Über Anthony Ryans „Ein Fluss so rot und schwarz“

März 13, 2024

Das klingt jetzt wie der Beginn von einem Witz. Es ist aber der Auftakt für einen Horrorthriller.

Auf einem Boot erwachen Conrad (der sich sofort erschießt), Dickinson, Huxley, Rhys, Golding, Plath und Pynchon. Selbstverständlich heißen sie nicht so. Diese Namen bekannter und wichtiger Schriftsteller wurden ihnen auf den Arm tätowiert. An ihre richtigen Namen erinnern die Männer und Frauen sich nicht. Auch nicht an ihre Vergangenheit. Frühere Fähigkeiten und Wissen können sie aber spontan und je nach Situation abrufen. Es sind Fähigkeiten, die sie vermuten lassen, dass sie früher als Polizist, Soldat, Ärztin, Physikerin, Polarforscherin und Historiker arbeiteten. Oder sich sehr für dieses Thema interessierten. Für was sie diese Fähigkeiten jetzt brauchen könnten, wissen sie nicht. Sie wissen auch nicht, wohin das Boot sie fährt.

Später erkennen sie anhand einer Karte, die auf einem Bildschirm erscheint, dass sie auf der Nordsee sind und in Richtung Themse und London fahren. Es ist nicht mehr das heutige London, sondern ein zerstörtes, teils von Pflanzen überwuchertes London. Am Ufer und im Wasser sind gefährliche, teils mutierte Wesen, die sie töten wollen.

Während der Fahrt werden sie über ein Satellitentelefon immer wieder von einer ausdruckslosen weiblichen Stimme angerufen. Die Stimme gibt ihnen Anweisungen. So sollen sie jeden anderen ‚Schriftsteller‘ sofort umbringen, wenn er sich an seine Vergangenheit erinnert. Dann werde er zu einer tödlichen Gefahr für sie. Erklärungen gibt die Stimme nicht. Im Lauf der Fahrt veranlasst sie allerdings, dass bestimmte, vorher verschlossene Fächer auf dem Boot aufgehen. So erhalten sie verschiedene Dinge, die für ihre Mission wichtig sind. Zum Beispiel Sprengstoff. Ziemlich schnell ahnen Huxley und seine Mitreisenden, dass sie für diese Mission ausgewählt wurden. Sie sollen sich sogar freiwillig zu dieser Selbstmord-Mission gemeldet haben.

Ein Fluss so rot und schwarz“ ist Anthony Ryan erster Ausflug ins Horror- und Thriller-Genre. Normalerweise schreibt er dickleibige, mehrbändige Fantasy-Epen. Hier erzählt er auf unter 270 Seiten eine spannende Geschichte mit – soviel kann verraten werden – einer befriedigenden Auflösung.

Bis dahin stehen die, uh, Schriftsteller ständig vor neuen Herausforderungen, während sie versuchen, mehr über sich, ihre Vergangenheit, ihre Mission und die Welt, durch sie fahren, herauszufinden. Dabei treibt Ryan die Hauptgeschichte ständig voran, entwirft eindrückliche Bilder einer postapokalyptischen Großstadt und streut klug Informationen über die Mission und die Katastrophe, die London vernichtete, ein.

Der Pageturner könnte die Vorlage für einen spannenden Science-Fiction-Horrorthriller sein, wenn die Bootsfahrt durch London entlang der zerstörten Sehenswürdigkeiten nicht so teuer wäre.

Bis dahin muss halt gelesen werden.

Anthony Ryan: Ein Fluss so rot und schwarz

(aus dem Englischen von Sara Riffel)

Tropen, 2023

272 Seiten

22 Euro

Originalausgabe (als A. J. Ryan [Iain Banks hat in seiner Heimat, damit das Publikum auf den ersten Blick zwischen seinen Science-Fiction-Romanen und seinen Thriller unterscheiden konnte, ebenfalls mit einer kleinen Variation seines Namens gearbeitet])

Red River Seven

Orbit, London, 2023

Hinweise

Tropen über Anthony Ryan

Homepage von Anthony Ryan

Wikipedia über Anthony Ryan

 


TV-Tipp für den 13. März: Ein Mann für gewisse Stunden

März 12, 2024

Der älteste Film des Tages:

https://youtu.be/V82L4JRMk_c

ZDFneo, 23.10

Ein Mann für gewisse Stunden (American Gigolo, USA 1980)

Regie: Paul Schrader

Drehbuch: Paul Schrader

„American Gigolo“ Julian (Richard Gere) lebt in Los Angeles als Callboy für die Damen der Oberschicht. Das ist kein Problem, bis sich eine Politkergattin in ihn verliebt und er in ein Mordkomplott hineingezogen wird.

Für Richard Gere war der an der Kinokasse erfolgreiche Film der große Durchbruch als Schauspieler und Paul Schrader, der davor unter anderem das Drehbuch für „Taxi Driver“ schrieb, hatte als Regisseur plötzlich ein ganz anderes Standing in Hollywood.

Heute ist die Charakterstudie eines einsamen Mannes ein Klassiker, der damals allerdings von der Kritik nicht so geliebt wurde: „Paul Schrader hat so gut wie alle Möglichkeiten des Themas verschenkt. (…) Das Produkt verkommt in der Kulisse.“ (Fischer Film Almanach 1981) oder „Elegant inszeniert, mit überlegenswerten Zwischentönen, aber insgesamt in der Behandlung des Themas zu oberflächlich, kommt der Film über anspruchsvollere Unterhaltung nicht hinaus.“ (Lexikon des intenationalen Films)

Dabei ist Julian doch der Prototyp eines oberflächlichen Mannes, der sich (auch berufsbedingt) durch Äußerlichkeiten definiert und der in einer Welt des schönen Scheins lebt. Und Schraders Film eine Vorschau auf die achtziger Jahre.

2007 drehte Paul Schrader mit „The Walker – Ein Freund gewisser Damen“ ein Quasi-Remake/Fortsetzung. Woody Harrelson spielt darin den eleganten Beglücker älterer Damen.

Mit Richard Gere, Lauren Hutton, Hector Elizondo, Nina von Pallandt, Bill Duke

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ein Mann für gewisse Stunden“

Wikipedia über „Ein Mann für gewisse Stunden“ (deutsch, englisch)

Paul Schrader in der Kriminalakte


Cover der Woche

März 12, 2024

Schönes Retro-Cover


TV-Tipp für den 12. März: Becoming Nawalny – Putins Staatsfeind Nr. 1

März 11, 2024

Arte, 20.15

Becoming Nawalny – Putins Staatsfeind Nr. 1 (Deutschland 2024)

Regie: Igor Sadreev, Aleksandr Urzhanov

Drehbuch: Igor Sadreev, Aleksandr Urzhanov

Spielfilmlange Doku, die seit Alexei Nawalnys Tod am 16. Februar 2024 in einem sibirischen Straflager auch online verfügbar ist.

Igor Sadreev und Aleksandr Urzhanov unterhielten sich für ihre Doku über Nawalnys Leben mit Weggefährte, Freunden und Kritikern des Mannes, der zum weltweit bekanntesten russischen Oppositionellen und erbitterten Gegner Putins wurde.

Hinweise

Arte über die Doku (in der Mediathek bis zum 29. Juni 2024)

Wikipedia über Alexei Nawalny (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Daniel Rohers Dokumentarfilm „Nawalny“ (Nawalny, USA 2022) (u. a. ausgezeichnet mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm)


Die Oscar-Gewinner 2024

März 11, 2024

Große Überraschungen gab es bei der diesjährigen, sehr flott über die Bühne gegangenen Oscar-Verleihung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences nicht. Dafür war „Oppenheimer“ der viel zu eindeutig gesetzte Favorit. „Poor Things“ und „The Zone of Interest“ schlugen sich tapfer – und Emma Stone war fassungslos, als sie – überraschend nach den Prognosen, aber sehr verdient – für ihr Spiel in „Poor Things“ einen Oscar als beste Schauspielerin erhielt.

Hier ist die vollständige Liste mit allen Nominierungen und den Gewinnern:

Best Picture

Nominees

American Fiction (Ben LeClair, Nikos Karamigios, Cord Jefferson und Jermaine Johnson, Producers)

Anatomy of a Fall (Marie-Ange Luciani und David Thion, Producers)

Barbie (David Heyman, Margot Robbie, Tom Ackerley und Robbie Brenner, Producers)

The Holdovers (Mark Johnson, Producer)

Killers of the Flower Moon (Dan Friedkin, Bradley Thomas, Martin Scorsese und Daniel Lupi, Producers)

Maestro (Bradley Cooper, Steven Spielberg, Fred Berner, Amy Durning und Kristie Macosko Krieger, Producers)

GEWINNER: Oppenheimer (Emma Thomas, Charles Roven und Christopher Nolan, Producers)

Past Lives (David Hinojosa, Christine Vachon und Pamela Koffler, Producers)

Poor Things (Ed Guiney, Andrew Lowe, Yorgos Lanthimos und Emma Stone, Producers)

The Zone of Interest (James Wilson, Producer)

Directing

Nominees

Anatomy of a Fall (Justine Triet)

Killers of the Flower Moon (Martin Scorsese)

GEWINNER: Oppenheimer (Christopher Nolan)

Poor Things (Yorgos Lanthimos)

The Zone of Interest (Jonathan Glazer)

Writing (Original Screenplay)

Nominees

GEWINNER: Anatomy of a Fall (Screenplay – Justine Triet und Arthur Harari)

The Holdovers (Written by David Hemingson)

Maestro (Written by Bradley Cooper & Josh Singer)

May December (Screenplay by Samy Burch; Story by Samy Burch & Alex Mechanik

Past Lives (Written by Celine Song)

Writing (Adapted Screenplay)

Nominees

GEWINNER: American Fiction (Written for the screen by Cord Jefferson)

Barbie (Written by Greta Gerwig & Noah Baumbach)

Oppenheimer (Written for the screen by Christopher Nolan)

Poor Things (Screenplay by Tony McNamara)

The Zone of Interest (Written by Jonathan Glazer)

International Feature Film

Nominees

Io Capitano (Italy)

Perfect Days (Japan)

Society of the Snow (Spain)

The Teachers‘ Lounge (Das Lehrerzimmer) (Germany)

GEWINNER: The Zone of Interest (United Kingdom)

Animated Feature Film

Nominees

GEWINNER: The Boy and the Heron (Der Junge und der Reiher) (Hayao Miyazaki und Toshio Suzuki)

Elemental (Peter Sohn und Denise Ream)

Nimona (Nick Bruno, Troy Quane, Karen Ryan und Julie Zackary)

Robot Dreams (Pablo Berger, Ibon Cormenzana, Ignasi Estapé und Sandra Tapia Díaz)

Spider-Man: Across the Spider-Verse (Kemp Powers, Justin K. Thompson, Phil Lord, Christopher Miller und Amy Pascal)

Actor in a Leading Role

Nominees

Bradley Cooper (Maestro)

Colman Domingo (Rustin)

Paul Giamatti (The Holdovers)

GEWINNER: Cillian Murphy (Oppenheimer)

Jeffrey Wright (American Fiction)

Actor in a Supporting Role

Nominees

Sterling K. Brown (American Fiction)

Robert De Niro (Killers of the Flower Moon)

GEWINNER: Robert Downey Jr. (Oppenheimer)

Ryan Gosling (Barbie)

Mark Ruffalo (Poor Things)

Actress in a Leading Role

Nominees

Annette Bening (Nyad)

Lily Gladstone (Killers of the Flower Moon)

Sandra Hüller (Anatomy of a Fall)

Carey Mulligan (Maestro)

GEWINNER: Emma Stone (Poor Things)

Actress in a Supporting Role

Nominees

Emily Blunt (Oppenheimer)

Danielle Brooks (The Color Purple)

America Ferrera (Barbie)

Jodie Foster (Nyad)

GEWINNER: Da’Vine Joy Randolph (The Holdovers)

Cinematography

Nominees

El Conde (Edward Lachman)

Killers of the Flower Moon (Rodrigo Prieto)

Maestro (Matthew Libatique)

GEWINNER: Oppenheimer (Hoyte van Hoytema)

Poor Things (Robbie Ryan)

Costume Design

Nominees

Barbie (Jacqueline Durran)

Killers of the Flower Moon (Jacqueline West)

Napoleon (Janty Yates und Dave Crossman)

Oppenheimer (Ellen Mirojnick)

GEWINNER: Poor Things (Holly Waddington)

Film Editing

Nominees

Anatomy of a Fall (Laurent Sénéchal)

The Holdovers (Kevin Tent)

Killers of the Flower Moon (Thelma Schoonmaker)

GEWINNER: Oppenheimer (Jennifer Lame)

Poor Things (Yorgos Mavropsaridis)

Makeup and Hairstyling

Nominees

Golda (Karen Hartley Thomas, Suzi Battersby und Ashra Kelly-Blue)

Maestro (Kazu Hiro, Kay Georgiou und Lori McCoy-Bell)

Oppenheimer (Luisa Abel)

GEWINNER: Poor Things (Nadia Stacey, Mark Coulier und Josh Weston)

Society of the Snow (Ana López-Puigcerver, David Martí und Montse Ribé)

Music (Original Score)

Nominees

American Fiction (Laura Karpman)

Indiana Jones and the Dial of Destiny (John Williams)

Killers of the Flower Moon (Robbie Robertson)

GEWINNER: Oppenheimer (Ludwig Göransson)

Poor Things (Jerskin Fendrix)

Music (Original Song)

Nominees

The Fire Inside – from Flamin‘ Hot; Music and Lyric by Diane Warren

I’m Just Ken – from Barbie; Music and Lyric by Mark Ronson and Andrew Wyatt

It Never Went Away – from American Symphony; Music and Lyric by Jon Batiste and Dan Wilson

Wahzhazhe (A Song For My People) – from Killers of the Flower Moon; Music and Lyric by Scott George

GEWINNER: What Was I Made For? – from Barbie; Music and Lyric by Billie Eilish and Finneas O’Connell

Production Design

Nominees

Barbie (Production Design: Sarah Greenwood; Set Decoration: Katie Spencer)

Killers of the Flower Moon (Production Design: Jack Fisk; Set Decoration: Adam Willis)

Napoleon (Production Design: Arthur Max; Set Decoration: Elli Griff)

Oppenheimer (Production Design: Ruth De Jong; Set Decoration: Claire Kaufman)

GEWINNER: Poor Things (Production Design: James Price and Shona Heath; Set Decoration: Zsuzsa Mihalek)

Sound

Nominees

The Creator (Ian Voigt, Erik Aadahl, Ethan Van der Ryn, Tom Ozanich und Dean Zupancic)

Maestro (Steven A. Morrow, Richard King, Jason Ruder, Tom Ozanich und Dean Zupancic

Mission: Impossible – Dead Reckoning Part One (Chris Munro, James H. Mather, Chris Burdon und Mark Taylor)

Oppenheimer (Willie Burton, Richard King, Gary A. Rizzo und Kevin O’Connell)

GEWINNER: The Zone of Interest (Tarn Willers und Johnnie Burn)

Visual Effects

Nominees

The Creator (Jay Cooper, Ian Comley, Andrew Roberts und Neil Corbould)

GEWINNER: Godzilla Minus One (Takashi Yamazaki, Kiyoko Shibuya, Masaki Takahashi und Tatsuji Nojima)

Guardians of the Galaxy Vol. 3 (Stephane Ceretti, Alexis Wajsbrot, Guy Williams und Theo Bialek)

Mission: Impossible – Dead Reckoning Part One (Alex Wuttke, Simone Coco, Jeff Sutherland und Neil Corbould)

Napoleon (Charley Henley, Luc-Ewen Martin-Fenouillet, Simone Coco und Neil Corbould)

Animated Short Film

Nominees

Letter to a Pig (Tal Kantor und Amit R. Gicelter)

Ninety-Five Senses (Jerusha Hess und Jared Hess)

Our Uniform (Yegane Moghaddam)

Pachyderme (Stéphanie Clément und Marc Rius)

GEWINNER: WAR IS OVER! Inspired by the Music of John & Yoko (Dave Mullins und Brad Booker)

Live Action Short Film

Nominees

The After (Misan Harriman und Nicky Bentham)

Invincible (Vincent René-Lortie und Samuel Caron)

Knight of Fortune (Lasse Lyskjær Noer und Christian Norlyk)

Red, White and Blue (Nazrin Choudhury und Sara McFarlane)

GEWINNER: The Wonderful Story of Henry Sugar (Wes Anderson und Steven Rales)

Documentary Feature Film

Nominees

Bobi Wine: The People’s President (Moses Bwayo, Christopher Sharp und John Battsek)

The Eternal Memory

Four Daughters (Kaouther Ben Hania und Nadim Cheikhrouha)

To Kill a Tiger (Nisha Pahuja, Cornelia Principe und David Oppenheim)

GEWINNER: 20 Days in Mariupol (Mstyslav Chernov, Michelle Mizner und Raney Aronson-Rath)

Documentary Short Film

Nominees

The ABCs of Book Banning (Sheila Nevins und Trish Adlesic)

The Barber of Little Rock (John Hoffman und Christine Turner)

Island in Between (S. Leo Chiang und Jean Tsien)

GEWINNER: The Last Repair Shop (Ben Proudfoot und Kris Bowers)

Nǎi Nai & Wài Pó (Sean Wang und Sam Davis)

Honorary Award

Angela Bassett

Carol Littleton

Mel Brooks

Jean Hersholt Humanitarian Award

Michelle Satter

Technical Achievement Award

James Eggleton, Delwyn Holroyd

Jon G. Belyeu


TV-Tipp für den 11. März: The Dark Knight

März 10, 2024

Kabel 1, 20.15

The Dark Knight (The Dark Knight, USA 2008)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan (nach einer Geschichte von Christopher Nolan und David S. Goyer, basierend auf der DC-Comics-Figur)

In Gotham City kämpft ‚Batman‘ Bruce Wayne gegen das Verbrechen.

Heath Ledger, der hier Batmans Gegner, den Joker, spielt, erhielt posthum für diese Rolle einen Oscar als bester Nebendarsteller.

Überzeugender Mittelteil von Christopher Nolans überzeugender Batman-Trilogie. Er zeigte, dass Superheldenfillme nicht blöd sein müssen.

Weil die Oscars zwischen dem Online-Stellen dieses TV-Tipps und der Ausstrahlung des Films verliehen werden, ich sie mir hier in Berlin im Kino ansehen werde (anscheinend gibt es dieses Jahr nur im Hackesche Höfe Kino ein Public Viewing der Preisverleihung), werden die Ergebnisse irgendwann nach Sonnenaufgang nachgetragen. Nolans „Oppenheimer“ ist der große Favorit; Wim Wenders würde ich für seinen neuen Film „Perfect Days“ ebenfalls einen Oscar gönnen.

mit Christian Bale, Michael Caine, Heath Ledger, Gary Oldman, Aaron Eckhart, Maggie Gyllenhaal, Morgan Freeman, Eric Roberts, Michael Jai White

Wiederholung: Mittwoch, 13. März, 22.30 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Dark Knight“

Wikipedia über „The Dark Knight“ (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Tenet“ (Tenet, USA 2020)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Oppenheimer“ (Oppenheimer, USA 2023)

 


TV-Tipp für den 10. März: Insomnia – Schlaflos

März 9, 2024

Bevor Christopher Nolan in wenigen Stunden für seinen neuen Film „Oppenheimer“ einige Oscars erhalten wird (sagt das Orakel), können wir uns ein gelungenes Frühwerk ansehen

Arte, 20.15

Insominia – Schlaflos (Insomnia, USA 2002)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Hillary Seitz (nach dem Drehbuch von Nikolaj Frobenius für Erik Skjoldbjaergs „Insomnia“)

L.-A.-Cop Will Dormer soll zusammen mit seinem Kollegen in Alaska einen Mordfall aufklären. Dabei kämpft er gegen eine interne Korruptionsermittlung und Fehler, die er während der Ermittlungen begeht – und die ihn erpressbar machen.

Gelungenes US-Remake des norwegischen Thrillers „Todesschlaf“, das zwar nicht den rauen Charme des Originals, aber mit Al Pacino und Robin Williams zwei tolle Gegenspieler hat. Und Alaska bietet auch etwas für das Auge.

„Das mag niemanden überzeugen, dem Kinothriller zu formelhaft sind – aber wer solche Genrespiele mag, bekommt hier ein intensives Beispiel geboten.“ (Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung, 10. Oktober 2002)

Das Drehbuch war für den Edgar Allan Poe Award nominiert.

mit Al Pacino, Robin Williams, Hilary Swank, Maura Tierney, Martin Donovan

Wiederholung: Freitag, 15. März, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Insomnia“

Rotten Tomatoes über „Insomnia“

Wikipedia über „Insomnia“ (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Tenet“ (Tenet, USA 2020)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Oppenheimer“ (Oppenheimer, USA 2023)


TV-Tipp für den 9. März: Parasite

März 8, 2024

3sat, 23.10

Parasite (Gisaengchung, Südkorea 2019)

Regie: Bong Joon Ho

Drehbuch: Bong Joon Ho, Han Jin Won

Eine Großstadt in Südkorea, Gegenwart: Familie Kim lebt in einer verwanzten, auch mal überschwemmten, viel zu kleinen Kellerwohnung. Die ebenfalls vierköpfige Familie Park lebt in einem schicken Haus. Als der Sohn der Familie Kim bei den Parks einen Job als Nachhilfelehrer erhält, öffnet sich für die Kims die Tür zu einem besseren Leben, die sie skrupellos wahrnehmen.

„Parasite“ ist eine tiefschwarze, sehr präzise Gesellschaftssatire, bei der schnell unklar ist, wer die titelgebenden Parasiten sind. Nachdem der in jeder Beziehung überzeugende Thriller in Cannes abgefeiert wurde, erhielt er u. a. den Oscar als bester Film und den Oscar als bester ausländischer Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Song Kang Ho, Lee Sun Kyun, Cho Yeo Jeong, Choi Woo Shik, Park So Dam, Lee Jung Eun, Chang Hyae Jin

Hinweise

Moviepilot über „Parasite“

Metacritic über „Parasite“

Rotten Tomatoes über „Parasite“

Wikipedia über „Parasite“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Okja“ (Okja, USA/Südkorea 2017)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Parasite“ (Gisaengchung, Südkorea 2019)


Impressionen aus Berlin: 8. März – Internationaler Frauentag

März 8, 2024

Ein Feiertag in Berlin. Trotzdem kein Demobild, sondern eine Wandmalerei.


TV-Tipp für den 8. März: Aufbruch in die Freiheit

März 7, 2024

3sat, 20.15

Aufbruch in die Freiheit (Deutschland 2018)

Regie: Isabel Kleefeld

Drehbuch: Heike Fink, Ruth Olshan, Andrea Stoll

Bundesdeutsche Provinz, 1971: Drei Kinder hat die Metzgersgattin Erika Gerlach (Anna Schudt) schon. Das Vierte will sie nicht mehr. Die damals noch illegale Abtreibung bringt sie fast um. Danach hilft ihr nur ihre Schwester Charly (Alwara Höfels), die, feministisch bewegt, in Köln in einer Kommune lebt. Mit ihren Kindern zieht Erika bei ihr ein und sie wird, je mehr sie sich ihrer Situation und ihrer Unterdrückung durch ihren Mann und die Verhältnisse bewusst wird, Teil der Frauenbewegung.

TV-Drama, das mit viel Zeitkolorit und glaubwürdigen Figuren ein stimmiges Bild der damaligen Konflikte zeichnet.

mit Anna Schudt, Christian Erdmann, Alwara Höfels, Marie-Anne Fliegel, Lene Oderich, Charlie Schrein, Milla Hammann, Carol Schuler

Hinweise

Filmportal über „Aufbruch in die Freiheit“

Moviepilot über „Aufbruch in die Freiheit“

Wikipedia über „Aufbruch in die Freiheit“


Neu im Kino/Filmkritik: Was wurde aus „Sultanas Traum“?

März 7, 2024

Sicher nicht ganz zufällig startet einen Tag vor dem Internationalen Frauentag „Sultanas Traum“ im Kino. Bei dem Trickfilm handelt es sich auch um eine Verfilmung von Rokeya Hussains 1905 geschriebener Science-Fiction-Kurzgeschichte „Sultanas Traum“.

Das Problem des Films liegt in dem „auch“. Denn neben der SF-Geschichte (dazu später mehr) geht es auch und vor allem um Ines, ihr Leben, ihre Gedanken und Gefühle. Diese Coming-of-Age-Geschichte nimmt mit ungefähr einer Stunde den weitaus größten Teil des 87-minütigen Films ein.

In Indien entdeckt die Erzählerin des Films, die Künstlerin Inés, in einer Buchhandlung eine Kopie von Hussains 1905 erstmals veröffentlichter Kurzgeschichte „Sultanas Traum“. In wenigen Zeilen (es ist eine sehr kurze Kurzgeschichte) entwirft sie das Bild einer Gesellschaft, in der Geschlechterverhältnisse anders als in der Reallität sind. In der Kurzgeschichte sind die Frauen mächtig, die Männer ohnmächtig und es herrschen paradiesische Zustände. Ausgehend von dieser feministischen Utopie interessiert Inés sich für die Autorin. Regisseurin Isabel Herguera illustriert in ihrem Langfilmdebüt die Kurzgeschichte und die Biographie ihrer Autorin in ausdrucksstarken Bildern. Beide Erzählblöcke erzählt sie sehr fokussiert; – auch wenn es sich einmal um eine verfilmte Kurzgeschichte und einmal um ein Mini-Biopic handelt, das nicht tiefgründiger als der englischsprachige Wikipedia-Artikel ist. Es sind letztendlich zwei Kurzfilme.

Der dritte und umfangreichste Teil des Trickfilms erzählt dann eine sich über den halben Globus erstreckende, nicht so wahnsinnig interessante Coming-of-Age-Geschichte. Jedenfalls irgendwie. Dieser Teil besteht aus Episoden und Begegnungen, die normalerweise zu einem späteren Zeitpunkt nicht wieder aufgenommen werden. Es wird immer unklarer was Herguera erzählen will. „Sultanas Traum“ wird in diesem Erzählblock immer mehr zu einer Meditation mit unklarer Botschaft.

Durchgehend überzeugend sind die in verschiedenen Stilen angefertigten Zeichnungen von traditionellen Aquarellanimationen (für Inés‘ Reise) über Schattentheater (für Hussains Leben) und Animationen im Mehndi-Stil (für die Kurzgeschichte). Das ist eine ornamentale Körperbemalung, für die ausschließlich Henna verwandt wurde.

Sultanas Traum (El sueño de la sultana, Spanien/Deutschland 2023)

Regie: Isabel Herguera

Drehbuch: Isabel Herguera, Gianmarco Serra

LV: Rokeya Hussain (aka Begum Rokeya bzw. Rokeya Sakhawat Hussain): Sultana’s Dream, 1905 (Kurzgeschichte, erschienen in The Indian Ladies Magazine) (Sultanas Traum)

mit (den Stimmen von) Paul B. Preciado, Mary Beard, Miren Arrieta, Mireia Gabilondo

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 16 Jahre (Uhuh – und hier in Berlin läuft er in der Startwoche in den wenigen Kinos, die den Trickfilm zeigen, nachmittags)

Internationaler Titel: Sultana’s Dream

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Sultanas Traum“

Moviepilot über „Sultanas Traum“

Rotten Tomatoes über „Sultanas Traum“

Wikipedia über „Sultanas Traum“ (Kurzgeschichte) und Isabel Herguera


Neu im Kino/Filmkritik: 50 % Coen: der lesbische Road-Trip „Drive-Away Dolls“

März 7, 2024

Über Jahrzehnte drehten die Coen-Brüder gemeinsam Filme. Viele Klassiker und wenige, sehr wenige Flops. Dann nahmen (nehmen?) sie eine Auszeit voneinander und drehten mit ihren Frauen einen Spielfilm. Joel Coen inszenierte mit seiner Ehefrau Frances McDormand die Shakespeare-Verfilmung „Macbeth“. Ein künstlerischer Erfolg. Ethan Coen schrieb mit seiner Ehefrau Tricia Cooke, die bei etlichen Coen-Filmen am Schnitt beteiligt war, die Komödie „Drive-Away Dolls“, die – auf den ersten Blick – an die Coen-Frühwerke „Blood Simple“ und „Arizona Junior“ anknüpft.

In der von ihm inszenierten Komödie machen sich Ende 1999 die Mittzwanzigerinnen Jamie (Margaret Qualley) und Marian (Geraldine Viswanathan) von Philadelphia aus auf den Weg nach Tallahassee, Florida. Jamie ist der unbekümmert lebenslustige und sehr sexpositive Teil des Duos. Für sie wird die improvisierte Fahrt mit jedem Umweg und jeder Pause, die der Beginn zu einem großartigen Abenteuer sein kann, besser.

Marian ist das Gegenteil. Sie ist eine intellektuelle Leseratte, die während der Fahrt eine sehr dicke Ausgabe Henry James‘ „The Europeans“ liest. Ständig blickt sie so genervt und miesepetrig in die Welt, dass sie jeden potentiellen Verehrer sofort abschreckt. Und selbstverständlich ist für sie der Weg nicht das Ziel, sondern nur eine nervige Verzögerung.

In einem gemieteten Dodge Aries machen sich die beiden Lesben auf den Weg nach Florida. Dummerweise hat ihnen der Autovermieter den falschen Dodge gegeben. Denn im Kofferraum des Mietwagens ist ein Koffer, für den sich einige Gangster interessieren. Der Chef der Gangster, der nur „The Chief“ heißt, beauftragt zwei seiner Männer mit der Wiederbeschaffung des Koffers. Arliss und Flint sind, bei allen Unterschieden, brutal und kreuzdämlich; – wie eigentlich alle Männer in diesem Film.

Drive-Away Dolls“ knüpft, wie gesagt, stilistisch an die schwarzhumorigen, sich einen Dreck um Tabus und Anstand kümmernden Frühwerke der Coen-Brüder an. Nur dass dieses Mal nicht ein Mann und eine Frau oder zwei Männer, sondern zwei Frauen sich auf einen Roadtrip begeben und sie Lesben sind. Es gibt also eine ordentliche Portion gleichgeschlechtlichen Sex und entsprechende Witze darüber. Ohne diesen Geschlechterwechsel könnte die Komödie genausogut in den achtziger Jahren (plus/minus ein Jahrzehnt) entstanden sein. Es ist eine Liebeerklärung an diese Filme, diese Regiesseure und auch ältere Noirs und Pulp-Geschichten, die schon in diesen „Pulp Fiction“-Filmen zitiert wurden.

Die Idee für diesen lesbischen Road-Trip hatten Tricia Cooke und Ethan Coen bereits vor ungefähr zwanzig Jahren. Die Geschichte sollte auch einmal von einer Regisseurin verfilmt werden. Der Plan zerschlug sich. Während der Coronavirus-Pandemie nahmen sie sich das zur Seite gelegte Projekt noch einmal vor, schrieben das finale Drehbuch und verfilmten es als eine ziemlich enttäuschende Komödie. Dies beginnt schon mit der Story, die eine Verfolgungsjagd schildert, bei der die potentiellen Opfer nicht wissen, dass sie gejagt werden. Über einen großen Teil der Strecke wissen sie auch nicht, dass in ihrem Kofferraum mehr als ein Ersatzreifen ist. Entsprechend unbekümmert springen Jamie und Marian von einem Bett in das nächste, während die Gangster ihnen mordend folgen. Die Gags wiederholen damalige Gags über dumme Gangster, die wegen ihrer hirnlosen Brutalität so furchterregend und gleichzeitig furchterregend lustig sind. Dass die beiden Heldinnen Lesben sind, ist gut für einige Gags, aber nicht abendfüllend. Die meisten Gags sind nicht so wahnsinnig witzig, eher platt und es geht viel zu oft um „Sex“ und viel zu selten um andere Dinge.

Das Ergebnis ist eine Groteske mit angezogener Handbremse (man will ja nicht die Gefühle von irgendwelchen Minderheiten oder sensiblen Twenty-Somethings verletzten), viel Leerlauf und dem Gefühl, dass auf dem Road-Trip viel zu viele Gelegenheiten für gute Witze grundlos verschenkt werden. Da werden die 84 Minuten zu einer Geduldsprobe.

Drive-Away Dolls (Drive-Away Dolls, USA 2024)

Regie: Ethan Coen

Drehbuch: Ethan Coen, Tricia Cooke

mit Margaret Qualley, Geraldine Viswanathan, Joey Slotnick, CJ Wilson, Colman Domingo, Beanie Feldstein, Bill Camp, Annie Gonzalez, Pedro Pascal, Matt Damon, Miley Cyrus

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Drive-Away Dolls“

Metacritic über „Drive-Away Dolls“

Rotten Tomatoes über „Drive-Away Dolls“

Wikipedia über „Drive-Away Dolls“ (deutsch, englisch) und die Coen-Brüder (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Meine Besprechung von Joel Coens „Macbeth“ (The Tragedy of Macbeth, USA 2021)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte

 

Auch schön


TV-Tipp für den 7. März: Ein Tag in Auschwitz

März 6, 2024

ZDF Info, 21.00

Ein Tag in Auschwitz (Deutschland 2020)

Regie: Winfried Laasch, Friedrich Scherer

Drehbuch: Winfried Laasch, Friedrich Scherer

Passend und die ideale Ergänzung zu dem Drama „The Zone of Interest“, das aktuell auf dem zweiten Platz der deutschen Kinocharts steht. Der sehenswerte Spielfilm zeigt den biederen Alltag der Familie des Lagerkommandanten. Sie wussten was geschah. Und es war ihnen egal.

Der hochgelobte Dokumenfilm „Ein Tag in Auschwitz“ zeigt, was hinter den Mauern des Konzentrationslagers geschah. Die Grundlage für den neunzigminütigen Dokumentarfilm war ein von den Tätern angelegtes Fotoalbum, das aus Bildern besteht, die innerhalb weniger Tage Ende Mai 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau gemacht wurden. Sie zeigen, was dort passierte.

Hinweis

ZDF über den Dokumentarfilm (in der Mediathek bis zum 27. Januar 2025)


Komplett in zwei Deluxe-Bänden: die „The Authority“-Geschichten von Warren Ellis und Bryan Hitch

März 6, 2024

Nein, eine weitere edle Superheldentruppe ist „The Authority“ nicht. Sie sind ein Team ziemlich seltsamer Menschen, die, wenn sie gegen globale Bedrohungen kämpfen, nur daran interessiert sind, die Bedrohung zu eliminieren. Kollateralschäden werden billigend in Kauf genommen; – das war, als die von Warren Ellis geschriebenen und Bryan Hitch gezeichneten „The Authority“-Geschichten 1999 und 2000 erschienen sicher revolutionärer als heute. Seitdem zerdepperten in unzähligen Kinofilmen Superhelden allein oder in Gruppen lustvoll ganze Großstädte. Mal als hulkscher Wutanfall, mal im Kampf gegen Bösewichter.

Die Authority ist eine von Jenny Sparks ins Leben gerufene und angeführte Gruppe. Sie ist die Seele des 20. Jahrhunderts. Deshalb lebt sie exakt hundert Jahre und stirbt am Ende des Jahrhunderts, der Konsens-Realität folgend, am 31. Dezember 1999. Zur Authority gehören ‚der Gott der Städte‘ Jack Hawksmoor, ein Mann, der mit Städten kommunizieren kann, die ‚Schöpferin‘ Engineer Angela Spica, der ‚Schamane‘ Doktor Jeroen Thornedike, die ‚Geflügelte Jägerin‘ Swift Shen Li-Min und ‚Sonnenkönig‘ Apollo und ‚Kriegstribun der Nacht‘ Midnighter Lucas Trent. Sie sind, auf den ersten Blick erkennbar, eine schwule Version von Superman und Batman. Sie sind mehr als nur miteinander befreundet.

Comichistorisch wurden die Authority-Figuren von Warren Ellis und Bryan Hitch davor in der bei der Kritik beliebten, vom Publikum ignorierten Serie „Stormwatch“, der WildStorm-Variante der Justice League, eingeführt und für „The Authority“ weiterentwickelt.

Ellis und Hitch schrieben zwischen Mai 1999 und April 2000 mit dieser Superheldentruppe zwölf Einzelhefte (in denen sie drei jeweils vier Hefte umfassende Geschichten erzählen) und ein Crossover mit der ebenfalls von Warren Ellis erfundenen Serie „Planetary“. 2017 folgte, als Teil eines Firmenjubiläums von WildStorm, „Die Authority: Requiem“, ein kurzes Einzelabenteuer. In den jetzt erschienenen zwei Deluxe-Bänden sind alle diese Geschichten enthalten. Zusätzlich gibt es im zweiten Sammelband einem umfangreichen Anhang mit mehreren Heftcover, Skizzen von Bryan Hitch und einige Seiten aus dem Skript von Warren Ellis für „Der Kreis“.

In dieser Geschichte, zugleich die erste „The Authority“-Geschichte, müssen die Superhelden gegen Kaizen Gamorra, einem Gegner aus Stormwatch-Tagen, kämpfen. Gamorra will mit seinen Supersoldaten die Welt vernichten. Er beginnt mit Moskau und London. Sein nächstes Ziel ist Los Angeles.

In „Phasenschiffe“ droht von einer Parallel-Erde eine Invasion. Die Authority will das verhindern.

In „Das Dunkel von Außen“ nähert sich ein Wesen der Erde, das Gott genannt wird, weil er das Leben auf die Erde brachte. Jetzt will er die Menschheit vernichten und die Erde nach seinen Vorstellungen gestalten. Die Authority will das Ende der Menschheit verhindern.

In den Geschichten steht die farbenprächtig und detailreich, immer wieder auf Doppelseiten, ausgemalte Action, also vor allem das Zerstören von Großstädten, im Mittelpunkt. Bekämpfen tun sich, an verschiedenen Orten, die teilweise atemberaubend schnell gewechselt werden, eine Unzahl verschiedener Figuren mit teils rätselhaften Kräften. Das sieht gut aus, ist aber auch ziemlich kindisch.

Angekündigt sind noch zwei weitere „The Authority“-Deluxe-Bände.

Warren Ellis/Bryan Hitch/Paul Neary: The Authority – Deluxe Edition Band 1

(übersetzt von Christian Langhagen)

Panini, 2023

200 Seiten

29 Euro

enthält

Der Kreis (The Circle, The Authoriy # 1 – 4, Mai – August 1999)

Phasenschiffe (Shiftships, The Authority # 5 – 8, September – Dezember 1999)

Warren Ellis/Bryan Hitch/Paul Neary/Phil Jimenez: The Authority – Deluxe Edition Band 2

(übersetzt von Christian Langhagen)

Panini, 2024

192 Seiten

29 Euro

enthält

Weltherrschaft (Ruling the World, Planetary/The Authority: Ruling the World, Juni 2000)

Die Authority: Requiem (The Authority: Requiem – WildStorm: A Celebration of 25 Years, Oktober 2017)

Das Dunkel von Außen (The Authority # 9 – 12, Januar – April 2000)

Hinweise

Wikipedia über „The Authority“

Meine Besprechung von Warren Ellis/Cully Hamners „Red“ (Red, 2003)

Meine Besprechung von Warren Ellis/Jason Howards „Trees – Ein Feind“ (Trees, Volume One: In Shadow, 2015)

Meine Besprechung von Warren Ellis/Bryan Hitchs „Batmans Grab – Band 1 (von 2)“ (The Batman’s Grave – Chapter 1 – 6, 2019/2020)

Meine Besprechung von Warren Ellis/Bryan Hitchs „Batmans Grab – Band 2 (von 2)“ (The Batman’s Grave # 7 – 12, 2020)


TV-Tipp für den 6. März: Certain Women

März 5, 2024

Arte, 21.55

Certain Women (Certain Women, USA 2016)

Regie: Kelly Reichardt

Drehbuch: Kelly Reichardt

LV: Maile Meloy: Both ways is the only way I want it: Stories, 2009

TV-Premiere (hat etwas gedauert). In ihrem wunderschönen Drama erzählt Kelly Reichardt gewohnt zurückhaltend und präzise drei Geschichten über den wenig außergewöhnlichen Alltag von vier Frauen in Livingstone, Montana.

Der Filmdienst meinte „Sehenswert“.

Einer der ersten Leinwandauftritt von Lily Gladstone, die jetzt als beste Hauptdarstellerin für ihr Spiel in Martin Scorseses „Killers of the Flower Moon“ für den Oscar nominiert ist

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laura Dern, Kristen Stewart, Michelle Williams, Lily Gladstone, James Le Gros, Jared Harris, Rene Auberjonois, John Getz

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Certain Women“

Metacritic über „Certain Women“

Rotten Tomatoes über „Certain Women“

Wikipedia über „Certain Women“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kelly Reichardts “Night Moves” (Night Moves, USA 2013 – mit zahlreichen O-Tönen von Kelly Reichardt und den Schauspielern)

Meine Besprechung von Kelly Reichardts „Night Moves“ (Night Moves, USA 2013 – zur DVD-Veröffentlichung)

Meine Besprechung von Kelly Reichardts „Certain Women“ (Certain Women, USA 2016)

Meine Besprechung von Kelly Reichardts „First Cow“ (First Cow, USA 2019)


Cover der Woche

März 5, 2024

Mit einem vertrauenswürdigem Flic auf dem Cover.


TV-Tipp für den 5. März: The Limehouse Golem

März 4, 2024

Tele 5, 20.15

The Limehouse Golem – Das Monster von London (The Limehouse Golem, Großbritannien 2016)

Regie: Juan Carlos Medina

Drehbuch: Jane Goldman

LV: Peter Ackroyd: Dan Leno and the Limehouse Golem, 1994 (Der Golem von Limehouse)

London, 1880: Inspektor John Kildare (Bill Nighy) soll den Serienmörder finden, der als Limehouse Golem bekannt ist. Scheinbar wahllos ermordet er im Bezirk Limehouse Menschen und hinterlässt an den Tatorten kryptische Botschaften. Zu Kildares Verdächtigen gehören Karl Marx und der kürzlich verstorbene erfolglose Dramatiker John Cree. Seine Frau, die bekannte Varieté-Künstlerin Elizabeth Cree (Olivia Cooke), ist angeklagt, ihren Mann vergiftet zu haben.

Gut besetzter und in schön atmosphärischer Kulisse gedrehter, erzählerisch ambiotionierter Mystery-Grusler im Hammer-Stil. „The Limehouse Golem“ ist eine vergnügliche Moritat mit ausgedehntem Varieté-Besuch.

mit Bill Nighy, Olivia Cooke, Eddie Marsan, María Valverde, Douglas Booth, Amelia Crouch, Daniel Mays, Sam Reid, María Valverde, Henry Goodman

Wiederholung: Mittwoch, 6. März, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Limehouse Golem“

Wikipedia über „The Limehouse Golem“ (deutsch, englisch)


Die Nominierungen für den ITW Thriller Award 2024

März 4, 2024

Die Finalisten für die diesjährigen Thriller Awards, verliehen von den International Thriller Writers (ITW), sind:

BEST HARDCOVER NOVEL

S.A. Cosby – ALL THE SINNERS BLEED (Flatiron Books)

Robert Dugoni – HER DEADLY GAME (Thomas & Mercer)

J.T. Ellison – IT’S ONE OF US (Harlequin – MIRA Books)

Mick Herron – THE SECRET HOURS (Soho Crime)

Joe Ide – FIXIT (Mulholland Books)

C.J. Tudor – THE DRIFT (Ballantine Books)

BEST AUDIOBOOK

I.S. Berry – THE PEACOCK AND THE SPARROW (Atria) – Narrated by Pete Simonelli

Gregg Hurwitz – THE LAST ORPHAN (Macmillan) – Narrated by Scott Brick

Freida McFadden – THE HOUSEMAID’S SECRET (Bookouture) – Narrated by Lauryn Allman

James Patterson, Mike Lupica – THE HOUSE OF WOLVES (Hachette Audio) – Narrated by Ellen Archer

Emma Rosenblum – BAD SUMMER PEOPLE (Macmillan) – Narrated by January LaVoy

BEST FIRST NOVEL

I.S. Berry – THE PEACOCK AND THE SPARROW (Atria)

Amy Chua – THE GOLDEN GATE (Minotaur)

Margot Douaihy – SCORCHED GRACE (Zando)

Kerryn Mayne – LENNY MARKS GETS AWAY WITH MURDER (Bantam Books)

Steve Urszenyi – PERFECT SHOT: A THRILLER (Minotaur)

BEST PAPERBACK ORIGINAL NOVEL

Tracy Clark – HIDE (Thomas & Mercer)

Luke Dumas – THE PALEONTOLOGIST (Atria)

Tess Gerritsen – THE SPY COAST (Thomas & Mercer)

Lisa Gray – TO DIE FOR (Thomas & Mercer)

Jonathan Maberry – CAVE 13: A JOE LEDGER AND ROGUE TEAM INTERNATIONAL NOVEL (St. Martin’s Griffin)

J. Todd Scott – CALL THE DARK (Thomas & Mercer)

BEST SHORT STORY

Chris Bohjalian – SLOT MACHINE FEVER DREAMS (Amazon Original Stories)

J.T. Ellison – THESE COLD STRANGERS (Amazon Original Stories)

Smita Harish Jain – AN HONORABLE CHOICE (Wildside Press)

Richard Santos – RUSH HOUR (Akashic Books)

Lisa Unger – UNKNOWN CALLER (Amazon Original Stories)

Stacy Woodson – ONE NIGHT IN 1965 (Down & Out Books)

BEST YOUNG ADULT NOVEL

Sorboni Banerjee, Dominique Richardson – RED AS BLOOD (Wolfpack Publishing LLC)

Darcy Coates – WHERE HE CAN’T FIND YOU (Sourcebooks Fire)

Courtney Gould – WHERE ECHOES DIE (Wednesday Books)

Andrea Hannah – WHERE DARKNESS BLOOMS (Wednesday Books)

Elizabeth Wein – STATELESS (Little, Brown & Co.)

BEST E-BOOK ORIGINAL NOVEL

Jeff Buick – THE VULTURE FUND (Self-published)

Rona Halsall – THE BIGAMIST (Bookouture)

Matt Phillips – A GOOD RUSH OF BLOOD (RunAmok Books)

Lisa Regan – CLOSE HER EYES (Bookouture)

Robert Swartwood – THE KILLING ROOM (Blackstone Publishing)

Laura Wolfe – THE IN-LAWS (Bookouture)

Die Preisverleihung ist auf dem ThrillerFest XIX am Samstag, den 1. Juni 2024, in New York City.

Einige Bücher, wie S. A. Cosbys „All the sinners bleed“ als „Der letzte Wolf“ (Ars Vivendi), sind schon übersetzt. Einige werden wohl noch übersetzt. – Und einige lese ich irgendwann in meinem Lesestuhl, ohne Pfeife, aber mit einem Getränk meiner Wahl.


TV-Tipp für den 4. März: Des Teufels General

März 3, 2024

Der älteste Film des Tages und, wenn ich jetzt nichts übersehen habe, einer von zwei SW-Filmen, die diese Woche im Fernsehen gezeigt werden (der andere ist „Ein Herz und eine Krone“)

Arte, 20.15

Des Teufels General (Deutschland 1955)

Regie: Helmut Käutner

Drehbuch: George Hurdalek, Helmut Käutner, Gyula Trebitsch

LV: Carl Zuckmayer: Des Teufels General (Theaterstück, geschrieben zwischn 1943 und 1945, Premiere 1946 am Schauspielhaus Zürich, deutsche Premiere 1947 am Hamburger Schauspielhaus)

Deutschland 1941: Luftwaffengeneral Harras (Curd Jürgens), der die Nazis nicht mag, ist als Generalflugzeugmeister verantwortlich für die Beschaffung neuer Flugzeugtypen. Als Prototypen eines neuen Flugzeugs reihenweise abstürzen, will er den Grund dafür herausfinden. Gleichzeitig wollen die Nazis ihn auf ihre Seite ziehen.

Klassiker des deutschen Nachkriegsfilms, der damals auch an der Kinokasse erfolgreich war. Immerhin ist Harras ja kein Nazi.

mit Curd Jürgens, Marianne Koch, Viktor de Kowa, Karl John, Eva-Ingeborg Scholz, Harry Meyen, Camilla Spira, Albert Lieven, Beppo Brem, Ingrid van Bergen, Wolfgang Neuss, Inge Meysel

Wiederholung: Donnerstag, 7. März, 14.15 Uhr

Hinweise

Arte nennt drei Gründe, sich den Film anzusehen

Filmportal über „Des Teufels General“

Wikipedia über „Des Teufels General“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. März: Die Fliege

März 2, 2024

3sat, 23.15

Die Fliege (The Fly, USA 1986)

Regie: David Cronenberg

Drehbuch: David Cronenberg, Charles Edward Pogue

LV: George Langelaan: The Fly, 1957 (Die Fliege und andere Erzählungen aus der phantastischen Wirklichkeit; Kurzgeschichte)

Biologe Seth erforscht den molekularen Transport von Lebewesen (vulgo „beamen“). Bei einem Versuch transportiert er sich selbst und eine Fliege von dem einen Teleporter zum nächsten. Die, von David Cronenberg, liebevoll bis zum letzten Detail ausgemalte Konsequenz, ist, dass Seth und die Fliege immer mehr zu einem Wesen werden.

Grandioses Remake von einem Science-Fiction-Horrorfilmklassiker, der von Cronenberg vom Kopf auf die Füße gestellt wurde.

mit Jeff Goldblum, Geena Davis, John Getz, Jay Boushel, David Cronenberg

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Fliege“

Wikipedia über „Die Fliege“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Meine Besprechung von David Cronenbergs “Maps to the Stars” (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014) (und die DVD-Kritik)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Crimes of the Future“ (Crimes of the Future, Kanada/Frankreich/Griechenland/Großbritannien 2022)

David Cronenberg in der Kriminalakte