Neu im Kino/Filmkritik: „The Invite“, jetzt in der US-Version

Juli 30, 2026

Es war einmal; – eigentlich ist es noch nicht so lange her: 2020 inszenierte Cesc Gay, basierend auf seinem Theaterstück, die spanische Komödie „Sentimental“. Seitdem gab es Remakes in Italien, der Schweiz, Frankreich und Südkorea. Und jetzt gibt es ein US-Remake. Olivia Wilde verlegte das spanische Stück, ohne große Änderungen, nach San Francisco.

Wieder geht es um eine nachbarschaftliche Einladung zum Kennenlernen bei einem Abendessen. Angela (Olivia Wilde) hat die neuen Mieter Hawk (Edward Norton) und Pina (Penélope Cruz) eingeladen. Ihr Mann Joe (Seth Rogen) ist nicht begeistert über diese spontane Einladung. Der Musikprofessor hat sich auf einen ruhigen Abend eingestellt. Mit den neuen Mietern, die ihn vor allem mitten in der Nacht mit lauten Geräuschen von ihrem extrem lustvollem Geschlechtsverkehr stören, will er nichts zu tun haben. Jedenfalls nicht heute Abend.

Aber da klingeln sie schon. Das anschließende Gespräch entwickelt sich anders als geplant. Zuerst entschuldigen Pina und Hawk sich für ihren lauten Sex. Sie und einige ihrer Freunde, die teils für den extrem hörbaren Geschlechtsverkehr verantwortlich sind, würden einfach manchmal alles um sich herum vergessen. Notgedrungen erklärt Joe, dass sie das nicht störe. Hawk nennt ihn lächelnd einen Lügner. Munter umkreisen die beiden Ehepaare sich. Während Angela und Hawk schon seit fünfzehn Jahren verheiratet sind und ihre Ehe zu einer öden Zweckgemeinschaft verkommen ist, genießen Hawk und Pina ihre noch junge offene und offen ausgelebte Liebe. Immer geht es bei den Gesprächen um Sex, Beziehungen, Enttäuschungen, emotionale Verletzungen und die Nähe zwischen beiden Wohnungen. Denn man hört nicht nur Geräusche, sondern kann auch in die andere Wohnung blicken. Irgendwann erfährt Joe, dass Hawk so seine nackte Frau ansehen kann und sie es genießt, von ihm angesehen zu werden.

Etwas später fragt der ehemalige, in sich ruhende Feuerwehrmann Hawk, ob sie nicht jetzt sofort alle zusammen Sex haben sollten. Kondome habe er dabei und er freue sich schon auf einen Partnertausch.

Bei Disney heißt es Live-Action-Remake und die Kritiken sind teils desaströs. Ein Grund ist, dass die gut verfügbaren Originale allseits bekannt und beliebt sind. Im Fall von „The Invite“ (und anderer Remakes, bei denen eigentlich nur Schauspieler und Drehort ausgetauscht wurden) sind das Original und die anderen Versionen unbekannter. Da drängt sich dann eher der Vergleich zum Theater auf. Dort ist es normal, wenn ein anderer Regisseur auf einer anderen Bühne mit anderen Schauspielern das gleiche Stück nochmal inszeniert. Es ja auch nicht so, dass man eine Inszenierung, wie einen Film, immer und überall sehen kann.

Außerdem wurden wegen der bekannten Unlust der US-Amerikaner, synchronisierte oder untertitelte Filme anzusehen, schon immer starbesetzte 1-zu-1-Remakes von Filmen gemacht, die in anderen Ländern ein Publikumserfolg waren. Für die Kenner des Originals sind diese Remakes oft in verschiedenen Abstufungen uninteressant.

Das gilt auch für „The Invite“. Die Schauspieler – Seth Rogen, Olivia Wilde, Penélope Cruz und Edward Norton – sind gut. Wobei ich mich fragte, warum Seth Rogen und Edward Norton nicht ihre Rollen tauschten. Denn Edward Norton wirkt als sexpositiver Feuerwehrmann nie glaubwürdig.

Die sich in einer Wohnung spielende Geschichte weckt auf den ersten Blick Erinnerungen an Roman Polanskis Theaterverfilmung „Der Gott de Gemetzels“. In diesem Vier-Personenstück eskaliert die gänzlich andere Geschichte allerdings konsequenter und glaubwürdiger.

In „The Invite“, das ebenfalls auf einem Theaterstück basiert, wirkt die Geschichte immer wieder formelhaft. Die Wendungen ergeben sich nicht aus der Geschichte, sondern dem Wunsch des Drehbuchautors, alle zehn Minuten eine überraschende Wendung zu präsentieren.

Da ist die in der ARD-Mediathek bis zum 22. August 2026 verfügbare schweizer Verfilmung des Stücks, „Die Nachbarn von oben“, von Sabine Boss mit Roeland Wiesnekker, Ursina Lardi, Sarah Spale und Max Simonischek durchgehend glaubwürdiger und organischer durchkomponiert als Abfolge sich von der ersten Begegnung andeutender und sich daraus ergebender Verwicklungen.

P. S.: Für nächstes Jahr ist eine niederländisch-belgische Verfilmung des Stücks angekündigt. Irgendetwas muss dieses Gespräch über Sex und Beziehungen haben.

The Invite (The Invite, USA 2026)

Regie: Olivia Wilde

Drehbuch: Will McCormack, Rashida Jones (basierend auf dem Theaterstück „Los vecinos de arriba“ von Cesc Gay)

mit Seth Rogen, Olivia Wilde, Penélope Cruz, Edward Norton

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Invite“

Metacritic über „The Invite“

Rotten Tomatoes über „The Invite“

Wikipedia über „The Invite“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Catch me!“ – Große Jungs speilen Fangen

Juli 26, 2018

Mit dem Hinweis, der folgende Film basiere auf einer wahren Geschichte, beginnt „Catch me!“ (deutscher Titel). Das stimmt allerdings nur bedingt. Außer der Grundidee ist in „Tag“ (Originaltitel) alles erfunden.

Russell Adams schrieb im Januar 2013 für das Wall Street Journal einen kurzen Artikel über zehn Freunde, die seit ihrer Kindheit fangen spielen und so, auch Jahrzehnte nach dem Ende ihrer Kindheit und gemeinsamen Schulzeit, immer wieder zusammenkommen, um ein Kinderspiel zu spielen. Dabei ist es für sie kein normales ‚Fangen‘ mehr. Es gibt einige selbst auferstellte Regeln (so wird nicht zurückgeschlagen) und es wird nur während eines Monats im Jahr gespielt. Inzwischen leben die Schulkameraden über die USA verstreut. Manchmal müssen sie ihre Aktionen langfristig vorbereiten. Immerhin wissen die anderen Spielteilnehmer, dass sie innerhalb eines Monats ‚erwischt‘ werden können. Dafür organisieren sie Ablenkungsmanöver, verkleiden sich und verstecken sich manchmal für mehrere Tage im Gebüsch, Das ist dann gleichzeitig kindisch, rührend und auch bescheuert. Immerhin bleiben sie über das Spiel miteinander in Kontakt.

Dieses Spiel und die Hintergrundgeschichte ist allerdings nur die Idee für einen Film. Was fehlt, ist eine Geschichte.

Die Drehbuchautoren Rob McKittrick und Mark Steilen und Regisseur Jeff Tomsic überlegten sich für ihren Film folgende Geschchte: Jerry Pierce (Jeremy Renner) will nach dreißig Jahren aus dem Spiel aussteigen. Weil er bislang noch nie ‚erwischt‘ wurde, würde er damit ungeschlagen ausscheiden. Hogan ‚Hoagie‘ Malloy (Ed Helms) will das nicht akzeptieren. Zusammen mit Bob Callahan (Jon Hamm), Randy ‚Chilli‘ Cilliano (Jake Johnson) und Kevin Sable (Hannibal Buress) will er Jerry erwischen. Und weil Jerry demnächst in ihrer alten Heimatstadt Spokane, Washington, heiratet, ist das die Gelegenheit. Sie wissen, wann er wo ist und dass er die Hochzeit und die begleitenden Veranstaltungen nicht verlassen kann.

Selbstverständlich erwartet Jerry genau das von seinen alten Spielkameraden.

Die an Lachern arme Komödie erzählt nun, wie die vier Jungs immer wieder versuchen, Jerry zu erwischen und wie er ihnen immer wieder entkommen kann, weil er ihnen hoffnungslos überlegen ist. Dabei ist Jerry nicht nur gut in dem Spiel, sondern er ist so gut, dass er sogar Hawkeye jederzeit mühelos besiegen würde. Das langweilt in seiner endlosen Wiederholung von Versuch und garantiertem Schweitern schnell.

Garniert wird das Spiel durch einige Momente, in denen uns erklärt wird, dass sie dank des Spiels immer noch zusammen sind, dass das Spiel das Beste in ihnen hervorbringt und dass sie dank des Spiels nicht erwachsen werden. Denn erst wenn sie aufhörten zu spielen, seien sie alt.

Am Ende ist „Catch me!“ eine weitere belanglose US-Komödie, die einen eher pubertären Humor, etwas Action und einige Platitüden über Freundschaft hat. Halt genau das, was der Trailer verspricht.

Catch me! (Tag, USA 2018)

Regie: Jeff Tomsic

Drehbuch: Rob McKittrick, Mark Steilen (nach einer Vorlage von Mark Steilen)

LV: Russell Adams: It takes planning, caution to avoid being ‚It‘ (Wall Street Journal, 28. Janur 2013)

mit Ed Helms, Jeremy Renner, Jon Hamm, Jake Johnson, Annabelle Wallis, Hannibal Buress, Isla Fisher, Rashida Jones, Leslie Bibb, Cheryl Deakins

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Catch me!“

Metacritic über „Catch me!“

Rotten Tomatoes über „Catch me!“

Wikipedia über „Catch me!“ (deutsch, englisch)