Neu im Kino/Filmkritik: „The Gunman“ Sean Penn tötet Bösewichter

April 30, 2015

Die Fans von Noir-Autor Jean-Patrick Manchette, der in den Siebzigern einer der Erneuerer des französischen Kriminalromans war und dessen Néo-Polars sich immer noch verkaufen, sind in punkto Verfilmungen einiges an emotionalen Schmerzen gewohnt. Daher werden sie auch von der neuesten Manchette-Verfilmung „The Gunman“, trotz der guten Besetzung (Pierre Morel, Sean Penn, Javier Bardem, Ray Winstone, Idris Elba) nichts erwarten. Was soll schon herauskommen, wenn ein über dreißig Jahre alter Kriminalroman in die Gegenwart verlegt wird und das Ganze auf den ersten Blick von der Luc-Besson-Fabrik produziert wird?
Nun, ausgehend von dieser Null-Erwartung haben die Macher von „The Gunman“ erstaunlich viel aus Jean-Patrick Manchettes Roman „Position: Anschlag liegend“ übernommen. Der Held heißt im Roman Martin Terrier, im Film Jim Terrier. Er arbeitet als Killer für eine „Firma“. Sein Vorgesetzer heißt im Buch und im Film Cox. Er will ihn beide Male umbringen; allerdings aus verschiedenen Motiven und zu verschiedenen Zeitpunkten. Terriers Freundin heißt im Buch und Film Annie. In sie ist er, beide Male, verliebt ist und er hat sie, beide Male, vor Jahren verlassen. Wobei die Gründe in Buch und Film verschieden sind. Jetzt treffen sie sich, im Buch und Film, wieder. Kurz darauf ist ihr Ehemann tot und sie sind, verfolgt von einer Horde mordgieriger Killer, auf der Flucht. Das sind schon einige Gemeinsamkeiten, die aber nichts daran ändern, dass die Filmemacher den über dreißig Jahre alten Thriller nicht gebraucht hätten. Denn es sind auch einige vollkommen austauschbare Thriller-Bausteine, die einfach zur „der Chef will seinen besten Mann umbringen“-Geschichte gehören. „96 Hours“-Regisseur Pierre Morel verbindet sie hier zu einem in der Gegenwart spielendem touristischen Reisefilm der in Afrika beginnt und durch halb Europa führt.
Im Film verübt Jim Terrier (Sean Penn mit mehr Muskeln als Arnold Schwarzenegger und mehr Oben-ohne-Aufnahmen als ein Pornostar) im Kongo einen Anschlag auf einen wichtigen Minister. Danach taucht er unter. Sein Anschlag führt zu einem Bürgerkrieg, über den auch die westlichen Medien ausführlich berichten.
Acht Jahre später arbeitet Terrier, wieder in Afrika, als Wiedergutmachung für sein früheres Leben, für eine NGO. Als ein Anschlag auf den Killer im Ruhestand verübt wird, erfährt er, dass jemand ihn und das damalige Team wegen diesem acht Jahre zurückliegendem Auftrag umbringen will. Er macht sich auf den Weg nach Europa. Seine erste Station ist London. Dort trifft er seinen ehemaligen Vorgesetzten Mr. Cox (Mark Rylance), der ihm versichert, dass nur die damals Beteiligten wissen, wer in den Auftrag involviert war, dass auch er den Auftraggeber und dessen Motive nicht kenne und er ihm selbstverständlich helfen werde. Terrier will sich mit seinen alten Kameraden treffen, um sie zu warnen und um herauszufinden, wer sie jetzt umbringen will.
In Barcelona trifft er Felix (Javier Bardem), der damals der Verbindungsmann zwischen dem Mordkommando und dem Auftraggeber war. Felix ist inzwischen ein gut verdienender Geschäftsmann, der mit irgendwelchen lobenswerten Projekten den Afrikanern helfen will. Außerdem ist er mit Terriers damaliger Freundin Annie (Jasmine Trinca) verheiratet.
Kurz darauf ist Felix tot, sein Anwesen auf dem Land nach einem Schusswechsel ziemlich zerstört und Terrier ist mit seiner großen Liebe Annie auf der Flucht, die auch einen Abstecher nach Gibraltar beinhaltet.
Das Drehbuch ist von Don MacPherson („Mein Name ist Fleming, Ian Fleming“, das Spielfilm-Desaster „Mit Schirm, Charme und Melone“ und einer von mehreren Autoren bei dem Musical „Absolute Beginners“ [yeah, von 1986, mit David Bowie]), Pete Travis (der wahrscheinlich irgendwann auch die Regie übernehmen sollte. Denn es ist sein erstes Drehbuch. Er inszenierte „8 Blickwinkel“ und „Dredd“.) und Sean Penn, der auch einer der Produzenten ist.
Es gibt eine dick aufgetragene politische Botschaft, die hier als an die Geschichte angeklebte Message allerdings eher nervt und konträr zu Manchettes literarischem Programm steht. In seinen Romanen verband er nämlich immer gelungen einen linken, gesellschaftskritischen Politikansatz mit einer spannenden Geschichte.
In dem Film sind die politischen Hintergründe beliebige Versatzstücke, die man aus besseren Filmen kennt. Teilweise auch mit Sean Penn. Ich sage nur „Die Dolmetscherin“ und „Fair Game“, die eine klare Position hatten. Auch Sylvester Stallones „Rambo“-Filme, um ein konservatives Beispiel zu nennen, hatten eine klare politische Agenda, über die man sich streiten konnte. In „The Gunman“ sind dagegen einfach linke, liberale und konservative Botschaften und Analysen in der Hoffnung, dass es schon irgendwie sinnvoll ist, aneinandergeklatscht worden. Ist es nicht. Es ist einfach nur konfus.
Es gibt Söldner mit Gewissensbissen, angedeutete Komplotte und wirtschaftliche Interessen, die sogar in „Die Wildgänse kommen“ sinnvoller behandelt wurden. Herrje, verglichen mit „The Gunman“ erscheint der Söldnerwerbefilm „Die Wildgänse kommen“ sogar als tiefsinnige politische Analyse.
Genau so konfus wie die politische Botschaft ist die Story. Sie ist unnötig kompliziert und nebulös. Fast so, als habe man einfach aus mehreren Drehbüchern die besten Szenen zusammengefügt und sie dann dem aus der Luc-Besson-Filmschmiede kommendem Pierre Morel mit dem Auftrag, sie möglichst schön zu bebildern, gegeben. Er inszenierte „The Gunman“ für Silver Pictures (jau, es ist keine Besson-Produktion) ruhig, fast schon im Stil eines Siebziger-Jahre-Krimis, mit einigen Actionszenen, die sich auf Faustkämpfe und Schusswechsel konzentrieren.
„The Gunman“ ist eine weitere enttäuschende Manchette-Verfilmungen. Das austauschbare Killer-on-the-run-B-Picture punktet zwar mit einer hochkarätigen, aber auch hoffnungslos unterforderten Besetzung und schönen Landschaftsaufnahmen.

The Gunman - Plakat

The Gunman (The Gunman, Großbritannien/Frankreich/Spanien 2015)
Regie: Pierre Morel
Drehbuch: Don MacPherson, Pete Travis, Sean Penn
LV: Jean-Patrick Manchette: La position du tireur couché, 1981 (Die Position des schlafenden Tigers; Position: Anschlag liegend)
mit Sean Penn, Javier Bardem, Ray Winstone, Mark Rylance, Jasmine Trinca, Idris Elba, Melanie Matthews, Blanca Star Olivera, Jorge Leon Martinez
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die lesenswerte Vorlage

Manchette - Position Anschlag liegend

Jean-Patrick Manchette: Position: Anschlag liegend
(übersetzt von Stefan Linster)
Distel Literaturverlag, 2003
192 Seiten
12,80 Euro

Deutsche Erstausgabe
Die Position des schlafenden Tigers
Bastei Lübbe, 1989

Originalausgabe
La position du tireur couché
Éditions Gallimard, 1981

Frühere Verfilmung
Der Schock (Le Choc, Frankreich 1982)
Regie: Robin Davis
Drehbuch: Alain Delon, Robin Davis, Dominique Robelet, Claude Veillot
mit Alain Delon, Catherine Deneuve, Philippe Léotard, Stéphane Audran

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Gunman“
Moviepilot über „The Gunman“
Metacritic über „The Gunman“
Rotten Tomatoes über „The Gunman“
Wikipedia über „The Gunman“

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussmans “Der Mann mit der roten Kugel” (L’homme au boulet rouge, 1972)

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchettes “Portrait in Noir” (2014)

Meine Besprechung von Max Cabanes/Jean-Patrick Manchette/Doug Headlines „Fatale“ (Fatale, 2014)

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Avengers: Age of Ultron“ ist da

April 23, 2015


Wir haben
Chris Evans als Steve Rogers/Captain America (der hier erstaunlich blasse Anführer der Truppe)
Robert Downey Jr. als Tony Stark/Iron Man (der großmäulige, verantwortungslose Finanzier der Gruppe)
Chris Hemsworth als Thor (aus der anderen Galaxis)
Mark Ruffalo als Bruce Banner/Hulk (aus dem Forschungslabor)
Scarlett Johansson als Natasha Romanoff/Black Widow
Jeremy Renner als Clint Barton/Hawkeye
James Spader als Ultron (Stimme im Original)
Aaron Taylor-Johnson als Pietro Maximoff/Quicksilver (im letzten X-Men-Film „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ wurde er von Evan Peters gespielt, aber der wurde von einem anderen Studio produziert)
Elizabeth Olsen als Wanda Maximoff/Scarlet Witch
Paul Bettany als Jarvis/Vision (und mit einem Körper)
Samuel L. Jackson als Nick Fury
Don Cheadle als James Rhodes/War Machine
Cobie Smulders als Maria Hill
Anthony Mackie als Sam Wilson/The Falcon
Hayley Atwell als Peggy Carter
Idris Elba als Heimdall (ungefähr zwei Sätze)
Stellan Skarsgård als Erik Selvig (ungefähr kein Satz)
Claudia Kim als Dr. Helen Cho
Thomas Kretschmann als Baron Strucker
Andy Serkis als Ulysses Klaue (naja)
Julie Delpy als Madame B (sorry, hab ich in dem Starrummel übersehen)
Stan Lee als Stan Lee (obligatorischer Kurzauftritt)

Wir haben Action bis zum Abwinken.
Es beginnt mit einer großen Schlacht in dem osteuropäischen Fantasieland Sokovia. Danach geht die Reise um die halbe Welt und in New York, Seoul, Johannesburg und Sokovia geht dabei, mit der Hilfe von viel CGI, einiges zu Bruch.
Dabei werden dieses Mal erstaunlich oft ganz normale Menschen als Opfer und schreiend weglaufende Menschenmasse gezeigt. Das ist, nachdem man in früheren Marvel-Filmen den Eindruck gewinnen konnte, dass die Großstädte, in denen die Superhelden die Bösewichter verkloppen und regelmäßig eine sanierungsbedürftige Innenstadt hinterlassen, ein Novum. Denn bislang sah es so aus, als sei vor dem Kampf der Superhelden gegen die Superschurken die Kampfzone von magischen Kräften evakuiert worden. Aber dieses Mal verlang die Filmgeschichte nach vielen Menschen, die fotogen von den Avengers beschützt werden. Vor allem beim viel zu langen und ziemlich konfusen Schlußkampf in Sokovia.

Wir haben zu viel Beiwerk für eine sinnvolle Story. Die ist nur Klammer für die Auftritte und Kabbeleien der aus mehreren Filmen bekannten Superhelden. In „Avengers: Age of Ultron“ geht es um den Konflikt zwischen Gut und Böse und wie die Guten das Böse schaffen, das dann zuerst die Avengers und später die Welt vernichten will. Denn die von Tony Stark gestartete Friedensmaschine, der sehr lernfähige Roboter Ultron, begreift schnell, dass die Avengers bei ihren Friedensmissionen viel Leid verursachen. Deshalb will er, seinem Programm folgend, alle Bedrohungen für eine friedliche Welt beseitigen. Aber diese Idee, dass unser Handeln unbeabsichtigte Folgen hat und dass Gut und Böse miteinander verflochten sind, wird nur oberflächlich behandelt. Überhaupt nicht behandelt wird der grundlegende Fehler in Ultrons Programm. Denn hätte Tony Stark sich beim Programmieren an Isaac Asimovs Robotergesetze gehalten, wäre das alles nicht passiert.

Wir haben das filmische Äquivalent zu diesen maßlosen Benefiz-Rockkonzerten aus den Achtzigern, als sich alle bekannten Musiker für die gute Sache in einem Stadion versammelten und gegen die Apartheid, den Hunger und gegen die Kernkraft ansangen.
Denn dummerweise ist „Avengers: Age of Ultron“ genau wie diese Konzerte, die beim ersten Mal Spaß machen, aber beim zweiten Mal nerven. Es gibt zu viele Häuptlinge, aber keine Indianer und keine Struktur. Jeder versucht sich nur möglichst groß in Szene zu setzen und aus einer eigentlich guten Idee wird ein an allen Ecken und Enden ausufernde Starparade, die zeigt, dass ihre Soloauftritte besser sind.

Avengers - Age of Ultron - Plakat

Avengers: Age of Ultron (The Avengers: Age of Ultron, USA 2015)
Regie: Joss Whedon
Drehbuch: Joss Whedon
mit Chris Evans, Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, James Spader, Aaron Taylor-Johnson, Elizabeth Olsen, Paul Bettany, Samuel L. Jackson, Don Cheadle, Cobie Smulders, Anthony Mackie, Hayley Atwell, Idris Elba, Stellan Skarsgård, Claudia Kim, Thomas Kretschmann, Andy Serkis, Julie Delpy, Stan Lee, Henry Goodman
Länge: 141 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Facebook-Seite von Marvel
Film-Zeit über „Avengers: Age of Ultron“
Moviepilot über „Avengers: Age of Ultron“
Metacritic über „Avengers: Age of Ultron“
Rotten Tomatoes über „Avengers: Age of Ultron“
Wikipedia über „Avengers: Age of Ultron“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Joss Whedons „Viel Lärm um nichts“ (Much ado about nothing, USA 2012)


TV-Tipp für den 19. Februar: The Losers

Februar 19, 2015

Vox, 22.15

The Losers (USA 2010, Regie: Sylvain White)

Drehbuch: Peter Berg, James Vanderbilt

LV: Andy Diggle/Jock: The Losers, 2003 (The Losers)

Als ein Anschlag auf eine Drogenbaron in Bolivien grandios schiefgeht, wissen Clay und sein Team, dass ihr Auftraggeber, der geheimnisvolle Max, ein ganz hohes Tier im US-amerikanischen Geheimdienst und zuständig für die wirklich schmutzigen Aktionen, sie umbringen will. Sie beschließen, es ihm heimzuzahlen.

Das bessere A-Team und der bessere „A-Team“-Film, dank eines selbstironischen Tons, guter Schauspieler und ordentlicher Action.

Die Vorlage, der Comic von Andy Diggle und Jock, ist auch einen Blick wert.

mit Jeffrey Dean Morgan, Zoe Saldana, Chris Evans, Idris Elba, Columbus Short, Oscar Jaenada, Jason Patric

Wiederholung: Freitag, 20. Februar, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

 Metacritic über “The Losers”

Rotten Tomatoes über “The Losers”

Wikipedia über “The Losers”

Homepage von Andy Diggle

Blog von Andy Diggle

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jocks „The Losers: Goliath – Band 1“

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Shawn Martinbroughs „The Losers: Die Insel – Band 2“

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Nick Dragotta/Alé Garza: The Losers: Der Pass, Band 3 (The Losers 13 – 19, 2005)
Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Ben Olivers (Zeichner) „The Losers: London Calling (Band 4) (The Losers # 20 – 25, 2005)

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Colin Wilsons “The Losers: Endspiel (Band 5)” (The Losers # 26- 32, 2005/2006)

Meine Besprechung von Andy Diggle (Autor)/Leonard Manco/Danijel Zezelj (Zeichner) „John Constantine, Hellblazer: Spritztour (Band 10)“ (Hellblazer: Vol. 230 – 239, 2008)

 Meine Besprechung von Andy Diggles “The Punisher”-Geschichte “Stille Nacht” (in “PunisherMAX: Hässliche kleine Welt”)

Meine Besprechung von Sylvain Whites „Choral des Todes“ (La Marque des anges – Miserere, Frankreich/Belgien 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Idris Elba vollbringt „Keine gute Tat“

November 20, 2014

Wer sich bis jetzt fragte, wie bekannt Idris Elba und Taraji P. Henson sind, erhält mit „Keine gute Tat“ die Antwort: ziemlich. In den USA war der Thriller in der Startwoche sogar auf dem ersten Platz und sein Budget hat er inzwischen locker eingespielt.
Idris Elba spielte in „The Wire“ mit. Er ist DCI John „Luther“ („Luther“-Erfinder Neil Cross arbeitet gerade für Fox an einem US-Remake und Ende 2015 spielt Idris Elba wieder John Luther in der gleichnamigen BBC-Serie). Er war Nelson „Mandela“ und er übernahm prägnante Nebenrollen in „Prometheus“, „Pacific Rim“ und den beiden „Thor“-Filmen. Sein Gesicht ist inzwischen auch Filmfans vertraut.
Taraji P. Henson erhielt eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin für „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ und gehört zur Stammbesetzung von „Person of Interest“, einer in den USA erfolgreiche TV-Serie von Jonathan Nolan („Interstellar“), die bei uns eher unter ‚ferner liefen‘ läuft.
In „Keine gute Tat“ spielt sie Terry, eine ehemalige Staatsanwältin und jetzt glücklich verheiratete Mutter von zwei Kindern, die in einem noblen Vorstadthaus lebt. Ihr Mann besucht gerade seinen Vater über das Wochenende zu einen gemeinsamen Geburtstag-Angelausflug.
Als es klingelt und Colin (Idris Elba) vor der Tür steht, will sie den Fremden, dessen Auto einige Meter weiter verunglückte, zuerst nicht in ihr Haus lassen. Aber draußen stürmt es, er ist platschnaß und höflich.
Dabei ist das nur eine Fassade. Colin ist ein ausgebrochener Sträfling, der auf seiner Flucht eine Spur von Leichen hinterlässt und natürlich auch in Terrys Haus wüten wird.
Die Geschichte von „Keine gute Tat“ ist altbekannt und sie wird auch ohne nennenswerte Variationen abgespult. Erst gegen Ende gibt es eine Überraschung, die den vorherigen Ereignissen eine neue Bedeutung verleiht. Es ist allerdings auch nur eine Überraschung, ein Aha-Moment, der ziemlich folgenlos verpufft. Hätten die Macher diese Überraschung schon früher enthüllt, hätten alle Handlungen von Colin und Terry noch ein weiteres Motiv gehabt und dann wäre „Keine gute Tat“ mehr als nur ein weiterer formelhafter Home-Invasion-Thriller, bei dem der interessanteste Aspekt die Hautfarbe der beiden Hauptdarsteller ist.
Davon abgesehen wissen wir jetzt, dass Idris Elba einen Film tragen kann, wie er auch TV-Serie „Luther“ trägt.
Sowieso heben die spielfreudigen Schauspieler und „Luther“-Regisseur Sam Miller die altbekannte Geschichte auf ein höheres Level, als der Film es verdient hat. Denn es ist ein klassischer TV-Film, der ohne Nebengeschichten und ohne besondere Höhen und Tiefen in unter neunzig Minuten geradlinig seine Geschichte erzählt.

Keine gute Tat - Plakat

Keine gute Tat (No good deed, USA 2014)
Regie: Sam Miller
Drehbuch: Aimee Lagos
mit Idris Elba, Taraji P. Henson, Leslie Bibb, Kate del Castillo, Henry Simmons, Mirage Spann, Kenny Alfonso, Dan Caudill
Länge: 84 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Keine gute Tat“
Moviepilot über „Keine gute Tat“
Metacritic über „Keine gute Tat“
Rotten Tomatoes über „Keine gute Tat“
Wikipedia über „Keine gute Tat“


Neu im Kino/Filmkritik: Das Biopic „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Januar 31, 2014

 

Als traditionelles Biopic kämpft „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ natürlich mit dem bekannten Biopic-Problem, dass innerhalb einer begrenzten Zeit ein ganzes Leben abgehandelt werden muss. Da hilft auch nicht die Biopic-übliche Überlänge. Im Sauseschritt geht es durch die Geschichte, die in Nelson Mandelas Geburtsort, dem Dorf Mvezo in der Transkei, beginnt, dann einen Sprung nach Johannesburg macht und Nelson Mandela in den frühen vierziger Jahren als jungen Anwalt zeigt, der durch sein Township geht. Schon in diesem Moment ist, dank der Kamera, Idris Elbas energischen Schritten und den ihn bewundernd ansehenden Bewohnern, klar, dass hier ein geborener Führer in seiner Gemeinschaft ist. Weitere Erklärungen sind überflüssig.

Mandela politisiert sich bei seiner Arbeit. Denn in der Apartheid-Gesellschaft haben Schwarze keine Rechte. Er wird ANC-Mitglied, hält Reden, nimmt den politischen Kampf auf, trennt sich von seiner ersten Frau, verliebt sich in Winnie Mandela, geht als bewaffneter Kämpfer in den Untergrund, wird verhaftet, 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt, lebt danach auf der Gefängnisinsel Robben Island, kommt 1990 frei und wird 1994 Präsident von Südafrika.

Es wird auch gezeigt, wie Winnie für die Freiheit ihres Mannes kämpft, Repressalien ausgesetzt ist und ebenfalls verhaftet wird.

Eben diese Beziehung zwischen Winnie und Nelson Mandela steht dann auch halbwegs im Zentrum von „Mandela“, während sich Nelson Mandelas politisches Wirken auf einige Allgemeinplätze beschränkt. Er fordert ein Ende der Apartheid, Gleichheit und „ein Mann, eine Stimme“. Wer kann etwas dagegen haben? Aber warum er sich radikalisierte und vom Anwalt zum Terroristen wurde, bleibt unklar. Es bleibt auch unklar, warum gerade er so bekannt wurde und warum er zum weltweit bekannten Symbol im Kampf gegen die Apartheid wurde. Ältere dürften sich noch an die weltweite Solidaritätsbewegung für Nelson Mandela in den achtziger Jahren mit ihren zahlreichen Aktionen, wie dem Konzert im Wembley-Stadion zu seinem 70. Geburtstag am 11. Juni 1988, erinnern. Da saß er bereits ein Viertel Jahrhundert ohne Kontakt zur Außenwelt im Gefängnis. Im Film gibt es einige Ausschnitte von Konzerten und Demonstrationen.

In Justin Chadwicks Spielfilm wird das Politische immer wieder zugunsten des Privaten vernachlässigt. Zwar werden ihm die Bürgerrechte energisch verteidigt; was nach 9/11 und der allumfassenden Überwachung der Bürger durch die Geheimdienste nötiger denn je ist und der Film hier Parallelen hätte aufzeigen können, aber die Verteidigung der Bürger- und Menschenrechte geht nie über die allgemein akzeptierten Gemeinplätzen hinaus. Das mag aus kommerziellen Erwägungen vernünftig sein, das mag sogar den Wünschen von Nelson Mandela, der in die Produktion des Films involviert war, entsprechen.

Aber so bleibt am Ende von „Mandela“ dann nur große Bewunderung für Idris Elba, der Nelson Mandela glaubwürdig vom 23-jährigen bis zum 76-jährigen Mann spielt und dafür eine Golden-Globe-Nominierung erhielt, und für Naomi Harris, die Winnie Mandela spielt, übrig.

Es bleibt auch die Hoffnung, dass „Mandela“ dazu führt, sich genauer mit Nelson Mandela, seinen politischen Ansichten und seinem Wirken zu beschäftigen.

Denn langweilig ist das viel zu unpolitische, viel zu sehr privatisierende und notgedrungen oberflächliche Biopic „Mandela“ nie. Es gehört sogar zu den besseren Biopics, die ein ganzes Leben schildern.

Aber die gelungenen Biopics der letzten Jahre, wie „Hannah Arendt“ und „42“ (um nur zwei sehr gegensätzliche Beispiele zu nennen), konzentrierten sich auf einen kurzen, aber entscheidenden Abschnitt im Leben des Porträtierten.

Mandela - Plakat

Mandela – Der lange Weg zur Freiheit (Mandela: Long Walk to Freedom, USA 2013)

Regie: Justin Chadwick

Drehbuch: William Nicholson

LV: Nelson Mandela: Long Walk to Freedom, 1995 (Der lange Weg zur Freiheit)

mit Idris Elba, Naomi Harris, Tony Kgoroge, Riaad Moosa, Fana Mokonea

Länge: 147 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Moviepilot über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Metacritic über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Rotten Tomatoes über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Wikipedia über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ (deutsch, englisch) und Nelson Mandela

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Guillermo del Toros „Pacific Rim“

Juli 19, 2013

 

Die ersten Trailer von „Pacific Rim“, dem neuen Film von „Hellboy“-Regisseur Guillermo del Toro, ließen einen etwas ratlos zurück, weil sie ziemlich abschreckend nach „Transformers meets Godzilla“ aussahen und es wirklich rätselhaft war, was del Toro an dieser „Riesenroboter verkloppen Riesenechsen“-Geschichte interessieren sollte.

Auch nach dem Film und der Lektüre des Pressematerials kann ich das nicht genauer sagen. Gut. Er sah in seiner Jugend die kultigen „Godzilla“-Filme von Ishiro Honda und er wollte seinen „Godzilla“-Film drehen. Honda und Ray Harryhausen, dem kürzlich verstorbenen Meister der Stop-Motion-Technik, widmete er den Film. Beide zauberten ihre fantastischen Welten mit Tricks, Modellen, viel Geduld und ohne Computer. Heute werden mit Computerhilfe fantastische Welten und Kämpfe entworfen, denen aber auch der Charme der Werke von Honda und Harryhausen fehlt.

Eben dieser Charme fehlt auch „Pacific Rim“. Denn die Kämpfe zwischen den Kaiju (japanisch für Riesenmonster) und den Jaeger (äh, ja, Jäger), wie die Riesenroboter heißen, sind meistens im Dunkeln stattfindende elend lange und auch langweilige Kloppereien zwischen Monstern und Robotern, die zwar gut inszeniert sind, aber auch auf ein Grundproblem der von Guillermo del Toro und Travis Beacham erfundenen und absolut vorhersehbaren Geschichte, die eigentlich ein „Top Gun“-Recycling ist, hinweisen: alle Charaktere sind uns herzlich egal. Es gibt den tapferen Jaeger-Piloten Raleigh (Charlie Hunnam), der sich in die Einöde zurückzieht, nachdem bei einem Einsatz sein Bruder starb.

2025 wird er von seinem ehemaligen Pan-Pacific-Defense-Corp-Kommandanten Stacker Pentecost (Idris Elba) gefunden. Er braucht ihn für das letzte Gefecht gegen die Kaiju. Diese kommen aus einer Spalte im Meer (und von dort über irgendein Wurmloch aus ihrer Welt) und sie sind kurz davor, die Erde endgültig zu übernehmen. Jetzt, wo ich über die Prämisse nachdenke, wird sie immer idiotischer.

Aber die Menschheit hat eine, ähem, interessante Idee: das Jaeger-Programm. Die Jaeger sind 25 Stockwerke hohe Roboter, die von zwei Menschen, die geistig miteinander verbunden sind und im Kampf daher wie ein Gehirn reagieren, gesteuert werden und die reihenweise Kaijus töten. Die Jaeger-Piloten werden wie Rockstars verehrt, aber dann entwickelen die Kaijus sich weiter und die Jaeger-Piloten sehen alt aus. Die Weltregierung will sich jetzt mit einer anderen Methode gegen die Kaiju verteidigen. Das Jaeger-Programm wird eingestellt.

Pentecost will das nicht akzeptieren und er trommelt seine Soldaten und zwei extrem nervige Wissenschaftler zusammen zur letzten Schlacht gegen die Viecher.

Das alles erzählt del Toro in den ersten fünfzehn, zwanzig Minuten. Danach gibt es in der Jaeger-Basis einen länglichen Ausleseprozess. Denn Raleigh braucht einen Partner – und wir wissen schon von der ersten Sekunde an, wer das wird: nämlich Mako (Rinko Kikuchi), die Gehilfin von Pentecost, die unter seinem besonderen Schutz steht (Yeah, genialer Plot-Zug: der Vorgesetzte als stinkiger, überfürsorglicher „Battleship“-Daddy). Es gibt auch, wie in „Top Gun“, einen anderen Jaeger-Piloten, der Raleigh als Konkurrenten von der ersten Sekunde an hasst.

Und den Rest können wir uns denken. Etwas Liebe, zwar ohne Knutschereien und Sex, aber mit dem ultimativen Gehirntrip, weil die Piloten, wenn ihre Gehirne für die Jaeger-Steuerung miteinander verbunden werden, erfahren sie auch gleichzeitig alles über den anderen. Ein Übungskampf. Und dann ab ins Finale mit zwei großen Kampfszenen, von denen der letzte Kampf unter Wasser, an der Spalte, aus der die Kaijus kommen, stattfindet.

Das ist so konventionell, dass eben auch die schwachen bis nicht vorhandenen Charakterisierungen und – wenn ich an „Hellboy“ denke – der mangelnde Humor auffallen. Vor allem Charlie Hunnam, der ja den Helden Raleigh spielt, und Idris Elba, der den Befehlshaber spielt, werden vom Drehbuch sträflich vernachlässigt. „Sons of Anarchy“-Hunnam vergisst man sofort. Und von Idris Elba bleiben nur die schlecht sitzenden Anzüge im Gedächtnis. Und dabei kann Elba, wie die derzeit im BBC laufende dritte, geniale „Luther“-Staffel zeigt, so viel mehr. Aber in „Pacific Rim“ ist er nur ein Kleiderständer. „Hellboy“ Ron Perlman als Kriegsgewinnler und Kaiju-Schwarzmarkthändler ist in seinen schillernden Kleidern eine Augenweide und auch der einzige Charakter, der mit seiner Dreißiger-Jahre-Hollywood-Asiaten-Bösewicht-Rolle so etwas wie Humor in den Film bringt. Die beiden Wissenschaftler Dr. Newton Geiszler (Charlie Day) und Herman Gottlieb (Burn Gorman) entsprechen dem Bild des durchgeknallten Nerd-Wissenschaftlers mit Dachschaden. Das ist witzig gemeint, aber es ist nicht witzig.

Pacific Rim“ ist nicht so schlecht, wie ich befürchtete. Es ist deutlich besser als „Battleship“, aber auch ein Film der verpassten Chancen. Es ist ein Film, der so viel besser sein könnte und dann doch nur ein Honda-“Godzilla“-Film mit besseren Tricks ist. Aber ohne den dilletantisch-billigen Charme der Originale und ohne einen irgendwie erkennbaren politischen Subtext, der in Hondas Filmen immer erkennbar war.

Guillermo del Toros Film ist nur mäßig spannendes und mäßig unterhaltsame Blockbuster-Kino mit guten Tricks, echt wirkenden Sets, einem gerade so die Geschichte zusammenhaltendem Drehbuch und einer Parade sträflich unterforderter Schauspieler.

Pacific Rim - Plakat

Pacific Rim (Pacific Rim, USA 2013)

Regie: Guillermo del Toro

Drehbuch: Travis Beacham, Guillermo del Toro (nach einer Geschichte von Travis Beacham

mit Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Charlie Day, Burn Gorman, Max Martini, Robert Kazinsky, Clifton Collins Jr., Ron Perlman, Diego Klattenhoff

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Pacific Rim“

Metacritic über „Pacific Rim“

Rotten Tomatoes über „Pacific Rim“

Wikipedia über „Pacific Rim“ 

Pacific Rim - Teaser

 

 


TV-Tipp für den 1. April: The Losers

April 1, 2013

RTL, 22.05

The Losers (USA 2010, R.: Sylvain White)

Drehbuch: Peter Berg, James Vanderbilt

LV: Andy Diggle/Jock: The Losers, 2003 (The Losers)

Als ein Anschlag auf eine Drogenbaron in Bolivien grandios schiefgeht, wissen Clay und sein Team, dass ihr Auftraggeber, der geheimnisvolle Max, ein ganz hohes Tier im US-amerikanischen Geheimdienst und zuständig für die wirklich schmutzigen Aktionen, sie umbringen will. Sie beschließen, es ihm heimzuzahlen.

Das bessere A-Team und der bessere „A-Team“-Film, dank eines selbstironischen Tons, guter Schauspieler und ordentlicher Action.

Die Vorlage, der Comic von Andy Diggle und Jock ist auch einen Blick wert.

mit Jeffrey Dean Morgan, Zoe Saldana, Chris Evans, Idris Elba, Columbus Short, Oscar Jaenada, Jason Patric

Wiederholung: Dienstag, 2. April, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

 Metacritic über „The Losers“

Rotten Tomatoes über „The Losers“

Wikipedia über „The Losers“

Homepage von Andy Diggle

Blog von Andy Diggle

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jocks „The Losers: Goliath – Band 1“

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Shawn Martinbroughs „The Losers: Die Insel – Band 2“

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Nick Dragotta/Alé Garza: The Losers: Der Pass, Band 3 (The Losers 13 – 19, 2005)
Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Ben Olivers (Zeichner) „The Losers: London Calling (Band 4) (The Losers # 20 – 25, 2005)

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Colin Wilsons “The Losers: Endspiel (Band 5)” (The Losers # 26- 32, 2005/2006)

Meine Besprechung von Andy Diggle (Autor)/Leonard Manco/Danijel Zezelj (Zeichner) „John Constantine, Hellblazer: Spritztour (Band 10)“ (Hellblazer: Vol. 230 – 239, 2008)

 Meine Besprechung von Andy Diggles „The Punisher“-Geschichte „Stille Nacht“ (in „PunisherMAX: Hässliche kleine Welt“)