Max ist verzweifelt, aber die beiden Produzenten sind begeistert über den Auftritt dieser Agenten des Chaos. Und so beginnt in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Hollywood-Karriere der Minions. Treibende Kräfte bei den Minions sind die beiden filmbegeisterten Freunde James und Henry.

Mit dem Beginn des Tonfilms ist diese Karriere allerdings gefährdet. Sie verfallen auf die Idee, mit einem echten Monster einen Monsterfilm zu drehen. Der von ihnen mit der Hilfe eines Zauberbuchs befreite, verdächtig harmlos aussehende und agierende Goomi bietet ihnen seine Hilfe an. Er kenne gute auf einer einsamen Insel lebende Monster. Dabei verfolgt er sinistre Pläne.

Minions & Monster“ ist Pierre Coffins mit Zitaten und Anspielungen gespickte Liebeserklärung an das klassische Hollywood, den Stummfilm und den B-Picture-Monsterfilm. Während Cineasten in dem Moment einen „wer erkennt die meisten Anspielungen“-Wettbewerb starten, dürften vor allem Kinder die wenigsten Anspielungen erkennen und einordnen können. Für das Vergnügen ist das nicht schlimm, aber schade. Deshalb wäre bei der DVD/Blu-ray-Veröffentlichung ein entsprechender erklärender, auf alle Anspielungen eingehender Audiokommentar fantastisch. Dann wäre dieser Teil der Arbeit der Macher nicht vollkommen umsonst.

Am besten funktioniert der neueste Minions-Film, wenn er einfach nur Episoden aneinanderreiht, in denen die Minions Minions-Dinge tun; also voller Energie und gutem Willem und kindlicher Unschuld versuchen, etwas besonders gut zu machen und dabei ein veritables Chaos auslösen. Sie wollen einem Bösewicht helfen und werden durch ihre eigene Unfähigkeit zu Kräften des Guten. Wer da nicht beginnt, an göttliche Fügung zu glauben, muss an die heilende Kraft des eskalierenden Slapsticks glauben.

Coffin, der Erfinder der Minions und der Regisseur der ersten drei von vier „Ich – Einfach unverbesserlich“- und des ersten und dritten, also diesem „Minions“-Films, erzählt den gesamten Film durchgängig in hoher Geschwindigkeit. Das ist, weil es nur ein Erzähltempo gibt und, wenn es dann doch in der zweiten Filmhälfte so etwas wie eine Monster-Geschichte gibt, ermüdend. In dieser Hälfte fällt nämlich negativ auf, dass die Figuren arg eindimensional sind. Ihre Auftritte dienen weniger der Geschichte, sondern mehr einzelnen Gags. Nach dem Gag verschwinden sie aus der Geschichte. Manchmal tauchen sie wieder auf. Manchmal nicht.

Minions & Monster (Minions & Monster, USA 2026)

Regie: Pierre Coffin

Drehbuch: Brian Lynch, Pierre Coffin

mit (im Original den Stimmen von) Allison Janney, Christoph Waltz, Jeff Bridges, Jesse Eisenberg, Zoey Deutch, Bobby Moynihan, Phil LaMarr, Trey Parker, Pierre Coffin

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Pierre Coffin, Bill Kaulitz, Tom Kaulitz, Christoph Waltz, Alexandra Marisa Wilcke, Joachim Tennstedt, Alice Bauer, Tim Sander, Tilo Schmitz

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (allerdings sollten Eltern prüfen, ob diese Slapstick-Komödie für ihre Kinder geeignet ist)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Minions & Monster“

Metacritic über „Minions & Monster“

Rotten Tomatoes über „Minions & Monster“

Wikipedia über „Minions & Monster“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kyle Balda/Brad Ableson (Co-Regie)/Jonathan del Vals (Co-Regie) „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ (Minions: The Rise of Gru, USA 2022)

Meine Besprechung von Chris Renaud/Patrick Delages „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ (Despicable Me 4, USA 2024)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Filmtitel, nächste Folge: „Die Unglaublichen 2“

September 29, 2018

Die Unglaublichen 2“ schließt unmittelbar an „Die Unglaublichen“ an und weil es sich um einen Animationsfilm handelt, sind die Charaktere in den vergangenen vierzehn Jahren nicht gealtert.

Nachdem die Auswirkungen des Schlusskampfes aus „Die Unglaublichen“ halbwegs beseitigt sind, führt Familie Parr in einer neuen Stadt und mit neuer Identität ein normales Leben. Da erhält die Familienmutter Helen, aka Elastigirl, ein Angebot, das sie nicht ablehnen will. Der superreiche Telekommunikationsunternehmer Winston Deaver schlägt ihr vor, gegen Bösewichter zu kämpfen, etwaige Kosten zu tragen und so zu einem positiveren Image der Superhelden beizutragen. Elastigirl stimmt zu. Ihr Mann Bob, aka Mr. Incredible, muss derweil den Haushalt führen auf und auf die gemeinsamen Kinder Violetta, Flash und Baby Jack-Jack, die ebenfalls Superkräfte haben, aufpassen.

In den USA lief „Die Unglaublichen 2“ schon Mitte Juni an, wurde von der Kritik gelobt (94 Prozent bei Rotten Tomatoes) und spielte bis jetzt weltweit schon über eine Million Dollar ein. Aus Sicht von Pixar hat sich die Investition von zweihundert Millionen Dollar gelohnt. Und „Die Unglaublichen 2“ ist auch ein vergnüglicher Film, der eine James-Bond-Geschichte mit Superhelden und, in diesem Fall, einer Superheldin als Protagonistin erzählt. Die Animationen sind auch oft deutlich realistischer als in „Die Unglaublichen“.

Aber – und das ist ein Problem des Films – die Geschichte ist extrem vorhersehbar. Denn letztendlich wird die Geschichte von „Die Unglaublichen“ einfach noch einmal erzählt. Nur dass dieses Mal Elastigirl und nicht ihr Mann Mr. Incredible die Hauptrolle hat. Der muss jetzt die Hausarbeit machen, während sie, mit mehr oder weniger umfangreichen Kollateralschäden, Schurken fängt. Das macht das Ansehen arg redundant.

Außerdem führt Regisseur Brad Bird, der auch „Die Unglaublichen“ inszenierte, seine Charaktere nicht ein, sondern geht davon aus, dass man sie, ihre Fähigkeiten, Eigenschaften und Beziehungen aus dem ersten Film kennt.

So ist „Die Unglaublichen 2“ für die Kenner von „Die Unglaublichen“ einfach eine Wiederholung der altbekannten Geschichte, die schon beim ersten Mal nur die Krücke für eine damals erfrischend andere Nummernrevue war. Damals gab es im Kino noch nicht jeden Monat einen Superhelden-Blockbuster und zweifelnde Superhelden mit Familie und Eheproblemen hatte man noch nicht gesehen. Für die, die den ersten Film nicht kennen, bleiben dagegen einige Anspielungen unverständlich und sie müssen sich die Charaktere erst selbst erschließen. Um nicht falsch verstanden zu werden: man muss „Die Unglaublichen“ nicht kennen, um „Die Unglaublichen 2“ zu verstehen. Aber es hilft.

Und wenn man „Die Unglaublichen“ kennt, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, sich „Die Unglaublichen 2“ anzusehen.

Ein klassischer Fall von Catch 22.

Die Unglaublichen 2 (Incredibles 2, USA 2018)

Regie: Brad Bird

Drehbuch: Brad Bird

mit (im Original den Stimmen von) Craig T. Nelson, Holly Hunter, Sarah Vowell, Huck Milner, Catherine Keener, Eli Fucile, Bob Odenkirk, Samuel L. Jackson, Michael Bird, Sophia Bush, Brad Bird, Phil LaMarr, Isabella Rossellini

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Markus Maria Profitlich, Emilia Schüle, Mechthild Grossmann, Riccardo Simonetti

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Unglaublichen 2“

Metacritic über „Die Unglaublichen 2“

Rotten Tomatoes über „Die Unglaublichen 2“

Wikipedia über „Die Unglaublichen 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Ghost Protocol, USA 2011)

Meine Besprechung von Brad Birds „A world beyond“ (Tomorrowland, USA 2015)