„Orlando“, hab keine „Furcht“, das ist die „Wahrheit“. „Zwischen den Bäumen“ stapeln sich „Alien“ und „Blade Runner 2039“ und die „Traumnovelle“

Juni 29, 2026

Nennen wir es Sommerlektüre und Aufräumen, teils ergänzt mit brandneuen Werken, wie die druckfrisch bei mir eingetroffene Neuausgabe von Jakob Hinrichs‘ überzeugender Comicversion von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“. Ursprünglich erschien sie bereits 2012 bei der Büchergilde und wer möchte, kann sie zu teils utopischen Preisen antiquarisch kaufen.

Die neue Ausgabe bei der Favoritenpresse ist selbstverständlich günstiger. Sie gefällt mir ausnehmen gut. Sie liegt gut in der Hand, Papier und Farben passen zu den Zeichnungen von Jakob Hinrichs, die sich kongenial zwischen 20er-Jahre-Avantgarde (also die 20er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts), Fünfziger-Jahre-Cartoons und Gebrauchsgrafik bewegt.

Die Geschichte selbst, die bei Arthur Schnitzler im Wien der späten Kaiserjahre spielt, verlegte er in eine zeit- und ortlose bundesdeutsche Mittelstandsgegenwart, die immer noch einen Hauch Wirtschaftswunder-Nachkriegsdeutschland verströmt. Immer noch geht es um ein Ehepaar und sexuelle Wünsche.

Die Geschichte selbst dürfte von Schnitzler oder von Stanley Kubricks textnaher Verfilmung „Eyes Wide Shut“ bekannt sein. Es war sein letzter Film. Tom Cruise und Nicole Kidman spielten das sexuell verwirrte Paar. Kubrick verlegte die Geschichte in das heutige New York und ich fragte mich die ganze Zeit, warum Kubrick sie nicht historisch korrekt und wie auch von ihm gewünscht, in Wien der späten Kaiserjahre spielen ließ.

Hinrich wählte einen deutlich freieren Zugang. Das Ergebnis überzeugt in jeder Beziehung.

Wie bei der Erstausgabe ist auch in der aktuellen Ausgabe Schnitzlers Novelle abgedruckt. Sie erschien erstmals 1925 als Fortsetzungsroman und 1926 als Buch. Man kann also direkt Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleichen.

Jakob Hinrichs/Arthur Schnitzler: Traumnovelle

Favoritenpresse, 2026

192 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Büchergilde, 2012

Hinweise

Homepage von Jakob Hinrichs

Favoritenpresse über den Comic

Wikipedia über die „Traumnovelle“ (deutsch, englisch) und Jakob Hinrichs

Um Begehren geht es auch in Paul Wincks „Zwischen den Bäumen“. Die Journalistin Mathilde soll eine Reportage über eine in Südfrankreich abgeschieden lebende religiöse Gemeinde schreiben. Sie fremdelt mit den Gläubigen und ihren Riten. Mit Anita, der Köchin und Gärtnerin der Gemeinschaft, versteht sie sich allerdings gut.

Wegen der Kürze und weil Winck sich vor allem auf seine Bilder verlässt, bleibt „Zwischen den Bäumen“ auf der Story-Ebene etwas diffus. Das gilt vor allem für die Gemeinschaft und ihr seltsames Verhalten. Die Sekte lud Mathilde ein, einen Bericht über sie zu schreiben, erschwert ihr dann aber die Arbeit.

Die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte und die damit verbundene Frage, ob Anita weggehen soll, sind dagegen gelungener.

Wer also keinen Thriller über eine investigative Journalistin und eine brandgefährliche Sekte erwartet, kann zugreifen.

Paul Winck: Zwischen den Bäumen

Moom Comics, 2025

72 Seiten

15 Euro

Hinweise

Moom Comics über Paul Winck

Orlando wird im 16. Jahrhundert in England als Mann geboren. Viele Jahre später wird er im Schlaf zur Frau. Eine Erklärung für die Geschlechtsumwandlung gibt es nicht. Fortan muss der Edelmann, der bei den Frauen äußerst beliebt war, ein Leben als ebenfalls nicht älter werdende Frau führen.

Sein/Ihr Leben bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts schildert Virginia Woolf in ihrem schon lange zum Klassiker gewordenem Roman „Orlando“, untertitelt als ‚Biographie‘. Das feministische Buch erschien 1928.

Susanna Kuhlendahls Comic „Orlando“ liest sich durchgehend wie die Reader’s Digest-Version des Romans. Sie lädt dazu ein, den Roman oder auch Sally Potters legendäre Verfilmung von 1992 (mit Tilda Swinton in der Hauptrolle) wieder (?) zu genießen.

Susanne Kuhlendahl: Virginia Woolf – Orlando

Helvetiq, 2025

208 Seiten

27 Euro

Hinweise

Homepage von Susanne Kuhlendahl

Wikipedia über „Orlando“ (Roman: deutsch, englisch)

Und ab in die Zukunft, die kein besserer Ort ist.

Obwohl das „Paradiso“ als Nobelferienhotel auf den ersten Blick vielversprechend aussieht. Um einige Gäste, wie den Ricky Valentine und seine Bande, muss man sich als normaler Tourist nicht kümmern. Dafür sind zwei Colonial Marshals in einem Undercover-Einsatz, zuständig. Aber dann bringt einer der Gäste einen Xenomorph-Embryo mit – und es passiert das, was immer passiert, wenn Menschen und Xenomorphe sich begegnen. Kurz darauf kämpfen die Hotelgäste und das Personal um ihr Überleben und die Xenomorphe nehmen eine sehr nahrhaft-menschliche Mahlzeit zu sich.

In dem Alien-Comic „Paradiso“ erzählen Autor Steve Foxe und die Zeichner Edgar Salazar und Peter Nguyen auch von überraschenden Koalitionen zwischen Polizisten und Verbrechern.

Das ändert aber nichts daran, dass es inzwischen ein festes Muster für Alien-Geschichten gibt, die einfach nur noch an verschiedenen abgeschiedenen Orten mit verschiedenen Menschen, die mindestens zu einem großen Teil das Ende der Geschichte nicht erleben, ausgefüllt werden. Das ist durchaus spannend, aber auch etwas überraschungsfrei.

Am Ende ist „Paradiso“ nur eine weitere „Alien“-Geschichte in neuer Kulisse mit anderen Menschen und höchst vertrauten Abläufen.

Steve Foxe/Edgar Salazar/Peter Nguyen: Alien: Paradiso

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2026

120 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Alien: Paradiso (2024) # 1 – 5

Dezember 2024 – April 2025

Hinweise

Wikipedia über das Alien-Franchise (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Alien – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Alien, 2019)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Aliens – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Aliens, 2020)

Meine Besprechung von Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbis „Alien – Die Urfassung“ (Alien: The Original Screenplay # 1 – 5, 2020)

zu Filmen

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017) (Filmroman)

Meine Besprechung von Fede Alvaraz‘ „Alien: Romulus (Alien: Romulus, USA 2024)

zu Comics

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larrocas „Alien: Blutlinien (Band 1)“ (Alien (2021) # 1 – 6, Mai – Oktober 2021)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larrocas „Alien: Erweckung (Band 2)“ (Alien (2021) # 7 – 12, September 2021 – Juni 2022; Alien Annual (2022) 1, September 2022)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Julius Ohta: Alien: Icarus (Band 3) (Alien (2022) # 1 – 6, November 2022 – April 2023)

Meine Besprechung von Declan Shalvey/Andrea Broccardos „Alien: Tauwetter (Band 1)“ (Alien (2023) # 1 – 5, April 2023 – August 2023)

Meine Besprechung von Declan Shalvey/Andrea Broccardo/Danny Earls‘ „Alien: Descendant (Band 2)“ (Alien Annual (2023) 1, Dezember 2023; Alien (2023 B) # 1 – 4, Januar – April 2024)

Meine Besprechung von Collin Kelly/Jackson Lanzing/Michael Dowlings „Alien: Schwarz, Weiß & Blut“ (Alien: Black, White & Blood (2024) # 1 – 4, 2024)

Meine Besprechung von Paul Reiser/Leon Reiser/Adam F. Goldberg/Hans Rodionoff/Brian Volk-Weiss/Guiu Vilanovas „What if…? Aliens“ (Aliens: What if…? (2024) # 1 – 5, 2025)

Die „Blade Runner“-Welt ist fast so alt wie die „Alien“-Welt. In dieser Welt geht es um das Zusammenleben von Menschen und menschenähnlichen Robotern, Replikanten genannt. Ursprünglich wurden sie auf anderen Planeten als Arbeitssklaven eingesetzt. Irgendwann begehrten sie gegen ihr Schicksal auf. In den zwanziger Jahren brachen die Ökosysteme zusammen und die „Blade Runner“-Welt wurde noch dystopischer.

In der in drei Bänden herausgegebenen und inzwischen vollständig auf Deutsch vorliegenden von Mike Johnson (Geschichte), Andrés Guinaldo (Zeichnungen) und Marco Lesko (Farben) erfundenen „Blade Runner 2039“-Geschichte geht es um die seit zwanzig Jahren untergetauchte LAPD-Blade-Runner-Jägerin Aahna „Ash“ Ashina. Danach half sie Replikanten, aus ihrer Sklaverei zu entkommen. Jetzt muss Ash ihr Versteck verlassen. Denn Bösewicht Niander Wallace hat Luv, die erste Blade-Runner-Replikantin des LAPD und ein Klon von Ash, beauftragt, Cleo Selwyn zu finden. In Cleos DNA könnte der Schlüssel zur Fortpflanzung der Replikanten liegen.

Ash“ ist ein gelungener Abschluss der Miniserie.

Mike Johnson/Andrés Guinaldo/Marco Lesko: Blade Runner 2039: Ash (Band 3 von 3)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2025

112 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Blade Runner 2039 vol. 3: Ash

Alcon Publishing/Titan Publishing 2025

Hinweise

Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch) und das Blade-Runner-Franchise

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Los Angeles“ (Blade Runner 2019 # 1- 4, 2020)

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Off-World – Jenseits der Erde (Band 2)“ (Blade Runner 2019 # 5 – 8, 2020)

Meine Besprechung von Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2029 – Alte Bekannte (Band 1)“ (Blade Runner 2029 # 1 – 4, 2020/2021)

Meine Besprechung von Mike Johnson/Andrés Guinaldo/Marco Leskos „Blade Runner 2039 – Luv (Band 1)“ (Blade Runner 2039 vol. 1: Luv, 2025)

Meine Besprechung von Mike Johnson/Andrés Guinaldo/Marco Leskos „Blade Runner 2039 – Upgrade (Band 2)“ (Blade Runner 2039 vol. 2: Upgrade, 2025)

Aus Japan gibt es eine weitere Ladung Horrorkurzgeschichten. Es ist der fünfte Band der von Juoku Kawakami geschriebenen und gezeichneten Mangas „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan“ und er enthält die Geschichten 39 bis 50. Es sind immer noch vollkommen unabhängige, im heutigen Japan, bevorzugt unter Jugendlichen spielenden Horrorkurzgeschichten. Einmal gehen drei Jugendliche nach Einbruch der Dunkelheit in einen Park. Für eine Mutprobe wollen sie einem Geist begegnen. Einer der Jungs fragt die sich auf einem Smartphone befindende KI. Und diese sagt ihnen, welchen Weg sie benutzen sollen.

Eine geschiedene Frau sucht über eine Dating-App einen Mann. Dieses Mal scheint sie den richtigen Mann gefunden zu haben. Ein junger Mann hat Schlafprobleme. Eine Frau hat eine außereheliche Affäre, für die sie einen Geheimaccount eingerichtet hat. Ein Lehrer erfährt unangenehm viel Aufmerksamkeit von einer Schülerin. In einer anderen Geschichte ist ein Fangirl überhaupt nicht davon begeistert, dass der von ihr bewunderte Boygroup-Sänger sich in eine andere Frau verliebt hat.

Immer wieder geht es in Juoku Kawakamis Geschichten um Bedrohungen durch neue Techniken, Geister, japanische Mythen, die in der Gegenwart fortexistieren, und ein fundamentales Unwohlsein an und in der Gegenwart.

Weil alle Geschichten sehr kurz sind, muss Kawakami immer schnell auf die meist gelungene Pointe zusteuern. Trotzdem wiederholt sich, wer alle Geschichten kennt, inzwischen einiges. Wenn bei Kawakami eine Streamerin auf einem Parkplatz für eine Nacht Kamera aufbaut, haben wir eine gute Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte bewegt.

Juoku Kawakami: Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan: Band 5

(übersetzt von Gregor Wakounig)

Panini Manga, 2026

192 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 5

Shogakukan, 2026

Hinweise

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 1“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 1, 2025)

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 2“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 2, 2025)

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 3″ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 3, 2025)

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan (Band 4)“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 4, 2025)

Wenn man unter ‚Comic‘ ‚Zeichungen‘ und ‚Texte in Sprechblasen‘ versteht, dann ist „Wahrheit“, der zweite Band der „Comicothek der Philosophie“, ein Comic. Trotzdem sind die erklärenden Texte wichtiger. Martine Gasparov, Philosophin, Philosophielehrerin an einer Schule für Kunst und Design in Paris und Verfasserin von Philosophie-Handbüchern für die Abiturprüfung, und Illustratorin Émilie Boudet haben mit dem Band „Wahrheit“ eine sehr kurze, klare und präzise Einführung in die Frage gegeben, was aus philosophischer Sicht „Wahrheit“ ist, was die Probleme bei verschiedenen Definitionen sind, ob man immer die Wahrheit sagen muss und ob die Idee der Wahrheit nicht ein Instrument zur Herrschaft ist.

Auf noch nicht einmal sechzig Seiten geben Gasparov und Boudet einen sehr guten Einblick in das Thema – und sie liefern viel Stoff zum Nachdenken.

Weitere Bände, unter anderem zu den Themen „Gerechtigkeit“, „Freiheit“, „Freizeit“ und „Zeit“ sind geplant.

Martine Gasparov/Émilie Boudet: Die Comicothek der Philosophie: Wahrheit

(übersetzt von Edmund Jacoby)

Jacoby & Stuart, 2026

64 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Toute la Philo en BD/La vérité

Belin Éducaions & La Boite à Bulles, 2022

Hinweis

Jacoby & Stuart über das Buch

 


Über „Blade Runner 2039: Luv (Band 1)“ und „Blade Runner 2039: Upgrade (Band 2)“

Oktober 1, 2025

1968 schrieb Philip K. Dick einen Science-Fiction-Roman, der heute längst vergessen wäre, wenn Ridley Scott den Roman nicht 1982 verfilmt hätte. Seine Verfilmung wurde schnell zu einem Kultfilm und Klassiker. Und der Grundstein für ein seitdem expandierendes Franchise mit bislang nur einer (überflüssigen) Filmfortsetzung, Computerspielen, Romanen und Comics, die sich an Scotts Film orientieren. Hauptautor der aktuell erscheinenden „Blade Runner“-Comics ist Mike Johnson.

Sein neuestes Werk ist die Miniserie „Blade Runner 2039“. „Luv“, der erste Sammelband, und „Upgrade“, der zweite Sammelband, sind kürzlich erschienen. Der dritte Band „Ash“ ist für den 16. Dezember angekündigt.

Vor zwanzig Jahren half die Replikantenjägerin Aahna „Ash“ Ashina dem Kind Cleo Selwyn und ihrer Replikanten-Ersatzmutter Isobel Selwyn bei ihrer Flucht auf den Kolonialplaneten Arcadia. Dort waren sie sicher vor Cleos Vater, dem Wirtschaftmagnaten Alexander Selwyn. Und dort sollten sie auch bleiben.

Aber jetzt ist Isobel verschwunden. Cleo glaubt, dass sie auf Befehl von Konzernchef Niander Wallace entführt wurde. Er hat die Tyrell Corporation, die für ihre Replikanten-Produktion bekannt war, übernommen und führt die Produktion mit neuen Modellen fort.

Cleo glaubt, dass die Entführer ihre Mutter zur Erde brachten. Sie folgt diesem Verdacht. Auf der Erde benötigt sie für die Suche Hilfe von Ash, die seit zehn Jahren untergetaucht ist.

Verfolgt werden sie von Luv. Sie gehört zu den neuen von Wallace erschaffenen Replikanten, die sich durch blinden Gehorsam auszeichnen. Sie ist ein Prototyp, der von der vom LAPD im Dienst erprobt wird, und die erste Blade-Runner-Replikantin. Sie soll Cleo finden. Wallace glaubt, dass sie den Schlüssel zur Fruchtbarkeit der Replikanten besitzt.

Die von Autor Mike Johnson, Zeichner Andrés Guinaldo und Kolorist Marco Lesko erfundene Geschichte spielt zwanzig Jahre nach Scotts Film. Die damalige Noir-Welt ist immer noch gut erkennbar. Aber mit einem Ausflug in das gefährliche, an einen Rural Noir erinnernde Hinterland und die noch gefährlichere Stadtruine San Francisco erweitern sie diese Welt klug. Ash vermutet, dass sie dort Isobel finden wird.

Johnson, Guinaldo und Lesko erzählen ihre Geschichte mit wenig Text, knackigen Actionszenen, einem prägnanten Ensemble verschiedener Figuren und zwischen mehreren Handlungssträngen wechselnd. So zeigen sie anfangs Luv bei der Arbeit, ehe die Suche nach Cleos Mutter wichtig wird und der Plan von Niander Wallace immer deutlicher wird.

Wie die Geschichte endet, erfahren wir Mitte Dezember.

Mike Johnson/Andrés Guinaldo/Marco Lesko: Blade Runner 2039 – Luv (Band 1)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2025

112 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Blade Runner 2039 vol. 1: Luv

Titan Publishing, 2025

Mike Johnson/Andrés Guinaldo/Marco Lesko: Blade Runner 2039 – Upgrade (Band 2)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2025

112 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Blade Runner 2039 vol. 2: Upgrade

Titan Publising, 2025

Hinweise

Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch) und das Blade-Runner-Franchise

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Los Angeles“ (Blade Runner 2019 # 1- 4, 2020)

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Off-World – Jenseits der Erde (Band 2)“ (Blade Runner 2019 # 5 – 8, 2020)

Meine Besprechung von Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2029 – Alte Bekannte (Band 1)“ (Blade Runner 2029 # 1 – 4, 2020/2021)


Ash trifft in „Blade Runner 2029“ auf „Alte Bekannte“

Februar 21, 2022

Zehn Jahre nach den Ereignissen von „Blade Runner 2019“ erzählen Autor Mike Johnson und Zeichner Andrés Guinaldo eine weitere Geschichte aus dem Leben der Replikantenjägerin Ash. Die Kopfgeldjägerin ist eine der ersten und besten Blade Runner.

2029 soll Ash in Los Angeles einen untergetauchten Replikanten finden, der auf einer städtischen Baustelle arbeitet. Bevor er sich in den Tod stürzt, sagt der Replikant noch „Yotun erlöst“.

Diesen Yotun hat Ash vor zwölf Jahren schon einmal getroffen. Danach verschwand der Replikant und jetzt sollte er, angesichts der Lebenserwartung eines Replikanten, schon lange tot sein. Aber er wurde zum Anführer einer Replikanten-Sekte. Er schafft neue Replikanten und er hat einen die Stadt bedrohenden Plan.

Alte Bekannte“ enthält die ersten vier Hefte der neuen „Blade Runner 2029“-Geschichte. In den USA erschien jetzt das zwölfte Heft dieser Geschichte, die damit anscheinend noch nicht zu Ende erzählt ist. Entsprechend schwierig ist es über „Blade Runner 2029 – Alte Bekannte“ zu sprechen. Schließlich ist das nur der vielversprechende, mit einem Cliffhanger endende Auftakt einer Geschichte, die von Mike Johnson gut erfunden und von Andrés Guinaldo sehr atmosphärisch im Stil des bekannten „Blade Runner“-Spielfilms gezeichnet ist.

Zum Schluss noch eine aktuelle Meldung aus dem „Blade Runner“-Universum: Vor wenigen Tagen wurde die Planung einer zehnteiligen Amazon-Prime-Video-Serie bestätigt. „Blade Runner 2099“ soll fünfzig Jahre nach „Blade Runner 2049“ spielen – und viel mehr ist nicht bekannt. Auch nicht, wann die Serie veröffentlicht wird und wie sehr Ridley Scott involviert sein wird. Also ob er nur als Produzent oder auch als Regisseur von einer oder oder mehrerer Episoden dabei ist.

Mike Johnson/Andrés Guinaldo: Blade Runner 2029 – Alte Bekannte (Band 1)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2021

116 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Blade Runner 2029 # 1 – 4

Titan Comics/Alcon Entertainment, 2020/2021

Hinweise

Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch) und das Blade-Runner-Franchise

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Los Angeles“ (Blade Runner 2019 # 1- 4, 2020)

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Off-World – Jenseits der Erde (Band 2)“ (Blade Runner 2019 # 5 – 8, 2020)


„Blade Runner 2019“ besucht die „Off-World – Jenseits der Erde“

November 9, 2020

Vor Jahrzehnten erschien ein Science-Fiction-Roman, der es damals immerhin auf die Nominierungsliste für den Nebula-Award schaffte. Über zehn Jahre später wurde das Buch verfilmt. Mit den üblichen Freiheiten, die sich Hollywood gerne nimmt. Der Film war zunächst kein großer Erfolg. Inzwischen ist „Blade Runner“ einer der ikonischen Filme, ein Kultfilm, der unzählige weitere Werke inspirierte. Jüngst eine von Michael Green (auch das Drehbuch für „Blade Runner 2049“) und Mike Johnson geschriebene und von Andrés Guinaldo gezeichnete offizielle Comic-Serie, die in der dystopischen Welt des originalen Films spielt: Los Angeles, 2019.

In dem ersten „Blade Runner 2019“-Sammelband „Los Angeles“ erhält Aahna „Ash“ Ashina, einer der ersten und besten Replikantenjäger, einen Spezialauftrag. Sie soll Isobel, die Frau von Alexander Selwyn, und ihre vierjährige Tochter Cleo finden. Er ist der Chef der Canaan Corporation und mit der menschenähnliche Replikanten bauenden Tyrell Corporation verbandelt.

Bei ihrer Suche erfährt Ash, dass Cleo und Isobel Replikanten sind. Besonders Cleo ist wichtig für die Tyrell Corporation, weil ihr Genom den Schlüssel für ein längeres Leben der Replikanten enthält.

Am Ende des Buches flüchtet Ash mit Cleo auf die von der Erde weitab gelegenen Planeten. Cleos Mutter ist tot.

Der jetzt erschienene zweite Band „Off-World – Jenseits der Erde“ spielt sieben Jahre später. Ash und Cleo haben eine neue Identität angenommen und leben auf Off-World, einer Minen-Kolonialwelt. Sie gehen davon aus, dass sie immer noch gejagt werden. Da taucht die Replikantenjägerin Hythe auf und macht Ash ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann.

Off-World – Jenseits der Erde“ führt die Geschichte von „Los Angeles“ fort und kämpft, falls „Blade Runner 2019“ wie angekündigt mit dem dritten Sammelband endet, mit den üblichen Problemen eines Mittelteils. Mühsam werden, immerhin sind seit den Ereignissen in Los Angeles einige Jahre vergangen, die einzelnen Figuren und ihre Identität etabliert, während die eigentliche Handlung lange Zeit nebulös bleibt. Das liegt auch daran, dass in „Off-World“ eine neue, aus dem Film unbekannte Welt etabliert werden muss. Es ist eine Welt, die an „Outland“ (ein SF-Western von Peter Hyams mit Sean Connery) erinnert. „Los Angeles“ konnte dagegen einfach die aus dem Film bekannte Noir-Welt und ihre Regeln als bekannt voraussetzen und in dieser Welt eine abgeschlossene Kriminalgeschichte erzählen.

Ob „Off World – Jenseits der Erde“ nur einige Seiten füllte oder das Finale konsequent vorbereitete, wird die Zukunft zeigen.

Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldo: Blade Runner 2019: Off-World – Jenseits der Erde (Band 2)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2020

116 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Blade Runner 2019 # 5 – 8

Titan Comics, 2020

Hinweise

Wikipedia über das Blade-Runner-Franchise

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Los Angeles“ (Blade Runner 2019 # 1- 4, 2020)


„Blade Runner 2019: Los Angeles“, Regen und wieder Ärger mit Replikanten

Mai 7, 2020

Vor über fünfzig Jahren erschien „Träumen Roboter von elektrischen Schafen?“, ein kleiner Science-Fiction-Roman, der ohne die freie Verfilmung „Blade Runner“ wahrscheinlich weitgehend vergessen wäre. Dabei war die Verfilmung von Philip K. Dicks Roman an der Kinokasse nicht so wahnsinnig erfolgreich. Aber ziemlich schnell entwickelte Ridley Scotts SF-Noir sich zu einem Kultfilm, dessen stilbildender Einfluss nicht hoch genug gewertet werden kann.

Seitdem gab es Computerspiele, Comics, Romane und die gut aussehende, aber elend langweilige Filmfortsetzung „Blade Runner 2049“, die in der „Blade Runner“-Welt spielen. Es gab auch Myriaden von Computerspielen, Comics, Romanen, Filmen und TV-Serien, die mehr oder weniger stark von der „Blade Runner“-Welt und -Optik inspiriert sind.

Der jetzt erschienene Comic „Blade Runner 2019“ von den Autoren Michael Green und Mike Johnson und Zeichner Andrés Guinaldo knüpft direkt an Scotts Film an. Die Comicgeschichte spielt, mit anderen Figuren, mehr oder weniger parallel zu den Ereignissen aus dem Film (1982 war 2019 noch in der fernen Zukunft).

Aahna ‚Ash‘ Ashina ist im Los Angeles Police Department ein Blade Runner. Wie Rick Deckard jagt sie die menschenähnlichen Replikanten der Tyrell Corporation, die ihren Arbeitsplatz auf einem fernen Planeten, entgegen ihrer Programmierung und unerlaubt, für einen Besuch auf der Erde verlassen.

Jetzt soll sie für Alexander Selwyn, den stinkreichen Besitzer der Canaan Corporation, seine spurlos verschwundene Frau und ihre vierjährige Tochter finden. Ash macht sich auf die Suche und sie stolpert dabei schnell in einen typischen Hardboiled-Plot, der ferne (zugegeben sehr ferne, eher assoziative als echte) Erinnerungen an Raymond Chandlers Philip-Marlowe-Roman „The big Sleep“ (Der tiefe Schlaf/Der große Schlaf) weckt. Auch wenn niemand Ash mit Humphrey Bogart verwechseln wird.

Diese Hardboiled-PI-Geschichte spielt in der von Ridley Scott etablierten Welt spielt. Damit sieht dann alles so aus, wie wir es aus der SF-Noir-Dystopie kennen. Bis Ash Los Angeles verlässt.

Blade Runner 2019: Los Angeles“ ist ein gelungener Auftakt, der neugierig auf die weiteren Erlebnisse von Ash macht. Die spielen dann nicht mehr im dauerverregneten Los Angeles, sondern, so wird am Ende angedeutet, in den Kolonien.

Michael Green war als Drehbuchautor in „Blade Runner 2049“, „Mord im Orient-Express“ und „Alien: Covenant“ involviert. Bei TV-Serien wie „Smallville“, „Heroes“ und „American Gods“ gehörte er zu den Autoren und Produzenten.

Mike Johnson war als Comicautor in mehrere „Star Trek“- und „Tramsformers“-Geschichten involviert.

Der Spanier Andrés Guinaldo startete seine internationale Karriere mit der Comic-Adaption von Joe R. Lansdales kultig-abgedrehten „Drive In“-Romanen. Seitdem zeichnete er Geschichten mit Captain America, Doctor Strange, Hulk, Green Lantern und Batman.

Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldo: Blade Runner 2019: Los Angeles

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2020

116 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Blade Runner 2019 # 1- 4

Titan Comics, 2020

Hinweis

Wikipedia über das Blade-Runner-Franchise