„Orlando“, hab keine „Furcht“, das ist die „Wahrheit“. „Zwischen den Bäumen“ stapeln sich „Alien“ und „Blade Runner 2039“ und die „Traumnovelle“

Juni 29, 2026

Nennen wir es Sommerlektüre und Aufräumen, teils ergänzt mit brandneuen Werken, wie die druckfrisch bei mir eingetroffene Neuausgabe von Jakob Hinrichs‘ überzeugender Comicversion von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“. Ursprünglich erschien sie bereits 2012 bei der Büchergilde und wer möchte, kann sie zu teils utopischen Preisen antiquarisch kaufen.

Die neue Ausgabe bei der Favoritenpresse ist selbstverständlich günstiger. Sie gefällt mir ausnehmen gut. Sie liegt gut in der Hand, Papier und Farben passen zu den Zeichnungen von Jakob Hinrichs, die sich kongenial zwischen 20er-Jahre-Avantgarde (also die 20er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts), Fünfziger-Jahre-Cartoons und Gebrauchsgrafik bewegt.

Die Geschichte selbst, die bei Arthur Schnitzler im Wien der späten Kaiserjahre spielt, verlegte er in eine zeit- und ortlose bundesdeutsche Mittelstandsgegenwart, die immer noch einen Hauch Wirtschaftswunder-Nachkriegsdeutschland verströmt. Immer noch geht es um ein Ehepaar und sexuelle Wünsche.

Die Geschichte selbst dürfte von Schnitzler oder von Stanley Kubricks textnaher Verfilmung „Eyes Wide Shut“ bekannt sein. Es war sein letzter Film. Tom Cruise und Nicole Kidman spielten das sexuell verwirrte Paar. Kubrick verlegte die Geschichte in das heutige New York und ich fragte mich die ganze Zeit, warum Kubrick sie nicht historisch korrekt und wie auch von ihm gewünscht, in Wien der späten Kaiserjahre spielen ließ.

Hinrich wählte einen deutlich freieren Zugang. Das Ergebnis überzeugt in jeder Beziehung.

Wie bei der Erstausgabe ist auch in der aktuellen Ausgabe Schnitzlers Novelle abgedruckt. Sie erschien erstmals 1925 als Fortsetzungsroman und 1926 als Buch. Man kann also direkt Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleichen.

Jakob Hinrichs/Arthur Schnitzler: Traumnovelle

Favoritenpresse, 2026

192 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Büchergilde, 2012

Hinweise

Homepage von Jakob Hinrichs

Favoritenpresse über den Comic

Wikipedia über die „Traumnovelle“ (deutsch, englisch) und Jakob Hinrichs

Um Begehren geht es auch in Paul Wincks „Zwischen den Bäumen“. Die Journalistin Mathilde soll eine Reportage über eine in Südfrankreich abgeschieden lebende religiöse Gemeinde schreiben. Sie fremdelt mit den Gläubigen und ihren Riten. Mit Anita, der Köchin und Gärtnerin der Gemeinschaft, versteht sie sich allerdings gut.

Wegen der Kürze und weil Winck sich vor allem auf seine Bilder verlässt, bleibt „Zwischen den Bäumen“ auf der Story-Ebene etwas diffus. Das gilt vor allem für die Gemeinschaft und ihr seltsames Verhalten. Die Sekte lud Mathilde ein, einen Bericht über sie zu schreiben, erschwert ihr dann aber die Arbeit.

Die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte und die damit verbundene Frage, ob Anita weggehen soll, sind dagegen gelungener.

Wer also keinen Thriller über eine investigative Journalistin und eine brandgefährliche Sekte erwartet, kann zugreifen.

Paul Winck: Zwischen den Bäumen

Moom Comics, 2025

72 Seiten

15 Euro

Hinweise

Moom Comics über Paul Winck

Orlando wird im 16. Jahrhundert in England als Mann geboren. Viele Jahre später wird er im Schlaf zur Frau. Eine Erklärung für die Geschlechtsumwandlung gibt es nicht. Fortan muss der Edelmann, der bei den Frauen äußerst beliebt war, ein Leben als ebenfalls nicht älter werdende Frau führen.

Sein/Ihr Leben bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts schildert Virginia Woolf in ihrem schon lange zum Klassiker gewordenem Roman „Orlando“, untertitelt als ‚Biographie‘. Das feministische Buch erschien 1928.

Susanna Kuhlendahls Comic „Orlando“ liest sich durchgehend wie die Reader’s Digest-Version des Romans. Sie lädt dazu ein, den Roman oder auch Sally Potters legendäre Verfilmung von 1992 (mit Tilda Swinton in der Hauptrolle) wieder (?) zu genießen.

Susanne Kuhlendahl: Virginia Woolf – Orlando

Helvetiq, 2025

208 Seiten

27 Euro

Hinweise

Homepage von Susanne Kuhlendahl

Wikipedia über „Orlando“ (Roman: deutsch, englisch)

Und ab in die Zukunft, die kein besserer Ort ist.

Obwohl das „Paradiso“ als Nobelferienhotel auf den ersten Blick vielversprechend aussieht. Um einige Gäste, wie den Ricky Valentine und seine Bande, muss man sich als normaler Tourist nicht kümmern. Dafür sind zwei Colonial Marshals in einem Undercover-Einsatz, zuständig. Aber dann bringt einer der Gäste einen Xenomorph-Embryo mit – und es passiert das, was immer passiert, wenn Menschen und Xenomorphe sich begegnen. Kurz darauf kämpfen die Hotelgäste und das Personal um ihr Überleben und die Xenomorphe nehmen eine sehr nahrhaft-menschliche Mahlzeit zu sich.

In dem Alien-Comic „Paradiso“ erzählen Autor Steve Foxe und die Zeichner Edgar Salazar und Peter Nguyen auch von überraschenden Koalitionen zwischen Polizisten und Verbrechern.

Das ändert aber nichts daran, dass es inzwischen ein festes Muster für Alien-Geschichten gibt, die einfach nur noch an verschiedenen abgeschiedenen Orten mit verschiedenen Menschen, die mindestens zu einem großen Teil das Ende der Geschichte nicht erleben, ausgefüllt werden. Das ist durchaus spannend, aber auch etwas überraschungsfrei.

Am Ende ist „Paradiso“ nur eine weitere „Alien“-Geschichte in neuer Kulisse mit anderen Menschen und höchst vertrauten Abläufen.

Steve Foxe/Edgar Salazar/Peter Nguyen: Alien: Paradiso

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2026

120 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Alien: Paradiso (2024) # 1 – 5

Dezember 2024 – April 2025

Hinweise

Wikipedia über das Alien-Franchise (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Alien – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Alien, 2019)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Aliens – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Aliens, 2020)

Meine Besprechung von Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbis „Alien – Die Urfassung“ (Alien: The Original Screenplay # 1 – 5, 2020)

zu Filmen

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017) (Filmroman)

Meine Besprechung von Fede Alvaraz‘ „Alien: Romulus (Alien: Romulus, USA 2024)

zu Comics

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larrocas „Alien: Blutlinien (Band 1)“ (Alien (2021) # 1 – 6, Mai – Oktober 2021)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larrocas „Alien: Erweckung (Band 2)“ (Alien (2021) # 7 – 12, September 2021 – Juni 2022; Alien Annual (2022) 1, September 2022)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Julius Ohta: Alien: Icarus (Band 3) (Alien (2022) # 1 – 6, November 2022 – April 2023)

Meine Besprechung von Declan Shalvey/Andrea Broccardos „Alien: Tauwetter (Band 1)“ (Alien (2023) # 1 – 5, April 2023 – August 2023)

Meine Besprechung von Declan Shalvey/Andrea Broccardo/Danny Earls‘ „Alien: Descendant (Band 2)“ (Alien Annual (2023) 1, Dezember 2023; Alien (2023 B) # 1 – 4, Januar – April 2024)

Meine Besprechung von Collin Kelly/Jackson Lanzing/Michael Dowlings „Alien: Schwarz, Weiß & Blut“ (Alien: Black, White & Blood (2024) # 1 – 4, 2024)

Meine Besprechung von Paul Reiser/Leon Reiser/Adam F. Goldberg/Hans Rodionoff/Brian Volk-Weiss/Guiu Vilanovas „What if…? Aliens“ (Aliens: What if…? (2024) # 1 – 5, 2025)

Die „Blade Runner“-Welt ist fast so alt wie die „Alien“-Welt. In dieser Welt geht es um das Zusammenleben von Menschen und menschenähnlichen Robotern, Replikanten genannt. Ursprünglich wurden sie auf anderen Planeten als Arbeitssklaven eingesetzt. Irgendwann begehrten sie gegen ihr Schicksal auf. In den zwanziger Jahren brachen die Ökosysteme zusammen und die „Blade Runner“-Welt wurde noch dystopischer.

In der in drei Bänden herausgegebenen und inzwischen vollständig auf Deutsch vorliegenden von Mike Johnson (Geschichte), Andrés Guinaldo (Zeichnungen) und Marco Lesko (Farben) erfundenen „Blade Runner 2039“-Geschichte geht es um die seit zwanzig Jahren untergetauchte LAPD-Blade-Runner-Jägerin Aahna „Ash“ Ashina. Danach half sie Replikanten, aus ihrer Sklaverei zu entkommen. Jetzt muss Ash ihr Versteck verlassen. Denn Bösewicht Niander Wallace hat Luv, die erste Blade-Runner-Replikantin des LAPD und ein Klon von Ash, beauftragt, Cleo Selwyn zu finden. In Cleos DNA könnte der Schlüssel zur Fortpflanzung der Replikanten liegen.

Ash“ ist ein gelungener Abschluss der Miniserie.

Mike Johnson/Andrés Guinaldo/Marco Lesko: Blade Runner 2039: Ash (Band 3 von 3)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2025

112 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Blade Runner 2039 vol. 3: Ash

Alcon Publishing/Titan Publishing 2025

Hinweise

Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch) und das Blade-Runner-Franchise

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Los Angeles“ (Blade Runner 2019 # 1- 4, 2020)

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Off-World – Jenseits der Erde (Band 2)“ (Blade Runner 2019 # 5 – 8, 2020)

Meine Besprechung von Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2029 – Alte Bekannte (Band 1)“ (Blade Runner 2029 # 1 – 4, 2020/2021)

Meine Besprechung von Mike Johnson/Andrés Guinaldo/Marco Leskos „Blade Runner 2039 – Luv (Band 1)“ (Blade Runner 2039 vol. 1: Luv, 2025)

Meine Besprechung von Mike Johnson/Andrés Guinaldo/Marco Leskos „Blade Runner 2039 – Upgrade (Band 2)“ (Blade Runner 2039 vol. 2: Upgrade, 2025)

Aus Japan gibt es eine weitere Ladung Horrorkurzgeschichten. Es ist der fünfte Band der von Juoku Kawakami geschriebenen und gezeichneten Mangas „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan“ und er enthält die Geschichten 39 bis 50. Es sind immer noch vollkommen unabhängige, im heutigen Japan, bevorzugt unter Jugendlichen spielenden Horrorkurzgeschichten. Einmal gehen drei Jugendliche nach Einbruch der Dunkelheit in einen Park. Für eine Mutprobe wollen sie einem Geist begegnen. Einer der Jungs fragt die sich auf einem Smartphone befindende KI. Und diese sagt ihnen, welchen Weg sie benutzen sollen.

Eine geschiedene Frau sucht über eine Dating-App einen Mann. Dieses Mal scheint sie den richtigen Mann gefunden zu haben. Ein junger Mann hat Schlafprobleme. Eine Frau hat eine außereheliche Affäre, für die sie einen Geheimaccount eingerichtet hat. Ein Lehrer erfährt unangenehm viel Aufmerksamkeit von einer Schülerin. In einer anderen Geschichte ist ein Fangirl überhaupt nicht davon begeistert, dass der von ihr bewunderte Boygroup-Sänger sich in eine andere Frau verliebt hat.

Immer wieder geht es in Juoku Kawakamis Geschichten um Bedrohungen durch neue Techniken, Geister, japanische Mythen, die in der Gegenwart fortexistieren, und ein fundamentales Unwohlsein an und in der Gegenwart.

Weil alle Geschichten sehr kurz sind, muss Kawakami immer schnell auf die meist gelungene Pointe zusteuern. Trotzdem wiederholt sich, wer alle Geschichten kennt, inzwischen einiges. Wenn bei Kawakami eine Streamerin auf einem Parkplatz für eine Nacht Kamera aufbaut, haben wir eine gute Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte bewegt.

Juoku Kawakami: Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan: Band 5

(übersetzt von Gregor Wakounig)

Panini Manga, 2026

192 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 5

Shogakukan, 2026

Hinweise

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 1“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 1, 2025)

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 2“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 2, 2025)

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 3″ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 3, 2025)

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan (Band 4)“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 4, 2025)

Wenn man unter ‚Comic‘ ‚Zeichungen‘ und ‚Texte in Sprechblasen‘ versteht, dann ist „Wahrheit“, der zweite Band der „Comicothek der Philosophie“, ein Comic. Trotzdem sind die erklärenden Texte wichtiger. Martine Gasparov, Philosophin, Philosophielehrerin an einer Schule für Kunst und Design in Paris und Verfasserin von Philosophie-Handbüchern für die Abiturprüfung, und Illustratorin Émilie Boudet haben mit dem Band „Wahrheit“ eine sehr kurze, klare und präzise Einführung in die Frage gegeben, was aus philosophischer Sicht „Wahrheit“ ist, was die Probleme bei verschiedenen Definitionen sind, ob man immer die Wahrheit sagen muss und ob die Idee der Wahrheit nicht ein Instrument zur Herrschaft ist.

Auf noch nicht einmal sechzig Seiten geben Gasparov und Boudet einen sehr guten Einblick in das Thema – und sie liefern viel Stoff zum Nachdenken.

Weitere Bände, unter anderem zu den Themen „Gerechtigkeit“, „Freiheit“, „Freizeit“ und „Zeit“ sind geplant.

Martine Gasparov/Émilie Boudet: Die Comicothek der Philosophie: Wahrheit

(übersetzt von Edmund Jacoby)

Jacoby & Stuart, 2026

64 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Toute la Philo en BD/La vérité

Belin Éducaions & La Boite à Bulles, 2022

Hinweis

Jacoby & Stuart über das Buch

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Safari – Match me if you can“ in der deutschen Komödie

August 30, 2018

Boah, war das – – –

Beginnen wir mit den Fakten:

Regie führte Rudi Gaul. Von ihm ist die Doku „Wader Wecker Vater Land“.

Das Drehbuch ist von Rudi Gaul und Friederike Klingholz. Frei nach Arthur Schnitzlers „Reigen“. Naja, Tote können sich nicht mehr wehren. Und der Film ist ein Reigen von Liebesgeschichten und sexuellen Begegnungen in der Großstadt.

Justus von Dohnányi, Sunnyi Melles, Elisa Schlott, Juliane Köhler, Friederike Kempter, Max Mauff, Sebastian Bezzel, Patrick Abozen und Janina Fautz spielen die beziehungssuchenden Großstädter. Wobei sie eher nicht nach der großen Liebe, sondern dem schnellen Sex suchen. Früher funktionierte das über Kleinanzeigen und „Fisch sucht Fahrrad“-Abende. Heute gibt es dafür die titelgebende App „Safari“, die Männlein und Weiblein nach ihren individuellen Vorlieben perfekt zusammenbringen soll. Dass ihre Selbstbeschreibung nicht immer der Realität entspricht: geschenkt. Und dass im Lauf des Films diese Lügen und Selbsttäuschungen aufgedeckt werden, gehört ebenfalls zum Genre. Aber es sollte dann schon etwas interessanter, überraschender und, immerhin will „Safari – Match me if you can“ (es geht doch nichts über einen guten deutschen Titel) eine Komödie, witziger sein.

Denn Gauls Ensemblekomödie ist das filmische Äquivalent zu einem dieser gottseidank der Vergangenheit angehörenden Abende, an denen die Privatsender in unzähligen Sketchshows einen unwitzigen Sketch nach dem nächsten präsentierten. Die Sketche waren fast ausschließlich Blindgänger. Die Sets hatten mit der Realität nichts zu tun und die Schauspieler hatten wahrscheinlich ihren Spaß. Ein größerer Zusammenhang zwischen den Witzen war auch nicht erkennbar.

Aber in einem Spielfilm nervt es, wenn nichts zusammenpasst. So gibt es in „Safari“ einen Tramfahrer, der für seine Sexabenteuer als Pilot auftritt. Er ist mit einer Psychologin, bzw. genaugenommen einer französischen Sex-Therapeutin, verheiratet. Und jetzt sollen wir glauben, dass dieses Ehepaar jemals zusammengefunden hat und dass der Tramfahrer ungestört und unentdeckt in seiner Heimatstadt München unzählige Sexabenteuer haben kann. Denn alle seine Sexabenteuer werden auf der titelgebenden und unglaublich beliebten „Safari“-App zum Besten gegeben. Die App-Nutzer haben Profilfotos von sich hochgeladen und sie bewerten sich gegenseitig nach ihrem, ähem, Geschlechtsverkehr. München ist zwar eine Großstadt, aber so groß ist die Landeshauptstadt von Bayern dann doch nicht.

Außerdem sind alle „Safari“-User auf der Suche nach der normalheterosexuellen Liebe unter weißen Deutschen. Als Alibiausländer darf ein sehr südländischer Kleinstadtgigolo Verführungstipps geben, die er – Überraschung! – nicht aus eigener Erfahrung hat.

Safari – Match me if you can“ ist ein unwitziges Desaster, bei dem ich mich fragte, wer sich so etwas ansehen soll. Denn die moderne Smartphone-Oberfläche verdeckt den Muff und die biedere Sexualmoral der fünfziger Jahre noch nicht einmal notdürftig.

Safari – Match me if you can (Deutschland 2018)

Regie: Rudi Gaul

Drehbuch: Rudi Gaul, Friederike Klingholz (frei nach Arthur Schnitzlers „Reigen“)

mit Justus von Dohnányi, Sunnyi Melles, Elisa Schlott, Juliane Köhler, Friederike Kempter, Max Mauf, Sebastian Bezzel, Patrick Abozen, Janina Fautz

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Safari – Match me if you can“

Moviepilot über „Safari – Match me if you can“

Wikipedia über „Safari – Match me if you can“

 

 


TV-Tipp für den 31. Juli: Lolita/Eyes Wide Shut

Juli 30, 2016

Zwei Liebesfilme von Stanley Kubrick

Arte, 20.15

Lolita (Großbritannien/USA 1962, Regie: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Vladimir Nabokov

LV: Vladimir Nabokov: Lolita (1955/1958, Lolita)

Professor Humbert Humbert verliebt sich in die pubertierende Tochter seiner Vermieterin Charlotte Haze.

Film und Buch gehören heute zu den Klassikern in ihrem Genre.

Nabokovs Roman wurde 1955 zuerst auf Englisch in Frankreich veröffentlicht. Die US-amerikanische Erstausgabe erschien 1958 und wurde sofort ein Bestseller.

Mit James Mason, Sue Lyon, Peter Sellers, Shelley Winters

Wiederholung: Donnerstag, 4. August, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lolita“

Wikipedia über “Lolita” (deutsch, englisch)

Stanley Kubrik in der Kriminalakte

Arte, 22.45

Eyes Wide Shut (USA 1999, Regie: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Frederic Raphael

LV: Arthur Schnitzler: Traumnovelle, 1926 (Buchausgabe, davor 1925/1926 als Fortsetzungsroman in „Die Dame“ erschienen)

Nachdem seine Frau ihm eine Jahre zurückliegende außereheliche Sexfantasie beichtet, tickt William aus. Verstört irrt der Doktor durch das nächtliche New Yorker zwischen Prostituierten und Swingerclubs.

Kubricks letzter Film ist nicht sein bester. Dafür ist er zu lang (auf mich wirkt er wie der Rohschnitt) und durch den Wechsel der Handlungszeit vom Wien der späten Kaiserjahre in das heutige New York wird die Geschichte ihres moralischen Kontextes beraubt. Denn in einer heute, unter normalen Menschen, spielenden Geschichte ist es einfach unglaubwürdig, dass ein Mann so von einer außerehelichen Sexualfantasie irritiert ist.

Zum Glück spielen weite Teile in pompös-altmodischen Innenräumen und die Dialoge wurden auch von Schnitzler übernommen. So kann man meistens ausblenden, dass „Eyes Wide Shut“ zur falschen Zeit spielt.

Mit Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack, Sky Dumont

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eyes Wide Shut“

Wikipedia über “Eyes Wide Shut” (deutsch, englisch)

Stanley Kubrik in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. Februar: Eyes Wide Shut

Februar 21, 2014

RTL II, 22.00

Eyes Wide Shut (USA 1999, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Frederic Raphael

LV: Arthur Schnitzler: Traumnovelle, 1926 (Buchausgabe, davor 1925/1926 als Fortsetzungsroman in „Die Dame“ erschienen)

Nachdem seine Frau ihm eine Jahre zurückliegende außereheliche Sexfantasie beichtet, tickt William aus. Verstört irrt der Doktor durch das nächtliche New Yorker zwischen Prostituierten und Swingerclubs.

Kubricks letzter Film ist nicht sein bester. Dafür ist er zu lang (auf mich wirkt er wie der Rohschnitt) und durch den Wechsel der Handlungszeit vom Wien der späten Kaiserjahre in das heutige New York wird die Geschichte ihres moralischen Kontextes beraubt. Denn in einer heute, unter normalen Menschen, spielenden Geschichte ist es einfach unglaubwürdig, dass ein Mann so von einer außerehelichen Sexualfantasie irritiert ist.

Zum Glück spielen weite Teile in pompös-altmodischen Innenräumen und die Dialoge wurden auch von Schnitzler übernommen. So kann man meistens ausblenden, dass „Eyes Wide Shut“ zur falschen Zeit spielt.

Mit Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack, Sky Dumont

Hinweise

Wikipedia über “Eyes Wide Shut” (deutsch, englisch)

Stanley Kubrik in der Kriminalakte