Cover der Woche

Juni 19, 2018


TV-Tipp für den 19. Juni: Ein mörderischer Sommer

Juni 19, 2018

Servus TV, 22.00

Ein mörderischer Sommer (L’éte meurtrier, Frankreich 1983)

Regie: Jean Becker

Drehbuch: Sébastien Japrisot

LV: Sébastien Japrisot: L’été meurtrier, 1977 (Blutiger Sommer)

Isabelle Adjani macht eine Bauernfamilie in der Haute-Provence kirre. Natürlich nicht ohne – mörderische – Hintergedanken.

Spannender, erotischer, französischer Psychothriller.

„Melodram, Psycho-Thriller, Groschenheft-Tragödie – der Film ist all das und all das nicht schlecht; vor allem aber hat es der Zuschauer hier mit einem filmisch raffniert umgesetzten erzählerischen Puzzle zu tun, dessen unzählgen Schlenkern und Wendungen zu folgen großen Spaß macht.“ (Robert Fischer, epd Film 5/1984)

Andere Kritiker gingen erheblich ungnädiger mit dem mit vier Césars ausgezeichneten Publikumserfolg (jedenfalls in Frankreich) um. Aber keiner vergaß, auf die Hauptdarstellerin hinzuweisen.

Mit Isabelle Adjani, Alain Souchon, Michel Galabru

Wiederholung: Mittwoch, 20. Juni, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ein mörderischer Sommer“

Wikipedia über „Ein mörderischer Sommer“ (deutsch, englisch, französisch) und Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot

Meine Besprechung von Joann Starrs Sébastien-Japrisot-Verfilmung „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“ (La dame dans l’auto avec des lunettes et un fusil, Frankreich/Belgien 2015)

Sébastien Japrisot in der Kriminalakte


Ist James Comey „Größer als das Amt“? – Buchkritik und sachdienliche Hinweis zu seiner Lesung in Deutschland

Juni 18, 2018

Vor über einem Jahr hätte ich James Comey ausführlich vorstellen müssen. Dann wurde er am 9. Mai 2017 von US-Präsident Donald Trump auf eine sehr schäbige, weltweit beachtete Weise entlassen.

Davor war der via Fernsehen geschasste, von Barack Obama berufene FBI-Direktor Comey, falls man nicht in den USA lebte oder sich brennend für die US-Politik interessiert, nur im Zusammenhang mit den Ermittlungen des FBI gegen Hillary Clinton über ihren unsachgemäßen E-Mail-Gebrauch bekannt. Der Vorwurf wurde vor allem von den Republikanern breit skandalisiert. Am 5. Juli 2016 verkündete Comey öffentlich die Einstellung der Ermittlungen. Wenige Tage vor dem Wahlsonntag verkündete er, aufgrund neuer Erkenntnisse, die Wiederaufnahme und kurz darauf, immer noch vor dem Wahlsonntag, die endgültige Einstellung des Verfahrens. Beides wurde von einem gewaltigen Medienrummel und Wahlkampfgetöse begleitet.

Diese Geschichte hat jetzt ein offizielles Ende. Am 14. Juni 2018 veröffentlichte der Generalinspekteur des Justizministeriums einen fünfhundertseitigen Bericht, der Comey von einer politischen Motivation freisprach. Die Ermittlungen seien konform zu den bestehenden Regeln geführt worden. Aber Comey sei bei seinem Umgang mit der Öffentlichkeit von Standards und geltenden Prozeduren des FBI und des Justizministeriums abgewichen. LINK

In seinem Buch „Größer als das Amt: Auf der Suche nach der Wahrheit – Der Ex-FBI-Direktor klagt an“ schildert Comey ausführlich seine Motive und auch etliche Hintergründe zu den FBI-Ermittlungen gegen Hillary Clinton, die sich zu dem Zeitpunkt um das Amt des US-Präsidenten bewarb. Die Versuche Russlands, die US-Wahl zu beeinflussen, erwähnt Comey kurz und ohne irgendwelche Geheimnisse, die Ermittlungen gefährden könnten, zu verraten. Als Zeitungsleser ist man da schon seit Monaten besser informiert.

Comey schildert auch ausführlich seine Begegnungen mit Donald Trump. Comey traf Trump zum ersten Mal nach der Präsidentenwahl. Und wer seit November 2016, als Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, die Medien aufmerksam verfolgte, wird auf diesen Seiten nichts Neues erfahren.

Überraschend ist Comeys Beobachtung, dass ihn Trump und seine Entourage an die New Yorker Mafia der achtziger Jahre erinnert. Damals verdiente Comey sich seine ersten Sporen als Staatsanwalt bei Verfahren gegen Mafiosi. Dieser ziemlich kurze Einblick (für mich hätte er darüber bis zum Start von „Gotti“ [noch kein deutscher Starttermin] ganze Bücher füllen können) und seine Erinnerungen an seine Zeit als United States Deputy Attorney General, was ihn zum Stellvertretenden Justizminister und zweithöchsten Beamten im Justizministerium machte, füllen weniger als die Hälfte des Buches. Comey war vom 9. Dezember 2003 bis zum 15. August 2005 Stellvertretender Justizminister. Damals war George W. Bush Präsident. In seiner Amtszeit beschäftigte Comey sich mit dem NSA-Abhörprogramm „Stellar Wind“ und der Foltererlaubnis, die nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 bewilligt und geheim gehalten wurden. Beides wurde, als Comey sein Amt erhielt, schon lange praktiziert. Beides lehnte er ab. Beide Male hielt er die juristischen Gutachten, die sich für die Maßnahmen aussprachen, für schlechte Gefälligkeitsgutachten. Außerdem hatte er als Staatsanwalt bei der Frage, wie man Verdächtige auch ohne Folter zu Geständnissen bewegt, reichhaltige Erfahrungen aus seiner New Yorker Zeit.

Diese Episoden illustrieren seine großen Themen: die Frage, nach der richtigen Führung und die nach der richtigen Entscheidung, die von bleibenden Werten bestimmt werden. Dabei versteht Comey, der fast sein gesamtes Berufsleben im Staatsdienst verbrachte, sich als Beamter, der eine Institution vertritt und diese Institution, ihre Werte und die Werte der Gesellschaft müssen geschützt werden. Sie sind größer als die Person, die das Amt für eine bestimmte Zeit bekleidet. Dabei zieht Comey einen klaren Strich zwischen der apolitischen, sich nur nach dem Gesetz richtenden, diese objektiv und ohne Ansehen der Person anwendenden und von politischen Begehrlichkeiten freien Arbeit der Institutionen und der Politik, die Recht und Regeln je nach Opportunität anwendet. Das ist eine etwas unterkomplexe Sicht der Welt, die dazu führt, dass Verwaltung, Politik und Gesellschaft klar voneinander getrennt sind und sich nicht beeinflussen. In dieser Welt liefert die Verwaltung der Politik die objektiven Ratschläge.

Comey inszeniert sich als gänzlich unpolitischen Menschen. Als einen Staatsdiener, der den Auftrag der von ihm vertretenen Institution möglichst umfassend vertreten will. Dass er im Wahlregister bis 2016 als Republikaner eingetragen war, erwähnt er in einem Nebensatz. Dass er Geld für die Kampagnen der republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain und Mitt Romney spendete, erwähnt er nicht. Dass die meisten FBI-Agenten konservative, weiße Männer sind und er als FBI-Direktor versuchte, das zu ändern, erwähnt er. Dass die USA eine zutiefst rassistische und gespaltene Gesellschaft ist, erwähnt er dagegen höchstens in einem Halbsatz. So als hätte das keinen Einfluss auf die Arbeit von Justiz und Polizei.

Dafür geht er ausführlicher auf die Frage ein, wie gute Führung aussieht, welche Führungscharaktere seine verschiedenen Vorgesetzten (u. a. Rudy Guiliani) waren und wie er Teams und Organisationen führte. Comey plädiert dabei klar eine ethische Führung, in der der Chef durch sein Vorbild führt. Als er Trump das erste Mal trifft, bemerkt er: „Der ‚Führer der freien Welt‘, der selbst ernannte großartige Business-Tycoon, hatte das Kernprinzip von ethischer Führung nicht verstanden: Sie wird nie Loyalität verlangen. Nur diejenigen, die mit Furcht herrschen – wie ein Mafiaboss -, fordern persönliche Loyalität. Moralisch integre Führungspersönlichkeiten sorgen sich zutiefst um diejenigen, die sie führen und bieten ihnen Aufrichtigkeit und Anstand, Engagement und eigene Opfer. Sie setzen Vertrauen in ihre Leute, und das erzeugt Ergebenheit. Sie kennen ihr Talent, aber auch ihre Grenzen – wenn es darum geht, zu verstehen und zu argumentieren, darum, die Welt so zu sehen, wie sie ist, nicht wie sie sie gerne hätten. Sie sagen die Wahrheit und wissen, dass man, um kluge Entscheidungen zu treffen, Menschen braucht, die einem die Wahrheit sagen. Und damit sie diese Wahrheit zu hören bekommen, erzeugen sie eine Umgebung mit hoher Motivation und gründlicher Überlegung – ‚Liebe‘ ist dafür kein zu großes Wort. In so einer Umgebung entstehen dauerhafte Bindungen, und außergewöhnliche Errungenschaften werden möglich. Mit ethischem Führungsstil ist es nicht vereinbar Loyalität zu fordern.“

Dieses Konzept, das sich als roter Faden durch das Buch zieht und das Comey an mehreren Stellen ausführlicher erläutert, ist der vollständige Gegenentwurf zur Trumpschen Führung – und Comey bringt dieses Konzept an, um Trump allein schon auf dieser Ebene maximal zu – – – ähem, vollkommen nachvollziehbar aufzuzeigen, dass Donald Trump vollkommen ungeeignet für das Amt ist. Und auch ungeeignet ist, um irgendein Unternehmen, das mehr als eine Handvoll Mitarbeiter hat, zu leiten.

Comeys Buch „Größer als das Amt“ fügt den schon jetzt bekannten Fakten einige, eher unbedeutende Facetten hinzu und es ist ein Loblied auf den braven Beamten. Im Mittelpunkt des Buches steht dabei seine Zeit als FBI-Direktor. Sie nimmt über die Hälfte des Buches ein. Seine Zeit als Stellvertretender Justizminister nimmt weitere siebzig Seiten des 384-seitigen Buches ein.

James Comey: Größer als das Amt: Auf der Suche nach der Wahrheit – Der Ex-FBI-Direktor klagt an

(übersetzt von Pieke Biermann, Elisabeth Liebl, Werner Schmitz, Karl Heinz Siber und Henriette Zeltner)

Droemer, 2018

384 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

A higher Loyalty. Truth, Lies, and Leadership

Flatiron Books, New York, 2018

Die schon länger ausverkaufte Lesung

James Comeys Lesung am Dienstag, den 19. Juni 2018, um 20.00 Uhr im Kino International (Karl Marx Allee 133, Berlin) wird als „einzige öffentliche Veranstaltung“ angekündigt und sie ist schon seit Tagen ausverkauft. Sie wird vom Droemer Verlag, den Yorck Kinos, der American Academy und der Wochenzeitung „Die Zeit“ präsentiert. Die Zeitung bietet auch einen Livestream an; – falls man sich nicht doch auf den Weg zum Veranstaltungssaal begeben oder immer wieder versuchen will, ob es nicht doch einige zurückgegebene Karten gibt.

Hinweise

James Comey twittert

Droemer über James Comey

Wikipedia über James Comey (deutsch, englisch)


Klassiker, neu interpretiert

Juni 18, 2018

Ein kleines Liedchen zum Frühstück:

Groovy!

Mehr über das Ukulele Orchestra of Great Britain: ihre Homepage, Wikipedia (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 18. Juni: Ein schönes Mädchen wie ich

Juni 18, 2018

Arte, 20.15

Ein schönes Mädchen wie ich (Une belle fille comme moi, Frankreich 1972)

Regie: Francois Truffaut

Drehbuch: Francois Truffaut, Jean-Loup Dabadie

LV: Henry Farrell: Such a gorgeous kid like me, 1967

Alle Männer verlieben sich in die junge Camille Bliss. Aber nicht alle überleben die Begegnung mit der Schönheit.

Selten gezeigte burleske Komödie von Francois Truffaut. In „Ein schönes Mädchen wie ich“ fischt Truffaut, der ja einige grandiose Krimis inszenierte, in den Gewässern von Claude Chabrol, ohne jemals wirklich zu überzeugen. Der Film ist bestenfalls ein Sommerspaß, der plakativ die bürgerlichen Wertvorstellungen auf den Kopf stellt, die Selbstbilder der Männer (ein Haufen dummer, eitler, impotenter Gockel, für die niemand auch nur einen Funken Mitleid empfinden kann) als Selbstbetrug entlarvt und eine unschuldige Mörderin zur Sympathieträgerin macht.

mit Bernadette Lafont, Claude Brasseur, Charles Denner, Guy Marchand, André Dussolier, Philippe Léotard, Anne Kreis

Wiederholung: Mittwoch, 20. Juni, 13.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ein schönes Mädchen wie ich“

TCM über „Ein schönes Mädchen wie ich“

Wikipedia über „Ein schönes Mädchen wie ich“ (deutsch, englisch, französisch) und Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut


TV-Tipp für den 17. Juni: Der letzte Tango in Paris

Juni 16, 2018

Tele 5, 22.45

Der letzte Tango in Paris (L’ultimo Tango a Parigi, Italien/Frankreich 1972)

Regie: Bernardo Bertolucci

Drehbuch: Bernardo Bertolucci, Franco Arcalli, Agnès Varda (zusätzliche Dialoge)

In einem leeren Pariser Apartment treffen sich ein älterer Amerikaner und eine junge Französin. Sie geben sich ihren sexuellen Trieben hin und öffnen dem anderen ihre Seele.

Damals war’s ein Skandalfilm, bei dem besonders die aus heutiger Sicht sehr harmlosen Sexszenen provozierten. Heute ist es ein immer noch in jeder Beziehung beeindruckender Film über sexuelle Obsessionen und existentielle Verzweiflung. Halt ein zeitloser Klassiker und einer der Brando-Filme, die man gesehen haben muss.

Michael Althen schlug in „Marlon Brando“ (Bertz Verlag, 2004) in seiner Besprechung von „Der letzte Tango in Paris“ die Brücke zu „Die Träumer“: „Zwei Menschen begeben sich in die camera obscura eines unmöblierten Pariser Appartements, um herauszufinden, ob es ein Leben jenseits von Geschichte und Geschichten geben kann, ob man alles abstreifen und sich neu erfinden kann. Und so wie dieser Film ein Schlag ins Gesicht jener Jahre war, ist es auch The Dreamers (Die Träumer, 2003), mit dem Bertolucci unlängst jene Jahre Revue passieren ließ. Die Wahrheit, von der diese Filme erzählen, ist aber, dass im Scheitern womöglich der ganze Zweck des Lebens liegt. Brando mag sich für den Einzigen gehalten haben, der in seiner Biographie gefangen ist – dabei ist er nur ein Mensch wie du und ich.“

Tele 5 zeigt den Film als Teil seiner skandalös gelungenen Skandalfilm-Reihe, die heute mit „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ (um 20.15 Uhr) und „Idioten“ (um 01.20 Uhr) skandalös lang ist.

Mit Marlon Brando, Maria Schneider, Jean-Pierre Léaud, Massimo Girotti, Catherine Breillat

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der letzte Tango in Paris“

Wikipedia über „Der letzte Tango in Paris“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 16. Juni: Live Flesh – Mit Haut und Haar

Juni 15, 2018

RIC, 22.10

Live Flesh – Mit Haut und Haar (Carne Trémula, Spanien/Frankreich 1997)

Regie: Pedro Almodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar, Ray Loriga, Jorge Guerricaechevarria

LV: Ruth Rendell: Live Flesh, 1986 (In blinder Panik)

Sechs Jahre nachdem Victor einen Polizisten zum Krüppel schoss, kreuzen sich wieder ihre Wege.

Ein typischer Almodóvar-Film. „Almodóvar pendelt in überraschenden Wendungen geschickt zwischen Pathos und Ironie, ohne völlig in den schrillen Erzählton früherer Werke zu kippen.“ (Zoom 8/98)

mit Liberto Rabal, Javier Bardem, Francesca Neri, Angela Molina

Wiederholung: Freitag, 22. Juni, 22.25 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Live Flesh“

Wikipedia über „Live Flesh“ (deutsch, englisch) und Ruth Rendell (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Ruth Rendell

Contemporary Writers über Ruth Rendell

Womankind: Interview mit Ruth Rendell (1994)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Julieta“ (Julieta, Spanien 2016)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Der Horror! Der Horror in „Hereditary – Das Vermächtnis“

Juni 15, 2018

Hereditary – Das Vermächtnis“, der Debütfilm von Ari Aster, gehört zu den Horrorfilmen, die schon von der ersten Minute an erkennbar höhere Ambitionen haben, als der üblicher Slasher-Jumpscare-Found-Footage-Horrorfilm für Teenager, in denen Sex die Vorstufe für Tod ist.

Asters Film beginnt mit einer Beerdigung, die wie unzählige andere Beerdigungen ist: eine Ansammlung trauernder Menschen, die sich teilweise zum ersten und letzten Mal sehen. Die Verstorbene ist Annie Grahams Mutter. Über sie erfahren wir während des Films wenig, außer dass sie eine dominante Person war. So dominant, dass Annie (Toni Collette) zu Lebzeiten nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte und sich jetzt förmlich zum Trauern zwingen muss. Trotzdem will sie später, während einer Séance, Kontakt zu ihr aufnehmen – und man muss keine Myriaden von Horrorfilmen gesehen haben, um zu wissen, wie das ausgeht. In dem Moment bewegt sich Annies Familie – ihre beiden Kinder Peter (Alex Wolff), kurz vor dem Erwachsenwerden, und seine noch vor der Pubertät stehende, einzelgängerische Schwester Charlie (Milly Shapiro) und ihr Mann Steve (Gabriel Byrne in einer Nebenrolle) – bereits wie traumatisiert durch den Film und das einsam gelegene große Haus der Grahams.

In dem Haus arbeitet Annie als Künstlerin. Sie baut Modellwelten mit Miniaturfiguren. Dabei sind ihre Landschaften keine Fantasielandschaften, sondern fotorealistische Darstellungen von Ereignissen aus ihrem Leben. Oft geht es um das Sterben und den Tod von Menschen, zu denen sie eine enge Beziehung hatte. Wie ihrer Mutter.

Aster lässt schon in den ersten Filmminuten die Grenze zwischen der Realität und den Miniaturlandschaften verschwimmen. Bereits in diesem Moment bewegen die Grahams sich in ihrem Haus wie in einem Puppenhaus, das zu einer Bühne umfunktioniert wurde und sie zu Marionetten macht. Die Inszenierung unterstreicht diesen Effekt durchgehend. Die Kamera ist oft so unnatürlich positioniert, dass die Zimmer im Grahamschen Haus immer wie ein sorgfältig arrangierter Teil einer Theaterbühne aussehen. Es wird selten geschnitten und die Szenen dauern meisten länger, als man es gewohnt ist. Manchmal quälend lang. Und dabei geht es nicht um Bilder von herausquellenden Gedärmen, sondern um Bilder von Gesichtern, die etwas sehen. All das trägt, neben dem Spiel der Schauspieler, zur irrealen Feel-Bad-Atmosphäre bei.

Die Themen die Aster dabei anspricht – Trauer, Schuld und Schuldgefühle in einer unangenehm verkorksten Familie – steigern das. Denn die Familie Graham will über ihre Geheimnisse nicht sprechen.

Mit zunehmender Laufzeit wird allerdings auch ein erzählerischer Stillstand deutlich. Anstatt sich für einen Charakter zu entscheiden und dann dessen Geschichte zu erzählen, mutiert „Heriditary“ zu einem Best-of des Okkult-Horrors. Jeder Charakter darf sich mit dem Dämon seiner Wahl herumschlagen. Wie diese Bedrohungen miteinander zusammenhängen und welcher Dämon der fieseste ist, bleibt unklar. Und nach zwei Stunden gibt es eine kryptische Erklärung, die doch aus ziemlich heiterem Himmel kommt.

So ist „Heriditary“ ein Horrorfillm für Menschen, die auch etwas Nachdenken wollen, inszeniert von einem Regisseur, der seine Vorbilder genau studiert hat und sie jetzt mit einem beträchtlichen Gestaltungswillen innerhalb einer Familienaufstellung verarbeitet. Es ist allerdings auch ein Feel-Bad-Film, der im Vergleich zu anderen aktuellen und hochgelobten Horrorfilmen nicht so packend ist, wie er sein könnte.

Und, ja, ich habe um den Plot herumgeschrieben und keine anderen Filme genannt, um keine Hinweise auf den Verlauf und das Ende der Geschichte zu geben. Die entwickelt sich nämlich an mehreren Stellen konträr zu allen Erwartungen.

Darüber können wir dann zum DVD-Start sprechen.

Hereditary – Das Vermächtnis (Hereditary, USA 2018)

Regie: Ari Aster

Drehbuch: Ari Aster

mit Toniy Collette, Gabriel Byrne, Alex Wolff, Milly Shapiro, Ann Dowd

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Hereditary“

Metacritic über „Hereditary“

Rotten Tomatoes über „Hereditary“

Wikipedia über „Hereditary“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 15. Juni: Womit habe ich das verdient?

Juni 15, 2018

Ric, 22.25

Womit habe ich das verdient? (¿Qué he hecho yo para merecer esto?, Spanien 1984)

Regie: Pedro Almodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Gloria hat es nicht leicht mit ihrem despotischen Ehemann und ihren missratenen Kindern. Als ihr Mann für einen Besuch bei seiner Ex-Geliebten ein gebügeltes Hemd verlangt, reicht es ihr. Sie erschlägt ihn mit einer Schinkenkeule…

Das Ensemblestück ist ein Frühwerk von Almodóvar, das bei uns sogar 1991 im Kino lief und dann in der Versenkung verschwand. Im Fernsehen wurde die Komödie gut zwanzig Jahre nicht ausgestrahlt.

Obwohl die vorliegende Proletarierstudie von 1984 weder in Tempo noch in satirischer Schärfe mit den neueren Filmen mithalten kann, lässt sie doch schon Almodóvars eigenwillige Handschrift erkennen, so seinen Hang zu schrillen Farben und sexuellen Extravaganzen. Der beste Einfall in dieser lahmen Außenseitergroteske, die ihre Ideenarmut mit zahlreichen Nebenhandlungen zu kaschieren sucht, ist der absurde Plan, gefälschte Hitler-Tagebücher herzustellen.“ (Fischer Film Almanach 1992)

mit Carmen Maura, Angel de Andrés López, Chus Lampreave, Verónica Forqué, Kiti Manver

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Womit habe ich das verdient?“

Wikipedia über „Womit habe ich das verdient?“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Julieta“ (Julieta, Spanien 2016)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Wim Wenders porträtiert „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Juni 14, 2018

In den vergangenen Jahrzehnten drehte Wim Wenders neben seinen Spielfilmen etliche Dokumentarfilme über Künstler, die er bewundert. Wie den Regisseur Nicholas Ray in „Nick’s Film – Lightning Over Water“, den Modeschöpfer Yohji Yamamoto in „Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten“, und, zuletzt, den Fotografen Sebastião Salgado in „Das Salz der Erde“. Ein Welterfolg war „Buena Vista Social Club“. In dem Film beobachtet er, wie Ry Cooder und kubanische Musiker eine CD aufnehmen, die sich später wie geschnitten Brot verkauft. Wenders nähert sich in den Filmen immer feinfühlig, respektvoll und abseits jeglicher kritischer oder enthüllender Attitüde den Porträtierten. Mit seinen Dokumentarfilmen will er anderen Menschen von Künstlern erzählen, deren Werk ihn beeindruckt. In der Hoffnung, dass wir uns dann auch für ihn und sein Werk interessieren. Außerdem ist so ein Filmprojekt eine gute Gelegenheit, viele Stunden in der Nähe des Porträtierten zu verbringen. Abgesehen von „Pina“, einer Hommage an Pina Bausch und ihr Tanztheater, und der Sängerin Omara Portuondo in „Buena Vista Social Club“ porträtierte Wenders in seinen Dokumentarfilmen nur Männer.

Auch in „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ porträtiert er einen Mann und dieser Film zeigt auch die Grenzen seines Ansatzes auf. Er begleitet Papst Franziskus, das amtierende Oberhaupt der katholischen Kirche, bei seinen Reisen und führte vier längere Gespräche mit ihm. Dafür stellte er über fünfzig universelle Fragen zusammen, die wahrscheinlich viele Menschen dem Papst stellen würde. Diese Gespräche nahm Wenders mit einem Interrotron auf; einen umfunktionierten Teleprompter der es dem Interviewten ermöglicht, direkt in die Kamera zu blicken. Und so blickt der immer schelmisch lächelnde alte Mann direkt in den Zuschauerraum. Das Material ergänzt Wenders um Aufnahmen aus dem Archiv des vatikanischen Fernsehens Centro Televisivo Vaticano (CTV). Das CTV dokumentiert akribisch, teils mit mehreren Kameras und in guter Qualität, alles, was der Papst tut. Zusätzlich inszenierte Wenders mit Schauspielern einige Szenen aus dem Leben von Franz von Assisi, dem Namenspaten des 1936 in Buenos Aires geborenen Jesuiten Jorge Mario Bergoglio, der Ende 2013 zu Papst Franziskus wurde.

In dem Film entsteht schnell das Bild eines Papstes, der sich, wie Franz von Assisi, wenig um irdische Habseligkeiten kümmert. Er will die Botschaft des Herrn verkünden, den Armen helfen, für Frieden sorgen und die Schöpfung retten. Er ist den Menschen zugewandt. Er predigt. Er redet. Er sagt viele sehr vernünftige Sätze. Er reist rastlos um die Welt. Immer wieder sehen wir ihn mit flatterndem Gewand, von hinten aufgenommen, im fahrenden Papamobil stehend, die vorbeihuschenden Massen segnend, auf seiner rastlosen Reise um die Welt, um diese mit dem Handauflegen und Reden zu einem besseren Platz zu machen. Dabei entdeckt er einmal sogar in der Menschenmenge eine Ordensschwester, die er von früher kennt. Spontan wechselt er einige Worte mit ihr. Für den Film wurde sie ausfindig gemacht und Schwester Eufemia ist jetzt die einzige Person in dem Film, die neben dem Papst etwas sagt.

In „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ ist der Papst ein von seiner Mission getriebener Mann, der offenherzig auf andere Menschen zugeht, der mit dem Wort Gottes für eine bessere Welt predigt, der sich für die Verständigung zwischen den Religionen einsetzt und der die katholische Kirche reformieren will.

Er ist das Oberhaupt einer Weltreligion, eines riesigen Wirtschaftsunternehmens und einer über beträchtlichen politischen Einfluss verfügenden Organisation. Er redet nicht nur, er kann auch Menschen mobilisieren und Veränderungen herbeiführen. Ob und inwiefern er das versucht und wie erfolgreich er dabei ist, wird in „Papst Franziskus“ nicht thematisiert. Der Film interessiert sich auch nicht für die Gegner von Papst Franziskus. Denn Papst Franziskus hat innerparteiliche Kritiker und Feinde. Vor allem unter den konservativen Christen.

Wenders geht in seinem Papstporträt darauf nicht ein. Es interessiert ihn nicht. Jedenfalls nicht im Rahmen eines Wenders-Dokumentarfilms, der sich nicht durch kritische Distanz, sondern durch hemmungslose Empathie für den Porträtierten auszeichnet.

Aber ein Film über den Papst muss auch über den Einfluss der Kirche auf die Welt und die Konflikte innerhalb der Kirche sprechen.

Diese fehlende politische Dimension, die in Wenders‘ anderen Dokumentarfilmen nicht weiter auffiel, ist hier eine Leerstelle, die die Grenzen der Methode Wenders aufzeigt. Ein Papst kann nicht nur als Gläubiger porträtiert werden. Er muss, vor allem ein so politischer Papst wie Papst Franziskus, auch als Homo Politicus gezeigt werden und dann muss gezeigt werden, wie er versucht, seine Ziele zu erreichen (und da sind salbungsvolle Worte, wenn sie nicht mit Taten unterfüttert werden, nur salbungsvolle Worte) und gegen welche Widerstände, vor allem natürlich institutionelle Widerstände, er dabei kämpfen muss und wie er damit umgeht. Denn Franziskus ist wegen seiner liberalen Agenda bei konservativen Katholiken, höflich formuliert, sehr umstritten.

Am Ende ist „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ nur ein Werbefilm der katholischen Kirche für die katholische Kirche ist. Gut gemacht, aber auch absolut kritikfrei, entsprechend oberflächlich und mit beschränktem Erkenntnisgewinn. Jedenfalls wenn man von einem Film über einen Papst mit einer politischen Agenda mehr erwartet als eine zweistündige salbungsvolle Sonntagspredigt.

P. S.: Der Titelsong ist „These are the Words“ von Patti Smith und Tony Shanahan.

Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Wim Wenders, David Rosier

mit Papst Franziskus, Schwester Eufemia, Ignazio Oliva, Carlo Faconetti, Danielle de Angelis

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Metacritic über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Rotten Tomatoes über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Wikipedia über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Juni: Kanonenboot am Yangtse-Kiang

Juni 14, 2018

Tele 5, 20.15

Kanonenboot am Yangtse-Kiang (The Sand Pebbles, USA 1966)

Regie: Robert Wise

Drehbuch: Robert Anderson

LV: Richard McKenna: The Sand Pebbles, 1962 (Die Sandjacken, Das Kanonenboot vom Yangtse-Kiang)

China, 1926: ein US-Kanonenboot gerät zwischen die Fronten des beginnenden chinesischen Bürgerkriegs.

Dreistündiges (mit Werbung gut vierstündiges), damals bei der Kritik und dem Publikum erfolgreiches, für je acht Oscars und Golden Globes nominiertes Epos, das seit Ewigkeiten nicht im TV lief.

Eine technisch perfekte, eindrucksvolle Großproduktion mit guten Schauspielern.“ (Lexikon des internationalen Films)

Wise hat den Film so gedreht und den Stoff in so besonders exemplarische Situationen umgesetzt, dass er – sozusagen als Lehrstück – auf Vietnam übertragbar ist. (…) Es gelingt Wise hervorragend, das Lehrstückhafte des Films durch die überzeugende Charakterisierung aller Gestalten, durch einen bestechenden Realismus im Milieu und durch eine völlig entkrampfte Dramaturgie, die nicht von Lehrstück-Situation zu Lehrstück-Situation hastet, mit Leben zu füllen.“ (Eckhart Schmidt, Film 5/1967)

Die nächsten Filme von Steve McQueen waren „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ und „Bullit“.

mit Steve McQueen, Richard Attenborough, Richard Crenna, Candice Bergen, Marayat Andriano, Mako, Larry Gates, Charles Robinson, Simon Oakland, Ford Rainey

Wiederholung: Samstag, 16. Juni, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Kanonenboot am Yangtse-Kiang“

Wikipedia über „Kanonenboot am Yangtse-Kiang“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Wises „Vorposten in Wildwest“ (Two Flags West, USA 1950)

Meine Besprechung von Robert Wises „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain, USA 1971)


TV-Tipp für den 13. Juni: April und die außergewöhnliche Welt

Juni 12, 2018

Arte, 23.05

April und die außergewöhnliche Welt (Avril e le monde truque, Frankreich/Kanada/Belgien 2016)

Regie: Franck Ekinci, Christian Desmares

Drehbuch: Frank Ekinci, Benjamin Legrand

LV: Jacques Tardi: L’histoire d’un monde truqué

1941, in einen Steampunk-Europa, verkehrt eine dampfbetriebene Seilbahn zwischen Paris und Berlin und der letzte Krieg ist in dieser von der industriellen Revolution geprägten Welt schon siebzig Jahre her. Weil einige Wissenschaftler verschwanden, wurden saubere Elektroantriebe nie erfunden. Da stoßen die junge April und ihr mutierter Kater auf der Suche nach ihren verschwundenen Wissenschaftler-Eltern auf etwas, das das Verschwinden der Wissenschaftler erklären könnte.

TV-Premiere eines SF-Trickfilms, für den Comickünstler Jacques Tardi die Vorlage schrieb und die Design-Bibel entwarf.

einfallsreiche Ästhetik mit einer vielschichtigen Geschichte“ (Lexikon des internationalen Films)

Davor, um 21.50 Uhr, zeigt Arte den auf der Geschichte von George Orwell basierenden Trickfilmklassiker „Aufstand der Tiere – Animal Farm“ (Großbritannien 1954). Und danach, um 00.45 Uhr, den Trickfilm „Tod eines Genossen“ (Frankreich 2017).

Wiederholung: Sonntag, 17. Juni, 09.25 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „April und die außergewöhnliche Welt“

Metacritic über „April und die außergewöhnliche Welt“

Rotten Tomatoes über „April und die außergewöhnliche Welt“

AlloCiné über „April und die außergewöhnliche Welt“

Wikipedia über „April und die außergewöhnliche Welt“ (englisch, französisch)


Cover der Woche

Juni 12, 2018


TV-Tipp für den 12. Juni: Armeen im Griff der Konzerne: Verteidigung als Geschäft

Juni 12, 2018

Arte, 20.15

Armeen im Griff der Konzerne: Verteidigung als Geschäft (Deutschland 2018)

Regie: Jutta Pinzler

Drehbuch: Jutta Pinzler

Als Teil des Arte-Themenabends „Krise als Geschäft“: eine spielfilmlange Doku die Verstrickungen der deutschen und französischen Streitkräfte mit privaten Firmen und welche Folgen das haben kann.

Wie viel Outsourcing verträgt das staatliche Gewaltmonopol und was heißt das für die demokratische Kontrolle militärischer Aktionen? Unsere Autoren hatten Zugang zur französischen Armee und der Bundeswehr, konnten bei Übungen und Auslandseinsätzen wie in Afghanistan drehen und Verantwortliche aus Politik, Armee und Industrie mit ihren Recherchen konfrontieren. Die investigative Dokumentation legt offen, wie weit die Privatisierung bereits fortgeschritten ist, wie eng die Verbindungen zur Rüstungsindustrie sind und welche fatalen Folgen diese Verstrickungen in der Zukunft haben könnten.“ (Arte)

In den USA spricht man schon lange von einem ‚militärisch-industriellem Komplex‘, der einen starken Einfluss auf die Politik hat.

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 9. September 2018 in der Mediathek)


Das ist „Die dunkelste Stunde“ für die Gegner des Punisher

Juni 11, 2018

Nachdem Frank Castle die Verbrecherorganisation Condor besiegte, kehrt der Punisher zurück nach New York und er tut das, wofür er bekannt ist. Er knöpft sich Verbrecher vor und bestraft sie. Normalerweise gleichzeitig als Polizist, Richter und Vollstrecker.

In dem neuesten „Punisher“-Buch „Die dunkelste Stunde“ sind die letzten fünf von Becky Cloonan geschriebenen „Punisher“-Hefte gesammelt. Es handelt sich dabei um drei Geschichten von der Länge eines Hefte. Die vierte Geschichte, in der Castle gegen Face kämpfen muss, umfasst zwei Hefte und ist ein Nachschlag zu Castles Kampf gegen die Verbrecherorganisation Condor, die mit der Droge EMC experimentierte. Face hat eine Überdosis EMC erhalten, was ihn unempfindlich gegen Schmerzen macht.

In den anderen Geschichten kämpft Castle gegen gewöhnlichere Gegner, wie einen gewalttätigen Stalker, Kunstdiebe und einem Mann, der wahllos Menschen vor U-Bahnen stößt.

Insgesamt liefern die vier Geschichten genau das, was der „Punisher“-Fan erwartet: knackig brutale Unterhaltung, garniert mit einigen zynischen Sprüchen. Weil es sich dieses Mal um kurze Geschichten handelt, ist alles kleiner als gewohnt. Insofern ist „Die dunkelste Stunde“ vor allem ein Zwischenhappen bis zum nächsten großen, mehrere Einzelhefte umfassendem „The Punisher“-Abenteuer.

Becky Cloonan/Matt Horak/Kris Anka: The Punisher: Die dunkelste Stunde

(übersetzt von Carolin Hidalgo)

Panini, 2018

116 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

The Punisher, Vol. 3: King of the New York Streets

Marvel, 2018

enthält

The Punisher (2016) # 13 – 17

Marvel, August 2017 – Dezember 2017

Hinweise

Homepage von Becky Cloonan

Wikipedia über “The Punisher” Frank Castle (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Steve Dillons „The Punisher: Frank ist zurück“ (The Punisher # 1 – 12, 2000/2001)

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner) „The Punisher – Garth Ennis Collection 7“ (Up is Down and Black is White, The Slavers, 2005/2006)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Goran Parlov/Leandro Fernandezs “The Punisher – Garth-Ennis-Collection 8″ (Barracuda, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 31 – 36), Man of Stone, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 37 – 42), 2006/2007)

Meine Besprechung von Garth Ennis‘ „The Punisher – Garth-Ennis-Collection 9“ (Widowmaker, Part 1 – 7 [Punisher (MAX) Vol. 43 – 49], Long Cold Dark, Part 1 – 5 [Punisher (MAX) Vol 50 – 54], 2007/2008)

Meine Besprechung von Garth Ennis‘ „The Punisher – Garth-Ennis-Collection 10“ (Valley Forge, Valley Forge, Part 1 – 6 [Punisher (MAX) Vol. 55 – 60], 2008)

Meine Besprechung von Jason Aaron (Autor)/Steve Dillons (Zeichner) “PunisherMax: Kingpin (Max 40)” (PunisherMax: Kingpin, Part 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Jason Aaron/Steve Dillons „The Punisher (MAX) 48: Frank“ (PunisherMax: Frank, 2011)

Meine Besprechung von Jason Aaron/Steve Dillons „The Punisher (MAX) 49: Der letzte Weg“ (PunisherMax: Homeless, 2011/2012)

Meine Besprechung von Greg Rucka (Autor)/Marco Checcetto (Zeichner)/Max Fiumaras (Zeichner) „Punisher 1: Ermittlungen“

Meine Besprechung von Charlie Huston/Andy Diggle/Kyle Hotz‘ „PunisherMAX: Hässliche kleine Welt“

Meine Besprechung von Scott M. Gimple (Autor)/Mark Texeiras (Zeichner) „100 % Marvel 72 – Punisher: Nightmare“ (Punisher: Nightmare # 1 – 5, 2013)

Meine Besprechung von Becky Cloonan/Steve Dillons „Punisher: Operation Condor (Band 1)“ (The Punisher # 1 – 6, Juli 2016 – Dezember 2016)

Becky Cloonan/Steve Dillon/Matt Horak/Laura Bragas „The Punisher: Wilde Bestien (Band 2)“ (The Punisher # 7 – 12, Februar – Juli 2017)

Meine Besprechung von Mark Goldblatts „The Punisher“ (The Punisher, USA/Australien 1989)

 

 


TV-Tipp für den 11. Juni: Phoenix

Juni 10, 2018

One, 20.15

Phoenix (Deutschland 2014)

Regie: Christian Petzold

Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki (Mitarbeit)

LV (nach Motiven): Hubert Monteilhet: Le retour des cendres, 1961 (Der Asche entstiegen)

Deutschland, nach dem 2. Weltkrieg: die Auschwitz-Überlebende Nelly will wieder zurück zu ihrem Mann Johnny, der sie verraten haben soll. Johnny erkennt sie nicht, aber ihm fällt Nellys Ähnlichkeit zu seiner Frau auf und das will er ausnutzen, um an Nellys Vermögen zu kommen. Nelly macht, nicht ohne Hintergedanken, das Spiel mit.

Ein gewohnt sehenswerter Petzold-Film.

Mehr in meiner Besprechung.

mit Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Nina Kunzendorf, Michael Maertens, Imogen Kogge, Kirsten Block

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Phoenix“
Moviepilot über „Phoenix“
Rotten Tomatoes über „Phoenix“

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Phoenix“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Transit“ (Deutschland/Frankreich 2018)

Christian Petzold in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Juni: Adieu Bulle

Juni 10, 2018

Arte, 20.15

Adieu Bulle (Adieu Poulet, Frankreich 1975)

Regie: Pierre Granier-Deferre

Drehbuch: Francis Veber

LV: Raf Vallet: Adieu Poulet!, 1974 (Adieu, Bulle)

Kommissar Verjeat ermittelt, mitten im tobenden Provinzwahlkampf, gegen einen einflussreichen Politiker, der wahrscheinlich auch ein Mörder ist.

Der „perfekte Actionfilm“ (Lexikon des internationalen Films) bot Lino Ventura, nach einigen untypischen Rollen, wieder eine Glanzrolle. „Fast alle Ingredienzien der von Regisseuren wie Becker, Melville, Sautet und Enrico geprägten Gattung kommen vor, auch jene spröde Männerfreundschaft, die den französischen Unterweltfilm schon immer als europäisches Gegenstück zum Western auswies.“ (Hans Christoph Blumenberg, Kölner Stadt-Anzeiger) Für die Verfilmung wurde die Story kräftig geändert. Daher lohnt sich die Lektüre von Vallets Roman durchaus. Wenn man in einem Antiquariat ein Exemplar auftreibt.

Mit Lino Ventura, Patrick Dewaere, Victor Lanoux, Julien Guiomar, Francoise Brion, Claude Rich

Wiederholung: Montag, 11. Juni, 14.00 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „Adieu Bulle“

Rotten Tomatoes über „Adieu Bulle“

Wikipedia über „Adieu Bulle“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 9. Juni: Panic Room

Juni 8, 2018

RTL II, 23.05

Panic Room (Panic Room, USA 2002)

Regie: David Fincher

Drehbuch: David Koepp

Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.

Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.

David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.

Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)

Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Panic Room“

Wikipedia über David Fincher (deutsch, englisch) und „Panic Room“ (deutsch, englisch)

Die Welt: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Süddeutsche Zeitung: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Drehbuch „Panic Room“ von David Koepp

The Works and Genius of David Fincher (Fan-Blog – mit einem „Panic Room“-Special)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Juni: Kölner Treff (u. a. mit Wim Wenders)

Juni 8, 2018

WDR, 22.00

Kölner Treff

Lockere Talkrunde. Heute unter anderem mit Wim Wenders, der sicher vor allem über seinen neuen sehenswerten, aber arg unkritisch-verklärenden Dokumentarfilm „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Kinostart: 14. Juni) reden wird. Vielleicht erzählt er auch einiges über „Der Himmel über Berlin“ (auf der Berlinale wurde eine restaurierte Fassung präsentiert, die anschließend im Kino lief und auf DVD/Blu-ray veröffentlicht wurde) und seinen neuen eher missglückten Spielfilm „Grenzenlos“ (Kinostart: 2. August) (Die Filmbesprechungen gibt es zum Kinostart.).

Zu den anderen Gästen gehört Berlinale-Chef Dieter Kosslick.

Hinweise

WDR über die Sendung

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. Juni: GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia

Juni 6, 2018

Kabel 1, 22.50

GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (USA 1990, Regie: Martin Scorsese)

Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi

LV: Nicholas Pileggi: Wiseguy, 1985 (Der Mob von innen)

Preisgekrönter und mitreisender Gangsterfilm über das Leben des Mafia-Aussteigers Henry Hill zwischen 1955 und 1980 in New York.

Bei Scorsese sind Gangster die Kehrseite des amerikanischen Traums und die Mafia keine ehrenwerte Gesellschaft, sondern eine Ansammlung von Killern, Schlägern und Betrügern.

mit Robert De Niro, Joe Pesci (Oscar als bester Nebendarsteller), Ray Liotta, Lorraine Bracco, Paul Sorvino

Hinweise

Rotten Tomatoes über „GoodFellas“

Wikipedia über “GoodFellas” (deutsch, englisch) und über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte