Neu im Kino/Filmkritik: „Demolition – Lieben und Leben“ und die andere Art der Hausrenovierung

Juni 16, 2016

Nur eine Sekunde und das Leben von Davis Mitchell (Jake Gyllenhaal), glücklich verheiratet, kinderlos, erfolgreicher Investmentbanker in der Firma seines Schwiegervaters, ist zerstört durch einen Autounfall, den er unverletzt überlebt. Aber seine Frau ist tot.

Noch in der Nacht, im Krankenhaus, schreibt Mitchell, der mit dieser Situation nicht umgehen kann und sich ablenken will, einen Beschwerdebrief an die Firma, die dort einen nicht funktionierenden Verkaufsautomat aufgestellt hat. In dem Brief, auch weil er nicht annimmt, dass er wirklich gelesen wird, versucht er seine Situation und seine Beweggründe zu erklären.

Es ist der erste Brief, den er an die Firma schreibt und die, zu seiner Überraschung, von der Kundendienst-Mitarbeiterin Karen (Naomi Watts) gelesen werden. Die allein lebende Mutter eines 14-jährigen Sohnes antwortet ihm, spricht ihn an und gibt ihm auch ein zu Hause, während er versucht, mit seinem Verlust umzugehen.

Eine Methode ist dabei, den Ratschlag von seinem Stiefvater Phil (Chris Cooper), man müsse gewisse Dinge, um sie zu verstehen, komplett auseinandernehmen und wieder zusammen setzen, wortwörtlich zu nehmen. Beginnend mit dem tropfenden Kühlschrank. Weil Mitchells handwerkliches Geschick gegen Null tendiert, steht er anschließend vor den Trümmern des Kühlschranks. Aber das hindert ihn nicht daran, weitere Gegenstände auseinanderzunehmen.

Dabei ist dieses Zerstörungsinteresse natürlich nur ein sehr deutliches Bild für den seelischen Zustand von Mitchell, dessen Leben bislang in den vorgezeichneten Bahnen verlief und der sich letztendlich in die Firma einheiratete. Auch seine Beziehung zu Karen und ihrem pubertierendem Sohn, für den eher zu einer Art schrägem Vater wird (wie Maude für Harold; – falls noch jemand „Harold und Maude“ kennt.), ist ein unbewusster Versuch den Tod seiner Frau zu überwinden, während er die archetypischen Stufen der Trauer durchlebt. Und wer diese Stufen kennt, kennt auch den Plot des Films, der die Trauer immer wieder mit schwarzem Humor und absurden Szenen durchbricht.

Demolition - Plakat

Demolition – Lieben und Leben (Demolition, USA 2015)

Regie: Jean-Marc Vallée

Drehbuch: Bryan Sipe

mit Jake Gyllenhaal, Naomi Watts, Chris Cooper, Judah Lewis

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Demolition“

Metacritic über „Demolition“

Rotten Tomatoes über „Demolition“

Wikipedia über „Demoliton“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jean-Marc Vallées „Dallas Buyers Club“ (Dallas Buyers Club, USA 2013)

Meine Besprechung von Jean-Marc Vallées „Wild- Der große Trip“ (Wild, USA 2014)


TV-Tipp für den 21. Mai: Operation: Kingdom

Mai 21, 2016

ZDFneo, 22.35

Operation: Kingdom (USA 2007, Regie: Peter Berg)

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan

In Riad verüben Terroristen einen Anschlag auf eine amerikanische Wohnanlage. Es sterben über hundert Menschen. FBI-Agent Ronald Fleury stellt ein Team von Spezialisten zusammen, um der dortigen Polizei bei der Sicherung des Tatortes zu helfen. Schnell geraten sie zwischen die Fronten.

Guter Politthriller, bei dem die Charaktere im Mittelpunkt stehen und man, angesichts der vielen Subplots, öfters den Eindruck hat, die Geschichte wäre besser als TV-Mehrteiler erzählt worden. Handfeste Action gibt es eigentlich nur am Ende.

Außerdem hat er eine tolle Titelsequenz und einen doofen deutschen (oder denglischen) Titel.

mit Jamie Foxx, Chris Cooper, Jennifer Garner, Jason Bateman, Ashraf Barhoum, Ali Suliman, Jeremy Piven, Richard Jenkins, Danny Huston

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Operation: Kingdom“

Rotten Tomatoes über „Operation: Kingdom“

Wikipedia über „Operation: Kingdom“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Kingdom“ von Matthew Michael Carnahan

Rope of Silicon: Interview mit Matthew Michael Carnahan über „The Kingdom“ und „Lions for Lambs“ (24. September 2007)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Battleship“ (Battleship, USA 2012)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Lone Survivor“ (Lone Survivor, USA 213)


TV-Tipp für den 6. November: The Town – Stadt ohne Gnade

November 5, 2015

RTL II, 20.15

The Town – Stadt ohne Gnade (USA 2010, Regie: Ben Affleck)

Drehbuch: Ben Affleck, Peter Craig, Aaron Stockard

LV: Chuck Hogan: Prince of Thieves, 2004 (Endspiel)

Bankräuber Doug MacRay überfällt mit drei Freunden eine Bank und verliebt sich anschließend in die Filialleiterin, die sie auf der Flucht als Geisel mitgenommen hatten. Jetzt will er aussteigen. Davor muss er allerdings noch seinen letzten Coup durchführen.

Nach der tollen Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone“ blieb Ben Affleck in seiner zweiten Regiearbeit dem Genre und Boston treu. „The Town“ ist gutes altmodisches Erzählkino, bei dem die Story, die Charaktere und ihr Umfeld im Vordergrund stehen. In seinen wenigen Actionszenen und in der Struktur erinnert „The Town“ teilweise an Michael Manns „Heat“ – und das ist durchaus anerkennend gemeint. Ein feiner Gangsterfilm.

Da ist es auch egal, dass die Zahl der Banküberfälle in Boston viel geringer ist, als im Film behauptet wird und dass das Viertel Charlestown in den vergangenen fünfzehn Jahren gentrifiziert wurde. Jetzt sitzen da die anderen Bankräuber.

Chuck Hogan erhielt für seinen Roman „Endspiel“, der Vorlage für „The Town“, den Hammett-Preis und auch Stephen King (ein passionierter Blurber) war begeistert.

Und danach, um 22.35 Uhr, gleich zu 3sat umschalten. Dort läuft „Lawless – Die Gesetzlosen“.

mit Ben Affleck, Rebecca Hall, Jon Hamm, Jeremy Renner, Pete Postlethwaite, Chris Cooper

Wiederholung: Sonntag, 8. November, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Town“

Metacritic über “The Town”

Rotten Tomatoes über “The Town”

Wikipedia über “The Town” (deutsch, englisch)

The Boston Magazine: Interview mit Chuck Hogan (24. August 2010)

The Boston Magazine: Interview mit Chuck Hogan (15. September 2010)

The Boston Phoenix: Eugenia Williamson trifft Chuck Hogan (15. September 2010)

The Boston Globe: Billy Baker über das heutige Charlestown (18. September 2010)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung “Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel” (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks “Argo” (Argo, USA 2012)


TV-Tipp für den 19. Oktober: The Company You Keep – Die Akte Grant

Oktober 19, 2015

ZDF, 22.15
Die Akte Grant (The Company you keep, USA 2013)
Regie: Robert Redford
Drehbuch: Lem Dobbs
LV: Neil Gordon: The Company you keep, 2003
Nachdem eine Weathermen-Kampfgefährtin verhaftet wird und ein neugieriger Jungspund-Journalist seine vierzig Jahre zurückliegende terroristische Vergangenheit enthüllt, taucht der angesehene Bürgerrechtsanwalt Jim Grant unter. Um, wie der Journalist vermutet, seine Unschuld zu beweisen.
Spannender, im positiven Sinn altmodischer, vor allem auf die Dialoge setzender Polit-Thriller, bei dem der Polit-Teil eher eine Beigabe ist und die vielen bekannten Gesichter, denen Robert Redford (als Grant) auf seiner Flucht vor dem FBI begegnet, erfreuen zuerst das Auge des gestandenen Kinofans und sorgen dann für eine angenehme Verunsicherung. Denn bei diesem All-Star-Ensemble ist schnell vollkommen unklar, wer nur einen kurzen Gastauftritt hat und wer nicht.
Seit einigen Tagen haben Robert Redford und Nick Nolte im Kino ein „Picknick mit Bären“.
mit Robert Redford, Shia LaBeouf, Julie Christie, Susan Sarandon, Nick Nolte, Terrence Howard, Anna Kendrick, Stanley Tucci, Chris Cooper, Richard Jenkins, Brendan Gleeson, Brit Marling, Sam Elliott, Stephen Root, Jackie Evancho
auch bekannt als „The Company you keep – Die Akte Grant“ (Kinotitel)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Die Akte Grant“
Wikipedia über „Die Akte Grant“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 20. September: Lone Star

September 19, 2014

MDR, 23.55

Lone Star (USA 1996, Regie: John Sayles)

Drehbuch: John Sayles

In Texas wird in der Wüste ein Skelett mit einem Sheriffstern gefunden. Sheriff Sam Deeds (Chris Cooper) versucht den vierzig Jahre alten Mordfall zu klären und schnell fragt er sich, was sein verstorbener Vater, der ungekrönte und immer noch geachtete Herrscher der Stadt, mit dem Mord zu tun hat und ob er sein Andenken beschmutzen soll.

„Sayles ist ein Meisterwerk mehrschichtigen Erzählens gelungen: mit knapp einem Dutzend wichtigen Rollen, mit überlegter Koppelung von Gegenwart und Vergangenheit, lakonisch-doppelsinnigen Dialogen, ausgefeilter Kameraarbeit, Musik, die drei Kulturen einfängt, und atemberaubenden Zeitübergängen.“ (Fischer Film Almanach 1998)

Bei dem Lob vergisst man fast, dass „Lone Star“ auch ein verdammt unterhaltsamer Krimi ist.

Das Drehbuch war für einen Oscar („Fargo“ gewann), einen Golden Globe, den BAFTA, den Independent Spirit Award und den Preis der Writers Guild of America (wieder gewann „Fargo“) nominiert.

mit Chris Cooper, Elisabeth Pena, Kris Kristofferson, Miriam Colon, Matthew McConaughey, Frances McDormand

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Lone Star”

Wikipedia über „Lone Star“ (deutsch, englisch)

Homepage von John Sayles

John Sayles in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. August: Lone Star

August 19, 2013

BR, 23.15

Lone Star (USA 1996, R.: John Sayles)

Drehbuch: John Sayles

In Texas wird in der Wüste ein Skelett mit einem Sheriffstern gefunden. Sheriff Sam Deeds (Chris Cooper) versucht den vierzig Jahre alten Mordfall zu klären und schnell fragt er sich, was sein verstorbener Vater, der ungekrönte und immer noch geachtete Herrscher der Stadt, mit dem Mord zu tun hat und ob er sein Andenken beschmutzen soll.

„Sayles ist ein Meisterwerk mehrschichtigen Erzählens gelungen: mit knapp einem Dutzend wichtigen Rollen, mit überlegter Koppelung von Gegenwart und Vergangenheit, lakonisch-doppelsinnigen Dialogen, ausgefeilter Kameraarbeit, Musik, die drei Kulturen einfängt, und atemberaubenden Zeitübergängen.“ (Fischer Film Almanach 1998)

Bei dem Lob vergisst man fast, dass „Lone Star“ auch ein verdammt unterhaltsamer Krimi ist.

Das Drehbuch war für einen Oscar („Fargo“ gewann), einen Golden Globe, den BAFTA, den Independent Spirit Award und den Preis der Writers Guild of America (wieder gewann „Fargo“) nominiert.

mit Chris Cooper, Elisabeth Pena, Kris Kristofferson, Miriam Colon, Matthew McConaughey, Frances McDormand

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lone Star“

Wikipedia über „Lone Star“ (deutsch, englisch)

Homepage von John Sayles

John Sayles in der Kriminalakte