Alle Jahre wieder, dieses Jahr betitelt: „Lexikon des Internationalen Film: Filmjahr 2024/2025“

April 30, 2025

Neues Jahr, neues Filmlexikon, neuer Rückblick auf das vergangenen Filmjahr. Gewohnt kompetent von der Filmdienst-Redaktion im bewährten zum Nachschlagen, Blättern und Versinken geeigneten Aufbau im „Lexikon des Internationalen Films“ präsentiert. Es gibt knapp zweihundert Seiten mit längeren Filmkritiken zu den zwanzig besten Kinofilmen und fünfzehn bemerkenswerten Serien („True Detective: Night Country“ und „Ripley“ sind dabei), Interviews (u. a. mit RP Kahl, Helke Sander, Andreas Dresen, Edward Berger [über „Konklave“] und Catherine Breillat), Porträts (u. a. über Kevin Costner, Sean Baker, George Lucas, Sofia Coppola und Marlon Brando), Nachrufe (u. a. Donald Sutherland, Roger Corman und Alain Delon) und Essays zu bestimmten wichtigen Aspekten des Filmjahres 2023. Beispielsweise über das Independent-Studio A24, Auschwitz im Film, umweltfreundlichere Filmproduktion und iranische Filme.

In dem aus knapp dreihundert Seiten bestehendem lexikalischen Teil werden in alphabetischer Reihenfolge alle über sechzigminütigen Spiel- und Dokumentarfilme aufgelistet, die letztes Jahr in Deutschland erstmals im Kino, auf DVD/Blu-ray, im Fernsehen und bei Streamingportalen gezeigt wurden. Dieser Teil besteht aus fast 1400 gewohnt kundige Kurzkritiken.

Nach Ansicht der Filmdienst-Kritiker waren die zwanzig besten Filme des Kinojahres 2024:

The Zone of Interest

Emilia Pérez

Evil does not exist

All of us Strangers

Anora

Poor Things

In Liebe, eure Hilde

Der Junge und der Reiher

Die Unschuld

Verbrannte Erde

Furiosa: A Mad Max Saga

May December

Challengers – Rivalen

La Chimera

The Holdovers

Morgen ist auch noch ein Tag

Love Lies Bleeding

All we image as Light

The Bikeriders

Queer

Eine feine Liste sehenswerter Film (wobei ich bei „Furiosa: A Mad Max Saga“ anderer Meinung bin), von denen auch acht Filme auf meiner ebenfalls zwanzig Filme umfassenden Jahresbestenliste standen und ein, zwei Filme in der näheren Auswahl waren. „Queer“ hatte, nachdem er Ende Dezember in einigen wenigen Kinos gezeigt wurde, seinen bundesweiten Kinostart am 2. Januar 2025. Da kann man jetzt trefflich streiten, wann der Kinostart war.

Wie die vorherigen Jahresausgaben des Lexikon des Internationalen Films ist auch die neueste Ausgabe ein Werk, das in jeder gutsortierten Filmbibliothek stehen sollte. Es enthält zahlreiche Tipps für einen spannenden Heimkinoabend – und in einigen Jahren ist es ein unverzichtbarer und immer wieder zum Nachdenken und Erinnern anregender Rückblick auf das Filmjahr 2024.

Ich blättere jetzt ein wenig im Filmjahr 2004. Zu den damals besten Filmen des Kinojahres gehörten „Collateral“, „21 Gramm“, „Fahrenheit 9/11“ und „Gegen die Wand“ – und Günter Jekubzik dachte über den „epochalen Einbruch des Digitalen in die Filmwelt“ nach.

Filmdienst.de/Katholische Filmkommission für Deutschland (Redaktion: Jörg Gerle, Felicitas Kleiner, Josef Lederle, Marius Nobach): Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2024/2025

Schüren, 2025

528 Seiten

28,00 Euro

(E-Book: 14,99 Euro

Hinweise

Homepage der Zeitschrift „Filmdienst“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2009“

Meine Besprechung von “Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2010″

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2011“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2012“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2013“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2014“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2015“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2016“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2017“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2019/2020“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2020/2021“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2021/2022“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2022/2023“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2023/2024“


„Der Blick von den Sternen“ auf Cixin Liu

April 25, 2025

Vor zehn Jahren erhielt Cixin Liu für seinen Roman „Die drei Sonnen“ den renommierten Hugo Award. In China erschien der Science-Fiction-Roman bereits 2006/2008 und er war in seiner Heimat schon ein Erfolg, bevor er in verschiedenen Übersetzungen zu einem weltweiten Erfolg wurde. Auch in Deutschland stürzten Science-Fiction-Fans sich auf den Roman, der gleichzeitig Auftakt der Trisolaris-Trilogie ist.

Danach übersetzte der Heyne Verlag in schneller Folge die weiteren Bände der Trisolaris-Trilogie, seine anderen Romane und Kurzgeschichten. Seine Bücher und Kurzgeschichten waren die Vorlage für Kinofilme, Serien, Comics und Mangas.

Cixin Liu wurde mit Trisolaris-Trilogie zu einem weltweiten Bestsellerautor, Botschafter der chinesischen Science-Fiction-Literatur und Türöffner für seine Kollegen.

Jetzt erschien der Sammelband „Der Blick von den Sternen“, der vor allem den Hunger seiner Fans nach neuen Romanen und Kurzgeschichten befriedigt.

Der Sammelband enthält achtzehn Texte von Liu und ein Interview mit ihm. Es handelt sich um sechs Kurzgeschichten, die zwischen 1999 und 2002 veröffentlicht wurden, zwölf Essays, die Liu zwischen 2002 und 2015 veröffentlichte, und ein 2004 veröffentlichtes Interview über seinen Roman „Kugelblitz“. Die Kurzgeschichten sind Frühwerke, die eine gute Idee haben, aber doch meistens im skizzenhaften verbleiben. Die Essays, wozu auch kurze Statements gehören, liefern selbstverständlich einen Einblick in sein Denken, aber oft fehlt der Zusammenhang und gerade die älteren Texte, wie „Die Welt in fünfzig Jahren“ (2005), sind primär historisch interessant.

Alle Texte, wozu auch die mit dem Publikumspreis des 14. Galaxy Awards auszeichnete Kurzgeschichte „Der Einstein-Äquator“ gehört, erschienen jetzt, so mein Überblick, erstmals auf Deutsch.

Diese Auszeichnung ändert aber nichts daran, dass „Der Blick von den Sternen“ vor allem ein aus verstreut erschienenen Texten zusammengestelltes Werk für seine Fans ist, die wirklich jeden Text von ihm haben wollen.

Alle anderen sollten besser mit „Die drei Sonnen“, dem grandiosen Auftakt seiner Trisolaris-Trilogie, oder dem vorzüglichen Kurzgeschichten-Sammelband „Die wandernde Erde“ beginnen.

Cixin Liu: Der Blick von den Sternen

(übersetzt von Karin Betz, Johannes Fiederling und Marc Hermann)

Heyne, 2025

336 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

A View from the Stars

Tor Books (Tom Doherty Associates), New York, 2024

Hinweise

Heyne über Cixin Liu

Wikipedia über Cixin Liu (deutsch, englisch) 

Meine Besprechung von Cixin Lius „Spiegel“ (Jingzi, 2004)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Die drei Sonnen“ (San Ti, 2008) (und der anderen Werke von Liu)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Die wandernde Erde“ (Liulang diqiu, 2008)

Meine Besprechung von Baoshus „Botschafter der Sterne – Ein Trisolaris-Roman“ (三体X:观想之宙, 2011) (Roman spielt in der von Cixin Liu erfundenen Welt)

Mene Besprechung von Christophe Bec/Stefano Raffaele: Die wandernde Erde (2020) (Comicversion von Cixin Lius Geschichte)

Meine Besprechung von Frant Gwos Cixin-Liu-Verfilmung „Die wandernde Erde II“ (liúlàng dìqiú II, China 2023)


Neues und Altes von Garth Ennis: „Punisher: Mission Fury“ und „The Boys“

April 16, 2025

Punisher killt das Marvel-Universum“ hieß 1995 der Einstand von Garth Ennis in die Welt von Frank ‚Punisher‘ Castle und angesichts des aktuellen Zustands des Marvel Cinematic Universe wäre eine Fortsetzung sicher eine tolle Sache.

Bis Garth Ennis das vielleicht (Gut, realistisch betrachtet, wahrscheinlich eher nicht.) erzählen darf, schickt er Castle auf die „Mission Fury“. Garth Ennis veröffentlichte diese von Jacen Burrows gezeichnete Geschichte im Original in sechs Einzelheften von Juli bis Dezember 2024. Jetzt sind sie bei uns als Buch erschienen.

1971 wird Frank Castle, damals noch Soldat in Vietnam, beauftragt den vom Vietcong entführten und im Dschungel versteckten Colonel Nick Fury zu finden – und zu töten.

Dass die Mission nicht wie von Castles Vorgesetzten geplant verläuft, dürfte niemand überraschen. Und auch nicht, dass Garth Ennis einige überraschende Wendungen präsentiert, Gegenwart und Vergangenheit interessant miteinander verschränkt, die dunkle Seite der Geschichte des Vietnamkriegs anspricht und es in punkto Gewalt drastisch zugeht. Panini Comics empfiehlt die in sich abgeschlossene Geschichte „Mission Fury“ ab 18 Jahre.

Die Geschichte selbst, die ohne weiteres Vorwissen gelesen werden kann, ist Ennis und Burrows at their best. Eine unbedingte Leseempfehlung.

Bei „The Boys“ tue ich mich damit schwerer.

Aktuell veröffentlicht Panini alle „The Boys“-Comics für Menschen mit großen Taschen in einer günstigen Pocket Edition. Denn die seitenstarken Bände sind nur unwesentlich kleiner als die normalen Panini Comics. Die ersten fünf von sechs Bänden sind bereits erschienen. Der sechste Band ist für den 22. April angekündigt.

The Boys“ ist eine etwas andere Superheldenserie. Das erste Heft erschien im Oktober 2006 in dem DC-Sublabel WildStorm. Nachdem, so die Legende, ein DC-Redakteur entsetzt von der Geschichte, der drastischen Darstellung von Sex und Gewalt und wohl der allumfassenden Respektlosigkeit gegenüber Superhelden war, wurde die Serie bei WildStorm eingestellt. Fünf Monate später wurde sie bei Dynamite fortgesetzt. 2012 endete sie nach 72 Heften und drei Spin-Offs. 2020 folgte mit „Dear Becky“ ein aus acht Heften bestehender Serienepilog.

Noch heute verkauft sich „The Boys“ prächtig. Ein Grund ist sicher die 2019 bei Amazon Prime Video gestartete erfolgreiche, nicht jugendreie Streamingserie. Sie endet voraussichtlich nächstes Jahr mit der fünften Staffel.

Das Team Garth Ennis (Story) und Darick Robertson (Zeichnungen) bemühte sich in „The Boys“, möglichst schnell möglichst viele Superheldenfans zu provozieren, indem sie überbordend viel Sex und Gewalt zeigten und die Superhelden als eine Combo von Idioten ohne jegliches Verantwortungsbewusstsein zeigten. Ihre Aktionen, bei denen sie sich regelmäßig überschätzen, verursachen meist mehr Schäden und Chaos als der ursprüngliche Täter plante. Manchmal sind die von ihnen bekämpften Böswichter auch einfach eine Erfindung für die Öffentlichkeit. Sie benehmen sich wie verwöhnte Teenager, die Narrenfreiheit haben. Ihr „Herogasm“ ist eine Party, gegen die Spring-Break-Exzesse ein harmloser Kindergeburtstag sind.

Und hier kommen Billy Butcher und seine Boys ins Spiel. Im Auftrag der CIA sollen sie aufpassen, dass die Superhelden nicht über die Stränge schlagen. Wie sie es tun, ist egal, solange sie es tun.

Als ein Superheld im Vorbeiflug Wee Hughies Frau zerfetzt, ist er am Boden zerstört. Da macht ihm Billy Butcher ein Angebot, das er vielleicht besser abgelehnt hätte. Aber Hughie nimmt an und er wird ein Mitglied von Butchers geheimer Einheit zur Bekämpfung von Superheldenuntaten.

Nach dieser Rekrutierung, mit der „The Boys“ beginnt, erzählen Ennis und Robertson in den folgenden Hefte von einigen dieser Aktionen, wie Hughie sich unwissentlich in eine Superheldin verliebt, wie sich die Superhelden abseits der Öffentlichkeit verhalten, wie sehr das Superheldentum ein blühendes Geschäft ist und wie sehr Konzerne in das Superheldengeschäft involviert sind. In sich weitgehend abgeschlossene Miniserien, in denen es um die Anfänge der Superhelden, Hughies Besuch in seiner alten Heimat bei seiner Familie und Butchers Erinnerungen am Sarg seines Vaters, ergänzen im Lauf der Zeit das Bild.

Diese Geschichten sind auch nicht das Problem von „The Boys“. Es ist der Konflikt zwischen den Boys und den Superhelden, der sich weitgehend in episodischen Scharmützeln verliert. Das in Teilen ausgemalte Bild einer Verbindung von Wirtschaft und Militär und ökonomischer Interessen und des Einflusses mächtiger Firmen auf die Politik, bleibt eher im Hintergrund.

Einzelne geschichtenübergreifende Erzählstränge oder interessante Ideen werden nicht konsequent weitergeführt. So stellt sich zunehmend das Gefühl eines mit Gewalt, Sex und Obszonitäten garnierten Stillstands ein.

Dazu kommt, dass das Feld von problematischen Superhelden und Superheldenfamilien inzwischen in verschiedenen mehr oder weniger kurzlebigen Serien und Miniserien besser von Mark Millar beackert wird.

So wird „The Boys“ nach einem sehr guten Anfang zunehmend zu einer Serie, die ihr Potential nie ausschöpft und oft erstaunlich altmodisch wirkt. Aber vielleicht ändert sich das noch im sechsten „The Boys“-Sammelband.

Garth Ennis/Jacen Burrows: Punisher: Mission Fury

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2025

136 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Get Fury (2024) # 1- 6

Marvel, Juli 2024 – Dezember 2024

Garth Ennis/Darick Robertson: The Boys 1: Das wird sehr weh tun

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2024

336 Seiten

15 Euro

Originalausgabe/enthält

The Boys (2006) # 1 – 14

Wildstorm, Oktober 2006 – Februar 2007

Dynamite Entertainment, Juni 2007 – Januar 2008

Garth Ennis/Darick Robertson: The Boys 2: Es wird blutig

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2024

376 Seiten

17 Euro

Originalausgabe/enthält

The Boys (2006) # 15 – 30

Dynamite Entertainment, Februar 2008 – Mai 2009

Garth Ennis/Darick Robertson: The Boys 3: Sagen wir mal so

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2024

336 Seiten

17 Euro

Originalausgabe/enthält

The Boys: Herogasm (2009) # 1 – 6

The Boys (2006) # 31 – 38

Dynamite Entertainment, Mai 2009 – Januar 2010

Garth Ennis/Darick Robertson: The Boys 4: Nimm’s nicht so schwer

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2024

360 Seiten

17 Euro

Originalausgabe/enthält

The Boys (2006) # 39 – 47

Highland Laddie (2010) # 1 – 6

Dynamite Entertainment, Februar 2010 – Januar 2011

Gareth Ennis/Darick Robertson: The Boys 5: Der Sohn des Bäckers

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2025

424 Seiten

17 Euro

Originalausgabe/enthält

The Boys (2006) # 48 – 59

The Boys: Butcher, Baker, Candlestickmaker (2011) # 1 – 6

Dynamite Entertainment, November 2010 – Dezember 2011

Hinweise

Wikipedia über „The Boys“ (deutsch, englisch) und über Garth Ennis (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Will Simpson/Steve Dillons “Hellblazer – Gefährliche Laster” (Dangerous Habits, 1991)

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner) „The Punisher – Garth Ennis Collection 7“ (Up is Down and Black is White, The Slavers, 2005/2006)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Goran Parlov/Leandro Fernandezs “The Punisher – Garth-Ennis-Collection 8″ (Barracuda, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 31 – 36), Man of Stone, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 37 – 42), 2006/2007)

Meine Besprechung von Garth Ennis‘ „The Punisher – Garth-Ennis-Collection 9“ (Widowmaker, Part 1 – 7 [Punisher (MAX) Vol. 43 – 49], Long Cold Dark, Part 1 – 5 [Punisher (MAX) Vol 50 – 54], 2007/2008)

Meine Besprechung von Garth Ennis‘ „The Punisher – Garth-Ennis-Collection 10“ (Valley Forge, Valley Forge, Part 1 – 6 [Punisher (MAX) Vol. 55 – 60], 2008)

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Adriano Batista/Marcos Marz/Kewber Baal (Zeichner) „Jennifer Blood – Selbst ist die Frau (Band 1)“ (Garth Ennis’ Jennifer Blood: A Woman’s Work is Never Done, 2012)

Meine Besprechung von Garth Ennis und Mike Wolfers „Stitched: Die lebenden Toten“ (Band 1) (Stitched # 1 – 7, 2011/2012)

Meine Besprechung von Garth Ennis/John McCreas „Dicks – Band 1“ (Dicks # 1 – 4, 2013)

Meine Besprechung von Garth Ennis‘ „Crossed – Monster Edition“ (enthält „Crossed“ und „Crossed Band 2: Familienbande“)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Steve Dillons „The Punisher: Frank ist zurück“ (The Punisher # 1 – 12, 2000/2001)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Goran Sudzukas „A Walk through Hell: Das verlassene Lagerhaus (Band 1)“ (A Walk through Hell # 1 – 5, 2018)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Goran Sudzukas „A Walk through Hell: Die Kathedrale (Band 2)“ (A Walk through Hell # 6 -12, 2019)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Russ Brauns „Jimmys Bastarde: Getriggert (Band 1)“ (Jimmy’s Bastards Volume 1: Trigger Warning, 2018)

Meine Besprechung von Garth Ennis//Russ Brauns „Jimmys Bastarde: Wie war das?! (Band 2)“ (Jimmy’s Bastards Volume 2: What did you just say?, 2018)


Der Friedrich-Glauser-Preis 2025: Die Gewinner

April 13, 2025

Auf der Criminale in Schwetzingen verlieh das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, am Samstag, den 12. April 2025, die diesjährigen Friedrich-Glauser-Preise an folgende Werke voller Mord & Totschlag:

Bester Roman

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

nominiert

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus, in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)

Bester Debütroman

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

nominiert

Stefan Grebe: Die Übermacht (Bastei Lübbe)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

Bester Kurzkrimi

Isabella Archan: Fröndenberger Fäden. In: Verbrechen nebenan. Mord am Hellweg XI (Grafit)

nominiert

Elsa Dix: Eiswellen. In: Du stirbst nicht nur zur Sommerzeit (HarperCollins)

Rita Janaczek: 7 Minuten vor Mitternacht (Machandel)

Christiane Nitsche-Costa alias C. N. Costa: Endlich vegan. In: Strandkorb, Mord & Sonnenbrand: Krimis von der Küste (Kellner)

Su Turhan: Rot wie Blut. In: Myrrhe, Mord und Marzipan. (Droemer-Knaur)

Bester Jugendkrimi

Andreas Brettschneider: Die Falle (Ueberreuter)

nominiert

Maja Nielsen: Der Tunnelbauer (Gerstenberg)

Ursula Poznanski: Scandor (Loewe)

Ehren-Glauser

Frank Schätzing

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner!

Ich hatte in den Kategorien „Bester Roman“ und „Bester Debütroman“ auf zwei andere Krimis getippt. „Blutsschwestern“ gefiel mir auch ziemlich gut. Till Raether war bereits für zwei frühere Danowski-Krimis nominiert. „Sturmkehre“ ist sein letzter Danowski-Krimi. Sagt er jedenfalls im Moment.

 

 


Friedrich-Glauser-Preis 2025: Einige Gedanken zu den nominierten Romanen – und wer gewinnen sollte

April 12, 2025

In wenigen Stunden verleiht das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, in Schwetzingen auf der Criminale die diesjährigen Friedrich-Glauser-Preise. Dieses Jahr habe ich die nominierten Romane vor der Preisverleihung gelesen und besprochen. Aber die Frage, welcher Krimi den Roman- und den Debütglauser erhalten sollte, habe ich noch nicht beantwortet. Bis jetzt. 

In der Kategorie „Roman“ sind für den Glauser-Preis 2025 nominiert:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus, in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen ((Suhrkamp Nova)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

In der Kategorie „Debütroman“ sind für den Glauser-Preis 2025 nominiert:

Stefan Grebe: Die Übermacht ( Bastei Lübbe)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

Beginnen wir mit einigen möglicherweise interessanten Beobachtungen:

zum Geschlechterverhältnis der nominierten Autoren:

Roman: Frauen 1, Männer: 4

Debüt: Frauen 3, Männer: 2

zur Länge der nominierten Romane:

– bis 200 Seiten:

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

– 200 bis 300 Seiten:

Thomas Knüwer: Das Haus, in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen ((Suhrkamp Nova)

– 300 bis 400 Seiten:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

– über 400 Seiten:

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Stefan Grebe: Die Übermacht ( Bastei Lübbe)

zur Hauptperson der nominierten Romane:

bei Eick, Faber, Nolte, Raether, Muller, Tägder und Faber ermitteln Polizisten

bei Grebe ermittelt ein Ex-Geheimagent (also noch ein Staatsbeamter)

bei Müller ermittelt eine Privatperson

bei Wetherall-Grujić und Knüwer agieren die Täter, während die Polizei Kaffee trinkt

zum Handlungsort der nominierten Romane:

Wenig überraschend spielen sie fast alle in Deutschland.

Die Ausnahmen bilden Roland Mullers in Grönland spielender „Eisrausch“, Ana Wetherall-Grujić‘ hauptsächlich in Serbien, teils in Wien spielende „Blutsschwestern“, Henri Fabers in Wien spielender Serienkillernthriller „Gestehe“ und Stefan Grebes teilweise in China, hauptsächlich in Berlin spielender Thriller „Die Übermacht“.

Ebenfalls wenig überraschend ist, dass fast alle Romane, teils mit Ausflügen in die Vergangenheit, in der Gegenwart spielen.

Die Ausnahmen sind Thomas Knüwers ungefähr zu gleichen Teilen 1984, 1998 und 2024 spielender „Das Haus in dem Gudelia stirbt“ und Susanne Tägders atmosphärischer Nachwendekrimi „Das Schweigen des Wassers“.

Einen richtigen Rätselkrimi in der Agatha-Christie-Tradition mit vielen Verdächtigen, falschen Spuren und einer überraschenden Auflösung am Ende gibt es nicht.

Oft wird sich rudimentär der Rätselkrimi-Struktur bedient indem es am Anfang einen Mord und am Ende eine Enttarnung des bis dahin mehr oder weniger unbekannten Täters gibt. Dazwischen gibt es allerdings keine relevanten Spuren und Verdächtigen.

Bei einem konventionellem Thriller, wie Roland Mullers „Eisrausch“, ist das kein Problem. Ebenso bei Till Raethers „Danowski: Sturmkehre“, weil es um die Suche nach einer vermissten Person geht und der Ermittler mit seinen persönlichen Problemen im Mittelpunkt steht.

In zwei Krimis ist die Täterin die Hauptperson. Und das waren nicht die schlechtesten Krimis.

Ein richtig grandioser Roman, also ein Roman, der mich sprachlos vor Begeisterung zurücklässt und den ich anschließend jedem empfehle, war nicht dabei. Wobei ich in den vergangenen Tagen, bedingt durch die zeitliche Nähe von Lektüre und „Welchen guten Krimi hast du zuletzt gelesen?“-Gesprächen, öfters Roland Mullers „Eisrausch“ empfahl.

Und jetzt kommen wir endlich zu meinen Gewinner-Tipps.

Den Glauser als bester Kriminalroman sollte

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt

erhalten, weil er souverän auf drei Zeitebenen die Geschichte eines Verbrechens und seiner Nachwirkungen entwirft. Das ist, auch wenn der Klappentext und der Titel vieles verraten, spannend bis zur letzten Seite.

Den Glauser für den besten Debütroman sollte

Roland Muller: Eisrausch

erhalten, weil er eine spannende Thrillergeschichte erzählt, die Tradition achtet und kurzweilig Informationen über Grönland, die dort lebenden Menschen und die geopolitischen Interessen vermittelt. Es handelt sich also um die passende Lektüre zu den aktuellen Schlagzeilen.

Lobende Erwähnungen gibt es für

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers

und

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern

Beide Debütromane gefielen mir, aber sie schwächelten im dritten Akt. In jedem Fall bin ich auf ihre nächsten Werke gespannt.


Glauser-nominiert als bester Debütroman 2025: Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern

April 11, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Debütroman folgende Krimis nominiert:

Stefan Grebe: Die Übermacht (Bastei Lübbe)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

Mit 192 Seiten ist „Blutsschwestern“ der kürzeste der für den diesjährigen Glauser-Preis nominierten Kriminalromane. Und das ist nicht der einzige erfreuliche Aspekt bei diesem nicht chronologisch erzähltem Buch.

Chronologisch geht die Geschichte ungefähr so: Nachdem Ljiljana wieder einmal von ihrem Mann geschlagen wurde, wehrt sie sich. Kurz darauf ist er tot. Sie liegt schwer verletzt in Wien im Krankenhaus und die Polizei ist bereits auf dem Weg.

Ihre Mutter schickt Ljiljana mit ihrer Schweser Sanja als Fahrerin zurück in ihre alte Heimat und zur ‚Hexe‘. Sie könne Ljiljana helfen. Vor dreißig Jahren half sie ihr bei ihrer Flucht mit ihrem ‚Romeo‘ aus einer Gegend, in der ihre Liebe keine Chance hatte, in das sichere Ausland.

Als die beiden Schwestern in Serbien auf dem einsam gelegenem Hof der ‚Hexe‘ ankommen, geraten sie schnell in eine Familienfehde, die gleichzeitig ein Kampf zwischen Verbrecherbanden ist.

Ana Wetherall-Grujić wurde kurz vor dem Kriegsbeginn in Jugoslawien geboren. Sie wuchs in Österreich auf und lebt, wie Sanja und Ljiljana, in Wien.

In ihrem Romandebüt erzählt die Journalistin vom Leben in Serbien 1989 und heute (bzw. genaugenommen 2019), von Rassismus und dem Gefühl der Fremdheit in Österreich, von Männern, die Frauen Gewalt antun und von Frauen, die sich dagegen wehren. Das erzählt sie souverän zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und herspringend in vielen kurzen Kapiteln. Dabei verweigert sie sich gekonnt den Genreerwartungen, denen sie nie entsprechen wollte, mit ihrer unter Verbrechern spielenden feminstischen Geschichte mit viel Gewalt, einigen Morden und etwas Drogenkonsum. 

Das überzeugende Debüt „Blutsschwestern“ macht neugierig auf die kommenden Werke von Ana Wetherall-Grujić.

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern

Kremayr & Scheriau, 2024

192 Seiten

24 Euro

Hinweise

Kremayr & Scheriau über den Roman

Homepage von Ana Wetherall-Grujić

 


Glauser-nominiert als bester Debütroman 2025: Turid Müller: Im Schatten der Insel

April 11, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Debütroman folgende Krimis nominiert:

Stefan Grebe: Die Übermacht (Bastei Lübbe)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

Okay, das Cover mit dem Leuchtturm, Dünen und Strand sieht jetzt nicht nach spektakulärer Krimiunterhaltung, sondern bestenfalls nach Regiokrimi und, wenn nicht „Kriminalroman“ auf dem Cover stünde, banalem Liebes-/Familienroman aus.

Aber man sollte ein Buch niemals nach seinem Cover beurteilen. Und manchmal verrät das Cover auch nur, dass das Buch von einem bestimmten Verlag herausgegeben oder in einer bestimmten Reihe veröffentlicht wurde.

Seit ihrer Scheidung lebt die Psychologin Lale Liebig wieder in ihrem Kinderzimmer. Die Vierzigjährige pflegt ihre 74-jährige, zunehmend demente Mutter. Um aus dem Alltagstrott auszubrechen unternimmt sie jetzt mit ihr eine mehrtägige Reise nach Amrum. 1950 war ihre Mutter dort in dem Haus Wattfrieden als Verschickungskind. Oft waren diese Kurheime für die Kinder wahre Horrorhäuser voller Gewalt und Unterdrückung.

Kurz nach ihrer Ankunft auf der Insel verschwindet Lales Mutter spurlos. Und weil kurz vorher am Strand ein Toter gefunden wurde, der an einer auf der benachbarten Insel Föhr stattfindenden Verschickungskonferenz teilnahm, kombiniert Lale sofort, dass es zwischen dem Toten, der Konferenz und dem Verschwinden ihrer Mutter einen Zusammenhang gibt. Auf eigene Faust beginnt sie irgendwie zu ermitteln.

Mit „Im Schatten der Insel“ legt die Psychologin, Schauspielerin und Ratgeber-Autorin Turid Müller ihren ersten Kriminalroman vor, ohne sich sonderlich für das Genre zu interessieren. Lales Ermittlungen bestehen vor allem aus einer Mischung aus weit hergeholten und meist vollkommen aus der Luft gegriffenen Vermutungen. Die richtige Ermittlungsarbeit wird von ihrer Freundin Cleo erledigt. Am Telefon erzählt sie Lale dann davon. Siebzig Seiten vor dem Ende des Romans wird der Mörder nach einem Kampf verhaftet. Lales Mutter wurde schon einige Seiten früher gefunden.

Nein, als Kriminalroman, noch nicht einmal als Regiokrimi mit einem wichtigen Thema und einer Amateurermittlerin, funktioniert „Im Schatten der Insel“ nicht. Sogar Schmunzelkrimis haben mehr Krimi-Substanz.

Als Geschichte einer Annäherung zwischen einer Tochter und ihrer Mutter funktioniert der Roman deutlich besser.

Turid Müller: Im Schatten der Insel

Piper, 2024

368 Seiten

18 Euro

Hinweise

Piper über den Roman

Homepage von Turid Müller

 


Glauser-nominiert als bester Debütroman 2025: Stefan Grebe: Die Übermacht

April 11, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Debütroman folgende Krimis nominiert:

Stefan Grebe: Die Übermacht (Bastei Lübbe)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

Weiter geht es mit Stefan Grebes „Die Übermacht“, einem auf den ersten Blick zügig beginnendem Polit-Thriller der alten Tradition.

Auf der ersten Seite meldet sich Jun Ji Bao, jüngstes Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, in Berlin bei einem TV-Sender. Sie will in einer Live-Sendung das größte Geheimnis der chinesischen Regierung enthüllen und anschließend Asyl beantragen.

Kurz bevor sie spektakulär vor Millionen TV-Zuschauern das Geheimnis enthüllen kann, wechselt Grebe den Schauplatz. Auf den nächsten Seiten führt er mehrere, an verschiedenen Orten in Berlin, Wuhan und Shanghai lebende Figuren ein. Sie alle haben irgendetwas mit dem Tod der von Jun Ji Bao zu tun.

Besonders wichtig sind Robert Forster, ein ehemaliger Agent des Bundesnachrichtendienst, der von seinem früheren Arbeitgeber beauftragt wird, herauszufinden, was die in dem Moment schon tote Wissenschaftlerin verraten wollte, Maria Lin, die sich selten systemkonform verhaltende Nichte und Alleinerbin der verstorbenen Jun Ji Bao, und Tom Lee, ein hochstehender Unternehmer, der in der Gunst des chinesischen Präsidenten aufsteigen möchte.

Wie diese Handlungsstränge zusammenhängen, was Chinas die Welt bedrohendes Geheimnis ist und wie die Wissenschaftlerin im TV-Studio starb, sind Fragen, die auf den ersten Seiten des Romans eine große Spannung entwickeln. Schließlich sind wir neugierig auf die Antwort.

In diesem Fall ist es auch ein billiger, zunehmend nervender und unglaubwürdiger Taschenspielertrick. Während die handelnden Personen mehr oder weniger die Antworten kennen, enthält er sie dem Leser vor. So ist es kein großes Geheimnis, wie Jun Ji Bao starb, aber während Forster sich ein Video von der Sendung auf Seite 26 ansieht, verrät Grebe erst auf Seite 47 bis 49, wie sie starb: während der Live-TV-Sendung legt sie sich in eine Computertomografen. Dann geschieht etwas und aus allen Körperöffnungen in ihrem Gesicht sickert Blut. Warum sie in dem Computertomografen starb bleibt ungeklärt. Ebenso wie sie mit dem Gerät der Welt Chinas größtes Geheimnis zeigen wollte. Warum sie vor der doch eigentlich vollkommen ungefährlichen Untersuchung nichts über das größte Geheimnis der chinesischen Regierung verriet ebenso.

Einige dieser Fragen beantwortet Grebe nicht. Einige in mehreren Etappen. Das größte Geheimnis der chinesischen Regierung wird gegen Ende des Romans enthüllt.

Bis dahin täuschen die ständigen Ortswechsel und die damit verbundenen Wechsel zwischen den verschiedenen Handlungssträngen eine nicht vorhandene Dynamik vor. Es passiert zwar ständig etwas, aber vieles davon ist nicht besonders vernünftig. So geht die Wissenschaftlerin in eine TV-Sendung, anstatt zu einem investigativem Journalistem, einem Wissenschaftler oder der Polizei zu gehen. So macht Maria sich auf den Weg nach Berlin, weil ihre verstorbene Tante, zu der sie keinen Kontakt hatte, das wünscht. Immerhin gestaltet sich ihre Ausreise aus China so schwierig, dass das für reichlich Action und einige Tote sorgt. Wichtige Informationen werden auf einem USB-Stick gespeichert. Kopien auf weiteren USB-Sticks oder in einer Cloud gibt es nicht.

Das ist dann deutlich näher bei den trashigen Edgar-Wallace-Filmen als an spannend-aufklärerischen angloamerikanischen Polit-Thrillern. Der gegen Ende enthüllte perfide Plan des Bösewichts ist in seinem Größenwahn der Plan eines James-Bond-Bösewichts. Die gesamte Geschichte ist reinster Pulp, der so ähnlich, allerdings unterhaltsamer, auch schon zu Zeiten des Kalten Kriegs geschrieben wurde.

Stefan Grebe: Die Übermacht

Bastei-Lübbe, 2024

448 Seiten

22 Euro

Hinweise

Bastei-Lübbe über den Roman

Instagram-Account von Stefan Grebe

 


Glauser-nominiert als bester Krimi 2025: Till Raether: Danowski: Sturmkehre

April 10, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

Sturmkehre“ ist Till Raethers siebter Adam-Danowski-Kriminalroman. Es ist der letzte Fall des Hauptkommissars und, das ist jetzt für Neueinsteiger die wichtigste Frage, er ist ohne Kenntnis der vorherigen Bände verständlich.

Für die Hamburger Polizei ist die Verhaftung von Leander Schüringen ein großer Erfolg. Anfang der neunziger Jahre war der Serienmörder Schüringen, weil er seine vier Opfer in den Alsterfleeten versteckte, bekannt als der Fleetmörder. Anschließend flüchtete er ins Ausland. Jetzt kehrte er in seine alte Heimat zurück.

Danowskis Vorgesetzter Markus Kienbaum würde gerne der nächste Polizeipräsident werden. Dafür will er seinen Lebenslauf mit vielen bislang ungeklärten alten Mordfällen aufhübschen. Deshalb soll Danowski sich jetzt den Fall Marie Kolossa wieder ansehen. Sie wurde zuletzt am 20. September 1990 in Schleswig-Holstein an der Raststätte Brokenlande gesehen. Schüringen lebte damals in der Nähe der Raststätte. Er könnte sie ermordet haben. Gegenüber Danowski gesteht und leugnet er zugleich die Tat.

Danowski glaubt nicht, dass Kolossa ein Opfer des Fleetmörders ist. Aber wenn er sie oder ihren Mörder findet, könnte er seinen verhassten, ihn wegen eines früheren Dienstvergehens erpressenden Chefs ärgern und dessen Bewerbung auf die Polizeipräsidentschaft sabotieren.

Die polizeiinternen Befindlichkeiten, Kämpfe und mehr oder weniger großen Dienstvergehen bilden einen wichtigen Teil in Danowskis letztem Fall als Polizist. Till Raether schildert hier die Polizei als ganz normalen Betrieb mit Kollegen, die sich nicht besonders mögen, gegeneinander intrigieren, an ihren Karrieren basteln und gegen Gesetze und Vorschriften verstoßen. Ein anderer wichtiger Teil ist Danowskis Leben, seine Selbstzweifel, seine Gefühle und sein oft problematisches Verhalten gegenüber anderen Menschen. Denn der hypersensible Danowski ist nicht der leichteste Mensch.

Seine Suche nach der vermissten Kolossa ist dagegen eher nebensächlich, aber schön entlang vorhandener Spuren und nachvollziehbarer Vermutungen zu einer überzeugenden Erklärung für ihr spurloses Verschwinden erzählt.

Allerdings ist das Finale, wenn Danowski sich nur deshalb in Lebensgefahr begibt, weil der Autor ein spektakuläres Ende will, vollkommen hirnrissig und unpassend. Es gibt einfach keinen nachvollziehbaren Grund warum Danowski sich in dem Moment in Lebensgefahr begibt und nicht einfach einige Stunden wartet.

Sturmkehre“ ist nach „Treibland“ und „Unter Wasser“ die dritte Glauser-Nominierung für einen Adam-Danowski-Kriminalroman. Wenn wirklich drei aller guten Dinge sind, dann erhält Till Raether dieses Mal den Glauser-Preis.

Till Raether: Danowski: Sturmkehre

Rowohlt Polaris, 2024

304 Seiten

18 Euro

Hinweise

Rowohlt über den Roman

Homepage von Till Raether

Wikipedia über Till Raether


Glauser-nominiert als bester Krimi 2025: Henri Faber: Gestehe

April 10, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

Der Verlag preist den dritten Thriller von Henri Faber so an:

Ein brutaler Mord. Ein berühmter Ermittler. Und die einzige Spur führt zu ihm selbst.

Der rasante Thriller von Henri Faber um einen Serienkiller, der in Wien sein Unwesen treibt. Für Leser*innen von Sebastian Fitzek, Andreas Gruber und Andreas Winkelmann.“

Der gestandene Kritiker denkt sich, dass er nun wahrlich nicht noch einen Serienkillerthriller lesen muss. Zu viele hat er schon gelesen. Zu oft sind sie nur formelhaft pervers. Meistens bestenfalls Strandkorblektüre und damit natürlich nichts für den nach neuen, aufregenden Autoren und Romanen suchenden Krimikritker.

Und, nein, ich rede hier nicht von mir (oder, ehrlicherweise nicht nur), sondern kann auch auf den von Kritikern und Buchhändlern verliehenen Deutschen Krimipreis und die von Kritikern erstellte Krimibestenliste verweisen. Henri Faber taucht da nicht auf. Immerhin stand sein neuer Roman, der jetzt auch für den Glauser nominiert ist, auf der Shortlist für den Crime Cologne Award 2024.

Der berühmte Ermittler ist Johann ‚Jacket‘ Winkler. Vor vier Jahren erledigte er in einer Gewaltorgie allein einen Organhändlerring, rettete dabei ein Mädchen vor dem Tod, wurde bekannt und schrieb einen Bestseller darüber; – naja, genaugenommen schrieb ein Ghostwriter das Buch und er verkauft es mit seinem Namen und Image. Seitdem arbeitet er bei der Polizei nicht mehr als Ermittler, sondern als Öffentlichkeitsarbeiter. Im Moment ist er in die Verfilmung seines Bestsellers involviert und er schreibt an seinem ersten Roman.

Als fast vor seiner Haustür die Promimaklerin Tatjana Schikofsky ermordet wird, trampelt er über den Tatort, bemerkt entsetzt Gemeinsamkeiten zu seinem Manuskript, sagt seinen Kollegen nichts davon und installiert sich als Chefermittler in dem Fall. Ihm hilft Mohammad „Mo“ Moghaddam. Mo ist als penibler Büroarbeiter das komplette Gegenteil von Jacket. Obwohl der Jahrgangsbeste seit vier Jahren Mitglied der Mordkommission ist, die in Wien Abteilung Leib-Leben heißt, hat er noch keinen Tatort gesehen. Er darf stattdessen Akten fehlerfrei führen.

Die beiden gegensätzlichen Ermittler beginnen mit der Mördersuche. Es gibt schnell eine zweite Leiche. Wieder erkennt der an Gedächtnisausfällen leidende Jacket den Tatort aus seinem Buch. Wieder sagt er nichts. Weiterhin ermittelt er auch auf eigene Faust – und ziemlich schnell lenkt Henri Faber in seinem Thriller „Gestehe“ den Verdacht auf Jacket. Denn auch wenn er sich nicht an die Taten erinnert, könnte er sie begangen haben und sich unwissentlich selbst jagen.

Diese erste Hälfte des Thrillers, wenn Faber, mit etwas Wiener Schmäh und Selbsthass der Erzählenden, die Geschichte aus drei Perspektiven – der von Jacket, Mo und, eher selten, einem unbekannten Mörder-„Er“ – erzählt und dabei Jacket immer mehr vom Ermittelnden zum Verdächtigen macht, ist ziemlich gelungen. Die zweite Hälfte weniger. Nachdem Jacket auf Seite 274 (von 445 Seiten) verhaftet wird, weiß der kundige Krimileser, dass Jacket nicht der Täter sein kann. Schließlich sind noch um die 170 Seiten zu lesen.

Aber diese Seiten lesen sich, als ob Faber sein Manuskript beim Verlag einreichte und dieser dann sagte, er müsse einen 450-seitigen Roman schreiben. Ab diesem Moment wird eine Episode an die nächste angefügt, wichtige Themen angesprochen, interessante Plots angedeutet und schnell wieder fallengelassen. Wer will, kann sich die ungleich gelungeneren Inspirationen für diese Handlungsfragmente notieren und diese sich wieder zunehmend begeistert durchlesen oder ansehen. Sie zu nennen, würde zu viel von dem gesamten Thriller spoilern. Nachdem genügend, zunehmend mühsam zu lesende Seiten gefüllt wurden, wird der Täter präsentiert. Enden tut der vor allem an einigen Tagen im Oktober spielende Thriller mit einem sieben Monate später spielendem fünfzigseitigem Finale und einem wenige Seiten umfassendem, vier Monate später spielendem Epilog.

Gestehe“ liest sich wie ein ohne einen Plan geschriebener Thriller. Das kann funktionieren, ist aber bei einem Serienkillerthriller, der ja letztendlich nicht mehr als die moderne Variante eines Rätselkrimis ist, schwierig. Alles in „Gestehe“ wirkt zufällig. Es fehlt das gekonnte Spiel mit falschen Fährten und Verdächtigen. Nie ergibt sich aus den vielen Vorbildern und Themen eine kohärente Geschichte oder ein durchdachter Plan des Bösewichts.

Nach der Lektüre denkt der Kritiker sich: Ach, vielleicht doch wieder einen Pageturner von Sebastian Fitzek oder einen der wundervoll geplotteten Lincoln-Rhyme-Thriller von Jeffery Deaver lesen.

Henri Faber: Gestehe

dtv, 2024

448 Seiten

16 Euro

Hinweise

dtv über den Roman

Homepage von Henri Faber

Wikipedia über Henri Faber


Glauser-nominiert als bester Krimi 2025: Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen

April 10, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

Der erste Niedersachsen Noir“ (darüber könnte diskutiert werden, aber es liest sich gut) steht auf der Buchrückseite dieses Romans, der „voller schräger Figuren“ sein soll und „mit unwiderstehlichem Witz“ erzählt wird. Das sind jetzt erst einmal alles wohlklingende Werbeversprechen, die eine Botschaft aussenden: Jakob Noltes „Die Frau mit den vier Armen“ ist kein normaler Kriminalroman.

Das kann ich nach der Lektüre vollumfänglich bestätigen.

In Hannover wird die Leiche des 22-jährigen Studenten Sebastian Thamm im Ihmepark gefunden. Die Kommissarinnen Rita Aitzinger und Ilia Schuster vermuten bei ihren Ermittlungen schnell eine Verbindung zu einem älteren Fall, der einige wenige, weit hergeholte Ähnlichkeiten mit ihrem aktuellen Mordfall hat. Trotzdem gehen sie von einer Serienmörderin aus und ermitteln in alle Richtungen. Denn sie haben „keinen Verdächtigen, keine Beweise, keine Richtung“, aber so Rita Aitzinger, ungefähr in der Buchmitte bei einer Fallbesprechung: „Wir werden sie finden. Und wir werden sie richten. All ihre Verbrechen der Sehnsucht werden sie überführen.“

Deshalb wird eine Datingapp-Taskforce gegründet, die in einem Desaster endet. Die in der Taskforce ermittelnden Beamten verlieben sich teilweise in ihre Dates. Die Partnerinnen der Polizisten befürchten, dass ihre Männer sie betrügen. Hinweise auf die Täterin gibt es nicht. Dabei ist sie, wie Jakob Nolte in dem Moment schon verraten hat, Mitglied der Datingapp und einer der in der Datingapp ermittelnden Polizisten hat Kontakt zu ihr.

Jakob Nolte gewann für seine vorherigen Romane den Kunstpreis Literatur, war für den Deutschen Buchpreis nominiert und nahm am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teil. Sein neuer, angenehm kurzer Roman „Die Frau mit den vier Armen“ liest sich dann auch weniger wie ein richtiger Kriminalroman, sondern wie die besserwisserische Parodie auf einen Kriminalroman. Es werden einige Krimiversatzstücke genommen und ausgestellt, als ob man zeigen wolle, wie schlecht in jeder Beziehung bestimmte „Tatorte“, Vorabend-, Regio- und Serienkillerkrimis sind.

Schnell geht es in der „Frau mit den vier Armen“ nicht mehr um die Mordermittlung, sondern, aus verschiedenen Perspektiven, um Liebe und Einsamkeit in der heutigen Großstadt.

Die sich permanent in den Vordergrund drängende Sprache ist gewöhnungsbedürftig und bewusst künstlich. Das funktioniert mal besser, mal schlechter. So haben einige verknappte Dialoge durch ihre Verknappungen und Abschweifungen einen mehr als parodistischen Touch. Einige Beobachtungen sind witzig. Vieles ist eher ‚meh‘.

Natürlich muss nicht jeder Krimi nach Schema F erzählt werden und es ist nichts gegen Hochliteratur oder eine gelungene Dekonstruktion einzuwenden. In „Die Frau mit den vier Armen“ funktioniert das nicht.

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen

Suhrkamp Nova, 2024

240 Seiten

20 Euro

Hinweise

Suhrkamp über das Buch

Perlentaucher über Jakob Noltes „Die Frau mit den vier Armen“ (jaaa, die Damen und Herren Literaturkritiker sind besoffen vor Begeisterung)

Wikipedia über Jakob Nolte


Glauser-nominiert als bester Debütroman 2025: Roland Muller: Eisrausch

April 9, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Debütroman folgende Krimis nominiert:

Stefan Grebe: Die Übermacht (Bastei Lübbe)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

Grönland, here we come!

Kriminalhauptkommissar John Kaunak wird von Aarhus nach Grönland geschickt. Dort soll er als Sicherheitschef des von einem australisch-dänischem Unternehmen betriebenen Seltene-Erden-Tagebauprojekts in Kvanefjeld herausfinden, wer zwei Mitarbeiter hinterrücks harpunierte. Die Arbeiter fürchten weitere Morde. Außerdem gibt es vermehrt Sabotageakte und im Moment noch friedliche Proteste von Einheimischen und Umweltschützern gegen den Tagebau.

Kaunak begreift schnell, dass er mit modernen Ermittlungsmethoden, wozu zu einem großen Teil das Auswerten von Spuren im Labor gehört, nicht wirklich weiterkommt. Es gibt vor Ort noch nicht einmal eine richtige Polizei, sondern nur eine Mini-Polizeistation mit zwei Haftzellen. In der einen nüchtert ein stadtbekannter Trinker öfter seinen Rausch aus. In der anderen Zelle darf Kaunak als Gast seine erste Nacht verbringen.

Am nächsten Tag beginnt er seine Arbeit als Sicherheitschef und als Mordermittler.

Natürlich ist Roland Mullers Debütroman „Eisrausch“ nicht der Roman zur aktuellen politischen Situation. Als er ihn schrieb und 2024 veröffentlichte war Donald Trump als US-Präsident Geschichte.

Aber jetzt, wo der egomanische Dummkopf im Weißen Haus Grönland irgendwie besetzen will, funktioniert „Eisrausch“ prächtig als spannende und gründlich recherchierte Hintergrundlektüre zu Grönland, dem dortigen Leben und warum dieses Stück Land im Norden für die Großmächte, wie die im Roman wichtigen Chinesen, so interessant ist.

Vor diesem Hintergrund entfaltet Roland Muller seine Geschichte. Sie beginnt als gewöhnlicher Krimi mit einem Kommissar, der einen Doppelmord aufklären soll. Schnell wird sie zum Thriller, später zur im Eis spielenden Abenteuergeschichte und, am Ende, wieder zum Thriller mit eindeutig identifizierbaren Bösewichtern. Das bewegt sich, gut gemacht, in vertrauten Bahnen.

Interessant und wirklich lesenswert wird der Thriller durch die klug eingebauten Informationen über das Land, die Leute, deren Kultur und die aktuellen Bedrohungen ihrer Kultur und ihres Lebensstils. In dieser Beziehung changiert Muller zwischen verhindertem Nature-Writing-Autor und Tony-Hillerman-Light. Und das meine ich positiv!

Eisrausch“ ist ein erfreulich altmodischer, auf Experimente und Modernismen verzichtender Thriller.

Da bin ich gespannt auf Mullers nächsten Kaunak-Roman.

Roland Muller: Eisrausch

Aufbau Taschenbuch, 2024

336 Seiten

12 Euro

Hinweise

Aufbau Verlag über den Roman

Homepage von Roland Muller

 


Leipziger Buchmesse 2025: viele nette Menschen und noch mehr Bücher

März 31, 2025

296.000 Besuchern kamen dieses Jahr zur Leipziger Buchmesse. Das waren 13.000 Besucher mehr als 2024. Entsprechend begeistert sind die Veranstalter. 2040 Aussteller aus 45 Ländern und das diesjährige Gastland Norwegen präsentierten Bücher und manchmal auch andere Dinge. Vom Donnerstag, den 27. März, bis zum Sonntag, den 30. März, gab es mit 2800 Lesungen und Diskussionen an 330 Leseorten ein ziemlich volles Programm auf dem Messegelände und in Leipzig.

Schon Tage vorher wurde der Vorverkauf von Eintrittskarten für den Samstag eingeschränkt.

Auch am Freitag, meinem Messetag, ist es gut voll. Vor allem in der Comic- und Mangahalle ist zwischen den Cosplayern (viele, sehr viele, wirklich sehr viele) und den nicht verkleideten Manga-Fans kein Durchkommen. In den anderen Hallen geht es dagegen deutlich ruhiger zu und in all dem Gedränge bleibt Zeit für Gespräche mit alten und neuen Bekannten, die ich hoffentlich alle spätestens nächstes Jahr wieder sehen werde.

Sebastian Fitzek signiert laut Ankündigung (ich habe nicht neben ihm gestanden und die Zeit gestoppt) mehrere Stunden Bücher.

Bei den anderen Autoren sind die Signierstunden laut Ankündigung kürzer. Mein Eindruck ist allerdings, dass sie auch außerhalb der Signierstunde gerne Bücher signieren oder spontan Bilder hineinmalen.

Und es werden überall wie verrückt Bücher gekauft. Die Verleger freuts, weil sie die Heimfahrt mit deutlich weniger Gepäck antreten können.

Das Wetter ist tagsüber fantastisch. Nachdem ich schon eine verschneite Messe erlebte und es letztes Jahr so kalt nieselte, dass schon ein kurzes Luftschnappen eine Zitterpartie war, ist es dieses Jahr so warm und sonnig, dass ein guter Teil des Messetrubels nach Außen verlagert wird.

Nachdem meine letzte Bücher-Jahresbestenliste rein männlich war, will ich dieses Mal wieder mehr Romane von Frauen drin haben. Die druckfrischen Debüts von Anna Mai und Malin Thunberg Schunke – die ich beide zufällig traf – sind dabei heiße Anwärterinnen für einen solchen Platz.

Anna Mai mit ihrem Roman „Broilerkomplott“ (Ariadne/Argument Verlag) und ihrer Verlegerin Else Laudan (in diesem Fall von rechts nach links)

Malin Thunberg Schunke mit ihrem Roman „Ein höheres Ziel“ (Polar Verlag), ausgezeichnet als bestes Debüt von der Schwedischen Krimi Akademie

Mit dem Feierabend-Gongschlag geht es dann in Richtung Sonnenuntergang:


Glauser-nominiert als bester Debütroman 2025: Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers

März 26, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Debütroman folgende Krimis nominiert:

Stefan Grebe: Die Übermacht (Bastei Lübbe)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

Beginnen wir die Lektüre der nominierten Krimis mit Susanne Tägders „Das Schweigen des Wasser“. Schon vor der Veröffentlichung wurde mir der Roman vom Verlag wärmstens empfohlen. Er stand einmal auf der Krimibestenliste und erhielt jetzt, im Rahmen der Stuttgarter Kriminächte, den Wittwer-Thalia-Debütkrimipreis.

Die 1968 in Heidelberg geborene Susanne Tägder war in Karlsruhe Sozialrichterin. Heute lebt sie mit ihrer Familie in der Schweiz in der Nähe von Zürich und in Kalifornien im Silicon Valley. Für ihre Texte erhielt sie den Walter-Serner-Preis und den Harder Literaturpreis. „Das Schweigen des Wassers“ ist ihr erster Kriminalroman.

Im Herbst 1991 wird in der fiktiven mecklenburgischen Kleinstadt Wechtershagen am Seeufer die Leiche von Siegmar Eck gefunden. Auf den ersten Blick sieht es nach einem Tod durch Ertrinken aus. Aber der 32-jährige Eck war ein guter Schwimmer und kurz vor seinem Tod behauptete er gegenüber Kriminalhauptkommissar Arno Groth, er werde verfolgt.

Der aus Hamburg in seinen Geburtsort zurückgekommene Groth beginnt zu ermitteln. Er stößt auf eine Verbindung zu einem zehn Jahre zurückliegenden Mordfall. Damals wurde die Abiturientin Jutta Timm auf dem Heimweg von einer Tanzveranstaltung ermordet. Eck war verdächtig. Er wurde gefoltert und gestand die Tat. Später nahm er sein Geständnis zurück. Außerdem stand er zur Tatzeit als DJ auf der Bühne.

Während seiner Ermittlungen trifft Groth die 22-jährige Kellnerin Regine Schadow. Sie arbeitete vorher in Berlin im Kempinski. Jetzt kellnert sie in einem am See gelegenem Restaurant und traf sich öfter mit Eck, der neben dem Restaurant Boote verlieh. Und ich verrate erfahrenen Krimilesern kein Geheimnis, wenn ich jetzt schreibe, dass Regine Schadow etwas mit Ecks Tot und der vor zehn Jahren ermordeten Jutta Timm zu tun hat.

Das Schweigen des Wassers“ beginnt als atmosphärischer, gut geschriebener Detektivkrimi, der sich dann allerdings nicht für die normalen Rätselkrimispiele interessiert. Tägder lässt ihren Ermittler nicht verschiedene Verdächtige befragen und Indizien für die Schuld und Unschuld einzelner Verdächtiger sammeln. Sie ist auch nicht an der typischen Thrillerspannung mit einer Rettung in letzter Minute interessiert. Und der Täter ist keiner dieser Spiele treibenden durchgeknallten Serienkiller.

Stattdessen entfaltet sich, wie in einem herkömmlichen Roman, der Fall mit seinen verschiedenen Verdächtigen und Motiven langsam vor dem Leser. Es gibt keine falschen Fährten. Einige Enthüllungen erfolgen früher, andere später. So verrät Tägder erst sehr spät, warum Schadow nach Wechtershagen gekommen ist.

Das Ende ist eine ziemliche Enttäuschung. Nicht weil der Täter nicht verhaftet oder bestraft wird, sondern weil es am Ende nur, aufgrund kaum vorhandener Indizien und wilder Spekulationen, eine plausible Vermutung gibt, wer der Täter ist.

Wer mit so einem Ende leben kann, kann sich mit „Das Schweigen des Wassers“ auf eine Zeitreise in die Zeit kurz nach der Wende begeben.

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers

Tropen/Klett-Cotta, 2024

336 Seiten

17 Euro

Hinweise

Tropen/Klett-Cotta über den Roman

Perlentaucher über den Roman

 


Glauser-nominiert als bester Krimi 2025: Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt

März 19, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

Wenn es unter diesen fünf Krimis ausgehend von erhaltenen Preisen und Kritikerlob einen Favoriten gibt, dann ist es Thomas Knüwers „Das Haus in dem Gudelia stirbt“.

Der Klappentext scheint die ganze Geschichte zu verraten:

Eine Sturmflut sucht das kleine Dorf Unterlingen heim, Wassermassen drängen die Anwohner aus ihren Häusern – nur eine bleibt, so wie sie es schon immer getan hat: Gudelia.

Sie blieb 1984, als ihr Sohn ermordet wurde, 1998, als sie sich von ihrem Nann trennte, und auch jeztzt, als ihr Haus in den Fluten einzustürzen droht.

Nicht einmal die beiden gefesselten Leichen, die an ihrem Fenster vorbeitreiben, können sie umstimmen. Denn Gudelias Gedanken gelten nur ihrem Haus, in dem sich ihr dunkelstes Geheimnis verbirgt.“

Mit diesem Text und der darüber stehenden Ankündigung, dass es sich um einen „Kriminalroman über Liebe und Verlust, über Stärke und Schuld, über Jahrzehnte hinweg“ handelt, wird schon sehr deutlich gesagt, dass die 81-jährige Gudelia einige Leichen im Keller hat. Eigentlich ist in dem Moment – auch ohne Kenntnis der Geschichte – nur noch fraglich, wen sie warum ermordete. Bis diese Frage beanwortet ist, vergeht einiges an Lesezeit.

Knüwer erzählt Gudelias Geschichte chronologisch auf drei Zeitebenen. Alle paar Seiten springt er zwischen 1984, 1998 und 2024 hin und her. Immer passiert etwas. Nicht viel und eigentlich nie etwas, das die Krimihandlung erkennbar vorantreibt. Einige Seiten später erzählt er dann, was in einem anderen Jahr passiert. Es geht über viele Seiten darum, wie Gudelia den Tod ihres Sohnes verarbeitet, wie sie mit ihrem trunksüchtigen Mann umgeht, wie sie das Haus auf sich überschreiben lässt und wie nach der Flut in dem Dorf die Aufräumarbeiten beginnen. Durch die ständigen Wechsel entwickelt das Buch durchaus Pageturner-Qualitäten.

Außerdem wird es als „Kriminalroman“ gelabelt und, was wichtiger ist, innerhalb der Krimi-Gemeinschaft wird es seit seiner Veröffentlichung mehr als wohlwollend als Kriminalroman aufgenommen. Inzwischen hat „Das Haus in dem Gudelia stirbt“ den Deutschen Krimipreis und den Stuttgarter Krimipreis gewonnen. Es ist für den Glauser-Preis nominiert, steht auf der Shortlist der Krimi-Couch für das „Buch des Jahres 2024“ und stand mehrmals auf der monatlichen Krimibestenliste. Es muss also auf den knapp dreihundert Seiten irgendetwas geschehen und auch so beschrieben werden, dass es von den Lesern als Kriminalroman und nicht als Biographie einer auf dem Land lebenden alten Frau, die vor vierzig Jahren ihren Sohn verlor, wahrgenommen wird.

Knüwer erzählt, sprachlich unauffällig, aus der Sicht einer Täterin, über mehrere Jahrzehnte, wie ein Mord das Leben von zwei Familien verändert. Zwischen all den biederen Ermittler- und Regiokrimis, mal mehr, mal weniger humoristisch, und bluttriefenden Serienkillerthrillern fällt dieser Kriminalroman angenehm auf. Er erzählt, wie eine unbescholtene, normale Frau zur Mörderin wird, wie sie mit dieser Schuld lebt und wie mehrere Menschen, die die Hintergründe mehr oder weniger kennen, über Jahrzehnte schweigen.

Das Haus in dem Gudelia stirbt“ ist das Verlagsdebüt von Thomas Knüwer. Davor veröffentlichte der 1983 im Münsterland geborene, in Hamburg lebende Autor und Chief Creative Officer einer Kreativagentur zwei Bücher im Selbstverlag.

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt

Pendragon, 2024

292 Seiten

20 Euro

Hinweise

Pendragon über den Roman

Perlentaucher über den Roman

Homepage von Thomas Knüwer


Glauser-nominiert als bester Krimi 2025: Nicole Eick: Wenn der Engel kommt

März 18, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

Dann wollen wir mal lesen, was die besten Krimis des Jahres sein sollen. Beginnen tun wir mi Nicole Eicks „Wenn der Engel kommt“. Es ist ihr zweiter Kriminalroman mit dem grundsympathischen und angenehm normalen Bamberger Kriminalpolizistenduo Alfred Meister und Dominique Brodbecker.

Dieses Mal geht es um mehrere seltsame Todesfälle, die möglicherweise miteinander zusammenhängen und in die ein Pflegedienst involviert ist. Mehr wissen die beiden Kommissare in dem Moment noch nicht.

Der Leser ist da schon schlauer. Nicole Eick erzählt ihren Krimi aus verschiedenen Perspektiven, zu denen die Kommissare und ihr Privatleben, der verdächtige Pflegedienst, ein verdächtiger Pfleger, eine Jugendliche, die die erste Leiche entdeckte, weitere für die Geschichte irgendwann irgendwie wichtige Personen und, in Rückblicken, Kimmi gehören. Am Anfang des Romans ist Kimmi noch ein Kind. Am Ende eine über vierzigjährige Schönheit, die allen Männer den Kopf verdreht und die in Serie Menschen umbringt, die sie irgendwie stören. Dass sie die Täterin ist, ist schnell klar. Nur welche der in „Wenn der Engel kommt“ auftauchenden Frauen Kimmi ist, ist unklar.

Die polizeilichen Ermittlungen sind, wenn die Kommissare nicht gerade mit Essen und Trinken und der Pflege eines im Sterben liegenden Sohnes beschäftigt sind, eine Abfolge von Zufällen. Normalerweise taucht im richtigen Moment jemand auf und liefert den Ermittlern die weiteren Informationen, während sie, nun, in die nächste Gaststätte gehen. Auch für die Verhaftung des Täters werden sie nicht benötigt.

Das liest sich als Regiokrimi mit minimalem Krimianteil und nicht vorhandenem Rätselanteil flott weg. Mehr nicht.

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt

Edition Tingeltangel, 2024

348 Seiten

20 Euro

Hinweise

Edition Tingeltangel über den Roman

Das Syndikat über Nicole Eick


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Bong Joon Hos Edward-Ashton-Verfilmung „Mickey 17“

März 7, 2025

2022 veröffentlichte Edward Ashton „Mickey 7“. In ihm erzählt er die Geschichte von Mickey Barnes, der als Expendable auf der Kolonie Niflheim, einem Eisplaneten, lebt. Er führt gefährliche Missionen aus und wird als Versuchskaninchen eingesetzt. Wenn er dabei stirbt – und das ist eine beabsichtigte Nebenwirkung seiner Einsätze – wird wenige Minuten später eine neue Version von ihm ausgedruckt.

Schon vor der Veröffentlichung des Romans erhielt Bong Joon Ho eine frühere Fassung des Romans. Er fand die Prämisse interessant und schrieb „Mickey 17“. Die Änderung der Nummer von 7 auf 17 erklärt Joon Ho so: er wollte zeigen, was Mickey durchleidet und dafür müsse er öfter als im Roman sterben. Und so wurde aus dem siebten Klon der siebzehnte Klon. Gedreht wurde an 87 Tagen von August bis Dezember 2022 in London und vor Ort. Ihre Premiere hatte die SF-Satire auf der Berlinale und jetzt kommt sie in die Kinos.

Weil Mickey Barnes (Robert Pattinson) auf seinem Heimatplaneten Ärger hat, ergreift er die einzige Chance zur Flucht, die er hat: er verpflichtet sich als Expendable. Dieser Job ist auf Expeditionen und Kolonisierungen unbekannter Planeten wichtig, weil es bestimmte Dinge gibt, die nur Menschen tun können und sein wiederholter Tod wertvolle Erkenntnisse über den Planeten bringen kann. Mickey bekommt den Job, den niemand machen will, und er darf mit nach Niflheim fliegen.

Auf der Reise verliebt er sich in Nasha Barridge (Naomi Ackie). Auf dem Planeten trifft er im Eis auf die Creepers. Das sind wurmähnliche Wesen unterschiedlicher Größe. Ob sie den Menschen gegenüber feindlich gesinnt sind, ist unklar. Aber Kenneth Marshall (Mark Ruffalo), der missionarisch beseelte, rechtskonservative Leiter der Expedition, und seine im Hintergrund intrigierende Frau Ylfa (Toni Collette) gehen davon aus.

Als Mickey 17 in ein Eisloch stürzt, erklärt ihm sein Freund Timo (Steven Yeun), dass er ihn leider nicht retten könne. Aber in einigen Stunden werde eh ein neuer Klon von ihm aus dem Menschendrucker gedruckt werden. Mickey 17 beschließt allerdings, nicht auf dem Felsvorsprung zu sterben. Er geht in ein verzweigtes unterirdisches Höhlensystem, trifft auf die Creepers und wird von ihnen bis kurz vor die Station der Kolonisatoren gebracht.

Dummerweise hat Timo ihn bereits als verstorben gemeldet. In seinem Bett trifft Mickey 17 auf Mickey 18. Sie sind Multiple. Und Multiple sind in diesem Universum noch unbeliebter als Expendables. Wenn Marshall das erfährt, wird er mindestens einen von ihnen töten.

Während Mickey 17 und Mickey 18 versuchen, mit der Situation zurecht zu kommen, versammeln sich die Creepers vor der Station.

Bong Joon Ho übernahm in seinem von ihm verfilmten Drehbuch die Grundidee des Romans und auch weitgehend die Geschichte. Aber er veränderte etliche Details, die die Geschichte durchaus verbessern und er veränderte den Humor. Edward Ashton erzählt in seinem Roman Mickeys Geschichte aus Mickeys Sicht mehr witzig sarkastisch mit vielen Rückblenden zu Mickeys vorherigen Leben, einigen Überlegungen zum Klonen von Wegwerfmenschen und, immerhin ist der Buch-Mickey ein Historiker, Informationen zu anderen, meist fehlgeschlagenen Kolonisierungsprojekten. Das Ende ist bei ihm weniger bombig als im Film.

Bong erzählt Mickeys Geschichte mit viel Schwarzem Humor, viel kapitalismuskritischer und eindeutig satirisch. Vor allem das Politikerpaar Marshall, grandios übertrieben gespielt von Mark Ruffalo und Toni Collette, sorgen in ihrer allumfassenden Doppelzüngigkeit und Gemeinheit für etliche Lacher. Im Roman ist der Expeditionsleiter Commander Marshall letztendlich nur ein gewöhnlicher Arschloch-Vorgesetzter.

Mit deutlich über zwei Stunden – „Mickey 17“ dauert insgesamt 137 Minuten – ist der Science-Fiction-Film für eine Satire auch arg lang geraten. Er ist tonal uneinheitlich, zerfasert immer wieder und ist immer wieder zu lang. Das macht „Mickey 17“ noch nicht zu einem schlechten Film, – wahrscheinlich werde ich ihn mir sogar noch einmal ansehen -, aber zu einem enttäuschenden Werk. Dass Bong nicht an die Qualität von seinem mit zahlreichen Preisen ausgezeichnetem und überall abgefeierten vorherigem Film „Parasite“ herankommt, war zu erwarten. Meisterwerke fallen nicht von Himmel. „Mickey 17“ erreicht allerdings auch nicht die Qualität von „Snowpiercer“ und „Okja“. Beide Satiren erzählen ihre Geschichte deutlich fokussierter.

Mickey 17 (Mickey 17, USA 2025)

Regie: Bong Joon Ho

Drehbuch: Bong Joon Ho

LV: Edward Ashton: Mickey 7, 2022 (Mickey 7 – Der letzte Klon)

mit Robert Pattinson, Naomi Ackie, Toni Collette, Mark Ruffalo, Steven Yeun, Holliday Grainger, Anamaria Vartolomei, Cameron Britton

Länge: 137 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Edward Ashton: Mickey 7 – Der letzte Klon

(übersetzt von Felix Mayer)

Heyne, 2022

368 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Mickey 7

St. Martin’s Press, 2022

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mickey 17“

Metacritic über „Mickey 17“

Rotten Tomatoes über „Mickey 17“

Wikipedia über „Mickey 17“ (Roman, Film: deutsch, englisch)

Berlinale über „Mickey 17“

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Okja“ (Okja, USA/Südkorea 2017)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Parasite“ (Gisaengchung, Südkorea 2019)

Homepage von Edward Ashton

Heyne über Edward Ashton

Meine Besprechung von Edward Ashtons „Mal goes to War“ (Mal goes to War, 2024)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Michel Hazanavicius‘ Jean-Claude-Grumberg-Verfilmung „Das kostbarste aller Güter“

März 6, 2025

Es lebten einmal in einem großen Wald eine arme Holzfällersfrau und ein armer Holzfäller.

Nein, nein, nein, ganz gewiss handelt es sich hier nicht um den Däumling. (…) Wo oder wann hat es denn schon so etwas gegeben, dass Eltern ihre Kinder ausgesetzt haben, weil sie sie nicht ernähren konnten?“

Mit diesem Worten beginnt Jean-Claude Grumbachs „Das kostbarste aller Güter“, ein schmales Buch von 136 Seiten, das als Märchen, als Fabel und als Jugendbuch bezeichnet wird und das sich kunstvoll zwischen alle Stühle setzt. Jetzt wurde die Geschichte von „The Artist“-Regisseur Michel Hazanavicius, nach einem zusammen von ihm und Grumberg geschriebenem Drehbuch, als Animationsfilm verfilmt. In der Originalfassung ist Jean-Louis Trintignant, in der deutschen Fassung Jürgen Prochnow der Erzähler der Geschichte von dem Holzfällerpaar.

Diese spielt Anfang 1943 in Polen, wenige Kilometer vom Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Im Buch wird das auf den ersten Seiten verraten. Im Film wird erst im letzten Drittel wirklich deutlich, wann und wo die Geschichte spielt. Bei den Zuggleisen findet die arme alte Holzfällerfrau im Schnee ein Baby. Es wurde von seinem Vater aus dem Zug geworfen. Sie nimmt es mit nach Hause und beginnt es, gegen den anfänglichen Widerstand ihres Mannes, zu pflegen.

Während sie von Anfang an in dem Mädchen ein Geschenk Gottes sieht und es ohne Vorbehalte akzeptiert, lehnt er es anfangs ab. Er hält es für ein Wesen ohne Herz, das zu dem Stamm gehört, der Gott getötet hat. Aber er überprüft seine Vorurteile und verteidigt die Herzlosen vor seinen Arbeitskollegen.

Jean-Claude Grumberg, der 1939 in Paris geborene Autor der Buchvorlage, ist ein bekannter Theater- und Drehbuchautor. Immer wieder beschäftigt er sich mit seiner traumatischen Kindheit während des Zweiten Weltkriegs, der Nazi-Diktatur und dem Antisemitismus. Sein Vater, ein rumänischer Jude, wurde in Auschwitz ermordet. Zu Grumbergs Drehbüchern gehören „Die letzte Metro“ (Le Dernier Métro, 1980), „Die kleine Apokalypse“ (La petite apocalypse, 1992; seine erste Zusammenarbeit mit Costa-Gavras), „Der Stellvertreter“ (Amen, 2002) und „Die Axt“ (Le couperet, 2005).

Für die Verfilmung seines Märchens „Das kostbarste aller Güter“ veränderte er in dem zusammen mit Hazanavicius geschriebenem Drehbuch einige Details. Dummerweise sind die ursprünglich gewählten Lösungen besser. So ist im Film bis zum letzten Drittel unklar, wann und wo genau die Geschichte spielt. Mit den ersten Worten „Es lebten einmal in einem großen Wald eine arme Holzfällersfrau und ein armer Holzfäller.“ wird die Geschichte in das Reich der Märchen und Fabeln verwiesen. Alles verbleibt in einer zeitlich und örtlich nicht genau definierten Welt, die auch eine Fantasiewelt sein kann. Im Buch wird nach dem ersten Satz sehr schnell mehr über den Handlungsort und die -zeit gesagt. Es ist klar, dass die Züge zu einem Konzentrationslager fahren.

Auch das Ende ist im Buch dank seiner Kürze gelungener. Im Film verliert die Fabel mit dem Kriegsende ihren dramatischen Fokus. Das hindert Hazanavicius nicht daran, noch mehrere Minuten weiter zu erzählen, was in den Tagen und Jahren nach der Befreiung geschieht. Dabei dauert der Film ohne Abspann keine achtzig Minuten. Mit den drastischen Bilder aus und vor dem Konzentrationslager wird „Das kostbarste aller Güter“ in dem Moment zu einem Film, der eher ein erwachsenes Publikum anspricht.

Überzeugend ist im Buch und im Film die Darstellung des Lebens des Holzfällerpaares, wie sie sich um das von den ‚Göttern des Zuges‘ erhaltene Geschenk kümmert und wie er seine Haltung zu dem Baby verändert.

Das kostbarste aller Güter (La plus précieuse des marchandises, Frankreich 2024)

Regie: Michel Hazanavicius

Drehbuch: Jean-Claude Grumberg, Michel Hazanavicius

LV: Jean-Claude Grumberg: La plus précieuse des marchandises, 2019 (Das kostbarste aller Güter)

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

(nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 in der Kategorie „Nominierungen der Jugendjury“)

Jean-Claude Grumberg: Das kostbarste aller Güter – Ein Märchen

(übersetzt von Edmund Jacoby, mit Zeichnungen von Ulrike Möltgen)

Verlagshaus Jacoby & Stuart, 2020

136 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

La plus précieuse des marchandises. Un conte

Éditions du Seuil/Librairie du XXle siècle, Paris 2019

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Das kostbarste aller Güter“

AlloCiné über „Das kostbarste aller Güter“

Metacritic über „Das kostbarste aller Güter“

Rotten Tomatoes über „Das kostbarste aller Güter“

Wikipedia über „Das kostbarste aller Güter“ (Buch: deutsch, englisch, französisch, Film: deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Michel Hazanavicius‘ „The Artist“ (The Artist, Frankreich 2011)

Meine Besprechung von Michel Hazanavicius‘ „Final Cut of the Dead“ (Coupez!, Frankreich 2022) (ein gänzlich anderes Werk)

Jacoby & Stuart über das Buch


Johannes Groschupf erzählt von der „Skin City“

März 5, 2025

Berlin im Sommer 2024: Die Polizistin Romina Winter will herausfinden, wer ihre kleine Schwester zusammengeschlagen hat. Später will die Romni auch Wissen, wer für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist. Sie glaubt, dass beide Straftaten miteinander zusammen hängen. Als Polizistin soll sie mit ihrem älteren Kollegen gegen eine Bande Einbrecher ermitteln, die im Stadtgürtel von Berlin und im Umland Villen ausrauben. Koba gehört zu dieser dreiköpfigen aus der georgischen Hauptstadt Tiflis kommenden Bande. Ihre Einbrüche arbeiten sie nach einem vorher von ihrem Boss festgelegten Plan ab. Bei einem Einbruch verletzt Koba sich an einer Fensterscheibe und fällt für einige Tage aus. Danach möchte er in Kanada ein neues Leben beginnen.

Ebenfalls zur gleichen Zeit wird Jacques Lippold aus dem Gefängnis entlassen. Er verbüßte eine zweijährige Strafe wegen Betrugs. Kurz nach seiner Entlassung beschließt er, als Kunstberater Geld zu verdienen. Auch wenn er einiges über Kunst weiß, ist er nicht am Aufbau eines ehrlichen Geschäfts interessiert. Entsprechend zielgenau auf die Erwartungen seiner vermögenden Kundschaft inszeniert er in der verlassenen Lungenheilstätte am Grabowsee seinen ersten Maler, der sich sehr seltsam benimmt und kurz vor seinem großen Durchbruch stehen soll. Die potentiellen Käufer sind begeistert.

Gleich drei Geschichten erzählt Johannes Groschupf auf schlanken 240 Seiten in seinem neuen Thriller „Skin City“. Zuerst gibt es keine offensichtliche Verbindung zwischen ihnen. Aber das ändert sich ziemlich schnell. Und wie Groschupf diese dann am Ende anders als erwartet zusammenbringt, ist große Krimikunst. Die Figuren sind, wie in seinen vorherigen Noirs, aus dem Berliner Großstadtleben gegriffen und eng mit der Metropole verknüpft. Geschrieben hat Groschupf seine Geschichte dann entlang der Hintergrundgeschichten aktueller Schlagzeilen.

Johannes Groschupf: Skin City

Suhrkamp, 2025

240 Seiten

17 Euro

Hinweise

Suhrkamp über Johannes Groschupf

Wikipedia über Johannes Groschupf

Meine Besprechung von Johannes Groschupfs „Berlin Prepper“ (2019)

Meine Besprechung von Johannes Groschupfs „Die Stunde der Hyänen“ (2022)

Johannes Groschupf stellt „Skin City“ vor

Mittwoch, 5. März

Berlin

Veranstalter: Georg Büchner Buchladen, Suhrkamp Verlag

Mittwoch, 12. März

Berlin

Veranstalter: Bezirksamt Reinickendorf

Freitag, 21. März

Berlin

Veranstalter: Berlin-Instanbul Literaturtage

Montag, 28. April

Oranienburg

Veranstalter: Landkreis Oberhavel, Regionalmuseum Oberhavel

Samstag, 14. Juni

Seddiner See

Veranstalter: Heimvolkshochschule Seddiner See


„Mal goes to War“, der neue Roman von „Mickey 7“/„Mickey 17“-Autor Edward Ashton

März 5, 2025

Bevor in wenigen Stunden die Verfilmung von Edward Ashtons bekanntestem Roman „Mickey 7“ ins Kino kommt – und allein schon, dass „Parasite“ Bong Joon-ho die Regie und Robert Pattinson die Hauptrolle übernommen haben, weckt das Interesse des Filmfans an „Mickey 17“ – werfen wir einen Blick auf seinen neuen Roman. „Mal goes to War“, sein fünfter Science-Fiction-Roman, erschien vor wenigen Tagen in der deutschen Übersetzung bei Heyne.

Der titelgebende Mal ist eine künstliche Intelligenz, die problemlos von Wirt zu Wirt springt und ihn mehr oder weniger umfassend kapert. Als seine Verbindung zum Infospace, seiner Heimat, abgeschnitten wird, muss er sich überlegen, wie er zu einem Ort gelangen kann, an dem er wieder eine Verbindung zum Infospace aufbauen und dorthin zurückkehren kann. Bis dahin flüchtet er sich zuerst in die Hightech-Implantate der toten Söldnerin Mika. Mika soll auf die wie ein Teenager aussehende Kayleigh aufpassen. Sie ist in Wirklichkeit schon viel älter und genetisch verändert. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg durch ein zukünftiges Amerika, in dem zwischen Federales, die ihre Körper durch Implantate und Genmanipulationen veränderten, und Humanisten, die solche Veränderungen ablehnen, Bürgerkrieg herrscht.

Auf ihrem gemeinsamen Weg erleben sie viele Abenteuer, ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten (und dass Mals Wissen über die Menschen vor allem aus alten Hollywood-Filmen kommt [die für ihre präzise Darstellung des Lebens von Liebespaaren und Soldaten bekannt sind]) sorgen für amüsante Wortgefechte. Ihr Umgang mit Gefahren sorgt für überraschende Kampfverläufe. So kann Mal schwuppdiwupp von einem Körper zum nächsten wechseln. Und Kayleigh verhält sich nicht wie ein kleines Mädchen.

Kurz nach dem Beginn ihrer Reise nehmen sie Asher gefangen. Der Soldat wird ihr widerspenstiger Kriegsgefangener.

Die Idee ist eigentlich gar nicht so schlecht: einen witzigen Science-Fiction-Roman über ein Amerika im Krieg mit sich selbst und über Künstliche Intelligenz und was sie in Zukunft tun kann, zu schreiben. Die Idee, die Geschichte aus der Sicht einer KI zu erzählen, verspricht eine neue Perspektive. Die Geschichte entwickelt sich nach dem alten Groschenheft-Prinzip „wenn ich nicht weiter weiß, taucht einfach ein Mann mit einer Pistole auf“. Es passiert ständig etwas, aber nichts davon bleibt im Gedächtnis. Das liegt daran – und das wird bei dem konfusen Ende überdeutlich -, dass Ashton keine Idee davon hat, was Mal will, welches Ziel er erreichen will und was passiert, wenn er es nicht erreicht. Mal entwickelt auch keine eigene Persönlichkeit.

Das gleiche gilt für die anderen Figuren. Sie bleiben austauschbare Schießbudenfiguren.

Über den Krieg zwischen den einzelnen Fraktionen und was sie in diesem Krieg erreichen wollen, erfahren wir auch nichts. Und natürlich ist KI in diesem Fall nur ein Gimmick. Mal und die anderen KIs, die er trifft, sind einfach nur dumme Computerprogramme.

Der Humor ist von der nett-harmlosen, sich weitgehend in Blödeleien erschöpfenden Art. Das kann man erkältet auf der Couch oder, in einigen Monaten, schwitzend am Strand weglesen, während man darüber spekuliert, was John Scalzi aus dieser Idee gemacht hätte.

Meine Besprechung der Edward-Ashton-Verfilmung „Mickey 17“ gibt es zum Filmstart. Hier gibt es schon einmal den vielversprechenden Trailer:

Edward Ashton: Mal goes to War – Ein KI-Thriller

(übersetzt von Felix Mayer)

Heyne, 2025

400 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Mal goes to War

St. Martin’s Press, 2024

Hinweise

Homepage von Edward Ashton

Heyne über Edward Ashton