Nachtschicht: Das tote Mädchen (D 2010, R.: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Ein russisches Callgirl wird ermordet und in der Elbe versenkt. Das Nachtschicht-Team sucht den Mörder und landet schnell bei einem Privatbankier, der behauptet die Tote nicht zu kennen.
Nix neues von der “Nachtschicht”: Dutzende bekannter Gesichter, die endlich (?) mal wieder (?) zeigen, was sie können, gutes Buch, gute Regie, gute Unterhaltung.
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Pierre Semmler, Dietmar Bär, Kai Wiesinger, Jürgen Prochnow, Lisa Maia Potthoff
Nur die Sonne war Zeuge (F/I 1960, R.: René Clément)
Drehbuch: René Clément, Paul Gégauff
LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)
Tom Ripley soll im Auftrag von Philippes Vater den Sohn nach Amerika zurückbringen. Aber Tom und Philippe verstehen sich gut und Tom gefällt das müßige Millionärsleben. Warum also nicht einfach Philippe Greenleaf umbringen und dessen Stelle einnehmen?
Grandiose Verfilmung des ersten Ripley-Romanes; obwohl der Film moralisch korrekter endet.
Neben dem ausgefeilten Drehbuch trug besonders Henri Decaes superbe Farbfotografie zum Erfolg des Films bei. Erstmals schuf Farbe jene beklemmende Atmosphäre, die bis dahin nur aus den Schwarzweiß-Filmen der Schwarzen Serie bekannt war.
Patricia Highsmith schrieb danach vier weitere Bücher mit Tom Ripley, dem ersten sympathischen Psychopathen der Kriminalgeschichte.
Das fällt wohl in die Kategorie „endlich online“: 1976 unterhielt Roger Ebert sich mit Krimiautor John D. MacDonald (der Erfinder von Privatdetektiv Travis McGee).
Matt Zoller Seitz schreibt über „How Hollywood killed the Movie Stunt“. Denn während wir früher noch sehen konnten, wie echte Menschen gefährliche Dinge taten (Nein, ich nenne jetzt keine Beispiele.), bekommen wir heute ein Schnittgewitter präsentiert, bei dem man zwar irgendwie das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein, aber sich auch denkt „Das könnte ich auch.“.
Denn die neuen Action-Filme sind, weil wir die wirkliche Action nicht mehr sehen, Post-Action-Filme.
Stephen Kings neues Buch heißt „Zwischen Nacht und Dunkel“ (Full Dark, No Stars, 2010), die deutsche Ausgabe ist jetzt bei Heyne erschienen und sie enthält vier neue Kurzromane des Grandmasters. „Kurz“ für Kingsche Verhältnisse, denn das Inhaltsverzeichnis liest sich so:
1922 – 11
Big Driver – 199
Faire Verlängerung – 357
Eine gute Ehe – 403
Nachwort – 523
Bis auf die knapp fünfzigseitige „Faire Verlängerung“ würden die Geschichten (die natürlich alles Horror- oder Kriminalgeschichten sind) bei anderen Autoren als eigenständige Romane durchgehen.
Um das Buch zu promoten, gibt es natürlich einen Trailer von seinem US-Verlag
Ziemlich öde, aber die Trailer von Future Shorts für die vier Geschichten (gemacht in Kooperation mit Kings englischem Verlag) sind wirklich gut
Am besten gefällt mir der Trailer für „A good marriage“ (Eine gute Ehe). Der könnte von David Lynch sein. Aber auch die anderen machen neugierig auf die Geschichten.
–
Stephen King: Zwischen Nacht und Dunkel
(übersetzt von Wulf Berger)
Heyne, 2010
528 Seiten
19,99 Euro
–
P. S.: Wenn ich mir die verschiedenen Covers für „Zwischen Nacht und Dunkel“ ansehe, gefällt mir das deutsche Cover von David Hauptmann (Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich) am besten.
Nach dem lockeren Mantel-und-Degen-Film „Die schwarze Tulpe“ (um 00.50 Uhr) gibt es für die Fans von Agentenfilmen
ARD, 02.45
Scorpio, der Killer (USA 1972, R.: Michael Winner)
Drehbuch: David W. Rintels, Gerald Wilson (nach einer Geschichte von David W. Rintels)
Zehn Jahre nach „Der Leopard“ traten Burt Lancaster und Alain Delon wieder gemeinsam in einem Film auf. Und wieder spielten sie zwei Männer, die ein Vater-Sohn-Verhältnis haben und sich gegenseitig schätzen. Aber in „Scorpio, der Killer“ soll Delon, der einen CIA-Killer spielt, seinen ehemaligen Ausbilder Cross (Burt Lancaster) umbringen. Aber Cross hat noch mehr als ein Ass im Ärmel.
„Der Film bemüht sich um Glaubwürdigkeit, ist solide inszeniert und hervorragend besetzt.“ (Lexikon des internationalen Films)
„‚Scorpio‘ steht in der Tradition von ‚Der Spion, der aus der Kälte kam‘: kein Gut und Böse mehr, sondern nur noch amoralische Charaktere, die sich gegenseitig das Leben schwer machen.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)
mit Alain Delon, Burt Lancaster, Paul Scofield, John Colicus, James Sikking
„Der Flüchtling“, Massimo Carlottos neues Buch, ist ein altes Buch. In seiner Heimat Italien erschien es bereits vor fast zwei Jahrzehnten und es ist auch kein Roman, sondern eine Quasi-Biographie, in der er einige Fragen beantwortet, die ihm damals viele Menschen stellten. Denn Carlotto war damals in Italien und auch in anderen europäischen Ländern (obwohl ich mich jetzt nicht mehr an die damaligen Schlagzeilen und Flugblätter erinnere) eine Berühmtheit. Er geriet am 20. Januar 1976 als linksradikaler Jugendlicher, nachdem er der Polizei einen bestialischen Mord an einer Studentin meldete, in die Mühlen der Justiz und er sollte als Mörder verurteilt werden. Im November 1982 flüchtete er. Zuerst nach Paris. Dann nach Mexiko. Dort wurde er, als er sich einen falschen Pass beschaffen wollte, von der Polizei geschnappt und, auf eigenen Wunsch, im Februar 1985 nach Italien ausgeliefert.
Dabei erfuhr er, dass er gar nicht gesucht wurde, weil die Polizei den Haftbefehl gegen ihn in einer Schublade vergessen hatte. Auch das sich dann bis 1993 anschließende Gerichtsverfahren barg noch mehrere solcher ironischer Momente. Denn letztendlich zog sich sein Verfahren auch deshalb so lange hin, weil sein Fall zwischen zwei Strafprozessordnungen verhandelt wurden und er so zu einem vieldiskutiertem Sonderfall der Rechtsprechung wurde.
Dieses Verfahren und die Anklage werden in „Der Flüchtling“ von Massimo Carlotto nur gestreift und hinterlassen daher beim heutigen Leser einige Fragen, die von der ausführlichen Zeittafel am Buchende gut beantwortet werden.
Denn als Carlotto das Buch kurz nach seinem Freispruch schrieb, war sein Fall und die damit zusammenhängende rechtspolitische Diskussion noch präsent. Darüber musste er keine Worte verlieren. Aber über sein Leben auf der Flucht war nichts bekannt.
Diesem Leben als Flüchtling widmet er in „Der Flüchtling“ die meiste Zeit. Dabei liest sich die Geschichte wie ein langes Interview, bei dem die Fragen fehlen, und der Befragte ausführlich antwortet. Es entsteht ein Bild der achtziger Jahre und der damaligen politischen linken Strömungen, die auch ein Auffang- und Unterstützernetz für die aus verschiedenen Ländern geflohenen Freiheitskämpfer (für die Jüngeren: das waren die guten Terroristen) boten.
Stilsicherer, an das Kino der Siebziger erinnernder, 1988 in New York spielender Polizeithriller über zwei Brüder: der eine folgt der Familientradition und wird Polizist; der andere Discobesitzer und Verbrecher. Jetzt steht der Discobesitzer vor der Frage, ob er vollständig mit seiner Familie brechen soll.
„Helden der Nacht hat alle Ingredienzien eines Genrethrillers. Mehr noch, Gray scheint einigen dieser Klassiker seine Reverenz erweisen wollen. In seinen besten Momenten ruft Helden der Nacht Erinnerungen an die Korruptionsthriller Sidney Lumets oder die dreckigen kleinen Nachtfilme Scorseses wach.“ (epd Film 2/2008)
Mit Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg, Eva Mendes, Robert Duvall, Tony Musante
Auf den ersten Blick hat Alain Delon, der vor allem für seine Verbrecherrollen bekannt ist, in Luchino Viscontis dreistündigem Epos „Der Leopard“ eine untypische Rolle. Er spielt Tancredi Falconeri, den Neffen von Don Fabrizio Salina (Burt Lancaster). Don Fabrizio ist ein sizilianischer Adliger und Großgrundbesitzer, der sich um 1860 mit der neuen Zeit arrangieren muss und dem es, auch weil er ein kluger Machtpolitiker ist, auch gelingt.
Tancredi ist der junge Filou, für den der Krieg ein tolles Abenteuer ist; wobei er strategisch klug die Seite der Antiroyalisten wählt, weil sie so nach dem erwartbarem Sieg der Garibaldi-Revolutionäre den Fuß in der Tür des neuen Systems haben. Gegenüber seinem Onkel begründet er seine Entscheidung mit dem inzwischen berühmtem Satz: „Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert.“ (in der deutschen Synchronisation: „Wenn wir wünschen, dass die Verhältnisse so bleiben wie sie sind, müssen gewisse Dinge verändert werden.“)
Nach der Revolution (die für die Don Fabrizio nur eine Revolte war) soll Tancredi dessen Tochter Concetta Salina (Lucilla Morlacchi) heiraten, aber er verliebt sich in Angelica Sedara (Claudia Cardinale), die Tochter eines Emporkömmlings, der jetzt Bürgermeister ist. Don Fabrizio Salina unterstützt diese Heirat. Denn so können sie auch in der neuen Zeit an der Macht bleiben.
In diesen letzten Minuten des Films, am Ende einer unendlich langen und wahrscheinlich unglaublich teuren Ballsequenz, wird deutlich, dass Tancredi nicht nur ein anpasserischer Filou ist, der seinem Herzen folgte, sondern immer auch seinen Aufstieg im Sinn hatte. Und dafür war die Heirat mit Angelica Sedara geeigneter als die mit Concetta Salina.
Deshalb unterscheidet sich auf den zweiten Blick Tancredi gar nicht so sehr von Delons bekannten bekannten Verbrecherrollen, in denen er Männer spielt, die egoistisch ihre Ziele verfolgen, nicht zu festen Bindungen fähig sind und in erster Linie Geld und Macht wollen. Denn dass Angelica gut aussieht hat ihm seine Entscheidung sicher erleichtert, aber letztendlich hat er genau wie Don Fabrizio die Frau geheiratet, die seinen Zielen am besten dient. Und die wenigen Szenen zwischen Don Fabrizio und seiner Frau geben einen illusionslosen Blick auf das Ende einer Zweckehe.
Neben diesem machtpolitischem Zynismus, der den Film wohltuend von anderen Kostümdramen unterscheidet, wird in „Der Leopard“ vor allem, auf verschiedenen Ebenen (Achten Sie auf die Gebäude!) die Geschichte eines Verfalls erzählt. Denn die Hauptrolle hat nicht Alain Delon (der sogar erstaunlich selten im Bild ist) sondern Burt Lancaster. Er ist der alternde Herrscher eines Hauses, das versucht, sich mit den neuen Gegebenheiten zu arrangieren. Dabei kämpft er nicht gegen die sich verändernde Gesellschaft an, sondern er bemüht sich immer, möglichst langfristig seine Macht und damit verbunden die Macht seiner Familie zu sichern. Gleichzeitig ist er sich, wie ein schöner Dialog am Anfang des Films zwischen ihm und dem Geistlichen zeigt, seiner eigenen Vergänglichkeit und Machtlosigkeit bewusst. Er weiß, dass seine Macht nur weltlich und damit endlich ist, während die Kirche ewig lebt.
Auch deshalb unterstützt er Tancredi bedingungslos. Mal offen, indem er ihm Geld für die Aufständischen zusteckt. Mal weniger offen, indem er einen Sitz im Parlament ablehnt und stattdessen, durch die Blume, Tancredi als einen Mann der neuen Zeit empfiehlt.
Gleichzeitig sieht Don Fabrizio auf die neuen Machthaber herab. Luchino Visconti (selbst ein Adliger) zeigt das immer wieder, wenn die Kamera unangenehm lang auf dem angewiderten Blick von Don Fabrizio verharrt. Für ihn sind die Gewinner der Revolution nur kulturlose Kriegsgewinnler, die man wie Schmeißfliegen erträgt. Denn kaum sind sie an der Macht, machen sie ihm in seinem Haus betont devote Aufwartungen, wechseln flugs die Kleider und verleihen sich Adelstitel.
Luchino Visconti zelebriert, mit schwelgerischem Pomp, in seinem ersten Spielfilm nach seinen neorealistischen Werken (der letzte war „Rocco und seine Brüder“, ebenfalls mit Alain Delon) das Ende einer Ära, die für Don Fabrizio auch ein Sittenverfall ist. Denn die Umwelt mit all ihren niederen Trieben dringt immer tiefer in das Haus Salina ein. Auch hier stehen sich Anfang und Ende des Film spiegelbildlich gegenüber. In den ersten Minuten beten die Salinas in ihrem Haus. Von außen dringt Lärm herein. Aber das Ritual des Gebetes ist wichtiger.
Am Ende ist diese Welt in das Haus der Salinas eingedrungen. Denn auf dem Ball, der im Film sagenhafte 45 Minuten dauert, mischen sich die Adligen mit den Aufsteigern und der gesittete Ball nimmt immer wieder die Züge einer Orgie an.
Dabei verdeckt die äußere Pracht nur mühsam die bittere Botschaft des vielschichtigen Films, der gerade aus seinen Widersprüchen und damit verbundenen Interpretationsangebote auch für heutige Zuschauer seine Kraft zieht.
Die DVD
Das Bild ist fantastisch. Die dreistündige Version (weltweit die längste) wurde jetzt durchgehend synchronisiert. Schade ist, dass dafür am Bonusmaterial gespart wurde: es gibt nur den italienischen Trailer und eine Bildergalerie.
Drehbuch: Jean-Emmanuel Conil (Pseudonym von Alain Page), Jean-Claude Carrière (Adaption und Dialoge), Jacques Deray (Adaption und Dialoge)
Viel Story hat „Der Swimmingpool“ nicht, aber darum ging es auch nicht. Denn das High Concept hieß: Das ehemalige Liebespaar „Alain Delon und Romy Schneider am Swimmingpool. Und Jane Birkin ist auch dabei.“
Denn der Filmplot ist eine (wenn man mehr als Delon und Schneider leicht bekleidet am Swimmingpool sehen will) arg zähe Dreiecksgeschichte mit Sex und Mord unter der südfranzösischen Sonne.
mit Alain Delon, Romy Schneider, Maurice Ronet, Jane Birkin
Bruce ist nach einem gescheiterten Banküberfall auf der Flucht. Da entdeckt er das Tagebuch einer Frau.
Ösi-Hommage an den Film Noir. Fillei und Krenn haben zwölf Jahre an dem Film gearbeitet und auf Festivals auch einiges an Lob für ihren No-Budget-Film (Low wäre wohl schon etwas zu hoch gegriffen) erhalten.
„Talentprobe“ (Bert Rebhandl, Berliner Zeitung 11. November 2010)
mit Matthew Mark Meyer, Sal Giorno, Brian Hanna, Tim Kirkpatrick
Unstoppable – Außer Kontrolle (Unstoppable, USA 2010)
Regie: Tony Scott
Drehbuch: Mark Bomback
Zugfahren mit „Last Boy Scout“ Tony Scott: nach „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ lässt Tony Scott jetzt den feuchten Traum jedes Trassenküssers wahr werden: ein Zug mit sehr gefährlicher Ladung donnert im Affentempo auf sein Ziel zu. Nur zwei Männer wissen, wie man die Superduperkatastrophe verhindern kann. Sie besteigen den fahrenden Zug.
„Unstoppable“ basiert auf wahren Ereignissen. Aber die Macher haben sich einige spannungsfördernde Freiheiten genommen.
Delonmania auf allen Kanälen (ARD, RBB, MDR, Eins Festival mit eins, zwei, drei Filmen), aber nur einer darf Tagestipp werden
MDR, 23.45
Der Clan der Sizilianer (F 1969, R.: Henri Verneuil)
Drehbuch: Henri Verneuil, José Giovanni, Pierre Pelegri
LV: Auguste Le Breton: Le Clan des Siciliens, 1967
Kamera: Henri Decae
Musik: Ennio Morricone
Ein entflohener Sträfling entführt mit einer Gangsterbande ein mit Juwelen beladenes Flugzeug. Während der Planung beginnt er ein Verhältnis mit der Schwiegertochter des Bosses.
Allein schon die Besetzung mit Jean Gabin, Alain Delon und Lino Ventura verspricht einen vergnüglichen Abend und einen Kassenknüller. Bei der Kritik war der Film dagegen ziemlich unbeliebt: „Gut fotografierte und musikalisch intelligent akzentuierte Gaunergeschichte, die jedoch eine psychologische Darstellung und ausreichende Charakterisierung der Personen vermissen läßt.“ (Film-Dienst) oder „larmoyante Opernhandlung um sizilianische Gangsterehre“ (Der Spiegel)
Das kommt nicht wirklich überraschend: Das Erste hat sich entschlossen, am kommenden Freitag, den 19. November, nicht zwei, sondern drei Folgen von „Im Angesicht des Verbrechens“ auszustrahlen.
Man verleihe der Serie so einen prägnanteren Schluss, hieß es von der ARD. Diejenigen, die von der Serie begeistert seien, müssten dann nicht noch eine Woche warten, um zu erfahren, wie die Geschichte ausgeht.
Herres spricht von seiner Befürchtung, die zehnte Folge könne als Stand Alone absaufen. Aber dann hätte man sie von Anfang an nicht allein stehend programmieren dürfen.
Die Saga einer Berliner Russenmafia wurde bereits zur Hälfte ausgestrahlt und hat bislang ein Publikum von konstant zwei Millionen. Zwei Millionen Menschen sind ordentlich, aber natürlich deutlich weniger als 3,5 Millionen, die den üblichen Zuschauerschnitt am Freitagabend bilden, wenn die ARD um 21.45 Uhr zur Tatort-Wiederholung ansetzt.
Die Erklärung ist natürlich Bullshit. Aber nur die Privaten dürfen sagen, dass sie wegen schlechter Quoten eine Sendung absetzen oder auf einen Nach-Mitternacht-Sendeplatz verschieben.
Vielleicht gab’s auch einige empörte Anrufe von schockierten Zuschauern.
Killer stellen sich nicht vor (F 1980, R.: Jacques Deray)
Drehbuch: Jacques Deray, Christopher Frank
LV: Jean-Patrick Manchette: Trois hommes à abattre, 1976 (Killer stellen sich nicht vor/Westküstenblues)
Monsieur Emmerich läßt einige seiner Angestellten, die mit seiner Geschäftspolitik nicht einverstanden sind, aus dem Weg räumen. Als Spieler Gerfaut einen der schwer verletzten Angestellten an einer Straße entdeckt, bringt er ihn in ein Krankenhaus und setzt sich selbst – ohne sein Wissen – auf Emmerichs Todesliste. Gerfaut nimmt den Kampf auf.
Der Film mit hat nichts mit dem Buch zu tun. Naja, bis auf den Autounfall am Anfang.
Davon abgesehen: französischer Politthriller, der die Genreerwartungen gut bedient.
Mit Alain Delon, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair
–
ARD, 03.00
Der Sträfling und die Witwe (F/I 1971, R.: Pierre Granier-Deferre)
Drehbuch: Pierr Granier-Deferre, Pascal Jardin
LV: Georges Simenon: La Veuve Couderc, 1940 (Die Witwe Couderc)
1934 auf einem abgelegenen Hof spielende Liebesgeschichte zwischen einem entflohenen Sträfling und einer Witwe.
Wenn Duane Swierczynski in seinem Leben als Comicautor nicht „Cable“-Geschichten erfindet, gönnt er sich auch mal eine Auszeit bei einem anderen, nicht weniger brutalem Comichelden. Doch während „Cable“ eher eine Bud-Spencer-Gewalttätigkeit zelebriert, in der alles zu Bruch geht und man sich endlos, aber ohne große Verletzungen kloppt, ist der gnadenlose Verbrecherjäger „Punisher“ Frank Castle ein, nun, wenn er nicht der die Bösen bekämpfende Held wäre, Massenmörder.
In der von Duane Swierczynski erfundenen Geschichte „Sechs Stunden zu leben“ bringt Castle auf den ersten Seiten ein gutes Dutzend Menschen um. In Philadelphia haben Kinderhändler ein Heim für schwer Erziehbare zur Zentrale ihres schändlichen Treibens umfunktioniert. Der Punisher bringt sie innerhalb weniger Minuten um.
Danach wird er gefangengenommen und ein Arzt injiziert ihm ein Serum, das ihn in sechs Stunden tötet. Das Gegenmittel erhält er nur, wenn er den Gangsterboss John Lynn Cavalier umbringt.
Frank Castle fragt sich, warum er Cavalier umbringen soll. Immerhin ist er noch nicht auf seiner Bösewichter-Liste aufgetaucht. Und, weil Castle nicht glaubt, dass er am Ende das Gegenmittel erhält, beschließt er, in seinen letzten Stunden in Duane Swierczynskis Heimatstadt ordentlich aufzuräumen. Denn der Originaltitel „Six hours to kill“ ist für den Punisher Programm.
Am Ende der Nacht dürfte, was „Punisher“-Fans nicht erstaunen dürfte, eine dreistellige Zahl von Menschen tot sein.
Dagegen sind die „Cable“-Geschichten aus dem X-Men-Universum ein harmloser Kindergeburtstag.
Der zeitreisende Soldat Nathan ‚Cable‘ Summers wurde von Cyclops, seinem Vater und dem Anführer der X-Men, beauftragt ein Baby vor Lucas Bishop, der es umbringen will, zu beschützen. Das Baby ist die letzte Hoffnung der X-Men. Cable und sein Schützling tauchten im Zeitstrom unter und flüchteten immer weiter in die Zukunft. Dabei wurde das Baby zu dem stattlichen Teenager Hope.
In dem neuesten „Cable“-Sammelband „Zu spät für Tränen“ sind zwei mehrteilige Geschichten enthalten. In der titelgebenden Geschichte „Zu spät für Tränen“ werden Hope und Cable erstmals getrennt. Hope muss allein in Celestial-Stadt überleben. Da taucht Bishop auf.
„Die Brut“ zeigt die Ereignisse nach der gelungenen Flucht von Cable und Hope aus Celestial-Stadt. Im Weltraum werden sie von der Brut (die anscheinend ein Überbleibsel aus dem letzten „Alien“-Film sind) bedroht – und es gibt einige Bilder, die aus einem psychedelischem Alptraum stammen könnten. Außerdem gelangt Bishop auf das Schiff.
„The Punisher: Sechs Stunden zu leben“ ist ein fetziger Action-Thriller in Comicform, der Genrejunkies brutal und kurzweilig unterhält. Dabei wird hier so bedenkenlos gekillt, dass sich schon ein komödiantischer Over-the-Top-Effekt einstellt.
„Cable: Zu spät für Tränen“ richtet sich dagegen, wie die vorherigen „Cable“-Bände, an die Marvel-Fans, die gerne in die verzweigte Mythologie der X-Men abtauchen. Der sechste und die Geschichte von Cable, Hope und Bishop abschließende „Cable“-Sammelband ist für Dezember angekündigt.
–
Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombe (Zeichner): The Punisher – Sechs Stunden zu leben
(übersetzt von Reinhard Schweizer)
Panini 2010
128 Seiten
16,95 Euro
–
Originaltitel
Punisher: Six hours to kill
Max Comics/Marvel 2009
–
enthält
Punisher (Vol. 7), Issue 66 – 70: Six hours to kill
März 2009 – Juli 2009
–
Duane Swierczynski (Autor)/Paul Gulacy (Zeichner)/Gabriel Guzman (Zeichner): Cable 5 – Zu spät für Tränen
(übersetzt von Michael Strittmatter)
Panini Comics, 2010
120 Seiten
14,95 Euro
–
Originalausgabe/enthält
Cable 16: Too late for tears, Part 1, September 2009
Cable 17: Too late for tears, Conclusion, Oktober 2009
Cable 18: Brood, Chapter 1: Bishop takes pawn, November 2009
Cable 19: Brood, Chapter 2: Queen takes Bishop, Dezember 2009
Cable 20: Brood, Chapter 3: Checkmate, Januar 2010
Starkes Krimidrama über einen Ex-Sträfling, der ein ehrliches Leben führen will, von einem Sozialhelfer unterstützt und einem Polizisten verfolgt wird.
Mit Alain Delon, Jean Gabin, Mimsy Farmer, Michel Bouquet, Bernard Giraudeau, Gérard Depardieu (in einer Nebenrolle als junger Gangster)
In den vergangenen Jahren schrieb Horst Eckert für verschiedenen Anthologien knackige Kurzgeschichten. Allerdings dürften viele Eckert-Fans nicht alle seine erfrischend unmoralischen Kurzgeschichten kennen. Denn die Anthologien verschwinden teilweise rasend schnell aus den Buchhandlungen und man erfährt auch nicht immer etwas von der Publikation einer Geschichte in einem x-beliebigem Sammelband.
Deshalb ist eine Zusammenstellung der verstreut erschienenen Geschichten in einem Buch ein willkommener Lückenschluss.
In „Niederrhein-Blues und andere Geschichten“ sind elf bereits veröffentlichte und eine neue Kurzgeschichte („Abgehört“) von Horst Eckert abgedruckt. Es gibt einige Auftritte von aus seinen Polizeikriminalromanen bekannten Charakteren. Einige Geschichten spielen im kriminellen Milieu. Einige in der Politik. Dabei verhalten sich die Politiker nicht weniger verbrecherisch als die aus den anderen Geschichten bekannten korrupten Polizisten und Verbrecher.
Beim Lesen der zwölf, öfters ohne einen Mord auskommenden, Kurzgeschichten fällt immer wieder auf, wie komplex Horst Eckert die meisten seiner Geschichten anlegt. Oft wechselt er zwischen Gegenwart und Vergangenheit und mehreren Handlungssträngen. Einmal, bei „Der geniale Zetteltrick“, hat Eckert die Kurzgeschichte später als Grundlage für die längere Geschichte „Der Absprung“ genommen.
Langjährige Eckert-Fans werden sich etwas an der fehlenden Bibliographie und den fehlenden Einleitungen zu den Geschichten stören. Denn manchmal, wie bei „Wege zum Ruhm“ (über Mauscheleien beim Bau eines Stadions und einer Bewerbung für die Fußball-WM), gibt es eine Geschichte zur Geschichte, die es auch wert ist, erzählt zu werden.
Der „Niederrhein-Blues“ ist ein feiner zwölftaktiger Blues.
–
Horst Eckert: Niederrhein-Blues und andere Geschichten
grafit, 2010
224 Seiten
8,95 Euro
–
enthält
Der geniale Zetteltrick
Juwelen am Hellweg
Seine größte Story
Servus Oberpfalz
Wege zum Ruhm
Niederrhein-Blues
Nacht über Schwerte (früher „Der Nachtwächter von Schwerte“)
Dinge, die es nach der Schulphysik nicht geben dürfte: Filmcharaktere schreiben Bücher.
Es gibt sie trotzdem. Hier eine aktuelle Liste: angefangen bei Roger Sterling („Mad Men“) über Richard Castle („Castle“) bis hin zu Jessica Fletcher („Murder, she wrote“).