Neu im Kino/Filmkritik: Über Ildikó Enyedis „Die Geschichte meiner Frau“

November 5, 2021

Eigentlich ist es noch nicht einmal eine Schnapsidee: In einem Café sagt der Schiffskapitän Jakob Störr (Gijs Naber) zu seinem Freund Kodor, er werde die nächste Frau heiraten, die das Lokal betrete.

Jakob ist ein schweigsamer Seemann, der den Beruf gefunden hat, der perfekt zu ihm passt. Er ist nicht verheiratet; auch weil er noch nie eine Ehefrau, zu der er nach seinen langen Seefahrten zurückkehren kann, vermisst hat. In der Gesellschaft von anderen Menschen ist er eher unbeholfen.

Bei der ersten Frau, die sich der Tür nähert, bereut er schon sein unbedacht abgegebenes Vesprechen. Denn es ist eine ältere, übergewichtige Frau. Sie betritt das Lokal dann doch nicht. Als erste Frau betritt Lizzy (Léa Seydoux) das Café. Sie ist jung, gutaussehend, charmant und gewitzt. Eine bessere Frau hätte, auf den ersten Blick, Jakob nicht finden können. Und, entgegen aller Erwartungen, nimmt sie, leicht amüsiert, den Heiratsantrag des ihr unbekannten Mannes an.

Es ist die sagenumwobene Liebe auf den ersten Blick, die in den folgenden Tagen und, nach der Heirat, Wochen vertieft wird.

Erst später, wenn Jakob von seinen Reisen zurückkehrt, bemerkt er, dass Lizzy ein eigenes Leben hat und ihm nicht alles sagt über ihre Freunde und ihre abend- und nächtlichen Unternehmungen.

Die Geschichte meiner Frau“ ist die Verfilmung von Milán Füsts bekanntestem Roman. Ildikó Enyedi, die 2017 für „Körper und Seele“ den Goldenen Bären erhielt, bearbeitete den Roman, „ein riesiger, ausschweifender innerer Monolog, ein Strom von Selbstanalyse und Reflektion“ (Enyedi) zu einer strikt chronologisch erzählten Geschichte, die konsequent aus Jakobs Sicht erzählt wird.

Deshalb wissen wir nicht, was Lizzy in Jakobs Abwesenheit treibt. Also ob sie ihn, wie er vermutet, betrügt oder, was sie behauptet, einfach nur eine lebenslustige Frau ist, die gerne mit verschiedenen Männern ausgeht. Eigentlich erfahren wir während des gesamten gut dreistündigen Films nichts über sie, was wir nicht bereits nach den ersten Minuten wissen.

Über ihn erfahren wir auch nicht mehr. Vor allem erfahren wir nicht, warum er Lizzy so abgöttisch liebt und unbedingt mit ihr zusammen bleiben will. Denn er glaubt, dass sie ihn betrügt. Er ist eifersüchtig. Aber er will sich auch nicht aus den Fängen dieser Femme Fatale befreien.

Und umgekehrt ist unverständlich, warum Lizzy unbedingt Jakobs Ehefrau bleiben möchte.

Die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts spielenden Szenen einer Ehe kranken an dieser zunehmend unglaubwürdigen Liebesgeschichte. Entgegen des Titels „Die Geschichte meiner Frau“ wird nicht die Geschichte von Jakobs Frau erzählt. Das Liebesdrama erzählt höchstens die Geschichte seines Bildes seiner ihm unbekannten Frau, für deren Leben und Vergangenheit er sich niemals interessiert.

Außerdem ist der Film mit gut drei Stunden viel zu lang für seine doch arg redundante und damit auch langweiligen Geschichte.

Die Geschichte meiner Frau (A Feleségem Története, Ungarn/Deutschland/Frankreich/Italien 2021)

Regie: Ildikó Enyedi

Drehbuch: Ildikó Enyedi

LV: Milán Füst: A feleségem története, 1942 (Die Geschichte meiner Frau)

mit Gijs Naber, Léa Seydoux, Louis Garrel, Luna Wedler, Josef Hader, Sergio Rubini, Jasmine Trinca, Ulrich Matthes, Udo Samel

Länge: 169 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Geschichte meiner Frau“

Moviepilot über „Die Geschichte meiner Frau“

Metacritic über „Die Geschichte meiner Frau“

Rotten Tomatoes über „Die Geschichte meiner Frau“

Wikipedia über „Die Geschichte meiner Frau“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ildikó Enyedis „Körper und Seele“ (Teströl és lélekröl, Ungarn 2017)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Intrige“ gegen Dreyfus, aufgearbeitet von Roman Polanski und Robert Harris

Februar 6, 2020

Auch wer nichts über den Fall Dreyfus weiß, weiß, dass es sich um den wahrscheinlich größten Justizskandal in der Geschichte Frankreichs handelt. 1894 wird der junge jüdische Offizier Alfred Dreyfus als Spion verurteilt. Der Landesverräter soll sein restliches Leben am anderen Ende der Welt auf der Teufelsinsel verbringen. Einige Jahre später, nachdem Émile Zola seinen legendären Brief „J’accuse“ (Ich klage an) in der Zeitung „L’Aurore“ veröffentlichte und es zahlreiche weitere Aufrufe, Proteste und Gerichtsverhandlungen gegeben hatte, wird Dreyfus freigesprochen. Die Beweise gegen ihn waren fabriziert worden, weil er ein Jude war.

Die Geschichte von diesem in Frankreich immer noch bekanntem Skandal erzählen jetzt Roman Polanski und Robert Harris in „Intrige“. Die Idee, die Geschichte noch einmal zu erzählen, äußerte Polanski gegenüber Harris Anfang 2012 in Paris bei einem Mittagessen. Davor hatte Polanski mit dem Bestsellerautor, nach seinem gleichnamigem Roman, das Drehbuch für den Polit-Thriller „Der Ghostwriter“ geschrieben. Nach diesem Mittagessen begann Harris mit den Recherchen. 2013 veröffentlichte er seinen Roman „Intrige“, in dem er aus der Sicht von Oberstleutnant Marie-Georges Picquart die Geschichte des Dreyfus-Skandals nacherzählt. Picquart ist der Mann, der nach der Verurteilung und öffentlichen Degradierung von Dreyfus zum Chef der Statistik-Abteilung (vulgo dem Geheimdienst) befördert wird und bei seiner Arbeit auf Merkwürdigkeiten im Fall Dreyfus stößt. Die Beweise die gegen Dreyfus in nicht öffentlichen Verhandlungen präsentiert wurden, sind dünn. Teilweise sind es auch keine Beweise für seine Schuld und teilweise sind sie fabriziert. Picquart zweifelt immer mehr an der Schuld von Dreyfus. Dazu trägt auch bei, dass er Hinweise auf einen weiteren deutschen Spion stößt, der wahrscheinlich die Taten, die Dreyfus vorgeworfen werden, verübte. Nur: kann er das beweisen und werden seine Vorgesetzten und die Regierung auf ihn hören?

Der mit über sechshundert Seiten etwas zu umfangreich gewordene Roman erzählt die Geschichte nah, sehr nah, an den tatsächlichen Ereignissen entlang.

Schon während des Mittagessens planten Polanski und Harris eine Verfilmung. Der jetzt nach einem Drehbuch von Harris und Polanski entstandene Film folgt dem Roman und, mit einigen Straffungen und einer Konzentration auf Picquart, den historisch verbürgten Ereignissen.

Polanski erzählt Picquarts Geschichte arg gediegen. Sehr ruhig breitet er den sich für Picquart in seiner ganzen Dimension erst langsam erschließenden Skandal aus. Dabei dauert es einige Zeit, bis Picquart sich in seiner neuen Arbeit eingelebt hat und auf die ersten Spuren stößt, die ihn veranlassen, den eigentlich schon abgeschlossenen Fall Dreyfus wieder aufzurollen.

Am Ende wirkt Polanskis Polit-Thriller wie ein bebilderter Wikipedia-Artikel. Die Fakten stimmen. Die Empörung über die Verurteilung von Dreyfus und die anschließende Vertuschung durch die Regierung stellt sich dagegen im Film nicht so sehr ein wie im Roman, wo der damals allgegenwärtige Judenhass auf jeder Seite spürbar ist. Es ist ein Hass, der den gesamten Staatsapparat beherrscht. Für die Militärs, Geheimdienstler und Politiker ist Dreyfus aufgrund seiner Herkunft der ideale Täter. Er ist so ideal, dass sie später skrupellos den wahren Spion beschützen.

Damit ist „Intrige“ nicht nur eine historische Lehrstunde, sondern ein zeitlos aktueller Aufruf zur Zivilcourage und eine Anklage gegen den wieder zu alltäglich werdenden Antisemitismus.

Intrige (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: An Officer and a Spy, 2013 (Intrige)

mit Jean Dujardin, Louis Garrel, Emmanuelle Seigner, Grégory Gadebois, Hervé Pierre, Wladimir Yordanoff, Didier Sandre, Melvil Poupaud, Eric Ruf, Mathieu Amalric, Laurent Stocker, Vincent Perez, Michel Vuillermoz

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Robert Harris: Intrige

(übersetzt von Wolfgang Mülller)

Heyne, 2020 (Filmcover)

624 Seiten

10,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2013

Originalausgabe

An Officer and a Spy

Hutchinson, London, 2013

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Intrige“

AlloCiné über „Intrige“

Metacritic über „Intrige“

Rotten Tomatoes über „Intrige“

Wikipedia über „Intrige“ (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Robert Harris

Perlentaucher über „Intrige“

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Greta Gerwigs wunderbar gegenwärtige Interpretation des Klassikers „Little Women“

Februar 1, 2020

Für sechs Oscars ist „Little Women“ nominiert. Unter anderem in den Kategorien „Bester Film“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“. Zugegeben: das sind wichtige Kategorien. Aber sie ignorieren Greta Gerwigs Leistung als Regisseurin. Denn wie es ihr gelingt, ihr Ensemble so unverkrampft natürlich zusammen spielen zu lassen und wie sie aus einem historischen Stoff einen in jeder Sekunde zeitgenössischen Stoff macht, ist phantastisch. Ihr Film spielt zwischen 1861 und 1868, aber er versprüht nie den Muff eines Kostümdramas. Sie ergeht sich auch nicht in trendigen Modernismen. Sie lässt die Zeit und das Leben der titelgebenden vier kleinen Frauen vor unseren Augen wieder auferstehen. Gerade wenn die Schwestern, die mit ihrer Mutter in einer kleinen Hütte zusammen leben, in einem Raum zusammen sind, sich unterhalten, amüsieren und leiden, fühlt man sich wie ein heimlicher Beobachter.

Die Filmgeschichte selbst ist, wie Louisa May Alcotts 1868 und 1869 in zwei Bänden als „Little Women“ und „Good Wives“ erschienene Romanvorlage, eine Ansammlung von Beobachtungen, Erzählungen und Ereignissen aus dem Leben der March-Schwestern Jo (Saoirse Ronan), Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pugh) und Beth (Eliza Scanlen) an der Schwelle zum Erwachsenwerden in Neuengland. Es geht um ihren Alltag. Es geht um die Träume, die sie als Jugendliche haben und wie sie sie als Erwachsene umsetzen wollen. Es geht um ihre Beziehung zu dem deutlich vermögenderen und in einem Anwesen lebenden Nachbarn, ihre Freundschaften, die zu Liebschaften werden können (Wer ist nicht in Timothée Chalamet verliebt?) und einen fast tödlichen Unfall auf dem Eis. Damals gab es noch richtige Winter, in denen Seen zufroren, Schnee meterhoch lag und es an den Fenstern von kalten Zimmern Eisblumen gab.

Gerwig bearbeitete Alcotts umfangreiche, schon mehrmals verfilmte Vorlage frei. Sie erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen (1861 und 1868), zwischen denen sie flüssig und assoziativ wechselt. 1868 hat Jo, die schon immer eine Schriftstellerin werden wollte, ihre Erinnerungen an ihre Jugend aufgeschrieben und bietet sie einem Verleger an. Der wäre bereit, das Buch mit einigen kleinen Veränderungen zu drucken.

Durch diesen doppelt gebrochenen Blick zurück in die Jugend der March-Schwestern wird auch der Blick auf die damals gültigen gesellschaftlichen Konventionen und die Rolle der Frau geschärft. Denn egal welche Wünsche Jo, Meg, Amy und Beth haben und egal welche Ideen für ihr Leben sie in ihrer kleinen, herrschaftsfreien Kommune entwerfen, die Gesellschaft sieht keine davon als eine realistische Möglichkeit vor. Da ist letztendlich nur eine aus wirtschaftlichen Erwägungen erfolgte Heirat, in der sie von ihrem Mann abhängig ist, vorgesehen. Denn bei einer Heirat geht ihr Vermögen in das des Mannes über. Kein Wunder, dass die auf ihre Unabhängigkeit bedachte Jo nichts von einer Heirat hält.

Letztendlich ist „Little Women“, auch durch seine Struktur, eine austauschbare Ansammlung von Episoden. Daher erinnert man sich nach dem Film nicht an seine Geschichte, sondern an die Stimmung und das Zusammenspiel der Schauspielerinnen. Gerwigs zweiter Spielfiilm ist wie ein Abend mit guten Freunden. Auch wenn man am Ende nicht mehr genau sagen kann, worüber gesprochen wurde und warum die Zeit so schnell verging, weiß man, dass es gute Gespräche in guter Stimmung waren.

Little Women (Little Women, USA 2019)

Regie: Greta Gerwig

Drehbuch: Greta Gerwig

LV: Louisa May Alcott: Little Women, 1868/1869 (ursprünglich veröffentlicht in zwei Teilen als „Little Women“ und „Good Wives“) (Kleine Frauen)

mit Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Eliza Scanlen, Timothée Chalamet, Laura Dern, Meryl Streep, Tracy Letts, Bob Odenkirk, James Norton, Louis Garrel, Chris Cooper

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Little Women“

Metacritic über „Little Women“

Rotten Tomatoes über „Little Women“

Wikipedia über „Little Women“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Greta Gerwigs „Lady Bird“ (Lady Bird, USA 2017)

Ein kurzer Blick hinter die Kulisssen

Ein längerer Vergleich der verschiedenen Verfilmungen und was sie über ihre Entstehungszeit verraten


TV-Tipp für den 8. Januar: Mein Ein, mein Alles

Januar 8, 2019

3sat, 22.25

Mein Ein, mein Alles (Mon Roi, Frankreich 2015)

Regie: Maïwenn

Drehbuch: Maïwenn, Etienne Comar

Nach einem Skiunfall bilanziert Tony (Emmanuelle Bercot) in einer Reha-Klinik ihre jahrelange, äußerst stürmische Beziehung zu Georgio (Vincent Cassel).

TV-Premiere der feinfühligen Charakterstudie über eine extrem schwierige Beziehung.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Vincent Cassel, Emmanuelle Bercot, Louis Garrel, Isild Le Besco, Chrystèle Saint-Louis Augustin, Patrick Raynal

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Mein Ein, mein Alles“

Metacritic über „Mein Ein, mein Alles“

Rotten Tomatoes über „Mein Ein, mein Alles“

Wikipedia über „Mein Ein, mein Alles“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Maïwenns „Mein Ein, mein Alle“s (Mon Roi, Frankreich 2015)


TV-Tipp für den 19. Oktober: Die Träumer

Oktober 19, 2018

Tele 5, 22.00

Die Träumer (The Dreamers, Großbritannien/Italien/Frankreich 2002)

Regie: Bernardo Bertolucci

Drehbuch: Gilbert Adair

LV: Gilbert Adair: The holy innocents – A Romance, 1988 (später überarbeitet zu „The Dreamers“ und dann auf Deutsch als „Träumer“ erschienen)

Paris, Frühling 1968: Die Cinémathèque Francaise wird geschlossen. Drei Studenten, Matthew und die Zwillinge Isabelle und Theo, ziehen sich in die riesige Wohnung der Zwillinge zurück und spielen anfangs Filme nach. Später wird es immer mehr zu einem Spiel sexueller Obsessionen.

Bertoluccis Liebeserklärung an das Kino und sein bester Film seit langem. Adair meinte, so sein Agent in einem Gespräch, Bertolucci habe in dem Film das gesagt, was er in seinem Roman habe sagen wollen. Ein schöneres Kompliment hat wahrscheinlich noch kein Regisseur gehört.

Mit Michael Pitt, Eva Green, Louis Garrel, Anna Chancellor, Robin Renucci, Jean-Pierre Kalfon, Jean-Pierre Léaud

Hinweise

Film-Zeit über „Die Träumer“

Moviepilot über „Die Träumer“

Metacritic über „Die Träumer“

Rotten Tomatoes über „Die Träumer“

Wikipedia über „Die Träumer“ (deutsch, englisch)

The Oxonian Review: Jenni Quilter über „The holy innocents“, die Verfilmung, das Buch „The Dreamers“ und Gilbert Adair


TV-Tipp für den 25. August: Die Träumer

August 25, 2016

Arte, 22.30

Die Träumer (Großbritannien/Italien/Frankreich 2002, Regie: Bernardo Bertolucci)

Drehbuch: Gilbert Adair

LV: Gilbert Adair: The holy innocents – A Romance, 1988 (später überarbeitet zu „The Dreamers“ und dann auf Deutsch als „Träumer“ erschienen)

Paris, Frühling 1968: Die Cinémathèque Francaise wird geschlossen. Drei Studenten, Matthew und die Zwillinge Isabelle und Theo, ziehen sich in die riesige Wohnung der Zwillinge zurück und spielen anfangs Filme nach. Später wird es immer mehr zu einem Spiel sexueller Obsessionen.

Bertoluccis Liebeserklärung an das Kino und sein bester Film seit langem. Adair meinte, so sein Agent in einem Gespräch, Bertolucci habe in dem Film das gesagt, was er in seinem Roman habe sagen wollen. Ein schöneres Kompliment hat wahrscheinlich noch kein Regisseur gehört.

Mit Michael Pitt, Eva Green, Louis Garrel, Anna Chancellor, Robin Renucci, Jean-Pierre Kalfon, Jean-Pierre Léaud

Hinweise

Film-Zeit über „Die Träumer“

Moviepilot über „Die Träumer“

Metacritic über „Die Träumer“

Rotten Tomatoes über „Die Träumer“

Wikipedia über „Die Träumer“ (deutsch, englisch)

The Oxonian Review: Jenni Quilter über „The holy innocents“, die Verfilmung, das Buch „The Dreamers“ und Gilbert Adair


Neu im Kino/Filmkritik: „Mein Ein, mein Alles“, mein Geliebter

März 27, 2016

Tony (Emmanuelle Bercot) muss nach einem schweren Skiunfall in einer malerisch abgelegenen Reha-Klinik wieder Laufen lernen. Während dieser Heilungsprozess seine langsamen Fortschritte macht, erinnert sie sich an ihre ebenso stürmische, wie turbulente jahrelange Beziehung zu Georgio (Vincent Cassel). Die unfallbedingte Ruhepause verschafft ihr die Zeit, eine Bilanz ihres bisherigen Lebens zu ziehen und die sieht in dieser Beziehung nicht besonders gut aus.

Die gut situierte Anwältin lernte Georgio vor zehn Jahren in einer Bar kennen und war von dem extrovertierten Dandy und Frauenschwarm fasziniert. Vor allem, weil der Restaurantbesitzer sich auch für sie interessiert. Und dann überzeugt der notorisch ungebundene Lebemann und Nachtmensch nicht nur im Bett, sondern auch mit seinen Fähigkeiten als Hausmann in der Küche.

Dummerweise sind, wie Tony sich in der Reha bewusst wird, genau die Dinge, wegen denen sie sich in Georgio verliebte, auch die Dinge, die eben auch gegen eine harmonische Beziehung sprechen. Vor allem, wie sie es gerne hätte, eine langfristig bürgerliche, harmonische Beziehung mit Haus und Kind.

Maïwenn (zuletzt „Poliezei“) inszenierte ihre feinfühlige, niemand verurteilenden Charakterstudie immer nah an dem Liebespaar und ihrer ebenso turbulenten, wie auch von Anfang an problematischen Beziehung, in der jeder in dem Anderen etwas sieht, was er nicht hat und genau deshalb begehrt. Allerdings, und das merkt Tony im Lauf der Jahre und auch als Mutter des von Georgio sehnlich gewünschten Kindes, kann und will sich keiner von beiden wirklich verändern. Immer wieder verfallen sie in ihr altes Verhalten. Immer wieder begeht vor allem sie die gleichen Fehler, was dem Film, auch wegen der gewählten Struktur, etwas zirkuläres verschafft.

Schnell muss man sich als Zuschauer entscheiden, wie sehr man mit Tony mitgeht. Denn dass Georgio nicht der häusliche Traumprinz ist und auch niemals sein wird, ist schon bei ihrer ersten Begegnung offensichtlich. Auch wenn sie es anders sieht und nicht auf gutgemeinte Ratschläge hören will.

Mein Ein Mein Alles - Plakat

Mein Ein, mein Alles (Mon Roi, Frankreich 2015)

Regie: Maïwenn

Drehbuch: Maïwenn, Etienne Comar

mit Vincent Cassel, Emmanuelle Bercot, Louis Garrel, Isild Le Besco, Chrystèle Saint-Louis Augustin, Patrick Raynal

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Mein Ein, mein Alles“

Metacritic über „Mein Ein, mein Alles“

Rotten Tomatoes über „Mein Ein, mein Alles“

Wikipedia über „Mein Ein, mein Alles“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 16. Januar: Die Träumer

Januar 16, 2015

3sat, 22.35

Die Träumer (Großbritannien/Italien/Frankreich 2002, Regie: Bernardo Bertolucci)

Drehbuch: Gilbert Adair

LV: Gilbert Adair: The holy innocents – A Romance, 1988 (später überarbeitet zu „The Dreamers“ und dann auf Deutsch als „Träumer“ erschienen)

Paris, Frühling 1968: Die Cinémathèque Francaise wird geschlossen. Drei Studenten, Matthew und die Zwillinge Isabelle und Theo, ziehen sich in die riesige Wohnung der Zwillinge zurück und spielen anfangs Filme nach. Später wird es immer mehr zu einem Spiel sexueller Obsessionen.

Bertoluccis Liebeserklärung an das Kino und sein bester Film seit langem. Adair meinte, so sein Agent in einem Gespräch, Bertolucci habe in dem Film das gesagt, was er in seinem Roman habe sagen wollen. Ein schöneres Kompliment hat wahrscheinlich noch kein Regisseur gehört.

Mit Michael Pitt, Eva Green, Louis Garrel, Anna Chancellor, Robin Renucci, Jean-Pierre Kalfon, Jean-Pierre Léaud

Wiederholung: Sonntag, 18. Januar, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Die Träumer“

Moviepilot über „Die Träumer“

Metacritic über „Die Träumer“

Rotten Tomatoes über „Die Träumer“

Wikipedia über „Die Träumer“ (deutsch, englisch)

The Oxonian Review: Jenni Quilter über „The holy innocents“, die Verfilmung, das Buch „The Dreamers“ und Gilbert Adair


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