Neu im Kino/Filmkritik: Über den Screenlife-Science-Fiction-Thriller „Mercy“

Januar 22, 2026

Mit „Barmherzigkeit“ oder „Gnade” hat das „Mercy”-Programm nichts zu tun. Es wurde in Kalifornien installiert als Mittel gegen die überbordende Kriminalität. Das Programm simuliert ein Gerichtsverfahren mit Verteidigung, Jury und Richter mittels den in verschiedenen Datenbanken erhältlichen Informationen und Künstlicher Intelligenz. Am Ende steht das Urteil. Meistens die Todesstrafe, die sofort vollstreckt wird. Das Programm ist der feuchte Traum eines Law&Order-Fanatikers – und der Alptraum jedes Menschen, der auch nur im Ansatz an so etwas wie ein faires Gerichtsverfahren und den Rechtsstaat glaubt.

Die Regierung ist über die hundertprozentige Verurteilungsrate und die spürbar abgenommene Kriminalität hocherfreut.

Jetzt, wir schreiben den 14. August 2029, erwacht LAPD-Detective Chris Raven (Chris Pratt), einer der ersten und lautstärksten Befürworter des Programms, in einem Mercy-Gerichtssaal. Judge Maddox (Rebecca Ferguson), eine KI-Visualisierung, sagt ihm, dass er angeklagt sei, seine Frau ermordet zu haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass er die Tat begangen hat, liegt in diesem Moment bei fast 100 Prozent. Raven kann jetzt sofort die Tat gestehen, oder in den folgenden neunzig Minuten, die im Film in Echtzeit gezeigt werden, seine Unschuld beweisen. Dafür kann er alle im System gespeicherten Daten, wozu auch Bodycam-Aufnahmen, diverse Überwachungskameras, Smartphone-Aufnahmen und Chats gehören, anfordern und bestimmte Menschen anrufen.

Raven beteuert seine Unschuld. Und obwohl der Fall auf den ersten Blick wasserdicht ist, beginnt er zu kämpfen.

Timur Bekmambetow („Wanted“, „Ben Hur“) erzählt die Geschichte in Echtzeit und in einem Raum, der im Film pompös groß ist. Raven ist an einen ebenso pompösen Rollstuhl gefesselt. Er kann nur seine Finger bewegen. Mit diesen und seiner Stimme kann er Programme und Dateien aufrufen. Diese Dateien schweben dann durch den Raum. Aber all der visuelle Bohei kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Mercy” ein Desktop-Thriller ist, wie die von Bekmambetow produzierten Thriller „Searching“ (2018)

und „Missing” (2023). In diesen beiden sehenswerten Filmen, die ausschließlich vor einem Computerbildschirm spielen, beeindruckte, wie gut der Blick auf die relevanten Informationen gelenkt wurde. In „Missing“ war außerdem schockierend, auch wenn die Macher sicher etwas übertrieben, wie viele Informationen über einen Menschen in öffentlichen zugänglichen Datenbanken gefunden werden können.

In „Mercy” erledigen diese Blickführung des Zuschauers eine extrovertierte Kamera, viele Schnitte und teils die Grenze zur Lächerlichkeit überschreitenden Dialoge zwischen Raven und Maddox in einem Pseudo-Gerichtsprozess. In ihm werden alle Regeln eines ordnungsgemäßen Gerichtsverfahrens ignoriert zugunsten einer schlechten TV-Show, in der der Angeklagte sich zum Schein verteidigen darf. Er hat keinen Anwalt, kennt die Beweise gegen ihn nicht, hat in den meisten Fällen keine Ahnung, wie er seine Unschuld beweisen kann, und er ist unter extremem Zeitdruck. Da würde sogar Perry Mason ins Schwitzen geraten.

Judge Maddox verhält sich öfter wie eine schlecht programmierte Software. In der einen Sekunde klingt sie wie eine unparteiische Richterin, in der nächsten wie ein schlecht programmiertes altertümliches Sprachprogramm, das, eine bestimmte Antwort erwartend, stupide die letzte Frage wiederholt, im übernächtsten pocht sie auf Regeln, die sie einige Sekunden später über den Haufen wirft und am Ende agiert sie vollkommen frei.

Der Plot ist, wenn wir das ganze technische Brimborioum weglassen, ein Standard-Noir-Plot: ein Unschuldiger muss beweisen, dass er ein Verbrechen (meistens einen Mord) nicht begangen hat. Auch wenn wir in diesem Fall nicht wissen, ob Raven unschuldig ist, ändert das nichts an dem Plotmuster.

Bekmambetow erzählt, nach einem Drehbuch von Marco van Belle, diese Geschichte mit vielen technischen Spielereien in Echtzeit. Und damit ungeduldige Zuschauer immer darüber informiert sind, wann der Film endet, blinkt eine rückwärts ablaufende Uhr in Richtung spätestem Prozessende. Denn selbstverständlich kann der Angeklagte mit einem Geständnis den Prozess jederzeit verkürzen. (Mich lenkte diese Uhr immer wieder ab, weil sie mir zuverlässig verriet, an welchem Punkt in der Geschichte wir sind und wann das Drama endet.)

Über die Story selbst sollte nicht weiter nachgedacht werden. Zu vieles ist dann unlogisch oder nicht konsequent durchdacht. Das gilt für den Kriminalfall und die Welt, in der der Thriller spielt.

Am Ende ist „Mercy“, auch wegen der Optik, nur ein vernachlässigbarer Streamingfilm, der sich ins Kino verirrt hat.

Mercy (Mercy, USA 2026)

Regie: Timur Bekmambetow

Drehbuch: Marco van Belle

mit Chris Pratt, Rebecca Ferguson, Kali Reis, Annabelle Wallis, Chris Sullivan, Kylie Rogers

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Mercy“

Metacritic über „Mercy“

Rotten Tomatoes über „Mercy“

Wikipedia über „Mercy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Timur Bekmambetows „Abraham Lincoln, Vampirjäger (Abraham Lincoln: Vampire Hunter, USA 2012)

Meine Besprechung von Timur Bekmambetows „Ben Hur“ (Ben-Hur, USA 2016)


Verfilmte Bücher: „Wanted“ ist „Wanted“

Dezember 5, 2016

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Okay, Mark Millers Comic „Wanted“ hat schon einige Jahre auf dem Buckel und Timur Bekmambetows Verfilmung ist von 2008.

Aber die jetzt erschienene, schöne Sammler-Edition (mit Figurendossiers, Cover-Galerie, Figurenentwürfen und entfallenen Szenen) ist ein guter Anlass, sich den Mark Millar geschriebenen und J. G. Jones gezeichneten Comic wieder (?) durchzulesen.

Wesley Gibson ist ein Jedermann, „ein ganz normaler Kerl in einer miesen Lage“ (Gibson über Gibson). Mit 24 Jahren geht er in einem Großraumbüro einem beschissenen Job nach, für den er überqualifiziert ist (sogar mit abgebrochener Hauptschule wäre er überqualifiziert) und der von seiner Freundin betrogen wird.

Da erfährt er, dass sein Vater, den er nicht kannte, gestorben ist.

Mit dieser Nachricht wird sein Leben auf den Kopf gestellt. Denn sein Vater war stinkreich und Mitglied einer Loge. Einer ultrageheimen Bruderschaft von – und ungefähr hier beginnen Buch und Film sich radikal zu unterscheiden – Superschurken, die vor einigen Jahren die Superhelden, die sie immer bei ihren Verbrechen behinderten, vernichteten. 1986 teilten sie, in schönster Mafia-Tradition, die Welt untereinander in fünf Gebiete auf. Seitdem regieren sie unangefochten und ungestört. Gibson soll jetzt ebenfalls ein Mitglied dieser Gemeinschaft werden.

Außerdem will er herausfinden, wer seinen Vater mit einem Schuss aus einer Entfernung von zwei Städten ermordete. Sein Tod scheint im Zusammenhang mit einem gerade tobendem Machtkampf der Superschurken untereinander zu stehen.

Mit „Wanted“ hatte Mark Millar, nachdem er bereits seit längerem als Autor für verschiedene Comicserien arbeitete, vor zwölf Jahren seinen Durchbruch als Autor und Schöpfer eigener Comicwelten, die er seitdem in seinem für „Wanted“ gegründetem Label „Millarworld“ veröffentlicht.

Im Original erschienen die sechs „Wanted“-Hefte zwischen Dezember 2003 und Februar 2005, in denen er die Geschichte von Gibson sehr sprunghaft erzählt. Es gibt weniger eine Entwicklung oder eine sich stetig entwickelnde Geschichte, sondern Episoden. Oder, musikalisch ausgedrückt: „Wanted“ ist keine Symphonie, sondern eine Abfolge von Punksongs.

Davon abgesehen hat die Geschichte von Wesley Gibson schon alle Markenzeichen einer Millar-Geschichte, indem er vertraute Topoi neu, respektlos und damit überraschend zusammenmischt. Immer mit viel schwarzem Humor. Es ist auch gleichzeitig und stärker als in seinen späteren Werken, die Allmachtsphantasie eines Nerds. Denn Gibson kann als Killer plötzlich alles das machen, was er im realen Leben nie konnte. Dies thematisiert Millar am Ende von „Wanted“ auch ganz direkt, indem Gibson die Leser darauf anspricht.

Die Verfilmung – nun, Ähnlichkeiten mit der Vorlage sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

RTL II zeigt sie am Freitag, den 9. Dezember, um 22.35 Uhr und 04.00 Uhr.

Mark Millar/J. G. Jones: Wanted (Mark Millar Collection 1)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2016

192 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Wanted # 1 – 6

Millarworld/Top Cow Productions, Dezember 2003 – Februar 2005

Verfilmung

Wanted (Wanted, USA 2008)

Regie: Timur Bekmambetow

Drehbuch: Michael Brandt, Derek Haas, Chris Morgan (nach einer Geschichte von Michael Brandt und Derek Haas)

LV: Mark Millar/J. G. Jones: Wanted, 2003/2005 (Wanted)

mit James McAvoy, Morgan Freeman, Angelina Jolie, Terence Stamp, Thomas Kretschmann, Common, Chris Pratt

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ben Hur“ – neue Version, selbstverständlich wieder mit einem Wagenrennen

September 1, 2016

Die Blaupause für jede neue Verfilmung von General Lew Wallaces Roman „Ben Hur: Eine Erzählung aus der Zeit Christi“ ist das gut vierstündige Epos von 1959 mit Charlton Heston als Judah Ben Hur. Aus heutiger Sicht ist der mit elf Oscars ausgezeichnete Film, unter anderem als Bester Film des Jahres, erstaunlich holprig und oft langatmig erzählt. Und mit so viel Pathos getränkt, dass wir den Film inzwischen nur noch durch die Brille von „Das Leben des Brian“ sehen können. Berühmt ist das heute wahrscheinlich kaum noch gesehene Epos wegen des entsprechend epischen Wagenrennens, das es schon in de Stummfilmverfilmung des Romans gab.

Das Wagenrennen gibt es auch in Timur Bekmambetows flüssiger erzähltem Remake. Er beginnt sogar damit – und springt dann gut zehn Jahre zurück in die Vergangenheit. Damals waren Judah Ben Hur (Jack Huston) und Messala Severus (Toby Kebbell) beste Freunde und Brüder. Messala verlässt Judäa, um als römischer Soldat zu Ruhm und Ehre zu gelangen.

Nach Jahren kehrt er zurück nach Judäa, das er befrieden will. Also von den aufständischen Juden, die gegen die römische Besatzung kämpfen, bereinigen will. Ben Hur, der sich eigentlich aus der Politik heraushält, will seine jüdischen Brüder nicht verraten und in den Tod schicken. Damit beginnt der Konflikt zwischen Ben Hur und Messala.

Als bei der Ankunft des neuen Statthalters in Jerusalem ein Aufständischer von Ben Hurs Anwesen einen Pfeil auf ihn abschießt (das ist eine der zahlreichen Änderungen zu William Wylers Film), verhaftet Messala Ben Hur und seine Familie. Ben Hur wird Galeerensklave. Die allesamt überaus ansehnlichen Frauen des Patrizierhauses Ben Hur wandern in den Kerker.

Nach Jahren, wenige Tage vor dem Tod von Jesus (der hier auch mehrmals auftritt) kehrt Ben Hur zurück. Er will sich an Messala rächen. Während eines Wagenrennens.

Timur Bekmambetow, der die Geschichte in zwei Stunden erzählt, beschreitet in seiner Verfilmung bis zum Ende durchaus eigene Wege, die mal mehr, mal weniger gelungen sind. So war es in Wylers Film ein herabfallender Ziegel, der Pontius Pilatus bei seinem Einzug in die Stadt verletzte. Es war ein Unfall. In Bekmambetows Film ist es ein von einem Aufständischen abgeschossener Pfeil. Es ist ein Attentat und Ben Hur deckt den Täter. Diese Änderung hätte die gesamte Geschichte auf jeder Ebene beeinflussen können. Aber sie bleibt letztendlich folgenlos.

Auch später gibt es immer wieder Unterschiede. So kommt Ben Hur in der aktuellen Version niemals nach Rom. Und das bei Wyler aus heutiger Sicht unerträgliche Pathos und der religiöse Kitsch sind bei Bekmambetow nicht vorhanden. Es gibt bis auf einige kurze Auftritte von Jesus Christus und der Kreuzigung keine religiösen Symbolismen und wenig christliches Pathos. Daher erstaunt die in den USA gemachte Werbekampagne für die christlichen Filmbesucher, die aus kommerzieller Perspektive ein wichtiger Faktor sind und die eine, nun, sehr spezielle Art von Filmen lieben, in denen der rechte Glaube der einzige Qualitätsmaßstab ist.

Diese Änderungen verschieben dann Akzente in der Geschichte und den Motivationen der Charaktere und lassen Bekmambetows „Ben Hur“ zu einer durchaus eigenständigen Verfilmung werden. Allerdings keiner gelungen. So werden all die auf der Hand liegenden politischen Anspielungen nicht weiter ausgeführt. Der Konflikt zwischen Ben Hur und Messala erscheint forciert. Dabei entzündet sich der Konflikt an dem fehlgeschlagenem Anschlag auf Pontius Pilatus. Ben Hur, der den Täter beschützt, nennt seinem Freund nicht den Namen. Damit paktiert er mit den Aufständischen, vulgo Terroristen. Aber die in diesem Moment angelegte Frage nach den Formen des Widerstandes gegen ein Regime, werden nicht weiter verfolgt. Auch das Thema der Freundschaft wird nicht weiter verfolgt. So bleiben die immer wieder eingestreuten politischen und gesellschaftlichen Anspielungen in der Luft hängen.

Die Nebenfiguren sind schön aussehende Staffage und Morgan Freeman ist Morgan Freeman; mit einer „Battefield Earth“-Gedächtnisfrisur. Und, ja, das ist eine wenig subtile Anspielung auf das Niveau dieses bierernsten Sandalenfilms, der höchstens in einigen Momenten einen unfreiwilligen Humor verströmt.

Zum Schluss kommen wir, wie der Film, wieder zum Wagenrennen, das auch in dieser „Ben Hur“-Verfilmung das große Action-Set-Piece ist. Es ist lang, es ist blutig, es ist langweilig, weil die Action zwischen Schnitten und CGI-Effekten so konfus ist, dass man kurz nach dem Start den Überblick verliert. Da ist man von Timur Bekmambetow, dem Regisseur von „Wächter der Nacht“, „Wächter des Tages“ und „Wanted“, aber auch „Abraham Lincoln, Vampirjäger“, besseres gewohnt.

Er sagt dazu: „Wir haben die Actionszenen so gefilmt, wie man das heute mit seinen privaten Handy-Kameras machen würde.“

John Ridley, der für „12 Years a Slave“ einen Oscar erhielt, wird wohl nur aufgrund irgendwelcher vertraglicher Verpflichtungen als einer der Drehbuchautoren genannt. Ridley ist der Autor von „12 Years a Slave“, „Three Kings“ (nur Story-Credit), „U-Turn“ und einiger leider nicht übersetzter Romane und der Erfinder der hochgelobten TV-Serie „American Crime“. In seinen Werken setzte er sich immer kritisch mit der US-amerikanischen Geschichte und oft auch der Geschichte der Afroamerikaner auseinander. Dass er ein so unpolitisches und in jeder Hinsicht unentschlossenes Drehbuch abliefert, will ich nicht glauben.

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Ben Hur (Ben-Hur, USA 2016)

Regie: Timur Bekmambetow

Drehbuch: Keith Clarke, John Ridley

LV: General Lew Wallace: Ben-Hur: A tale of the Christ, 1880 (Ben Hur: Eine Erzählung aus der Zeit Christi)

mit Jack Huston, Toby Kebbell, Rodrigo Santoro, Nazanin Boniadi, Morgan Freeman, Sofia Black D’Elia, Ayelet Zurer, Moises Arias, Pilou Asbaek

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ben Hur“

Metacritic über „Ben Hur“

Rotten Tomatoes über „Ben Hur“

Wikipedia über „Ben Hur“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Timur Bekmambetows „Abraham Lincoln, Vampirjäger (Abraham Lincoln: Vampire Hunter, USA 2012)

Ein sehr kurzes Featurette über den Dreh des Wagenrennens

Und hier Charlton Heston als Ben Hur in der Arena. Die beiden Ausschnitte vermitteln einen guten Eindruck von der Szene. Eine komplette Version habe ich nicht gefunden.

 


Neu im Kino/Filmkritik: Das wirklich, wirklich wahre Biopic „Abraham Lincoln, Vampirjäger“

Oktober 4, 2012

Bis Steven Spielbergs anscheinend sehr staatstragender Abraham-Lincoln-Film „Lincoln“ in die Kinos kommt, können wir uns mit Timur Bekmambetows Version von Abraham Lincolns Leben vergnügen. Der „Wanted“-Regisseur wagt in seinem Biopic einen neuen Blick auf das Leben von Abraham Lincoln (12. Februar 1809 – 15. April 1865). Danach, wie schon Seth Grahame-Smith in seiner lesenswerten Biographie „Abraham Lincoln, Vampirjäger“ enthüllte, war Abraham Lincoln nicht nur Ehemann, Vater, Präsident der USA und Befreier der Sklaven, sondern auch ein sehr erfolgreicher Vampirjäger.

In seinem Roman folgt Seth Grahame-Smith den Konventionen einer Biographie, in dem er Lincolns Leben scheinbar objektiv von seiner Geburt bis zum Tod schildert, seine Behauptungen mit Bildern und Fußnoten erhärtet, peinlich genau auf die Schreibfehler in Abraham Lincolns lange verschwundenen Tagebüchern hinweist und natürlich die große Enthüllung macht, die zum Kauf des Buches animieren soll: Abraham Lincoln war Vampirjäger – und weil der Biograph Seth Grahame-Smith von Henry Sturges, einem Freund Lincolns, im heutigen New York die Tagebücher, über die es lange Zeit nur Gerüchte gab und deren Existenz von Historikern bezweifelt wurde, erhalten hat und Grahame-Smith auch mit einigen, hm, Zeitzeugen reden konnte, kann er wirklich neues über Abraham Lincoln berichten. Der Roman ist ein großer Spaß.

Für den Film nahmen sich die Macher dann, wie auch in anderen Biopics, zahlreiche Freiheiten, die Historiker die Wände hochgehen lassen, aber das Leben filmisch dramatisieren und auf die gängigen filmischen Konventionen hinbiegen. Da wird Abraham Lincolns Kampf gegen die Vampire zu einer zutiefst persönlichen Angelegenheit, die in einem großen Kampf von Lincoln gegen Adam, den für den Film erfundenen Anführer der Vampire, mündet. Ein Kampf, der auch über das Ende des Bürgerkrieges entscheidet. Dabei ist dieser Krieg, im Film, kein Krieg über die Zukunft der Sklaverei, sondern über die Zukunft Amerikas, das, wenn Lincoln verliert, ein Vampirstaat wird. Denn für die Vampire sind die Sklaven eine unerschöpfliche Quelle von billigen Mahlzeiten.

Schon davor geht es heftig zur Sache, wenn Abrahm Lincoln, dessen Leben im Film von 1820 bis 1865 episodenhaft geschildert wird, mit seiner Lieblingswaffe, einer Axt (Oookay, vielleicht nicht wirklich die beste Waffe, um gegen Vampire vorzugehen. Vor allem in engen Räumen. Aber optisch sieht’s gut aus und mit Schwertern wurde im „Highlander“ und in Old Europe geköpft.), ganze Vampirhorden abschlachtet. Bekmambetow inszenierte dies, in schönster „Wanted“-Manier, in Zeitlupe – und immer einen Hauch zu unblutig. Fast so, als hätten die Macher – erfolglos – auf eine „frei ab 12 Jahre“-Freigabe spekuliert.

Und viele dieser Schlachten und Kämpfe sind einfach zu übertrieben und zu sehr in einer Comicwelt, um wirklich ernst genommen zu werden. Die 3D-Effekte und die viel zu vielen Spezialeffekte (CGI rules!) verstärken diesen Effekt des Unrealistischen noch. Da hilft es auch nichts, dass die Vampire gegen die Abraham Lincoln und seine Freunde kämpfen, nicht vom „Twilight“-Virus infiziert, sondern echte Blutsauger sind, die auch am Tag zubeißen können.

Davon abgesehen folgt „Abraham Lincoln, Vampirjäger“ weitgehend den bekannten Pfaden eines Biopics, wie es schon zu Hollywoods Glanzzeiten gediegen und durchaus etwas langatmig in seiner chronologischen Abhandlung der wichtigen Erlebnisse des Porträtierten inszeniert wurde.

Allerdings wird im Film gerade dieser Widerspruch zwischen der absurden Prämisse und der konventionellen Form nicht genutzt.

Letztendlich ist „Abraham Lincoln, Vampirjäger“ nur „Wanted“ im 19. Jahrhundert, getarnt als blutleeres Biopic. Und dabei hätte der Film wirklich spaßig werden können.

Abraham Lincoln, Vampirjäger (Abraham Lincoln: Vampire Hunter, USA 2012)

Regie: Timur Bekmambetow

Drehbuch: Seth Grahame-Smith

LV: Seth Grahame-Smith: Abraham Lincoln – Vampire Hunter, 2010 (Abraham Lincoln, Vampirjäger)

mit Benjamin Walker, Dominic Cooper, Anthony Mackie, Mary Elizabeth Winstead, Rufus Sewell, Martin Csokas, Erin Wasson

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Vorlage

Seth Grahame-Smith: Abraham Lincoln, Vampirjäger

(übersetzt von Carolin Müller)

Heyne, 2011

496 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Abraham Lincoln – Vampire Hunter

Grand Central Publishing, 2010

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Abraham Lincoln, Vampirjäger“

Metacritic über „Abraham Lincoln, Vampirjäger“

Rotten Tomatoes über „Abraham Lincoln, Vampirjäger

Wikipedia über „Abraham Lincoln, Vampirjäger“ (deutsch, englisch)

Freigabebegründung der FSK (oder Wie ich in lobenden Worten den Horrorfilmfans erkläre, dass sie nicht in den Film gehen müssen)


Bonus

Seth Grahame-Smith stellt sein neuestes Buch „Unholy Night“ vor

und sein damals neuestes Buch „Pride and Prejudice and Zombies“ (Stolz und Vorurteil und Zombies)