Neu im Kino/Filmkritik: „Hallo Betty“ Bossi, Köchin der Nation

Juni 26, 2026

Kochrezepte. Und zwar nicht nur von der komplizierten Art, sondern einfache Rezepte, die die Hausfrau schnell kochen kann mit den Zutaten die gerade in der Küche sind und die der Familie schmecken, gab es nicht schon immer in Reklame-, Frauen- und Kochzeitschriften.

In der Schweiz begann dies 1956 mit Betty Bossi. Sie wurde schnell populär und das Gesicht der Zeitschrift, die ganz banal „Betty Bossi Post“ hieß und aus einer Mischung aus Kochrezepten und Ratschlägen bestand.

Dabei gab es Betty Bossi nicht. Sie wurde von der Werbetexterin Emmi Creola (Sarah Spale) erfunden für die Firma Astra, die den Verkauf von Margarine und Erdnussöl ankurbeln wollte. Die einfachen Rezepte der patenten Schweizer Hausfrau kamen gut an. Später trat sie in der Öffentlichkeit als Betty Bossi auf. Und kümmerte sich neben ihrer immer mehr Zeit in Anspruch nehmenden Arbeit auch um ihre Kinder und ihren Ehemann. Noch später wurden ihre Leistungen als ‚Köchin und Hausfrau der Nation‘ umfassend gewürdigt. In dem Moment war Betty Bossi schon ein Markenzeichen und ein großes, heute immer noch bestehendes Unternehmen.

Die am 3. September 1912 geborene Betty-Bossi-Erfinderin Emmi Creola-Maag starb am 2. Oktober 2006.

Auch „Platzspitzbaby“-Regisseur Pierre Monnard lernte mit Betty Bossis einfachen und, was der wichtigste Punkt war, immer gelingenden Rezepten Kochen.

Jetzt erzählt er in „Hallo Betty“ sehr warmherzig und mit mild pointiertem Humor die Anfänge von Betty Bossis Geschichte mit einer ordentlichen Portion Fünfziger-Jahre-Retro-Charme. Er spricht auch die mangelnde Gleichberechtigung, vor allem bei der Arbeit das herablassende Verhalten der Männer gegenüber Frauen, die schlechte Behandlung der aus Italien kommenden Arbeiter und die sich dagegen formierende Solidarisierung der Frauen an. Denn Betty Bossis Geschichte ist auch die Geschichte der Emanzipation von Emmi Creola, einer bei uns in Deutschland fast unbekannten Frau. Während sie sich nach der Zubereitung von Tiramisu erkundigt, gab es in Deutschland Toast Hawaii.

Hallo Betty (Schweiz 2026)

Regie: Pierre Monnard

Drehbuch: André Küttel

mit Sarah Spale, Martin Vischer, Rabea Egg, Viviana Zappa, Cyril Metzger, Ueli Jäggi, Morgane Ferru, Magdalena Neuhaus, Esther Gemsch, Thomas Douglas, Leonardo Nigro, Pablo Caprez, Dominique Müller

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Hallo Betty“

Wikipedia über „Hallo Betty“, Betty Bossi und Emmi Creola-Maag

Meine Besprechung von Pierre Monnards „Platzspitzbaby“ (Schweiz 2020)


TV-Tipp für den 8. August: Brandnacht

August 7, 2024

3sat, 22.25

Brandnacht (Deutschland/Schweiz 1992)

Regie: Markus Fischer

Drehbuch: Rosemarie Fendel, Markus Fischer

LV: Sam Jaun: Die Brandnacht, 1986

Privatdetektiv Peter Keller (Bruno Ganz) will im Emmental in seinem Heimatdorf einem alten Freund helfen. Der soll eine Frau vergewaltigt und ermordet haben. Schnell gerät Keller in einen wunderschön verschachtelten Hardboiled-Plot, der seine Vorbilder nie versteckt und sie – im Buch und im Film (beides gefiel mir damals) – gelungen auf schweizer Verhältnisse überträgt.

Der Roman erhielt 1987 Friedrich-Glauser-Preis.

Die damalige Kritik über den selten gezeigten Krimi, der anscheinend 2023 erstmals im Fernsehen gezeigt wurde: „herrlich ironischen Krimi (…) Philip Marlowe und Kemal Kayankaya sind wie Peter Keller Brüder im Geiste: zwar sarkastisch und bitter, aber nie traurig oder selbstmitleidig.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Eine lohnenswerte Entdeckung

mit Bruno Ganz, Barbara Auer, Rolf Hoppe, Ueli Jäggi, Suzanne von Borsody, Dietmar Schönherr, Katja Peter

Hinweise

Filmportal über „Brandnacht“

Swissfilms über „Brandnacht“

Wikipedia über Sam Jaun

Krimi-Couch über Sam Jaun


TV-Tipp für den 26. Juli: Brandnacht

Juli 25, 2023

3sat, 20.15

Brandnacht (Deutschland/Schweiz 1992)

Regie: Markus Fischer

Drehbuch: Rosemarie Fendel, Markus Fischer

LV: Sam Jaun: Die Brandnacht, 1986

Die Wege der Programmverantwortlichen sind unergründlich: heute ist, so 3sat in seiner Ankündigung, die deutsche TV-Premiere dieses Kinofilm, der damals auch in den deutschen Kinos lief, vom ZDFkoproduziert wurde, prominent besetzt ist und von Markus Fischer inszeniert wurde. Er ist auch für mehrere „Tatorte“ und Hunkeler-Krimis verantwortlich. Kurz: es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, warum der Krimi noch nie im Fernsehen lief.

Es geht um den Privatdetektiv Peter Keller (Bruno Ganz), der im Emmental in seinem Heimatdorf einem alten Freund will. Der soll eine Frau vergewaltigt und ermordet haben. Schnell gerät Keller in einen wunderschön verschachtelten Hardboiled-Plot, der seine Vorbilder nie versteckt und sie – im Buch und im Film (beides gefiel mir damals) – gelungen auf schweizer Verhältnisse überträgt.

Der Roman erhielt 1987 Friedrich-Glauser-Preis.

Die damalige Kritik: „herrlich ironischen Krimi (…) Philip Marlowe und Kemal Kayankaya sind wie Peter Keller Brüder im Geiste: zwar sarkastisch und bitter, aber nie traurig oder selbstmitleidig.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Eine lohnenswerte Entdeckung (und vielleicht läuft der Krimi demnächst öfter im Fernsehen)

mit Bruno Ganz, Barbara Auer, Rolf Hoppe, Ueli Jäggi, Suzanne von Borsody, Dietmar Schönherr, Katja Peter

Hinweise

3sat über „Brandnacht“ und die aus vier Filmen bestehende Reihe zum 70. Geburtstag des Schweizer Regisseurs Markus Fischer

Filmportal über „Brandnacht“

Swissfilms über „Brandnacht“

Wikipedia über Sam Jaun

Krimi-Couch über Sam Jaun


Ab Aschermittwoch im Radio: der „Radio Tatort: Im Königreich Deutschland“

Februar 14, 2018

Als im Januar 2008 der erste „Radio Tatort“ gesendet wurde, wurde die Übertragung des „Tatort“-Prinzips vom TV auf den Hörfunk, nach dem jede Landesrundfunkanstalt seinen „Radio Tatort“ produziert und das einstündge Hörspiel dann in der gesamten ARD gesendet wird, doch eher belächelt. Nach zehn Jahren hat der „Radio Tatort“ sich etabliert, zum Jubiläum gab es eine zweistündige Episode und nächsten Monat wird der 120. Fall gelöst.

Davor gibt es mit „Im Königreich Deutschland“ ab dem 14. Februar (alle Sendetermine unten und außerdem online) den 119. Fall. Produziert vom SWR mit den Kommissaren Xaver Finkbeiner (Ueli Jäggi) und Nina Brändle (Karoline Eichhorn). Zu ihnen kommt die Gerichtsvollzieherin Hannah Beierlein, die von Unbekannten überfallen wurden. Sie glaubt, dass die Täter Reichsbürger sind, mit denen sie beruflich Ärger hat. Sie erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an, stellen sich eigene Fantasiepapiere aus und zahlen keine Steuern. Sie haben, unter der Führung von Udo Knöpfle, in einer alten Schule ihr Königreich errichtet.

Als ein Sondereinsatzkommando die Schule stürmen will, wird auf die Polizisten geschossen. Einer wird lebensgefährlich verletzt. Während er noch in Lebensgefahr schwebt, versuchen Finkbeiner und Brändle den Täter unter den vier in der Schule lebenden Reichsbürgern zu ermitteln.

Im Königreich Deutschland“ ist ein sehr nah an den aktuellen Schlagzeilen über die Reichsbürger entlang geschriebener Krimi. Autorin Katja Röder will vor allem Informationen über diese rechte Subkultur vermitteln. Entsprechend didaktisch sind viele Dialoge geraten, während der Fall schnell zu einem biederen Rätselkrimi mit einigen Verdächtigen und falschen Fährten wird.

Im Königreich Deutschland (Deutschland 2018)

Regie: Alexander Schuhmacher

Autorin: Katja Röder

mit Ueli Jäggi, Karoline Eichhorn, Matti Krause, Therese Hämer, Uwe Preuss, Astrid Meyerfeldt, Isaak Dentler

Länge: 53 Minuten

Sendetermine

Mittwoch, 14. Februar

hr2-kultur, 18.05 Uhr

Bayern 2, 20.03 Uhr

Donnerstag, 15. Februar

Bremen Zwei, 21.05 Uhr

Freitag, 16. Februar

WDR 3, 19.05 Uhr

SWR2, 22.03 Uhr

Samstag, 17. Februar

WDR 5, 17.04 Uhr

SWR4, 21.03 Uhr

Sonntag, 18. Februar

SR 2 KulturRadio, 17.04 Uhr

Bremen Zwei, 17.05 Uhr

Montag, 19. Februar

kulturradio (RBB), 14.04 Uhr

MDR Kultur, 18.00 Uhr

Samstag, 24. Februar

NDR Info, 21.05 Uhr

Hinweise

ARD-Seite zum “Radio Tatort“ (dort können auch ältere „Radio Tatorte“ angehört werden)

SWR über „Im Königreich Deutschland“