„basierend auf einer wahren Geschichte“ heißt es am Filmanfang. Treffender wäre „inspiriert von einer wahren Geschichte“. Oder, noch besser: man hätte diesen Hinweis vollständig weggelassen. Denn Craig Brewer, Autor und Regisseur von „Song Sung Blue“ nimmt sich, wie schon die flüchtige Lektüre der Wikipedia-Artikel über Mike Sardina und Claire Stingl/Claire Sardina (im Film Stengl) verrät, viele Freiheiten. Außerdem ist die Geschichte einer regional erfolgreichen Coverband nicht besonders einzigartig.
Und das ist „Lightning and Thunder“. Sie spielen die bekannten Mitsing-Gassenhauer von Neil Diamond nach. Kern und Gründer der Band sind Sänger Mike Sardina (Hugh Jackman), ein Vietnam-Veteran und trockener Alkoholiker, und Sängerin Claire Stengl (Kate Hudson). Sie ist die Liebe seines Lebens. Und umgekehrt. Beide haben Kinder aus früheren Beziehungen. Beide haben psychische Probleme. Beide schlagen sich mit schlecht bezahlten Jobs durchs Leben. Denn sie Leben für die Musik. Auf der Bühne können sie sich, wenn sie bekannte Songs anderer Künstler singen, verwirklichen.
In den frühen neunziger Jahren beginnen sie die Lieder von Neil Diamond zu interpretieren. In ihrem Heimatstaat Milwaukee kommen sie mit diesem Programm gut an. Einmal – und das dürfte der Höhepunkt ihrer Karriere gewesen sein – sind sie die Vorband von Pearl Jam.
Alles ist perfekt, bis es zu einem grotesken Unfall kommt, der, wie in „Million Dollar Baby“, aus der fröhlichen Aufsteigergeschichte einen ganz anderen Film macht.
Die ziemlich frei erfundene Geschichte spielt in den Neunzigern. Aber abgesehen von dem Auftritt von Pearl Jam sieht Brewers Milwaukee wie die siebziger Jahre mit etwas Patina aus. Die oft schon seit Jahrzehnten so oder so ähnlich existierenden Auftrittsorte, die schon etwas älteren Wohnungseinrichtungen, die funktionale Kleidung, Hugh Jackmans Frisur und natürllich die gespielten Songs, die teilweise schon in den Siebzigern Oldies waren, die das Publikum immer wieder gerne mitsingt, verleihen der Geschichte von Mike und Claire etwas Zeitloses. Brewer erzählt sie aufrichtig, mit spürbarer Sympathie für seine Figuren und ohne einen Anflug von Ironie. Wenn für Lightning und Thunder die Songs von Neil Diamond das Größte sind, was es gibt, dann erzählt Brewer es auch, ohne irgendeine Distanzierung, genau so.
„Song Sung Blue“ gefällt mit seinem spielfreudigem Ensemble, vor allem den beiden singenden Hauptdarstellern die jeden Neil-Diamond-Hit von der ersten bis zur letzten Note nachsingen, als Liebeserklärung an Cover-Bands und als aufbauendes Feelgood-Drama über die heilende Kraft von Musik.

Song Sung Blue (Song Sung Blue, USA 2025)
Regie: Craig Brewer
Drehbuch: Craig Brewer (basierend Greg Kohs‘ Dokumentarfilm „Song Sung Blue“, 2008)
mit Hugh Jackman, Kate Hudson, Michael Imperioli, Ella Anderson, Mustafa Shakir, Fisher Stevens, Jim Belushi, King Princess, Hudson Hensley, John Beckwith, Jackie Cox, Cecelia Riddett, Sean Allan Krill
Länge: 133 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „Song Sung Blue“
Metacritic über „Song Sung Blue“
Rotten Tomatoes über „Song Sung Blue“
Veröffentlicht von AxelB 


