Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Die Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung „Schändung – Die Fasanentöter“

Januar 15, 2015

Es hilft nichts. Auch die Veränderungen im Drehbuch von Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg machen aus Jussi Adler-Olsen spannungsloser Geschichte „Schändung“ keinen Thriller. Die Täter sind beide Male von Anfang an bekannt, was ja nicht unbedingt ein Nachteil ist. So basiert die grandiose Krimiserie „Columbo“ auf dieser Idee. Aber in „Columbo“ sind die Verbrecher intelligent, die Konfrontationen zwischen dem Ermittler und dem Mörder sind vergnügliche Schlagabtäusche, Katz-und-Maus-Spiele zwischen intelligenten Kontrahenten, und in jeder Szene erfahren wir etwas neues.
In „Schändung“, und da unterscheiden sich der Roman seine Verfilmung nicht, ist es anders. Es gibt einfach keine nennenswerten Konfrontationen und, nachdem wir die Ausgangssituation kennen, auch keine neuen Erkenntnisse. Die gesamte Geschichte quält sich über 450 Seiten (im Roman) oder gut 120 Minuten (im Film) auf ihr Ende zu. Schon am Anfang erfahren wir, dass eine Gruppe stinkreicher Internatsschüler vor zwanzig Jahren zwei Jugendliche ermordeten. Bjarne Thøgersen gestand den Doppelmord und sitzt dafür im Gefängnis. Der Fall ist offiziell abgeschlossen.
Jetzt beginnt Carl Mørck vom Sonderdezernat Q, der Abteilung für alte, nicht abgeschlossene Fälle, den Fall neu aufzurollen. Im Roman weil die Akte wie von Geisterhand auf seinem schon gut gefülltem Schreibtisch auftaucht und es, anstatt sich irgendeinen ungeklärten alten Mordfall vorzunehmen, natürlich grundvernünftig ist, einfach einen geklärten alten Mordfall noch einmal zu untersuchen. Vielleicht haben die Kollegen ja Mist gebaut und vielleicht ist der geständige Täter, der sein Geständnis nicht widerrufen möchte, doch nicht der Täter. Wer jetzt glaubt, dass Mørcks Verhalten idiotisch ist, wird an Adler-Olsens Roman keine Freude haben. Aber eigentlich sollte er nach dem ersten Sonderdezernat-Q-Roman „Erbarmen“ schon vorgewarnt sein.
Im Film ist Mørcks Verhalten immerhin besser motiviert: Eines Nachts begegnet er im Regen (wegen der atmosphärischen Bilder) einem offensichtlich verwirrten Mann, der ihm die alte Akte gibt. Am nächsten Tag ist er tot. Suizid. Er war ein Ex-Polizist und der Vater der beiden toten Teenager. Getrieben von dem Gefühl, dem Mann nicht geholfen zu haben, sieht Mørck sich den Fall wieder an.
Zur gleichen Zeit läuft die Obdachlose Kimmie durch Kopenhagen. Sie ist eine der damaligen Täter und jetzt will sie sich an den anderen Tätern rächen. Ohne jetzt allzutief in die Psychologie einzusteigen: weil Jussi Adler-Olsen es so will und es in der Theorie doch gut klingt: während die Polizei die Täter sucht, will einer der Täter die anderen umbringen und jetzt haben wir einen Wettlauf mit der Zeit. Denn wer erreicht zuerst sein Ziel? Die Ausführung steht dann auf einem anderen Blatt und das Ende bringt diese beiden Plots mit mehr Zufall als Verstand oder innerer Logik zusammen.
Unglaubwürdige Charaktere, eine unplausible Geschichte, fehlende Konfrontationen, fehlende Konflikte – das ist das Rezept für einen veritablen Langweiler, der in diesem Fall immerhin Mørcks Privatleben links liegen lässt. Dieses Fazit gilt für den Roman und die Verfilmung.

Schändung - Plakat

Schändung – Die Fasanentöter (Fasandræberne, Dänemark/Deutschland/Schweden 2014)
Regie: Mikkel Nørgaard
Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg
LV: Jussi Adler-Olsen: Fasandræberne, 2008 (Schändung)
mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Pilou Asbaek, David Dencik, Danica Curcic, Johanne Louise Schmidt
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Adler-Olsen - Schändung - Movie-Tie-In

Jussi Adler-Olsen: Schändung
(übersetzt von Hannes Thiess)
dtv, 2015 (Filmausgabe)
464 Seiten
9, 95 Euro

Deutsche Erstausgabe
dtv premium, 2010

Originalausgabe
Fasandræberne
Politikens Forlagshus A/S, Kopenhagen, 2008

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Schändung“
Moviepilot über „Schändung“
Rotten Tomatoes über „Schändung“
Dänische Homepage von Jussi Adler-Olsen

Deutsche Homepage von Jussi Adler-Olsen

Krimi-Couch über Jussi Adler-Olsen

Wikipedia über Jussi Adler-Olsen

Meine Besprechung von Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“ (Kvinden i buret, 2008)

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards „Erbarmen“ (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013)

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards „Erbarmen“ (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013) (DVD)


Die Stitched, „Sieben Schwerter“ und viele, viele Tote in Tokio

Januar 6, 2015

Wolfer-Furukawa - Stitched Band 3 - 2

Im dritten „Stitched“-Sammelband „Sieben Schwerter“ geht es nach Japan. Und was gibt es in Japan? Die Yakuza – und Kenji Nakamura kann im Kampf gegen eine andere Yakuza-Bande die Hilfe der Stitches gut gebrauchen. Wobei er natürlich keine Ahnung hat, wer oder was die Stitches genau sind und welche Geister er heraufbeschwört.
Wir wissen es.
Jedenfalls wenn wir die vorherigen „Stitched“-Sammelbände „Die lebenden Toten“ (geschrieben von Garth Ennis), über die tödliche Begegnung von Soldaten mit ihnen in Afghanistan, und „Das schwarze Fass“, über einen missglückten Kaufversuch eines Sammlers auf Sri Lanka, gelesen haben.
Die Stitches sind gnadenlos mordende, nur auf eine Geräusche von sich gebende Dose reagierende Untote. Es sind Menschen, deren Körperöffnungen ihnen bei lebendigem Leib zugenäht wurden, nachdem ihnen eine schwarze Flüssigkeit eingeflößt wurde. Sie entstand vor Jahrhunderten nach der Vereinigung eines Dämonen mit einer Frau. Die Stitches sollen das afghanische Volk vor den Aggressionen des Westens schützen. Aber sie können von ihrem Herrscher auch gegen andere Menschen eingesetzt werden. Zum Beispiel, wie in „Sieben Schwerter“ geschildert wird, gegen konkurrierende Yakuza-Banden. Allerdings weiß Nakamura, als er den Handel mit Rashid Salib abschließt, nicht, dass die schwarze Flüssigkeit wieder aufgefüllt werden muss.
Das ist, wie die vorherigen „Stitched“-Geschichten von den Autoren Garth Ennis und Mike Wolfer (der mit dem achten Heft die Autorenschaft übernahm) flott und spannend erzählt und kann auch ohne die Kenntnis der vorherigen beiden, in sich abgeschlossenen Geschichten, gut verstanden werden. Denn die wichtigen Hintergründe über die Herkunft der Stitches werden wieder erklärt und der Auftakt für eine größere Geschichte, die ich am Ende von „Das schwarze Fass“ vermutete, wird in „Sieben Schwerter“ nicht fortgeführt. Es ist Horror meets Yakuza und das Blut spritzt.
Zwei Wermutstropfen gibt es allerdings: Nach dieser Geschichte hörte Mike Wolfer auf. Nach neunzehn Heften, die in drei Sammelbänden gesammelt sind, wurde die Serie beendet.

Mike Wolfer/Fernando Furukawa: Stitched: Sieben Schwerter (Band 3)
(übersetzt von Gerlinde Althoff)
Panini, 2014
148 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
Stitched # 14 – 19
Avatar Press, 2013/2014

Hinweise

Homepage zu „Stitched“

Homepage von Mike Wolfer

Meine Besprechung von Garth Ennis und Mike Wolfers „Stitched: Die lebenden Toten“ (Band 1) (Stitched # 1 – 7, 2011/2012)

Meine Besprechung von Mike Wolfer/Fernando Furukawas „Stitched: Das schwarze Fass (Band 2)“ (Stitched # 8 – 13, 2013)

The Newest Rant: Interview mit Mike Wolfer (24. Mai 2014)


Buch- und DVD-Kritik: „Liebe ist das perfekte Verbrechen“ – Über die Verfilmung von Philippe Djians „Die Rastlosen“

Januar 5, 2015

Eigentlich hat der 53-jährige Literaturprofessor Marc, ein gescheiterter Schriftsteller, es ganz gut getroffen. Er unterricht an einer Universität, lebt mit seiner Schwester in einem malerisch in den Bergen gelegenem Chalet und er geht mit möglichst vielen Studentinnen ins Bett. Eine seiner Bettgesellinnen, die 23-jährige Barbara, überlebt dummerweise die Nacht mit ihm nicht. Wahrscheinlich hat sie zu viel von den falschen Drogen genommen. Marc ruft allerdings nicht den Notarzt oder die Polizei. Immerhin ist sie mausetot und die öffentliche Aufregung über eine tote Studentin in seinem Bett würde ihn garantiert für nichts und wieder nichts die Stelle kosten. Vor allem, weil sie sein Seminar besuchte.
Also schleppt er sie vor seiner ersten Unterrichtsstunde in den Wald und wirft sie in eine Felsspalte, die er vor Jahren zufällig mit seiner Schwester entdeckte.
Problem gelöst. Und dem Kommissar, der die verschwunden Studentin sucht, sagt man, dass man nicht wisse, wohin Barbara verschwunden ist.
Kurz darauf trifft Marc Myriam, die gut fünfzigjährige und, so Marcs Schürzenjägermeinung, verdammt gut aussende Stiefmutter von Barbara. Von Marc möchte sie mehr über Barbara erfahren – und der Universitätslehrer macht eine neue Erfahrung: denn er verliebt sich in die verheiratete Myriam, die deutlich älter als alle seine bisherigen Eroberungen ist.
„Liebe ist das perfekte Verbrechen“, der neue Film der Brüder Arnaud und Jean-Marie Larrie, basiert auf dem Roman „Die Rastlosen“ von Philippe Djian, dessen Bestseller „Betty Blue“ erfolgreich verfilmt wurde und der in seinen Romane immer wieder das Feld zwischen Sex, außergewöhnlicher Liebe und Verbrechen auslotet. Auch „Liebe ist das perfekte Verbrechen“ ist ein, hm, erotischer Kriminalfilm, der die Krimi-Aspekte in Djians Geschichte betont.
Denn nach dem flotten Auftakt beginnt im Roman die Geschichte zunehmend vor sich hin zu plätschern, während Marc sich mit Myriam zu Schäferstündchen trifft, er um seine ungeliebte Arbeit kämpft (immerhin ist er zu alt, um etwas Neues anzufangen) und wir mehr über die seltsame Beziehung zwischen ihm und seiner Schwester erfahren, ehe alles mit eine Knalleffekt endet. Dabei sind die Charaktere und ihre verkorksten Beziehungen durchaus interessant.
Die werkgetreue Verfilmung überzeugt dagegen als ruhiger Noir-Psycho-Thriller. Der von Mathieu Amalric gespielte Hochschullehrer ist von der ersten Minute an viel zwiespältiger als im Roman – und man erinnert sich an Amalrics ähnlich gelagerte Rollen in Roman Polanskis „Venus im Pelz“ und in seiner Georges-Simenon-Verfilmung „Das blaue Zimmer“ (ab 5. Februar 2015 im Kino). Beide Male verstrickt der Mann sich hoffnungslos und eher passiv in die Netze schöner Frauen und taumelt dem Abgrund entgegen.
Auch Myriam umgibt von Anfang an ein Geheimnis. Denn warum sollte die frisch Verheiratete sich ausgerechnet mit dem Lehrer ihrer Stieftochter einlassen, während ihr Mann auf einer lebensgefährlichen Auslandsmission ist?
Das Bonusmaterial der DVD ist mit einem Making of und Interviews erfreulich informativ ausgefallen. Vor allem wenn Arnaud und Jean-Marie Larrie über den Film sprechen.

Liebe ist das perfekte Verbrechen - DVD-Cover 4

Liebe ist das perfekte Verbrechen (L’amour est un crime parfait, Frankreich 2013)
Regie: Arnaud Larrieu, Jean-Marie Larrie
Drehbuch: Arnaud Larrieu, Jean-Marie Larrie
mit Mathieu Amalric, Karin Viard, Maïwenn, Sara Forestier

DVD
Alamode Film
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Französisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interviews, Making of, Trailer, Wendecover
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Djian - Die Rastlosen

Philippe Djian: Die Rastlosen
(übersetzt von Oliver Ilan Schulz)
Diogenes, 2014
224 Seiten
10,90 Euro

Deutsche Erstausgabe
Diogenes, 2012

Originalausgabe
Incidences
Éditions Gallimard, 2010

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Liebe ist das perfekte Verbrechen“

Perlentaucher über Philippe Djian

Wikipedia über Philippe Djian (deutsch, englisch, französisch) und „Liebe ist das perfekte Verbrechen“ (deutsch, englisch, französisch)


Henrik Tikkanen, wohnhaft in „Brändövägen 8 Brändö. Tel. 35“

Januar 2, 2015

Tikkanen - Brändövägen 8 Brändö Tel 35

In seiner Heimat ist Henrik Tikkanen heute, dreißig Jahre nach seinem Tod, immer noch bekannt. Bei uns ist er dagegen absolut unbekannt. Ältere Semester kennen vielleicht noch seine Frau Märta Tikkanen. Vor allem für ihren Roman „Wie vergewaltige ich einen Mann?“ (1975), der auch kurz darauf verfilmt wurde, und der in feministischen Kreisen diskutiert wurde.
Aber die Ereignisse, die Henrik Tikkanen in „Brändövägen 8 Brändö. Tel. 35“ schildert, fanden lange vor seiner Heirat mit Märta und seiner Karriere als politischer Karikaturist statt. In dem Buch erzählt er von seiner Kindheit und Jugend.
Tikkanen wurde 1924 als Kind einer vermögenden und angesehenen Familie geboren, die in Brändö, einem kleinen Ort bei Helsinki, lebt. Er gehört zur schwedischsprechenden Minderheit in Finnland: „Am besten wäre es, alles auf das Schicksal zu schieben, das mich in einem unmöglichen Land zur Welt kommen ließ, in dem knapp über drei Millionen Menschen leben, die eine Sprache sprechen, die kein anderer Mensch auf der Welt begreift. Damit nicht genug. In diesem Land sprechen meine Eltern eine andere Sprache, die lediglich ein Zehntel der Bevölkerung versteht. Die Ausdrucksweise meiner Eltern ist darüber hinaus von einer Art, die lediglich ein Hundertstel dieses Zehntels kapiert. Um den Rest des Volkes scheren sie sich ohnehin einen Dreck. Andererseits sind sie großzügig genug, das gesamte russische Volk zu hassen, das ihr nächster Nachbar ist. Selbstverständlich haben sie niemals versucht, Russisch zu lernen, sodass sie nicht ein Wort von dem verstehen, was zweihundert Millionen Menschen sagen und denken, und darauf sind sie stolz.“
Und weil Tikkanens Vater in Dresden studiert hatte und deshalb die Deutschen mochte, hatte Tikkanen ein deutsches Kindermädchen, das ihm als erste Sprache Deutsch beibrachte.
In einem Husarenritt geht es durch Tikkanens Kindheit und Jugend bis zum Kriegsende und die Familienmitglieder, die er herrlich respektlos als Ansammlung verkrachter Existenzen porträtiert, die aufgrund ihres Standes Narrenfreiheit genossen und reichlich Alkohol genossen.
In Finnland war „Brändövägen 8 Brändö, Tel. 35“, das mit dem Tod von Tikkanens Vater endet, ein Bestseller. Tikkanen schrieb in „Bävervägen 11 Hertonäs“ (1976) und „Mariengatan 26 Kronohagen“ (1977) seine Biographie fort.
Für uns ist der Roman eine kleine Entdeckung und ein Blick in ein anderes Skandinavien, vor allem ein Skandinavien abseits der dicken Kriminalromane und der alten Henrik-Ibsen-Stücke. Dank des scharfen satirischen Blicks und des ätzenden Sarkasmus ist „Brändövägen 8 Brändö, Tel. 35“ eine etwas andere Familiengeschichte, die mit treffenden Aphorismen über das Leben und die Politik gewürzt wird, wie „Zu versuchen, ein Land davon abzubringen, einen Krieg anzufangen, war außerdem eine Einmischung in dessen innere Angelegenheiten, doch zu kämpfen und das andere Land zu erobern war völlig in Ordnung.“
Allerdings empfiehlt es sich, das Buch mit dem Nachwort von Karl-Ludwig Wetzig, der die Biographie auch übersetzte, zu beginnen. Denn dort werden einige Hintergründe erklärt, die, als die Biographie 1975 erschien, allgemein bekannt waren, aber die wir nicht kennen.

Henrik Tikkanen: Brändövägen 8 Brändö. Tel. 35
(übersetzt von Karl-Ludwig Wetzig)
Verbrecher Verlag, 2014
152 Seiten
22 Euro

Originalausgabe
Brändövägen 8 Brändö. Tel. 35
1975

Hinweis
Wikipedia über Henrik Tikkanen


Das „Mountain Home“ und „Die Farm“ sind unter Beschuss

Dezember 27, 2014

MacLeod - Mountain HomeAnnas - Die Farm

Zwei Debüts, zwei kurze Thriller und zweimal die gleiche Prämisse: in einem Haus kämpfen mehrere Menschen gegen einen Schützen, der sie umbringen will. Einmal ist es ein Restaurant in den Bergen von Idaho, einmal eine Farm in Südafrika. Und beide Male verschwendet der Autor nicht viel Zeit mit Vorgeplänkel.
Abgesehen davon sind die beiden Romane sehr unterschiedlich geraten. Bracken MacLeods Geschichte „Mountain Home“ spielt in einem einsam gelegenem Diner in den Wäldern von Idaho, das vor allem damit wirbt, dass man im „Mountain Home Kitchen“ sein Essen ungestört von Handy-Telefonaten führen kann, weil es hier keinen Empfang gibt. Das Restaurant liegt an einem Abhang und versperrt Joanie Myer, einer Ex-Soldatin (12 Jahre United States Air Force, mit Kampfeinsätzen) und Scharfschützin, die Sicht auf die wunderschönen, unberührten Berge und Wälder. In dem Diner, gegen das sie erfolglos klagte, wird sie von dem aasigen Chef nicht bedient. Immerhin hat sie ein Hausverbot. Nur Lyn Lowry, eine junge Bedienung, die eigentlich Zeichnerin werden will, bedient sie. Joanie findet Lyn daher auch ganz sympathisch und eigentlich hoffte sie, dass Lyn bereits auf dem Heimweg ist, wenn sie ihren Racheplan in die Tat umsetzt und alle Menschen, die im „Mountain Home Kitchen“ sind, umbringt. Mit ihren ersten Schüssen tötet sie zwei geizige Gäste. Danach beginnen die Menschen im Diner um ihr Überleben zu kämpfen und Lyn wird ihre mal mehr, mal weniger akzeptierte Anführerin.
Schnell wissen die Eingeschlossenen, dass Joanie sie alle töten will. Sie will eine Botschaft senden. Erst später entdecken sie eine Bombe am neben dem Restaurant stehendem Gastank. Außerdem gibt es, um das Gebäude herum, Sprengfallen, die eine Flucht aus dem Haus in den Wald verhindern sollen.
„Mountain Home“ ist ein echter Pageturner, bei dem die Charaktere zwar sparsam, aber mehr als ausreichend charakterisiert sind, es einige überraschende Wendungen gibt und auch die Kriegseinsätze des US-Militärs und die Zusammenarbeit mit privaten Sicherheitsfirmen werden angesprochen. Das etwas über zweihundersteige Buch ist ein beeindruckendes Debüt, das neugierig auf die nächsten Bücher von Bracken MacLeod macht und sich vorzüglich für eine Verfilmung eignet.
„Die Farm“ von Max Annas liest sich schon wie ein Drehbuch, das mit dem ersten Schuss beginnt. Unbekannte schießen auf Franz Muller und Kobus Prins. Prins wird erschossen. Muller und alle anderen, die sich in dem Moment vor dem Farmhaus aufhalten, flüchten vor den Kugeln in das einsam gelegene Haus und beginnen sich zu wehren. Denn Waffen haben sie mehr als genug im Haus. Schnell gibt es auf beiden Seiten Leichen, die uns alle egal sind, weil wir oft nur ihren Namen kennen.
Denn die dürre Drehbuchprosa verrät uns nichts über die einzelnen Charaktere. Auch der Ort wird nicht näher beschrieben und die vielen Szenenwechsel werden normalerweise ohne Orts- und Namensnennungen (was es beides in einem Drehbuch gibt) eingeleitet. Diese knappe Sprache erschwert oft die Orientierung in der vorhersehbaren Geschichte und sie verhindert jede Identifikation mit den Charakteren.
Auch die Geschichte läuft, im Gegensatz zu „Mountain Home“, ohne Überraschungen ab. Die Schützen sind eine Bande von Verbrechern, die an die von ihnen im Haus vermuteten Wertsachen wollen. Die Eingeschlossenen wehren sich. Irgendwann kommen Nachbarn und auch die Polizei. Dazwischen gibt es einige Anmerkungen zur Situation in Südafrika, die ungefähr so tiefgründig wie eine Kurzmeldung in einer Zeitung sind.
Insgesamt verfolgt man die Geschichte, emotional desinteressiert, wie einen telegraphierten Kriegsbericht, bei dem einem die Namen der Gefallen nichts sagen und daher auch herzlich egal sind.
Dennoch steht „Die Farm“ von Max Annas bereits auf der KrimiZeit-Bestenliste. „Mountain Home“ von Bracken MacLeod sollte dort demnächst gebührend erwähnt werden.

Bracken MacLeod: Mountain Home
(übersetzt von Christian Siege und Felix F. Frey)
Festa, 2014
224 Seiten
13,95 Euro

Originaltitel
Mountain Home
Books of the Dead, 2013

Max Annas: Die Farm
Diaphanes, 2014
192 Seiten
16,95 Euro

Hinweise

Homepage von Bracken MacLeod

Bracken MacLeod twittert

Books of the Dead Press: Interview mit Bracken MacLeod

The Alchemy Press: Brandneues Interview mit Bracken MacLeod

Perlentaucher über Max Annas


Anthony Horowitz und „Der Fall Moriarty“

Dezember 17, 2014

Horowitz - Der Fall Moriarty - 2

Auch wenn sich „Der Fall Moriarty“ von Anthony Horowitz nicht so liest, ist es ein echter und typischer Rätselkrimi, bei dem letztendlich alles von der Auflösung abhängt und gerade deshalb ist eine Besprechung schwierig. Immerhin liegt ein großer Teil des Spaßes beim Lesen im Deuten und Enträtseln der vielen verschiedenen Spuren und natürlich im Versuch, die Lösung möglichst früh herauszufinden. Da verdirbt jeder Hinweis auf die richtige Lösung natürlich etwas von genau diesem Spaß; was jetzt nicht heißt, dass „Der Fall Moriarty“ beim zweiten Lesen, wenn man die Lösung kennt (oder sich auf Wikipedia informiert), eine reizlose Lektüre wäre. Denn der Roman reiht sich gelungen in die Reihe von Filmen mit einem Twist-Ende ein, die inzwischen Kultfilme sind. Ich sage nur „Fight Club“, „Die üblichen Verdächtigen“ und „The sixth Sense“, bei denen ich das Ende nicht vorhersah und mich im Nachhinein auch nicht betrogen fühlte, oder, um ein neueres Beispiel zu nennen, „Shutter Island“, bei dem ich das Ende schon im Trailer vorhersah (genaugenommen dachte ich „Oh Gott, die haben eben die Pointe verraten.“) und mir Dennis Lehanes Roman wesentlich besser als die Verfilmung gefällt. Doch genug der zeilenschindenden Abschweifungen und zurück in das viktorianische England.
„Der Fall Moriarty“ beginnt 1891 unmittelbar nach dem tödlichen Kampf von Sherlock Holmes und Professor James Moriarty, einem die Unterwelt von London beherrschenden, hochintelligenten Verbrecherchef. Beide stürzten in den Reichenbachfall und starben. Jedenfalls glaubten das damals alle.
Aber was geschah damals wirklich? Denn, und da verrate ich kein großes Geheimnis, Sherlock Holmes tauchte Jahre später quicklebendig wieder auf.
Auch der Erzähler von „Der Fall Moriarty“ hat schon damals seine Zweifel am Tod von Sherlock Holmes. Jedenfalls zerpflückt er auf den ersten Seiten die von Dr. John Watson aufgeschriebene Geschichte „Das letzte Problem/Sein letzter Fall“ (The final problem) über den Kampf von Sherlock Holmes und Professor Moriarty. Danach trifft der Ich-Erzähler, Pinkerton-Detektiv Frederick Chase, in Meiringen auf den Scotland-Yard-Ermittler Athelney Jones. Und dieser Jones, ein selbsternannter Sherlock-Holmes-Bewunderer, der wie Sherlock Holmes auftritt und entsprechend scharfsinnig schlussfolgert, ist deutlich intelligenter als der Athelney Jones, der in der von Anthony Horowitz geschriebenen Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte „Die drei Königinnen“ (The Three Monarchs, kostenlos als eBook erhältlich) auftritt und Holmes und Watson bei einem seiner Fälle um Hilfe bittet.
Chase kam aus den USA nach England und dann direkt in die Schweiz, weil er hoffte, über Professor Moriarty an Informationen über den US-amerikanischen Gangster Clarence Devereux, dessen Gesicht noch niemand gesehen hat, zu kommen.
Die beiden Ermittler verbünden sich. Denn in London droht ein Krieg zwischen amerikanischen und englischen Verbrechern, wobei die Amerikaner, im Gegensatz zu den Briten, vor nichts zurückschrecken.
Das ist, wie schon Anthony Horowitz‘ erste Sherlock-Holmes-Geschichte flott geschrieben und voller Lokal- und Zeitkolorit und es passiert wirklich genug auf den über dreihundert Seiten, um einen effektiv vom Nachdenken über die Lösung abzuhalten. Ich jedenfalls habe sie nicht vorhergesehen, habe aber danach alle Spuren und Hinweise erkannt.
Im Moment schreibt der enorm produktive Anthony Horowitz, der bei uns vor allem für seine Alex-Rider-Jugendbücher bekannt ist, den nächsten James-Bond-Roman und nachdem die Bond-Romane von Sebastian Faulks, Jeffery Deaver und William Boyd aus den verschiedensten Gründen scheiterten, freue ich mich jetzt wirklich auf den neuen James-Bond-Roman.
Und jetzt muss ich mich endlich an die schriftliche Version meines Interviews mit Anthony Horowitz machen. Wobei „endlich“, wie mir mein Kalender sagt, irgendwann zwischen Ende dieser Woche und Weihnachten ist.

Anthony Horowitz: Der Fall Moriarty
(übersetzt von Lutz-W. Wolff)
Insel, 2014
352 Seiten
19,95 Euro

Originaltitel
Moriarty
Orion Books, 2014

Hinweise

Homepage von Anthony Horowitz

Suhrkamp über „Der Fall Moriarty“

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Die “Inspector Barnaby”-Fälle von Anthony Horowitz


„Gut leben – früh sterben“, „Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir“ und „Die Härte, der Reichtum und die Weite“ – Ein kurzer Blick auf einige neuere Kurzgeschichten und Essays von Frank Göhre

Dezember 15, 2014

Göhre - Gut leben - früh sterben - 2

Erstens: Frank Göhre ist kein Hamburger. Er lebt nur dort. Seit über dreißig Jahren. Geboren wurde er am 16. Dezember 1943 in Tetschen-Bodenbach. Aufgewachsen ist er in Bochum und nach einigen Umwegen landete er dann in Hamburg.
Zweitens: Ich habe keine Ahnung, ob der Kiez-Chronist wirklich der beste Hamburg-Autor ist. Immerhin gibt es noch Robert Brack und etliche Autoren kenne ich nicht oder würde sie nicht unbedingt mit Hamburg verbinden, auch wenn ihre Geschichten mehr oder weniger in der Stadt spielen. Aber die meisten Romane und Kurzgeschichten von Frank Göhre sind ohne die Stadt und ihre besondere Melange von Politik und Verbrechen nicht denkbar.
Drittens: In „Gut leben – früh sterben: Stories von unterwegs“, dem neuesten Sammelband mit Essays und Kurzgeschichten von Frank Göhre, begibt er sich auch an Orte außerhalb der Hansestadt. Es sind Marakesch (die mit eigenen Betrachtungen gewürzte Textcollage „Hotel Marrakesch“), die USA („Jane, Baby Jane“, „’Spenser, mein Name ist Spenser‘ – Ein Porträt in Selbstaussagen“, „Ein alkoholkranker Cop“ [über „Spenser“-Erfinder Robert B. Parker und Jesse Stone]), deutsche Städte (obwohl ich lieber Örtlichkeiten sagen würde), wie Bad Hamm („Gut leben, früh sterben“), Werne („In Werne hoch zu Pferde“), Breuberg („Breuberger Bilder“), und „Schlaf, Kindchen, schlaf“, Göhres Beitrag zu dem Kettenroman „Gipfeltreffen“, einem hoffnungslos vermurksten, erbärmlich gescheiterten und unlesbarem Werk, das einiges über den Zustand der deutschen Krimiszene aussagt und mir gründlich die Lust an den Werken von einigen deutschen Kriminalromanautoren nahm. Nur Göhre nahm damals die selbstgestellte Aufgabe ernst. Es gibt mehrere, in Hamburg spielende Geschichten und Reportagen und, als eine der wenigen Erstveröffentlichungen, „Kino“, eine Erinnerung an seine Jugend und das Kino.
Die meisten Texte sind schon an anderen Orten, teils in thematischen Kurzgeschichten-Sammlungen (wie verschiedene „Mord am Hellweg“-Anthologien oder „Tatorte Odenwald“), teils im Internet, teils als Nachworte oder als Bonusgeschichten bei Neuauflagen von seinen Romanen erschienen. Insofern ist „Gut leben – früh sterben“, wie „Seelenlandschaften“ und „I and I“ eine handliche Zusammenstellung von bereits bekannten, kürzeren Werken, die sich eher an den Göhre-Fan und weniger an den Göhre-Neueinsteiger, für den es dann doch zu speziell und eklektisch wird, richtet.

Göhre - Du fährst nach Hamburg ich schwör s dir - Ein HeimatfilmGöhre - Die Härte der Reichtum und die Weite - Ein Heimatfilm

Ganz in Hamburg ist er in „Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir – Ein Heimatfilm“ und „Die Härte, der Reichtum und die Weite – Ein Heimatfilm, Teil II“, die am Stück gelesen, eine Chronik von Hamburg zwischen den späten Fünfzigern und frühen Achtzigern entwerfen. Dabei verbindet er, wie auch in anderen Essays, die Geschichte von Hamburg, vor allem von St. Pauli, mit dort spielenden Filmen, die ein quasi-dokumentarisches Bild ihrer Entstehungszeit geben. Es sind, in „Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir“
Francesco Rosis Gastarbeiterdrama „Auf St. Pauli ist der Teufel los“ (1959), einige von Jürgen Rolands Kiezfilmen, beginnend mit „Polizeirevier Davidswache“ (1964) (dieser Text erschien als „Es war einmal St. Pauli“ in einer leicht anderen Form in „Jürgen Roland und seine St. Pauli-Filme“ und in „Geile Meile“) und Klaus Lemkes „Rocker“ (1971), und, in „Die Härte, der Reichtum und die Weite“, Roland Klicks „Supermarkt“ (1974), Hark Bohms „Nordsee ist Mordsee“ (1976) und Vadim Glownas „Desperado City“ (1980). Alle Filme eint, neben den Schauplatz Hamburg und dass sie sich auf die Schattenseiten der Stadt konzentrieren, dass sie, so populär und erfolgreich sie bei ihrem Kinostart waren, sie heute, dank weitgehend ausbleibender TV-Wiederholungen und DVD-Veröffentlichungen, nur noch bei Cineasten bekannt sind.
Beim Lesen von Göhres Filmbetrachtungen (die Lust auf ein Wiedersehen der Filme machen) fällt immer wieder auf, wie viel sich in den vergangenen Jahrzehnten änderte. Die Erziehungsheime, über die Ulrike Meinhof in „Bambule“ schrieb, gibt es nicht mehr, Homosexuelle werden nicht mehr verfolgt, das damalige St. Pauli (und damit auch das heute immer noch populäre Bild vom Nachtleben auf der Reeperbahn) gibt es nicht mehr und die kleinen Geschäfte sind Franchise-Unternehmen gewichen. Es fällt auch auf, dass es heute diese Art von quasi-dokumentarischen Spielfilmen nicht mehr gibt. Spontan fällt mir nur Edward Bergers „Jack“ ein, das als ein zeitgemäßes Update von Hark Bohms „Nordsee ist Mordsee“ gesehen werden kann.
Und jetzt sollte Frank Göhre sich an den dritten Teil seines Heimatfilms machen. Immerhin gibt es die „Nachtschicht“-Kriminalfilme von Lars Becker, die tief in das Hamburger Leben eintauchen. Oder Fatih Akins „Kurz und schmerzlos“. Oder Christian Alvarts in den frühen Sechzigern spielende „Banklady“. Und vielleicht gibt es noch einige weitere spannende Hamburg-Filme, die mir gerade nicht einfallen.
Aber davor darf er in aller Ruhe seinen Geburtstag feiern.

Frank Göhre: Gut leben – früh sterben: Stories von unterwegs
Pendragon, 2014
288 Seiten
11,99 Euro

Frank Göhre: Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir – Ein Heimatfilm
CulturBooks, 2014
65 Seiten
4,99 Euro

Frank Göhre: Die Härte, der Reichtum und die Weite – Ein Heimatfilm, Teil II
CulturBooks, 2014
45 Seiten
3,99 Euro

Hinweise

Homepage von Frank Göhre

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der letzte Freier“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Zappas letzter Hit“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „St. Pauli Nacht“ (2007, überarbeitete Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „An einem heißen Sommertag“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Abwärts“ (2009, Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Seelenlandschaften – Annäherungen, Rückblicke“ (2009)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der Auserwählte“ (2010)

Meine Besprechung von Frank Göhres “Die Kiez-Trilogie” (2011)

Meine Besprechung von Frank Göhres „I and I – Stories und Reportagen“ (2012)

Meine Besprechung von Frank Göhres “Geile Meile” (2013)

Frank Göhre in der Kriminalakte


75 Jahre Batman – und Bruce Wayne darf sich immer noch nicht ausruhen

Dezember 10, 2014

Batman Anthologie - 2

Nein, wie ein 75-jähriger sieht Bruce Wayne wirklich nicht aus. Auch körperlich ist der reiche Playboy und Wohltäter für einen so alten Mann erstaunlich fit. Aber Batman ist ja nur ein Comic-Charakter, der vor 75 Jahren sein erstes Abenteuer erlebte.
Seinen ersten Auftritt hatte der von Bob Kane erfundene Verbrechensbekämpfer als Bat-Man im Mai 1939 in „Detective Comics 27“ in der sechseitigen Geschichten „Der Fall des Chemiesyndikats“, einer typischen Kriminalgeschichte, in der ein maskierter Verbrechensbekämpfer handfest für Recht und Ordnung sorgt nachdem ein Chemiefabrikant ermordet wird und sein Sohn der Mörder sein soll. Die bekannte Ursprungsgeschichte von Batman, die Ermordung seiner Eltern in einer Gasse mit ihm als Zeugen, wurde dann erstmals im November 1939 in „Detective Comics 33“ als Zweiseiter erzählt.
Diese beiden Geschichten sind, neben achtzehn weiteren Batman-Geschichten, in der „Batman Anthologie“ enthalten, die für Neueinsteiger und langjährige Fans gleichermaßen lesenswert ist. Immerhin spannen die Herausgeber der Anthologie den Bogen von den ersten Auftritten des Helden bis in die Gegenwart mit wichtigen Geschichten, in denen teilweise legendäre Freunde und Gegner zum ersten Mal auftraten und es neue Entwicklungen und interessante Abwege im „Batman“-Kosmos gab. So schrieb „Captain Future“-Autor Edmond Hamilton 1955 eine Geschichte über einen Batman aus dem Jahr 3055, der zusammen mit dem Gegenwart-Batman gegen Bösewichter kämpft, und 1958 ließ er Batman, Robin und Superman gemeinsam gegen Bösewichter kämpfen. Außerdem zeigen die Geschichten, wie sehr sich der Comic in den vergangenen Jahrzehnten veränderte. So hat der Zeichenstil der ersten „Batman“-Geschichten nichts mehr mit dem heutigen Stil zu tun und die Geschichten wurden länger und komplexer, was die Auswahl bei den neuen Geschichten schwierig macht. Denn aus achtseitigen, nicht miteinander zusammenhängenden Geschichten wurden teilweise sich über mehrere Hefte erstreckende Geschichten und auch mal mehrere hundert Seiten lange Epen.
Zu den zwanzig Comics gibt es kurze Texte, die die Bedeutung der Geschichte und die Wandlungen bestimmter Charaktere im „Batman“-Kosmos erläutern. Die „Batman Anthologie“ vereint gelungen Information mit Entertainment mit dem Entdecken alter Geschichten, die sonst kaum erhältlich sind.
Mehr in die Gegenwart geht es mit David Laphams „Stadt der Sünde“ (City of Crime), ursprünglich erschienen 2005/2006 in Detective Comics # 800 – 814. In dieser langen Geschichte kämpft Bruce Wayne gegen „Die Körper“; – etwas, das aus Menschen willenlose Kreaturen aus Dreck und Erde macht.
Als eigenständige Geschichte überzeugt Laphams Werk nicht wirklich, weil der Gegner zu gesichtslos bleibt und die meisten Bösewichter (auch altbekannte Batman-Gegner) zu grotesk sind, während in anderen Teilen ein Noir-Porträt einer Großstadt gezeichnet wird. Ein großer Teil der Geschichte spielt Crown Point, einem Hafenarbeiterviertel, das direkt aus den vierziger Jahren zu stammen scheint.
Nach dem bislang letzten Neustart aller DC-Serien 2011 wurden und werden noch einmal die Ursprungsgeschichten von Batman, seiner Freunde und Gegner, erzählt. Natürlich mit anderen Schwerpunkten und Akzenten.
In dem Sammelband „Der Herrscher von Gotham“ übernahmen Autor John Layman und Zeichner Jason Fabok das Ruder bei den Detective Comics. In dem Comicbuch erzählen sie den Anfang der Geschichte von Ignatius Ogilvy, der rechten Hand des Pinguins, der als Kaiser Pinguin die Macht in Gotham übernehmen will und Oswald Chesterfield Cobblepot, der sich als Gangsterboss Pinguin nennt, vernichten will. Außerdem bereitet er Batman etliche Probleme.
Mit „Liebe und Wahn“ setzt Thriller-Autor Gregg Hurwitz in „Batman – The Dark Knight“ seine Batman-Geschichten fort. In „Liebe und Wahn“ wird die Ursprungsgeschichte von Jervis Tetch, dem Mad Hatter, neu erzählt. Gleichzeitig kämpft Batman in der Gegenwart gegen ihn. Denn als Chef einer Gangsterbande entführt der Mad Hatter wahllos Menschen und tötet sie, wenn sie sich nicht seinen Wünschen beugen. Auch Bruce Waynes neue Freundin Natalya Trusevich ist eines seiner Opfer.
„Der Herrscher von Gotham“ und „Liebe und Wahn“ sind willkommene Ergänzungen im Batman-Kosmos.
Ausgehend von Batmans Kampf gegen den Rat der Eulen (erzählt von Scott Snyder und Greg Capullo in den „Batman“-Sammelbänden „Der Rat der Eulen“ und „Die Stadt der Eulen“), eine seit Jahrhunderten in Gotham bestehenden Geheimloge, erzählt der hauptsächlich von Scott Snyder und James Tynion IV geschriebene vierhundertseitige „Talon“-Megaband „Der Geheimbund von Gotham“ die Geschichte von Calvin Ross, einem Talon. Der vom Rat der Eulen ausgebildete Killer kehrt nach dem Ende der Loge nach Gotham zurück und muss erfahren, dass der Rat der Eulen immer noch existiert. In dieser in Gotham spielenden Geschichte hat Batman nur eine Nebenrolle.

Batman Anthologie – 20 legendäre Geschichten über den Dunklen Ritter
(übersetzt von Michael Bregel, Jörg Fassbender, Monja Reichert)
Panini Comics, 2014
372 Seiten
29,99 Euro

Lapham - Batman - Stadt der Sünde - Hardcover - 2Lapham - Batman - Stadt der Sünde - Softcover - 2

David Lapham/Ramon Bachs/Nathan Massengill: Batman: Stadt der Sünde
(übersetzt von Steve Kups)
Panini Comics, 2014
292 Seiten
24,99 Euro

Originalausgabe/enthält
Detective Comics 800 – 814
DC Comics, Januar 2005 – Februar 2006

Layman -Batman Detective Comics - Der Herrscher von Gotham - 2

John Layman/Jason Fabok/Andy Clarke: Batman Detective Comics: Der Herrscher von Gotham (Band 3)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini Comics, 2014
284 Seiten
19,99 Euro

Originalausgabe/enthält
Detective Comics 13 – 20
DC Comics, Dezember 2012 – Juli 2013

Hurwitz - Batman - Liebe und Wahn - 2Hurwitz - Batman - Liebe und Wahn - Hardcover - 2
Gregg Hurwitz/Ethan van Sciver/Szymon Kudranski: Batman – The Dark Knight: Liebe und Wahn (Band 3)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini Comics, 2014
180 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe/enthält
Batman: The Dark Knight 16 – 21, Batman: The Dark Knight Annual 1
DC Comics, März 2013 – August 2013

Snyder - Talon - Der Geheimbund von Gotham - 2
Scott Snyder/James Tynion IV/Marguerite Bennett/Tim Seeley/Christy Marx: Talon: Der Geheimbund von Gotham
(übersetzt von Alexander Rösch)
Panini Comics, 2014
404 Seiten
30 Euro

Originalausgabe/enthält
Talon 0 – 17, Detective Comics 19 (III), Birds of Prey 21
DC Comics, November 2012 – Mai 2014

Hinweise

DC Comics über Batman

Wikipedia über Batman (deutsch, englisch)

Homepage von Gregg Hurwitz

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santoloucos “American Vampire – Band 2″ (American Vampire, Vol. 6 – 11, 2010/2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezeljs “American Vampire – Band 3″ (American Vampire, Vol. 12 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Sean Murphys “American Vampire – Das Überleben des Stärkeren, Band 4″ (American Vampire: The Survival of the Fittest, 2011)
Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams’ “All-Star Batman” (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)
Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Batman: Kaputte Stadt” (Batman: Broken City, 2003/2004)

Meine Besprechung von Gregg Hurwitz/David Finchs „Batman – The Dark Knight: Angst über Gotham (Band 2)“ (Batman: The Dark Knight # 10 – 15, August 2012 – Februar 2013)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Greg Capullos „Batman: Der Rat der Eulen (Band 1)“ (Batman # 1 – 7, November 2011 – Mai 2012)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Greg Capullos „Batman: Die Stadt der Eulen (Band 2)“ (Batman # 8 – 12, Juni 2012 – Oktober 2012)

Homepage von Chew/John Layman

Comicgate: Interview mit John Layman (5. März 2011)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Leichenschmaus (Band 1)“ (Chew Vol. 1: Taster’s Choice, 2009)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Reif für die Insel (Band 2)“ (Chew: International Flavor, 2010)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Eiskalt serviert (Band 3)“ (Chew Vol. 3: Just Desserts, 2010)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Flambiert (Band 4)“ (Chew, Vol. 4: Flambé, 2011)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Erste Liga“ (Band 5) (Chew Vol. 5: Major Legue Chew, 2012)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Space Kekse (Band 6)“ (Chew Vol. 6: Space Cakes, 2013)

Meine Besprechung von David Lapham (Autor)/Kyle Bakers (Zeichner) “Deadpool MAX: Lang lebe Hydra!” (Deadpool MAX 7 – 12, 2011)


Thriller-Autoren betreiben in „FaceOff – Doppeltes Spiel“

Dezember 9, 2014

Baldacci HRSG - FaceOff - 2

Die Idee für den neuesten Sammelband der International Thriller Writers (ITW), der internationalen Vereinigung von Thriller-Autoren hat etwas: bekannte Autoren lassen in einer Kurzgeschichte ihre bekannten Charaktere aufeinandertreffen. Das sind
Patrick Kenzie trifft Harry Bosch (geschrieben von Dennis Lehane und Michael Connelly)
John Rebus trifft Roy Grace (geschrieben von Ian Rankin und Peter James)
Slappy, der Puppenmann trifft Aloysius Pendergast (geschrieben von R. L. Stine, Douglas Preston und Lincoln Child)
Malachai Samuels trifft D. D. Warren (geschrieben von M. J. Rose und Lisa Gardner)
Paul Madriani trifft Alexandra Cooper (geschrieben von Steve Martini und Linda Fairstein)
Lincoln Rhyme trifft Lucas Davenport (geschrieben von Jeffery Deaver und John Sandford)
Michael Quinn trifft Handyman Jack (geschrieben von Heather Graham und F. Paul Wilson)
Sean Reilly trifft Glen Garber (geschrieben von Raymond Khoury und Linwood Barclay)
Wyatt Hunt trifft Joe Troma (geschrieben von John Lescroat und T. Jefferson Parker)
Cotton Malone trifft Gray Pierce (geschrieben von Steve Berry und James Rollins)
Jack Reacher trifft Nick Heller (geschrieben von Lee Child und Joseph Finder)
Und die Idee, das muss ehrlich gesagt werden, ist auch das beste an „FaceOff – Doppeltes Spiel“. Denn was auf dem Papier wie ein Zusammentreffen von James Bond und George Smiley oder von Georg Wilsberg und Frank Thiel/Karl-Friedrich Börne klingt, hat in der Ausführung mit einigen Problemen zu kämpfen. So sind die Romancharaktere nicht so bekannt wie die eben genannten Filmcharaktere, was dazu führt, dass man nicht alle Charaktere kennt. Außerdem sind die Seriencharaktere in Romanen etwas austauschbarer, weil sie vor allem bestimmte Prinzipien und eine Sicht auf die Welt verkörpern. Sie lösen im Roman die Ereignisse aus oder kanalisieren sie in einer bestimmten Form. Aber ein unverwechselbares und für alle sofort erkennbares Gesicht haben sie nicht. So ist die Aufregung über das Gesicht des neuen James-Bond-Darstellers jedesmal sehr laut, aber wenn ein Autor eine bekannte Serie fortführt, ist die Aufregung geringer und, siehe die verschiedenen Post-Ian-Fleming-James-Bond-Romane, anders. Denn es geht darum, wie sehr der neue Autor den Geist, vulgo den Tonfall, des Erfinders bewahrt.
Eben dieser unverwechselbare Erzählton eines Autors fehlt in „FaceOff“, weil hier immer zwei Autoren ihre Geschichten zusammen geschrieben haben. Es kann auch etwas am Übersetzer liegen. Denn während die Autoren normalerweise verschiedene Übersetzer haben, übersetzte hier Leo Strohm alle Geschichten.
Und normalerweise haben die Autoren einen ganzen Roman von oft deutlich über vierhundert Seiten, um ihre Geschichte zu erzählen. In „FaceOff“ haben sie nur so um die vierzig Seiten, was letztendlich ungefähr die Länge einer Action-Szene ist.
Das gesagt, ist „FaceOff“ natürlich für Thriller-Fans ein sehr interessanter Sammelband, weil hier erstmals bekannte Charaktere zusammen auftreten und bekannte Autoren gemeinsam eine Geschichte erzählen. Einige Autoren, wie Lee Child, schreiben fast nie Kurzgeschichten und natürlich ist der Kneipenabend von Jack Reacher und Nick Heller in „Entgeltliche Gegenleistung“ vergnüglich, wenn sie sich blind verstehen und während eines Baseballspiels schnell und handgreiflich für etwas Gerechtigkeit sorgen. Bei Wyatt Hunt und Joe Trona artet ein Angelausflug in eine Schlacht mit einem Drogenkartell aus. Sean Reilly und Glen Garber beginnen nach einem kurzen Stop in einer Raststätte, nachdem ein Bösewicht Glens Tochter entführt, eine halsbrecherische Autoverfolgungsjagd über die Autobahn. Die Begegnung von John Rebus und Roy Grace bewegt sich dann in den ruhigeren Gewässern einer Polizeiermittlung und Michael Quinn und Handyman Jack erleben eine infernalische Nacht.
Für Thriller-Novizen geben die elf Geschichten mit den kurzen Einführungen und den ziemlich ausführlichen Autorenbiographien einen guten Einblick in die derzeitige Thriller-Szene und zeigen auch ihre Bandbreite von traditionellen Detektivgeschichten (vor allem der fast achtzigseitige Auftritt von Lincoln Rhyme und Lucas Davenport) über halbe Gangstergeschichten bis hin zu Action-Thrillern, von rein rationalen Geschichten mit realistischen Protagonisten bis hin zu Begegnungen mit mehr oder weniger übersinnlichen Charakteren.
Und so ist „FaceOff“ eine unterhaltsame Zusammenstellung, die etwas an ein Benefiz-Konzert erinnert: die Stimmung ist gut, auch wenn die Musiker nicht ihr bestes Konzert geben.

David Baldacci (Herausgeber): FaceOff – Doppeltes Spiel
(übersetzt von Leo Strohm)
Goldmann, 2014
448 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
FaceOff
Simon & Schuster, 2014

Hinweis
Homepage der International Thriller Writers


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: James Gandolfinis Abschiedsvorstellung in Dennis Lehanes „The Drop – Bargeld“

Dezember 4, 2014

Der Schock war groß, als James Gandolfini am 19. Juni 2013 in Italien an einem Herzinfarkt starb. Er war erst 51 Jahre alt und, nach seinem Durchburch als Mafiosi Tony Soprano in „Die Sopranos“, ein allseits beliebter Schauspieler, der in Spielfilmen oft einprägsame Nebenrollen hatte. Zuletzt war er in „Zero Dark Thirty“ der CIA-Direktor oder in „Killing them softly“ ein Killer mit Burn-Out-Syndrom und Alkoholproblem. In der Liebeskomödie „Genug gesagt“ spielte er, untypisch für ihn, einen Liebhaber und in „The Drop“, seinem letzten Film, den desillusionierten Barbesitzer Marv (oder Cousin Marv, wie ihn allen nennen), dessen Lokal in Brooklyn eine Drop Bar ist. Also eine Bar, in der die Mafia für einen Abend ihr Straßengeld lagert und später abholt. Eines Abends, kurz nach Weihnachten, wird die Bar überfallen und eine Serie von tödlichen Ereignissen beginnt. Denn selbstverständlich will der tschetschenische Gangsterboss Chovka (Michael Aronov) sein Geld haben und „Skrupel“ ist dabei für ihn ein Fremdwort.
Marvs langjähriger und mit ihm verwandter Barkeeper Bob Saginowski (Tom Hardy), ein introvertierter Mann, der bei dem Überfall dabei war und Detective Torres (John Ortiz) sagte, dass einer der Gangster eine kaputte Uhr gehabt hatte, findet auf seinem Heimweg in einer Mülltonne einen Hund, den er, eher widerwillig, bei sich aufnimmt. Er befreundet sich mit Nadia (Noomi Rapace), die sich gut mit Hunden versteht und in deren Mülltonne der kleine Pitbull war.
Kurz darauf will Eric Deeds (Matthias Schoenaerts) seinen Hund wieder haben. Er ist der frühere Besitzer von Rocco, wie Bob das Welpen nannte, und Nadias gewalttätiger Ex-Freund. Bob weigert sich, aber Eric, der damit prahlt, den vor Jahren spurlos verschwundenen Richie ‚Glory Days‘ Whelan ermordet zu haben, wird nicht lockerlassen.
Und dann liegt im Hof von Cousin Marvs ein abgehackter Arm auf. An seinem Handgelenk ist die kaputte Uhr. Bob entsorgt das Körperteil ohne zu Zögern und ohne ein Wort zu sagen. Aber Marv ist nervös.
„The Drop“ ist ein düsterer, ruhig erzählter, in Brooklyn spielender Gangsterfilm, der nicht thrillen, sondern ein alltägliches Porträt eines Viertels und einiger seiner Bewohner entwerfen will. Das gelingt Michaël R. Roskam in seinem US-Debüt, nach seinem Spielfilmdebüt „Bullhead“ (Rundskop, 2011), auch vorzüglich. Dank der minimalistisch spielenden Schauspieler und der knappen Dialoge von Dennis Lehane („Mystic River“), der hier eine auf den ersten Blick einfache Geschichte erzählt, die dann doch ziemlich komplex und verdammt gut konstruiert ist.
Die Filmgeschichte basiert auf seiner Kurzgeschichte „Animal Rescue“, die Lehane zuerst zu einem Drehbuch ausbaute und dann als Roman wiedererzählte, wobei der Roman und der Film in einem interessanten Spannungsverhältnis stehen. Denn Lehane veränderte einige Details (so spielt der Roman nicht in Brooklyn, sondern in Boston) und plötzlich erscheint in der kleinen Gangstergeschichte vieles in einem anderen Licht, weshalb sich ein Vergleich von Buch und Film lohnt.

The Drop - Plakat

The Drop – Bargeld (The Drop, USA 2014)
Regie: Michaël R. Roskam
Drehbuch: Dennis Lehane
LV: Dennis Lehane: Animal Rescue, 2009 (erschienen in Dennis Lehane, Hrsg.: Boston Noir, Kurzgeschichte)
mit James Gandolfini, Tom Hardy, Noomi Rapace, Matthias Schoenaerts, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Michael Aronov, Morgan Spector, Michael Esper, Ross Bickell, James Frecheville, Tobias Segal, Patricia Squire, Ann Dowd
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Der Roman zum Film

Lehane - The Drop - Bargeld - 4

Dennis Lehane: The Drop – Bargeld
(übersetzt von Steffen Jacobs)
Diogenes, 2014
224 Seiten
19,90 Euro

Originalausgabe
The Drop
William Morrow, New York, 2014

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Drop“
Moviepilot über „The Drop“
Metacritic über „The Drop“
Rotten Tomatoes über „The Drop“
Wikipedia über „The Drop“ (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „In der Nacht“ (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung der Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes “Shutter Island” (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Die Pressekonferenz zum Film beim diesjährigen Toronto International Film Festival (TIFF) mit Michaël R. Roskam, Dennis Lehane, Tom Hardy, Noomi Rapace und Matthias Schoenarts


Wieder erhältlich: Joe R. Lansdale: Wilder Winter

November 25, 2014

Lansdale - Wilder Winter - Golkonda 2014 - 2

Die Fans von Hap Collins (weiß, hetero, Kriegsdienstverweigerer) und Leonard Pine (schwarz, schwul, Vietnamveteran) dürfen sich über die Wiederveröffentlichung von „Wilder Winter“ freuen. In den USA erschien der Roman bereits 1990. Aber obwohl der Rowohlt-Verlag in den Neunzigern zwei Collins-Pine-Bücher veröffentlichte und die kurzlebige Dumont-Noir-Reihe 2000 mit einem weiteren Band nachlegte, erschien „Wilder Winter“, der erste Collins-Pine-Roman, erst 2006 auf Deutsch, in der kurzlebigen, aber uneingeschränkt empfehlenswerten „Funny Crimes“-Reihe des Shayol-Verlages, einem Vorläufer vom Golkonda Verlag, wo inzwischen die Abenteuer von Hap Collins und Leonard Pine erscheinen.
In „Wilder Winter“ zerdeppern Hap Collins und Leonard Pine, als wir ihnen zum ersten Mal begegnen, gemütlich auf dem großen Feld hinter Haps Haus Tontauben, als seine frühere Freundin Trudy auftaucht und beide um einen Gefallen bittet. Für den bewaffneten Kampf gegen das System (wir reden von 1990) sollen sie ihr und ihren revolutionären Freunden das nötige Startkapital besorgen. Irgendwo im Sabine River bei einer Brücke liegt die Beute aus einem Banküberfall. Eine Million Dollar. Weil die Revolutionäre die Gegend nicht kennen, bitten sie die beiden Tagelöhner Hap Collins und Leonard Pine, mit dem Versprechen auf einen Teil der Beute, um Hilfe. Nachdem sie die Beute gefunden haben, stellen die Revolutionäre fest, dass es erheblich weniger als die erwartete Million ist und jeder die gesamte Beute für seine Pläne benötigt.
Joe R. Lansdale fragte sich in den späten achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, was aus den Idealen von 1968 wurde. Deshalb lässt er seinen Charakteren besonders im ersten Drittel von „Wilder Winter“ viel Zeit in Gesprächen über ihr Leben zu reflektieren. Wir erfahren, wie aus Revolutionären Kriminelle wurden, sich Menschen aus der Politik zurückzogen, was aus Vietnam-Veteranen wurde, warum einige immer noch an die Ideale von 1968 glauben und wie sich die US-amerikanische Gesellschaft zwischen 1968 und 1990 veränderte.
Dieses Thema integriert Joe R. Lansdale mühelos in die spannende Geschichte einer Schatzsuche und eines anschließenden Kampfes ums Überleben im winterlichen Texas.
Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ ist gleichzeitig ein spannender Krimi, eine glänzende schwarzhumorige Komödie und eine illusionslose Abrechnung mit den Idealen von 1968.
Für die Neuausgabe, natürlich mit einem neuen Cover, wurde die Übersetzung durchgesehen.

Joe R. Lansdale: Wilder Winter
(aus dem Englischen von Richard Betzenbichler und Katrin Mrugalla)
Golkonda, 2014
204 Seiten
16,90 Euro

Deutsche Erstausgabe
Shayol, 2006
200 Seiten

Originalausgabe
Savage Season
Bantam, 1990

Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Machos und Moneten“ (Captains Outrageous, 2001)

Mein Interview mt Joe R. Lansdale zu „Das Dickicht“ (The Thicket, 2013)


„Absolute Zero Cool“ – Declan Burke besucht Deutschland

November 17, 2014

Burke - Absolute Zero Cool

Jetzt bin ich doch noch nicht dazu gekommen, „Absolute Zero Cool“ von Declan Burke, einen Meta-Kriminalroman über eine Krankenhausaushilfe, die ihren Romanautor bequatscht, seine Rolle in dem Manuskript zu verändern, zu lesen und mit der Lesetourankündigung zu besprechen. Dehalb gibt es jetzt nur eine kleine Ankündigung seiner Lesetour.
In seiner Heimat ist Declan Burke, der auch die schöne „Crime Always Pays“-Seite betreibt, schon lange ein bekannter Name. In Deutschland wurde erst jetzt mit „Absolute Zero Cool“ einer seiner Kriminalromane übersetzt (von Robert Brack). Der Roman wurde mit dem Goldsboro Crime Fest Last Laugh Award 2012 für den witzigsten Krimi ausgezeichnet, stand auf der Shortlist des Irish Book Award 2011 (Kategorie »Crime Novel of the Year«) und zählte zu den Best Books of the Year der Sunday Times.
Declan Burke hat jetzt die Fahrt über die Nordsee gewagt, vergangene Woche schon zwei Lesungen überlebt und er hat noch zwei vor sich:
Montag, 17. November, 20.00 Uhr
BERLIN, »Moabiter Kriminale«
Dorotheenstädtische Buchhandlung, Turmstraße 5

Dienstag, 18. November, 20 Uhr
DORTMUND
Buchhandlung transfer Bücher und Medien, An der Schlanken Mathilde 3

Declan Burke: Absolute Zero Cool
(übersetzt von Robert Brack)
Edition Nautilus, 2014
320 Seiten
18 Euro

Originalausgabe
Absolute Zero Cool
Liberties Press, Dublin, 2011


Neue Bildergeschichten von Jason Starr und Denise Mina: „Wolverine MAX: Logan Extreme“ und „Stieg Larsson – Millenium: Verdammnis“

November 10, 2014

Mina - Stieg Larssons Verdammnis 1 - 2Starr - Wolverine MAX Logan Extrem - 2

Neben ihren Kriminalromanen schreiben Jason Starr und Denise Mina seit einiger Zeit auch Comics. Wobei Denise Mina im Moment den schwierigeren Part erwischt hat. Sie ist nämlich die Autorin der „Millenium“-Comics, die auf den drei Bestsellern von Stieg Larsson basieren, erfolgreich verfilmt wurden und enorm dickleibig sind. Zum Glück haben sie aber auch viel erzählerischen Ballast; Fett, das man umstandslos wegschneiden kann, ohne die Substanz der Geschichte zu gefährden.
„Verdammnis“, der zweite Roman von Stieg Larsson, bringt es auf 750 Seiten und er hat mir nicht gefallen. Die Verfilmung gefiel mir besser und Denise Minas Comic-Adaption liegt irgendwo dazwischen. Denn in dem ersten Band ihrer zweibändigen Comic-Adaption von „Verdamnis“ gibt es eigentlich nur Vorgeplänkel, das damit endet, dass die Polizei Lisbeth Salander als Mordverdächtige sucht. Sie soll Dag Svenson und Mia Johansson (Mia Bergmann im Roman und Film) getötet haben.
Bis dahin erfahren wir, dass Lisbeth, die beziehungsgestörte Computerhackerin das Land verlassen hatte, unter südlicher Sonne etwas erlebt, was für den Hauptplot vollkommen unwichtig ist, und jetzt wieder zurück in Stockholm ist. Zur gleichen Zeit ist der Womanizer-Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist für die Zeitschrift „Millenium“ mit dem Jungjournalisten Dag Svenson und dessen Freundin Mia Johansson an einer großen Story über osteuropäische Zwangsprostituierte und ihre Kunden in den höchsten Kreisen Schwedens dran.
Außerdem gibt es irgendwelche Verbrecher die Schandtaten planen, die hier noch nebulös sind. Wer aber den Roman gelesen oder den Film gesehen hat, weiß, was gespielt wird.
Denise Mina entfernt sich kaum von der Vorlage. Daher finden sich die Probleme des Romans auch in dem Comic, der sich wie ein spannungsfrei vor sich hin plätschernder Bericht aus dem Leben von Blomkvist und Salander liest, während man die ganze Zeit darauf wartet, dass die Geschichte, der Kriminalfall, erkennbar beginnt. Denn bei aller Sympathie für die Lage der Zwangsprostituierten, ist eine Zeitungsrecherche dazu, die sich vor allem darin erschöpft, die Fakten noch einmal zu überprüfen, nicht besonders spannend. Das gleiche gilt für eine sich unter südlicher Sonne aalende Lisbeth. Dafür endet der erste Comic-Band von „Verdamnis“ mit einem ordentlichem Cliffhanger und das Set-Up ist, wie wir aus dem Roman wissen, jetzt endlich abgeschlossen.
Im zweiten Band können unsere beiden Helden dann die Morde aufklären und die wahren Täter finden.
Der Erscheinungstermin vom zweiten „Verdamnis“-Band ist noch unklar.
Während Denise Mina bei ihrer Adaption von „Verdamnis“ in das Korsett von Stieg Larssons Roman gezwängt war, hatte Jason Starr bei seiner aus fünfzehn Heften bestehenden Wolverine-Geschichte, die jetzt mit dem dritten Sammelband „Logan Extrem“ endet, freie Hand, solange Wolverine ab und an seine Stahlkrallen ausfahren kann.
Nach einem Aufenthalt in Japan hatte Logan sein Gedächtnis verloren. In Los Angeles fand er einen Zettel, auf dem stand, dass er in Las Vegas die Antwort auf seine Fragen bekäme. Vor Las Vegas strandete er in einem Trailerpark, wo er als Extreme Fighter in Käfigen irgendwelche Muskelpakete verkloppt.
Eines Abends begegnet er Suzie (aka Li’l Rick aka Mother Night), einer Schönheit, die ihn hypnotisiert. Er soll Max Fisher umbringen. (Trotz der Namensgleichheit mit dem „Flop“-, „Crack“- und „Attica“-Protagonisten Max Fisher muss das hier ein anderer Max Fisher sein, der bei seiner Damenwahl ein ähnlich schlechtes Händchen hat.)
Als Logan kurz darauf in Las Vegas ist, erfährt er auch, wer ihm warum den Zettel zugesteckt hat. Und während dieser Teil von „Logan Extrem“ in Richtung klassischer Gangsterkrimi mit Casino-Mafiaboss und Mafia-Schlägern geht, ist der erste Teil des Comic-Buches ziemlich noir. Immerhin haben wir hier einen Protagonisten, der sein Gedächtnis verloren hat, nicht weiß, wem er vertrauen kann und der von einer Schönheit eiskalt ausgenutzt wird. Dass sie dann auch noch mit seinem eh schon matschigen Gedächtnis herumspielt, macht die Sache nur noch schlimmer für Logan.
Das dürfte Jason-Starr- und Wolverine-Fans gefallen.

Denise Mina/Leonardo Manco/Andrea Mutti/Antonio Fuso: Stieg Larsson Millenium: Verdamnis – Band 1
(übersetzt von Joachim Körber)
Panini Comics, 2014
140 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
The Girl who played with Fire
Vertigo/DC Comics, 2014

Vorlage

Larsson - Verdammnis - Filmcover - 2Larsson - Verdammnis - 2
Stieg Larsson: Verdammnis
(übersetzt von Wibke Kuhn)
Heyne, 2007
768 Seiten
9,95 Euro

Originalausgabe
Flickan Som Lekte Med Eldem
Norstedts Förlag, Stockholm, 2006

Jason Starr/Felix Ruiz/Roland Boschi: Wolverine MAX: Logan Extrem
(übersetzt von Michael Strittmatter)
Panini Comics, 2014
116 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe
Wolverine MAX 11 – 15: Extreme Logan, Chapter 1 – 5
Marvel, November 2013 – März 2014

Zuletzt erschienen bzw. die neuesten Geschichten von Denise Mina und Jason Starr ohne Bilder und mit vielen Buchstaben:

Mina - Das Vergessen - 2

Der vierte Fall für Detective Inspector Alex Morrow: ein Waffenhändler verübt, während er in Untersuchungshaft sitzt, einen Mord. Die Beweise sind eindeutig: seine Fingerabdrücke sind am Tatort. Aber er kann dort unmöglich gewesen sein.
Die „Irish Times“ meinte, dass der Tartan Noir sogar den besten Werken von Ian Rankin Konkurrenz mache.

Denise Mina: Das Vergessen
(übersetzt von Heike Schlatterer)
Heyne, 2014
352 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
The Red Road
Orion, 2013

Starr - Dumm gelaufen - 2
Jason Starrs neuester Roman „Dumm gelaufen“ ist eigentlich ein ganz alter Roman, der in den USA bereits 2003 erschien, in Brooklyn spielt und ein echter Noir ist.
Mickey, der seinen Studienabschluss etwas verschoben hat, um seinen Vater zu pflegen, platziert auch für Angelo Sportwetten. Aber Angelo verliert ständig, der Buchmacher will sein Geld und Mickey sitzt in der Patsche. Da hilft, immerhin sind wir in einem Jason-Starr-Roman, auch der todsichere Plan von Mickeys Freund zur Geldbeschaffung nicht.
Seine neuesten Thriller „The Pack“ (2011) und „The Craving“ (2012), die zu einer Serie gehören, in dem Werwölfe in New York leben, sind noch nicht übersetzt und ich habe auch keine Ahnung wann und ob sie überhaupt übersetzt werden.

Jason Starr: Dumm gelaufen
(übersetzt von Hans M. Herzog)
Diogenes, 2012
288 Seiten
14,90 Euro
10,90 Euro (Taschenbuch, erschienen 2014)

Originalausgabe
Tough Luck
Vintage Crime/Black Lizard, 2003

Hinweise

Homepage von Denise Mina

Mullholland Books: Interview mit Denise Mina über “Verblendung” (12. November 2012)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )

Meine Besprechung von Denise Mina/Leanordo Manco/Andrea Muttis „Stieg Larsson- Millennium: Verblendung – Band 2“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two, 2013)

 

Homepage von Jason Starr (sogar mit einigen Worten an seine deutschen Leser)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Jason Starrs “Brooklyn Brothers” (Lights Out, 2006)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Stalking“ (The Follower, 2007)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Panik“ (Panic Attack, 2009)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Wolverine MAX: Der Beschützer“ (Wolverine MAX – Volume Two, 2013)

Jason Starr in der Kriminalakte


Cover der Woche + Hinweis zur Abendgestaltung

November 4, 2014

Horowitz - Der Fall Moriarty

weil der zweite „Sherlock Holmes“-Roman von Anthony Horowitz ein Lesevergnügen ist, das unmittelbar nach dem legendären Reichenbachfall beginnt, der ja mit dem Tod von Sherlock Holmes und Professor James Moriarty endete. – Wirklich?

weil ich mich in einigen Minuten Mr. Anthony Horowitz treffe.

weil Anthony Horowitz heute Abend um 20.00 Uhr seinen Roman im Kriminaltheater Berlin (Palisadenstraße 48, 10243 Berlin) präsentiert. Dominic Raacke liest den deutschen Text. Knut Elstermann (radio eins) moderiert. Ich genieße.

Anthony Horowitz: Der Fall Moriarty

(übersetzt von Lutz-W. Wolff)

Insel Verlag, 2014

352 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

Moriarty

Orion Books, 2014

Hinweise

Homepage von Anthony Horowitz

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Die „Inspector Barnaby“-Fälle von Anthony Horowitz

 


Über Don Winslows neuen Kriminalroman „Missing. New York“ – und die Lesereise

November 2, 2014

Winslow - Missing New York - 2

Zwei Bücher von Don Winslow in einem Jahr – und beide sind in seiner Heimat noch nicht erschienen. Dort erscheint im Sommer 2015 „The Power of the Dog Part II“ (das ist wohl ein Arbeitstitel). Wieder, nach einem kurzen Intermezzo bei Simon & Schuster, bei seinem alten Verlag Alfred A. Knopf. Den Roman hat Droemer, Don Winslows deutscher Verlag, ebenfalls schon als „Jahre des Jägers“ für Anfang Juni angekündigt und er soll die Geschichte von „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005) nahtlos weiter erzählen.
Bis dahin können wir wohl schon den zweiten oder dritten Roman, der in den USA danach erscheinen wird, lesen. Und wie sein vorheriger Roman „Vergeltung“ spielt „Missing.New York“ nicht in der Welt der kalifornischen Surfer, der er sich literarisch zwischen 1997 (The Death and Life of Bobby Z.) und 2012 (The Kings of Cool) fast ausschließlich widmete und für die ihn seine deutschen Leser, auch weil sie seine früheren Krimis mit dem globetrottendem Privatdetektiv Neal Carey nicht kennen, kennen, lieben und identifizieren.
Der Held und Ich-Erzähler von „Missing.New York“ ist der vierunddreißigjährige Irak-Kriegsveteran und Kleinstadtpolizist Frank Decker. Der Zwei-Meter-Mann ist unglücklich verheiratet, aber ein guter Polizist mit dem Herzen am rechten Fleck. Deshalb geht ihm auch das spurlose Verschwinden der fünfjährigen, afroamerikanischen Hailey Marie Hansen in seiner Heimatstadt Lincoln, Nebraska, zu Herzen.
Als er sie nicht findet, kündigt er seinen Job. Immerhin hat er Haileys Mutter versprochen, ihre Tochter zu finden. Er beginnt quer durch die USA, begleitet von Bruce Springsteen (als Soundtrack, nicht persönlich), jede Spur zu verfolgen. Ergebnislos, bis er nach einem Jahr einen Anruf erhält. Die Anruferin hat ein paar Tage nach Haileys Verschwinden an einer Tankstelle ein Mädchen gesehen, das wie Hailey aussah.
Das ist für Decker die erste vielversprechende Spur. An dem Abend waren an der Tankstelle zur fraglichen Zeit zwei weitere Fahrzeuge. Eines gehört einem Alt-Hippie, der mit seiner Frau auf einem Hof in den Catskills in der Nähe von Woodstock (Wo sonst?) lebt. Das andere gehört einem vermögendem Glamour-Modefotografen, dessen Freundin wie eine ältere Ausgabe von Hailey aussieht.
„Missing. New York“, das der Auftakt für eine Serie mit Frank Decker als hartnäckigem Vermisstensucher sein soll, hat nichts mit den Surfer-Gangsterkrimis, für die Winslow bekannt ist, zu tun. Es ist ein absolut gradliniger Privatdetektiv-Krimi, der schnell gelesen, aber auch nicht erinnerungswürdig ist.
Frank Decker ist in seinem ersten Fall noch ein Ermittler ohne besonderes Charisma und Eigenschaften, aber mit einigen reaktionären Ansichten zu Kindesentführern und Sexualstraftätern, die sich unangenehm eindimensional im gesellschaftlichen Mainstream bewegen: „Ein Mann, der vorsätzlich einem Kind etwas antut, verwirkt seine Freiheit. Ob sie krank sind oder böse: Sie dürften nicht einfach frei herumlaufen.“ Da kann man bei einer Vernehmung dann auch mal Fünfe gerade sein lassen.
Im Gegensatz zu seinen vorherigen Gangsterromanen und auch den beiden Boone-Daniels-Privatdetektivromanen (von ihm würde ich gerne ein weiteres Abenteuer lesen) ist „Missing. New York“ Strandlektüre.
P. S.: Ein Lob an die Covergestaltung, die im Dunkeln ihren wahren Reiz entfaltet.

P. P. S.: Nachträglich noch Alles Gute zum Geburtstag, Don Winslow. Der war nämlich am 31. Oktober.

Don Winslow: Missing. New York
(übersetzt von Chris Hirte)
Droemer, 2014
400 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe
Missing. New York
Alfred A. Knopf (noch nicht erschienen und noch nicht angekündigt)

Don Winslow beehrt Deutschland, mit Abstechern nach Zürich und Wien

Sonntag, 2. November 2014, 18:30 Uhr Krimifestival München
Moderation: Denis Scheck – Deutsche Stimme: Dietmar Wunder
BMW-Welt, Am Olympiapark 1

Montag, 3. November 2014, 20 Uhr Krimifestival Lüneburg
Moderation: Johannes Kaiser – Deutsche Stimme: Dietmar Wunder
Palais am Werder / Hotel Bergström, Bei der Lüner Mühle

Dienstag, 4. November 2014, 21 Uhr lit.Cologne Köln
Moderation: Denis Scheck – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Funkhaus des WDR, Großer Sendesaal, Wallraffplatz 5

Mittwoch, 5. November 2014, 19:30 Uhr Mord am Hellweg Schwerte
Moderation: Günter Keil – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Rohrmeisterei Schwerte, Ruhrstr. 20

Donnerstag, 6. November 2014, 20:30 Uhr Mannheim
Moderation: Günter Keil – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Thalia Buchhandlung, P7, 22 – Planken, Mannheim

Freitag, 7. November 2014, 20:15 Uhr Braunschweig Krimifestival
Moderation: Antje Deistler – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Buchhandlung Graff, Sack 15, Braunschweig

Samstag, 8. November 2014, 20 Uhr Harbour Front Hamburg
Moderation: Philipp Schwenke – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Kühne Logistics University, The KLU. Großer Grasbrook 17, HH

Sonntag, 9. November 2014, 11 Uhr Berlin – Matinee
Moderation: Philipp Schwenke – Deutsche Stimme: Daniel Hoevels
Deutsches Theater Berlin, Schumannstr. 13a

Sonntag, 9. November 2014, 20 Uhr Göttingen
Moderation: Philipp Schwenke – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Altes Rathaus, Markt 9, Göttingen

Montag, 10. November 2014, 20 Uhr Erfurter Herbstlese
Moderation: Prof. Dietmar Herz – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Haus am Breitstrom (Ratsgymnasium), Meister-Eckehart-Str. 6

Dienstag, 11. November 2014, 20 Uhr Zürich
Moderation: Thomas Bodmer, Tages Anzeiger – Deutsche Stimme: Hanspeter Müller-Drossaart
Kaufleuten Zürich, Pelikanplatz

Mittwoch, 12. November 2014, 20 Uhr Buch Wien
Moderation: Florian Scheuba – Deutsche Stimme: Markus Hering
Eröffnungsveranstaltung Buch Wien, Messegelände

Hinweise

Hollywood & Fine: Interview mit Don Winslow (11. Juli 2012)

Homepage von Don Winslow (etwas veraltet, weil eigentlich eine Verlagsseite)

Deutsche Homepage von Don Winslow (von Suhrkamp)

Don Winslow twittert ziemlich oft

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte


Der Brenner nennt sich jetzt „Brennerova“

Oktober 29, 2014

Haas - Brennerova - 2

Jetzt ist schon wieder was passiert. Aber der neue Brenner-Roman „Brennerova“ von Wolf Haas beginnt nicht, wie schon „Der Brenner und der liebe Gott“, mit den klassischen Brenner-Worten, sondern so: „Früher hat man gesagt, die Russinnen.“
Und das ist nicht das einzig neue. Denn während Simon Brenner, Jahrgang 1950, früher als Privatdetektiv ermittelte, hat der Gerade-noch-Frührentner sich inzwischen vollständig aus dem Berufsleben zurückgezogen. Er lebt bei Herta. Als die zwangspensionierte Lehrerin ihn für einige Tage allein lässt, probiert Brenner gelangweilt eine Online-Kontaktseite aus. Er nennt sich Brennerova und erhält auf seine wenigen persönlichen Angaben auch eine Antwort von einer atemberaubend aussehenden Russin, die sich gerne mit ihm Treffen würde, aber letztendlich kein Geld hat. Brenner, immer noch der abgebrühte Polizist der alten Schule, ist davon nicht überrascht.
Als er sie dann in Nischni Nowgorod an der Wolga besucht (Frag nicht! Der Brenner hat halt eine weiche Seele und die Herta ist auch unterwegs.), ist die Frau, die ihn empfängt, auch nicht die Frau auf dem Bild. Das war Nadeshdas etwas schönere Schwester Serafima. Sie wurde von einem Fotograf überredet, mit ihm in den Westen zu gehen und dort eine Karriere als Model zu beginnen. Seitdem ist sie spurlos verschwunden. Brenner verspricht Nadeshda halbherzig, sich nach Serafima umzuhören. Denn eine Frau in irgendeinem Bordell irgendwo in Europa zu finden, ist ein Ding der Unmöglichkeit.
Zurück in Österreich erlebt er sein blaues Wunder. Denn Nadeshda steht plötzlich vor seiner Tür. Herta nimmt sie auf und fordert Brenner auf, Serafima ernsthaft zu suchen. Sowieso verstehen die beiden Frauen sich prächtig, während Brenner im Wiener Halbweltmilieu abtaucht.
„Brennerova“, der achte Brenner-Roman, markiert die endgültige Abkehr vom Kriminalroman. Natürlich ging Wolf Haas schon immer an die Genregrenzen. Brenners Ermittlungen gestalteten sich schon früher chaotisch und Haas‘ ganz eigene Sprache entzückte oder ließ einen entnervt nach der ersten Seite aufhören. Diese Sprache ist immer noch da. Auch der Ich-Erzähler, der die Brenner-Geschichte kommentierend erzählt und sie mit Betrachtungen über Gott und die Welt und Österreich anreichert. Aber während er sich früher (so mein damaliges Lesegefühl) zurückhielt, drängt er sich jetzt immer mehr in den Vordergrund, bis der Brenner zu einem Statisten in seiner Geschichte wird.
Wobei „Brennerova“ eigentlich keine Geschichte erzählt. Denn Brenners Suche nach Serafima im Milieu versandet ziemlich schnell und wird durch eine Entdeckung auf Seite135 beendet. Schon während seiner Suche nach Serafima arrangiert Herta eine Hochzeit zwischen Nadeshda und Brenner, damit die schöne Russin, die sie in ihr Herz geschlossen hat, in Österreich bleiben kann. Aber die Ausländerbehörde ist misstrauisch.
Die restlichen hundert Seiten, nachdem der Aufenthalt von Serafima geklärt ist, füllt Haas dann vor allem mit einer Reise von Herta in die Mongolei, wo sie prompt entführt wird, als Ex-Lehrerin schnell zur Sprecherin der Entführten und Geliebten des Anführers der Entführer aufsteigt. Sie verlangt auch, dass Brenner das Lösegeld übergibt.
Für Brenner-Fans ist „Brennerova“ natürlich ein willkommenes Wiedersehen mit dem Privatermittler, das sich vergnüglich lesen lässt, aber auch wie die beliebige Chronik aus einigen Monaten im Leben Brenners wirkt. Einen Kriminalfall gibt es nicht. Brenner stochert nur lustlos herum, lässt sich von den Frauen herumschubsen, sitzt am Krankenbett und überlässt Herta die Bühne. Dazu passt auch das offene Ende.

Wolf Haas: Brennerova
Hoffmann und Campe, 2014
240 Seiten
20 Euro


Jetzt besucht der Brenner auch noch Berlin
Am Mittwoch, den 5. November, liest Wolf Haas im Fritzclub aus Brennerova und plaudert mit dem Publikum.

Hinweise

Krimi-Couch über Wolf Haas

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Wolf Haas

Wikipedia über Wolf Haas

Meine Besprechung von Wolf Haas’ “Brenner und der liebe Gott” (2009)


Der Göhre, der „Rocker“, der „Supermarkt“ – eine Lesung in Hamburg am Samstag

Oktober 29, 2014

Eine richtige Lesung, in der der Autor seinen Text herunternuschelt und schüchtern die Fragen des wohlgesonnenen und gesitteten Publikums beantwortet, wird es am Samstag, den 1. November, im Alabama Kino (Jarrestraße 30, 22303 Hamburg) ab 21.00 Uhr nicht geben. Frank Göhre wird zwar seinen neuen Text „Die Härte, der Reichtum und die Weite“ (Culturbooks) vorstellen, aber zwei gut abgehangene, immer noch und immer wieder sehenswerte Filme werden die meiste Zeit beanspruchen. Denn zwischen den Leseteilen gibt es, endlich mal wieder im Kino, „Supermarkt“ (1973) von Roland Klick und „Rocker“ (1972, ursprünglich ein TV-Film) von Klaus Lemke.
Beide Filme spielen in Hamburg in den frühen Siebzigern und Zeigen die Schattenseiten der Großstadt. In „Supermarkt“ will ein kleinkrimineller Achtzehnjähriger einem Mädchen helfen, indem er einen Geldtransporter überfällt. In „Rocker“ rutscht ein Fünfzehnjähriger, nachdem sein älterer Bruder ermordet wird, in die Welt der Rocker und Zuhälter ab.
Frank Göhre, der mit seinen Romanen in den vergangenen Jahrzehnten eine Gegenchronik zu Hamburgs offizieller Stadtgeschichte schrieb, befasste sich in mehreren Essays auch mit anderen Autoren und Filmen, die ebenfalls die verbrecherische Seite Hamburgs zeigen.
In seiner Ankündigung schreibt CulturBooks:
Zu mehreren Hamburg-Filmen hat der Krimi- und Drehbuchautor Frank Göhre zwei eBooks veröffentlicht: „Du fährst nach Hamburg, ich schwör´s dir“ (CulturBooks, Mai 2014) und „Die Härte, der Reichtum und die Weite“ (CulturBooks, November 2014). Er erinnert an Filme, deren großes Thema die Stadt ist, oder besser, das Porträt eines Stadtviertels: Hamburg St. Pauli im Wandel der Zeit. Hier haben so unterschiedliche Regisseure wie Francesco Rosi, Jürgen Roland, Klaus Lemke, Roland Klick und Vadim Glowna ihre Geschichten von Gastarbeitern, Gangstern und anderen Ausgegrenzten erzählt.
Zugleich aber lässt sich in ihnen die Entwicklung der Organisierten Kriminalität verfolgen. Von der „rechten Hand“ des berühmt-berüchtigten Mafiosi Lucky Luciano bis hin zur Etablierung der „Hell´s Angels“ und dem Auftraggeber des St. Pauli Killers Werner Pinzner spannt sich der Bogen dieser „Heimatfilme“.
Frank Göhres Texte eröffnen eine neue Sicht auf sie. Es ist der stadtgeschichtlich erhellende Film aus Worten hinter den Kinofilmen, ein Stück Kultur- und Sittengeschichte der Freien und Hansestadt Hamburg.
Göhre - Du fährst nach Hamburg ich schwör s dir - Ein HeimatfilmGöhre - Die Härte der Reichtum und die Weite - Ein Heimatfilm
Frank Göhre: Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir
CulturBooks, 2014
65 Seiten
4,99 Euro

Frank Göhre: Die Härte, der Reichtum und die Weite
CulturBooks, 2014
45 Seiten
3,99 Euro

Hinweise

Homepage von Frank Göhre

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der letzte Freier“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Zappas letzter Hit“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „St. Pauli Nacht“ (2007, überarbeitete Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „An einem heißen Sommertag“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Abwärts“ (2009, Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Seelenlandschaften – Annäherungen, Rückblicke“ (2009)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der Auserwählte“ (2010)

Meine Besprechung von Frank Göhres “Die Kiez-Trilogie” (2011)

Meine Besprechung von Frank Göhres „I and I – Stories und Reportagen“ (2012)

Meine Besprechung von Frank Göhres “Geile Meile” (2013)

Frank Göhre in der Kriminalakte


Über James Lee Burkes „Regengötter“

Oktober 28, 2014

James Lee Burke gehört zu den US-amerikanischen Krimiautoren, die alle wichtigen Preise gewonnen haben, in ihrer Heimat erfolgreich sind, im Jahrestakt hochgelobte Kriminalromane veröffentlichen und die seit Ewigkeiten nicht mehr ins Deutsche übersetzt werden. Von James Lee Burke, dem Erfinder von Dave Robicheaux, erschien die letzte neue Übersetzung 2002. Danach war für die Fans Englisch lernen angesagt.
Jetzt erschien bei Heyne Hardcore „Regengötter“, eine Übersetzung seines Romans „Rain Gods“ von 2009, bei dem der über siebzigjährige Sheriff Hackberry Holland im Mittelpunkt steht. Einige James-Lee-Burke-Fans kennen ihn aus „Lay down my Sword and Shield“ (1971, nicht übersetzt). Er ist auch verwandt mit Billy Bob Holland, dem Protagonisten in vier Burke-Romanen, die zwischen 1997 und 2004 erschienen und von denen die ersten drei übersetzt wurden.
Im Zentrum von Burkes Werk steht allerdings Dave Robicheaux, der erstmals 1987 in „Neonregen“ (The Neon Rain) auftrat. Damals noch als alkoholabhängiger Mordermittler bei der Polizei von New Orleans. In den folgenden, bis jetzt zwanzig Romanen, ist er, abgesehen von einem kurzen Intermezzo als Privatdetektiv, Sheriff von New Iberia, wo er seinen Job immer wieder unter Mißachtung aller Dienstvorschriften ausübt. Von seiner Attitüde ist Robicheaux nämlich der klassische Hardboiled-Privatdetektiv. „Mississippi Delta – Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988) und „Im Schatten der Mangroven“ (In the electric mist with Confederate Dead, 1993) wurden verfilmt; mit durchwachsenem Ergebnis. Die Vorlagen sind unbedingt lesenswert.
Diese Mißachtung der Dienstvorschriften würde Hackberry Holland nicht einfallen. Der Ex-Trinker, Ex-Bürgerrechtsanwalt und Witwer stößt, nach einem Anruf, bei einer alten Kirche auf neun Frauenleichen. Asiatinnen, die Heroin in ihrem Bäuchen hatten. Er will den Täter finden und dem Anrufer helfen, während er von anderen Behörden, wie dem FBI und der Einwanderungs- und Zollbehörde, vor allem behindert und nicht informiert wird.
Neben diesem Hauptplot erzählt Burke, ziemlich gleichberechtigt, mehrere Geschichten, die mit dem Massenmord zusammenhängen. Es ist die Flucht von Pete Flores, einem psychisch kranken Irakkriegsveteran, der den Anruf tätigte, und jetzt mit seiner Freundin Vikki Gaddis, einer Country-Sängerin und Kellnerin, auf der Flucht ist. Sie flüchten vor Jack Collins, einem durchgeknallten Killer mit sagenhaften Fähigkeiten, der sich für einen Prediger hält und deshalb „Preacher“ genannt wird. Manchmal schickt er auch seine beiden Handlanger mit blutig endenden Suchaufträgen los. Gleichzeitig hat Stripclub-Besitzer Nick Dolan, der für die Morde verantwortlich sein soll, Ärger mit Hugo Cistranos und Arthur Rooney, die gerne an seine Lokale kommen würden.
Und am Rand ist auch noch die Russenmafia involviert.
Oh, und irgendwann tauchen auch einige Biker auf, die den Preacher umbringen sollen und schnell von ihm mit seiner MP niedergemäht werden.
„Regengötter“ reiht sich – und sage ich als Fan – nahtlos in das enttäuschende Spätwerk von James Lee Burke ein, in dem die Geschichte arg chaotisch, ziemlich spannungsfrei und wenig interessant auf ihr Ende zutaumelt. Der Roman liest sich, als hätte Burke nur eine Ausgangsidee und das Ziel, eine bestimmte Menge Seiten zu füllen, gehabt. Dieses nachlässige Plotting ist vor allem bei dem Bösewicht des Buches offensichtlich. Als Bösewicht darf er erst am Ende sterben. Gleichzeitig dürfen einige der Guten, vor allem Hackberry, Pete und Vikki, nicht sterben. Also endet jede der zahlreichen Begegnungen zwischen ihnen, damit, dass Collins freiwillig auf die Chance verzichtet, sie umzubringen. Auch wenn er sich vorher in ihre Wohnung geschlichen hat. Er erfindet dann schnell einen weit hergeholten Grund, der mit seinem Preacher-Sein etwas zu tun hat. Und trotz der menschenleeren texanischen Landschaft laufen die Guten und die Bösen sich ständig, zufällig über den Weg.
Das größte Problem bei „Regengötter“ ist aber, dass er sich wie eine Nacherzählung von „No Country for Old Men“, dem Roman von Cormac McCarthy (2005) und dem Film der Coen-Brüder (2007), liest. Die Story von „Regengötter“ hat so viele offensichtliche Ähnlichkeiten mit „No Country for Old Men“, dass ich mich fragte, ob Cormac McCarthy sich schon beschwerte.
Während der gesamten Lektüre sah ich vor meinem geistigen Auge Tommy Lee Jones als Hackberry Holland, Javier Bardem als Preacher, Josh Brolin als Pete Flores, der nach einem missglückten Drogendeal mit seiner Freundin vor dem Killer flüchtet.
Mit gut 660 Seiten ist der Roman auch viel zu lang geraten. Er ist ungefähr doppelt so lang wie James Lee Burkes früheren Romane, die alle wesentlich eindrucksvoller und gelungener sind.

Burke - Regengötter - 2

James Lee Burke: Regengötter
(übersetzt von Daniel Müller)
Heyne Hardcorre, 2014
672 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
Rain Gods
Simon & Schuster, 2009

Hinweise

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Und damit endet mein Tommy-Lee-Jones-Tag.


Denn heute Morgen konnte ich mir „The Homesman“ (Kinostart 18. Dezember) ansehen und der von Tommy Lee Jones inszenierte Western mit ihm und „Million Dollar Baby“ Hilary Swank in den Hauptrollen ist grandios. Denn, im Werbe- und Empfehlungssprech, wenn Ihnen „Erbarmungslos“ (Unforgiven), „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“, „No Country for Old Men“ und „True Grit“ gefallen haben, werden Sie „The Homesman“ lieben.


Jan Philipp Albrecht will: „Finger weg von unseren Daten!“

Oktober 27, 2014

Albrecht - Finger weg von unseren Daten - 2

Wie soll ich meine Besprechung von Jan Philipp Albrechts „Finger weg von unseren Daten! – Wie wir entmündigt und ausgenommen werden“ bloß beginnen? Täglich gibt es eine neue Horrormeldung – und die Bundesregierung tut nichts, wenn sie nicht gerade mit voller Energie versucht, die Aufklärung der Umtriebe der Geheimdienste von einem Bundestags-Untersuchungsausschuss oder durch die Medien möglichst umfassend zu verhindern. Der Merkel-Regierung ist es halt egal, wenn Grundrechte verletzt und Bundesbürger auch von deutschen Geheimdiensten ausgespäht werden.

Wenn schon einmal halbherzig auf Verschlüsselungstechniken hingewiesen wird und damit ein Problem, das politisch gelöst werden muss, privatisiert wird, wird gleichzeitig ein Schlupfloch für Sicherheitsbehörden in der Verschlüsselungstechnik gewünscht, weil die Regierung alles menschenmögliche tut, um das Internet unsicherer zu machen. Gleichzeitig glänzt die bundesdeutsche „Datenschutzbeauftragte“ immer noch durch Abwesenheit. Sogar eine Vakanz würde das Amt besser ausfüllen.

In dieses „Nichts tun, dann kann man auch nichts falsches tun“-Trauerspiel reiht sich auch die irrationale Totalopposition der Regierung zur EU-Datenschutzreform ein. In ihr steht unter anderem, dass Privacy by Design (Datenschutz durch Technik) und Privacy by Default (datenschutzfreundliche Voreinstellungen) normalerweise angewandt werden sollen, dass Unternehmen, wie Facebook, die ihre Dienste in der EU anbieten, EU-Regeln unterliegen (Marktortprinzip), dass man sich bei der Datenschutzbehörde seines Landes beschweren kann, dass es ein Recht auf Datenübertragbarkeit gibt und dass man einer Datenverarbeitung vorher explizit zustimmen muss. Irgendwie alles grundvernünftige und auch überfällige Regeln, aber die Bundesregierung meint, dass sie den hohen bundesdeutschen Datenschutzstandard absenken würden.

Jan Philipp Albrecht (Bündnis 90/Die Grünen) war im Europäischen Parlament der Berichterstatter für diese Datenschutzgrundverordnung. Während der Verhandlungen und dem Abarbeiten der Änderungsanträge wurde er von Lobbyisten belagert, die ein möglichst wirkungsloses Datenschutzrecht wollten. Die Passagen, in denen er in „Finger weg von unseren Daten!“ über die bei uns fast unbekannten Inhalte der EU-Datenschutzreform und die Verhandlungen schreibt, gehören zu den stärksten Passagen des Buches.

Auch seine Ausführungen, warum Datenschutz, also der Schutz der Privatsphäre, wichtig ist, sind gelungen: „Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Datenschutz untrennbarer Kernbestandteil der Menschenwürde und aller bürgerlichen Freiheiten ist, die eine freiheitliche und rechtsstaatliche Demokratie zu bieten hat. Kein Grundrecht kann ich effektiv ausüben, wenn die Kontrolle über die eigene Persönlichkeit und die personenbezogenen Informationen verlorengegangen ist. (…) Gleichzeitig stellt diese Beschränkung nicht nur eine Beschneidung meiner Freiheiten, sondern eine Bedrohung der Demokratie dar. Es sind ja gerade die Meinungsäußerungen der Andersdenkenden, die eine Demokratie erst lebendig funktionieren lassen.“

Wenn er dann allerdings über die Macht US-amerikanischer Unternehmen, wie Google und Facebook (das mir persönlich teilweise zu sehr in 08/15-Google- und Facebook-Bashing geht), die Umtriebe der Geheimdienste (die ja durch die fast täglichen Enthüllungen immer schlimmer werden und ein gedrucktes Buch da nur einen vergangenen Erkenntnisstand beschreiben kann. Trotzdem hätte ich hier gerne mehr über die gute Arbeit des Europäischen Parlaments dazu gelesen.) und den politisch-industriellen Komplex, der immer mehr Überwachungstechnik verkauft, schreibt, wird „Finger weg von unseren Daten!“ schwächer, weil ich auf diesen Seiten nichts Neues erfuhr.

Aber wenn ich an einige Gespräche denke, die ich in den vergangenen Tagen hatte, sind auch diese Passagen wichtig. Denn viele Menschen, die ich für durchaus informiert halte, wissen doch immer noch viel zu wenig von diesen Bedrohungen der bürgerlichen Freiheiten und der liberaldemokratischen Demokratie. Gerade sie sollen mit diesem Buch zum Handeln angeregt werden.

Jan Philipp Albrecht: Finger weg von unseren Daten! – Wie wir entmündigt und ausgenommen werden

Knaur Klartext, 2014

192 Seiten

7 Euro

Hinweise

Homepage von Jan Philipp Albrecht

Perlentaucher über „Finger weg von unseren Daten!“


Über Melissa Gira Grants Essay „Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit“ – und ihre Lesereise

Oktober 17, 2014

Grant - Hure spielen

Während Konservative gerade ihre Vorstellungen zur Prostitution in Gesetzesform gießen, dabei entschieden gegen Zwangsprostitution (Wie erkenne ich eine Zwangsprostitutierte?), Flatrate-Bordelle (Hm?), Gangbang-Partys (Uh, ist das nicht ein freiwilliges Vergnügen von Erwachsenen?) und minderjährige Prostituierte (also: unter 21 Jahren geht käuflicher Sex gar nicht, aber morden für’s Vaterland ist okay) vorgehen will, gerne auch mit einer Anmeldepflicht für Sexarbeiterinnen (weil nur eine angemeldete Prostituierte keine Zwangsprostitutierte ist), ist ein Buch wie Melissa Gira Grants „Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit“ notwendig und wichtig, auch wenn Grant, die selbst Sexarbeiterin war, teilweise arg akademisch schreibt und sie Fakten (die sie kaum belegt und die daher nicht überprüft werden können) mit ihrer Meinung vermischt. Weil „Hure spielen“ allerdings ein Pamphlet ist, das sich in einem aktuellen Diskurs eindeutig positioniert und Grant vor allem Denkanstöße vermitteln will, ist das akzeptabel. Auch wenn wahrscheinlich genau die Menschen, die ihre Meinung zur Sexarbeit überprüfen sollten, „Hure spielen“ nicht lesen werden.
Außerdem konzentriert die Amerikanerin sich auf die Verhältnisse in ihrem Heimatland. Das ist zwar verständlich, mindert aber den Wert des Buches für uns beträchtlich. Denn viele Kämpfe und Probleme für US-Sexarbeiterinnen, vor allem dort grassierende Bigotterie, gibt es so in Deutschland nicht, obwohl es auch hier entschiedene Prostitutionsgegnerinnen (die gerne mit Fantasiezahlen operieren), massive Probleme mit der Polizei und Ämtern (wie mir einige Berliner Sexarbeiterinnen kürzlich erzählten) und einen Diskurs über Betroffene gibt, bei dem die Betroffenen nicht gefragt werden. So als seinen Huren Menschen, die zu dumm sind, um ihre Lage richtig einzuschätzen. Was in Deutschland besonders für die Zwangsprostitutierten gilt, die natürlich alle aus Osteuropa kommen und hier, zu ihrer eigenen Überraschung, in Bordellen unterdrückt werden. Es muss sich um unglaubliche Zahlen handeln. Denn die eher geringen Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatististik werden von konservativen Politikern nicht genannt. 2013 waren es 542 Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. In den vergangenen Jahren sank die Zahl auf den niedrigsten Stand seit 2006.
In ihrem Vorwort erwähnt Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal auch die vierzigtausend Frauen, die 2006 zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Deutschland kommen sollten, um die Fußballfans sexuell zu befriedigen. Zusätzlich zu den bereits in Deutschland lebenden Sexarbeiterinnen. Es gab, wie man im „Bundeslagebild Menschenhandel 2006“ des Bundeskriminalamtes erfährt, 5 (in Worten: Fünf!) Fälle.
In ihrem Buch versucht Melissa Gira Grant einige der Mythen, die sich um die Sexarbeit ranken, zu entmystifizieren. Außerdem betont sie immer wieder die Vielfältigkeit der Sexarbeit zwischen Straßenstrich, Escort, Clubs in all ihren Schattierungen bis hin zum Pornofilmgeschäft. Sie geht auch auf die Repression durch Polizei und Politik ein. Und immer wieder wendet sie sich gegen die selbsternannten Retter von Prostituierten, deren falsche Argumente und wie sie gegen Hurenorganisationen arbeiten.
Bei mir rennt Melissa Gira Grant offene Scheunentore ein, weshalb „Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit“ mich lediglich in meinen Ansichten bestätigte. Pieke Biermanns Interviewbuch „’Wir sind Frauen wie andere auch!‘ – Prostituierte und ihre Kämpfe“ (Argument Verlag, 2014) fand ich da interessanter.

Melissa Gira Grant: Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit (Nautilus Flugschrift)
(übersetzt von Georg Felix Harsch)
Edition Nautilus, 2014
192 Seiten
14,90 Euro

Originalausgabe
Playing the Whore – The Work of Sex Work
Verso, London/New York 2014

Melissa Gira Grant besucht Deutschland
Berlin: Freitag, 17. Oktober – 19 Uhr im Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung, (Franz-Mehring-Platz 1), Moderation: PG Macioti
Hamburg: Samstag, 18. Oktober – 20 Uhr im GOLEM (Große Elbstraße 14), Moderation: Mithu M. Sanyal
Köln: Montag, 20. Oktober – 19 Uhr im Odonien (Hornstraße 85), Moderation: Susanne Kleinfeld
Bonn: Dienstag, 21. Oktober – 20 Uhr im Buchladen Le Sabot (Breite Straße 76), Moderation: Susanne Kleinfeld
Die Tour findet in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt.

Hinweise

Homepage der Autorin

Nautilus über Melissa Gira Grant

Wikipedia über Melissa Gira Grant