Neu im Kino/Filmkritik: „Toy Story 5“, 4, 3, 2, 1 – die Spielzeuge wollen spielen

Juli 23, 2026

Nachdem in den USA „Toy Story 5“ bereits am 19. Juni 2026 höchst erfolgreich startete, nimmt der neueste Pixar-Film jetzt Kurs auf die deutschen Kinos. In einigen Wochen dürfte er, unter anderem mit dem deutschen Einspiel, der erfolgreichste Film des Franchise sein.

Andrew Stanton, der in alle vorherigen „Toy Story“-Filme als Teil des Pixar-Teams und Autor involviert war, erzählt eine weitere Geschichte der bekannt-beliebten Spielzeuge Jessie, Woody und Buzz Lightyear, die am Filmanfang über die halbe Stadt verstreut sind,

Im Zentrum der Geschichte steht die achtjährige Bonnie, die am Ende von „Toy Story 3“ die Spielsachen erhielt. Sie hat keinen Computer, sondern spielt immer noch mit Puppen in einer von ihr erschaffenen Fantasiewelt. Denn nichts geht über eine von ihr erfundene Märchenhochzeit. Trotzdem hätte sie auch gerne echte Freundinnen. Aber die Nachbarskinder und ihre Klassenkameradinnen starren nur noch auf Computerbildschirme. Wenn sie es nicht tun, mobben sie Bonnie, weil sie immer noch mit Puppen spielt.

Das ändert sich, als Bonnie von ihren Eltern das Tablet Lilypad geschenkt bekommt. Plötzlich ist auch bei ihr der Computerbildschirm wichtiger als ihr altes Spielzeug. Sie kann sich mit Lilypads Hilfe mit den anderen Kindern verbinden.

Höchste Eisenbahn für die aus den vorherigen „Toy Story“-Filmen bekannten Figuren Woody, Buzz Lightyear, Jessie und ihre Spielzeugfreunde, sich um Bonnie zu kümmern. Aber wie kann es ihnen gelingen, Bonnies Aufmerksamkeit wieder zu ihnen zu lenken und wie können sie mindestens eine Freundin für Bonnie finden?

Als 1995 (bzw. 1996 in Deutschland) der erste „Toy Story“-Film anlief, spielte der Pixar-Film in einer vollkommen anderen Welt. Und für uns war es eine Überraschung, dass Puppen ein Eigenleben haben. Der Film war ein Erfolg. Fortsetzungen und das Spin-off „Lightyear“ folgten. Immer versuchen die Macher, eine neue Geschichte mit dem nicht alterndem Spielzeug zu erzählen. Dieses Mal geht es, sehr aktuell, um die Bedrohung der Kindheit durch Computer. Sie befürchten, dass sie nicht mehr zum nächsten Kind, das mit ihnen spielen will, weitergereicht werden, sondern auf dem Müllplatz landen, weil niemand mehr mit ihnen spielen will.

Das ist ein aktuelles Thema und Bonnie ist eine sehr liebenswerte Protagonistin. Dummerweise ist sie, ähnlich wie kürzlich Mabel Tanaka in dem Pixar-Film „Hoppers“, eine Protagonistin, die nur begrüßenswerte Eigenschaften hat. Sie ist eigentlich perfekt. Mabel will unbedingt und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Umwelt schützen. Wer kann etwas dagegen haben? Wer möchte nicht, dass bei Kindern das Bewusstsein für die Wichtigkeit und den Schutz der Umwelt geweckt werden? Bonnie ist ein herzensgutes, fröhliches, vielseitig interessiertes Kind, das eine blühende Fantasie hat und gerne mit Puppen spielt. Wer kann etwas dagegen haben, dass ein Kind sich Dinge ausdenkt und auf die Kraft der Fantasie vertraut? Vor allem wenn die Alternative ein zombiehaftes Starren auf einen Bildschirm ist, der fantasietötende Programme zeigt.

Und damit stellt sich die Frage, was Bonnie in dem Film lernen soll. Also, was die Botschaft sein soll. Mehr Zeit vor dem Computer verbringen kann nicht wirklich die intendierte Botschaft sein. Dass Computer auch für sinnvolle Dinge benutzt werden können – Lilypad unterstützt sie bei ihren Abenteuern – ist wahr, aber für einen Kinderfilm vielleicht eine etwas zu komplexe und auch die eher falsche Botschaft. In diesem Fall ist, ähnlich wie bei „Hoppers“, die absolut erwartbare Botschaft, dass es auch für Bonnie okay ist, Zeit vor einem Tablet zu verbringen und dort vor allem einfach zu konsumieren. Eltern werden diese Botschaft lieben, wenn sie demnächst mit ihren Söhnen und Töchtern über die Zeit vor dem Bildschirm diskutieren.

Die um diese Botschaft einer Koexistenz alter und neuer Spielzeuge herum erfundene Filmgeschichte ist ein ziemliches Chaos mit fünfzig Exemplaren der Hi-Tech-Edition von Buzz Lightyear, die auf einer Insel stranden, Actionszenen auf einer Autobahn und einer Farm und etlichen seltsamen Storyentscheidungen, wozu neben der Reise der Hi-Tech-Buzz-Lightyears auch eine neue Freundin von Bonnie gehört. Vor diesem Hintergrund können die Spielzeuge nur einen begrenzten Reiz entfalten.

Das gesagt, muss ich auch sagen, dass die in der von mir besuchten Vorstellung anwesenden Kinder ziemlich begeistert von dem Animationsfilm waren.

Toy Story 5 (Toy Story 5, USA 2026)

Regie: Andrew Stanton, Kenna Harris (Ko-Regie)

Drehbuch: Andrew Stanton , Kenna Harris (nach einer Geschichte von Andrew Stanton)

mit (in der Originalfassung) Tom Hanks, Tim Allen, Joan Cusack, Conan O’Brien, Scarlett Spears, Shelby Rabara, Mykal-Michelle Harris, Craig Robinson, Lori Alan, Jay Hernandez, Bonnie Hunt, Benito Antonio Martínez Ocasio (aka Bad Bunny), Keanu Reeves

(in der deutschen Fassung) Michael Bully Herbig, Rick Kavanian, Gery Seidl, Zeki Bulgurcu

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Toy Story 5“

Metacritic über „Toy Story 5“

Rotten Tomatoes über „Toy Story 5“

Wikipedia über „Toy Story 5“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andrew Stantons „John Carter: Zwischen zwei Welten“ (John Carter, USA 2012)

Meine Besprechung von Andrew Stanton/Angus MacLanes „Findet Dorie“ (Finding Dory, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titelwahl, nächste Folge: „Zoomania 2“

November 26, 2025

Als „Zoomania“ vor neun Jahren im Kino lief, gab es fast einhelliges Kritikerlob, Preise und ein Einspiel von über einer Milliarde US-Dollar. Trotzdem war eine Fortsetzung nicht nötig. Denn der Animationsfilm erzählt eine wunderschöne in sich abgeschlossene Geschichte über eine junge Häsin, die in der nur von Tieren bewohnten Metropole Zoomania Polizistin werden will. Allerdings war noch nie ein Kaninchen bei der Polizei. Gegen alle Widerstände, grenzenlos optimistisch, voller Energie und mit einem ungewöhnlichem Verbündeten, dem Fuchs und sympathischen Trickbetrüger Nick Wilde, erreicht Judy Hopps ihr Ziel.

In „Zoomania 2“ sind Judy Hopps und Nick Wilde Partner. Für ihre Kollegen und ihren Chef vom Zoomania Police Departement (ZPD) sind sie wahre Nervensägen.

Nachdem Judy bei einer etwas aus dem Ruder laufenden Verhaftung eine Schlange sieht, beginnt sie, zusammen mit Nick, auf eigene Faust zu ermitteln. Denn seit hundert Jahren sind Schlangen in Zoomania geächtet.

Die Verbannung von Schlangen aus der Stadt hat etwas mit dem Gründungsmythos von Zoomania und der mächtigen Familie Lynxley zu tun.

Zoomania 2“, geschrieben und inszeniert von Jared Bush und Byron Howard, den Machern des ersten Films, ist ein klassischer Buddy-Cop-Actionfilm. Wie in den „Lethal Weapon“-, „Beverly Hills Cop“- und „Bad Boys“-Filmen, um nur einige bekannte Actionfilme nennen, die in Serie gingen, jagen zwei gegensätzliche Polizisten Verbrecher, machen Witze und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Die älteren Semester dürften daher ihr Vergnügen am Erkennen der seit Jahrzehnten etablierten und immer wieder erfolgreich variierten Genrekonventionen haben. Jüngere, also Kinder, für die der Disney-Film in erster Linie gemacht ist, dürfen sich über eine flotte Geschichte freuen. Sie ist mit vielen Gags, auch vielen Nebenbei-Gags, gespickt. Es gibt wunderschöne und stimmige Erweiterungen der aus dem ersten Film bekannten Welt. Und, im Herzen des Films, ein wirklich sympathisches Duo.

Die Filmgeschichte selbst gehorcht jetzt den Gesetzen des Polizeifilms, in denen der Ermittler einen neuen Fall aufklären muss. Das hat nicht mehr die emotionale Fallhöhe des ersten Films, eröffnet aber mühelos den Weg zu weiteren Judy-Hopps/Nick-Wilde-Filmen. Wie „Tatort“-Kommissare oder Sherlock Holmes (der ohne seinen Dr. Watson nicht denkbar ist) oder James Bond (vor Daniel Craig) können Judy und Nick für das ZPD viele weitere Fälle lösen.

Zoomania 2 (Zootopia 2, USA 2025)

Regie: Jared Bush, Byron Howard

Drehbuch: Jared Bush

mit (im Original den Stimmen) Ginnifer Goodwin, Jason Bateman, Ke Huy Quan, Fortune Feimster, Andy Samberg, Patrick Warburton, Quinta Brunso, Idris Elba, Bonnie Hunt, Don Lake, Maurice LaMarche, Nate Torrence, Raymond S. Persi, David Strathairn, Shakira, Danny Trejo, Alan Tudyk, Macaulay Culkin, Jean Reno, John Leguizamo, Josh Gad, June Squibb, Tig Notaro, Michael J. Fox, Dwayne Johnson, Ed Sheeran (teils in kleinen Sprechrollen)

(in der deutschen Fassung) Josefine Preuß, Florian Halm, Rick Kavanian, Susanne Dauber, Steven Gätjen

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Zoomania 2“

Metacritic über „Zoomania 2“

Rotten Tomatoes über „Zoomania 2“

Wikipedia über „Zoomania 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Byron Howard/Rich Moore/Jared Bushs „Zoomania“ (Zootopia, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Red One – Alarmstufe Weihnachten“, der Nikolaus ist weg

November 7, 2024

Red One ist der Codename für den Nikolaus. Und wenn jemand einen Codenamen hat, dann ist er eine wichtige Person, die von Personenschützern beschützt wird. Er ist der Chef von vielen Personen und, in diesem Fall, auch anderen Wesen. Er ist, einfach gesagt, der Chef einer großen Firma, deren Auftrag es ist, einmal im Jahr vom Nordpol aus Geschenke zu verteilen.

So soll es auch in diesem Jahr sein. In der riesigen Weihnachtsmannresidenz am Nordpol laufen die Vorbereitungen für den großen Tag reibungslos ab. Schließlich arbeitet das riesige Team seit Jahrhunderten zusammen.

Wenige Stunden vor Weihnachten ändert sich alles. Unbekannte entführen den Nikolaus. Sein Sicherheitschef Callum Drift (Dwayne Johnson) muss ihn innerhalb weniger Stunden finden. Sonst fällt Weihnachten aus. Also der Teil mit den Geschenken. Helfen soll ihm Jack O’Malley (Chris Evans), der weltbeste Spurensucher. Er hat, ohne es zu Wissen, den Bösewichtern, die er nicht kennt, die Informationen für die Entführung geliefert. Auftrag und Bezahlung wurden anonym abgewickelt.

Drift und O’Malley, die sich nicht ausstehen können, müssen bei ihrer Suche nach dem Weihnachtsmann zusammen arbeiten.

Jake Kasdan, Regisseur der letzten beiden „Jumanji“-Filme, inszenierte mit „Red One – Alarmstufe Weihnachten“ einen typischen Streamingfilm, den man sich ansieht, dabei mehr oder weniger amüsiert und schnell vergisst. Obwohl es sich um eine neue Geschichte handelt, wirkt alles in „Red One“ wie eine Zweit- oder Drittverwertung bekannter Versatzstücke. So als habe man einfach einen Marvel- oder DC-Superheldenfilm mit bekannten Weihnachtsmythen zusammengeworfen. Die Dialoge sind vorhersehbar und funktional. Die Geschichte unterhält leidlich, aber hält keiner genaueren Prüfung stand. Das beginnt schon mit der Frage, warum die Bösewichtin, die Weihnachtshexe Grýla, bei der Suche nach dem Aufenthaltsort des Weihnachtsmannes auf die Hilfe von O’Malley angewiesen ist und warum Drift und sein tolles E.L.F.-Team auf die Hilfe dieses Hallodris angewiesen sind. Immerhin führt die Zwangszusammenarbeit von Drift und O’Malley zu etwas okayem Buddy-Humor – und einigen Szenen mit O’Malleys Sohn, den er nie sieht, und seiner Ex-Frau, die ihm das vorhält.

Die Besetzung ist prominent. Das Budget ist mit 250 Millionen US-Dollar hoch. „Red One“ ist eine Prestigeproduktion, die von Amazon MGM Studios für die Weihnachtssaison geplant war und jetzt doch im Kino läuft. Allerdings muss zu dem Budget gesagt werden, dass hier alle Kosten enthalten sind. So erhielt Dwayne Johnson, der seinen Part erstaunlich unengagiert spielt, 50 Millionen. Auch andere Schauspieler, wie Chris Evans,Lucy Liu und J. K. Simmons (als Nikolaus), dürften eine Millionengage erhalten haben. Weitere 50 Millionen sollen aufgrund des während der Dreharbeiten unberechenbaren Verhaltens von Johnson, der sich nicht an den vereinbarten Drehplan hielt, entstanden sein.

Die Spezialeffekte sind okay. Und alles, auch wenn einige wenige Szenen nicht im Studio gedreht wurden, sieht nach einem einzigen Studiodreh aus, bei dem die Hintergründe digital eingefügt wurden. Die Kämpfe von Drift und O’Malley gegen alle möglichen Nicht-menschlichen Wesen, wie Schneewesen, Eisbären und Krampus, entstanden dann fast ausschließlich am Computer. Entsprechend austauschbar wirken die Bilder, die sich durchgehend in der aus anderen Streamingfilmen vertrauten Farbpalette bewegen.

Wie bei anderen Streamingfilmen liefern alle eine professionelle Arbeit ab. Ein bestimmtes Niveau wird nie unterschritten, aber niemand strengt sich besonders an. Und nichts soll bem Zuschauen überraschen oder eine Irritation auslösen, die zum Nachdenken über den Film und die im Film angesprochene Themen führen könnte.

Red One – Alarmstufe Weihnachten“ ist ein Spektakel für die ganze Familie, bei man sich während des Ansehens halbwegs gut unterhalten fühlt und den Film schon beim Ansehen vergisst. Kasdans Weihnachtsfilm ist das filmische Äquivalent zu einem McDonald’s-Hamburger.

Red One – Alarmstufe Weihnachten (Red One, USA 2024)

Regie: Jake Kasdan

Drehbuch: Chris Morgan (nach einer Geschichte von Hiram Garcia)

mit Dwayne Johnson, Chris Evans, Lucy Liu, J. K. Simmons, Bonnie Hunt, Kristofer Hivju, Kiernan Shipka, Mary Elizabeth Ellis, Wesley Kimmel

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (was für einen kindischen Weihnachtsfilm für die ganze Familie ziemlich hoch ist)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Red One“

Metacritic über „Red One“

Rotten Tomatoes über „Red One“

Wikipedia über „Red One“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jake Kasdans „Sex Tape“ (Sex Tape, USA 2014)

Meine Besprechung von Jake Kasdans „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ (Jumanji: Welcome to the Jungle, USA 2017)

Meine Besprechung von Jake Kasdans „Jumanji: The next level“ (Jumanji: The next level, USA 2019)