Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Wenn aus einem Krieg „Die Rosenschlacht“ wird

August 28, 2025

Eine gute Idee kann gerne mehrmals verwendet werden. Schließlich protestiert niemand gegen die nächste Shakespeare-Aufführung und Verfilmung mit dem Hinweis, dass das Stück bereits präsentiert wurde.

Darum spricht auch nichts gegen eine neue Verfilmung von Warren Adlers „The War of the Roses“, das in Deutschland zuerst als „Der Rosenkrieg“ erschien und jetzt, in einer neuen Übersetzung, als „Die Rosenschlacht“ veröffentlicht wurde.

Adler erzählt schwarzhumorig und unerbittlich an der Eskalationsschraube drehend den Scheidungskrieg des Ehepaares Rose. Als sie sich kennen lernen, ist es Liebe auf den ersten Blick. Sie heiraten. Er macht als Anwalt Karriere. Sie zieht die Kinder groß und richtet das Haus ein. Zwanzig Jahre nach ihrer ersten Begegnung wird Jonathan in ein Krankenhaus eingeliefert. Er vermutet, er habe einen Herzinfarkt und liege im Sterben. Es ist nur ein harmloser Zwerchfellbruch. In dem Moment – auf Seite 49 in der aktuellen deutschen Ausgabe des Buches – erkennt Barbara, dass sie ihren Mann nicht mehr liebt und künftig ohne ihn leben will. Sie will die Scheidung und das Haus. Er will ebenfalls das Haus.

Auf den folgenden Seiten des 270-seitigen Romans erzählt Adler, wie sie mit immer drastischeren Mitteln um das Haus kämpfen und dabei physisch und psychisch immer mehr verfallen.

1990 verfilmte Danny DeVito die Geschichte mit Michael Douglas und Kathleen Turner in den Hauptrollen. „Der Rosenkrieg“ ist eine hundsgemeine schwarze Komödie mit einer ordentlichen Portion Slapstick. Der Film war ein Hit und ist heute ein Klassiker.

Jetzt verfilmte Jay Roach („Bombshell“), nach einem Drehbuch von Tony McNamara („The Favourite“, „Poor Things“), die Geschichte wieder. Benedict Cumberbatch und Olivia Coleman übernahmen die Hauptrollen. Die Geschichte wurde selbstverständlich aktualisiert. Auch wenn in dem Roman und der ersten Verfilmung kaum erkennbar ist, wann die Geschichte spielt, macht es einen Unterschied, ob die Geschichte 1981 (Roman), 1990 (erste Verfilmung) oder 2025 (die aktuelle Verfilmung) spielt. Die Zeit, die Gesetze und die Ansichten über Scheidung und die Rolle der Frau änderten sich; – obwohl sie in dem konservativen, vermögendem Milieu, in dem Geschichte spielt, eher gleich blieben. Die Geschichte spielt immer in den USA, aber sie könnte, mit kleinsten Veränderungen, genauso gut in einem anderen Land spielen. Solange der Kern der Geschichte – der eskalierende Krieg der Roses gegeneinander – erhalten bleibt, ist es der Rosenkrieg.

Auch in Jay Roachs Film fetzten sich die Roses. Bis es dazu kommt vergeht allerdings viel Filmzeit. Und auch dann ändert sich nichts an den grundsätzlichen Problemen dieser Komödie. Denn Roach trifft so viele falsche Entscheidungen bei den Figuren und der Story, die aus einem angekündigtem Krieg ein laues Lüftchen machen.

Das beginnt schon bei der ersten Begegnung von Jonathan und Barbara (so heißen sie im Roman) bzw. von Oliver und Barbara (so heißen sie in DeVitos Film) bzw. von Theo und Ivy (so heißen sie in Roachs Film).

Bei Warren Adler und Danny DeVito ist die erste Begegnung der Beiden bei einer Auktion. Sie bieten gegeneinander um den selben Gegenstand und verlieben sich sofort ineinander. DeVito zeigt außerdem vom ersten Moment, dass es später Probleme in ihrer Beziehung geben wird.

Bereits in diesem Moment präsentieren Adler und DeVito das künftige Traumpaar als äußerst wettbewerbsorientierte Menschen, die, wenn sie eine Sache haben wollen, nur sehr schwer bis überhaupt nicht nachgehen können. Entsprechend schwer fallen ihnen, weil sie dann ja verlieren, Kompromisse. Wie schwer, zeigt dann die Geschichte ihrer Scheidung.

Roach führt sie dagegen mit einem Gespräch bei einer Paartherapeutin ein. Sie sollen zehn Dinge nennen, die sie bei dem anderen schätzen. Es wird eine Liste von Beleidigungen; wobei Theo die letzten Beleidigungen von Ivy zustimmend lachend als ziemlich witzig bezeichnet. Als die Therapeutin meint, sie könne nichts tun und eine Trennung empfiehlt, wenden die Roses sich spontan gegen sie und drohen, sie zu verklagen. Vor der Praxis der Therapeutin klatschen sie sich ab. Die Botschaft ist klar: die beiden gehören zusammen.

Dann zeigt Roach, wie sie sich kennen lernen. Er ist Architekt (bei Adler und DeVito ist er ein Anwalt). Mit seinen Kollegen ißt er in einem noblen Restaurant. Gelangweilt von den Gesprächen seiner Kollegen geht Theo in die Küche. Dort trifft er die von ihrer Arbeit gelangweilte Ivy. Es ist Liebe auf den ersten Blick. In dieser Szene nimmt Roach den unbedingten Willen der Figuren, um jeden Preis zu gewinnen, aus der Geschichte. Schließlich konkurrieren sie nicht um die selbe Sache. Aber sie sind sich einig, dass ihre Talente von ihren Chefs nicht geschätzt werden.

Beide Szenen schwächen die Grundidee der ursprünglichen Geschichte.

Das setzt sich durch den gesamten Film fort bis zur letzten Szene. Diese hat nichts von der Eindeutigkeit und Schärfe des Buchendes oder des in Details anderen Endes von DeVitos Film.

Das zweite große Problem des Films ist, dass der titelgebende Rosenkrieg in Roachs Film erst im dritten Akt wirklich beginnt. Weil der Film in dem Moment fast vorüber ist, muss er atemberaubend schnell eskalieren.

Bis dahin plätschert die Geschichte vor sich hin. Ungefähr zwanzig Beziehungsjahre, in denen die beiden Kinder erwachsen werden und die unterschiedlichen Karrieren von Theo, der mit seinen Architekturprojekten keinen Erfolg hat, und Ivy, die mit ihrem Restaurant erfolgreich ist, werden in epischer Breite geschildert. Kleinere Verstimmungen zwischen den beiden Eheleuten werden gezeigt, aber sie könnten auch immer wieder als kleine Unaufmerksamkeiten oder Neckereien oder halt die üblichen Streitereien, die es in jeder Ehe gibt, betrachtet werden. Schließlich verstehen sich die Roses verdammt gut, lieben, schätzen und helfen sich auch. So übernimmt der von zu Hause aus arbeitende Architekt Theo klaglos die Erziehung der Kinder, während Ivy ihr expandierendes Restaurant führt. Später ermöglicht sie ihm den Bau seines Traumhauses. Das ist die Geschichte einer Ehe.

Im Roman und in DeVitos Film beginnt der Scheidungskrieg, ohne ein langes Vorspiel, ziemlich früh in der Geschichte. Beide Male nimmt er den größten Teil der Geschichte ein. Beide Male haben die Erzähler viel kreative Energie auf das Eskalieren des Konflikts verwendet.

Roachs Rosenkrieg verplempert seine Zeit mit der nicht so wahnsinnig interessanten, weitgehend vollkommen austauschbaren Vorgeschichte und handelt den Krieg in einer Randnotiz mit offenem Ende ab.

Die vielen auf dem Filmplakat abgebildeten bekannten Schauspieler haben in dieser Ehegeschichte nur kurze, weitgehend folgenlose Auftritte.

Insgesamt ist „Die Rosenschlacht“ eine Komödie voller verpasster Möglichkeiten. Da können Benedict Cumberbatch und Olivia Colman nichts retten.

Die Rosenschlacht (The Roses, USA 2025

Regie: Jay Roach

Drehbuch: Tony McNamara

LV: Warren Adler: The War of the Roses, 1981 (Der Rosenkrieg, Die Rosenschlacht)

mit Benedict Cumberbatch, Olivia Colman, Andy Samberg, Allison Janney, Belinda Bromilow, Ncuti Gatwa, Sunita Mani, Zoë Chao, Jamie Demetriou, Kate McKinnon

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage, neu übersetzt und mit neuem Titel

Warren Adler: Die Rosenschlacht

(übersetzt von Babette Schröder)

Lübbe, 2025

272 Seiten

16 Euro

Deutsche Erstausgabe

Der Rosenkrieg (übersetzt von Yvonne Viehöfer)

Lübbe, 1990

Originalausgabe

The War of the Roses

Warner Books Inc, 1981

Hinweise

Moviepilot über „Die Rosenschlacht“

Metacritic über „Die Rosenschlacht“

Rotten Tomatoes über „Die Rosenschlacht“

Wikipedia über „Die Rosenschlacht“ (deutsch, englisch) und Warren Adler (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Trumbo“ (Trumbo, USA 2015)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ (Bombshell, USA/Kanada 2019)


TV-Tipp für den 14. Oktober: Bombshell – Das Ende des Schweigens

Oktober 13, 2023

ZDFneo, 20.15/23.30

Bombshell – Das Ende des Schweigens (Bombshell, USA/Kanada 2019)

Regie: Jay Roach

Drehbuch: Charles Randolph

Gelungenes, nah an den Fakten entlang erzähltes, leicht satirisches Drama über die Klagen von Gretchen Carlson und Megyn Kelly gegen ihren Arbeitgeber Fox News.

Anschließend, um 21.55 Uhr, zeigt ZDFneo die spielfilmlange Doku „Harvey Weinstein – Macht und Missbrauch“ (Großbritannien 2019).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie, John Lithgow, Kate McKinnon, Allison Janney, Connie Britton, Mark Duplass, Nazanin Boniadi, Malcolm McDowell

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bombshell“

Metacritic über „Bombshell“

Rotten Tomatoes über „Bombshell“

Wikipedia über „Bombshell“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Trumbo“ (Trumbo, USA 2015)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ (Bombshell, USA/Kanada 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Greta Gerwig, Margot Robbie, „Barbie“ – – – und Ken

Juli 21, 2023

Ich gehöre nicht zum Zielpublikum von „Barbie“; – wobei ich jetzt ad hoc auch nicht sagen kann, wer genau das Zielpublikum ist. Mädchen, die mit Barbie-Puppen spielen? Frauen, die mal mit Barbie-Puppen gespielt haben? Menschen, die Barbie für eine Kampferklärung an den Feminsmus halten und das gut oder nicht gut finden?

Denn „Barbie“ wird auch beworben als Film für Barbie-Fans und Barbie-Hasser und dass Greta Gerwig die Regie übernahm, steigert die Erwartungen. Jedenfalls unter Cineasten und Arthaus-Fans. Ihre beiden Spielfilme „Lady Bird“ und „Little Women“ überzeugten. Ebenso die Drehbücher für „Frances Ha“ und „Mistress America“, die sie zusammen mit ihrem Partner Noah Baumbach schrieb. Baumbach inszenierte die Bücher mit ihr in der Hauptrolle. Auch für „Barbie“ schrieben sie das Drehbuch zusammen. Nur dass dieses Mal, wie gesagt, Greta Gerwig die Regie übernahm.

Margot Robbie übernahm die Hauptrolle. Barbies Freund Ken wird von Ryan Gosling gespielt. Der Spielzeughersteller Mattel, der die Barbie-Puppe herstellt, gehört zu den Produzenten. 145 Millionen US-Dollar soll der Film gekostet haben. Ein Teil floss in die prächtigen Sets. Das Film-Barbieland ist eine saubere Fantasie-Plastikwelt, die sich natürlich an Mattels Barbie-Produkten orientiert. Insofern ist der Film die Beigabe zum Spielzeug, das den Verkauf des Spielzeugs ankurbeln soll. Wie die „Transformers“-Filme Hasbros Spielzeug verkaufen soll.

In diesem Barbieland ist alles perfekt. Sorgen gibt es nicht. Ein Tag ist wie der andere. Die Frauen heißen Barbie und es ist ihr Reich. Die Männer, die alle Ken heißen, haben nur einen Wunsch: Barbie zu dienen. Eines Tages gibt es Veränderungen in Barbies Leben. So denkt sie an den Tod, ihre Füße sind flach, duschen, essen und trinken funktionieren nicht mehr wie gewohnt.

Um wieder zu ihrem sorgenfreien Barbie-Leben zurückkehren zu können, muss sie in die echte Welt gehen. Ken begleitet sie.

Dort trifft sie auf ihre Besitzerin, den Mattel CEO und die gesamte, nur aus Männern bestehende Chefetage.

Später geht es wieder zurück nach Barbieland, das schwuppdiwupp zu Kenland wurde. Ken hat in der echten Welt gelernt, dass Männer die Macht haben. Sein Kenland besteht aus Bier aus Dosen trinkenden Machos, die von Frauen bedient werden. Die Barbies, die vorher Präsidentinnen, Richterinnen und Astronautinnen waren, tun dies ohne erkennbaren Widerstand. Sie haben zwar alle ein göttliches Aussehen (mit minimalen Abweichungen von den Idealmaßen und in der Hautfarbe), aber keinerlei Hirn.

Also muss die Haupt-Barbie (aka Stereotypical Barbie aka Margot Robbie) wieder die alte Ordnung herstellen.

Es gibt durchaus einiges, was für „Barbie“ spricht. Die Sets, vor allem in Barbieland, sind gelungen. Die Schauspieler sind gut. Es gelingt ihnen, den Barbies und Kens Leben und Gefühle einzuhauchen. Gerwig hat viele Ideen. Es gibt unzählige Anspielungen, die locker für zwei Filmseminare ausreichen. Sie beginnt ihre Komödie pompös mit einer für jeden leicht erkennbaren Nachinszenierung der Anfangsszene von Stanley Kubricks „2001“, nur dass hier Mädchen, Puppen und eine überlebensgroße Barbie die Rolle der Affen und des riesigen außerirdischen Monolithen übernehmen. Auch später gibt es, mehr oder weniger deutliche Anspielungen auf „Die Truman Show“, den „Zauberer von Oz“ und, am Ende, „Der Himmel über Berlin“. Als Cineasten dürften Gerwig und Baumbach Wenders‘ Film kennen. Es gibt etliche Gags, die sich um das Leben in Barbieland und den Clash von Barbie und Ken mit der realen Welt drehen. Selbstverständlich werden Geschlechterfragen thematisiert. Es gibt etwas Kritik an der „Barbie“-Figur und Mattel, die nicht über einen flüchtig wahrgenommenen Zeitungsartikel hinausgeht.

Barbie“ ist nämlich keine Satire und Kritik an Barbie und dem von ihr vermittelten Frauenbild, sondern ein von den Barbie-Herstellern bezahltes Multimillionenwerk. Da ist, für die eigene Imagepflege etwas Kritik erlaubt, aber letztendlich soll die Investition Geld einspielen und den Verkauf der Figuren ankurbeln. Mattel hat schon Pläne für viele weitere Filme mit ihren Figuren als Filmprotagonisten. Insofern soll Gerwigs „Barbie“ für Mattel das sein, was Michael Bays „Transformers“ für Hasbro war: der Start eines finanziell einträglichen Franchises.

Das ist so. Das ist auch nichts, was man dem Film vorwerfen kann.

Vorwerfen kann und muss man dem Film allerdings sein Drehbuch. Aus den vielen Ideen und Anspielungen entsteht keine Geschichte. Vieles wird angesprochen, aber nichts wird vertieft oder konsequent zu Ende geführt; wobei das Ende auch wieder problematisch ist. Die präsentierten Welten sind denkbar plakativ. Der Wechsel in Barbieland von Barbieland zu Kenland geschieht mit einem Fingerschnipsen. Über das Verhältnis zwischen Barbieland und der realen Welt sollte nicht weiter nachgedacht werden. Die Barbies und Kens bleiben Puppen. Leere Gefäße, die über keinerlei Individualität verfügen und die mit beliebigen Inhalten gefüllt werden können. Intelligenz gehört nicht dazu.

Barbie“ ist ein leerer Film.

Barbie (Barbie, USA 2023)

Regie: Greta Gerwig

Drehbuch: Greta Gerwig, Noah Baumbach

mit Margot Robbie, Ryan Gosling, Issa Rae, Kate McKinnon, John Cena, Michael Cera, Will Ferrell, Rhea Perlman, Helen Mirren (Erzählerin, im Original)

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Barbie“

Metacritic über „Barbie“

Rotten Tomatoes über „Barbie“

Wikipedia über „Barbie“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Greta Gerwigs „Lady Bird“ (Lady Bird, USA 2017)

Meine Besprechung von Greta Gerwigs „Little Women“ (Little Women, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Über den Trickfilm „DC League of Super-Pets“ und Justice League

Juli 29, 2022

Die schwerste Aufgabe für den Superhund Krypto ist, morgens sein Herrchen Superman aufzuwecken und zum Gassi gehen/fliegen durch Metropolis zu überreden. Das ist die Stadt, in der Superman, wie wir aus unzähligen Comics und Filmen wissen, lebt und die dort lebenden Menschen vor Bösewichtern wie Lex Luthor beschützt.

Dieser Lex Luthor plant jetzt wieder eine Schandtat, die Superman mit seinen Freunden von der Justice League verhindern wollen. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände landet etwas von dem besonderem Kryptonit, das Lex Luthor erfunden hat und das Superman kampfunfähig machen soll, in einem Tierheim.

Das dort in einem Käfig eingesperrte Meerschweinchen Lulu kostet von diesem Kryptonit, bekommt Superkräfte und als angehende Superbösewichtin plant sie sofort viele böse Taten.

Das will Krypto verhindern. Helfen sollen ihm dabei die anderen Tiere aus dem Tierheim, nämlich der Hund Ace, das Hängebauchschwein PB, die Schildkröte Merton und das Eichhörnchen Chip, die alle gerne neue menschliche Freunde hätten.

DC League of Super Pets“ ist ein Trickfilm für Kinder. Nach einem charmantem Anfang wird schnell deutlich, dass die Regiseure Jared Stern (u. a. Co-Autor „The Lego Batman Movie“) und Sam J. Levine sich im wesentlichen damit zufrieden geben, eine altbekannte Story noch einmal zu erzählen. Nur dass jetzt Tiere weitgehend die Rollen der Superhelden und des Superbösewichts übernehmen. Es gibt einige Witze, etwas Action und für Erwachsene ziemlich viel Langeweile aufgrund geistiger Unterforderung.

Die Film-“League of Super Pets“ basiert teilweise auf Comic-Figuren, die als League of Super Pets ihren ersten Auftritt 1962 hatten. Davor traten sie bereits in Einzelcomics auf.

DC League of Super-Pets (DC League of Super-Pets, USA 2022)

Regie: Jared Stern, Sam J. Levine (Ko-Regie)

Drehbuch: Jared Stern, John Whittington

mit (im Original den Stimmen von) Dwayne Johnson, Kevin Hart, Kate McKinnon, John Krasinski, Vanessa Bayer, Natasha Lyonne, Diego Luna, Marc Maron, Keanu Reeves, Thomas Middleditch, Ben Schwartz, Olivia Wilde, Alfred Molina, Lena Headey

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Emilia Schüle, Tahnee, Enissa Amani, Torsten Sträter

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „DC League of Super-Pets“

Metacritic über „DC League of Super-Pets“

Rotten Tomatoes über „DC League of Super-Pets“

Wikipedia über „DC League of Super-Pets“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 1. November: Bombshell – Das Ende des Schweigens

Oktober 31, 2021

ZDF, 22.15

Bombshell – Das Ende des Schweigens (Bombshell, USA/Kanada 2019)

Regie: Jay Roach

Drehbuch: Charles Randolph

TV-Premiere. Gelungenes, nah an den Fakten entlang erzähltes, leicht satirisches Drama über die Klagen von Gretchen Carlson und Megyn Kelly gegen ihren Arbeitgeber Fox News.

Anschließend, um 23.55 Uhr, zeigt das ZDF im Rahmen seines #MeToo-Abends (der ruhig früher hätte beginnen können), ebenfalls als TV-Premiere, die spielfilmlange Doku „Unantastbar – Der Fall Harvey Weinstein“ (Großbritannien 2019).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie, John Lithgow, Kate McKinnon, Allison Janney, Connie Britton, Mark Duplass, Nazanin Boniadi, Malcolm McDowell

Wiederholung: Mittwoch, 3. November, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bombshell“

Metacritic über „Bombshell“

Rotten Tomatoes über „Bombshell“

Wikipedia über „Bombshell“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Trumbo“ (Trumbo, USA 2015)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ (Bombshell, USA/Kanada 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ über sexuelle Belästigung

Februar 13, 2020

Eine Vorkämpferin für den Feminismus oder die Gleichberechtigung von Frauen war keine von ihnen. Schließlich arbeiteten sie an einem Ort, der täglich dagegen kämpfte. Und es immer noch tut.

Sie arbeiteten bei Fox News, einem US-TV-Sender, der sich Nachrichtensender nennt, damals mit dem Slogan „fair and balanced“ warb, es nicht war und seit der Wahl von Donald J. Trump zum US-Präsidenten endgültig dessen Haussender und Echokammer ist. Dabei kam schon 2011 eine empirische Studie zu dem Ergebnis, dass Zuschauer von Fox News über das tatsächliche politische Tagesgeschehen am wenigsten wüssten. Zuschauer anderer Sender und sogar US-Amerikaner, die keine Nachrichten sehen, waren besser informiert.

Am 6. Juli 2016 klagte Gretchen Carlson, das hübsche Gesicht der Fox-Morningshow „Fox & Friends“, gegen Roger Ailes, den Gründer und Chef des Senders, wegen sexueller Belästigung. Ihre ehemaligen langjährigen Kollegen erklärten öffentlich auf Fox News, dass das die Vorwürfe einer irregeleiteten Frau seien und die Arbeitsatmosphäre bei Fox News fantastisch sei. Das war eine Lüge. Denn Carlson hatte vor ihrer Klage eifrig Beweise gesammelt und auch andere Frauen berichteten von Belästigungen durch Ailes und andere Männer bei Fox News.

Der Skandal wurde so groß, dass Fox News hohe Entschädigungssummen zahlen musste und Fox-News-Eigentümer Robert Murdoch (und, als treibende Kräfte bei Ailes‘ Entlassung, seine beiden Söhne) Ailes am 21. Juli 2016 entließ.

Davor, bereits im August 2015, hatte Megyn Kelly, die ‚First Lady von Fox News‘ und Gastgeberin der „The Kelly File“, Ärger mit ihrem Chef Roger Ailes. Sie hatte in einer Wahlkampfdebatte den damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump auf seine sexistischen Äußerungen angesprochen. Ailes-Freund und Fox-Quotenbringer Trump beleidigte sie danach öffentlich und Ailes sagte ihr, sie solle dazu schweigen.

In seinem Spielfilm „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ konzentrieren Regisseur Jay Roach („Trumbo“) und sein Drehbuchautor Charles Randolph („The Big Short“) sich bei ihrem Sittengemälde von Fox News auf Megyn Kelly (Charlize Theron), Gretchen Carlson (Nicole Kidman) und Kayla Pospisil (Margot Robbie). Diese drei Frauenschicksale zeigen verschiedene Facetten des Falls auf; – wobei die Geschichte von Pospisil die schwächste des Films ist. Im Gegensatz zu den realen Fox-News-Moderatorinnen Kelly und Carlson ist sie eine fiktive Figur, die als junge, aufstiegswillige und karrierebewusste Reporterin nichts zum Fortgang der historischen Ereignisse beiträgt.

Stilistisch und erzählerisch orientieren Roach und Randolph an den Werken von Aaron Sorkin („The Social Network“, „Steve Jobs“, „Molly’s Game“) und an Adam McKays „The Big Short“ und „Vice“. Ihr Film ist allerdings bei weitem nicht so dicht wie diese Filme, in denen man jede Sekunde hellwach sein muss, um nicht in der Flut von wichtigen und noch wichtigeren Informationen zu versinken. Da ist der Fall von Fox News und Roger Ailes deutlich einfacher gelagert.

Im Mittelpunkt von „Bombshell“ steht auch nicht das akkurate nacherzählen der verschiedenen Winkelzüge, sondern die intensive Beschreibung eines toxischen Umfelds, in dem sexuelle Belästigung von den Vorgesetzten geduldet und gefördert wird, während die Untergebenen und die Frauen das tolerieren und oft willig mitmachen. Das beginnt schon beim Einstellungsgespräch, wenn Ailes unverhohlen Gefälligkeiten einfordert und die künftigen Fox-News-Moderatorinnen nach ihrem Aussehen – blond, schlank, vollbusig, mit langen Beinen, die im Fernsehen ausführlich präsentiert werden – auswählt. Daneben ist die Firmenkultur von Paranoia, Hass und einer kultischen Gefolgschaft geprägt. Es ist ein Freund-Feind-Denken, das aus einer gefeierten Moderatorin innerhalb weniger Minuten eine Aussätzige macht, die von ihren früheren Kollegen mit Schmutz beworfen wird.

Zum Weitersehen: Am Montag, den 24. Februar, zeigt ZDFinfo um 21.45 Uhr Alexis Blooms spielfilmlange Doku „Sex, Trump & Fox News – Aufstieg und Fall des Roger Ailes“ (Divide and Conquer: The Story of Roger Ailes, 2018). Bloom zeichnet in einer gelungenen Mischung aus aktuellen Interviews und Archivmaterial das Leben des Fox-News-Gründers Roger Ailes nach. Seine Karriere als Politikberater begann er für Richard Nixon. Zuletzt unterstützte er mit seinem Sender die Wahlkampagne von Donald Trump. Er machte ihn zum Präsidenten.

Bombshell – Das Ende des Schweigens (Bombshell, USA/Kanada 2019)

Regie: Jay Roach

Drehbuch: Charles Randolph

mit Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie, John Lithgow, Kate McKinnon, Allison Janney, Connie Britton, Mark Duplass, Nazanin Boniadi, Malcolm McDowell

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bombshell“

Metacritic über „Bombshell“

Rotten Tomatoes über „Bombshell“

Wikipedia über „Bombshell“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Trumbo“ (Trumbo, USA 2015)

Ein Q&A mit Charlize Theron, Nicole Kidman, John Lithgow und Jay Roach (mit arg unruhiger Kamera)

DP/30 unterhält sich mt Drehbuchautor Charles Randolph über den Film

DP/30 unterhält sich mit Regisseur Jay Roach über den Film

Script to Screen unterhält sich mit Jay Roach über den Film

Megyn Kelly spricht mit einigen ehemaligen Fox-News-Kolleginnen über den Film und die damaligen Ereignisse


TV-Tipp für den 3. März: Ghostbusters

März 3, 2019

RTL, 20.15

Ghostbusters (Ghostbuster, USA 2016)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Paul Feig, Katie Dippold

TV-Premiere einer Komödie, die schon lange vor der Premiere die Fanboys auf die Palme brachte. Denn dieses Mal werden die „Ghostbusters“, die in New York Geister jagen, von Frauen gespielt.

Zum Kinostart schrieb ich: „„Ghostbusters“ ist eine launige Sommerkomödie mit vier Frauen, die ihren Mann stehen, und einem Mann, der als Blondinenwitz hundertfünfzigprozentig überzeugt, einer ordentlichen Portion Retro-Feeling und einem Humor, der einen lächelnd und wohlgestimmt aus dem Kinosaal entlässt.“

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones, Chris Hemsworth, Charles Dance, Michael Kenneth Williams, Matt Walsh, Ed Begley Jr., Andy Garcia, Bill Murray, Dan Aykroyd, Ernie Hudson, Annie Potts, Ozzy Osbourne, Sigourney Weaver

Wiederholung: Montag, 4. März, 00.20 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ghostbusters“

Metacritic über „Ghostbusters“

Rotten Tomatoes über „Ghostbusters“

Wikipedia über „Ghostbusters“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Ghostbusters“ (Ghostbuster, USA 2016)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Nur ein kleiner Gefallen“ (A simple Favor, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Bad Spies“ sind auch Spione

August 31, 2018

Was ist schlimmer? Wenn der Freund via SMS die Beziehung beendet oder wenn er ein Spion ist? Also kein langweiliger Sesselfurzer, sondern eher so der durchtrainierte, smarte James-Bond-Typ.

Audrey (Mila Kunis) glaubt zuerst ersteres. Aber dann eröffnet ihr ihr lange spurlos verschwundener Freund, dass er ein Spion sei und gerade mächtig Ärger habe. Angesichts der wilden Schießerei in ihrer Wohnung hätte sie das eh vermutet. Kurz bevor er vor ihren Augen erschossen wird, bittet er sie, einen superwichtigen USB-Stick nach Wien zu bringen. Die supergeheimen und in den falschen Händen extrem gefährlichen Informationen dürfen unter keinen Umständen in die falschen Hände fallen.

Zusammen mit ihrer Kindergartenfreundin Morgan (Kate McKinnon) macht Audrey sich von den USA auf den Weg nach Europa zu dem Übergabeort: ein nobles Café in Wien.

Dort geraten sie in die nächste Schießerei. Denn alle Restaurantgäste sind schwerbewaffnete und extrem tötungswillige Agenten., Killer und Verbrecher. So genau kann man das nicht auseinanderhalten.

Audrey und Morgan können unverletzt entkommen und beginnen ihre Tour durch Europa als extrem schusseliges Damenduo, das den extrem gefährlichen Agenten zeigt, dass „Bad Spies“ in diesem Fall die besseren Spione sind. Dabei haben die beiden chaotischen Quasselstrippen die meiste Zeit überhaupt keine Ahnung davon, in welchen Schlamassel sie hineingeraten sind, wer die Guten und wer die Bösen sind, wem sie vertrauen können und gegen wen sie kämpfen.

Vor drei Jahren schickte Paul Feig Melissa McCarthy in „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015) auf eine ähnliche Mission und sein Film ist ungleich gelungener als Susanna Fogels „Bad Spies“. Das liegt vor allem an den Witzen, die in „Bad Spies“ nicht besonders witzig sind und oft sogar nerven, wenn Mila Kunis und Kate McKinnon ewig improvisieren, ohne zu einem Punkt zu kommen. Es ist der auch aus anderen US-Komödien bekannte Impro-Klamauk.

Die Action ist dagegen gut gemacht, knackig und ziemlich brutal. Das liegt sicher auch daran, dass Stunt-Koordinator und Second-Unit-Regisseur Gary Powell verpflichtet wurde. Er war bei „Ready Player One“, „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, den letzten James-Bond-Filmen und den Jason-Bourne-Filmen für die Stunts verantwortlich. Und auch für „Bad Spies“ inszenierte er einige beeindruckende Stunt-Sequenzen. Die Härte bei diesen Szenen war von Regisseurin Fogel gewollt: „Es war mir wichtig, dass die Action genauso skrupellos ist wie in einem Film mit männlichen Helden und dass wir nichts zurückhalten oder abmildern.“.

Diese Härte verträgt sich dann nicht besonders gut mit dem leichten Ton der Comedy.

Die Story bemüht sich gar nicht, mehr als der lose Kitt zwischen Action und Blödeleien zu sein. So ist die Actionkomödie mäßig unterhaltsam und schnell vergessen.

Bad Spies (The Spy who dumped me, USA 2018)

Regie: Susanna Fogel

Drehbuch: David Iserson

mit Mila Kunis, Kate McKinnon, Justin Theroux, Gillian Anderson, Sam Heughan, Hasan Minhaj, Ivanna Sakhno, Paul Reiser, Jane Curtin

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bad Spies“

Metacritic über „Bad Spies“

Rotten Tomatoes über „Bad Spies“

Wikipedia über „Bad Spies“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Veranstalten Sie doch einmal eine richtige „Office Christmas Party“

Dezember 8, 2016

Jetzt ist wieder die Zeit für Weihnachtsfilme, mehr oder weniger feierlich, meistens weniger gelungen, oft schon an Silvester vergessen. „Office Christmas Party“, der neue Film von Josh Gordon und Will Speck (den Regisseuren von „Die Eisprinzen“ und „Umständlich verliebt“), gehört zu den weniger gelungenen. Trotz sympathischer Schauspieler, dem (ausgehend von der Erwartungshaltung) weitgehenden Verzicht auf Zoten und, für die Architekturjunkies, einem Büro-Set, das nach alten Plänen von Ludwig Mies van der Rohe gebaut und im Film großflächig zerstört wird.

In ihrer „Komödie“ (in der ich nicht einmal lachen musste) erzählen sie von der Weihnachtsfeier in der in Chicago ansässigen IT-Firma Zanotek. Clay Vanstone (T. J. Miller), der gute Filialleiter, richtet sie gegen den Willen seiner biestigen Schwester Carol (Jennifer Aniston), die Firmenchefin, aus, weil er es jedes Jahr tut, weil sie die Zweigstelle schließen will und weil er während der Feier einen potentiellen Großkunden überzeugen will, ihm einen großen Auftrag zu geben. Damit wäre dann die Schließung der Zweigstelle abgewendet und er hätte einen Grund, die Feier auszurichten, gegen den seine Schwester nichts sagen kann.

Selbstverständlich läuft die als Dekadenzfest ausgelegte Feier schnell aus dem Ruder. Allerdings nicht besonders witzig und auch ohne tiefere Erkenntnis oder Überraschungen. Die meiste Zeit hüpfen die Schauspieler quietschvergnügt durch das Bild und brüllen in Variationen „Party“ und „Sex“, während der frisch geschiedene, grundvernünftige, grundsympathische Josh Parker (Jason Bateman) endlich seine Liebe zu seiner ebenso sympathischen Untergebenen Tracey Hughes (Olivia Munn) erkennt. Sie programmiert auch gerade irgendein superrevolutionäres, firmenrettendes WLAN.

Bateman und Munn werden bei der Besetzungsliste an erster Stelle genannt, was sie damit zu den Hauptdarstellern und den Protagonisten des Films macht. Außerdem begleiten wir in den ersten Filmminuten Josh Parker vom Scheidungsanwalt zur Arbeit. Wenn „Office Christmas Party“ halbwegs stringent eine Story entwickelt hätte, würde sich der gesamte Film um sie drehen. So sind sie grundsympathische Charaktere, die man ohne große Probleme aus dem Film herausschreiben könnte. Miller böte sich als Partyveranstalter, der seine Firma retten will, da schon eher als Protagonist an. Aber im entscheidenden Moment liegt er im Krankenhaus. Und wenn dann IT-Spezialistin Hughes am Ende, wenn es in ganz Chicago kein Internet gibt, ihr WLAN-Programm schwuppdiwupp zum Laufen bringt, fragte ich mich, ob es wirklich nichts wichtigeres als ein ständig funktionierendes Internet geben soll.

Während sie immer wieder für längere Zeit die Party verlassen, läuft die Party, auch ohne sie, weiter und ein, zwei weitere Pärchen, meist gespielt von bekannten US-Comedy-Gesichtern, finden im Lauf der Weihnachtsfeier zueinander. Die wird natürlich mit reichlich Drogen (fest und flüssig) aufgepeppt. Aber das haben wir in „The Wolf of Wall Street“ pointierter, exzessiver und erkenntnisreicher gesehen.

Im Gegensatz zu einer echten Party hat die „Office Christmas Party“ zwei unbestreitbare Vorteile: nach der Party hat man keine Kopfschmerzen (außer man hat sich vorher mit alkoholischen Getränken versorgt) und schon während des Abspanns verblasst die Erinnerung an das Gesehene. „Office Christmas Party“ ist halt nur eine weitere zotige US-Komödie.

office-christmas-party-plakat

Office Christmas Party (Office Christmas Party, USA 2016)

Regie: Josh Gordon, Will Speck

Drehbuch: Laura Solon, Dan Mazer

mit Jason Bateman, Olivia Munn, T. J. Miller, Jennifer Aniston, Kate McKinnon, Courtney B. Vance, Jillian Bell, Rob Corddry, Vanessa Bayer, Randall Park, Jamie Chung, Karan Soni

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Office Christmas Party“

Metacritic über „Office Christmas Party“

Rotten Tomatoes über „Office Christmas Party“

Wikipedia über „Office Christmas Party“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ghostbusters“ – neue Gesichter, vertraute Geschichte

August 5, 2016

Lange bevor der Film in die US-Kinos kam, hatten sich im Netz die ‚Hater‘ schon ihre Meinung gebildet: der Film kann nur Scheiße sein, weil in dem neuen „Ghostbusters“-Film nicht die originalen Ghostbusters-Schauspieler wieder die Hauptrollen spielen, sondern die Ghostbusters von anderen Schauspielern gespielt werden (was schon schlimm ist) und diese auch noch von Frauen, Ja Frauen!!!, gespielt werden (was noch viel schlimmer ist).

Es gab dann zum Filmstart noch eine besonders unappetitliche Kampagne gegen Leslie Jones. Eine Afroamerikanerin; – muss ich noch mehr sagen?

Diesen Idioten kann ich nur empfehlen, sich in ihrer Wohnung einfach noch einmal die zwei alten „Ghostbusters“-Filme anzusehen. Es gibt sie noch. Sie wurden nicht verändert und sie stehen in eurer Filmsammlung. Den neuen Film könnt ihr ja getrost ignorieren.

In Hollywood war ein neuer „Ghostbusters“-Film seit Ewigkeiten im Gespräch. Immerhin waren die ersten beiden Filme von 1984 und 1989 mit Bill Murray (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle), Dan Aykroyd (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle), Ernie Hudson (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle) und Harold Ramis (2014 verstorben) enorm erfolgreich. Entsprechend naheliegend sind da in der Hollywood-Logik Pläne für einen weiteren Film, der wieder die Kasse klingeln lässt,

Für den neuen „Ghostbusters“-Film übernahm jetzt Paul Feig die Regie und er machte eigentlich alles richtig. Er und seine Mit-Drehbuchautorin Katie Dippold (sie schrieb auch das Drehbuch für Feigs „Taffe Mädels“ [The Heat, USA 2013]) versuchten sich nicht an einem Reboot, der die alte Geschichte mehr oder weniger neu schreibt, mehr oder weniger düster ist und letztendlich nur ein Remake das Originals ist. Nur schlechter. Sie nahmen sich den alten „Ghostbusters“-Film vor, der ja nicht so genial ist, wie heute manchmal behauptet wird, entstaubten ihn liebevoll und verfilmten ihn wieder mit eigenen Akzenten, wie es von einem Song mehrere Versionen geben kann, die gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Dabei ist auf der erzählerischen Ebene der genialste Schachzug der Macher, dass sie einerseits vieles aus dem alten Film verwenden (was für den Wiedererkennungswert gut ist und das Herz des Fans erfreut oder, siehe oben, auch nicht), aber es andererseits die New York erschütternden Ereignisse aus den alten „Ghostbusters“-Filmen nicht gab und es daher auch keine Ghostbusters gab. Sogar das allseits bekannte Logo wird neu erfunden. In der U-Bahn von einem Sprayer.

Der zweite Geniestreich ist die Besetzung – und dass das im Film nicht weiter thematisiert wird.

In der aktuellen „Ghostbusters“-Version, die im heutigen New York spielt, das allerdings in jedem Bild ein heimeliges Retro-Gefühl verströmt, gründen Abby Yates (Melissa McCarthy), Erin Gilbert (Kristen Wiig) und Julian Holtzmann (Kate McKinnon) die Ghostbusters. Kurz darauf stößt Patty Tolan (Leslie Jones) zu ihnen. Sie arbeitet in der U-Bahn, hat dort eine Begegnung mit einem Geist und hält eine Arbeit bei den Ghostbusters für aufregender als ihre derzeitige Arbeit. Außerdem organisiert sie das Ghostbusters-Mobil, ein 1981-83 Cadillac-Leichenwagen. Als Telefonistin stellen sie Kevin (Chris Hemsworth) ein. Er ist zwar komplett ungeeignet für den Job, aber gutmütig und gutaussehend ist. Vor allem Erin verliebt sich sofort in das propere Mannsbild.

Sie glauben, dass es Geister gibt und ihr Glaube wird durch Schleim spuckende Geister bestätigt, die sich in alten Häusern und U-Bahnen herumtreiben und am Ende sogar die ganze Stadt vernichten wollen.

Bis dahin gibt es eine schöne Kameradie zwischen den Geisterjägerinnen, einen eher zum schmunzeln einladenden Humor, etwas jugendfreien Klamauk und ein schönes Retro-Feeling. Schon der 1984er „Ghostbusters“-Film war ja eine Liebeserklärung an die klassischen Fünfziger-Jahre-Horrorfilme und auch der 2016er „Ghostbusters“-Film scheint eher in einem Fünfziger-Jahre-New-York zu spielen, was nicht nur an den historischen Gebäuden, den betont unhippen, aber praktischen Kleidern und den ebenso unhippen, aber praktischen Waffen zum Fangen und Vernichten von Geistern, sondern auch, im Finale, an der Rekonstruktion des Times Square im Stil der siebziger Jahre liegt.

Nur die ziemlich retro aussehenden Geister wurden mit modernster Tricktechnik in Szene gesetzt.

Ghostbusters“ ist eine launige Sommerkomödie mit vier Frauen, die ihren Mann stehen, und einem Mann, der als Blondinenwitz hundertfünfzigprozentig überzeugt, einer ordentlichen Portion Retro-Feeling und einem Humor, der einen lächelnd und wohlgestimmt aus dem Kinosaal entlässt.

Bis man dem ersten schleimspuckendem Geist begegnet.

Ghostbusters - Plakat

Ghostbusters (Ghostbuster, USA 2016)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Paul Feig, Katie Dippold

mit Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones, Chris Hemsworth, Charles Dance, Michael Kenneth Williams, Matt Walsh, Ed Begley Jr., Andy Garcia, Bill Murray, Dan Aykroyd, Ernie Hudson, Annie Potts, Ozzy Osbourne, Sigourney Weaver

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ghostbusters“

Metacritic über „Ghostbusters“

Rotten Tomatoes über „Ghostbusters“

Wikipedia über „Ghostbusters“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

Im AOL Building stehen die Ghostbusters Rede und Antwort

DP/30 unterhält sich mit Paul Feig über den Film

DP/30 unterhält sich mit Katie Dippold über den Film