Ich – Die Nummer eins (Le silencieux, Frankreich/Italien 1972)
Regie: Claude Pinoteau
Drehbuch: Claude Pinoteau, Jean-Loup Dabadie
LV: Francis Ryck: Drôle de pistolet, 1968 (später nach dem Film “Le Silencieux”) (Ein Sender im Gepäck)
Ein sowjetischer Kernforscher gerät in London zwischen die Fronten der Geheimdienste.
Spannender, ungewöhnliche Spionagethriller mit einem schweigsamen Helden, der das Opfer von Strukturen wird, und einem Finale in den Alpen.
Damals und heute gelobt: „Brillant inszeniert und gespielt, mit unterschwelliger Ironie und menschlichen Momenten, bietet dieser Erstlingfilm spannende Unterhaltung.“ (Katholischer Filmdienst)
„Spannender kleine Thriller“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)
Der Roman erhielt 1969 den „Grand prix de littérature policière“.
Mit Lino Ventura, Léa Massari, Leo Genn, Robert Hardy
Der zweite Atem (Frankreich 1966, Regie: Jean-Pierre Melville)
Drehbuch: Jean-Pierre Melville
LV: José Giovanni: Un règlement de comptes, 1958 (später “Le deuxième souffle”, deutsch “Der zweite Atem”)
Der gerade aus dem Knast ausgebrochene Gu beteiligt sich an einem ausgeklügelten Raub. Aber danach laufen die Dinge, vor allem wegen falsch verstandener Ehrbegriffe, aus dem Ruder.
Ein weiteres Meisterwerk von Jean-Pierre Melville.
“Der beste Gangsterfilm der letzten Jahre entstand nicht in Hollywood, sondern in den Straßen von Paris.” (Sigrid Schmitt, Süddeutsche Zeitung)
“Le deuxième souffle ist Melvilles La règle du jeu. Hatte Renoir in seiner Satire eine Gesellschaft, die nur nach bestimmten Spielregeln funktionieren kann, als hohl entlarvt, weil sie sich auch dann noch an diese Regeln klammert, wenn sie sinnlos geworden sind, so führt Melville in seinem nach einem Roman von José Giovanni entstandenen Film diese Konventionen zu ihrer letzten Konsequenz. Der Mikrokosmos der Gangster, wie Renoirs Adlige und Diener Signifikat für die Gesamtgesellschaft, ist determiniert von Regeln, die notwendig zu Untergang und Tod führen.” (Hans Gerhold in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte, Hrsg.: Jean-Pierre Melville)
Damals war es eine beliebte Übung der deutschen Verleiher, bei Melville-Filmen beherzt zur Schere zu greifen. Auch “Der zweite Atem” blieb davon nicht verschont. Über eine halbe Stunde wurde für den deutschen Kinostart 1968 aus dem Film entfernt. Arte zeigt natürlich die ungekürzte Version – und danach, um 22.40 Uhr zeigt der Sender Melvilles Glaubensdrama „Eva und der Priester“ (mit Jean-Paul Belmondo und Emmanuelle Riva).
mit Lino Ventura, Paul Meurisse, Raymond Pellegrin, Christine Fabrega, Michel Constantin, Marcel Bozzufi
Die Entführer lassen grüßen (Frankreich/Italien 1971, Regie: Claude Lelouch)
Drehbuch: Claude Lelouch, Pierre Uytterhoeven
Fünf Gauner entdecken Entführungen als Geschäftsmodell. Ihre Geisel werden immer höhere Repräsentanten der Gesellschaft.
Laue, extrem selten gezeigt Komödie, die sich – weil viel zu undifferenziert – erfolglos in Gesellschaftskritik versucht. „Die Entführer lassen grüßen“ ist, trotz einiger gelungener Szene, wirklich kein wichtiger Lelouch- oder Ventura-Film.
„Mäßig unterhaltsame Burleske mit oberflächlicher Kritik an Ideologien; stellenweise amüsant, doch überwiegend auf billige Gags und mäßige Späße ausgerichtet.“, schrieb der Katholische Film-Dienst zutreffend zum deutschen Kinostart.
Meinolf Zurhorst und Lothar Just urteilten in ihrem „Lino Ventura“-Buch ähnlich: „Lelouch, gerühmt von den Schauspielern für seine Improvisationsfreude und die Freiheit, die er seinen Darstellern lässt, trat mit ‚Die Entführer lassen grüßen’ in viele Fettnäpfchen. Sein Film ist nicht nur Gaunerkomödie, sondern auch eine deftige, nicht immer geschmacksichere Politiksatire, die alles über einen Kamm schert, seien es lateinamerikanische Freiheitsbewegungen oder die Aktivitäten der CIA…Lelouchs eigenwilliger Stil, immer auf knallige Effekte bedacht und konsumfreundlich, eingängig unterstützt durch die Musik von Francis Lai, lässt dabei manch gelungene Szene zu, etwa jene, in der die Ganoven am strand verschiedene Annäherungstaktiken für die da liegenden Schönheiten einüben. Man spürt förmlich den Spaß, den die Hauptdarsteller bei der Arbeit gehabt haben.“ Nur überträgt sich dieser Spaß nicht ins Wohnzimmer.
Mit Lino Ventura, Jacques Brel, Charles Denner, Yves Robert, Johnny Hallyday (als er selbst), Juan Luis Buñuel, André Falcon
Ein glückliches Jahr (Frankreich/Italien 1973, Regie: Claude Lelouch)
Drehbuch: Claude Lelouch
Am Silvesterabend wird Juwelendieb Simon vorzeitig aus der Haft entlassen. Im neuen Jahr will er mit seiner früheren Geliebten Françoise wieder an alte Zeiten anknüpfen. Aber sie will nicht.
Wunderschöne Krimiromanze, die mehr Romanze als Krimi ist.
Der gelungene Auftakt einer kleinen Claude-Lelouch-Reihe, in der Arte vier seiner Filme in restaurierten Fassungen zeigt. Weitere Informationen hier.
Anschließend, um 22.10 Uhr, läuft Lelouchs damals unglaublich erfolgreiche Edelschnulze „Ein Mann und eine Frau“ (Frankreich 1966), die auch am Anfang von „Ein glückliches Jahr“ zitiert wird.
Mit Lino Ventura, Françoise Fabian, Charles Gérard, André Falcon
Fünfzehn Jahre nachdem Résistance-Führer Castille von der Gestapo erschossen wurde, treffen sich auf Einladung von Marie-Octobre seine alten Weggefährten. Sie hat erfahren, dass Castille von einem von ihnen verraten wurde. Jetzt will sie Rache.
Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigtes Krimidrama, das Lino Ventura noch am Anfang seiner Karriere zeigt.
„Ein virtuos gefilmtes Dialogdrama (…) Duvivier erörtert die Schuldfrage psychologisch, statt sie ethisch zu vertiefen. So begegnet der Zuschauer einem Film, der ihn als kriminalistisches Entlarvungsstück zwar ungemein fesselt, aber menschlich ziemlich kühl lässt, weil sein Leitbild nicht Humanität, sondern Rache ist. Als effektvolles Spannungsstück mit brillanten Darstellern immerhin sehenswert.“ (Katholischer Film-Dienst)
mit Danielle Darrieux, Bernard Blier, Paul Meurisse, Serge Reggiani, Lino Ventura, Robert Dalban
Programmiert den Videorecorder für diese selten gezeigte Perle, die es auch nicht in der Arte-Mediathek geben wird
Arte, 14.00
Razzia in Paris (Frankreich 1955, Regie: Henri Decoin)
Drehbuch: Henri Decoin, Maurice Griffe
LV: Auguste le Breton: Razzia sur la chnouf, 1954
Ein Polizist ermittelt undercover gegen eine Bande von Rauschgifthändlern.
Dies ist wahrscheinlich Decoins bester Film: ein halbdokumentarischer, eher unbekannter, trotzdem wichtiger film policier, der ein genaues Bild des Drogenhandels in Paris in den Fünfzigern liefert. Außerdem verschwimmen, wie später bei Melville, die Grenzen zwischen Gut und Böse.
Arte, 20.15 Taxi nach Tobruk (Frankreich/Deutschland/Spanien 1960, Regie: Denys de la Patellière)
Drehbuch: René Havard, Denys de la Patellière, Michel Audiard
Nordafrika, 1942: Einige französische Soldaten nehmen einen deutschen Hauptmann gefangen. Bei ihrer Fahrt durch die Wüste wird ihnen ihr Gefangener zunehmend sympathisch.
„Ein abenteuerlich eingekleideter Film, der sich seine Sache – Abbau von Vorurteilen zwischen den Völkern – etwas zu leicht macht.“ (Katholischer Film-Dienst)
Selten gezeigter Kriegsfilm, der Lino Ventura noch am Anfang seiner Karriere zeigt.
Im Anschluss, um 21.50 Uhr, läuft die einstündige Doku „Michel Audiard: ‚Ich red‘ nicht mit Idioten, was hab‘ ich denn davon?“ (Frankreich 2015).
Drehbuchautor Michel Audiard, der auch einige Romane schrieb und einige Male Regie führte, schrieb auch die Drehbücher für „100.000 Dollar in der Sonne“, „Das Verhör“ (beide mit Lino Ventura), „Der Körper meines Feindes“, „Der Profi“, „Der Fall Serrano“, „Das Auge“ und viele weitere Krimis und Komödien, die oft Kassenschlager waren.
mit Lino Ventura, Charles Aznavour, Hardy Krüger, Maurice Biraud, Germán Cobos Wiederholungen
Mittwoch, 14. Oktober, 13.50 Uhr
Montag, 26. Oktober, 13.45 Uhr Hinweise Arte über „Taxi nach Tobruk“
Wikipedia über „Taxi nach Tobruk“ (deutsch, englisch, französisch) Michel Audiard in der Kriminalakte
Der Panther wird gehetzt (Frankreich/Italien 1960, Regie: Claude Sautet)
Drehbuch: José Giovanni, Claude Sautet, Pascal Jardin
LV: José Giovanni: Classe tous risques, 1958 (Das Ende vor Augen)
Gangster Abel Davos kehrt aus seinem italienischen Versteck nach Frankreich zurück. Seine alten Freunde wollen nichts mehr von ihm wissen. Nur der Einzelgänger Eric Stark hält zu ihm.
Tolles Unterweltdrama über die letzten Tage eines Gangsters. Jean-Pierre Melville war begeistert. „Für mich bedeutete dieser Film einen Wendepunkt in meiner Karriere, rein gefühlsmäßig zählt er sehr viel. Er gehört zu jenen Filmen, die ich liebe. Aber das ist ganz persönlich.“ (Lino Ventura)
Damals fand die kirchliche Filmkritik keine lobenden Worte: „Was soll eigentlich der Film? Eine spannende Handlung hat er nicht zu bieten…Dann wird zu unserer berechtigten Empörung das Leben eines Verbrechers ganz unverfroren als Beruf hingestellt. In der gleichen Weise wird die Freundestreue hier so erstaunlich gewürdigt, dass man beinahe vergisst, dass hier Menschen durch Gewaltverbrechen aneinander gebunden sind. Die Kinder des Panthers sind schließlich noch der Gipfel der Unverfrorenheit, denn sie dienen nur dem Zweck, den eiskalten Mörder außerberuflich zum rührenden Familienvater zu verklären.“ (Evangelischer Filmbeobachter)
Arte zeigt heute – erstmals – eine rekonstruierte Fassung, in der die bislang in der deutschen Fassung fehlenden Minuten enthalten sind. Sie wurden sogar nachsynchronisiert.
Der Kommissar und sein Lockvogel (Frankreich/Italien 1969, Regie: José Giovanni)
Drehbuch: José Giovanni
LV: Joseph Harrington: The last known Address, 1965
Kommissar Leonetti soll in wenigen Tagen einen seit fünf Jahren verschwundenen Zeugen finden.
Ein eher selten gezeigter Klassiker des Polizeifilms. Giovanni zeigt ohne gefällige Lösungen die zermürbende Arbeit eines Polizisten. Besonders das Ende ist in seiner bitteren Konsequenz grandios.
„Mich reizte die Idee, einen Bullen zu zeigen, der zu Fuß durch die Stadt marschiert, der weder einen schnellen Schlitten fährt, noch dieses ganze Theater wahrnimmt, das man im Kino immer sieht. Aus diesem Grund habe ich diesen Film gemacht, als Gegensatz zu allem, was existiert. Das war übrigens auch schon im Buch von Harrington, der früher selbst Polizist war.“ (José Giovanni)
Mit Lino Ventura, Marlène Jobert, Michel Constantin
Auch bekannt als „Tödliche Frist“ und „Letzter bekannter Wohnsitz“ (unter dem Titel war der Film im Kino angekündigt)
Mord in Barcelona (Frankreich 1978, Regie: Jacques Deray)
Drehbuch: Jean-Claude Carrière, Tonino Guerra, Jacques Deray
LV: John Gearon: The Velvet Well, 1946
Marineoffizier Roland Fériaud will in Barcelona nur drei Tage mit seiner Frau verbringen. Er wird er in seinem Hotelzimmer niedergeschlagen und als er in einem Sanatorium erwacht, befindet er sich in einem Alptraum. Denn er soll einen Mord beobachtet haben, seine Frau wird entführt und ein Koffer spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.
Toller, selten gezeigter atmosphärischer Thriller, der anscheinend mit der Vorlage nur wenig zu tun und ein durchaus umstrittenes Ende hat.
„Ein dichter, spannender Film, der in manchem an Hitchcock erinnert: Die Ordnung der Welt ist zerbrechlich, durch ihre Risse bricht unversehens das Grauen über die Bürger. Ein Film von großer Präzision und stilistischem Können.“ (Zoom-Filmbeobachter)
mit Lino Ventura, Claudine Auger, Paul Crauchet, Jean Bouise, Nicole Garcia, Roland Bertin
Wenn es Nacht wird in Paris (Frankreich/Italien 1954, R.: Jacques Becker)
Drehbuch: Jacques Becker, Maurice Griffe, Albert Simonin
LV: Albert Simonin: Touchez pas au grisbi, 1953 (Wenn es Nacht wird in Paris)
Max und Riton planen einen letzten Coup, der gründlich schief geht.
Gangsterfilmklassiker, der neben „Rififi“ den Beginn des französischen Unterweltfilms, den wir alle lieben, markiert.
Albert Simonin (1905 – 1980) war neben Auguste Le Breton der Begründer des modernen französischen Kriminalromans. Sie verwandten in ihren Romanen die französische Umgangssprache und lieferten präzise Studien des Gangstermilieus. Simonins Grisbi-Romane und die Hotu-Trilogie gehören zu den Klassikern, die dem Polar zu seiner unverwechselbaren Sprache verholfen haben. – In Deutschland sind seine Bücher derzeit nicht erhältlich. Die Verfilmungen seiner Romane (z. B. „Wenn es Nacht wird in Paris“, „Die Millionen eines Gehetzten“) und Drehbücher (z. B. „Lautlos wie die Nacht“) werden ab und an gezeigt.
Mit Jean Gabin, René Dary, Jeanne Moreau, Dora Doll, Gaby Basset, Lino Ventura (Debüt)
Die Legion der Verdammten (Frankreich/Italien 1982, R.: Robert Hossein)
Drehbuch: Alain Decaux, Robert Hossein
LV: Victor Hugo: Les Misérables, 1982 (Die Elenden)
Der Galeerensträfling Jean Valjean will ehrlich leben.
Sehr gelungene Romanverfilmung, die sich auf die Handlung von Victor Hugos Epos konzentrierte. Dummerweise sind gerade die Abschweifungen der eigentlich interessante Punkt des epischen Romans. Denn die Geschichte des geläuterten Sträflings und des ihn hartnäckig verfolgenden Polizisten in den Wirren der französischen Politik im frühen 19. Jahrhundert ist reinste Kolportage.
Im Kino lief eine dreistündige Fassung, heute wird eine 200-minütige Fassung präsentiert und für das französische Fernsehen entstand sogar eine gut vierstündige Fassung, die wahrscheinlich mit dieser Fassung ziemlich identisch ist.
Ach ja: Lest den Roman!
mit Lino Ventura, Michel Bouquet, Evelyne Bouix, Christiane Jean, Jean Carmet, Francoise Seigner
Drehbuch: Claude Veillot, Yves Boisset, Michel Audiard
LV: George Markstein: Chance awakening, 1978
Fast hätte der französische Geheimagent Grenier, der inzwischen in Zürich als Finanzexperte arbeitet, seine Vergangenheit als Spion vergessen. Aber jetzt aktiviert ihn die Regierung wieder. Oder hat ihn jemand anderes aktiviert? Grenier ist plötzlich in einem Spiel, dessen Regeln und Gegner er nicht kennt.
Selten gezeigter und top besetzter Agententhriller, der halt, wie die meisten, ist: viele Leute mit wechselnden Identitäten, Paranoia, Doppelspiel, Verrat – und am Ende viel Verwirrung beim Zuschauer. Insgesamt eine enttäuschende Angelegenheit.
Mit Lino Ventura, Michel Piccoli, Krystyna Janda, Bruno Cremer, Bernard Fresson, Heinz Bennent
Der Kommissar und sein Lockvogel (F/I 1969, R.: José Giovanni)
Drehbuch: José Giovanni
LV: Joseph Harrington: The last known Address, 1965
Kommissar Leonetti soll in wenigen Tagen einen seit fünf Jahren verschwundenen Zeugen finden.
Ein selten gezeigter Klassiker des Polizeifilms. Giovanni zeigt ohne gefällige Lösungen die zermürbende Arbeit eines Polizisten. Besonders das Ende ist in seiner bitteren Konsequenz grandios.
„Mich reizte die Idee, einen Bullen zu zeigen, der zu Fuß durch die Stadt marschiert, der weder einen schnellen Schlitten fährt, noch dieses ganze Theater wahrnimmt, das man im Kino immer sieht. Aus diesem Grund habe ich diesen Film gemacht, als Gegensatz zu allem, was existiert. Das war übrigens auch schon im Buch von Harrington, der früher selbst Polizist war.“ (José Giovanni)
Mit Lino Ventura, Marlène Jobert, Michel Constantin
Auch bekannt als „Tödliche Frist“ und „Letzter bekannter Wohnsitz“ (unter dem Titel war der Film im Kino angekündigt)