Verfilmte Kriminalromane am 13. Juni

Juni 12, 2007

HR, 23.35

Rendezvous mit dem Tod (USA 1977, R.: Ashley Lazarus)

Drehbuch: Stanley Price

LV: Alistair MacLean: Golden Rendezvous, 1962 (Rendezvous mit dem Tod)

Ein Schiff wird gekapert und Schiffsoffizier Richard Harris greift ein. Hält den mauen Standard der meisten MacLean-Verfilmungen.

Mit Richard Harris, Ann Turkel, Gordon Jackson, John Vernon, David Janssen, Burgess Meredith


Verfilmte Kriminalromane am 12. Juni im TV

Juni 11, 2007

Das Vierte, 20.15

Jack Higgins: Die Krieger (GB 1995, R.: Lawrence Gordon Clark)

Drehbuch: Jurgen Wolff

LV: Jack Higgins: Eye of the storm; Midnight Man, 1992 (Die Lerche fliegt im Morgengrauen)

In der IRA waren sie Freunde. Jetzt soll Sean Dillon seinen Ex-Freund John Engel der Justiz ausliefern. Denn Engel will die Royals umbringen.

Zweiteiliger TV-Agententhriller von eher mässiger Qualität. Mit „Eye of the storm“ startete Jack Higgins seine bis jetzt dreizehnteilige Sean Dillon-Reihe.

Mit Rob Lowe, Hannes Jaenicke

Die nicht-offizielle Homepage von Jack Higgins: http://www.scintilla.utwente.nl/users/gert/higgins/html/main.html  

 


RBB, 23.00

Mörderischer Engel (F 1985, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Michel Audiard

LV: Derek Raymond (Robin Cook): He died with his eyes open, 1984 (Er starb mit offenen Augen)

Hat die schöne Barbara den Pianisten umgebracht? Inspektor Staniland versetzt sich immer mehr in die Persönlichkeit des Toten und verliebt sich in Barbara.

Nicht so düster wie das Buch (der erste Band der Factory-Serie), in Teilen sogar langatmig, aber solide aufgebaut, mit zahlreichen Anleihen beim „Film Noir“ und zwei wundervollen Hauptdarstellern: Michel Serrault und Charlotte Rampling

 

ARD, 01.45

Der Mordprozess O’Hara (USA 1951, R.: John Sturges)

Drehbuch: John Monks Jr.

LV: Eleazar Lipsky: The People Against O’Hara, 1950

Ein trockener Anwalt übernimmt die aussichtslose Verteidigung eines jungen Mannes.

„Düsterer Kriminalfilm mit melodramatischen Akzenten, getragen von geschliffenen Dialogen und hervorragenden Darstellern.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Spencer Tracy, Pat O’Brien, Diana Lynn, James Arness


Verfilmte Kriminalromane am 11. Juni im TV

Juni 10, 2007

3sat, 14.00

20.000 Jahre in Sing Sing (USA 1932, R.: Michael Curtiz)

Drehbuch: Courtney Terrett (als Courtenay Terrett), Robert Lord, Wilson Mizner, Brown Holmes

LV: Lewis E. Lawes: Twenty Thousand Years in Sing Sing, 1932 (als Warden Lewis E. Lawes)

Als Tom Connors auf Hafturlaub ist, erschießt seine Freundin einen Gangster. Connors nimmt die Schuld auf sich und soll auf den elektrischen Stuhl.

Ein weiterer der damals beliebten sozialkritischen Gangsterfilme.

Der Autor der Buchvorlage leitete während der Dreharbeiten noch das Gefängnis Sing Sing. Deshalb durfte die Filmcrew zahlreiche Szenen in dem berühmten Gefängnis drehen.

Mit Spencer Tracy, Bette Davis

Über Lewis E. Lawes: http://www.crimelibrary.com/notorious_murders/famous/sing_sing/8.html  

 

NDR, 21.00

TATORT: Money! Money! (D 1998, R.: Peter Ristau)

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Dorsey organisert ein Kettenspiel. Als seine Partnerin Angie umgebracht wird, ermitteln Erhlicher und Kain im Milieu krimineller Geschäftemacher.

Im Vergleich zu den neueren Ehrlicher-Filmen wird dieser schwache Ehrlicher immer besser. Denn er hat eine sauber entwickelte Handlung und weißt ohne einen allzu erhobenen Zeigefinder auf kriminelle Abzocker hin. 

Mit Peter Sodann, Bernd Michael Lade, Ulrich Noethen, Julia Jäger

 

Vox, 01.55

Die Apothekerin (D 1997, R.: Reiner Kaufmann)

Drehbuch: Ralf Hertwig, Kathrin Richter

LV: Ingrid Noll: Die Apothekerin, 1994

Die spröde Apothekerin Helle Moormann hat es faustdick hinter den Ohren und kennt sich – berufsbedingt – mit Giften aus.

Schwarze Komödie mit viel Leerlauf.

Mit Katja Riemann, Jürgen Vogel, Richy Müller, August Zirner, Andrea Sawatzki


Verfilmte Kriminalromane am 10. Juni im TV

Juni 9, 2007

Pro 7, 20.15

Der Anschlag (USA 2002, R.: Phil Alden Robinson)

Drehbuch: Paul Attanasio, Daniel Pyne

LV: Tom Clancy: The sum of all fears, 1991 (Das Echo aller Furcht, Der Anschlag)

Einige Nazis wollen mit einer im Nahen Osten gefundenen Nuklearwaffe das Finale des Super-Bowl torpedieren und so einen Atomkrieg zwischen den Amis und Russen auslösen. Jack Ryan jagt sie.

Nach Alex Baldwin und Harrison Ford spielt Ben Affleck den unerschrockenen Geheimagenten und Bürohengst Jack Ryan. “tip” verspricht zwei Filme: “Ein Schocker, der seine Parodie gleich selbst ist.” Halt ein starbestücktes, nicht in die Gänge kommendes B-Movie, in Auftrag gegeben vor 9/11.

Mit Ben Affleck, Morgan Freeman, James Cromwell, Liev Schreiber, Alan Bates

Wiederholung um 02.35 Uhr

ZDF, 22.00

Inspector Barnaby: Ein böses Ende (GB 1998, R.: Baz Taylor)

Drehbuch: Douglas Watkinson

LV: Caroline Graham: Death in Disguise, 1992 (Ein böses Ende)

Inspector Barnaby muss unter Esoterik-Spinnern einen Doppelmörder suchen.

Ist wohl ein ganz netter Landhaus-Krimi.

Mit John Nettles, Daniel Casey

Kabel 1, 00.40

French Connection (USA 1971, R.: William Friedkin)

Drehbuch: Ernest Tidyman

LV: Robin Moore: The French Connection, 1969 (Heroin Cif New York)

Die beiden Polizisten Popeye Doyle und Buddy Russo sind auf der Spur einer großen, aus Frankreich kommenden, Lieferung Rauschgift.

Zeitloser, hochspannender, vor Ort gedrehter Genre-Klassiker, der auf einem wahren Fall beruht.

Mit Gene Hackman, Roy Scheider, Fernando Rey, Tony LoBianco, Marcel Bozzufi

ARD, 01.20

Le Train – Nur ein Hauch von Glück (F/I 1973, R.: Pierre Granier-Deferre)

Drehbuch: Pierre Granier-Deferre, Pascal Jardin

LV: Georges Simenon: Le train, 1961 (Der Zug)

1940 in Frankreich verbringen Julien und Anna auf der Flucht vor den Nazis in einem Zug einige gemeinsame Stunden. Zwei Jahre später hat diese Begegnung ein Nachspiel.

Hervorragend gespieltes, menschlich anrührendes Liebesdrama mit Jean-Louis Trintignant und Romy Schneider


Verfilmte Kriminalromane am 9. Juni im TV

Juni 9, 2007

Das Vierte, 22.00

Wer Gewalt sät (GB 1971, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: David Zelag Goodman, Sam Peckinpah

LV: Gordon Williams: The siege of Trencher’s Farm, 1969 (spatter Straw Dogs)

Der friedfertig-weltfremde Mathematiker David Summer will im Heimatdorf seiner Frau Amy ungestört eine wissenschaftliche Arbeit beenden. Aber schon bald wird er von den Dorfbewohnern in einen Strudel der Gewalt gezogen.

Im Wesentlichen verlegt Sam Peckinpah seine bekannten Western-Topoi in die Gegenwart. Es ist eine bittere Studie über Gewalt und die Eskalation von Gewalt. Denn am Ende verteidigt David Summer sein Haus mit roher Gewalt.

„Straw Dogs ist ein vollständiges Werk – eine struktriere Vision des Lebens auf Film.“ (Pauline Kael, New Yorker, 1971)

Leider zeigt Das Vierte die gekürzte FSK-16-Fassung. Für diese und auch die auf DVD erhätliche Fassung wurde die für den Film zentrale und von Kritik und Publikum heftig attackierte Vergewaltigung von Amy durch die Dörfler gekürzt. Im Original ist die Szene quälend lang und es ist unklar, wie sehr Amy die von ihr provozierte Vergewaltigung geniest. Für den 12. Juli 2007 ist eine ungekürzte Doppel-DVD des Films angekündigt. Damit wird die Reihe der guten Peckinpah-(Wieder)Veröffentlichungen fortgesetzt.

Mit Dustin Hoffman, Susan George, Peter Vaughan, David Warner

RTL II, 22.05

Todesstille (Aus 1989, R.: Philip Noyce)

Drehbuch: Terry Hayes

LV: Charles Williams: Dead calm, 1963 (Tödliche Flaute)

Das Ehepaar Ingram fischt einen Mörder aus dem Wasser. Aus Dankbarkeit will er sie umbringen.

Spannender Drei-Personen-Thriller mit Nicole Kidman, Sam Neill, Billy Zane

Stellvertretend für die vielen euphorischen Stimmen: Todesstille „bewegt sich vielmehr auf der differenzierten, fast altmodischen Ebene einer Gattung von Filmen, die seit Jahren nahezu ausgestorben schien, jener kalkulierten Spannungsstücke, die mit einem Minimum an Konfliktstoff auskommen und deren Effekt sich vornehmlich aus der Machart ableitet.“ (film-dienst)

Wiederholung um 01.55 Uhr

ARD, 22.55

JAMES BOND: Im Angesicht des Todes (GB 1985, R.: John Glen)

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Ian Fleming: From a view to a kill, 1960 (Tod im Rückspiegel, Kurzgeschichte)

In einer Zeit, als es noch kein Internet gab: Max Zorin will die Computerweltmacht erringen, indem er Silicon Valley flutet. James Bond verhindert das Schlimmste.

Ziemlich müde Angelegenheit von Kleiderständer Moore. Danach war er reif für die Rente.

Mit Roger Moore, Christopher Walken, Tanya Roberts, Grace Jones, Patrick Macnee

WDR, 01.00

Unternehmen Rosebud (USA 1975, R.: Otto Preminger)

Drehbuch: Erik Lee Preminger, Marjorie Kellogg (ungenannt)

LV: Paul Bonnecarrere, Joan Hemingway: Rosebud, un chantage qui bouleverse le monde, 1973, (Unternehmen Rosebud)

Palästinensische Terroristen entführen fünf Millionärstöchter. Agent Larry Martin soll sie befreien.

Von Preminger sind wir besseres gewohnt. „Spannungsloser Agenten- und Politthriller voller Klischees.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Unternehmen Rosebud“ ist das einzige Drehbuch von Premingers Sohn Erik Lee.

Mit Peter O’Toole, Richard Attenborough, Raf Vallone, Isabelle Huppert, Kim Cattrall (Debüt), Klaus Löwitsch


TV-Krimi-Buch-Tipps 9. – 22. Juni 2007

Juni 6, 2007

Der Alligatorchef liest sich durch seinen Urlaub und die TV-Krimi-Buch-Tipps erscheinen deshalb nur in einer spartanischen Textversion, die Sie natürlich downloaden, lesen und an ihre Wand pinnen können.

Hier die Datei:

tv-krimi-buch-tipps-9-22-juni-2007.pdf

Hier die ersten Zeilen:

Während unsere Nationalelf sich für die EM qualifiziert, beginnen die Fernsehsender bereits mit dem wiederholungsgesättigten Sommerprogramm. Das ist gut, um die Videosammlung aufzufüllen, filmische Bildungslücken zu schließen oder auch einfach nur mal wieder einen guten Film zu sehen. Besonders empfehlenswerte Krimis sind in den kommenden beiden Wochen die Charles Williams-Verfilmung „Todesstille“, der Polizeifilm „French Connection“ (wen interessiert’s, dass der Film auf einem Tatsachenroman von Robin Moore basiert), die Vincent Patrick-Verfilmung „Der Pate von Greenwich Village“ (mit vielen Bildern von New York und zwei damals aufstrebenden Jungstars), Alfred Hitchcocks Frederick Knott-Verfilmung „Bei Anruf Mord“, die Roderick Thorp-Verfilmung „Stirb langsam“ (so als Vorbereitung für „Stirb langsam 4.0“), der Gangsterfilmklassiker „Maschinenpistolen“, Joel und Ethan Coens „Der unauffällige Mr. Crane“, Curtis Hansons fulminante James Ellroy-Verfilmung „L. A. Confidential“, Claude Sautets José Giovanni-Verfilmung „Der Panther wird gehetzt“ (mit Lino Ventura und Jean-Paul Belmondo), der sträflich unterschätzte „Steckbrief 7-73“ und Tele 5 beginnt mit der Ausstrahlung der „Heißer Verdacht“-Filme.

Keine Krimis, aber mit der Beteiligung von Krimiautoren sind „Ein Sommer auf dem Lande“ (nach einem Drehbuch von Sébastien Japrisot) und „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (nach einem Drehbuch von Fred Breinersdorfer) einen Blick wert.


Ein langer Film über das Grundgesetz

Mai 31, 2007

 

Heute startete der Gemeinschaftsfilm „GG 19“. Doch einige der Filme wurden bereits vor anderthalb Jahren während des One World Festivals von der Humanistischen Union präsentiert. Ich moderierte die Veranstaltung. Produzent Harald Siebler beantwortete geduldig alle Fragen. Damals zeigte er einen Rohschnitt und wollte wissen, was wir von den Filmen hielten.

Gestern, während der offiziellen Premiere in der Kulturbrauerei, sah ich dann zum ersten Mal alle 19 Filme. Nicht jeder Film ist gelungen. Nicht jeder Film gefällt. Das ist bei einem Episodenfilm nichts ungewöhnliches.

Aber auffallend bei „GG 19“ ist, dass es kaum einem Film gelingt sein Thema adäquat zu bebildern. Viele, vielleicht sogar die meisten, Filme lassen einen ratlos zurück. Sieblers Idee war, auf unterhaltsame Art den Menschen den Inhalt und die Bedeutung des Grundgesetzes, vor allem der ersten 19 Artikel, den Menschen- und Bürgerrechten, näher zu bringen. Das ist ein lobenswertes Anliegen, das sich letztendlich im gesamten 150-minütigem Film kaum wiederfindet. Denn dafür haben die einzelnen Episoden viel zu wenig mit dem Inhalt und der Bedeutung der Gesetze zu tun. Meistens ist der Hinweis auf ein Grundgesetz beliebig. Oft ist der Film auf eine maue Schlusspointe hin geschrieben. Oft fragte ich mich am Ende des Films „Was soll das?“. Oft sind die Filme peinlich didaktisch.

So filzt in „Stehplatz“ ein junger Polizist einen Penner. Der Film soll zeigen, dass die Freiheit einer Person unantastbar ist (Artikel 2). Dass diese Episode etwas mit dem Artikel 2 zu tun hat, erschließt sich auf den ersten Blick nicht. Es könnte auch etwas mit der Würde des Menschen (Artikel 1) zu tun haben. Aber da läuft „Adrenalin Flash“: ein Mann wird gefoltert. Am Ende stellt sich heraus, dass die Tortur ein Spiel vor laufender Kamera war und die Familie den Vater ohne sein Wissen, wegen des versprochenen Gewinnes, auf den Folterstuhl schickte. „Adrenalin Flash“ könnte auch ein Kommentar zum Artikel 5, der Freiheit der Meinungsäußerung und -verbreitung (vulgo Pressefreiheit) sein. Aber da tritt ein Reporter auf, der Reportagen fälschte und sich jetzt dafür vor Gericht rechtfertigt. Ähnlichkeiten mit einem wahren Fall aus den Neunzigern sind nicht zufällig. Warum der Betrug am Sender und am Zuschauer ein Beitrag zur Pressefreiheit sein soll; – das erschließt sich nur über gedankliche Kapriolen. Weil heute die Pressefreiheit von einem Staat auf der Suche nach Geheimnisverrätern (Denken Sie nur an die zahlreichen Durchsuchungen von Redaktionen und den Überwachungen von Journalisten.) bedroht wird, ist „Der große Videoschwindel“ einfach nur grob verharmlosend.

In „Der Traumjob“ (Freie Berufswahl, Artikel 12) bewirbt sich eine Frau. Das Bewerbungsgespräch verläuft seltsam. Trotzdem erhält sie den Job als Prostituierte. Was das mit dem Recht auf freie Berufswahl zu tun hat, erschließt sich nicht. Denn niemand verweigert einer Frau das Recht, als Prostituierte zu arbeiten. Sogar in einer der zahlreichen Comedy-Shows wäre „Der Traumjob“ ein Lückenfüller. Ähnliches gilt für „Ladies first“. In diesem Film zur Gleichberechtigung (Artikel 3) erhält eine Frau zwar den gewünschten Job nicht, hat dafür aber später Glück.

In „Kindersicherung“ (Unverletzlichkeit der Wohnung, Artikel 13) haust ein Junge mit seiner Crack-Mutter in einer heruntergekommenen Wohnung. Die Sozialarbeiter können die Wohnung nicht betreten. Auch hier verharmlost der Film das reale Problem der Vernachlässigung von Kindern und baut ein Scheinproblem auf. Denn natürlich dürfen Beamte in einem solchen Fall eine Wohnung betreten.

In „Piet Melzer“ (Vergesellschaftung von Grund und Boden, Artikel 15) wird ein Embryo verstaatlicht. Die düstere Zukunftsvision hat – was die Qualität von guter Science-Fiction ist – keinen erkennbaren Bezug zur Gegenwart. Er ist purer Eskapismus.

„Der Petent“ (Beschwerde- und Petitionsrecht, Artikel 17) wirkt wie ein schlechter Werbefilm für Beschwerden. Dazu trägt auch der vom Hauptdarsteller im Bus gesungene Schlager mit den Passagieren als Chor bei. Aber immerhin sind hier, im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen, Botschaft und Bezug zum Gesetz offensichtlich. Das gleiche gilt für „Abspann oder der Held der Stunde“ (Verwirkung von Grundrechten, Artikel 18).

Als Imagekampagne für die Grundrechte ist „GG 19“ größtenteils gescheitert. Denn fast kein Film findet zu einer eigenen Haltung gegenüber den Grundrechten und setzt diese ästhetisch stringent in eine Geschichte um. Hier ist das gut gemeinte wieder einmal das Gegenteil vom gut gemachten.

Als Sammlung von 19 Kurzfilmen ist er – etwas anderes.

 

 

 

GG 19 (Deutschland 2007)

Idee, Konzeption, Produktion, Supervising Director: Harald Siebler

Regie: Johannes von Gwinner, Savas Ceviz, Andreas Samland, Boris Anderson, Alan Smithee, Marion Kracht, Suzanne von Borsody, Harald Siebler, Johannes Harth, Philipp von Werther, Marcel Ahrens, Christine Repond, Sabine Bernardi, Carolin Otterbach, Kerstin Polte, Axel Bold, David Dietl, André F. Nebe, Ansgar Ahlers

Drehbuch: Raimund Maessen, Sonia Karst, Savas Ceviz, Robert Hennefarth, Esther Bernstorff, Falko Henning, Kathi Liers, Catherine Ann Berger, Harald Siebler, Kati Faude, Silke Riemann, Jens Köster, team interner, Jana Evita Seidel, Jens Baumeister, Sabine Bernardi, Cristina Zehrfeld, Olaf Nollmeyer, Kertin Polte, Boris Anderson, Henner Schulte-Holtey, David Dietl, Jan Neumann, Ansgar Ahlers

Homepage zum Film: www.gg19-derfilm.de


Kein katastrophaler Katastrophenfilm

Mai 25, 2007

Das Inferno – Flammen über Berlin

Deutschland 2006

Regie: Rainer Matsutani

Drehbuch: Frank Raki

Erstausstrahlung: Montag, 21. Mai 2007, Sat.1

Auf dem Berliner Fernsehturm bricht ein Feuer aus. Die Feuer versucht die Eingeschlossenen zu retten. Nachdem ein Fahrstuhl abstürzt, mit sich mehrere Feuerwehrleute in den Tod reißt und den Zugang zum Turm versperrt, ist die einzige Chance für die Eingeschlossenen ein Ex-Feuerwehrmann. Dummerweise wurde er vor einem Jahr von dem Einsatzleiter herausgeschmissen.

Die Geschichte klingt nach dem üblichen Action-Murks. Und die Wiederbelebungsversuche des Katastrophenfilmgenres gingen ziemlich unbemerkt an mir vorbei. Denn warum sollten die aktuellen Kopien besser sein als die starbesetzten Desaster aus den Siebzigern?

Aber andererseits ist „Das Inferno – Flammen über Berlin“ von den Produzenten des Oscar-Gewinners „Das Leben der anderen“.

Gespannt, aber mit nicht sonderlich hohen Erwartungen startete ich also meine Aufzeichnung – und war überrascht. Denn ich schaltete nicht nach der ersten Werbepause ab, sondern blieb dran. Zwar erfindet „Das Inferno – Flammen über Berlin“ das Genre nicht neu. Einige Effekte, besonders der Feuersturm am Anfang, sehen arg gekünstelt aus und die im Turmschacht herabfallenden Steine haben gewisse Gewichtsprobleme. Die Geschichte bewegt sich exakt in der bekannten 08/15-Bahn. Die einzige Überraschung ist, dass es in diesem Drehbuch wirklich keine Überraschung gibt. Denn natürlich ist die Ex-Freundin unseres Helden unter den Überlebenden. Natürlich leitet ihr Vater den Einsatz und natürlich würde er den Helden am liebsten umbringen. Natürlich begibt der Vater sich kurz vor Schluss in Lebensgefahr und natürlich ist am Filmende alles in Butter: der Held hat sein Mädchen wieder und der Vater nimmt ihn wieder in die Feuerwehr auf. Auch ist absolut vorhersehbar, wer sich wann als Feigling oder als Held entpuppt und wer wann stirbt. Natürlich gibt es immer wieder unvorhersehbare Probleme, die nach dem Genuss von einem Katastrophenfilm so vorhersehbar sind, wie die Wettervorhersage am Ende der Tagesschau.

Auch die Dialoge und Plotlöcher bewegen sich auf dem bekannten Niveau.

Es spricht scheinbar nichts für den Film.

Aber wer erwartet von einem Katastrophenfilm ernsthaft etwas anderes als eine vorhersehbare Geschichte mit Klischeefiguren?

Eben.

Deshalb überraschte mich nicht, dass die Regeln befolgt wurden, sondern dass diese Regeln gut befolgt wurden. Offensichtlich haben die Macher die Originale genau studiert und verstanden, weshalb sie beim Publikum beliebt sind. Und genau auf diesem vorhersehbaren Niveau unterhält „Das Inferno – Flammen über Berlin“ überraschend gut. Denn man kann wirklich nicht abschalten, weil man letztendlich doch wissen will, wie sich die Dinge immer weiter zum Schlimmeren entwickeln und am Ende die Überlebenden in letzter Sekunde gerettet werden.

Pro 7 wiederholt den Film am Samstag, den 26. Mai, um 00.50 Uhr.